Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 27. November 2022 bis Samstag 3. Dezember 2022

Erste Woche im Advent

Christoph Kunkel

Christus als der KommendeSonntag
OffenheitMontag
Der Advent der JĂŒngerDienstag
Advent mit FolgenMittwoch
Advent und EntscheidungDonnerstag
Advent schenkt HeilungFreitag
Ein Advent voller neuer ImpulseSamstag


Christus als der Kommende

27. November 2022

Erster Adventssonntag

Christoph Kunkel

Mt 24,37-44
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Wie es in den Tagen des Noach war, so wird die Ankunft des Menschensohnes sein. Wie die Menschen in jenen Tagen vor der Flut aßen und tranken, heirateten und sich heiraten ließen, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging, und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird auch die Ankunft des Menschensohnes sein. Dann wird von zwei MĂ€nnern, die auf dem Feld arbeiten, einer mitgenommen und einer zurĂŒckgelassen. Und von zwei Frauen, die an derselben MĂŒhle mahlen, wird eine mitgenommen und eine zurĂŒckgelassen. Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. Bedenkt dies: Wenn der Herr des Hauses wĂŒsste, in welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, wĂŒrde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht. Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

EinfĂŒhrendes Gebet: Furchtsam schaue ich auf all‘ unser Tun. HERR, wie triffst du mich an? Befreie doch mein Herz von Furcht, Wut, Verachtung und lass‘ mich durch alles hindurch dein Kommen bemerken und Zeichen dafĂŒr erkennen.

Bitte: Herr, ich möchte eintreten in diese Zeit. Dein Geist leite mich und finde mich.

1. Eine Ankunft steht bevor. â€žAchtsamkeit!“ Dieses Wort ist heute in aller Munde. „Schaue, fĂŒhle, denke! Mit allen Sinnen sei im Einklang mit dem Geschehen ringsherum; dein innerer Weg in der Überwindung der Ichhaftigkeit. Zur besinnlichen Zeit passt diese Tugend, doch ist sie erst christlich, wenn wir dankbar in allem das Glaubensgeheimnis bedenken und zutiefst betrachten, was und wen wir feiern: die Ankunft des Herrn Jesus Christus.

2. Der Wachsame hört die Anfrage. â€žWachsamkeit!“ ruft uns unser Herr Jesus zu. Mit diesem Evangelienabschnitt beginnt dieses Jahr der Advent. Schon immer haben wir Menschen in allen Zeiten das böse Kommen der Entgleisung und Zerstörung, das zeitliche Ende der Welt mit dem endzeitlichen Kommen des HERRN, der Parusie, in Verbindung gebracht. Da gilt es, wachsam zu sein. Gerade erlebt die Menschheit, wie sie Ängste vor einem Klimawandel und atomarer Bedrohung beeinflussen. Meint unser Herr Jesus diese innerweltliche und in der Zeit ablaufende Entwicklung? Und mĂŒssen wir fĂŒrchten, zu den ZurĂŒckgelassenen zu gehören und, wenn wir nicht aufpassen, zu denen, die vor der Sintflut „aus dem Bauch heraus“ lebten und nicht mit in die Arche kamen?

3. Christi Kommen ist geheimnisvoll. Christi Kommen ĂŒbersteigt die Logik allen zeitlichen Denkens, aber in der jetzt gefeierten Liturgie kommt er zu jedem, der darum bittet. Und die Eucharistie trĂ€gt in der Erinnerungsfeier an Vergangenes im GegenwĂ€rtigen hinein in die Zukunft und Ewigkeit. Sie wandelt uns nicht auslöschbar ĂŒber die Zeit hinweg. Christi Kommen ist jetzt, wenn wir uns betend und wachend bereiten. Das verĂ€ndert unsere Sicht auf die Weltentwicklung, was stets geprĂ€gt wird von SEINEM Kommen.

GesprĂ€ch mit Christus: Mein Herr, bereite du selbst mich auf dich vor. Sei du mir TĂŒr zum Leben und lass mich diese Zeit in deinem Herz verbringen.

Vorsatz: Heute wĂŒnsche ich das Kommen meines Erlösers zu spĂŒren und aus diesem wachsamen Geiste zu handeln. Es prĂ€ge meine Erwartung in dieser Adventszeit.


Offenheit

28. November 2022

Montag der ersten Woche im Advent

Christoph Kunkel

Mt 8,5-11
Als Jesus nach Kafarnaum kam, trat ein Hauptmann an ihn heran und bat ihn: Herr, mein Diener liegt gelĂ€hmt zu Hause und hat große Schmerzen. Jesus sagte zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Da antwortete der Hauptmann: Herr, ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst; sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund. Auch ich muss Befehlen gehorchen, und ich habe selber Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es. Jesus war erstaunt, als er das hörte, und sagte zu denen, die ihm nachfolgten: Amen, das sage ich euch: Einen solchen Glauben habe ich in Israel noch bei niemand gefunden. Ich sage euch: Viele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Lass mich glĂ€ubig mit den Sorgen fĂŒr die Meinen vor dich treten und unser Geschick in deine HĂ€nde legen.

Bitte: Herr, all das Meine sei dir geweiht und anempfohlen!

1. Religiöse Bewunderung und Glaube. Die Begegnung des Centurion mit Jesus bedarf keiner Auslegung, sie erklĂ€rt sich selbst. Ein römischer Besatzer mit wohlwollendem VerstĂ€ndnis fĂŒr die Juden, mit Kenntnis ihrer BrĂ€uche und Hierarchien, hört als Mann der Öffentlichkeit auch von Jesus. Und es entsteht aus beobachtendem Erstaunen Glaube an eine herausragende geistliche Person. Ihm, dem Polytheisten flĂ¶ĂŸt der Eine Gott Jahwe Bewunderung und Ehrfurcht ein. Göttliche Gnade, die seiner kulturellen Sozialisation weitgehend fremd ist, wird dem Hauptmann geschenkt. Zudem ist er ein fĂŒrsorglicher Vorgesetzter, der sich um die Gesundheit eines Dieners ernstlich Sorge macht.

2. Ein Gottessucher. So erscheint er uns als moderner Mensch, der aus der Gebundenheit in erstarrten religiösen oder areligiösen Praktiken selbstĂ€ndig aus der verborgenen Gnade in der eigenen Persönlichkeit einen Weg zu Gott sucht. Auch ist er uns Advent in der Bereitschaft des Kommenden durch die Begegnung mit Jesus. Dabei erkennt er das Geringe in sich vor dem Göttlichen seines GegenĂŒbers. Er ĂŒberwindet nun seine pflichtgemĂ€ĂŸe Distanz. Gottes Gnade lĂ€sst sie ihn durch das Soldatische ablegen. Die ĂŒbergroße Sorge fĂŒr seinen Diener hat ihn dahin gedrĂ€ngt

3. Offenheit. Stets gedenken wir dieses Mannes, dem wir Ă€hnlich sind mit unserem Brustschlagen im „Herr, ich bin nicht wĂŒrdig...“. Wir, die wir uns zu Jesus hingezogen fĂŒhlen, oft so halb-herzig, so halb-glĂ€ubig und lauwarm. In jeder heiligen Messe besteht dieser Wunsch des Hauptmanns nach Wandel und Hilfe fĂŒr ihn und seinen Hausstand weiter als WĂŒnsche von Menschen wie uns, deren TĂŒren des Herzens nur angelehnt sind. Daher klopfen wir an sie und wĂŒnschen, dass Er sie öffnen möge.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, deine Sehnsucht nach Einheit bedenken wir selten und beantworten sie zögerlich. Schließe du uns immer mehr fĂŒr dich auf.

Vorsatz: Die Grenzen meiner Konventionen ĂŒberschreiten, mit dem Glauben wieder in Seine NĂ€he zu kommen, darum will ich mich bemĂŒhen.


Der Advent der JĂŒnger

29. November 2022

Dienstag der ersten Woche im Advent

Christoph Kunkel

Lk 10,21-24
In dieser Stunde rief Jesus, vom Heiligen Geist erfĂŒllt, voll Freude aus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den UnmĂŒndigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Mir ist von meinem Vater alles ĂŒbergeben worden; niemand weiß, wer der Sohn ist, nur der Vater, und niemand weiß, wer der Vater ist, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. Jesus wandte sich an die JĂŒnger und sagte zu ihnen allein: Selig sind die, deren Augen sehen, was ihr seht. Ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und wollten hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.

EinfĂŒhrendes Gebet: O HERR, mir ist auf dem Weg der Pflicht, Arbeit und Familiensorgen dein barmherziger Geist verloren gegangen! Hart und roh bin ich geworden. Schenke ihn mir doch wieder und lass‘ mich durch vermeintliches Verstehen hindurch wieder Jesus erschauen, meinen Bruder und Herrn.

Bitte: Dein Wort und deine Gnade seien mir heute ein Tor zum Advent!

1. Geschenk und Gabe. Sie haben keinen Kurs in Rhetorik, keinen Unterricht in jĂŒdischer Glaubensphilosophie durchlaufen. Ganz erfĂŒllt von Jesu Wort und dem Heiligen Geist sind die 72 JĂŒnger ohne ErsatzausrĂŒstung unter die Juden gegangen, um ein Zeichen des Advents zu setzen. Sie vermochten, was den Weisen und Klugen ihres Volkes selten gelang, die Freude in Gott und das kommende Himmelreich den Mitmenschen zu verkĂŒnden, Kranke zu heilen, DĂ€monen auszutreiben.

2. Wer mich sieht, sieht den Vater. Jesus ist darob voller Freude, haben doch seine JĂŒnger in ihm den Sohn Gottes gesehen und damit hineingeschaut - soweit sie es fassen können - in die geheimnisvolle Vater-Sohn-Beziehung. In dem Jesus, der vor ihnen steht, ist Gottvater vollkommen gegenwĂ€rtig, wie, das bleibt Gott und seinem Sohn im letzten Verstehen allein vorbehalten. Ein kleiner Raum des ĂŒblichen Verstehens und Bewunderns ist in den JĂŒngern aufgesprengt worden, und es öffnet sich in ihnen ĂŒber Zeit und zeitliches Geschehen hinaus eine unbekannte Dimension. Das hat ihrem Handeln und VerkĂŒnden Kraft und BestĂ€ndigkeit gegeben und viele Menschen wieder auf den Weg zu Gott gefĂŒhrt.

3. Vertrauen. Das Handeln der JĂŒnger ist nicht eigenmĂ€chtige Umsetzung einer Theorie, sondern Nachahmung im Blick auf eine Person und geistbereite Befolgung ihrer mitgegebenen Worte. Von Mal zu Mal wuchs ihre Erfahrung: Er ist immer bei mir!

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, du warst nie allein. Und niemanden, den du dir vertraut gemacht hast, hast du je als Waise zurĂŒckgelassen. Auch mich nicht.

Vorsatz: Immer wieder auf das Geheimnis des Vaters im Sohn und des Sohnes im Vater schauen, es erneut zu finden und zu behalten suchen.


Advent mit Folgen

30. November 2022

Mittwoch der ersten Woche im Advent
Hl. Apostel Andreas
Fest

Christoph Kunkel

Mt 4,18-22
In jener Zeit als Jesus am See von GalilĂ€a entlangging, sah er zwei BrĂŒder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Als er weiterging, sah er zwei andere BrĂŒder, Jakobus, den Sohn des ZebedĂ€us, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater ZebedĂ€us im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie, und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus.

EinfĂŒhrendes Gebet: â€žLass mich dein sein und bleiben, du treuer Gott und Herr.“ Ich schaue auf die Nachfolge der Apostel und bitte dich, Gottvater, mir neuen Mut zur Nachfolge zu geben.

Bitte: Entfache in uns Christen den Geist der Nachfolge!

1. Erstberufener. Heute gedenkt die Kirche des heiligen Andreas, jenes erstberufenen Apostels, der seinen Tod am Kreuz, am danach benannten Andreas-Kreuz erlitt und seine AnhĂ€nger, zwei Tage am Kreuz schmachtend, zum Standhalten ermutigte. Dies soll etwa 60 n. Chr. in Patras passiert sein. Andreas ist Patron vieler katholischer und orthodoxer BistĂŒmer. FischhĂ€ndler und MĂ€dchen, die sich einen Mann wĂŒnschen, wenden sich gleichermaßen an ihn, dem, der so bedingungslos seinem Herrn Jesus folgte.

2. Wie radikal kann Nachfolge sein! Jesu Charisma, die Heiligkeit, die sein Auftreten ausstrahlt, veranlasst seine ersten JĂŒnger, stehenden Fußes ihre eintrĂ€gliche Arbeit zu verlassen um ihm fortan zu folgen. So stark ist seine Anziehungskraft, dass Jakobus und Johannes ihren Vater ZebedĂ€us verlassen und ihn seine Arbeit - ohne GeschĂ€ftsnachfolge - allein verrichten lassen. – Wie weit sind wir davon entfernt! Es reicht noch nicht einmal zum tĂ€glichen Rosenkranz. Wenn ich mit Menschen zu tun habe, schwingt Jesu Botschaft kaum mit. In den Vertretern unserer Kirche spricht mich selten etwas so an, dass ich in „Nachfolge“ gehen möchte. Und doch verĂ€ndert sich im Hören, Beten und Bedenken Jesu Christi meine Welt, die Sichtweise darauf, mein Denken und FĂŒhlen.

3. Mit Gott verkehren. Das Wissen der Psychologie, Anthropologie oder Soziologie hat die stete Selbsterkenntnis unserer Triebhaftigkeit als unverĂ€nderlichen, hauptsĂ€chlichen Kern, als so unbeeinflussbar in uns agierend analysiert, dass der Dreieinige Gott nur als Projektion, als Kennzeichen unserer Kultur- und Klassenzugehörigkeit ĂŒbrigbleibt. Dass aber in jedem Menschen - so die PalĂ€oanthropologen - seitdem er aus der Reihe seiner Ă€ffischen Vorfahren ausgetreten ist, die existentielle Anlage besteht, mit der Schöpfung auch immer einen Schöpfer zu erkennen, der uns ĂŒber die Begrenztheit des Leib-Seelischen hinweg trĂ€gt, leugnet unsere Zeit. Und wenn das schon so wĂ€re, dass der Schöpferglaube in allen angelegt sei, warum dann im Gott der Israelis allein und nicht in Wischnu, Mayagöttern oder TiĂ€nwang? – Weil sich im Gott Jahwe und der Religion, in die Jesus hineinkam, der persönlichste, liebende und menschennaheste HERR barmherzig offenbart. Das haben die Apostel der ersten Stunde sofort und unabdingbar gespĂŒrt und sind unserem Herrn Jesus gefolgt, der uns in seiner Auferstehung ĂŒber und durch den Tod fĂŒhrt und Hoffnung schenkt.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, deine Ankunft hat unser aller Leben verĂ€ndert. Ein Leben ohne dich zieht mich ĂŒberhaupt nicht mehr an und ist mir unvorstellbar.

Vorsatz: Heute will ich das Bild meines Herrn Jesus in mir deutlicher werden lassen und aus dieser Verbundenheit in den Tag gehen.


Advent und Entscheidung

1. Dezember 2022

Donnerstag der ersten Woche im Advent
Sel. Charles de Foucauld, Missionar

Christoph Kunkel

Mt 7,21.24-27
Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfĂŒllt. Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die StĂŒrme tobten und an dem Haus rĂŒttelten, da stĂŒrzte es nicht ein; denn es war auf Fels gebaut. Wer aber meine Worte hört und nicht danach handelt, ist wie ein unvernĂŒnftiger Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die StĂŒrme tobten und an dem Haus rĂŒttelten, da stĂŒrzte es ein und wurde völlig zerstört.

EinfĂŒhrendes Gebet: Muss man das alles so streng sagen, du milder Jesus? Und womit genau erfĂŒlle ich denn den Willen des Vaters? Geht es hier um die Heuchler? Und schließlich: kann man denn nicht auch ohne Gott ein fest gegrĂŒndetes Haus bauen?

Bitte: GĂŒtiger Vater, lass mich doch in allem, was ich sehe und bedenke, dein Wirken erkennen und allezeit deinen Geboten folgen.

1. Ist ein Minimalkonsens der richtige Weg? Wie oft hat man sich jahrhundertelang um den rechten Weg zu Gott gestritten, Glaubenskriege brachen in dieser Frage ĂŒber Europa herein. Daher will man heute in Glaubensfragen um jeden Preis Toleranz ĂŒben. Überhaupt geht es zur Zeit um die Frage, ob zu der Grundlage des gesellschaftlichen Lebens, zur ErklĂ€rung der Welt ein gottbezogenes Denken ĂŒberhaupt notwendig und plausibel ist. Unterscheidet sich die Welt ohne Gottesglauben in seinen Turbulenzen von denen, die von einer glĂ€ubigen Menschengemeinde gestaltet wurden? Chaos, Mord, Krankheit, Naturkatastrophen erklĂ€ren sich sozial- und naturwissenschaftlich besser.

2. Im Treibsand ist kein Halt. Aber was fĂŒr eine sinnlose Leere spĂŒrt ein jeder GlĂ€ubige, wenn er sein Herz unserem Gott und unserem Erlöser Jesus Christus verschließt. Wie taumeln wir im dann bleibenden Relativismus mit unseren Werten, Handlungen, Meinungen, vor allem wenn wir so tun, als hĂ€tten wir uns dem himmlischen Vater zugewandt. Dann rutschen wir „im Sand“ immer tiefer hinein. Und das passiert auch dem ganz Coolen, der meint „Es geht auch ohne Gott“. Rings herum ist dieses Taumeln nur allzu deutlich zu bemerken.

3. Gott wankt nicht. Wie befreiend ist es aber, aus dem Glauben zu leben. Verzeihend und verstehend auf die Welt um sich zu blicken und sich in seinem Handeln der FĂŒhrung Gottes zu ĂŒberlassen, immer wissend, dass es ein verzeihender Gott in seinem Sohn ist, der uns wieder aufnimmt, wenn wir unsere SĂŒnden bekennen. Diese Grundannahme hat eine liberale europĂ€ische Kultur entstehen lassen, schon vor der französischen Revolution.

GesprĂ€ch mit Christus: â€žVon Dir lass‘ mich nicht treiben, halt mich bei Deiner Ehr.“

Vorsatz: Ich bete heute mit dem seligen Bruder Charles de JĂ©sus dieses Weihegebet: „Heiligstes Herz Jesu, Quelle alles Guten, ich bete dich an, ich glaube an dich, ich hoffe auf dich, ich liebe dich, ich bereue alle meine SĂŒnden. Dir schenke ich dieses mein armes Herz, mache es demĂŒtig, geduldig, rein und in allem deinen WĂŒnschen entsprechend. Gib, o guter Jesu, dass ich in dir und du in mir lebst. BeschĂŒtze mich in Gefahren, tröste mich in TrĂŒbsal und in allen BedrĂ€ngnissen. GewĂ€hre mir die Gesundheit des Leibes, deinen Segen fĂŒr alle meine Werke und die Gnade eines heiligen Todes.“


Advent schenkt Heilung

2. Dezember 2022

Freitag der ersten Woche im Advent
Hl. Luzius, Bischof, MĂ€rtyrer

Christoph Kunkel

Mt 9,27-31
Als Jesus weiterging, folgten ihm zwei Blinde und schrien: Hab Erbarmen mit uns, Sohn Davids! Nachdem er ins Haus gegangen war, kamen die Blinden zu ihm. Er sagte zu ihnen: Glaubt ihr, dass ich euch helfen kann? Sie antworteten: Ja, Herr. Darauf berĂŒhrte er ihre Augen und sagte: Wie ihr geglaubt habt, so soll es geschehen. Da wurden ihre Augen geöffnet. Jesus aber befahl ihnen: Nehmt euch in Acht! Niemand darf es erfahren. Doch sie gingen weg und erzĂ€hlten von ihm in der ganzen Gegend.

EinfĂŒhrendes Gebet: O HERR, groß ist mein Ärger ĂŒber diese schrĂ€glaufende Welt und so gering mein Verstehen aus der Barmherzigkeit heraus. Lass mich auf dich schauen und daraus am Wandel mittun.

Bitte: Jesus, Herr, lass mich die Chancen deiner Ankunft nutzen und dich um Gnaden bitten, die nur jetzt gegeben werden.

1. Das Charisma der Heilung. MatthĂ€us 8 und 9 berichten von den verschiedensten Heilungen: DĂ€monen werden in eine Schweineherde getrieben, da ist Totenerweckung, Heilung von GelĂ€hmten, Stummen und hier jetzt von zwei Blinden, die Jesus nachrufen und -laufen. Der Glaube an die Kraft der Gottgesandten des allmĂ€chtigen Jahwe ist in Israel groß. Die Taten Jesu ĂŒbersteigen indes alles Maß, der Glaube an seine Heilsmacht ist ohne Beispiel.

2. Im Dienste des Reiches Gottes. Jesus ist kein Doktor. Es will die Menschen in das Reich Gottes fĂŒhren, es mit ihnen entstehen und grĂ¶ĂŸer werden lassen, nicht als Massensuggestion, sondern in der Heilung des BedĂŒrftigen. Denn Krankheit kann eine schlimme Barriere sein. Jesus hilft dem Verzweifelten und befreit ihn fĂŒr einen Lebensglauben in Gott. Doch Jesus weiß, dass da eine knallharte Schiedsrichterriege - Schriftgelehrte und PharisĂ€er - ihn auf die Strafbank schicken möchte
 mindestens. Er will diese Verblendeten nicht provozieren. Aber Heilung ist ĂŒberwĂ€ltigend fĂŒr jeden Einzelnen, dass er darob nicht schweigen kann.

3. Du schenkst Heilung zur rechten Zeit. Die Arbeit „der Winzer im Weinberg“ Israel wird durch die Aussendung der JĂŒnger nicht weniger. Israel kommt an einen auch politischen Wendepunkt und das unter römischer Besatzung. Vielleicht ist unser Herr Jesus genau in diese Zeit hineingeboren worden, Rettung vor der Vernichtung, die die Schriftgelehrten durch rigiden Schematismus aufhalten wollen.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, dein Wirken in der Öffentlichkeit war wieder erschwert, weil dein Befehl auf taube Ohren fiel. Aber einmal mehr hast du deine Langmut bewiesen. Heile auch mich von der Vorstellung, alles mĂŒsse nach Plan laufen.

Vorsatz: Durch mein Ă€ngstliches MĂŒhen um Heilung immer wieder den Weg zu dir suchen.


Ein Advent voller neuer Impulse

3. Dezember 2022

Samstag der ersten Woche im Advent
Hl. Franz Xaver, Ordenspriester (SJ), Glaubensbote, Patron aller katholischen Missionen

Christoph Kunkel

Mt 9,35-10,1.6-8
In jener Zeit zog Jesus durch alle StĂ€dte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, verkĂŒndete das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheiten und Leiden. Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren mĂŒde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben. Da sagte er zu seinen JĂŒngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter fĂŒr seine Ernte auszusenden. Dann rief er seine zwölf JĂŒnger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen. Er gebot ihnen: Geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Geht und verkĂŒndet: Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht AussĂ€tzige rein, treibt DĂ€monen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.

EinfĂŒhrendes Gebet: Mein Jesus, als stiller Mann in deiner JĂŒngerschar lass mich in meinen Mitmenschen Freude und Zuversicht fördern, damit sie mit mir auf dich schauen.

Bitte: Herr, lass mich wie ein Sauerteig im Stillen meinen Beitrag zum Aufbau deines Reiches beisteuern.

1. Eine Botschaft an viele. Dieser Evangelienabschnitt geht ĂŒber die vergangene Lesung hinaus. Jesus möchte in seiner grenzenlosen, mitleidsvollen Liebe möglichst vielen Kindern Israels helfen, jenen, die mĂŒde, erschöpft und orientierungslos geworden sind. Nun sendet er seine JĂŒnger mit Vollmacht aus, AussĂ€tzige und Besessene zu heilen, ja Tote zu erwecken. Die adventliche Botschaft fĂŒr die Kinder Israels darin: das Himmelreich ist nahe! Und das glauben auch wir bei aller zeitlichen und geistlichen Ferne. In und mit unserem Evangelium glauben wir an Jesus als den Messias.

2. Mancherorts ist die Erwartung noch lebendig. Ein Teil der heutigen Juden erwartet immer noch den von Jahwe Gesalbten. Manche sagen, dass er mit seinem Himmelreich unter uns ist, wenn wir in glĂ€ubiger Gemeinschaft an ihn glauben. Manche sagen, der Gesalbte wird wie ein neuer König David sein, der sein Volk im Reich Israel vereint (mit einigen Konsequenzen im politischen Denken). Andere warten auf etwas, das eben noch nicht eingetreten ist.

3. In uns schreitet seine Erlösung fort. Wenn das Christentum eine gewaltige Suggestion, die AufblĂ€hung einer intensiv frisierten Story ĂŒber einen charismatischen Mann wĂ€re, wie könnte sie ohne Hypnose, GehirnwĂ€sche, materielle Bestechung ĂŒber zwei Jahrtausende hinweg Milliarden Menschen in ihrem tiefsten Inneren so sehr erreichen? Diese frohe Botschaft Jesu Christi kann nur den nicht erreichen, der es sich knallhart verboten hat. Und selbst dann ist die barmherzige Botschaft unseres HERRN Jesus Christus seit Anbeginn in jedem Menschen auf vielfĂ€ltigste Weise da. Mit dem Schauen auf seine Geburt fĂŒgen wir in sein Menschsein immer aufs Neue seinen göttlichen Erlösungsweg ĂŒber alle Zeiten ein.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, in dir spĂŒre ich die Frische des Anfangs, das Sprudeln der Quelle. Lass meine BemĂŒhungen sich in den Strom der Initiativen einreihen, die von deinem Herzen ausgehen, um die Menschen in dein Reich einzuladen.

Vorsatz: Jesu Leben immer wieder neu anschauen, in ihm Pfade suchen, die mich aus BetrĂŒbnis und alltĂ€glichem Trott leiten.