Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 6. November 2022 bis Samstag 12. November 2022

Zweiunddreißigste Woche im Jahreskreis

Maria Boeselager

Wer anderen eine Grube grÀbt
Sonntag
Straucheln vorprogrammiertMontag
Die Liebe ist sich selbst Lohn genugDienstag
Tempel GottesMittwoch
Schon jetzt und doch noch nichtDonnerstag
Deine SchwÀche ist ein GeschenkFreitag
Gebet und GlaubeSamstag


Wer anderen eine Grube grÀbt


6. November 2022

Zweiunddreißigster Sonntag im Jahreskreis
Hl. Leonhard, Einsiedler

Maria Boeselager

Lk 20,27-38
In jener Zeit kamen einige von den SadduzĂ€ern, die bestreiten, dass es eine Auferstehung gibt, zu Jesus und fragten ihn: Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterlĂ€sst, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder die Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommen verschaffen. Nun lebten einmal sieben BrĂŒder. Der erste nahm sich eine Frau, starb aber kinderlos. Da nahm sie der zweite, danach der dritte und ebenso die anderen bis zum siebten; sie alle hinterließen keine Kinder, als sie starben. Schließlich starb auch die Frau. Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt. Da sagte Jesus zu ihnen: Die Kinder dieser Welt heiraten und lassen sich heiraten. Die aber, die gewĂŒrdigt werden, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, heiraten nicht, noch lassen sie sich heiraten. Denn sie können auch nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und als Kinder der Auferstehung zu Kindern Gottes geworden sind. Dass aber die Toten auferstehen, hat schon Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet, in der er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Ísaaks und den Gott Jakobs nennt. Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn fĂŒr ihn leben sie alle.

EinfĂŒhrendes Gebet: Mein Herr, so wie ich bin, komme ich zur dir. Mein Herr, so wie ich bin, liebst du mich. Mein Herr, so wie ich bin, möchte ich mich deinem Wort öffnen.

Bitte: Komm, Heiliger Geist, inspiriere mich, um die Liebe des Sohnes zu den Menschen neu begreifen zu können. Weite mein Herz, damit ich seine Liebe annehmen und weitergeben kann.

1. Fangfrage. Mit ihrer Frage wollen sich die SadduzĂ€er ĂŒber die Idee der Auferstehung von den Toten lustig machen. Wie reagiert Jesus auf so eine unverblĂŒmte Fangfrage? Wie begegnet er denen, die auf ihn herabschauen und ihn belĂ€cheln? Weder mit VorwĂŒrfen, noch mit Fangfragen seinerseits, nicht mit Ironie und nicht mit Verlachen. Er lĂ€sst sich zwar auf die absurde Kleinlichkeit ihrer Frage nicht ein, wendet sich aber auch nicht von ihnen ab. Stattdessen befreit sie Jesus aus ihren kleinlichen, politischen und menschlichen Verstrickungen, in denen ihr Scheinwissen sie gefangen hĂ€lt. Er fĂŒhrt sie zu einer allumfassenden Sichtweise, quasi zu „the big picture“: Er macht ihnen deutlich, dass Gott nicht der Gott der Toten, sondern der Lebenden ist, denn fĂŒr ihn sind alle lebendig. Wir sind Teil dieses â€žĂŒbernatĂŒrlichen Kosmos“, der ganz in Bezug auf Gott steht, Raum und Zeit ĂŒbersteigt und nicht nur Abraham, Isaak und Jakob umfasst, sondern auch unsere Eltern und alle unsere Vorfahren bis zum Beginn der Schöpfung. In der Auferstehung gibt es kein Gestern und kein Morgen, dort werden wir in unendlicher IntimitĂ€t mit Gott im ewigen Jetzt leben. – Betrachten wir die unendliche Liebe, die Jesus sogar zu denen hat, die ihm eine Falle stellen. Immer und immer wieder möchte er zum Vater und seiner Liebe fĂŒhren.

2. Diskutieren wie Jesus. Was können wir daraus fĂŒr unsere Begegnungen und Diskussionen lernen? Denken wir einmal darĂŒber nach, inwieweit die Themen und Fragen, die uns beschĂ€ftigen, zu unserem Besten sind, oder inwieweit sie fĂŒr unseren Glaubensweg und den unseres GegenĂŒbers wenig hilfreich sind. – HĂ€nge ich mich an Kleinigkeiten auf, oder schaue ich auf „the big picture“? Möchte ich mein GegenĂŒber lieben und zur Liebe des Vaters fĂŒhren, oder möchte ich recht haben? Ist mir die korrekte Theologie wichtiger als die Beziehung meines GegenĂŒbers zu Jesus? Wie reagiere ich auf lieblose Konversationspartner? Was kann ich von Jesus lernen?

3. Gott der Lebenden. Im Moment des Todes wird das Leben gewandelt, nicht genommen. In Jesu nachdrĂŒcklicher BekrĂ€ftigung des ewigen Lebens wird deutlich, dass neue IntimitĂ€ten und Freuden an die Stelle des jetzigen Lebens treten werden. Im neuen Leben leben alle von Angesicht zu Angesicht, und in dieser Beziehung sind alle miteinander verbunden. Die heilige Katharina von Siena schrieb folgende Worte in Gottes Mund: „Ich habe aus meinem Wort, aus meinem eingeborenen Sohn, eine BrĂŒcke gemacht, und das ist die Wahrheit. Ich habe dir die BrĂŒcke meines Sohnes gegeben, damit du auf dem stĂŒrmischen Meer dieses Lebens nicht ertrinkst.“ – Herr, bringe uns durch deinen Sohn sicher nach Hause! Stimmt es nicht, dass der Glaube an die eigene persönliche Auferstehung ein wunderbares Geschenk und ein Trost in diesem Leben ist? Er gibt allem, was dein Leben ausmacht, einen Sinn. Das kommt in unseren Gebeten zum Ausdruck, aber hoffentlich auch in unserem Umgang und Zeugnis mit anderen. Wir sind geschaffen fĂŒr ewige, liebende Gemeinschaft. Jesus will in und durch uns diese liebende Gemeinschaft schon hier auf Erden beginnen.

GesprĂ€ch mit Christus: Mein Herr und mein Gott! Ich danke dir von Herzen, dass du uns vorlebst, wie man den Menschen in Liebe und Wahrheit begegnet. Erwecke in mir neu die sichere Hoffnung auf die Auferstehung und den Himmel. Hilf mir, Zeugnis abzulegen fĂŒr diese Hoffnung, die unser ganzes Leben verĂ€ndert.

Vorsatz: Ich will das nĂ€chste Mal in einer Diskussion oder Unterhaltung bewusst den Heiligen Geist einladen und ihn bitten, mir beizubringen, wie ich meinem GegenĂŒber in der Liebe Jesu begegnen kann.


Straucheln vorprogrammiert

7. November 2022

Montag der zweiunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Willibrord, Bischof, Glaubensbote

Maria Boeselager

Lk 17,1-6
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Es ist unvermeidlich, dass VerfĂŒhrungen kommen. Aber wehe dem, der sie verschuldet. Es wĂ€re besser fĂŒr ihn, man wĂŒrde ihn mit einem MĂŒhlstein um den Hals ins Meer werfen, als dass er einen von diesen Kleinen zum Bösen verfĂŒhrt. Seht euch vor! Wenn dein Bruder sĂŒndigt, weise ihn zurecht; und wenn er sich Ă€ndert, vergib ihm. Und wenn er sich siebenmal am Tag gegen dich versĂŒndigt und siebenmal wieder zu dir kommt und sagt: Ich will mich Ă€ndern!, so sollst du ihm vergeben. Die Apostel baten den Herrn: StĂ€rke unseren Glauben! Der Herr erwiderte: Wenn euer Glaube auch nur so groß wĂ€re wie ein Senfkorn, wĂŒrdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden, und verpflanz dich ins Meer!, und er wĂŒrde euch gehorchen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Mein Herr, so wie ich bin, komme ich zur dir. Mein Herr, so wie ich bin, liebst du mich. Mein Herr, so wie ich bin, möchte ich mich deinem Wort öffnen

Bitte: Heiliger Geist, bitte erleuchte und erfĂŒlle mich: meine Gedanken, meine GefĂŒhle und mein Herz, damit ich erkenne, wo und wem ich vergeben soll. Wo ich um Vergebung und Heilung bitten soll.

1. FĂŒr die Kirche. Das Bild des um den Hals gebundenen MĂŒhlsteins lĂ€sst uns einen Schauer ĂŒber den RĂŒcken laufen. Diese harten Worte ĂŒber den Skandal erinnern uns möglicherweise an sehr schmerzhafte Erfahrungen in der Kirche. Über all diese Erfahrungen reden wir hĂ€ufig auf politischer oder gesellschaftlicher Ebene. Vielleicht ist es heute einmal an der Zeit, dass du mit Jesus darĂŒber redest? Frag ihn, wie er auf die Situation der Kirche schaut. Auf das Leid, das sie verursacht hat, auf die Wunden, die sein Leib, die Kirche, trĂ€gt. Zeig ihm, was in dir vorgeht. Vielleicht Verunsicherung, vielleicht Wut, vielleicht möchtest du lieber wegsehen, weil es dich nervt, ĂŒberfordert oder scheinbar „nichts angeht“. Egal was in dir vorgeht, bring es zu ihm und stell dich, die Betroffenen und die Kirche unter seinen Blick.

2. FĂŒr die anderen. Der Herr ruft uns heute deutlich zur Vergebung auf. Wenn uns jemand verletzt oder verĂ€rgert, sollen wir ihm vergeben. – Jesus, wir sind so schnell darin, jemanden beim Namen zu nennen und zu beschuldigen, so schnell darin, zu verurteilen, so anfĂ€llig dafĂŒr, an einem Groll, den wir gegen eine andere Person hegen, festzuhalten, auch wenn die Geschehnisse schon lange zurĂŒckliegen. Lehre uns, zu vergeben, Vater, wie du uns vergeben hast! Und ich frage mich: WĂŒrde ich mich selbst als einen vergebenden Menschen bezeichnen? Weiß ich, was mich daran hindert, zu vergeben? Gibt es jemanden, der mir besonders in den Sinn kommt? – Bring all dies zu Jesus. Und frage dich: Um welche Gnade/welchen Segen möchtest du Jesus in dieser Frage der Vergebung bitten?

3. FĂŒr mich. AnlĂ€sse zum Straucheln sind vorprogrammiert. Jesus sagt uns, dass wir trotz unserer BemĂŒhungen, ein gutes Leben zu fĂŒhren, mit Sicherheit stolpern werden. Er ist sich dessen bewusst, und deshalb macht er uns das wunderbare Geschenk der Versöhnung. Meine SchwĂ€che erschreckt ihn nicht. Aber erschreckt sie mich? Er selbst ist drei Mal gefallen, hat sich dreimal aufgerappelt und ist den Kreuzweg weitergegangen. Kann ich mit meinem eigenen Stolpern zurechtkommen? Kann ich mich in meiner Schwachheit lieben, so wie er mich liebt? Wenn ich das lerne, habe ich vielleicht im Herzen etwas mehr MitgefĂŒhl fĂŒr meinen ebenso schwachen NĂ€chsten. Danke, Herr, fĂŒr das große Geschenk des Glaubens und der Vergebung. Danke fĂŒr deine Bedingungslose Liebe!

GesprĂ€ch mit Christus: Mein Herr und mein Gott, wie barmherzig, wie liebevoll, wie ehrlich ist dein Blick auf jeden SĂŒnder und auf jeden, dem Leid zugefĂŒgt wurde. Sei du mein Vorbild im Umgang mit der Kirche, meinen Mitmenschen und mir selbst.

Vorsatz: Ich möchte heute in einem Moment der Stille fĂŒr drei Anliegen beten: fĂŒr „die Kleinen“, die in unserer Kirche zum Straucheln gebracht wurden, und fĂŒr die, die sie verletzt haben (1); fĂŒr alle, die mich verletzt haben. In deinem Namen, Jesus, vergebe ich ihnen und bitte dich darum, mir Geduld mit ihnen zu geben (2). Ich bete fĂŒr mich, dass ich lerne, auf mich selbst mit der Geduld und Liebe zu schauen, mit der du auf mich schaust, mein Herr (3).


Liebe ist sich selbst Lohn genug

8. November 2022

Dienstag der zweiunddreißigsten Woche im Jahreskreis

Maria Boeselager

Lk 17,7-10
In jener Zeit sprach Jesus: Wenn einer von euch einen Sklaven hat, der pflĂŒgt oder das Vieh hĂŒtet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm gleich Platz zum Essen? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gĂŒrte dich, und bediene mich; wenn ich gegessen und getrunken habe, kannst auch du essen und trinken. Bedankt er sich etwa bei dem Sklaven, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde? So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnĂŒtze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.

EinfĂŒhrendes Gebet: Mein Herr, so wie ich bin, komme ich zur dir. Mein Herr, so wie ich bin, liebst du mich. Mein Herr, so wie ich bin, möchte ich mich deinem Wort öffnen.

Bitte: Komm, Heiliger Geist, zeig mir die AttraktivitĂ€t der demĂŒtigen Liebe Jesu!

1. Kindlicher Gehorsam. Die Sklaverei war in den meisten antiken Kulturen akzeptiert, und die Zuhörer Jesu wĂŒrden die Aussage, die er hier macht, leicht verstehen. In der modernen Welt haben wir die Sklaverei abgelehnt und erkennen sie als ungerecht. Wenn wir also dieses Beispiel, wie Jesus es tut, auf die Beziehung zwischen Gott und uns selbst anwenden, wird uns das wahrscheinlich unangenehm sein. Aber vielleicht können wir akzeptieren, dass unser Gehorsam gegenĂŒber Gott einfach durch die wesentliche Beziehung, in der wir als Geschöpfe zu ihm stehen, bedingt ist? Dass wir nicht an erster Stelle gehorchen, um uns rĂŒhmen zu können oder um eine Belohnung zu verdienen? Da unser Gehorsam der eines Sohnes oder einer Tochter gegenĂŒber einem liebenden Vater ist, können und mĂŒssen wir uns seine Liebe nicht verdienen, denn jeder von uns ist schon jetzt unendlich geliebt. Geliebter als jetzt werde ich niemals sein!

2. Die Liebe ist sich selbst Lohn genug. Jesus benutzt ein Beispiel aus dem damaligen Alltag, um seinen JĂŒngern mitzuteilen, dass der Dienst an anderen in Wirklichkeit ein Privileg ist und deshalb keiner Belohnung bedarf. Papst Franziskus kommentierte diese Lesung mit den Worten: „Jesus lehrte uns, dass ‚der Leiter wie einer wird, der dient‘, und dass ‚wer der Erste sein will, der Diener aller sein muss‘. Auf diese Weise hebt Jesus die Werte der Weltlichkeit auf. Es ist kein Zufall, dass wir, wenn wir dem Herrn frei dienen, einen immer tieferen Frieden spĂŒren.“ Weiter fĂŒhren uns noch diese Worte: „Wir sind wertlose Sklaven, wir haben nur getan, was wir hĂ€tten tun sollen!“ Was fĂŒr eine enorme Portion Realismus wird uns hier serviert. Sie bewahrt uns vor SelbstĂŒberschĂ€tzung, aber auch vor Leistungsdruck, selbst auf geistlichem Gebiet. Herr, hilf mir zu verstehen, dass der Weg zu echter Demut darin besteht, zu akzeptieren, wer ich bin, und mich selbst, meine Fehler und Leistungen nicht zu ernst zu nehmen. Jesus zeigt hier, dass demĂŒtiger Dienst, der aus Liebe zu ihm geschieht, sich selbst Lohn genug ist.

3. Jesus macht’s vor! Beim Letzten Abendmahl tat unser Gott, was kein normaler Herrscher tun wĂŒrde: Er zog sich eine SchĂŒrze an und wusch seinen JĂŒngern die FĂŒĂŸe. Dann sagte er ihnen, dass er dies tut, damit sie untereinander ebenso handeln und Anteil an ihm haben. – Ich bete um ein grĂ¶ĂŸeres VerstĂ€ndnis: fĂŒr die Liebe Jesu zu uns und dafĂŒr, wie zentral der demĂŒtige Dienst fĂŒr unsere Nachfolge ist. Herr, hilf mir, zu erfahren, dass die Liebe mich erfĂŒllt und lebendig macht.

GesprĂ€ch mit Christus: Liebster Herr, du hast deine Zeit nicht damit verbracht, dich dessen zu rĂŒhmen, was du getan und erlitten hast. Du warst wie ein Sklave, hast uns allen gedient, uns die FĂŒĂŸe gewaschen und bist fĂŒr uns gestorben. Mach mich dir ein bisschen Ă€hnlicher in deiner Demut und Selbstvergessenheit. Lass mich Anteil haben an dir und deiner ewigen Freude in diesem Dienst.

Vorsatz: Ich will mir einen Moment Zeit nehmen und den Herrn bitten, mir die Schönheit seiner Liebe zu zeigen. Ich möchte ihn bitten: „Herr, zeig mir die wahre Schönheit und AttraktivitĂ€t deiner demĂŒtigen Liebe. Reinige meine Motivationen im Dienst an anderen. Schenk mir die Gnade, aus Dankbarkeit fĂŒr deine unendliche Liebe, zu deiner Ehre, zu handeln.“ Geh mit diesem Gebet im Herzen (in deinen eigenen Worten) durch den heutigen Tag und suche voller Freude Gelegenheiten fĂŒr diesen demĂŒtigen Dienst.


Tempel Gottes

9. November 2022

Mittwoch der zweiunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Weihetag der Basilika am Lateran in Rom
Fest

Maria Boeselager

Joh 2,13-22
Das Paschafest der Juden war nahe und Jesus zog nach Jerusalem hinauf. Im Tempel fand er die VerkĂ€ufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen. Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus samt den Schafen und Rindern; das Geld der Wechsler schĂŒttete er aus, ihre Tische stieß er um und zu den TaubenhĂ€ndlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle! Seine JĂŒnger erinnerten sich, dass geschrieben steht: Der Eifer fĂŒr dein Haus wird mich verzehren. Da ergriffen die Juden das Wort und sagten zu ihm: Welches Zeichen lĂ€sst du uns sehen, dass du dies tun darfst? Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten. Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten? Er aber meinte den Tempel seines Leibes. Als er von den Toten auferweckt war, erinnerten sich seine JĂŒnger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.

EinfĂŒhrendes Gebet: Mein Herr, so wie ich bin komme, ich zur dir. Mein Herr, so wie ich bin, liebst du mich. Mein Herr, so wie ich bin, möchte ich mich deinem Wort öffnen.

Bitte: Komm, Heiliger Geist, hilf mir zu erkennen, wie groß und wertvoll ich bin, weil der Herr selbst mich als seinen Tempel erwĂ€hlt hat. Hilf mir, dem Herrn in diesem Tempel voller Ehrfurcht zu begegnen.

1. Du bist ein Tempel. Der Tempel steht fĂŒr den Ort und die Gegenwart Gottes. Jesus erklĂ€rt, dass ein neuer Tempel in seinem eigenen, auferstandenen Leib errichtet werden wird. Gottes Gegenwart wird sich so nicht auf einen einzigen geografischen Ort beschrĂ€nken, denn Gott ist ĂŒberall und er vermag alle Dinge und alle Zeiten zu heiligen. „Wir sind der Tempel Gottes“ in der Welt, schreibt der heilige Paulus. Habe ich diese unfassbare RealitĂ€t wirklich begriffen? Ich bin ein lebendiger Tempel, in dem das Wort Gottes ewig gesprochen wird.

2. Der Tempel als Markthalle. Der Tempel war das Zentrum des jĂŒdischen Lebens. Jesus wendet sich nicht gegen den Tempel, sondern gegen das, was der Tempel geworden ist: ein Marktplatz statt eines Ortes der Anbetung. FĂŒr Jesus ist der Tempel der Ort der Anbetung des Vaters. Des Vaters, der alle Menschen gleichermaßen liebt und dessen Liebe nicht erkauft werden kann. – Manchmal können wir mit Gott in Verhandlungen treten. Wir sagen vielleicht: „Wenn du dies fĂŒr mich tust, werde ich das fĂŒr dich tun.“ Oder „Wenn ich nur so und so viel bete und deine Regeln befolge, dann wirst du
“ Wir können unsere Beziehung zu Gott leicht in eine Art Transaktion verwandeln. Wenn ich Zeit im Gebet verbringe, suche ich dann Gott oder suche ich das, was er mir geben kann?

3. Teil eines Tempels. Die Lateranbasilika ist die Kathedrale des Papstes, und das heutige Fest erinnert uns daran, dass wir als GlĂ€ubige Glieder des Volkes Gottes, der Weltkirche, sind. Dies kann manchmal zu einer Quelle der Frustration und sogar des Ärgers werden, aber es ist auch die Quelle von viel Dankbarkeit und Trost: Wir haben den Glauben empfangen, weil er in der Kirche lebendig gehalten wurde. Diese Kirche ist, damals wie heute, eine Kirche der SĂŒnder, aber auch der Heiligen. So sind auch wir dafĂŒr verantwortlich, diesen wunderschönen Glauben zu bewahren und weiterzugeben. Nehme ich mich als einen Baustein des lebendigen Tempels Gottes in der Welt war?

GesprĂ€ch mit Christus: Mein Jesus, ich danke dir, dass du in mir lebst und ich in dir lebe. Danke, dass du in mir und in der Kirche, einem noch nicht perfekten Tempel, deine Heilsgeschichte schreibst.

Vorsatz: Ich verbringe jetzt ein paar Minuten damit, mich einfach nur auf Gott zu konzentrieren, ohne irgendeinen Plan. Ich genieße einfach seine Gegenwart in mir, seinem geliebten Tempel.


Schon jetzt und doch noch nicht

10. November 2022

Donnerstag der zweiunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Leo der Große, Papst, Kirchenlehrer
Gedenktag

Maria Boeselager

Lk 17,20-25
In jener Zeit als Jesus von den PharisĂ€ern gefragt wurde, wann das Reich Gottes komme, antwortete er: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an Ă€ußeren Zeichen erkennen könnte. Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es!, oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch. Er sagte zu den JĂŒngern: Es wird eine Zeit kommen, in der ihr euch danach sehnt, auch nur einen von den Tagen des Menschensohnes zu erleben; aber ihr werdet ihn nicht erleben. Und wenn man zu euch sagt: Dort ist er! Hier ist er!, so geht nicht hin, und lauft nicht hinterher! Denn wie der Blitz von einem Ende des Himmels bis zum andern leuchtet, so wird der Menschensohn an seinem Tag erscheinen. Vorher aber muss er vieles erleiden und von dieser Generation verworfen werden.

EinfĂŒhrendes Gebet: Mein Herr, so wie ich bin, komme ich zur dir. Mein Herr, so wie ich bin, liebst du mich. Mein Herr, so wie ich bin, möchte ich mich deinem Wort öffnen.

Bitte: Christus, nur du kannst mir als König deines Reiches die Augen fĂŒr die Gegenwart dieses Reiches öffnen. Bitte schenke mir den Heiligen Geist, damit ich die Welt und mein Leben durch deine Augen sehen darf. Dein Reich komme – in mir!

1. Schmerzhafte Sehnsucht. Die PharisĂ€er stellen hier die eine Frage, die alle Juden voll schmerzhafter Sehnsucht in sich tragen: „Wann kommt denn endlich, was der Herr uns versprochen hat? Wann hört das Hoffen und Glauben endlich auf und das Anfassen und Sehen beginnt?“ – Kennst du das nicht auch? Diese Ungeduld, der Herr möge endlich erfĂŒllen, was er dir versprochen hat? Die Bibel ist bis zum Rand voll mit Versprechen, von denen jedes einzelne dir persönlich gilt, denn es ist lebendiges Wort Gottes, fĂŒr dich! Welche Versprechen hat er ganz besonders in dein Herz gelegt? Welche hast du vielleicht vergessen, oder begraben, weil es zu schmerzhaft ist, warten zu mĂŒssen? Wo hast du dich mit dem zufriedengegeben, was die Welt dir gibt und aufgehört, mit leeren HĂ€nden auf das zu hoffen, was das Reich Gottes dir verspricht?

2. Geheime ErfĂŒllung. Christus sieht und versteht ihre Sehnsucht, ihre Ungeduld, ihren Schmerz. So sieht er auch heute deine Sehnsucht, deine Ungeduld, deinen Schmerz. Er versteht es und antwortet nicht auf die Weise, wie wir es gerne hĂ€tten, aber auf die Weise, wie wir es brauchen! Er sagt: „Ich sehe deine Suche nach der ErfĂŒllung meiner Versprechen in Ă€ußeren UmstĂ€nden, in spektakulĂ€ren VerĂ€nderungen deiner selbst oder deines Lebens. Aber ich flehe dich an: Vergiss nicht das höchste, schönste und grĂ¶ĂŸte Versprechen, dass ich dir mache: Ich verspreche dir mich selbst.“ Das Reich Gottes ist Christus selbst in uns! LĂ€sst du zu, dass Gott dich mehr und mehr in Besitz nimmt? So kommt das Reich Gottes in deinem Herzen zur BlĂŒte. Wir schauen oft auf das Außergewöhnliche, um uns zu vergewissern, dass Gott in unserem Leben gegenwĂ€rtig ist. Doch Gott ist viel öfter in der Stille zu finden; in stiller Ausdauer, stiller Freude, stiller Freundlichkeit und GĂŒte. Wir mĂŒssen Ruhe und Stille in unserem Leben zulassen, um sein Reich und seine Gegenwart in uns wachsen sehen zu können. Dann werden wir erleben, dass er seine Versprechen auf spektakulĂ€r andere Weise erfĂŒllt, als die Welt es tut.

3. Die Zwischenzeit. Christus ist immer ehrlich mit uns. Er verheimlicht nicht, dass das Reich Gottes noch nicht in seiner ganzen FĂŒlle da ist. Wir alle erleben das, eben diese schmerzhafte Sehnsucht nach dem Himmel auf Erden, danach, schon sein zu dĂŒrfen, wozu wir geschaffen wurden. Diese „Zeit dazwischen“ ist schwierig und oft rĂ€tselhaft, denn die Guten mĂŒssen viel Leid und Ablehnung ertragen, wie Jesus selbst eben auch. Mitten in dieser rĂ€tselhaften Zwischenzeit dĂŒrfen wir immer wieder einen Vorgeschmack des Ewigen erleben. FĂŒr diesen Geschmack mĂŒssen wir unsere Zunge allerdings schulen. Es braucht Übung und Achtsamkeit, vor allem aber Glaube, Hoffnung und Liebe, um Jesu Gegenwart, seine Liebe in den Menschen und UmstĂ€nden entdecken zu können.

GesprĂ€ch mit Christus: Christus, ich danke dir, dass du dich mir selbst versprichst und dass du dich mir schenkst. Ich bitte dich, erwecke Hoffnung und Glaube ganz neu in mir, um deine Versprechen an mich ersehnen und erwarten zu können. Vergib mir, wo ich aufgehört habe zu warten und vielmehr versucht habe, selbst fĂŒr mich zu sorgen. Öffne mir die Augen fĂŒr deine Gegenwart in mir und der Welt. Begleite mich in dieser Zwischenzeit, in diesem „Schon jetzt und doch noch nicht.“

Vorsatz: Ich will mir drei Versprechen vergegenwĂ€rtigen, die der Herr mir macht. Ich will meine feste Hoffnung auf ihre ErfĂŒllung erneuern. Gleichzeitig schenke ich dem Herrn all meine Ungeduld und Sehnsucht, in der Gewissheit, dass mein Warten fruchtbar ist und dass das höchste Gut, er selbst, mir bereits vollkommen geschenkt ist.


Deine SchwÀche ist ein Geschenk!

11. November 2022

Freitag der zweiunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Martin von Tours, Bischof
Gedenktag

Maria Boeselager

Mt 25,31-40
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken. Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt fĂŒr euch bestimmt ist. Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im GefĂ€ngnis, und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im GefĂ€ngnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr fĂŒr einen meiner geringsten BrĂŒder getan habt, das habt ihr mir getan.

EinfĂŒhrendes Gebet: Mein Herr, so wie ich bin, komme ich zur dir. Mein Herr, so wie ich bin, liebst du mich. Mein Herr, so wie ich bin, möchte ich mich deinem Wort öffnen.

Bitte: Komm, Heiliger Geist, und schenke mir die Gnade, meine SchwĂ€che und Armut durch deine Augen zu sehen. Stell mich unter das Kreuz, und hilf mir, mich in meinem Leid mit Christus zu vereinen.

1. Der geringste Bruder. Wenn wir dieses Evangelium lesen, identifizieren wir uns wohl meistens mit den Schafen oder den Böcken, also denen, die das Reich erben, oder auch denen, denen es verwehrt wird. Aber wie wĂ€re es, sich ausnahmsweise einmal mit denen zu identifizieren, die Christus als seine geringsten BrĂŒder bezeichnet? Frage dich: Wann und wonach bin ich im Leben hungrig? Wann und wonach bin ich im Leben durstig? Wann fĂŒhle ich mich fremd, so als hĂ€tte ich keine Heimat, als gehörte ich nirgendwo dazu? Wann fĂŒhle ich mich nackt, entblĂ¶ĂŸt, gedemĂŒtigt? Welche körperliche, psychische, seelische Krankheit oder Wunde muss ich tragen? Wo fĂŒhle ich mich gefangen in der UnverĂ€nderbarkeit der UmstĂ€nde, in meiner eigenen SchwĂ€che, in der Lieblosigkeit der Welt?

2. Abbild des Königs. Genau in dieser Armut spricht Christus, der König, zu dir: „Dort bin ich eins mit dir! Dort bist du Abbild von mir. Dort bist du meine Gegenwart in der Welt.“ Nimm dir einen Moment Zeit und bitte den Herrn, dir seine Gegenwart in deinem Leid, in deiner Armut zu offenbaren. Vielleicht kann es dir helfen, dich in Gedanken unter sein Kreuz zu stellen und seinen Hunger, seinen Durst, seine Einsamkeit, seine DemĂŒtigung, seine Versehrtheit, seine Gefangenschaft zu betrachten.

3. Sei ein Geschenk! Das Gericht des Herrn wird als eines beschrieben, bei dem die Liebe betrachtet und beurteilt wird, die jeder Mensch Christus in der SchwĂ€che seines NĂ€chsten entgegengebracht hat. Mit diesem Gedanken im Kopf, stellt sich nun folgende Frage: Was ist die Aufgabe und der Wert des Schwachen, des „geringsten Bruders“ in diesem Szenario? Er ist der Ort der Begegnung zwischen Gott und dem Menschen. Ob die Menschen das verstehen oder nicht, sie lieben Christus selbst, wenn sie den Schwachen und Armen lieben. Daraus folgt nun auch die Frage: Wie kommst du darauf, deine SchwĂ€che und Armut zu verbergen? Warum schĂ€mst du dich deiner SchwĂ€che, warum bittest du nicht um Hilfe? VorenthĂ€ltst du so nicht deinem NĂ€chsten die Möglichkeit, Christus lieben und dienen zu können? Ist es nicht, als wĂŒrdest du das an dir verstecken, was das Abbild des Gekreuzigten ist?

GesprĂ€ch mit Christus: Gekreuzigter König, ich bringe dir meinen Hunger, meinen Durst, meine Einsamkeit, meine DemĂŒtigungen, meine Wunden, meine Gefangenschaft. Offenbare mir darin diese geheimnisvolle Einheit mit dir und schenke mir Trost. Ich bitte dich, schenke mir die Kraft und den Mut, meine SchwĂ€che und Armut vor meinen Mitmenschen nicht zu verstecken und ihnen genau darin ein Geschenk, als Abbild des Gekreuzigten zu sein.

Vorsatz: Wo es mir möglich ist, will ich heute bewusst Masken fallen lasse, die meine SchwĂ€che und Armut verbergen sollen. Und so will ich auf dich schauen, gekreuzigter Jesus, mich mit dir vereinen und meinen Mitmenschen dienen.


Gebet und Glaube

12. November 2022

Samstag der zweiunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Josaphat, Bischof, MĂ€rtyrer
Gedenktag

Maria Boeselager

Lk 18,1-8
In jener Zeit sagte Jesus den JĂŒngern durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten: In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fĂŒrchtete und auf keinen Menschen RĂŒcksicht nahm. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind! Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich fĂŒrchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen RĂŒcksicht; trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie lĂ€sst mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schlĂ€gt mich ins Gesicht. Und der Herr fĂŒgte hinzu: Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt. Sollte Gott seinen AuserwĂ€hlten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern Ich sage euch: Er wird ihnen unverzĂŒglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden?

EinfĂŒhrendes Gebet: Mein Herr, so wie ich bin, komme ich zur dir. Mein Herr, so wie ich bin, liebst du mich. Mein Herr, so wie ich bin, möchte ich mich deinem Wort öffnen.

Bitte: Christus, ich bitte dich, öffne die Augen meines Herzens, um erkennen zu dĂŒrfen, welch großes Geschenk das Gebet ist und wie ich es in meinem Alltag leben kann.

1. Gebet ist IntimitĂ€t. Wenn Jesus dieses Gleichnis erzĂ€hlt, um uns zu bitten, dass wir „allezeit beten und darin nicht nachlassen sollen“, dann weil er, Gott, sich nach unserem Gebet sehnt. Er ist eben nicht der ungerechte Richter, der gibt, was verlangt wird, damit das nervige Flehen endlich ein Ende hat. Er ist der gerechte, barmherzige Richter, der uns um genau dieses Flehen bittet. Hast du darĂŒber schon einmal nachgedacht? Dass er dein Gebet ersehnt und sich darĂŒber freut? Keine Bitte, die du Ă€ußerst, ist ihm zuwider oder mĂŒhsam. Er, der dich geschaffen hat, bittet dich um dein Gebet. Wenn wir beten, ist das nicht einfach ein bĂŒrokratischer Antrag, den man eben an richtiger Stelle abgibt. Es ist IntimitĂ€t, mit dem, der sich danach sehnt, dass wir um das bitten, was er schenken will, das heißt: Beziehung. Danken wir dem Herrn fĂŒr das Geschenk des Gebets und der IntimitĂ€t mit ihm!

2. Beten ohne Unterlass? Die Kirche schenkt uns dieses Evangelium gegen Ende des Kirchenjahres, als wolle sie uns sagen: Alles, was du tust, beginne und beende es im Gebet! So betont auch der heilige Lukas in seinem Evangelium immer wieder, dass wir ohne Unterlass beten sollen. Aber mal ganz ehrlich, ist das umsetzbar, ohne Unterlass zu beten? LĂ€sst unser Alltag das zu? Um dies zu beantworten, hilft uns vielleicht der letzte Satz des heutigen Evangeliums. Jesus fragt „Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden?“ Wie kommt er vom Thema „Gebet“ plötzlich zum Thema „Glauben“? Uns bleibt kein anderer Schluss ĂŒbrig, als zu erkennen, dass Gebet und Glaube fĂŒreinander unabdingbar sind. Dass also Gebet ohne Glauben und Glaube ohne Gebet nicht existieren. Das wiederum kann bedeuten, dass jede Handlung, die wir bewusst im Glauben tun, ein Gebet ist. Mitten in der GeschĂ€ftigkeit unseres Alltags, wenn wir z.B. in Geduld und Liebe annehmen, dass die Bahn VerspĂ€tung hat, wenn wir voller Dankbarkeit schöne Momente mit Freunden genießen, wenn wir uns entscheiden, unsere TrĂ€gheit zu ĂŒberwinden und anderen einen Dienst zu erweisen. Wenn wir in all diesen Momenten auf Christus schauen, ihm begegnen und auf ihn hören, ist das ein Akt des Glaubens und deshalb auch ein stilles, inneres Gebet.

3. Ein „Engelskreis“. Suchst du nach der Kraft zur Treue im Gebet und zum Gebet mitten im Alltag? Bist du geplagt von Zweifeln und wĂŒnschst dir einen festeren Glauben? Gute Neuigkeiten! Das Ganze ist das Gegenteil von einem Teufelskreis, also quasi ein Engelskreis. Der Heilige Augustinus sagte einmal: „Der Glaube bringt das Gebet hervor, und das Gebet wiederum bringt die Festigkeit des Glaubens hervor.“ (De verb. Dom. sermo 36) Vielleicht könnte heute ein guter Zeitpunkt sein, um auf diesen Engelskreis aufzuspringen und ĂŒber deine Gewohnheiten in Gebet und Glauben zu reflektieren.

GesprĂ€ch mit Christus: Mein Herr, welche unendliche Gnade schenkst du uns, wenn wir im Gebet immer zu dir kommen können und alles in unserem Leben zu einem Gebet machen dĂŒrfen. Mein Glaube lehrt mich, unermĂŒdlich zu beten, denn ich weiß, dass mit dir, dem barmherzigen und gerechten Richter, keine Geschichte zu Ende geht, ehe sie nicht gut ausgegangen ist. Danke!

Vorsatz: Ich möchte meine Gewohnheiten in Bezug auf das Gebet ĂŒberdenken. Vielleicht möchte ich einen neuen Vorsatz fĂŒr die Treue im Gebet fassen, oder einen bereits gemachten voll Dankbarkeit erneuern? Welche Situationen in meinem Alltag kann ich mit Blick auf den Herrn als einen Glaubensakt, als ein Gebet leben?