Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 7. August 2022 bis Samstag 14. August 2022

Neunzehnte Woche im Jahreskreis

Felix Honekamp

Freiheit und VerantwortungSonntag
Demut in AktionMontag
Gebet geht immer und ĂĽberallDienstag
„Meins“ oder „deins“?Mittwoch
Wann reicht es?Donnerstag
Klare KanteFreitag
ZurĂĽck zum KindSamstag


Freiheit und Verantwortung

7. August 2022

Neunzehnter Sonntag im Jahreskreis
Hl. Xystus II., Papst, Märtyrer
Hl. Kajetan, Priester, OrdensgrĂĽnder

Felix Honekamp

Lk 12,32-48
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben. Verkauft euren Besitz und gebt Almosen! Macht euch Geldbeutel, die nicht alt werden! Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst! Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz. Eure Hüften sollen gegürtet sein und eure Lampen brennen! Seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft! Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen. Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach – selig sind sie. Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht. Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet. Da sagte Petrus: Herr, sagst du dieses Gleichnis nur zu uns oder auch zu allen? Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr über sein Gesinde einsetzen wird, damit er ihnen zur rechten Zeit die Tagesration gibt? Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! Wahrhaftig, ich sage euch: Er wird ihn über sein ganzes Vermögen einsetzen. Wenn aber der Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr verspätet sich zu kommen! und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen, auch zu essen und zu trinken und sich zu berauschen, dann wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen, an dem er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und der Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Ungläubigen zuweisen. Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt, der wird viele Schläge bekommen. Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge bekommen. Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr verlangen.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, du nimmst mich ganz ernst, du schenkst mir Freiheit, aber du lässt mich auch erkennen, an welchen Stellen ich diese Freiheit missbrauche. Ich darf darauf vertrauen, dass du mich liebst, dass du mich zu dir ziehen möchtest, und mir dazu alles an die Hand gibst, was ich brauche. Du bist der gute, gerechte und barmherzige Vater, dem nichts mehr am Herzen liegt als das Heil seiner Kinder.

Bitte: Mein Herr und mein Gott, begleite mich auf meinem Lebensweg, dass ich meine von dir gegebene Berufung finde und sie in FĂĽlle lebe. Ich muss mir deine Liebe nicht erarbeiten, aber ich möchte so gerne das Leben fĂĽhren, das du fĂĽr mich gedacht hast, weil ich weiĂź, dass ich nur so ganz heil werde. Zeige mir den Weg zu diesem Heil.

1. â€žFĂĽrchte dich nicht, du kleine Herde!“ Das heutige Evangelium beginnt mit einem beruhigenden Satz: „FĂĽrchte dich nicht!“ Offenbar ist aber diese Einleitung durchaus notwendig. Denn was dann folgt, mag der eine oder andere tatsächlich als Drohung auffassen, sollen wir doch jederzeit fĂĽr die Ankunft unseres Herrn bereit sein, denn sonst „wird ihn der Herr in StĂĽcke hauen und ihm einen Platz unter den Ungläubigen zuweisen“. Erscheint da nicht „fĂĽrchte dich nicht“ fast schon wie ein Widerspruch?

2. â€žDenn…“ Jesus lässt es aber nicht bei der Aufforderung oder gar einer Drohung bewenden: „Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben.“ Er verbindet die Aufforderung, sich nicht zu fĂĽrchten, mit der VerheiĂźung, Erben des Reiches Gottes zu sein, am Ende an Jesu Seite ins Paradies einzuziehen. Das ist die frohe Botschaft, die Jesus immer und immer wieder zu verbreiten sucht: Gottes Ziel mit den Menschen ist, sie bei sich zu haben, sie zu sich zu fĂĽhren, damit sie, damit wir, ewig in seiner Liebe sein können.

3. Geistliche Pubertät. Ist es aber am Ende nicht doch eine Drohbotschaft, wenn die Konsequenzen fĂĽr den bösen Knecht in den Raum gestellt werden, wenn mich Furcht befallen muss, diesem bösen Knecht zu ähneln? Im Grunde nimmt Gott uns in unserer Freiheit ernst: Wer sein Leben – bewusst oder unbewusst – ohne RĂĽcksicht auf Gott und seinen Nächsten lebt, dessen Forderung, der Vater mĂĽsse aber am Ende doch barmherzig sein, entspringt eher einer pubertären Einstellung zum Vater, von dem ich alles verlangen darf, der aber nichts von mir erwarten sollte. Gott sei Dank fĂĽhrt er uns aber aus dieser „geistlichen Pubertät“ heraus, lässt uns erkennen, dass Freiheit mit Verantwortung verbunden ist, damit wir uns ihm ganz zuwenden können.

Gespräch mit Christus: Mein Jesus, du zeigst uns den Vater – in seiner ganzen Barmherzigkeit und in seiner ganzen Gerechtigkeit. Ich darf darauf vertrauen, dass ich an deiner Seite zum Vater gelangen kann. Du begleitest mich, kämpfst fĂĽr mich, fĂĽhrst mich.

Vorsatz: Wo in meinem Leben, verwehre ich Gott den Zugang? Wovon möchte ich, dass er nichts weiĂź, dass er es lieber nicht anschauen sollte? Schaffe ich es, ihm auch diese Aspekte meines Lebens zu öffnen?


Demut in Aktion

8. August 2022

Montag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Dominikus, Priester, OrdensgrĂĽnder
Gedenktag

Felix Honekamp

Mt 17,22-27
In jener Zeit, als Jesus und seine Jünger in Galiläa zusammen waren, sagte Jesus zu ihnen: Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert werden, und sie werden ihn töten; aber am dritten Tag wird er auferstehen. Da wurden sie sehr traurig. Als Jesus und die Jünger nach Kafarnaum kamen, gingen die Männer, die die Tempelsteuer einzogen, zu Petrus und fragten: Zahlt euer Meister die Doppeldrachme nicht? Er antwortete: Doch! Als er dann ins Haus hineinging, kam ihm Jesus mit der Frage zuvor: Was meinst du, Simon, von wem erheben die Könige dieser Welt Zölle und Steuern? Von ihren eigenen Söhnen oder von den anderen Leuten Als Petrus antwortete: Von den anderen!, sagte Jesus zu ihm: Also sind die Söhne frei. Damit wir aber bei niemand Anstoß erregen, geh an den See und wirf die Angel aus; den ersten Fisch, den du heraufholst, nimm, öffne ihm das Maul, und du wirst ein Vierdrachmenstück finden. Das gib den Männern als Steuer für mich und für dich.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, du kĂĽndigst dein Leiden an und gibst ein Beispiel fĂĽr deine göttliche Demut. Wenn du demĂĽtig bist, dann sollte ich es auch sein, auch wenn es mir so schwerfällt. Alleine wird mir das nicht gelingen, aber an deiner Seite kann ich jeden Tag ein bisschen demĂĽtiger werden.

Bitte: Mein Herr und mein Gott, zeige mir Wege, wie ich von meinem Stolz und seinen Folgen wie Eitelkeit, Geiz, Misstrauen… ablassen kann. Mit dir, Vater, kann ich lernen, demĂĽtig zu sein.

1. Leiden. Das Evangelium vereint heute zwei Themen, deren Zusammenhang sich nicht direkt erschlieĂźt – die AnkĂĽndigung von Jesu Leiden und die Frage nach der Tempelsteuer. Jesus weiĂź, was ihn in naher Zukunft erwarten wird. Obwohl die Menschen ihn heute noch feiern, werden sie sich doch gegen ihn wenden und ihn schlieĂźlich töten. Gerade aber die „Beiläufigkeit“, mit der hier darĂĽber berichtet wird, macht deutlich: Jesus weiĂź nicht nur, was passieren wird, sondern auch, warum das notwendig ist. Er unterwirft sich dieser Notwendigkeit. Und das nicht, „obwohl“ er Gott ist, sondern „weil“ er der liebende, barmherzige und rettende Gott ist.

2. Stolz. Die Frage nach der Tempelsteuer ist anders gelagert, deutet aber in die gleiche Richtung. Petrus traut sich nicht, eine andere Antwort zu geben, als dass auch Jesus die Tempelsteuer zahlen wird. Aber warum sollte Gott selbst „Eintritt“ zahlen, um in sein Eigentum zu gehen? Wer, wenn nicht er, hätte das Recht, sich dieser Bezahlung zu entziehen? Jesus ist Gott und er „muss“ gar nichts, schon gar nicht eine solche Steuer bezahlen. Und so sehe ich mich auch oft ungerecht behandelt: Wieso muss ich meine Haushaltspflichten erfĂĽllen, wenn ich doch schon so viel gearbeitet habe? Wieso muss ich mich scheinbar ungerechten Regelungen beugen? Dahinter steht vielleicht auch die Frage: Wieso muss ich Gott dienen, ihn anbeten, wenn ich doch so viel ganz allein in meinem Leben schaffe – scheinbar ohne Gott? Die Versuchungen des Stolzes lauern ĂĽberall.

3. Demut. Jesus „muss“ gar nichts: Er muss sich nicht den Menschen unterwerfen, und er muss auch keine Tempelsteuer zahlen. Aber es ist nicht seine Sache, auf seinem Recht zu bestehen, wie es auch nicht meine sein sollte. Der amerikanische Bischof Fulton Sheen hat einmal geschrieben: „Der Königssohn ist frei. Aber er, der Gottes Sohn ist, wurde zum Menschensohn und teilte die Armut, die PrĂĽfungen, die MĂĽhen und die Obdachlosigkeit der Menschen. [...] Es ist kein Zeichen von Größe, immer sein Recht zu beanspruchen, sondern oft DemĂĽtigungen zu erleiden.“ Und dass Jesus dazu noch den „Fisch-Trick“ nutzt, zeugt von einem Humor, der ebenfalls ein gutes Mittel gegen Stolz ist. Kann ich meiner Versuchung zu Stolz und falscher Größe eine solche Absage erteilen?

Gespräch mit Christus: Mein Jesus, wie gerne verlasse ich mich auf mich selbst. Wie oft mache ich mich und meine AnsprĂĽche zum alleinigen MaĂźstab. Wie oft glaube ich, dass ich es bin, der leistet und dem die Ehre gebĂĽhrt? Und wie selten schaue ich auf das, was du getan hast, nicht fĂĽr dich, sondern fĂĽr mich – nicht, weil du es hättest tun mĂĽssen, sondern weil du es aus Liebe zu mir tun wolltest. Lehre mich, Jesus, deine Demut zum MaĂźstab meines Lebens zu machen.

Vorsatz: Welche Leistungen hefte ich mir an? Welche AnsprĂĽche mache ich an meine Umwelt geltend, weil sie mir scheinbar „zustehen“? Kann ich in Bescheidenheit und ohne falschen Stolz einen Schritt zurĂĽckgehen, Jesus und meinem Nächsten den Vortritt lassen?


Gebet geht immer und ĂĽberall

9. August 2022

Dienstag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Teresia Benedicta vom Kreuz (Edith Stein), Märtyrin, Ordensfrau
Fest

Felix Honekamp

Joh 4,19-24
Die Frau sagte zu Jesus: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss. Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, der Frau aus Samarien hast du eine schnelle geistliche Leitung erteilt. Sie hat in wenigen Sätzen so viel von dir gelernt und dabei vielleicht nur unbewusst bemerkt, dass sie mit Gott selbst spricht. Ihr Gespräch, ihre Fragen, sind Gebet. So kann ich auch zu dir sprechen – wie mir der Schnabel gewachsen ist, mit Respekt aber ohne falsche Scham der Themenauswahl. Und wenn ich etwas nicht verstehe, dann darf ich dich damit immer wieder belästigen. Danke, dass du immer fĂĽr mich da bist.

Bitte: Mein Herr und mein Gott, zeige mir meinen ganz eigenen Weg zum Gespräch mit dir. Ich möchte mein Leben an dir ausrichten, aber oft finde ich dich gar nicht, obwohl ich doch weiĂź, dass du immer da bist. Lehre mich, wahrhaft zu beten.

1. MĂĽssen. Das Gespräch zwischen der Frau aus Samarien und Jesus ist vielschichtig. Sie hat in der kurzen Zeit mit ihm verstanden, wie notwendig uns die Beziehung zu Gott ist, der allein unseren Durst nach Leben und nach Unendlichkeit erfĂĽllen kann. Doch noch hängt sie an Ă„uĂźerlichkeiten: Wo muss ich denn beten – auf dem Berg oder in Jerusalem? Auch mich kann diese Frage ĂĽberkommen: Wo bete ich richtig an? Wie bete ich richtig? Dahinter steht der Verdacht, dass ich auch falsch beten könnte, dass Gott mich, wenn ich formale Fehler begehe, nicht hören wird.

2. â€žRichtig herum“ fragen. Mich erinnert das an die lustige Geschichte von einem Mönch, der seinen Abt fragt, ob er während des Gebets rauchen dĂĽrfe. Nachdem der das verneint hat, sieht er einen anderen Mönch – betend und rauchend. Und auf die Frage, ob denn der Abt zugestimmt habe, dass er betend rauchen dĂĽrfe, meint der: „Du musst „richtig herum“ fragen: Nicht, ob du beim Beten rauchen darfst, sondern ob du beim Rauchen beten darfst.“ Es gibt viele äuĂźerliche Dinge, die mich vom Gebet abhalten, oder die einem Gebet abträglich sind. Das kann individuell sehr unterschiedlich sein, bei mir ist es Lärm oder eine zu unruhige Umgebung – am Schreibtisch kann ich schlecht intensiv mit Gott reden, also ziehe ich mich dazu lieber in eine Gebetsecke zurĂĽck. Aber diese Einschränkung liegt in mir, nicht in Gott: Zu ihm kann ich immer sprechen.

3. Im Geist und in der Wahrheit. Gebet ist am Ende Gespräch mit Jesus und pflegt unsere Beziehung zu ihm. Wie bei einem Gespräch mit einem Freund, nehme ich mir Zeit, schaue nicht ständig aufs Handy oder bin mit meinen Gedanken schon wieder woanders. Mein Geist sollte in der Lage sein, geistlich zu sprechen und wirklich und wahrhaftig in ein Gespräch mit Gott eintreten. Dabei ist es eher Geschmackssache oder auch situationsbedingt, ob es ein Vaterunser oder ein Rosenkranz sein soll, oder ein freies Gebet oder ein Lobpreis. Wenn ich im Gespräch mit Jesus im Geist und in der Wahrheit bin (was auch bedeutet, ihm und mir gegenĂĽber ehrlich zu sein, nicht doppelzĂĽngig oder ĂĽberfromm), dann sind Form und Ort ganz zweitrangig.

Gespräch mit Christus: Mein Jesus, immer und ĂĽberall kann ich zu dir, zum Vater und zum Heiligen Geist beten. Aber selbst du hast dich zum Beten oft auf einen Berg und in die Einsamkeit zurĂĽckgezogen. Du bist immer und ĂĽberall fĂĽr mich da, nur ich selbst muss eine kluge Auswahl treffen, auf welche Weise ich am besten zu dir sprechen kann.

Vorsatz: Wenn ich Schwierigkeiten habe, mich auf ein Gebet einzulassen: Woran könnte das liegen – an der Tageszeit, am ablenkenden Umfeld, an der Tagesform? Wann ist mein Gebet besser, wann eher oberflächlich? Was kann ich daraus lernen?


„Meins“ oder „deins“?

10. August 2022

Mittwoch der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Laurentius, Diakon, Märtyrer
Fest

Felix Honekamp

Joh 12,24-26
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt geringachtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, du zeigst mir im Evangelium, wer und wie du bist. Und du sprichst nicht nur darĂĽber, sondern bezeugst es durch dein Leben. Ich weiĂź viel ĂĽber den Glauben, weiĂź viel ĂĽber dein Leben als Mensch – aber ĂĽbersetze ich das auch in mein Handeln? Kann ich mehr als fromm mit dir reden – tue ich auch, was du mir vorlebst?

Bitte: Mein Herr und mein Gott, hilf mir, mein Leben mit deinen Augen zu sehen: Wo bin ich zu sehr auf mich bezogen? Was kann ich tun, um dir nachzufolgen, dir zu dienen? In vielen Situationen bin ich fĂĽr mein GegenĂĽber blind, schaue auf mich und meine scheinbaren BedĂĽrfnisse und Rechte. – Mich davon lösen kann ich nicht allein – aber mit dir vermag ich alles.

1. Sterben. In diesem Teil des Evangeliums bereitet Jesus die JĂĽnger auf seinen Tod vor. Wenn er also hier vom Sterben des Weizenkorns spricht, dann ist das nicht nur ein Anspruch an mich als JĂĽnger, sondern zuerst eine Beschreibung seiner selbst. Er wird sterben, und was zunächst aussieht wie ein Scheitern, ist am Ende doch der Sieg. Er ist wie das Weizenkorn, das sterbend reiche Frucht bringt – den Tod und die SĂĽnde besiegt und die Menschen an sich zieht. Kann ich Jesu Tod so sehen: nicht als Schande vor den Menschen, schon gar nicht als Jesu Scheitern, sondern als Zeichen seines Sieges? Kann ich mich wirklich darauf einlassen, dass dieser Weg, der Weg, den Gott zu unserer Rettung eingeschlagen hat, der richtige ist?

2. Demut. Gleichzeitig ist das Bild vom sterbenden Weizenkorn aber auch ein Anspruch an mich, der weiter ausformuliert wird: Mein Leben soll ich „geringachten“. Das heiĂźt nicht, achtlos mit dem Leben umzugehen, sondern zu sehen, was der Sinn meines Lebens ist. Das Leben weist ĂĽber sich selbst hinaus, ist nicht allein Selbstzweck, und nur auf eigenen Erfolg, Genuss oder auch nur auf eigene Leistung aus zu sein, entspricht nicht dem Ziel meines Lebens. So wie Jesus sein menschliches Leben geringachtet, so wie er als Weizenkorn stirbt, so ist das auch mein Auftrag, um reiche Frucht zu bringen. Gott sei Dank geht es dabei im Normalfall nicht um den körperlichen Tod, sehr wohl aber darum, mein Leben in das Licht Gottes zu stellen, so dass es im Grunde nur dann gelingt, wenn ich nicht an diesem körperlichen Leben hänge. Das erfordert ein extremes MaĂź an Demut in einer Welt, die mir doch einbläut, meinen eigenen Vorteil zu suchen, auf meine Kosten kommen zu mĂĽssen.

3. Dienen. Im Grunde manifestiert sich das Sterben des Weizenkorns und die Geringachtung meines Lebens im Dienen. Mein Leben dient nicht mir, mein Leben dient einem anderen. Jesus zu dienen, was am Ende heiĂźt, ihm nachzufolgen in seinem Handeln und in seiner Art der „LebensfĂĽhrung“, und damit eben auch meinen Nächsten zu dienen, ist die ErfĂĽllung dessen, was mein Menschsein bedeutet. Kann ich das? Ein guter Selbsttest ist, in schwierigen Situationen darauf zu schauen, ob meine Gedanken sich mir oder dem anderen zuwenden – Verwende ich in meinen Gedanken sehr oft die Wörter „ich“, „mir“, „fĂĽr mich“ oder „meins“? Oder schaffe ich es, den anderen zu sehen: „du“, „dir“, „fĂĽr dich“ oder „deins“? Dabei muss ich keine Sorge haben, ganz unterzugehen, denn je mehr ich diesen Zweck meines Lebens erfĂĽlle – Jesus und meinem Nächsten zu dienen – erfahre ich das Wohlgefallen des Vaters im Himmel. Weltlich scheint das nicht viel wert zu sein, aber Gottes Wertschätzung, seine Liebe, ist alles, was ich auf die Ewigkeit betrachtet brauche.

Gespräch mit Christus: Mein Jesus, deine Rede ĂĽber das sterbende Weizenkorn, ĂĽber die Geringachtung meines Lebens und die Notwendigkeit des Dienens widerspricht oft meinen eigenen Vorstellungen eines erfolgreichen Lebens. Und doch spĂĽre ich im Herzen, dass du recht hast, dass mein Leben nicht darin bestehen kann, es mir bequem zu machen, Luxus und SpaĂź zu haben. Ich spĂĽre, wie mich deine Worte beunruhigen, mich anziehen, dass ich mich auf den Weg machen will, dir so zu dienen, mehr den anderen als mich in den Blick zu nehmen und so das sterbende Weizenkorn zu sein, das Frucht bringt. Ich brauche aber deine Hilfe, um dieses „GefĂĽhl“ auch in mein Leben einzubringen, so zu leben – dir nachzufolgen.

Vorsatz: In welchem Bereich meines Lebens verwende ich zu oft die Worte „ich“, „mir“, „fĂĽr mich“ oder „meins“? Wie wĂĽrde Jesus das formulieren? Wie sollte ich mein Leben in diesen Bereichen gestalten?


Wann reicht es?

11. August 2022

Donnerstag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Klara von Assisi, Jungfrau
Gedenktag

Felix Honekamp

Mt 18,21-19,1
In jener Zeit trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Sieben Mal? Jesus sagte zu ihm: Nicht sieben Mal, sondern siebenundsiebzig Mal. Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen. Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war. Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen. Da fiel der Diener vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen. Der Herr hatte Mitleid mit dem Diener, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld. Als nun der Diener hinausging, traf er einen anderen Diener seines Herrn, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und rief: Bezahl, was du mir schuldig bist! Da fiel der andere vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen. Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe. Als die übrigen Diener das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war. Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich so angefleht hast. Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte? Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe. Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt. Als Jesus diese Reden beendet hatte, verließ er Galiläa und zog in das Gebiet von Judäa jenseits des Jordan.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, ich bin angewiesen auf deine Vergebung. In der Beichtvorbereitung habe ich nie Probleme, etwas zu finden, dass der Vergebung durch dich bedarf. Wenn ich dann auf deine immerwährende Vergebung baue, sehe ich, wie klein meine Fähigkeit zur Vergebung ist. Aber ich möchte mich darin ĂĽben.

Bitte: Mein Herr und mein Gott, lass mich dir ähnlicher werden – in der Liebe, in der Barmherzigkeit und in der Vergebung.

1. Konsequenzen. Erneut zeigt Jesus in diesem Gleichnis Konsequenzen auf: Dabei geht es nicht darum, „fehlerfrei“ zu sein. – Am Ende unseres Lebens werden wir nicht zuerst anhand guter Taten oder unterlassener SĂĽnden gemessen – sondern an unserem MaĂź zu lieben. Und die Liebe zu Gott äuĂźert sich eben auch in der Liebe zu unserem Nächsten, wie das doppelte Liebesgebot aufzeigt. Aber wie zeige ich meinem Nächsten, dass ich ihn liebe? Zum Beispiel in der Vergebung fĂĽr Dinge, die er mir angetan hat. Und hier bin ich aufgefordert, so zu lieben und zu vergeben, wie es auch mein Vater im Himmel tut.

2. Siebenundsiebzig Mal. Die Frage des Petrus ist menschlich berechtigt: Wie oft muss ich denn meinem Nächsten vergeben, vor allem dem, der immer wieder an mir schuldig wird? Ist es nicht irgendwann mal genug, reicht es dann nicht auch mal, wenn mir jemand fĂĽnfmal, zehnmal oder hundertmal etwas angetan hat? Ich kann mich aber auch selbst fragen: Glaube ich, dass ich aus Gottes Vergebung falle, wenn ich immer wieder gegen ihn sĂĽndige? Wie oft sollte ich sĂĽndigen dĂĽrfen, bis Gott sagt „Es reicht!“? Der Vergleich macht deutlich, woran wir uns messen sollten: In einem Menschenleben bin ich unendlich oft auf Gottes Vergebung angewiesen, also muss ich auch meinem Nächsten unendlich oft vergeben.

3. â€žVergeben wollen“ wollen. Damit ist nicht gesagt, dass Vergebung einfach ist. Und es heiĂźt auch nicht, dass Gott nicht auch mit einer Verhärtung meines Herzens barmherzig sein und umgehen kann – wenn ich mich denn bemĂĽhe. Also was mache ich, wenn ich nicht vergeben kann? „Bitte Jesus, hilf mir, diesem und jenem vergeben zu können.“ Manchmal muss ich vielleicht sogar noch einen Schritt zurĂĽck: „Bitte Jesus, hilf mir, dieser Person ĂĽberhaupt vergeben zu wollen. Hilf mir zu wollen, ihr vergeben zu wollen …“ Gott sieht meine Not und mein BemĂĽhen, er schaut in mein Herz, kennt meine Verletzungen, die mich hart gemacht haben, und dann kann ich auch – wenn ich ehrlich um Vergebung bemĂĽht bin – ganz sicher auf seine Barmherzigkeit bauen.

Gespräch mit Christus: Mein Jesus, du bist der Meister der Vergebung. Du hast den Menschen, die dich ans Kreuz gebracht haben, noch in der Stunde deines Todes vergeben. Wie schwach bin ich dagegen in dieser Ăśbung! Ich will auf dich als mein Vorbild der Barmherzigkeit und Vergebung schauen und mich in dieser Tugend ĂĽben.

Vorsatz: Wem in meinem Leben habe ich etwas noch nicht vergeben – wem kann ich nicht aus eigener Kraft vergeben? Kann ich Gott bitten, dass er mir hilft, vergeben zu wollen? Dass er mir hilft, zur Vergebung bereit sein zu wollen? Kann ich meine Herzenshärte wenigstens in der Beichte vor den Herrn tragen und ihn dort um Hilfe bitten?


Klare Kante

12. August 2022

Freitag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Johanna Franziska von Chantal, OrdensgrĂĽnderin
Hl. Karl Leisner, Priester, Märtyrer

Felix Honekamp

Mt 19,3-12
In jener Zeit kamen Pharisäer zu ihm, die ihm eine Falle stellen wollten, und fragten: Darf man seine Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen? Er antwortete: Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer die Menschen am Anfang als Mann und Frau geschaffen hat und dass er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein? Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. Da sagten sie zu ihm: Wozu hat dann Mose vorgeschrieben, dass man der Frau eine Scheidungsurkunde geben muss, wenn man sich trennen will? Er antwortete: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so. Ich sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch. Da sagten die Jünger zu ihm: Wenn das die Stellung des Mannes in der Ehe ist, dann ist es nicht gut zu heiraten. Jesus sagte zu ihnen: Nicht alle können dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist. Denn es ist so: Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht, und manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches willen. Wer das erfassen kann, der erfasse es.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, manchmal erscheinen deine Worte hart. Manchmal muss ich sie auch in meine Lebenswelt „übersetzen“, ohne daran Abstriche zu machen. Aber alles, was du sagst, sagst du aus Liebe. Und so möchte ich auch mit Liebe auf deine Worte, auch auf deine Regeln, die mich in meinem Leben unterstĂĽtzen sollen, schauen.

Bitte: Mein Herr und mein Gott, hilf mir, dir treu zu sein, im Kleinen wie im GroĂźen.

1. â€žDas 6. Gebot ist noch drin.“ Irgendwo habe ich einmal den Witz gehört, dass Mose, als er mit den Geboten vom Berg zurĂĽckkam, den Israeliten eine gute und eine schlechte Nachricht mitbrachte: „Die Gute ist: Ich habe ihn auf zehn Gebote herunterhandeln können. Die Schlechte: Das 6. Gebot ist noch drin.“ Auch wenn das nur ein Scherz ist, beinhaltet er doch eine Wahrheit, dass nämlich die Regeln zur Ehe und zur Sexualität, wie sie sich aus der Schrift und hier auch aus der Botschaft Jesu ergeben, herausfordernd sind. Umso wichtiger ist es, fĂĽr mich selbst und als Botschaft fĂĽr andere, immer wieder darauf zu achten, wie wichtig Jesus dieses Thema gewesen ist. Gerade hier, wo die „moderne“ Welt so gerne Kompromisse eingehen oder einfach alle Regeln abschaffen möchte, gerade hier, erweist sich Jesus als „glashart“.

2. Ein Fleisch. Gott ist kein Spielverderber, er hat uns nicht die Gebote an die Hand gegeben, um uns die Freude – auch die Freude an der Sexualität – zu nehmen. Die Gebote sind Richtlinien fĂĽr ein gelungenes Leben. Und gerade die Ehe spielt darin eine besondere Rolle, weil Mann und Frau in ihr eben ein Fleisch werden und durch das Sakrament der Ehe und ihre Kinder die göttliche Dreifaltigkeit abbilden. Darum ist Jesus hier so klar, und wir tun gut daran, seine klaren Worte nicht aufzuweichen oder weg zu interpretieren. Oft wird uns Gläubigen dabei vorgeworfen, wir wĂĽrden die Ehe und die Sexualität mit so vielen Regeln, Einschränkungen und Verboten umgeben. Aber – wie es der amerikanische Bischof Robert Barron formuliert – die Menschen haben schon immer wertvolle Dinge auf diese Art geschĂĽtzt.

3. Zölibat. Da die Ehe ein so hohes Gut ist, ein solch heiliges Bild der Dreifaltigkeit darstellt, ist sie auch – fĂĽr den Mann wie fĂĽr die Frau – ein „full time job“. Wo Mann und Frau miteinander den Ehebund eingehen und damit ein Fleisch werden, gehen sie auch Verpflichtungen ein, die die WĂĽrde dieses Sakraments aufscheinen lassen. Und vor diesem Hintergrund erscheint es – ganz unabhängig von „Kirchenregeln“ und ganz unabhängig davon, ob einige der frĂĽhen Apostel verheiratet waren, einfach keine gute Idee, gleichzeitig Priester sein zu wollen. Eheleute sind durch das Ehesakrament bereits mit Jesus verbunden, eine weitere Bindung ĂĽber die Weihe zum Priester wĂĽrde jeden Mann ĂĽberfordern. So erscheint auch vor dem Hintergrund dessen, was die Ehe und die Beschränkung der Sexualität auf die Ehe bedeutet, der priesterliche Zölibat nicht nur als eine Kirchenregel sondern als sehr angemessen und faktisch zwingend – besonders auch als Schutz der Frau und der Familie.

Gespräch mit Christus: Mein Jesus, wie oft möchte ich deine Regeln relativieren und frage mich auch, wie weit ich wohl in der „Dehnung“ der Gebote gehen kann. Lass mich immer wieder erkennen, sei es in der Ehe oder in anderen Bereichen, wie viel Wahrheit in deinen Geboten steckt; dass diese Regeln nicht gemacht sind, um mich einzuschränken, sondern im Gegenteil, um ein gelungenes und freies Leben – ohne ungesunde Bindungen – zu fĂĽhren.

Vorsatz: Wo bin ich geneigt, Abstriche an den Geboten oder Kirchenregeln zu machen? Kann ich erkennen, worin der Wert solcher Regeln liegt? Wäre es wirklich besser fĂĽr mich, wenn ich die ein oder andere Regel nicht mehr beachten wĂĽrde?


ZurĂĽck zum Kind

13. August 2022

Samstag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Pontianus, Papst
Hl. Hippolyt, Priester, Märtyrer

Felix Honekamp

Mt 19,13-15
In jener Zeit brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte und für sie betete. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab. Doch Jesus sagte: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich. Dann legte er ihnen die Hände auf und zog weiter.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, du weiĂźt, wie sehr ich manchmal stolz darauf bin, wenn ich meine Themen selbst in die Hand nehme. Dabei mache ich mir doch nur vor, mein Leben im Griff, Kontrolle ĂĽber alles zu haben – oder haben zu mĂĽssen. Du aber liebst es, wenn ich vertrauensvoll zu dir komme und dich um all das bitte. Alle und alles in meinem Leben will ich in deine Hand legen.

Bitte: Mein Herr und mein Gott. Lehre mich, zurĂĽckzufinden zu einem kindlichen Vertrauen zu dir, meinem Papa im Himmel.

1. Kindergeschichte. Die kurze Geschichte im Evangelium macht uns Jesus sofort sympathisch –natĂĽrlich wird sie auch gerne Kindern erzählt. Sie hat gerade darin auch ihren Wert, weil Kindern damit ganz schnell klar gemacht wird, dass Jesus sie (und jeden Menschen) ganz persönlich und liebevoll ansieht; vor allem in einer Welt, in der Kinder oft als störend wahrgenommen und behandelt werden. Jesus sieht in den Kindern schon jetzt ihr Leben und er liebt sie als kleine, noch weitgehend unverdorbene Geschöpfe.

2. Erwachsenengeschichte. Wenn Jesus sagt, dass Menschen wie diesen Kindern das Himmelreich gehört, dann ist das aber auch eine frohe Botschaft fĂĽr mich, der ich – biologisch – kein Kind mehr bin. Ich darf mich Jesus anvertrauen, mich an Gott wenden, wie ein Kind, dass nichts hat, nicht viel kann, aber immer den Weg zu den Eltern sucht. Es ist aber oft ein Weg „zurĂĽck“ in ein kindliches Vertrauen, der mir manchmal schwerfällt. Umso schöner und motivierender die VerheiĂźung des Himmelreiches.

3. Hände auflegen. Jesus segnet die Kinder – die meisten von ihnen werden kaum einen echten Wunsch an ihn gerichtet haben, jedenfalls ist davon nichts berichtet. Erwachsene haben Jesus oft um Heilungen gebeten, der eine oder andere auch um Rat. Die Kinder kommen zu Jesus mit einem einfachen GespĂĽr, dass er es gut mit ihnen meint, dass sie gar nicht viel sagen mĂĽssen, und er sie trotzdem versteht – wiederum wie Eltern, die einem Kind oft schon ansehen, was es braucht. Und in diesem Bewusstsein kann ich im Gebet auch zu Jesus kommen – manchmal mit konkreten Anliegen, einem Dank, einem Lob, einer Bitte, manchmal aber auch nur, um bei ihm zu sein. Er weiĂź schon, was ich brauche und er liebt es, wenn ich ihn um etwas in seinem Namen bitte. Vor allem aber liebt er es, mich zu beschenken, mich zu ĂĽberraschen. Mein Auftrag ist es dann nur noch, diese Geschenke Jesu anzunehmen – wie ein Kind, dass die Geschenke der Eltern ganz selbstverständlich, ohne Hintergedanken und ohne Stolz annehmen kann. Gelingt mir das?

Gespräch mit Christus: Mein Jesus, wie gerne bin ich bei dir – und wie gerne möchte ich dir einfach vertrauen, wie ein kleines Kind seinen Eltern vertraut. Und doch glaube ich ganz oft, mich selbst um alles kĂĽmmern zu mĂĽssen, habe in mir ein ordentliches MaĂź an Misstrauen, vielleicht auch den Stolz, lieber nicht abhängig von dir sein zu wollen. Dabei liebst du es, wenn ich einfach zu dir komme – mit kindlichem Vertrauen und offenem Herzen.

Vorsatz: Nehme ich meine innere Rebellion gegen eine kindliche Abhängigkeit von Gott wahr? Kann ich Jesus demĂĽtig darum bitten, mich davon zu befreien? Kann ich darauf vertrauen, dass Jesus mich lehren wird, ihm mehr zu vertrauen?