Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 26. Juni 2022 bis Samstag 2. Juli 2022

Dreizehnte Woche im Jahreskreis

Dorit Wilke-Lopez

Jesus nachfolgenSonntag
Jesus bei den Lebenden suchenMontag
Der Herr gibt es den Seinen im SchlafDienstag
Dank fĂĽr die KircheMittwoch
VergebungDonnerstag
BarmherzigkeitFreitag
Das Licht der GottheitSamstag


Jesus nachfolgen

26. Juni 2022

Dreizehnter Sonntag im Jahreskreis

Dorit Wilke-Lopez

Lk 9,51-62
Als sich die Tage erfüllten, dass er hinweggenommen werden sollte, fasste Jesus den festen Entschluss, nach Jerusalem zu gehen. Und er schickte Boten vor sich her. Diese gingen und kamen in ein Dorf der Samariter und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen. Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war. Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir sagen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie verzehrt? Da wandte er sich um und wies sie zurecht. Und sie gingen in ein anderes Dorf. Als sie auf dem Weg weiterzogen, sagte ein Mann zu Jesus: Ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst weggehen und meinen Vater begraben! Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes! Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich Abschied nehmen von denen, die in meinem Hause sind. Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.

EinfĂĽhrendes Gebet: Dreifaltiger Gott, in dir leben wir, bewegen wir uns und sind wir. In dir bin ich zu Hause. Lass diese Wirklichkeit in mir Raum fassen und zum festen Grund fĂĽr mich werden.

Bitte: Lass mich dir entschiedener nachfolgen.

1. Jesus fasste den festen Entschluss. Jesus wusste, dass er in Jerusalem sterben wĂĽrde, und er wusste, dass das sein Lebensauftrag war: fĂĽr die Erlösung der Menschen zu leiden, zu sterben und aufzuerstehen. Und obwohl sein Herz sich danach sehnte, sein Werk auf diese Weise zu vollenden, brauchte es doch einen festen Entschluss, sich diesem Leid auszusetzen. Im Film „Die Passion“ von Mel Gibson gibt es den eindrucksvollen Moment, in dem Jesus das Kreuz entschlossen und liebevoll umarmt, bevor er es auf seine blutigen Schultern wuchtet. Wahrscheinlich gibt es diese Woche auch fĂĽr mich kleine oder groĂźe Kreuze, die ich auf mich nehmen soll und mit denen ich Jesus nachfolgen soll. Heiliger Geist, schenke mir dazu die Kraft und die feste Entschlossenheit. Ich will dieses Kreuz, weil Gott es will.

2. Der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Der französische Dichter Jaques PrĂ©vert sagt in einem seiner Gedichte: „Les amoureux se croient toujours chez soi“ – die Verliebten glauben sich ĂĽberall zu Hause. Nur die Liebe schafft Heimat und Geborgenheit. Wo fĂĽhle ich mich zu Hause? In meiner Wohnung, bei meiner Familie? Habe ich in Jesus schon ein Zuhause gefunden?

3. Zuvor aber lass mich Abschied nehmen. Pfarrer Thillainatan, der Leiter des Kölner Priesterseminars, erklärte den Kindern in der Ostermesse, wie man einen Affen fängt. Man steckt etwas Obst in eine enge Vase. Der Affe greift das Obst und dann steckt seine Hand fest, weil er das Obst loslassen mĂĽsste, um die Hand herauszuziehen. Das will er aber nicht und so kann man ihn leicht fangen. So hält auch uns manches Alte gefangen und hält uns davon ab, Jesus mit Entschlossenheit nachzufolgen. Man kann nicht alles haben. Wir mĂĽssen einiges loslassen, um fĂĽr Jesus frei zu sein. Das erfordert Mut und Entschlossenheit. Oft sind es die Kleinigkeiten, gewisse Bequemlichkeiten, die wir pflegen, die uns – wie den Affen in der Vase – im ewigen Kreisen um das eigene Ego festhalten. Manchmal sind es auch gewichtigere Dinge. Immer gilt: Wenn wir loslassen, können wir die wahre Freiheit erlangen!

Gespräch mit Christus: Jesus, ich möchte heute mit dir eng verbunden durch den Tag gehen. Ich möchte nicht zurĂĽckschauen und meinen Blick ganz auf dich richten. Lass mich in deiner Liebe zu Hause sein.

Vorsatz: Ich könnte mit Jesus zusammen ĂĽberlegen, was ich seinetwegen loslassen soll. Ich kann einen Menschen fragen, der mich gut kennt, an welchen Gewohnheiten und Dingen ich hänge, ohne es zu merken.


Jesus bei den Lebenden suchen

27. Juni 2022

Montag der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Cyrill von Alexandrien, Bischof, Kirchenlehrer
Hl. Hemma von Gurk

Dorit Wilke-Lopez

Mt 8,18-22
In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, die um ihn waren, befahl er, ans andere Ufer zu fahren. Da kam ein Schriftgelehrter zu ihm und sagte: Meister, ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Ein anderer aber, einer seiner Jünger, sagte zu ihm: Herr, lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben Jesus erwiderte: Folge mir nach; lass die Toten ihre Toten begraben!

EinfĂĽhrendes Gebet: Lieber Gott, danke, dass du heute wieder Zeit fĂĽr mich hast und mir beibringen willst, was wichtig ist fĂĽr mein Leben mit dir.

Bitte: Heiliger Geist, komm jetzt und erkläre mir, was Jesus meint.

1. Ans andere Ufer. Bevor Jesus sich ans andere Ufer fahren lassen will, hat er sich unermĂĽdlich um Kranke und Besessene gekĂĽmmert. Aber auch Jesus braucht Pausen und nimmt sie sich dementsprechend. Gott ruhte am 7. Tag nach der Schöpfung, und auch Jesus, der uns den Vater zeigt, will sich ausruhen. Wie steht es um das Gleichgewicht von Aktivität und Ruhe in meinem Leben? Kann ich Ruhe aushalten, oder fällt es mir schwer, aktiv zu sein? Es lohnt sich, das mit Jesus unter seinem wohlwollenden Blick zu besprechen.

2. Kein Nest. Jesus macht keinen Hehl daraus, dass es in seiner Nachfolge unbequem werden kann. Kein Nest, keine Höhle, das heiĂźt, man gehört in der Welt nirgendwo wirklich hin. Nicht umsonst bedeutet das Wort Ecclesia, Kirche, auf Deutsch: „Die Herausgerufene.“ Wenn wir Jesus entschieden nachfolgen, passen wir nicht mehr in diese Welt. Das muss klar sein. Es kann niemals um ungeprĂĽfte Anpassung an moderne Strömungen und Denkweisen gehen. Gibt es in meinem Leben noch „Nester“, in denen ich sozusagen hocken geblieben bin, die mit der Nachfolge Christi nichts zu tun haben? Verhaltensweisen, Denkweisen, vielleicht Ă„ngste, Groll, Ablehnung Andersdenkender?

3. Lass die Toten ihre Toten begraben. Sicherlich meint Jesus hier nicht, dass es abzulehnen wäre, den eigenen Vater zu bestatten, sondern in seinen Worten klingt bereits an, was die Engel im leeren Grab nach der Auferstehung den trauernden Frauen sagen werden: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ Wir dĂĽrfen trauern und mit den Trauernden weinen, aber wir sollen immer das Ziel vor Augen haben, den Siegeskranz, den der Herr fĂĽr uns bereithält: den Himmel. Seit Jesu Erlösung sind Kreuz und Trauer, Leid und Tod nur eine TĂĽr, durch die das Licht des Himmels strahlt! Es gilt, den Blick immer wieder in einem festen Entschluss auf Jesus und die Erlösung zu richten und nicht bei Leid und Trauer stehen zu bleiben.

Gespräch mit Christus: Jesus, danke, dass du mich herausgerufen hast aus all meinen Problemen und Schwierigkeiten. Danke, dass ich jetzt unter deinem Schutz und deiner FĂĽhrung erlöst leben darf. Bitte erinnere mich heute immer wieder daran, den Blick auch in Not, Gefahr und Krieg auf dich, den Lebenden, zu richten und mich zu freuen, dass du mir Heimat gibst.

Vorsatz: Heute achte ich auf alles Lebendige: meinen Herzschlag, meinen Atem, meine Körperkraft, auf die anderen Menschen, auf Pflanzen und Tiere, und danke Gott, dem Lebensspender, dafĂĽr.


Der Herr gibt es den Seinen im Schlaf

28. Juni 2022

Dienstag der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Irenäus von Lyon, Bischof und Märtyrer
Gedenktag

Dorit Wilke-Lopez

Mt 8,23-24
In jener Zeit stieg Jesus in das Boot, und seine Jünger folgten ihm. Plötzlich brach auf dem See ein gewaltiger Sturm los, so dass das Boot von den Wellen überflutet wurde. Jesus aber schlief. Da traten die Jünger zu ihm und weckten ihn; sie riefen: Herr, rette uns, wir gehen zugrunde! Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst, ihr Kleingläubigen? Dann stand er auf, drohte den Winden und dem See, und es trat völlige Stille ein. Die Leute aber staunten und sagten: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar die Winde und der See gehorchen?

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, du bist Herr ĂĽber die Natur, die durch dich geschaffen wurde. Ich staune ĂĽber dich und bete dich an, dreifaltiger Gott, Schöpfer des Universums! Danke, dass du dich so klein und menschlich machst und meine AlltagsstĂĽrme stillen willst.

Bitte: Lass meine Seele ruhig werden in dir wie ein Kind bei der Mutter.

1. UnerschĂĽtterliches Vertrauen. Also, so einfach ist es nicht: Auch wenn man mit Jesus lebt und geht, kommen StĂĽrme. Vielleicht brauchen wir die StĂĽrme als Vertrauenstest. Vielleicht ist es das Höchste im Glauben, wenn wir unsere Angst an Jesus abgeben und im Vertrauen bleiben können, wenn es stĂĽrmt. Der heilige Pierre Chanel, ein junger Missionarspriester auf der ozeanischen Insel Futuna, wurde von den Einwohnern erschlagen, nachdem sich der Sohn des Häuptlings taufen lassen wollte, wodurch sich der Häuptling in seiner Macht bedroht fĂĽhlte. Während sie ihn erschlugen, habe er immer gesagt: „Das ist gut fĂĽr mich, das ist gut fĂĽr mich.“ Welches Vertrauen spricht aus diesen Worten! (Nach anfänglich sehr spärlichen Bekehrungen zu Pierre Chanels Lebzeiten lieĂźen sich in den Jahren nach seinem Tod ĂĽbrigens fast alle Einwohner taufen!) Heiliger Geist, lass mich so glauben können wie Pierre Chanel!

2. Sich mitten im Sturm entspannen. Jesus macht uns vor, wie es geht: Wie ein kleines Kind hat er mitten im heftigen Sturm einfach geschlafen, voll Vertrauen auf seinen himmlischen Papa. Wie schön, dass dieser Papa auch unser Papa ist, der auf uns aufpasst, und dass wir Jesus zur Not wecken dĂĽrfen!

3. Der Herr gibt es den Seinen im Schlaf. An einigen zentralen Wendepunkten in der Heilsgeschichte gibt der Herr es den Seinen im Schlaf: Als Gott Eva aus Adams Seite herausgearbeitet hat, schlief Adam. Als Abraham den Bund mit Gott schloss, fiel ein tiefer Schlaf ĂĽber ihn. Als Jesus verklärt wurde, schliefen die Apostel zunächst, ebenso, als er im Ă–lgarten um unsere Erlösung kämpfte. SchlieĂźlich war die Hingabe Jesu hinein in den Todesschlaf die groĂźe Wende im Schicksal der Menschen – der Sieg ĂĽber SĂĽnde, Tod und Teufel! Ich staune ĂĽber die GroĂźzĂĽgigkeit Gottes. Er ist der Handelnde, und wir, seine geliebten Menschen, dĂĽrfen uns von ihm tragen und fĂĽhren lassen.

Gespräch mit Christus: Jesus, du kennst meine Ă„ngste und meinen Kleinglauben. Rette mich aus allen StĂĽrmen. Ich bitte dich um so viel Vertrauen, dass ich mich im nächsten Sturm, in den mein Lebensboot gerät, einfach zu dir hinten ins Boot legen und mich bei dir einkuscheln kann. Stärke mein Vertrauen! Und lass mich dein stilles, bedingungsloses Zu-mir-Stehen wahrnehmen.

Vorsatz: Ich nehme heute meine größte Schwierigkeit und schenke sie Jesus.


Dank fĂĽr die Kirche

29. Juni 2022

Mittwoch der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Petrus und hl. Paulus, Apostel>br />Hochfest

Dorit Wilke-Lopez

Mt 16,13-19
In jener Zeit, als Jesus in das Gebiet von Cäsaréa Philíppi kam, fragte er seine Jünger und sprach: Für wen halten die Menschen den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elíja, wieder andere für Jeremía oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus antwortete und sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjóna; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus – der Fels – und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, ich komme heute zu dir, weil du der Sohn des lebendigen Gottes bist. Ich glaube an dich, und ich baue mein Leben auf dich und deine Kirche.

Bitte: Stärke meinen Glauben in dieser Meditation.

1. Und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht ĂĽberwältigen. Welches Geschenk ist die Kirche an uns! Hier finden wir Schutz vor den finsteren Mächten der Unterwelt, hier finden wir die SchlĂĽssel zum Himmelreich! Der Glaube von Petrus und unser aller Glaube bilden ein Gewebe, eine Art Schleppnetz, das die Menschen schĂĽtzt und sammelt und in Richtung Himmel schleppt. Und das auch noch, wenn Petrus oder wir Jesus verraten und vor dem Kreuz weglaufen und sĂĽndigen. Jesus wusste, dass die Kirche aus SĂĽndern bestehen wĂĽrde. Und genau deshalb hat er sie gegrĂĽndet: um die SĂĽnder zu retten. Dabei fuĂźt unsere Rettung auf dem Glauben der Menschen vor uns, angefangen von den Aposteln bis zu unseren Eltern oder denjenigen, denen wir unsere Bekehrung verdanken. Und von unser aller Glauben wiederum hängt der Bestand der Kirche ab. Jeder ist ein Knoten im Netz. Wenn einer fehlt, kann Böses eindringen und es können Fische verloren gehen. Aber das Netz wird halten, die Kirche wird fortbestehen, dafĂĽr sorgt Jesus selbst.

2. Das Geheimnis der Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden in Christus. Die Kirche besteht aus der streitenden Kirche, das sind wir hier auf der Erde, die mit den Mächten der Unterwelt kämpfen mĂĽssen, aus der leidenden Kirche, das sind die Seelen im Fegefeuer, die fĂĽr sich selbst nichts mehr tun können und deren seelische Verunreinigungen weggeschmolzen werden, bevor sie in die makellose Herrlichkeit des Himmels passen, und aus der triumphierenden Kirche mit allen Heiligen, die im Himmel bereits vollendet sind. So ist die Kirche wie ein umgekehrter Eisberg: Der sichtbare Teil hier auf der Erde ist der kleinste, darĂĽber sind die Seelen am Reinigungsort und die in der himmlischen Herrlichkeit. Diese Wirklichkeit wird heute oft vergessen!

3. Was du auf Erden binden (lösen) wirst, wird auch im Himmel gebunden (gelöst) sein. Himmel und Kirche sind eng verknĂĽpft. Ich stelle mir die Beziehung in etwa so vor wie Samen und Ernte. Die Kirche ist wie ein groĂźes Treibhaus, wo alles, was gesät wird, zur Ernte im Himmel fĂĽhrt. Wenn das Weizenkorn in die Erde fällt und stirbt, bringt es reiche Frucht. Der Keimling braucht aber den Schutz des Treibhauses „Kirche“. So kann zusammen mit Christus in seiner Kirche die Frucht wachsen. Durch die Taufe haben wir einen Platz im Treibhaus bekommen. Wie viel wir an diesem Platz säen, bestimmt unsere Ernte im Himmel. Wie groĂźzĂĽgig von Gott, uns einen Platz in seinem Treibhaus zu schenken. Was mache ich damit?

Gespräch mit Christus: Lieber Gott, nach diesem Evangelium möchte ich dir heute von Herzen fĂĽr deine Kirche danken, in die du mich hineingetauft hast. Danke, dass mich die Pforten der Unterwelt in deiner Kirche nicht ĂĽberwältigen können. Danke fĂĽr die Sakramente! In der Kommunion werde ich an dich gebunden und das bleibt auch im Himmel so, und in der Beichte wird alles gelöst, was mich von dir wegzieht, und das bleibt auch im Himmel so. In deiner Kirche bin ich sicher wie in einem Rettungsboot, in dem du der Kapitän bist.

Vorsatz: Das nächste Mal besonders dankbar sein beim Empfang eines Sakraments. Vielleicht kann ich jemandem zu einer im Sinne des heutigen Evangeliums erweiterten Sicht auf die „Institution Kirche“ mit ihren vermeintlichen „Machtstrukturen“ verhelfen.


Vergebung

30. Juni 2022

Donnerstag der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Märtyrer der Stadt Rom
Hl. Otto, Bischof und Glaubensbote

Dorit Wilke-Lopez

Mt 9,1-8
In jener Zeit stieg Jesus in das Boot, fuhr über den See und kam in seine Stadt. Da brachte man auf einer Tragbahre einen Gelähmten zu ihm. Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Hab Vertrauen, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben! Da dachten einige Schriftgelehrte: Er lästert Gott. Jesus wusste, was sie dachten, und sagte: Warum habt ihr so böse Gedanken im Herzen? Was ist leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben! oder zu sagen: Steh auf und geh umher? Ihr sollt aber erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben. Darauf sagte er zu dem Gelähmten: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause! Und der Mann stand auf und ging heim. Als die Leute das sahen, erschraken sie und priesen Gott, der den Menschen solche Vollmacht gegeben hat.

EinfĂĽhrendes Gebet: Heiliger Geist, komm zu mir und erfĂĽlle mich, damit ich bei dieser Betrachtung in den nächsten Minuten wirklich vor Gott präsent bin und mit Jesus in ein gutes Gespräch kommen kann und seine Prioritäten erkenne. Lass mich begreifen, welche Vollmacht er auch mir gibt.

Bitte: Jesus, stärke meinen Glauben, damit er auch die anderen stärkt.

1. Als Jesus ihren Glauben sah. Jesus heilt immer da, wo Glauben ist. In der Begebenheit dieses Evangeliums haben die anderen den Glauben, nicht der Kranke, und aufgrund dessen wird der Kranke geheilt. Das bedeutet doch, dass mein Glaube relevant ist fĂĽr die Heilung der anderen. Wenn ich meinen Glauben vernachlässige, kann das die Heilung von anderen Menschen behindern.

2. Deine SĂĽnden sind dir vergeben. Ă„uĂźere Heilung ist nur das Zeichen, wichtiger ist die tiefere Voraussetzung, die Vergebung der SĂĽnden, die Heilung der ewigen Seele und ihrer Verletzungen! Vielleicht werden heute deswegen so wenige Menschen auf unser Gebet hin geheilt, weil so wenige Menschen zur Beichte gehen? Wenn mein Glaube Einfluss hat auf die Heilung der anderen, dann ist denkbar, dass auch mein SĂĽndenbekenntnis und meine Reue vor Gott Einfluss auf den Gnadenstrom haben, der zu den anderen Menschen flieĂźt. In der Gemeinschaft der Kirche, dem Leib Christi auf dem Weg durch die Heilsgeschichte, ist nichts nur privat. Alles hat Einfluss auf alle.

3. Gott, der den Menschen (!) solche Vollmacht gegeben hat. Wie erstaunlich ist diese Aussage, dass Gott nicht nur Jesus, sondern allen Menschen die Gabe der SĂĽndenvergebung und der Heilung gibt, dir und mir auch! Selbstverständlich ist allein dem Priester die sakramentale SĂĽndenvergebung vorbehalten, durch die er dem Gläubigen im Namen Jesu die Vergebung seiner SĂĽnden schenkt. Aber auch wir dĂĽrfen und sollen dem anderen vergeben, wenn er gegen uns gesĂĽndigt hat, und haben damit eine gewisse Vollmacht, die anderen freizusetzen von den Fesseln des Hasses und der negativen Gebundenheit. Auch wir selber werden dadurch frei. Dann wird auch körperliche Heilung möglich. Die Gabe Gottes ist immer auch Aufgabe. Wir sollen diese Vollmacht daher nutzen. Gott hat uns nach seinem Ebenbild geschaffen und eingesetzt, die Erde zu verwalten. Weil er vergibt, sollen wir die Erde verwalten, indem auch wir vergeben und so Gottes Vergebung auf die Erde bringen.

Gespräch mit Christus: Jesus, ich bin ganz beeindruckt von der Bedeutung, die du meinem Handeln gibst. Ich staune, dass durch meinen Glauben und meine Vergebung andere geheilt werden können. Als Aufgabe betrachtet, ist mir das eine Nummer zu groĂź, Herr. Aber ich weiĂź, dass der Glaube und die Barmherzigkeit deine Geschenke sind. Daher bitte ich dich: Nimm das Herz aus Stein aus meiner Brust und schenke mir ein Herz aus Fleisch, das fĂĽr dich brennt und leicht vergeben kann.

Vorsatz: Jemandem Vergebung schenken.


Barmherzigkeit

1. Juli 2022

Freitag der dreizehnten Woche im Jahreskreis

Dorit Wilke-Lopez

Mt 9,9-13
In jener Zeit sah Jesus einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Matthäus auf und folgte ihm. Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, kamen viele Zöllner und Sünder und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern. Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen? Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, du siehst mich jetzt hier sitzen und rufst mich, dir zu begegnen. Ich möchte mich jetzt wie Matthäus ganz darauf einlassen und fĂĽr dich ganz da sein. Ich möchte dich wie Matthäus einladen in das Haus meines Herzens, damit du dich bei mir ein bisschen ausruhen kannst.

Bitte: Lass mich in den nächsten Minuten in dir sein und sei du in mir.

1. Nicht die Gesunden brauchen den Arzt. â€žSeien Sie froh, dass Sie SĂĽnder sind, sonst wäre Christus ja gar nicht fĂĽr sie zuständig!“, habe ich vor Jahren in einer Predigt gehört und nie vergessen. In der Osternacht singt der Diakon: „O glĂĽckliche Schuld, welch groĂźen Erlöser hast du gefunden!“ Ist es nicht groĂźartig, wie Gott aus den schlimmsten Dingen – hier der SĂĽnde – etwas Wunderbares schafft? Unsere Schuld verwandelt er in eine Liebeserklärung! Jesus sagt mir jetzt und hier: Ich liebe dich! Ich liebe dich mehr als mein Leben! Ja, genau dich!

2. Ich bin gekommen, die SĂĽnder zu rufen, nicht die Gerechten. Gott denkt ĂĽberhaupt nicht in Leistungskategorien. Er liebt die Gerechten und die SĂĽnder gleichermaĂźen. Er liebt ohne Gegenleistung, weil wir seine Geschöpfe sind, sein Meisterwerk, von dem er begeistert ist. Alle, die sich entfernt haben, geht er suchen. Er ruft uns zu: „Mit menschlichen Fesseln zog ich sie an mich, mit den Ketten der Liebe. Ich war da fĂĽr sie wie die, die den Säugling an ihre Wangen heben“ (Hos 11,4). Jetzt und hier, in meinem Herzen, ist Jesus bei mir und sucht meine Nähe. Ich staune und genieĂźe.

3. Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Barmherzigkeit ist eine Herzenshaltung, ein mitfĂĽhlendes und mitleidendes Wahrnehmen von Leid, Kummer, Schuld und Schwäche. Barmherzigkeit sagt nicht: Geschieht ihm recht, selber schuld! Barmherzigkeit ist die Haltung, die der Vater dem verlorenen Sohn gegenĂĽber zeigt. Der Vater freut sich, dass der Sohn zurĂĽckkommt und deckt mit seiner Freude alle Verfehlungen des Sohnes zu. Gott sieht hinter der Kulisse der SĂĽnde unsere BedĂĽrftigkeit, unsere VerfĂĽhrbarkeit, unsere Dunkelheit, und freut sich, wenn er uns da herausholen kann. Er hat keine BerĂĽhrungsängste mit SĂĽndern, auch wenn sie krank oder schmutzig sind oder nach Schweinestall riechen. Ich fĂĽrchte, wir riechen vor Gott immer ein bisschen nach Schweinestall. Danke, Gott, dass du mich trotzdem liebst!

Gespräch mit Christus: Vater, danke, dass du mich liebst, auch wenn ich sĂĽndige. Bitte halte mir deine Liebe immer vor Augen. Auch ich darf mich lieben, trotz meiner Fehler, eben weil auch du mich trotzdem liebst. Ich brauche meine SĂĽnden nicht zu verstecken, sondern ich darf sie dir hinhalten, als dem Arzt, der mich heilt. Gib auch mir einen barmherzigen Blick fĂĽr meine Mitmenschen, besonders fĂĽr die, die mich verletzen, und fĂĽr die, die den Glauben an dich nicht teilen und sich im Dickicht der Welt verlaufen. Teile mir ein wenig von der ĂĽberströmenden Freude mit, die du an jedem Menschen hast, ob er sĂĽndigt oder nicht. Mach mich milde, sanft und barmherzig.

Vorsatz: Jesus, mit dir zusammen möchte ich ĂĽberlegen, wen ich innerlich ablehne oder verurteile, ob nun eine andere Person oder auch mich selbst. Ich bitte dich um Vergebung dafĂĽr. Ich will mit dir zusammen versuchen, diese Person innerlich mit dem Blick der Barmherzigkeit, mit Zärtlichkeit und Mitleid zu betrachten.


Das Licht der Gottheit

2. Juli 2022

Samstag der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Mariä Heimsuchung
Fest

Dorit Wilke-Lopez

Lk 1,39-56
In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

EinfĂĽhrendes Gebet: Zusammen mit Elisabet und dem kleinen Johannes möchte ich dich, Jesus, jetzt in Maria begrĂĽĂźen und dir von Herzen danken, dass du in mein Leben kommst, auch heute wieder!

Bitte: Schenke mir heute - und immer wieder - Staunen ĂĽber das Wunder der Menschwerdung!

1. Die Jungfrau Maria spricht zu Luisa Piccarreta, italienische Mystikerin (1865 – 1947), ĂĽber die Heimsuchung. â€žIch brach also von Nazaret auf, begleitet vom heiligen Josef, und begab mich auf eine lange Reise ĂĽber die Berge, um in Judäa Elisabet zu besuchen… Ich begab mich zu ihr, … weil ich vor Verlangen brannte, ihr Jesus zu bringen. Die FĂĽlle der Gnaden, der Liebe, des Lichtes, die ich in mir fĂĽhlte, trieb mich an, das Leben meines Sohnes zu bringen, um es in den Geschöpfen zu vervielfältigen, zu verhundertfachen.“

2. Jesus in sich tragen. â€žJa, mein Kind, die Mutterliebe, die ich fĂĽr alle Menschen… hatte, war so groĂź, dass ich ein groĂźes Verlangen hatte, allen meinen teuren Jesus zu schenken, damit alle ihn besitzen und lieben könnten. Jesus bereitzuhalten, um ihn jedem zu geben, der ihn begehrte. Wie war ich glĂĽcklich! Wie sehr wĂĽnschte ich, dass auch du, mein Kind, wenn du zu den Menschen gehst und Besuche machst, immer Jesus in dir trägst und ihn bekannt zu machen fähig bist und voll Verlangen, dass er geliebt wird.“

3. Vom Licht der Gottheit getroffen. â€žBeim GruĂź, den ich ihr (Elisabet) entbot, geschahen wunderbare Dinge. Mein kleiner Jesus jubelte auf in meinem SchoĂź und ĂĽberflutete mit den Strahlen der Gottheit den kleinen Johannes im SchoĂź seiner Mutter, heiligte ihn, verlieh ihm den Gebrauch der Vernunft und lieĂź ihn erkennen, dass er (mein Sohn) der Sohn Gottes war. Da fuhr Johannes so stark vor Liebe und Freude auf, dass Elisabet erschĂĽttert wurde. Auch sie wurde vom Licht der Gottheit meines Sohnes getroffen und erkannte, dass ich Mutter Gottes geworden war, und zitternd vor Dankbarkeit rief sie in bewegter Liebe aus: „Woher kommt mir die Ehre, dass die Mutter des Herrn zu mir kommt?“ – (Alle Zitate aus: „Die Jungfrau Maria im Reich des göttlichen Willens“, Meditation 1, Anhang)

Gespräch mit Christus: GroĂźer Gott, mit Maria preist meine Seele deine Größe, denn du schaust auf unsere Niedrigkeit und erbarmst dich von Geschlecht zu Geschlecht ĂĽber alle, die dich fĂĽrchten. Auch mich hast du erhöht und mit dem Licht ĂĽberflutet, das Christus in meine Dunkelheit gebracht hat.

Vorsatz: DarĂĽber will ich zusammen mit Maria, Elisabet und Johannes heute staunen. Und dir danken, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Amen.