Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 12. Juni 2022 bis Samstag 18. Juni 2022

Elfte Woche im Jahreskreis

Br. Raphael Meyer LC

Der Geist der WahrheitSonntag
Heilung durch konkrete N├ĄchstenliebeMontag
Liebe statt PerfektionismusDienstag
Obwohl unvollkommen, gebe ich Gott die EhreMittwoch
Gott gibt sich unentgeltlichDonnerstag
Ich brauche Dich!Freitag
Es geht nur um die LiebeSamstag


Der Geist der Wahrheit

12. Juni 2022

Dreifaltigkeitssonntag
Hochfest

Br. Raphael Meyer LC

Joh 16,12-15
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen J├╝ngern: Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr k├Ânnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selbst herausreden, sondern er wird reden, was er h├Ârt, und euch verk├╝nden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verk├╝nden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verk├╝nden.

Einf├╝hrendes Gebet: Jesus Christus, du hast gesagt, dass uns der Geist in die Wahrheit f├╝hrt. Sende deinen Geist, damit wir in der Wahrheit leben k├Ânnen.

Bitte: Komm, Heiliger Geist, f├╝hre mich in die ganze Wahrheit.

1. Ihr k├Ânnt es jetzt nicht tragen. Das Evangelium ist herausfordernd. Wie auch die Juden verstanden haben, verk├╝ndet Jesus eine ganz neue Lehre. Die eigenen Feinde zu lieben, nicht zur├╝ckzuschlagen, f├╝r die Freunde das Leben geben. Jesu Lehre ist radikal, radikal in der Liebe, weil es, wie es das Wort schon sagt (radix = Lateinisch f├╝r Wurzel), an die Wurzel geht. Es geht in die Tiefe, wo wir Entscheidungen treffen, wo es einem etwas abverlangt, nicht an sich selbst, sondern an den anderen zu denken und sich hinzugeben. Diese Lehre der Liebe wird zum Stein des Ansto├čes.

2. F├╝r den Verliebten ist alles leicht. Wenn man jemandem sagt, dass man Christ ist, bekommt man dann oft Dinge zu h├Âren wie: ÔÇ×Dann darfst du dir dieses und jenes nicht erlauben und musst dieses und jenes tun.ÔÇť Wie man das aber erlebt und sich dabei f├╝hlt, h├Ąngt besonders von der inneren Einstellung ab. Wer die Liebe nicht erfahren hat, f├╝r den ist alles schwer. Dann wird aus dem D├╝rfen ein M├╝ssen und eine Einladung wird zum Zwang.

3. Der Heilige Geist wird mich in der ganzen Wahrheit leiten. Die Begegnung mit dem Feuer der Liebe, das der Heilige Geist selbst ist, macht mich erst f├Ąhig, diese radikale Lehre Jesu zu tragen. Was fr├╝her schwer war, l├Ąstig und unangenehm, kann, nachdem in mir das Feuer vom Geist entz├╝ndet wurde, zur leichten Last werden, von der Jesus spricht. Vor der Begegnung mit ihm war alles dunkel, und ich habe nicht verstanden, was richtig oder falsch ist. Doch sobald das Feuer entz├╝ndet wird, leuchtet in mir der Heilige Geist und bringt Klarheit, ├╝ber L├╝ge und Finsternis siegt seine Wahrheit. Tats├Ąchlich m├Âchte er in uns brennen und unser ganzes Leben von innen her verwandeln. Er m├Âchte in mir zum Feuer werden. Ich selbst kann es nicht zum Brennen bringen, sondern nur er.

Gespr├Ąch mit Christus: Heiliger Geist, ich m├Âchte eine enge Beziehung zu dir haben. Ich m├Âchte dich nicht nur dann anrufen, wenn ich in einer aussichtslosen Lage bin, sondern auch vor einfachen Entscheidungen. Hiermit sage ich ja zu dir und zu deinen Eingebungen und weihe mich dir. Ich m├Âchte in der Wahrheit leben, geleitet von dir. Sei immer und ├╝berall mein Begleiter und Beistand.

Vorsatz: Heute werde ich den Heiligen Geist um seine Hilfe bitten und mit dem Herzen auf seine Eingebungen h├Âren.


Heilung durch konkrete N├Ąchstenliebe

13. Juni 2022

Montag der elften Woche im Jahreskreis
Hl. Antonius von Padua, Ordenspriester, Kirchenlehrer
Gedenktag

Br. Raphael Meyer LC

Mt 5,38-42
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen J├╝ngern: Ihr habt geh├Ârt, dass gesagt worden ist: Auge f├╝r Auge und Zahn f├╝r Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas B├Âses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schl├Ągt, dann halt ihm auch die andere hin. Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel. Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm. Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.

Einf├╝hrendes Gebet: Heiliger Geist, erleuchte mich, damit ich wirklich tief verstehe, was Jesus mir mit seinen Worten sagen m├Âchte. Lass mich sein Wort richtig lesen, mit der Offenheit und der Erwartung, dass es mein Herz mit Liebe verwunden kann, es erweichen kann, es ├Âffnet und heilt. Lass mich mit deinen Augen diese Worte lesen, damit ich verstehe, was ich tun soll und deine Worte richtig aufnehme.

Bitte: Jesus Christus, du rufst uns auf, freigebige Menschen zu sein. Lass dieses Gebet in der N├Ąchstenliebe Frucht bringen. Lass mich immer mehr f├╝r die anderen leben und nicht f├╝r mich selbst.

1. Eine Z├Ąsur durch Jesus. Die Begegnung mit Jesus ist eine Schnittstelle in unserem Leben, welches dadurch in zwei Abschnitte, in ein Vorher und ein Nachher, geteilt wird. Diese Z├Ąsur ist auch Jesus selbst, der Wendepunkt der Geschichte. Vor Jesus gab es eine bestimmte Weise, in der man mit seinen Feinden umgegangen war. Irgendwie war das bekannte Auge-um-Auge, Zahn-um-Zahn-Prinzip schon richtig, weil man so seine Familie verteidigen durfte, falls sie in Gefahr geriet ÔÇô und auch die Verteidigung ihrer Ehre ist damit gemeint. Das ist also richtig. Das Problem dabei ist aber die Einstellung des Herzens. F├╝hrt mich das W├╝stengesetz ÔÇ×Auge um Auge, Zahn um ZahnÔÇť dazu, mehr zu lieben oder liebe ich deswegen eher weniger? Denn wenn diese Denkweise mich von meinem Mitmenschen entfernt, auch wenn es der mir weniger gut Gesinnte ist, baut sie vielleicht Mauern auf, statt sie niederzurei├čen.

2. Vom Ich zum Du. Jesus geht einen Schritt weiter als alle anderen. Den Feind lieben? Das ist ein gro├čer Schritt, denn der Sprung von A nach B, mit welchem ich den Abgrund ├╝berbr├╝cke, der sich im ÔÇ×Auge um AugeÔÇť verbirgt, existiert nicht nur als Metapher. Er steht auch f├╝r den geistigen Abgrund, der sich in meinem Herzen aufgetan hat. Einen Abgrund, den Jesus wieder schlie├čen und ├╝berbr├╝cken m├Âchte. Jesus sagt mir jetzt, dass es Zeit ist, diesen Abgrund hinter mir zu lassen und eine Haltung ÔÇ×f├╝r meinen N├ĄchstenÔÇť einzunehmen. Von meinem A zum B des Gegen├╝bers zu schreiten.

3. Liebe konkret. Jesus spricht sehr konkret ├╝ber das, was wir tun sollen. Seine Einladung, mehr f├╝r den N├Ąchsten zu leben, ist nichts Abstraktes, sondern hat Einfluss auf das reale Leben. Im realen Leben gibt es n├Ąmlich diesen inneren Abgrund und in diesem realen Leben m├Âchte er ihn wieder schlie├čen. Er m├Âchte, dass wir unseren N├Ąchsten aktiv lieben. Dass wir dem Bed├╝rftigen das lassen, um was er uns bittet, dem Einsamen Gesellschaft leisten, dem Redebed├╝rftigen ein Zuh├Ârer sind und denjenigen, der uns um unsere Zeit bittet, nicht abweisen.

Gespr├Ąch mit Christus: Jesus, heile mein Herz, damit ich dich und die Menschen von ganzem Herzen lieben kann.

Vorsatz: Ich m├Âchte heute den Menschen begegnen, wie du ihnen begegnest. Mit Offenheit und N├Ąchstenliebe.


Liebe statt Perfektionismus

14. Juni 2022

Dienstag der elften Woche im Jahreskreis

Br. Pablo Rodr├şguez de la Gala LC

Mt 5,43-48
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen J├╝ngern: Ihr habt geh├Ârt, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen N├Ąchsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet f├╝r die, die euch verfolgen, damit ihr S├Âhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er l├Ąsst seine Sonne aufgehen ├╝ber B├Âsen und Guten, und er l├Ąsst regnen ├╝ber Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr n├Ąmlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn k├Ânnt ihr daf├╝r erwarten? Tun das nicht auch die Z├Âllner? Und wenn ihr nur eure Br├╝der gr├╝├čt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.

Einf├╝hrendes Gebet: Komm, Heiliger Geist, hilf mir, in diesem kurzen Moment des Gebets Jesus zu begegnen. Bitte lass mich glauben, dass du wirklich hier bei mir bist und mit mir reden willst. Vater, ich lege alle meine Sorgen in deine H├Ąnde. Ich vertraue darauf, dass du immer ├╝ber mich wachst und mir gibst, was ich brauche, aber ich bitte dich, mein Vertrauen zu st├Ąrken. Jesus, ich danke dir f├╝r diesen Moment der Begegnung mit dir. Es gen├╝gt mir, Zeit mit dir zu verbringen, aber wenn du mir etwas sagen willst, bitte ich dich, mir zu helfen, mein Herz f├╝r dich offen zu halten und wahrhaft zuzuh├Âren. Amen.

Bitte: Herr, ich bitte dich um Frieden in der Welt.

1. Wir sollen vollkommen sein. Wenn Jesus uns sagt, dass wir so vollkommen sein sollen wie der Vater, k├Ânnten wir Angst bekommen oder entmutigt werden, weil wir sofort merken, wie weit wir davon entfernt sind. Verlangt Jesus etwas Unm├Âgliches von uns? Nein. Dann liegt das Problem vielleicht darin, dass wir die Vollkommenheit verkehrt verstehen.

2. Die Vollkommenheit, die wir nicht suchen sollen. Wenn wir in unserer Kultur das Wort Vollkommenheit h├Âren, geben wir ihm die Bedeutung ÔÇ×Perfekt-seinÔÇť und denken an Fehlerlosigkeit. Deshalb sagt der Volksmund auch, dass niemand perfekt ist. Interessant allerdings ist, dass wir unsere Unvollkommenheit nicht gerne erleben, obwohl wir wissen, dass niemand perfekt sein kann, also dass niemand ohne Fehler ist. Wenn wir unter Vollkommenheit Fehlerlosigkeit verstehen, dann geraten wir in gro├če Versuchung, perfekt sein zu wollen. In dieser Versuchung wird die Ursache der Erbs├╝nde erkennbar: der Wunsch, wie Gott zu sein, ohne Gott dazu zu brauchen. Wenn Jesus uns also auffordert, vollkommen zu sein wie der Vater, dann bedeutet das nicht, dass wir keine Fehler machen d├╝rfen. Nicht ohne Gottes Hilfe, sondern mit seiner Hilfe sollen wir vollkommen werden.

3. Die Vollkommenheit, zu der Jesus uns einl├Ądt. Um zu verstehen, was Jesus mit Vollkommenheit meint, kann es hilfreich sein, das griechische Wort zu kennen, das eng mit dem Wort Ziel (telos) in Verbindung steht. Jesus fordert uns also auf, uns an demselben Ziel zu orientieren wie der Vater. Und wonach sucht der Vater? Genau davon spricht Jesus, bevor er uns sagt, dass wir vollkommen sein sollen: Der Vater sucht die Liebe. Er liebt jeden bedingungslos, ÔÇ×denn er l├Ąsst seine Sonne aufgehen ├╝ber B├Âsen und Guten, und er l├Ąsst regnen ├╝ber Gerechte und UngerechteÔÇť. ÔÇô Hoffentlich sehen wir Regen nicht als etwas Schlechtes an. Zur Zeit Jesu, als es noch keine so weitentwickelten Bew├Ąsserungssysteme wie heute gab, sah man den Regen als gro├čen Segen an, der Leben schenkte. Fordert Jesus uns also auf, perfekt zu lieben, ohne jemals einen Fehler zu begehen? ÔÇô Nein. Jesus bittet uns darum, mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all unserer Kraft danach zu streben, alle zu lieben, sogar die, die uns verletzt haben.

Gespr├Ąch mit Christus: Jesus, hilf mir, nicht selbstgen├╝gsam zu sein und nur keine Fehler begehen zu wollen. Hilf mir, nicht w├╝tend zu sein, wenn wir Fehler begehen. Hilf mir, geduldig zu sein, wenn die Dinge nicht so laufen, wie ich es mir vorstelle oder mir w├╝nsche. Hilf mir, nur das Eine zu suchen: die Liebe. Hilf mir, dich und andere zu lieben. Ich vertraue darauf, dass mir das in jedem Fall gen├╝gen wird, um ein erf├╝lltes Leben zu f├╝hren.

Vorsatz: Heute kannst du f├╝r die Menschen beten, die dich verletzt haben, und du kannst Jesus bitten, dir die Gnade zu schenken, ihnen zu vergeben.


Obwohl unvollkommen, gebe ich Gott die Ehre

15. Juni 2022

Mittwoch der elften Woche im Jahreskreis
Hl. Vitus, M├Ąrtyrer

Br. Diego L├│pez LC

Mt 6,1-6.16-18
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen J├╝ngern: H├╝tet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten. Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir herposaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut. Dein Almosen soll verborgen bleiben, und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Stra├čenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schlie├č die T├╝r zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein tr├╝bseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

Einf├╝hrendes Gebet: Ich glaube, Herr, dass du in mir gegenw├Ąrtig bist, mir zuh├Ârst, mich umarmst und mich liebst. Dein Wunsch, mit mir zusammen zu sein, ist viel gr├Â├čer als mein Wunsch, bei dir zu sein. Deshalb bitte ich dich, der Protagonist und Vorreiter dieser Gebetszeit zu sein und mir zu geben, was ich heute am meisten brauche, um dir n├Ąher zu sein.

Bitte: Herr, gew├Ąhre mir die Gnade, immer auf dich ausgerichtet zu leben.

1. Heiligkeit ist ein Geschenk Gottes. Wer versucht, Heiligkeit allein kraft seines Willens zu erreichen, ist zum Scheitern verurteilt. Im besten Fall gelingt es ihm, einige Tugenden zu ├╝ben, die zwar ├Ąu├čerlich den Eindruck von Heiligkeit vermitteln k├Ânnen, aber von sich allein nicht heilig machen. Nur Gott ist heilig, und deshalb kann nur Gott seine Heiligkeit mit uns teilen, die darin besteht, dass wir bedingungslos und grenzenlos lieben, dass wir jeden f├╝r w├╝rdig halten, geliebt zu werden. Heiligkeit f├╝hrt dazu, dass wir in Gott gesammelt und in ihn verliebt sind. Deshalb sagt Jesus, dass derjenige, der Gerechtigkeit (Heiligkeit) ├╝bt, um von den Menschen geehrt zu werden, keine Belohnung vom Vater erhalten wird, weil der Mittelpunkt seines Lebens nicht Gott ist, sondern er selbst.

2. Almosen, Gebet und Fasten. Vor einigen Monaten erlebten wir die Fastenzeit 2022, in der die Kirche uns aufforderte, Almosen, Gebet und Fasten als wirksame Mittel zu praktizieren, um Gott n├Ąher zu kommen, in unserer Beziehung zu ihm zu wachsen und sie zu vertiefen. Der Meister warnt uns jedoch, dass uns diese Mittel nur dann n├Ąher zu Gott bringen, wenn wir bei ihrer Anwendung nicht den eigenen Ruhm suchen (Selbstverherrlichung oder das Lob der anderen), sondern nur Gott mit unserem ganzen Wesen zu lieben w├╝nschen. Es ist merkw├╝rdig, dass im Evangelium die ÔÇ×VollkommenenÔÇť (Pharis├Ąer, Schriftgelehrte), die zu ihrem eigenen Ruhm die Vollkommenheit praktizieren, weit von Jesus entfernt sind, aber reuige, ├Âffentliche S├╝nder (Prostituierte, Z├Âllner, Ehebrecher, Diebe) sich immer beim Herrn aufhalten.

3. Ein gesundes Zeugnis der Heiligkeit. Wir d├╝rfen auch nicht dem Irrtum verfallen, unsere guten Werke zu verstecken, weil sie f├╝r andere ein Zeugnis f├╝r die Existenz Gottes sind. Der Glaube kommt durch das H├Âren, sagt uns der heilige Paulus. Das erfordert aber jemanden, der ihn verk├╝ndet oder lebt. Der Teufel w├╝rde es gerne sehen, dass man das Zeugnis der Heiligkeit aufgrund der falschen Furcht, des Eigenlobs bezichtigt zu werden, verbirgt. Bei allem, was wir tun, ist es wichtig, auf die tiefe Absicht zu achten, mit der wir es tun: Entweder wollen wir Gott gefallen oder selbst geehrt und gelobt werden. Auch wenn beide Motivationen nebeneinander bestehen, bedeutet das nicht, dass wir aufh├Âren m├╝ssen, die Dinge zu tun, sondern dass wir sie tun m├╝ssen, indem wir Gott bitten, unsere Absichten so zu ordnen und zu l├Ąutern, dass sie in erster Linie dazu dienen, dem Herrn die Ehre zu geben.

Gespr├Ąch mit Christus: Herr Jesus, die Erbs├╝nde, die ich in mir trage, dr├Ąngt mich dazu, alles f├╝r meine eigene Ehre und meinen eigenen Ruhm zu tun. Du bist gekommen, um f├╝r mich zu sterben, damit ich nicht mehr f├╝r mich lebe, sondern f├╝r dich. Gib mir diese wunderbare Gnade, dass alles, was ich tue oder lasse, in erster Linie dazu dient, dich zu lieben, und dass ich es dir zum Heil aller Menschen darbringe. Nur in dieser Absicht gefallen dir meine Werke, und nur so heilige ich mich. Nur so erf├╝llst du mich mit jener tiefen Freude der Heiligen, die nicht mehr f├╝r sich selbst leben, sondern nur f├╝r Gott und die Mitmenschen.

Vorsatz: Die n├Ąchste Tat der N├Ąchstenliebe oder des Gebets werde ich damit beginnen, den Herrn um die Gnade zu bitten, sie aus Liebe zu ihm zu tun, und nicht, weil ich denke, ich sei der Beste.


Gott gibt sich unentgeltlich

16. Juni 2022

Hochfest des Leibes und Blutes Christi ÔÇô Fronleichnam
Hl. Benno von Mei├čen, Bischof

Br. Raphael Meyer LC

Lk 9,11b-17
In jener Zeit redete Jesus zum Volk vom Reich Gottes und machte gesund, die der Heilung bedurften. Als der Tag zur Neige ging, kamen die Zw├Âlf und sagten zu ihm: Schick die Leute weg, damit sie in die umliegenden D├Ârfer und Geh├Âfte gehen, dort Unterkunft finden und etwas zu essen bekommen; denn wir sind hier an einem abgelegenen Ort. Er antwortete ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten: Wir haben nicht mehr als f├╝nf Brote und zwei Fische; wir m├╝ssten erst weggehen und f├╝r dieses ganze Volk etwas zu essen kaufen. Es waren n├Ąmlich etwa f├╝nftausend M├Ąnner. Er aber sagte zu seinen J├╝ngern: Lasst sie sich in Gruppen zu ungef├Ąhr f├╝nfzig lagern! Die J├╝nger taten so und veranlassten, dass sich alle lagerten. Jesus aber nahm die f├╝nf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis und brach sie; dann gab er sie den J├╝ngern, damit sie diese an die Leute austeilten. Und alle a├čen und wurden satt. Als man die ├╝brig gebliebenen Brotst├╝cke einsammelte, waren es zw├Âlf K├Ârbe voll.

Einf├╝hrendes Gebet: Jesus Christus, danke, dass ich jetzt mit dir Zeit verbringen darf. Mehr als ich sehnst du dich danach, bei mir zu sein, mich zu begleiten und zu h├Âren, was ich auf meinem Herzen habe. Vermehre wie die Brote Glaube, Hoffnung und Liebe in meinem Herzen und lass mich sie weitergeben, zur Nahrung f├╝r meinen N├Ąchsten.

Bitte: Ich bitte dich, lass mich dich immer weitergeben k├Ânnen, damit die Leute satt werden und nicht mehr hungern m├╝ssen.

1. Jesus macht satt. Jesus m├Âchte uns sagen, dass wir bei ihm wirklich satt werden. Bevor Jesus der Menge zu essen gegeben hatte, herrschte bestimmt gro├če Sorge unter den Menschen. Werde ich bei diesem Jesus wirklich satt oder ist, was er sagt, nur so eine Phrase? Nein, es ist nicht nur eine Redensart, keine blo├če Metapher. Einer Sache kann ich mir sicher sein: dass bei ihm mein Hunger wirklich gestillt wird. Wenn du das noch nicht erfahren hast, wird es h├Âchste Zeit, dass du dich von ihm beschenken l├Ąsst. Wie wichtig ist es, die Gaben Jesu anzunehmen. Alle haben voll Freude genommen, was Jesus verschenkt hat. Seele und Leib hat er ges├Ąttigt. Alle sind satt geworden, nicht nur ein paar wenige, sondern jeder einzelne.

2. Sorgen. So viel Brot ist schon teuer, vor allem f├╝r so viele Leute. Wie viel wird es kosten, und habe ich genug Geld dabei? Vielleicht gibt es einen Kostenaufschlag, weil wir auch f├╝r seine Rede bezahlen m├╝ssen. Und ob ich da ├╝berhaupt satt werde? Vielleicht gehen die J├╝nger an mir vor├╝ber, weil Jesus mich nicht kennt. Ich bin ja keine wichtige Person. Am besten zahle ich ihm ganz viel und strecke ihm direkt das Geld hin, damit ich auch ganz sicher das Brot bekomme. Wenn ich nicht viel gebe, gehe ich bestimmt leer aus. Das sind nur einige der vielen L├╝gen, die uns der B├Âse einfl├╝stert. Kann ich die Gabe Gottes bezahlen? Doch wir haben einen gro├čz├╝gigen Gott, der es liebt zu schenken.

3. Sich beschenken lassen. Wie gro├č ist Jesu Sehnsucht, diese vielen Menschen zu beschenken, jeden einzelnen. Er kennt den immensen Hunger, den jeder hat. Dieser Hunger ist so gro├č, dass ihn alle Speisen der Welt nicht s├Ąttigen k├Ânnten. Deswegen gibt Jesus etwas mehr als das Brot. Das Brot ist ein Vorausbild f├╝r den Leib, den er beim letzten Abendmahl seinen J├╝ngern zu essen gibt. Das Brot des ewigen Lebens. Ich muss weder bezahlen noch leisten, noch etwas Besonderes tun, um die Liebe Gottes zu erkaufen. Jesus verschenkt sich, das ist seine gro├če Charakteristik. Er verstr├Âmt sich f├╝r die anderen. Und weil er wei├č, dass Brot nicht reicht, gibt er sich selbst dazu. Damit s├Ąttigt er nicht nur den Leib, sondern auch die Seele. Jesus macht satt.

Gespr├Ąch mit Christus: Jesus, lass mich immer auf deine kostenlose Liebe vertrauen. Erinnere mich daran, dass ich dich nicht verdienen muss, sondern dass du dich mir selbst schenkst.

Vorsatz: Wenn ich diese Woche zur heiligen Messe gehe und Jesus empfange, danke ich ihm f├╝r seine kostenlose Liebe.


Ich brauche Dich!

17. Juni 2022

Freitag der elften Woche im Jahreskreis

Br. Raphael Meyer LC

Mt 6,19-23
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen J├╝ngern: Sammelt euch nicht Sch├Ątze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerst├Âren und wo Diebe einbrechen und sie stehlen, sondern sammelt euch Sch├Ątze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerst├Âren und keine Diebe einbrechen und sie stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Das Auge gibt dem K├Ârper Licht. Wenn dein Auge gesund ist, dann wird dein ganzer K├Ârper hell sein. Wenn aber dein Auge krank ist, dann wird dein ganzer K├Ârper finster sein. Wenn nun das Licht in dir Finsternis ist, wie gro├č muss dann die Finsternis sein!

Einf├╝hrendes Gebet: Herr Jesus Christus, lass mein Herz am richtigen Fleck sein, damit keine Motte und kein Wurm seine Sch├Ątze zerst├Âren kann. Ich vertraue dir mein Herz an.

Bitte: Jesus, lass alles in meinem Leben auf dich hin geordnet sein.

1. Das Herz am Boden. Wenn mein Herz auf der Erde ist, k├Ânnen sich weltliche Dinge daran heften. Dort ist dann mein Schatz. Anh├Ąnglichkeit an mich, an andere Personen, Dinge die sich zwischen mich und Gott schieben. Alles kann zu so etwas werden. Werden, weil die Dinge an und f├╝r sich oft nicht schlecht sind, sondern meistens gut. Das Problem ist also nicht, dass ich zum Beispiel Sport mag, sondern, dass ich den Sport meiner Familie gegen├╝ber bevorzuge. Dadurch verschiebe ich das Zentrum auf Dinge. Dort, wo ich mein Herz an die Erde hefte, bin ich das Zentrum meines Lebens, nicht Gott oder meine Familie.

2. Die Bindung an das Ich l├Âsen. Wenn es nicht die Dinge sind, die den eigentlichen Stolperstein darstellen, lohnt es sich dann auf die Dinge zu verzichten und sie aufzugeben? Bei schlechten Dingen definitiv, aber bei guten Dingen trifft das einfache Aufgeben nicht den Kern der Sache. Jesus m├Âchte, dass wir tiefer gehen und unser Herz fest im Himmel verankern. Deshalb gen├╝gt es nicht, die geschaffenen Dinge nur loszulassen. Was wir wirklich loslassen m├╝ssen, ist uns selbst, das eigene Ich, das gerne um sich greift und f├╝r sich selbst besitzen m├Âchte.

3. Schatz im Himmel, Herz im Himmel. Der freie Mensch hat das Herz im Himmel verankert. Dort umschlingen es nicht die geschaffenen Dinge, sondern es kann frei sich selbst, dem N├Ąchsten und Gott dienen. Er ist f├Ąhig, ÔÇ×NeinÔÇť zu sagen. Nein, nicht zu einer Sache oder Person, sondern zu meiner Abh├Ąngigkeit von ihnen. Jedes Nein zu einer Abh├Ąngigkeit, die sich zwischen mich und Gott stellt, ist ein tieferes Verankern des Herzens im Himmel. Um Gott zum Zentrum meines Lebens zu machen, kann ich ihm sagen, dass ich dieses und jenes nicht brauche und dass das Verlangen nach Befriedigung in meinem Leben nicht herrschen soll: ÔÇ×Ich brauche das nicht, ich brauche dich!ÔÇť

Gespr├Ąch mit Christus: Jesus, verankere mein Herz im Himmel, so dass mein Schatz auch dort ist.

Vorsatz: Heute schreibe ich auf, wo ich zu mir und meinem Bed├╝rfnis nach Genugtuung nicht nein sagen kann und welche Dinge oder Personen mich daran hindern, mein Herz im Himmel zu verankern. Und ich bitte den Heiligen Geist um Hilfe, damit er mir Wege aus diesen Abh├Ąngigkeitsverh├Ąltnissen aufzeigt.


Es geht nur um die Liebe

18. Juni 2022

Samstag der elften Woche im Jahreskreis

Br. Raphael Meyer LC

Mt 6,24-34
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen J├╝ngern: Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr k├Ânnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon. Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung? Seht euch die V├Âgel des Himmels an: Sie s├Ąen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorr├Ąte in Scheunen; euer himmlischer Vater ern├Ąhrt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verl├Ąngern? Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. Wenn aber Gott schon das Gras so pr├Ąchtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingl├Ąubigen! Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater wei├č, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird f├╝r sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.

Einf├╝hrendes Gebet: Jesus, du l├Ądst mich ein, dein Reich unter den Menschen auszubreiten. Ich bitte dich, lass mich dir in dieser Gebetszeit begegnen und in der Einheit, der wahren Kommunion mit dir, wachsen. Ich m├Âchte gerne ein Apostel der Liebe sein, der dein Reich aufbaut.

Bitte: Jesus, du bist es, den ich suche. Lass mich mutig und unerm├╝dlich dein Reich aufbauen.

1. Vertraue ihm! Das heutige Evangelium ist an erster Stelle eine Einladung zum Vertrauen. Ein Vertrauen, das die unersch├╝tterliche Sicherheit mit sich bringt: Gott ist gut und sorgt f├╝r mich. Wenn ich mich um sein Reich k├╝mmere und nicht zuerst an mich denke, wird er sich um mich k├╝mmern. Wie die Tiere wird er mich erhalten und mir das N├Âtige geben, was ich brauche. Ich muss mir keinerlei Sorgen machen, weil er alles in seiner Hand hat und der Herr ├╝ber alles ist.

2. Berufen zur Liebe. Sich zuerst um das Reich zu k├╝mmern, bedeutet, unsere Berufung als Liebende zu leben. Wenn ich Dinge tue, aber nicht die Liebe habe, die N├Ąchstenliebe nicht lebe, geht es mir da schon ausschlie├člich um das Reich Gottes? Was suche ich? Versuche ich viel zu beten oder viel zu lieben? Es kommt nicht auf die Anzahl der Gebete an, ja nicht mal auf deren Qualit├Ąt. Allein entscheidend ist, dass wir dabei lieben. Wenn wir im Gebet und bei den Werken der N├Ąchstenliebe lieben, sind wir nicht nur gute Beter, sondern auch gute Liebende. Das bedeutet, sich zuerst um das Reich zu k├╝mmern. Die Liebe ist die ÔÇ×SubstanzÔÇť, aus der das Reich erbaut wird.

3. Nur die Liebe. ├ťber die ersten Christen wurde gesagt: ÔÇ×Seht wie sie einander lieben.ÔÇť Das hat sie schon immer ausgezeichnet. Liebe ist das, was Jesus in uns leben l├Ąsst. So m├╝ssen wir auch den liebenden Jesus nachahmen, um sein Reich aufzubauen. Lieben im Gebet, im Leiden, im Verzeihen, im Kreuz, in der Arbeit. Wenn wir das tun, geht es uns zuerst um sein Reich. Ich kann viel tun, aber habe ich die Liebe nicht, dann bin ich auch nichts. Es geht um die Liebe, und die Liebe ist immer das entscheidende Kriterium f├╝r das Reich Christi. Wenn ich keine Liebe finde, dann finde ich auch Christus nicht und damit auch nicht sein Reich. Finde ich aber die Liebe, dann finde ich auch Jesus und sein Reich. Wenn ich die Liebe lebe, dann baue ich das Reich Christi auf. ÔÇ×Das ist mein Gebot: Liebt einanderÔÇť. Du willst sein Reich aufbauen? Dann bete nicht nur ein bisschen, sondern liebe viel, sehr viel!

Gespr├Ąch mit Christus: Jesus Christus, heute erinnerst du mich daran, dass es eigentlich nur um die Liebe geht. Lass diese Wahrheit tief einsinken, damit ich sie nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen glaube.

Vorsatz: Heute setze ich bewusst einen Akt der N├Ąchstenliebe.