Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 5. Juni 2022 bis Samstag 11. Juni 2022

Zehnte Woche im Jahreskreis

Beate Scheilen

Ite, missa estSonntag
Das GummibandMontag
Stadt, Salz, LichtDienstag
Braucht das noch einer?Mittwoch
Harte Worte fĂĽr fromme LeuteDonnerstag
Das große MissverständnisFreitag
Umsonst sollt ihr gebenSamstag


Ite, missa est

5. Juni 2022

Pfingstsonntag
Hl. Bonifatius, Bischof, Glaubensbote, Märtyrer

Beate Scheilen

Joh 20,19-23
Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, du bist mit dem Vater und dem Heiligen Geist EIN Gott. Dieses Geheimnis werden wir nie ganz verstehen. Aber bitte hilf mir heute, ein ganz klein wenig hinter den Vorhang zu schauen, der uns vom Himmel trennt.

Bitte: Sende mir heute deinen Heiligen Geist, o Herr!

1. Die TĂĽr bleibt zu. Jesu JĂĽnger sind nach seinem Tod weiterhin zusammen – das ist schon mal ein gutes Zeichen. Jedoch: Die TĂĽren bleiben zu, ungewöhnlich im gastfreundlichen Palästina, denn sie haben Angst vor Repressalien. So weit, so menschlich normal. Doch dann steht auf einmal Jesus im Raum. Er grĂĽĂźt sie, wie man sich damals immer grĂĽĂźte (heute wĂĽrde man einfach „Hallo“ sagen) und zeigt ihnen als Beweis, dass er es wirklich ist, die Wunden seiner Kreuzigung. Und dann heiĂźt es ganz lapidar: „Da freuten sich die JĂĽnger…“.

2. Die Abrechnung fällt aus. Schon erstaunlich – haben sie keinerlei Zweifel? Kein schlechtes Gewissen, weil sie Jesus ein paar Tage zuvor im Stich gelassen haben? Jesus selbst fängt auch gar nicht davon an. Er hält keine Abrechnung mit den JĂĽngern, wirft ihnen nichts vor. Aber es kommt auch nicht zu einem stundenlangen Schwelgen in Wiedersehensfreude, denn Jesus hat einen Auftrag fĂĽr sie. Beschäftigen auch wir uns also nicht lange mit den Auswirkungen unserer (gebeichteten) SĂĽnden, pflegen wir auch nicht den frommen Genuss, sondern machen wir uns bewusst, dass wir Gesandte sind! („Ite, missa est!“, heiĂźt es bei der Feier in lateinischer Sprache am Ende jeder heiligen Messe, was häufig ausgelegt wird als: „Geht, ihr seid gesendet!“)

3. Die Sendung geht weiter. Die JĂĽnger sollen die Aufgabe weiterfĂĽhren, die der Herr vom Vater erhalten hat: Sie werden zu den Menschen gesendet. Da sie dies aus eigener Kraft offensichtlich nicht können (sondern sich lieber verbarrikadieren), empfangen sie jetzt von Jesus den Heiligen Geist. An wenigen Stellen der Evangelien ist die Dreifaltigkeit so präsent! Eine der Hauptaufgaben des Heiligen Geistes ist demnach die SĂĽndenvergebung, zu der die JĂĽnger nun ermächtigt werden. Es ist schon erstaunlich: Der Himmel richtet sich nach den Worten, welche die von Jesus Beauftragten hier auf der Erde in seinem Namen sprechen! So geschieht es in jeder Beichte („Ich spreche dich los“) und auch bei jeder heiligen Messe in der Wandlung („Dies ist mein Leib“). Nehmen wir wahr, wie auĂźergewöhnlich das ist?

Gespräch mit Christus: Jesus, es ist schon erstaunlich, dass du deinen JĂĽngern ihr feiges Verhalten bei deiner Festnahme ĂĽberhaupt nicht vorwirfst. Offenbar hast du damit gerechnet, und vielleicht sind die JĂĽnger ja dadurch schon genug bestraft. Du schenkst ihnen einen wirklich unbelasteten Neuanfang. Ich möchte mir in meinem Alltag im Umgang mit anderen (und bisweilen auch mit mir selbst) deine Nachsicht zum Vorbild nehmen.

Vorsatz: Das nächste Mal, wenn ich ĂĽber jemanden enttäuscht bin, werde ich nicht schimpfen, sondern die betreffende Person mit Nachsicht, Milde und Liebe behandeln.


Das Gummiband

6. Juni 2022

Pfingstmontag
Maria, Mutter der Kirche
Hl. Norbert von Xanten, Bischof, OrdensgrĂĽnder

Beate Scheilen

Joh 3,16-21
Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat. Denn darin besteht das Gericht: Das Licht kam in die Welt, doch die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse. Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, ich möchte diese Zeit ganz bewusst an deinem Herzen verbringen. Du bittest unaufhörlich um die Liebe jedes Menschen; ich möchte dir heute meine Liebe geben.

Bitte: Herr, zeige mir die Botschaft, die du heute fĂĽr mich ganz persönlich hast.

1. Ohne Jesus ist der Mensch verloren. Hätte Gott seinen Sohn nicht in diese Welt gesandt und fĂĽr sie hingegeben, könnte niemand gerettet werden! Habe ich das mit allem Ernst erkannt? Oder halte ich die Lage der Menschheit fĂĽr harmlos und der rheinische Karnevalsschlager „Wir kommen alle in den Himmel, weil wir so brav sind“ ist mein Credo? Was aber lehren mich dann z.B. die zahlreichen Krisen in der Geschichte der Menschheit? Wie kommt es zu den Gewalttaten im gegenwärtigen Ukraine-Krieg? Wie können Menschen sich gegenseitig so etwas antun? Nein, es geht nicht um harmlose Nettigkeit! Gott schickt uns seinen Sohn nicht als Belohnung, weil wir so toll wären. Er tut, was nötig ist, damit wir nicht zugrunde gehen! SO liebt Gott…

2. Spannung aushalten. Der Herr ist sich dessen bewusst, dass sein Heilsangebot von den Menschen oft nicht freudig begrĂĽĂźt wird. Sie lieben dann die Gewohnheiten, die sie von Natur aus haben, mehr als das Leben des neuen Menschen im Geist und in der Wahrheit. Gerade heute erleben wir in der Kirche den Versuch, dieses „Leben nach der Natur“ als christlich zu deklarieren, um der unvermeidlichen Spannung zwischen Natur und Ăśbernatur aus dem Wege zu gehen. Ich hörte einmal eine Predigt, wo dieser Sachverhalt mit einem Gummiband verglichen wurde. Zwischen oben und unten gibt es eine Spannung. Manche Leute möchten die nicht haben, und lassen darum „oben“ los. Dann hängt das Band locker herum, und man hat es schön bequem… - Jedoch nur scheinbar, denn die Verbindung nach oben ist gekappt.

3. Lehrer oder Retter? Was bedeutet eigentlich „die Wahrheit tun“? Die Wahrheit kann man glauben oder sagen – aber tun? Was ist damit gemeint? Es geht beim christlichen Glauben nicht um „Denkrichtigkeit“ ohne Folgen fĂĽr das praktische Leben! Wenn ich nur bestimmte „Sätze“ fĂĽr wahr halte, kann ich mich im Alltag immer noch im Dunkel der Ausreden und Selbstrechtfertigungen bewegen. Wir mĂĽssen aktiv in das Licht treten, das aufdeckt, was in unserem Leben „Finsternis“ ist! Und die ist bei jedem vorhanden… Ist dieses Wissen Realität in unseren Gemeinden? Oder machen wir uns nicht manchmal vor, wir seien durch und durch gute Menschen und verbergen unsere Gebrochenheit hinter einer Maske der Frömmigkeit? Wer daher denkt, er sei schon ganz bekehrt, achte darauf, dass er nicht falle, denn Jesus hat man sehr schnell als Lehrer akzeptiert, aber weniger leicht als Retter angenommen.

Gespräch mit Christus: Herr, du hast einen hohen Preis bezahlt, um uns ein groĂźartiges Angebot zu machen. Es tut mir so leid, dass viele Menschen davon nichts wissen wollen. Was kann ich tun, um ihnen zu helfen?

Vorsatz: Bei welchen Gelegenheiten neige ich dazu, der Spannung zwischen dem alten und dem neuen Menschen aus dem Wege zu gehen? DarĂĽber will ich diese Woche im Gebet nachdenken.


Stadt, Salz, Licht

7. Juni 2022

Dienstag der zehnten Woche im Jahreskreis

Beate Scheilen

Mt 5,13-16
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, du hast immer so wunderbare Bilder parat! Salz – Stadt – Licht… was fĂĽr schöne Symbole fĂĽr deine Nachfolger!

Bitte: Hilf uns bitte, dass wir dem, was diese Bilder aussagen sollen, auch gerecht werden.

1. Salz oder Zucker? Warum ausgerechnet Salz? Warum sind wir nicht der Zucker, oder noch besser: das Sahnehäubchen der Welt? Vielleicht weil wir nicht einfach nur sĂĽĂź und nett sein sollen?! Oder weil das Leben vieler Menschen herber aussieht… Eine kleine Menge Salz wĂĽrzt die ganze Speise. Schon wenige Christen in einer Gesellschaft können viel Veränderung bewirken – wenn sie ihren Glauben ernst nehmen und ihr Leben konsequent am Evangelium ausrichten.

2. Geschmacklos ist wertlos. Jesus erinnert uns an eine wichtige Tatsache: Salz, das den Geschmack verloren hat, ist wertlos. Es taugt weder als WĂĽrze noch als Nahrung, sondern wird weggeworfen. So wie die Kirche in Europa heute als Auslaufmodell? Was hat dazu gefĂĽhrt, dass wir „geschmacklos“ geworden sind und unsere geschichtsbildende Kraft weitgehend verloren haben? Wo keimt aber auch gerade in der Kirche dieses Leben und diese Kraft neu auf?

3. Falsche Demut hilft nix. Es ist völlig unsinnig, ein Licht anzumachen und es dann zu verstecken. Genauso unsinnig ist es, Christ zu sein und es dann geheim halten zu wollen! Die Menschen sollen „unsere guten Werke sehen“ – es genĂĽgt nicht, dass ich im Kopf ein paar Glaubenssätzen zustimme und meine, damit sei alles erledigt. Jesus sagt uns, dass die Menschen sogar Gott preisen werden, wenn sie ĂĽberzeugte Christen erleben! Ja, wer jemanden kennen lernen durfte, der ihm den Weg zu Christus gezeigt hat, der kann wirklich Gott dankbar sein, das ist nicht ĂĽbertrieben! Wir sollten hier auch kein falsches Verständnis von Demut entwickeln („Ich sag lieber nichts, denn ich will mich ja nicht aufspielen“). Es geht hier um Menschen, denen ich helfen könnte, wenn ich als Christ erkennbar wäre. Hier sollten wir unser Licht nie unter den Scheffel stellen…

Gespräch mit Christus: Jesus, was möchtest du in den nächsten Tagen und Wochen von mir am meisten? Hilf mir bitte, meinem Salzvorrat wieder Geschmack zu verleihen – und dann schick mich los!

Vorsatz: Ich möchte heute fĂĽr jemanden „das Salz in der Suppe“ sein – mit einem Wort, mit einer tätigen Hilfe… womit auch immer der gute Geist mich einlädt.


Braucht das noch einer?

8. Juni 2022

Mittwoch der zehnten Woche im Jahreskreis

Beate Scheilen

Mt 5,17-19
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, ich möchte jetzt von dir lernen. Lass mich erkennen, dass es im Glauben nicht darum geht, viele Vorschriften zu befolgen– aber die Gebote der Kirche auch nicht geringzuschätzen.

Bitte: Hilf mir, Jesus, immer wieder bewusst zu beten und nicht Texte „herunterzuplappern“.

1. Ein gängiges Missverständnis. â€žJesus war der entschiedenste Gegner organisierter Religion“, lesen wir immer wieder in populär-theologischen BĂĽchern. „Er eliminierte die ĂĽber 600 Vorschriften der Thora und lieĂź nur noch die Liebe gelten“. – Wenn es denn mal so einfach wäre! AuĂźerdem entspricht diese These, wie wir gleich sehen werden, nicht dem Evangelium. Offenbar haben auch damals schon einige Menschen gedacht, Jesus sei gekommen, um alle (lästigen) Vorschriften abzuschaffen, nach dem Motto „Das braucht keiner mehr, das kann weg!“ Nichts dergleichen hatte er vor.

2. Die Macht der Gewohnheit. Jesus geht es darum zu zeigen, wie die Geheimnisse des alttestamentlichen Kultes auf seine Person ausgerichtet sind und in ihm ihre ganze ErfĂĽllung finden – in einem fĂĽr die Zuhörer durchaus gewöhnungsbedĂĽrftigen MaĂź! Was auch noch heute gilt. Schauen wir mal bei uns selber nach, inwieweit rein Ă„uĂźerliches uns zu bestimmen vermag: Gehe ich zur Messe aus reiner Gewohnheit „wie man sich morgens die Zähne putzt“? Bete ich den Rosenkranz einfach so herunter und stelle nebenbei meine Einkaufsliste zusammen? Soll meine Tochter nicht mit ihrem Freund in Urlaub fahren, „weil sich das nicht gehört“? Auch fĂĽr uns gilt immer wieder Mt 5,17: Nicht aufheben, sondern (mit Sinn) erfĂĽllen!

3. Drei Holzwege. Form ohne Inhalt, Vorschriften ohne Erklärung… das fĂĽhrt entweder zu religiös-formalem Perfektionismus oder dazu, dass man das Ganze drangibt, weil man keinen Sinn darin sieht. Die massive Auswanderung der Gläubigen aus der Kirche, die wir hier seit den 60er Jahren erleben, könnte wohl u.a. darin begrĂĽndet sein. Wohl auch aus echter Sorge um den Fortbestand der Kirche ist in den letzten Jahren eine dritte Richtung aufgetreten. Ihr Konzept: Den Inhalt neu interpretieren und als Folge davon die Form der „Lebenswirklichkeit“ anpassen. Leider steht auch davon nichts im Evangelium…

Gespräch mit Christus: Jesus, du bist wohl in kaum einem Punkt so missverstanden worden wie hier. Bitte hilf mir, noch tiefer zu verstehen, was dein Herzensanliegen in Bezug auf „das Gesetz“ ist. Ist es dies: Sowohl durch das Gesetz als auch durch die Barmherzigkeit willst du uns Menschen aufrichten?

Vorsatz: Kleiner Selbsttest: Welcher Typ bin ich? Frommer Pedant oder Laissez-faire-Katholik? Dann versuche ich mal zu verstehen, was der anderen Seite an Leuten wie mir nicht gefällt. Und wo ich meine Haltung ändern könnte…, im Gespräch mit Christus.


Harte Worte fĂĽr fromme Leute

9. Juni 2022

Donnerstag der zehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Ephräm der Syrer, Diakon, Kirchenlehrer

Beate Scheilen

Mt 5,20-26
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du gottloser Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein. Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe. Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist. Sonst wird dich dein Gegner vor den Richter bringen, und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener übergeben, und du wirst ins Gefängnis geworfen. Amen, das sage ich dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, viele deiner Worte waren fĂĽr deine Zeitgenossen hart und schwierig zu verstehen. Hilf mir, die Wahrheit zu erkennen, die du mir in dieser Gebetszeit zeigen willst.

Bitte: Herr, bitte zeige mir, was diese Schriftstelle fĂĽr mich persönlich bedeutet und bewahre mich vor vorschnellem Urteilen.

1. Menschliche Gerechtigkeit… Die Pharisäer hatten den löblichen Vorsatz, gottgefällig zu leben, Darum nahmen sie die Gebote sehr ernst und beachteten genauestens das umfangreiche Regelwerk der Thora. Wie kann man das denn noch steigern? Nur mit einer ganz anderen Vorstellung von „Gerechtigkeit“. Kein Mensch kann aus sich selbst heraus „gerecht“ sein, denn wir alle tragen noch die Folgen der ErbsĂĽnde in uns. In jedem Herzen sitzen lieblose Gedanken und egozentrische Neigungen; nur merken wir das oft selber nicht.

2. â€¦fĂĽhrt in die Hölle. Im Grunde neigt jeder Mensch zum Pharisäertum: Er findet gut, was er selber tut und ist versucht, auf die herabzuschauen, die seiner Ansicht nach nicht richtig leben – er nennt sie dann gerne mal Dummköpfe oder Schlimmeres. Geschieht dies bei gläubigen Christen, die ĂĽber ihre Glaubensgeschwister harte Urteile fällen, so erfahren wir von Jesus, dass ein derartiges Verhalten geradewegs in die Gottlosigkeit fĂĽhrt.

3. Jesus hat andere MaĂźstäbe. Versöhnung ist darum dringend nötig – schon wenn ich merke, dass jemand anderes etwas gegen mich hat, soll ich nach Möglichkeit auf ihn zugehen und die Sache bereinigen, und zwar noch bevor ich zum Gottesdienst gehe! Dass ich womöglich meine, nichts dafĂĽr zu können, dass der Andere sich ärgert, zählt fĂĽr Jesus nicht – woher weiĂź ich, dass ich nicht im Unrecht bin? Immer wenn ich gegenĂĽber einem Menschen auf meinem vermeintlichen Recht bestehe, behandelt Gott mich nach dem gleichen MaĂźstab. Dann muss ich gegebenenfalls alles „bis auf den letzten Pfennig“ bezahlen. Besser doch, ich regele das beizeiten und mit Barmherzigkeit…

Gespräch mit Christus: Jesus, ich danke dir fĂĽr diese Gebetszeit. Du lässt mich immer wieder erkennen, wie groĂź der Unterschied zwischen Herzens- und Gesetzesfrömmigkeit ist. Bewahre mich davor, andere zu verurteilen, weil sie nicht so sind, wie ich sie gerne hätte. Lass mich Frieden mit meinen BrĂĽdern und Schwestern suchen und ihn verbreiten.

Vorsatz: Ich werde heute darĂĽber nachdenken, wer etwas gegen mich hat. Dann werde ich Gott um die Kraft bitten, die Person anzusprechen und, wenn nötig, um Verzeihung zu bitten.


Das große Missverständnis

10. Juni 2022

Freitag der zehnten Woche im Jahreskreis

Beate Scheilen

Mt 5,27-32
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle kommt. Ferner ist gesagt worden: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt, muss ihr eine Scheidungsurkunde geben. Ich aber sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, liefert sie dem Ehebruch aus; und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist, begeht Ehebruch.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, deine Worte sind hart - aber ich weiĂź, dass du uns immer die Wahrheit sagst, und dass du sie aus Liebe sagst. Lass mich nicht vor deiner Botschaft davonlaufen, oder nur die Stellen auswählen, die mir angenehm sind. Ich möchte dir ganz nachfolgen.

Bitte: Hilf mir, Jesus, mich von allem zu trennen, dass der Freundschaft mit dir im Wege steht.

1. Die Hölle ist abgeschafft. Diese Stelle passt so gar nicht zum Bild vom „lieben Jesus“, das viele sich heutzutage so gerne zurechtmachen. Erwähnungen der Hölle sind offenbar aus der Mode gekommen. Ich erinnere mich an keine einzige Predigt dieser Art in den letzten ca. 50 Jahren. Offenbar wird hier ein Aspekt des Evangeliums systematisch vernachlässigt. Warum wohl? Betrachten wir mal zwei Aspekte:

2. Die Macht der Gedanken. Erstens: Schon was ich in Gedanken erwäge, bewirkt etwas – nicht erst die vollzogene Tat! Die derzeit gerne zitierten „Humanwissenschaften“ belegen, dass stetig genährte gedankliche Vorstellungen sich irgendwann in der Realität auswirken. Es geht also hier nicht darum, dass alles gleich SĂĽnde ist, was mir durch den Kopf geht. Wir können uns seltsamer Gedanken oft gar nicht erwehren. Es macht aber einen Unterschied, ob ich eine Gedankenkette sofort zerschneide, sobald ich ihre negative Ausrichtung erkenne (dann ist alles ok), oder ob ich diese Vorstellungen vielmehr hege und pflege. In diesem Fall habe ich „in meinem Herzen“ die Tat bereits begangen! Wachsamkeit ĂĽber meine Gedankenwelt ist also unerlässlich fĂĽr ein Leben nach dem Evangelium! Unsere Umwelt fördert allerdings genau das Gegenteil…

3. Individuelle Entscheidung. Zweitens: Was mir fĂĽrs Ăśberleben unentbehrlich erscheint (Auge, Hand…), ist angesichts meines ewigen Heils durchaus verzichtbar! Was? Alles, was ich meine, nötig zu haben (Job, Auto, das Smartphone, der Kaffee am Morgen…), soll ich wegwerfen, weil ich sonst in der Hölle lande? – Nein, so hat Jesus das nicht gesagt! Er sagt ausdrĂĽcklich: „Wenn X dich zum Bösen verfĂĽhrt… dann wirf es weg.“ Mein Verzicht muss ein „warum“ haben. Es geht darum, das zu beseitigen, was meiner Beziehung zu Gott im Wege steht – nicht um ein Verzichten als Selbstzweck. Ob mein Smartphone mich zum Bösen verfĂĽhrt, hängt davon ab, wie und wofĂĽr ich es verwende! Dementsprechend entscheide ich, ob ich es wegwerfe, anders nutze oder weitermache wie bisher. Diese Entscheidung ist ganz individuell – mein Nachbar kann mit gutem Gewissen genau das Gegenteil tun!

Gespräch mit Christus: Herr, ich danke dir, dass du uns die Folgen unseres Tuns nicht verschweigst und sie auch nicht beschönigst! Und dass du trotzdem nicht verlangst, dass wir Gott pauschal „alles opfern“ mĂĽssen. Bitte hilf uns, dass wir dieses groĂźe Missverständnis endlich einmal aufklären!

Vorsatz: Heute werde ich einmal darĂĽber nachdenken, was ich „wegwerfen“ sollte, um näher bei Jesus sein zu können.


Umsonst sollt ihr geben

11. Juni 2022

Samstag der zehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Barnabas, Apostel
Gedenktag

Beate Scheilen

Mt 10,7-13
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben. Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel. Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keine Schuhe, keinen Wanderstab; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Unterhalt. Wenn ihr in eine Stadt oder in ein Dorf kommt, erkundigt euch, wer es wert ist, euch aufzunehmen; bei ihm bleibt, bis ihr den Ort wieder verlasst. Wenn ihr in ein Haus kommt, dann wünscht ihm Frieden. Wenn das Haus es wert ist, soll der Friede, den ihr ihm wünscht, bei ihm einkehren. Ist das Haus es aber nicht wert, dann soll der Friede zu euch zurückkehren.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, hilf mir zu erkennen, dass du mir durch Taufe und Firmung alles gegeben hast, was ich brauche, um deine Botschaft zu den Menschen zu bringen.

Bitte: Sende mich heute zu dem Menschen, der meine Zuwendung am nötigsten braucht.

1. Heilung ist kein Geschäft. â€žUmsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ – diesen Spruch kennen viele, auch wenn sie sonst nicht so bibelfest sind. Jesus verleiht den Aposteln unglaubliche Vollmachten, die bis dahin gehen, Tote wieder ins Leben zurĂĽckzuholen. Es gibt nichts, womit die Apostel sich diese Fähigkeiten verdient hätten. Sie haben sie weder gekauft noch eine Lehre dafĂĽr absolviert. Genauso „gratis“ (aus Gnade), wie sie das alles erhalten haben, sollen sie auch anderen damit helfen. Hier geht es nicht um ein Geschäftsmodell, sondern um einen Gnadenkreislauf, das Weiterreichen eines unverdienten Geschenks!

2. Selbstbewusste Bescheidenheit im Herrn. Jesu JĂĽnger sollen bescheiden auftreten. Was die Verpflegung angeht, sind sie gehalten, auf Gott und die Gastfreundschaft ihrer Mitmenschen zu vertrauen. Wir können heute ĂĽberlegen: WofĂĽr muss ich selbst sorgen, und wo sollte ich aufhören zu kalkulieren und stattdessen auf Gott vertrauen, der mich schon versorgen wird, wenn ich in seinem Dienst tätig bin? Wenn ich meinen Mitmenschen Jesus Christus nahebringe, schenke ich ihnen das Wertvollste, was es gibt! Und ich bin geistlich reich ausgestattet fĂĽr diese Aufgabe! Das darf mir bei aller notwendigen Bescheidenheit auch Selbstbewusstsein verleihen, im schlichten Vertrauen auf das Mitwirken des Herrn.

3. Die Kirche beginnt in den Häusern. Jesus schickt die Apostel nicht zum Predigen in die Synagogen oder auf den Marktplatz, sondern in die Wohnhäuser. Die sind die Keimzelle fĂĽr die Ausbreitung des Evangeliums. Jeder von uns hat die Möglichkeit, in seiner Wohnung oder im Haus von Freunden ein Zeugnis fĂĽr seinen Glauben zu geben – auch wenn es nur ein kleines ist. Laien können zu Menschen vordringen, die nie auf die Idee kämen, in die Kirche zu gehen oder mit einem Priester zu sprechen! Gott vertraut mir diese Menschen an!

Gespräch mit Christus: Jesus, ich möchte dir trotz meiner menschlichen Unzulänglichkeiten anbieten, in deinem Dienst loszuziehen. Dabei will ich darauf vertrauen, dass du mich unterwegs mit allem versorgst, was ich brauche – geistlich und materiell.

Vorsatz: Ich will mir ĂĽberlegen, mit wem ich diese Woche ĂĽber Jesus sprechen kann, um das weiterzugeben, was er mir anvertraut hat.