Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 29. Mai 2022 bis Samstag 4. Juni 2022

Siebte Woche der Osterzeit

Br. Luis Trujillo AlcalĂĄ LC

Einheit herbeifĂŒhrenSonntag
Glauben und vertrauenMontag
Mein GottesbildDienstag
Das Gebet des Guten HirtenMittwoch
Die Gewissheit, geliebt zu seinDonnerstag
Barmherzige Liebe, die lÀutert und aussendetFreitag
Jesus ist das ZielSamstag


Einheit herbeifĂŒhren

29. Mai 2022

Siebter Sonntag der Osterzeit – „Exaudi Domine“
Hl. Paul VI., Papst

Br. Luis Trujillo AlcalĂĄ LC

Joh 17,20-26
In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Heiliger Vater, ich bitte nicht nur fĂŒr diese hier, sondern auch fĂŒr alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins sind, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und sie ebenso geliebt hast, wie du mich geliebt hast. Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor Grundlegung der Welt. Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und ich in ihnen bin.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich möchte eine Reise in das innerste Zentrum meiner Existenz machen, und ich möchte dir dort begegnen. Ich möchte eine intime Begegnung mit dir haben. Nur du und ich. Jesus, vor deinem Antlitz frohlocke ich. Du bist mein Gott, mein Ein und Alles. In dem verwandelnden Feuer deiner Gegenwart lass mich verweilen.

Bitte: Lass mich in deiner Gegenwart verweilen und verwandelt werden.

1. Liebe ist Einheit. Wenn wir besser verstehen wollen, worum Jesus in diesem Abschnitt des Evangeliums bittet, mĂŒssen wir uns ĂŒberlegen, wie seine Beziehung zum Vater aussieht. Denken wir daran, was wir im Glaubensbekenntnis beten: „Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott
“ Jesus und der Vater sind eins, so groß ist die Einheit, so groß die Liebe. Der Vater gibt sich seinem Sohn ganz hin, und der Sohn gibt sich seinem Vater ganz hin, in einem ewigen Austausch von Liebe. Jetzt stellen wir uns vor: Jesus betet zu seinem Vater. Er erhebt seine Augen zum Himmel. Seine Augen, die bis zum Herzen seines Vaters vordringen. Und dann sagt er: Lass sie eins sein, wie wir, du in mir und ich in dir, eins sind. Können wir verstehen, was das bedeutet? Können wir das? Eine solche Einheit, eine solche Liebe wĂŒnscht sich Gott fĂŒr uns.

2. Einheit ist Zeugnis. Der Sohn ist von seinem Vater ausgegangen, um zu uns zu kommen, und mit uns kehrt er zu seinem Vater zurĂŒck. Jesus hat sich uns ganz hingegeben. Die Herrlichkeit der ewigen Liebeshingabe Christi an seinen Vater umschließt nun auch uns. In Christus sind wir mit dem Vater vereint und haben Anteil an der göttlichen Liebe. Diese Vereinigung und Teilhabe sind das wesentliche Zeugnis der Erlösung durch Christus fĂŒr die Welt.

3. Zeugnis ist Gegenwart. Wo immer Jesus ist, da ist Liebe, wahre göttliche Liebe. Jesus schuf Einheit und bildete eine Gemeinschaft mit seinen Aposteln. Er zeigte ihnen, wie die Liebe neues Leben in die Welt bringt. Die Liebe bringt das Göttliche zum Menschen und erhebt den Menschen zum Göttlichen. Jesus offenbarte uns, wie Gott Vater ist, wie der Vater seinen Sohn liebt und wie der Vater will, dass wir seine Kinder werden, Söhne und Töchter im Sohn. Wenn wir Einheit und Gemeinschaft bilden, bezeugen wir der Welt, wie Gott Liebe ist, wie er in unseren Herzen gegenwĂ€rtig ist und wie wir in ihm leben.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, ich möchte dein Gebet zu meinem eigenen machen. Lass deine Gegenwart in meinem Herzen leuchten. Lass deine göttliche Liebe mich verwandeln. Lass mich eins sein mit dir. Ich möchte wĂŒnschen, was du wĂŒnschst. Ich will Einheit bringen und Gemeinschaft bilden. Ich will der Welt bezeugen, dass Gott die Liebe ist.

Vorsatz: Ăœberlege dir, in welcher Situation oder an welchem Ort du Einheit herbeifĂŒhren könntest, und wie das aussehen wĂŒrde.


Glauben und Vertrauen

30. Mai 2022

Montag der siebten Woche der Osterzeit - Quatemberwoche
Hl. Johanna von Orleans, MĂ€rtyrin

Br. Tiberio Graco Transfeld LC

Joh 16,29-33
In jener Zeit sagten die JĂŒnger zu Jesus: Jetzt redest du offen und sprichst nicht mehr in Gleichnissen. Jetzt wissen wir, dass du alles weißt und von niemand gefragt zu werden brauchst. Darum glauben wir, dass du von Gott gekommen bist. Jesus erwiderte ihnen: Glaubt ihr jetzt? Die Stunde kommt, und sie ist schon da, in der ihr versprengt werdet, jeder in sein Haus, und mich werdet ihr allein lassen. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt seid ihr in BedrĂ€ngnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, du weißt, wie unfĂ€hig ich bin, die Wege deiner Vorsehung in meinem Leben zu verstehen, du weißt, wie starrköpfig, um deinen Willen zu akzeptieren. Dennoch bin ich hier und möchte auf deine Worte hören. Hilf mir, in den Momenten der PrĂŒfung stark zu sein und zu wissen, dass du immer bei mir bist.

Bitte: Gib mir die Gnade, in meinem Leben Frieden zu finden.

1. Wie schwer ist es zu glauben? Die JĂŒnger dachten, sie wĂŒssten alles: „Endlich verstehen wir dich, Jesus. Jetzt glauben wir.“ Wie interessant ist die Antwort Jesu: „Glaubt ihr jetzt?“ – d.h. erst jetzt, nach all dieser Zeit? Glaube bedeutet nicht, alle Antworten zu haben. Glaube bedeutet, sich von der Hand Gottes fĂŒhren zu lassen, so wie ein kleines Kind sich von der Hand eines liebenden Vaters fĂŒhren lĂ€sst. Das Kind weiß nicht, wohin sein Vater es fĂŒhrt, es vertraut nur auf die Gegenwart dessen, der den Weg kennt.

2. Sich nicht an ein Versprechen halten. â€žIhr werdet mich allein lassen.“ – Jesus sieht die ĂŒbergroße Zuversicht seiner JĂŒnger und weiß bereits, dass sie im dunkelsten Moment von Angst ĂŒberwĂ€ltigt werden. Oftmals halten wir uns nicht an die Versprechen, die wir in unserer Taufe gegeben haben. Oftmals fĂŒhlen wir uns von Gott verlassen, der unsere Gebete nicht zu erhören scheint. In solchen Momenten mĂŒssen wir uns daran erinnern, dass das Paar FußabdrĂŒcke, das wir hinter uns im Sand sehen, nicht unsere, sondern allein die des Vaters sind, der uns durch diesen Lebensabschnitt trĂ€gt.

3. Habt Mut! Obwohl er alle unsere SĂŒnden kennt, sagt uns Jesus, dass wir in Frieden leben sollen. Der Frieden ist ein Zustand der Seele, der es Gott erlaubt, sein Werk in unserem Leben ungehindert zu tun. Wenn ich diesen Frieden nicht spĂŒre oder es mir unmöglich erscheint, ihn zu spĂŒren, lĂ€dt Jesus mich ein, mich daran zu erinnern, dass er durch sein Kreuz bereits den Sieg errungen hat. Also, vertraut auf Gott und habt Mut!

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, stĂ€rke meinen Glauben. Hilf mir, mehr wie ein Kind zu sein und weniger wie ein Erwachsener, der ĂŒber jedes einzelne Detail seines Lebens die Kontrolle haben will. Auch du hast dich verlassen und von der Dunkelheit meiner SĂŒnde ĂŒberwĂ€ltigt gefĂŒhlt. Aber deine letzten Worte geben mir Zuversicht: „Vater, in deine HĂ€nde befehle ich meinen Geist“. Ich mache sie mir zu eigen: Vater, in deine HĂ€nde befehle ich meinen Geist!

Vorsatz: Denk an etwas in deinem Leben, woran du festhĂ€ltst und das du Gott noch nicht anvertraut hast. FĂŒhre ein GesprĂ€ch mit ihm darĂŒber.


Mein Gottesbild

31. Mai 2022

Dienstag der siebten Woche der Osterzeit

Br. Juan Pablo Espino LC

Joh 17,1-11a
In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. Denn du hast ihm Macht ĂŒber alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast. Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende gefĂŒhrt, das du mir aufgetragen hast. Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir, und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen, und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. FĂŒr sie bitte ich; nicht fĂŒr die Welt bitte ich, sondern fĂŒr alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir.

EinfĂŒhrendes Gebet: Hier bin ich, Vater. Du kennst mich und siehst tief in mich hinein. Du kennst mein Herz. Du kennst meine Sorgen, meine Ängste, meine KĂ€mpfe, meine Niederlagen und Siege. Ich lege alles in deine HĂ€nde. Nimm mich mit allem, was ich bin und habe. Ich möchte aus diesem Moment als einen Moment der Begegnung machen, lebendig. Einen Moment der Beziehung. Erleuchte meinen Verstand und sprich zu meinem Herzen. Hier bin ich, Herr.

Bitte: Jesus, lass mich dich erkennen.

1. Zu wem bete ich? Jesus beginnt sein Gebet mit dem Wort „Vater“. Dieses Anfangswort ist in Jesu Gebet ĂŒblich. Und es zeigt uns, welche Art von Beziehung ihm zugrunde liegt. Jesus sagt nicht: „AllmĂ€chtiger “ oder „Höchste GĂŒte“, nicht einmal „Vorsehung“. All diese Arten, sich auf Gott zu beziehen, wĂ€ren nicht verkehrt. Aber sie sind fern und in der Tiefe der Beziehung unvollkommen. Christus betet nicht zu einer „Höchsten Macht“. Gott ist keine Idee von Vollkommenheit. Gott ist nicht etwas. Gott ist Jemand. Und mehr noch, er ist Vater. Er ist der Vater. Derjenige, der lehrt, derjenige, der begleitet, derjenige, der aufrechterhĂ€lt. Das veranlasst uns, darĂŒber nachzudenken, wie unsere Beziehung zu Gott ist. Zu wem bete ich?

2. Es geht um mein ewiges Heil. Jesus ist sich des Vaters bewusst. Er weiß, was diese Beziehung bedeutet: „Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen.“ Christus weiß, dass diese Beziehung die Rettung ist. Wir sind es gewohnt, das Wort Erlösung zu hören. Und vielleicht haben wir die tiefe Bedeutung dieses Wortes vergessen. Es bedeutet Freiheit. Es bedeutet tiefes und echtes GlĂŒck. Es bedeutet das Beste, was im Leben eines Menschen passieren kann. Und diese Erlösung, diese Freiheit und dieses GlĂŒck ist das, wo wir hingehören, tief drinnen.

3. Wahre Religion ist Beziehung, keine Ideologie. â€žIch habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast“ – Christus hat uns gezeigt, wer der wahre Gott ist, und er möchte, dass wir die gleiche Beziehung zum Vater haben. Wir kennen den Vater durch Christus. Woran liegt es, dass du Gott nicht besser kennst? Welche Vorstellung von Gott hat den Platz des wahren Gottes eingenommen? Wir mĂŒssen Gott wirklich kennen. Nicht nur mit unserem Verstand oder nur mit unseren Worten. Wenn Religion nur aus Worten oder Gedanken besteht, wird sie zu einer Ideologie. Und Ideologien bringen keine Erlösung.

GesprĂ€ch mit Christus: Mein Herr, ich gehöre dir. Ich bin zum Glauben gekommen, dass du der Sohn Gottes bist. Du hast mir deine Worte gegeben, du teilst mit mir deine Herrlichkeit, du hast mich mit dir zum Vater gehören lassen. Auf meiner Pilgerreise auf dieser Erde nimm meine Hand, und fĂŒhre mich zu deinem Vater, ich will dir folgen.

Vorsatz: Ich möchte ĂŒber das Bild, das ich von Gott habe, nachdenken. Ist er unpersönlich?, gleichgĂŒltig?, ungerecht? Oder ist Gott der wahre Gott, den Jesus uns offenbart hat?


Das Gebet des Guten Hirten

1. Juni 2022

Mittwoch der siebten Woche der Osterzeit
Hl. Justin, MĂ€rtyrer
Gedenktag

Br. Luis Trujillo AlcalĂĄ LC

Joh 17,6a.11b-19
In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir. Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behĂŒtet, und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfĂŒllt. Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in FĂŒlle in sich haben. Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich fĂŒr sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.

EinfĂŒhrendes Gebet: Heiliger Vater, bewahre mich in deinem Namen, Ich möchte deine Worte in mein Herz aufnehmen und sie zu meinen eigenen machen. Ich möchte in der Wahrheit leben.

Bitte: Heiliger Vater, gib mir die Gnade der Beharrlichkeit.

1. Bewahre sie in deinem Namen. In der Geschichte des Gottesvolks offenbarte sich Gott nach und nach. Wenn man die Heilige Schrift liest, entdeckt man immer mehr Eigenschaften, Aspekte und Bezeichnungen von Gott. Gott offenbarte Mose seinen geheimnisvollen Namen, und in Jesus, dem neuen Mose, offenbart sich Gott vollstĂ€ndig. Gott ist Vater, Gott ist Sohn, und Gott ist Heiliger Geist. Wir haben die Offenbarung des göttlichen Namens empfangen und sind aufgerufen, ihn zu hĂŒten und in unserem Leben anzubeten und zu verehren.

2. Freude in FĂŒlle. Was ist diese Freude, von der Jesus spricht? Eine Antwort könnte die vollkommene Gemeinschaft der Liebe mit seinem Vater und dem Heiligen Geist sein. In Jesu irdischem Leben kommen aller Trost, aller Friede und alle Freude ursprungshaft aus dieser Gemeinschaft der Liebe, die göttlich ist. Jesus spricht diese Worte, damit wir verstehen, wo wir die Antwort auf unsere tiefsten SehnsĂŒchte finden. Wir sind in der Welt, der Welt mit all ihren Schwierigkeiten, ihrem Bösen und ihrem Schmerz. Ist es möglich, in dieser Welt mit Freude zu leben? Jesus spricht aber nicht nur von Freude, sondern sogar von Freude in FĂŒlle. Er möchte, dass wir mit ihm vereint sind, in der FĂŒlle der Freude leben, die Welt ĂŒberwinden und fĂŒr immer bei ihm bleiben, was im Himmel seine ganze ErfĂŒllung findet.

3. Heilige sie in der Wahrheit. Jesus ist die Wahrheit. Jesus selbst, als die BrĂŒcke zwischen dem Vater und der gefallenen Menschheit, demĂŒtigt sich und sucht uns aktiv auf, um unsere gebrochenen Herzen zu berĂŒhren und zu heilen. So kann der Prozess der Heilung und Heiligung weniger als ein Ziel verstanden werden, das es mit unserer Leistung zu erreichen gilt, als ein vorwiegend passiver Empfang der Barmherzigkeit Gottes. Das Einzige, was wir dazu tun mĂŒssen, ist, empfĂ€nglich zu sein und Gott frei in unserem Herzen wirken zu lassen.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, nimm mich bei der Hand und fĂŒhre mich. Ich möchte den Bewegungen deines Geistes folgen, mit ihm tanzen und mich von ihm fĂŒhren lassen. Ich möchte mein Herz öffnen, um die unendliche Liebe des Vaters zu empfangen.

Vorsatz: Ich möchte darĂŒber nachdenken, in welchen Bereichen meines Lebens ich Gott nicht die FĂŒhrung ĂŒberlasse und warum.


Die Gewissheit, geliebt zu sein

2. Juni 2022

Donnerstag der siebten Woche der Osterzeit
Hl. Marzellinus, MĂ€rtyrer
Hl. Petrus, MĂ€rtyrer

Br. Rodolfo Marceleno LC

Joh 17,20-26
In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Heiliger Vater, ich bitte nicht nur fĂŒr diese hier, sondern auch fĂŒr alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich. Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt. Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt, und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr Jesus, wie oft scheine ich zu vergessen, wie viel du fĂŒr mich getan hast, wie sehr du mich liebst, und zwar nicht nur allgemein, sondern auf eine wirklich persönliche Art und Weise. Wenn ich dich in diesem Augenblick betrachte, sehe ich dich, wie du auf den Knien zum Vater fĂŒr mich, mein Heil und meine Einheit mit dir betest, trotz des großen Leidens, das du bald auf dich nehmen wirst. Herr Jesus, fĂŒhre mich in dein heiliges Herz, das in großer Liebe fĂŒr mich und alle meine BrĂŒder und Schwestern brennt.

Bitte: Himmlischer Vater, lass mich die Erfahrung deiner Liebe zu mir und deiner treibenden Kraft machen.

1. Liebe in der Not. In diesem Abschnitt nĂ€hert sich Jesus seinen letzten Momenten, doch er hĂ€lt nicht nur inne, um fĂŒr seine eigene Kraft auf dem Weg zu beten, sondern auch um fĂŒr diejenigen zu beten, die sein Schicksal berĂŒhren wird. Haben wir jemals innegehalten, um inmitten einer Schwierigkeit die Macht unseres Zeugnisses fĂŒr andere zu bedenken? Und auch um aktiv zu erkennen, dass wir vielleicht unser Leiden mit dem von Christus vereinen und so in besonderer Weise fĂŒr andere beten können?

2. Vater, sie sind dein Geschenk an mich. Manche GefĂŒhle sind vielleicht leichter wahrzunehmen und gar zu akzeptieren. Andere wiederum muss man suchen und pflegen. Wir empfinden Wut und Traurigkeit, wenn die Dinge schlecht laufen. Nehmen wir uns aber auch einen Moment Zeit, um uns besonders glĂŒcklich und geliebt zu fĂŒhlen durch die Tatsache, dass wir kein Zufallsprodukt dieser Welt sind, geschaffen ohne jede Verzweckung? Ja, ich bin ein Geschenk, und zwar entsprechend der Dynamik eines wahren Geschenks, das absichtlich ausgewĂ€hlt wurde, um den EmpfĂ€nger glĂŒcklich zu machen. Schauen wir also auf all das, was Christus uns in diesem Sinne geben möchte, und vielleicht auch auf all die anderen Segnungen, die uns geschenkt wurden, auch wenn es schwierig war.

3. â€žDamit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.“ Aufgrund so vieler Dinge, die um uns herum geschehen, aufgrund von Dingen, die wir und die Gesellschaft, die uns umgibt, tun, ist es leicht, uns als „unrein“ oder „unwĂŒrdig“ zu betrachten. Aber wenn Jesus gesagt hat, dass seine Liebe in uns sein soll und dass er selbst in uns sein will, was bedeutet das dann? Wenn wir darĂŒber nachgedacht haben, dass wir Zeugen sind und die Gnade empfangen haben, die uns zu Geschenken in den HĂ€nden Christi gemacht hat, dann lasst uns wirklich an dem Gedanken festhalten, dass wir gut sind und deshalb auch in der Lage, anderen etwas Gutes zu tun. Danken wir Gott dafĂŒr und bitten wir um die Gnade, diesen Gedanken nicht loszulassen.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr Jesus, diese Welt scheint keine Gelegenheit verstreichen zu lassen, um mich daran zu erinnern, was fĂŒr ein schrecklicher Mensch ich bin. Dennoch schaue ich auf dich und höre dir zu, höre dein Gebet, mit dir und dem Vater vereint zu sein, höre heraus, dass ich geliebt und ein Geschenk bin, das mit einem Zweck verbunden ist. Du betest fĂŒr mich; hilf mir, dieses Gebet in meinem eigenen Leben anzunehmen, damit ich das Gute in mir sehen kann und es auch an diejenigen weitergebe, die sich von dir ausgeschlossen fĂŒhlen. Amen.

Vorsatz: Ich möchte die Liebe Jesu und des Vaters zu mir anerkennen, mich namentlich an eine bestimmte Person erinnern und ein Gebet fĂŒr sie in ihren besonderen Anliegen sprechen.


Barmherzige Liebe, die lÀutert und aussendet

3. Juni 2022

Freitag der siebten Woche der Osterzeit
Hl. Karl Lwanga und GefÀhrten, MÀrtyrer
Gedenktag

Br. Mark El-Hallal LC

Joh 21,1.15-19
In jener Zeit offenbarte sich Jesus den JĂŒngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise. Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine LĂ€mmer! Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegĂŒrtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine HĂ€nde ausstrecken, und ein anderer wird dich gĂŒrten und dich fĂŒhren, wohin du nicht willst. Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen wĂŒrde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, du willst in die Tiefen meines Wesens eindringen und mein von Krankheit befallenes Herz heilen. Erlaube mir, mich bereitwillig und ohne Scham dem Licht deiner Liebe zu öffnen und so deinem barmherzigen Herzen immer nĂ€her zu kommen.

Bitte: Jesus, schenke mir die Gnade, meine Seele vor deinem barmherzigen Blick zu entblĂ¶ĂŸen und so ein Zeuge deiner Barmherzigkeit fĂŒr die Welt zu werden.

1. Vor dem Feuerherd der Liebe nimmt sich unsere Liebe klein aus. Als Jesus Petrus im Urtext fragt: „Liebst du mich?“, verwendet er das griechische Wort agapao, das eine totale, sich selbst hingebende Liebe bezeichnet. Petrus hingegen antwortet angesichts der Schande und der SĂŒnde seines dreifachen Verrats mit Ja, aber mit dem Wort phileo, das von der Liebe der Freundschaft, keineswegs aber von einer totalen und vergeistigten Liebe spricht. Die Aussage des Petrus beim letzten Abendmahl, dass er Jesus niemals verraten wĂŒrde, wird durch eine traurige und demĂŒtige Antwort ersetzt, die im Wesentlichen als negative Antwort aufgenommen wird: „Jesus, du weißt, dass ich dich nicht so liebe, wie du mich liebst. Meine Liebe ist nicht so groß und spirituell, wie ich es mir erhoffen wĂŒrde.“

2. Jesus ist grenzenlos demĂŒtig. Doch beim dritten Mal fragt Jesus: „Simon, Sohn des Johannes, phileis me?“ Jesus hat damit die Messlatte fĂŒr Petrus gesenkt. Er hat sich auf sein Niveau herabgelassen, um ihn zu erheben. Jesus, obschon Gott und obwohl er von eben diesem JĂŒnger, dem er die Kirche anvertraut hat, verraten wurde, beschließt, noch weiter hinabzusteigen und ohne VorwĂŒrfe, in Demut, die SchwĂ€che seines JĂŒngers anzuerkennen. Das heißt: Es gibt keine SĂŒnde und keine Entfernung, die der Herr nicht ĂŒberwinden wĂŒrde, um deine Seele zu erreichen. Die Demut Jesu kennt keine Grenzen. Der dreifache Verrat wurde mit einem dreifachen Akt des Glaubens und der Liebe ĂŒberwunden.

3. Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. Aber in diesem Abschnitt lehrt uns Jesus etwas sehr TiefgrĂŒndiges, was man als ein großes Paradox des geistlichen Lebens bezeichnen könnte: Sobald Petrus seine UnfĂ€higkeit, Jesus zu lieben, akzeptiert und sich gedemĂŒtigt hat, erteilt ihm Jesus den Auftrag: „Weide meine LĂ€mmer“, und „Weide meine Schafe“. Wenn wir mit unserer SĂŒndhaftigkeit konfrontiert werden, lĂ€uft Jesus nicht davon, er wendet sein Gesicht nicht ab und entzieht uns nicht seine Gnade. Er gibt uns unseren Auftrag. Der heilige Paulus kam zu derselben Überzeugung, als er im 2. Korintherbrief (12,10) sagte: „Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ So ist es fĂŒr jeden einzelnen von uns. Wenn wir Gott unser Herz öffnen, wird er uns nicht zurĂŒckweisen, sondern an sich ziehen und mit dem Reich Gottes betrauen, denn Jesus weiß, dass wir, wenn wir demĂŒtig und offen fĂŒr die Bewegungen seiner Gnade sind, zu einer Quelle der Gnade fĂŒr andere Seelen und zu einem Zeugen der barmherzigen Liebe Gottes werden.

GesprĂ€ch mit Christus: Barmherziger Heiland, angesichts meiner SchwĂ€che schĂ€me ich mich und fĂŒrchte mich, mich an dich zu wenden. Gib mir die Gnade, mein Herz zu öffnen und dir die AbgrĂŒnde meiner SĂŒnde zu zeigen, denn du hast dich fĂŒr mich und mein Herz erniedrigt. Du siehst mein unglĂŒckliches Herz und nimmst es an; du bringst es zu dir und verwandelst es in deiner großen Barmherzigkeit in ein Herz, das vor Liebe zu dir brennt.

Vorsatz: Ich werde versuchen, dies wirklich zu meinem Gebet zu machen: O Jesus, lass nicht zu, dass ich mich jemals vor dem verwandelnden Blick deiner Barmherzigkeit verstecke, denn nur wenn ich dir in Demut begegne, werde ich wirklich zu einem Apostel deiner Liebe.


Jesus ist das Ziel

4. Juni 2022

Samstag der siebten Woche der Osterzeit

Br. Luis Trujillo AlcalĂĄ LC

Joh 21,20-25
In jener Zeit sprach Jesus zu Simon Petrus: Folge mir! Petrus wandte sich um und sah, wie der JĂŒnger, den Jesus liebte, diesem folgte. Es war der JĂŒnger, der sich bei jenem Mahl an die Brust Jesu gelehnt und ihn gefragt hatte: Herr, wer ist es, der dich verraten wird? Als Petrus diesen JĂŒnger sah, fragte er Jesus: Herr, was wird denn mit ihm? Jesus antwortete ihm: Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an? Du aber folge mir nach! Da verbreitete sich unter den BrĂŒdern die Meinung: Jener JĂŒnger stirbt nicht. Doch Jesus hatte zu Petrus nicht gesagt: Er stirbt nicht, sondern: Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an? Dieser JĂŒnger ist es, der all das bezeugt und der es aufgeschrieben hat; und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist. Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die BĂŒcher nicht fassen, die man schreiben mĂŒsste.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich will dir folgen, wohin du willst, ganz gleich wann, egal ob sonst jemand kommt oder nicht. Wenn ich bei dir bin, sind Zeit, Ort und UmstĂ€nde unwichtig, wenn ich bei dir bin, bin ich schon an meinem endgĂŒltigen Ziel angekommen.

Bitte: Mein Herr, lass meine Augen niemals von deinem Antlitz abschweifen.

1. Du und ich. Jesus hat seine Apostel vor allem dazu berufen, bei ihm zu sein, alles andere kommt danach – und erst lange danach. Die persönliche Beziehung ist von grundlegender Bedeutung. Gott ruft uns beim Namen, und er lĂ€dt uns ein, unser Leben mit ihm zu teilen und zu verbringen. Unser christliches Leben ist vor allem eine persönliche Beziehung zu ihm, der uns liebt. „Christliches“ Leben bedeutet, mit Christus und in Christus zu leben. Jesus sagt zu Petrus: „Folge mir!“ Und als Petrus sich umsieht und sein Blick vom Wesentlichen abzuschweifen beginnt, macht Jesus ihn darauf aufmerksam, so als ob er sagen wĂŒrde: „Petrus, das ist eine Sache zwischen dir und mir, kĂŒmmere dich um nichts anderes.“

2. Jesus ist der Weg. Wenn wir uns entscheiden, jemanden an einen uns unbekannten Ort zu begleiten, dann ist diese Entscheidung in Wirklichkeit eine, die wir Schritt fĂŒr Schritt erneuern. WĂ€hrend wir gehen, verstehen wir die Tragweite unserer Entscheidung besser. Wir können mĂŒde werden und aufgeben, wir können auch umkehren oder wieder zurĂŒckkommen. Wir haben einen Freund, der mit uns gehen will und uns fĂŒhrt. Er lĂ€dt uns ein, und er wĂŒnscht sich unsere Mitreise. Jesus sagt zu uns: „Komm mit mir, folge mir, lass uns gemeinsam gehen.“ Das Wichtigste auf unserem Weg ist nicht zu gehen, sondern mit Christus zu gehen.

3. Jesus ist das Ziel. Jesus, wenn ich bei dir bin, bin ich bereits irgendwie schon an meinem endgĂŒltigen Ziel angekommen. Ich muss nicht warten, ich muss nirgendwo hingehen, hier und jetzt, wenn ich bei Christus bin, ist es gut. Jesus und Petrus verbrachten Zeit miteinander. Sie hatten eine Geschichte, eine Geschichte der besonderen Vorliebe fĂŒreinander, der Freundschaft, des Reifens und der Liebe. Jesus öffnete Petrus sein Herz und Petrus öffnete seines fĂŒr Jesus, so unvollkommen es auch war. In dieser fortlaufenden Geschichte einer persönlichen Liebe sagte die Stimme Jesu im Herzen des Petrus immer und immer wieder: „Petrus, folge mir nach, bleibe bei mir, lebe in mir.“ Und Petrus begann nach und nach zu begreifen, dass Christus unabhĂ€ngig von Zeit, Ort und UmstĂ€nden sein letztes Ziel war.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, ich möchte meinen Weg mit dir gehen. Ich möchte, dass die Augen meiner Seele auf dein Antlitz gerichtet sind, ich möchte in dir leben.

Vorsatz: Hier und jetzt möchte ich die Augen meiner Seele auf Christus richten. Welche Dinge, Personen oder UmstĂ€nde lenken mich davon ab, direkt auf ihn zu schauen? Was kann ich dagegen tun?