Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 27. Februar 2022 bis Samstag 5. MĂ€rz 2022

Achte Woche im Jahreskreis

Dorit Wilke-Lopez

„
denn StĂŒckwerk ist unser Erkennen...“Sonntag
„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“Montag
„Siehe, ich mache alles neu!“Dienstag
„Die Liebe freut sich an der Wahrheit.“Mittwoch
„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“Donnerstag
„Was ihr fĂŒr einen meiner geringsten BrĂŒder getan habt, das habt ihr mir getan.“Freitag
„Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust“ Samstag


„
denn StĂŒckwerk ist unser Erkennen
“

27. Februar 2022

Achter Sonntag im Jahreskreis

Dorit Wilke-Lopez

Lk 6,39-45
In jener Zeit sprach Jesus in Gleichnissen zu seinen JĂŒngern: Kann etwa ein Blinder einen Blinden fĂŒhren? Werden nicht beide in eine Grube fallen? Ein JĂŒnger steht nicht ĂŒber dem Meister; jeder aber, der alles gelernt hat, wird wie sein Meister sein. Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder, lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen, wĂ€hrend du selbst den Balken in deinem Auge nicht siehst? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; dann kannst du zusehen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen. Es gibt keinen guten Baum, der schlechte FrĂŒchte bringt, noch einen schlechten Baum, der gute FrĂŒchte bringt. Denn jeden Baum erkennt man an seinen FrĂŒchten. Von den Disteln pflĂŒckt man keine Feigen und vom Dornstrauch erntet man keine Trauben. Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor und der böse Mensch bringt aus dem bösen das Böse hervor. Denn wovon das Herz ĂŒberfließt, davon spricht sein Mund.

EinfĂŒhrendes Gebet: Wie der blinde BartimĂ€us möchte ich heute rufen: Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner! Ich möchte sehen können.

Bitte: Lass mich von dir lernen. Öffne mich, Herr.

1. Mit Blindheit geschlagen. Jesus spricht hier ĂŒber unsere geistige Blindheit. Offenbar sind wir alle blind, wenn uns sein Licht nicht erleuchtet. Schon im AlltĂ€glichen ist die Wahrnehmung komplett unterschiedlich. Ich war einmal in einem Filmseminar. Nach dem Film sollten sich die 14 Teilnehmer ĂŒber den Film kurz austauschen – und ich hatte den Eindruck, dass jeder einen anderen Film gesehen hatte! Das ist ein Beispiel dafĂŒr, dass unser Erkennen nur StĂŒckwerk ist, wie Paulus im 1. Korintherbrief sagt. Nur Gott sieht das Ganze. Das ist Anlass zur Demut. Ich kann das mit Jesus besprechen: Jesus, wo halte ich mich fĂŒr weise genug, andere zu fĂŒhren? Was hĂ€ltst du davon? Bin ich dabei blinder BlindenfĂŒhrer, der seine Weisheit ĂŒberschĂ€tzt, oder folge ich dabei deiner FĂŒhrung?

2. Zuhören lernen. Wer blind ist, ist aufs Hören angewiesen. Kann ich zuhören? Den Menschen, die mit mir reden? Jemand hat gesagt, selbst wenn auf dem Kopf deines GesprĂ€chspartners ein Papagei sitzt, der dich ablenkt, höre dennoch aufmerksam zu, was dein GegenĂŒber dir sagt. Das ist anspruchsvoll. Ich könnte es heute einmal ĂŒben.

3. Verzerrung durch innere Baustellen. Unsere Wahrnehmung der Fehler anderer ist hochgradig verzerrt, was Jesus ins Bild vom Balken und vom Splitter bringt. Ich bin blind fĂŒr meine eigenen Fehler – das ist das Bild vom Balken - und sehe die der anderen wie im VergrĂ¶ĂŸerungsglas. Der Ärger ĂŒber die Fehler der anderen lenkt von meinen eigenen Fehlern ab. Das Thema des Ärgers sagt oft etwas ĂŒber meine eigenen verdrĂ€ngten inneren Baustellen aus. Ich zum Beispiel neige dazu, mich ĂŒber Menschen zu Ă€rgern, die sich viel Raum nehmen, weil ich mich das selber nicht traue. Der Balken wĂ€re dann meine Angst. Wenn ich die ĂŒberwinde, indem ich mir von Gott mehr Raum fĂŒr mich zusprechen lasse, kann ich den anderen den Raum gönnen, den sie sich nehmen, und der Ärger hört auf. Balken und Splitter gibt es so viele, wie es Menschen gibt. Herr, welcher Balken verstellt mir in diesen Tagen die Sicht auf meinen NĂ€chsten?

GesprĂ€ch mit Christus: Nimm dir eine Viertelstunde, um mit Jesus ĂŒber deine Baustellen und Balken zu sprechen. Oder ĂŒber eine andere Stelle aus dem Evangelium von heute.

Vorsatz: Zuhören ĂŒben ohne die ĂŒblichen Balken aus Vorurteilen, Ungeduld und Besserwisserei. Passt das als Fastenvorsatz?


„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“

28. Februar 2022

Montag der achten Woche im Jahreskreis

Dorit Wilke-Lopez

Mk 10,17-27
In jener Zeit lief ein Mann auf Jesus zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen. Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter! Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt. Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! Der Mann aber war betrĂŒbt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen. Da sah Jesus seine JĂŒnger an und sagte zu ihnen: Wie schwer ist es fĂŒr Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! Die JĂŒnger waren ĂŒber seine Worte bestĂŒrzt. Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen! Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Sie aber erschraken noch mehr und sagten zueinander: Wer kann dann noch gerettet werden? Jesus sah sie an und sagte: FĂŒr Menschen ist das unmöglich, aber nicht fĂŒr Gott; denn fĂŒr Gott ist alles möglich.

EinfĂŒhrendes Gebet: Guter Meister, wie der reiche junge Mann komme ich jetzt zu dir. Ich bin auch ziemlich reich - viele in der Welt sind deutlich Ă€rmer als ich. Deshalb geht mich diese Geschichte etwas an. Auch ich versuche die Gebote zu halten. Auch ich suche das ewige Leben. Deshalb bitte ich dich jetzt wie der junge Mann um Auskunft fĂŒr mein Leben.

Bitte: Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen?

1. Nur einer ist gut. Niemand ist gut, außer Gott, dem einen. Der junge Mann scheint instinktiv zu ahnen, dass Jesus Gott ist, als er sich an ihn als den „guten Meister“ wendet. Auch ich wende mich gerade an diesen guten Meister. Ich kann mit ihm besprechen, was in meinem Leben gut ist, und welche guten Menschen ich kenne, und dafĂŒr danken. Aber all das Gute ist nur ein schwacher Widerschein des wahren Guten, nur ein Abglanz Gottes. Gott ist noch besser als das Beste, das mir je begegnet ist! Ich versuche, das innerlich nachzuvollziehen. Vielleicht kommen dabei Freude und Staunen auf. Oder andere GefĂŒhle. Ich schaue mir auch das mit Jesus an.

2. Wo dein Schatz ist, ist auch dein Herz. Der Schatz des jungen Mannes ist sein Reichtum. Dort hat er sein Herz verankert, und diesen Anker kann er nicht lösen. Er ist gebunden. Wie ist das bei mir? Wo habe ich Anker geworfen? In meinen liebsten Menschen, im Besitz, in der Arbeit, im Sport, in meiner Leistung? Welche Bindungen habe ich? Kommt Gott dabei vor? Ich bespreche das mit dem guten Meister.

3. Bindung an Gott. Jesus schaut mich liebevoll an, so wie den jungen Mann. Weil er mich liebt, möchte er, dass ich mich an ihn binde. Er selbst ist ja das ewige Leben, er selbst ist der Weg zu einem himmlischen Vater, dessen Liebe und GĂŒte unermesslich sind, der auf mich wartet mit offenen Armen, in denen ich ewig leben werde. Die Gebote sind nur Hinweise, um den Weg zu ihm zu finden. Sie sind kein Selbstzweck. Und weil er mich liebt, will er mir – sozusagen dem „Kamel“ in dem Bild, das er benutzt – auch durch das Nadelöhr (ein Bild fĂŒr eines der kleinsten Stadttore in Jerusalem) ins ewige Leben helfen. Wenn das Kamel aber misstrauisch und bissig ist, wird das nicht gelingen. Nur wenn es seinem FĂŒhrer vertraut, wird es die Enge und die Schmerzen in Kauf nehmen, die die Passage durch das Nadelöhr verursachen wird. Ich spreche mit Jesus ĂŒber mein Vertrauen.

GesprĂ€ch mit Christus: Guter Meister, du siehst mich an, weil du mich liebst. Du kennst die SchĂ€tze, bei denen mein Herz ist. Ich danke dir fĂŒr alles Gute in meinem Leben. Lenke meinen Blick immer wieder von meinen SchĂ€tzen auf dich, bis ich ganz in dir verankert bin, damit ich dir auch durch Schwierigkeiten vertrauensvoll folge.

Vorsatz: Wenn ich Gutes erlebe, an Christus denken, der die Quelle von allem ist, und wenn ich Schlechtes erlebe, ihm vertrauensvoll durch das Nadelöhr folgen.


„Siehe, ich mache alles neu!“

1. MĂ€rz 2022

Dienstag der achten Woche im Jahreskreis

Dorit Wilke-Lopez

Mk 10,28-31
In jener Zeit sagte Petrus zu Jesus: Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Jesus antwortete: Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder BrĂŒder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird das Hundertfache dafĂŒr empfangen: Jetzt in dieser Zeit wird er HĂ€user, BrĂŒder, Schwestern, MĂŒtter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der kommenden Welt das ewige Leben. Viele aber, die jetzt die Ersten sind, werden dann die Letzten sein, und die Letzten werden die Ersten sein.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, bitte mach mir Mut, dir nachzufolgen. Lass mich nicht an Dingen haften, die mich daran hindern.

Bitte: Halte meinen Blick auf dich geheftet, Herr.

1. Bindung an Menschen. Auch heute geht es im Evangelium wieder um die Bindung an Christus. Wir sind Bindungswesen, wir brauchen die Bindung an andere Menschen, aber letztendlich brauchen wir die Bindung an Gott. „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, Herr“, hat Augustinus gesagt. Jesus will uns beibringen, wie erfĂŒllend und lohnend es ist, wenn wir uns an ihn binden statt an die Menschen. Wenn wir uns nĂ€mlich an die Menschen binden, plagen wir uns herum mit Menschenfurcht, Eifersucht, Ehrgeiz, Eitelkeit und AbhĂ€ngigkeit. Nur, wenn wir uns an Gott binden, aus ihm unsere Sicherheit schöpfen und von ihm unser LiebesbedĂŒrfnis befriedigen lassen, können wir die anderen in Freiheit lieben und nicht, weil wir zurĂŒckgeliebt werden wollen.

2. Bindung an Jesus Christus. Mir fĂ€llt dazu immer ein Vergleich mit unserem Hund ein. Der Hund will immer Chef im Park sein und schaut bei der Gassirunde nach seinen Konkurrenten aus, um sie mit gestrĂ€ubtem Fell anzuknurren und ihnen so zu zeigen, wer der StĂ€rkere ist. Dann ist er ganz aufgeregt und kommt kaum zu den notwendigen Verrichtungen. Wenn ich aber Leckerchen mitnehme und den Hund auf mich ausrichte, hat er nur Augen fĂŒr mich und kommt völlig konzentriert, sicher und stressfrei durch den Park. FĂŒr mich ist das immer eine Erinnerung, dass ich mich auf Jesus ausrichten will. Dann habe ich Ruhe: „Kommt her zu mir, die ihr mĂŒhselig und beladen seid, ich will euch Ruhe verschaffen.“

3. Meine neue Familie. FĂŒr eine Übergangsphase fĂŒhlt sich die ausschließliche Ausrichtung auf Jesus an, als wĂŒrde die Bindung zu den anderen Menschen lockerer, und – so habe ich es erfahren und auch von anderen Neubekehrten gehört – tatsĂ€chlich sortiert sich das soziale Umfeld neu. Aber die alten gelockerten Bindungen werden am Ende durch die neue Glaubensfamilie ersetzt, die mir inzwischen oft wichtiger ist und nĂ€hersteht als meine natĂŒrliche Familie. Aber das konnte ich erst erfahren, weil ich Altes losgelassen und in dieser Phase auf Jesu Wort vertraut habe, dass Neues kommen wird. Und er spricht: „Siehe – ich mache alles neu!“

GesprĂ€ch mit Christus: Heute, am Tag vor Beginn der Fastenzeit, bespreche ich mit Jesus, wie stark ich an ihn gebunden bin, und welche IntensitĂ€t unserer Beziehung ich mir wĂŒnsche. Ich bitte um Einsicht, was ich tun kann, um die Freundschaft mit Christus zu intensivieren und darum, dass er mir entgegenkommt, denn meine eigene Kraft ist dabei nicht das Entscheidende, sondern dass er an mir handelt.

Vorsatz: Entweder einmal zurĂŒckschauen darauf, wo Christus mir neue Äcker oder neue Freundschaften im Leben geschenkt hat, nachdem ich etwas anderes ihm zuliebe losgelassen hatte. Oder ĂŒberlegen, was ich aktuell ihm zuliebe loslassen will.


„Die Liebe freut sich an der Wahrheit.“

2. MĂ€rz 2022

Aschermittwoch

Dorit Wilke-Lopez

Mt 6,1-6.16-18
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: HĂŒtet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zu tun, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten. Wenn du Almosen gibst, posaune es nicht vor dir her, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden! Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut, damit dein Almosen im Verborgenen bleibt; und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler! Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber, wenn du betest, geh in deine Kammer, schließ die TĂŒr zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler! Sie geben sich ein trĂŒbseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

EinfĂŒhrendes Gebet: AllmĂ€chtiger Gott, ich möchte dir danken, dass du dich fĂŒr mich interessierst, dass du siehst, was ich fĂŒr dich tun möchte in dieser Fastenzeit, und dass du mich in der Stille meines Herzens treffen willst.

Bitte: Gib mir die richtige Einstellung zu dieser Fastenzeit. Eine Einstellung, die dir gefĂ€llt.

1. Unsere Aufgabe ist die Liebe. Wir sollen es uns nicht anmerken lassen, wenn wir fasten und Verzicht ĂŒben. Keine schlechte Laune, kein Klagen. Wir sollen unser Haupt salben und das Gesicht waschen, das heißt, fĂŒr den NĂ€chsten eine angenehme Erscheinung sein, um ihm aus Liebe Freude zu machen. Rechtes Fasten darf uns nicht um uns selbst kreisen lassen. Am besten wĂ€hle ich meine FastenvorsĂ€tze so aus, dass ich es schaffe, dabei in der Liebe zu bleiben.

2. Auf Gott bezogen sein. Es geht beim Fasten auch nicht um einen edlen Wettbewerb, wer mehr schafft. Sobald ich anfange, mich mit anderen zu vergleichen, bin ich nicht mehr auf Gott bezogen, sondern auf mich selbst und die anderen Menschen. Ich pflege meinen Stolz statt meine Gottesbeziehung. Wo neige ich vielleicht dazu, mich zu vergleichen? Auch das könnte ein Fastenvorsatz sein: nicht mehr zu vergleichen.

3. In meiner Herzenskammer. Wie schön, dass Gott unsere verborgenen BemĂŒhungen sieht und uns vergelten will. Er hat Freude an unseren kleinen Liebesbeweisen und achtet darauf viel mehr als auf unsere SĂŒnden! Gott ist die Liebe, und die „freut sich nicht ĂŒber das Unrecht, sie freut sich vielmehr an der Wahrheit.“ (1 Kor 13,6) Auch das könnte ein Fastenvorsatz werden: bei der Gewissenserforschung fĂŒr alles zu danken, was ich an kleinen Liebesbeweisen fĂŒr Gott und meinen NĂ€chsten tun konnte, mir Gottes Freude daran vorzustellen und mich mit ihm zu freuen.

GesprĂ€ch mit Christus: Lieber Gott, ich möchte ganz auf dich bezogen sein. Von dir möchte ich alles Wohlwollen empfangen, von dir alle Anerkennung und Liebe, die ich brauche. Bitte lass mich spĂŒren, dass du da bist und mich siehst. Gib mir Zeit und Ruhe bei dir. Lenke meinen Blick auf dich. Bewahre mich vor dem Irrtum, dass ich mir mit Fasten deine Liebe erkaufen muss. Es soll ein freies Geschenk fĂŒr dich sein, kein GeschĂ€ft.

Vorsatz: Ich fasse oder bekrĂ€ftige einen (oder zwei
) konkrete FastenvorsĂ€tze im Licht des heutigen Evangeliums.


„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“

3. MĂ€rz 2022

Donnerstag nach Aschermittwoch

Dorit Wilke-Lopez

Lk 9,22-25
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen. Zu allen sagte er: Wer mein JĂŒnger sein will, der verleugne sich selbst, nehme tĂ€glich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten. Was nĂŒtzt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt?

EinfĂŒhrendes Gebet: Heute, am zweiten Tag der Fastenzeit, erhebe ich mein Herz zu dir, o mein Gott. Heiliger Geist, weise mir durch diese Meditation den Weg, den ich gehen soll. Jesus, du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Komm jetzt, begegne mir. Maranatha.

Bitte: Zieh mich an dich, Jesus.

1. Zerbrechlich. Wie zerbrechlich der Mensch Jesus ist zwischen den MĂ€chtigen! Damals. Heute. Von Anfang bis zum Ende immer wieder abgelehnt. Wie erlebe ich mich in meinem Leben? Wo erfahre ich mich als zerbrechlich und abgelehnt? Ich kann jetzt vielleicht meine Augen schließen, in diese Situation eintauchen und Jesus hineinbitten. Ich kann ihn um ein inneres Bild bitten, wie er in dieser Situation dabei ist, und mit ihm darĂŒber ins GesprĂ€ch kommen. Wie gut, dass du dabei bist, Jesus!

2. Im Willen Gottes. Ich habe neulich mit einer schwerkranken Frau aus dem Regnum Christi gesprochen. Sie kann seit ĂŒber einem halben Jahr das Bett kaum verlassen und hat große Schmerzen durchgestanden. Aber sie strahlt so viel Freude aus, dass das GesprĂ€ch ein großes GlĂŒck fĂŒr mich war. Die Quelle ihrer Freude ist es, im Willen Gottes zu leben. Immer wieder bittet sie darum, in Seinem Willen leben zu dĂŒrfen. Das gibt ihr einen großen inneren Frieden und sie erzĂ€hlt, dass sie das von allen dunklen Gedanken befreit hat. Vielleicht liegt hier die tiefere Bedeutung des Wortes, das Leben um Jesu willen zu verlieren.

3. Vertrauen. Dazu gehört ein großes Vertrauen. Vertrauen heißt, die Kontrolle abzugeben und keine Garantie zu haben. Wenn Jesus sagt, wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es retten, kann ich das fĂŒr mich nur herausfinden, indem ich meinen Willen aufgebe und seinem Willen vertraue. Traue ich mich das? Ist Gott fĂŒr mich vertrauenswĂŒrdig genug?

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, ich möchte sagen können: dein Wille geschehe, nicht meiner. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch in meiner Welt, an meinem Leib, dein Reich komme heute in meine Welt. Wenn ich dir das so ehrlich sage und einen unsicheren Schritt auf dich zu mache, dann sieh meine Zerbrechlichkeit und UnzulĂ€nglichkeit und komm du mir zehn Schritte entgegen. Wie der verzweifelte Vater des besessenen Jungen im Markusevangelium, der sein Kind zu Jesus bringt und ihm sagt: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ möchte ich dir sagen: „Ich vertraue dir, hilf meinem Misstrauen!“

Vorsatz: Zerbrechlichkeit und Scheitern annehmen und geduldig auf Jesus vertrauen, der mir das Leben zurĂŒckgibt.


„Was ihr fĂŒr einen meiner geringsten BrĂŒder getan habt, das habt ihr mir getan.“

4. MĂ€rz 2022

Freitag nach Aschermittwoch
Hl. Kasimir, Königssohn
Weltgebetstag der Frauen aller Konfessionen

Dorit Wilke-Lopez

Mt 9,14-15
In jener Zeit kamen die JĂŒnger Johannes‘ des TĂ€ufers zu Jesus und sagten: Warum fasten deine JĂŒnger nicht, wĂ€hrend wir und die PharisĂ€er fasten? Jesus antwortete ihnen: Können denn die HochzeitsgĂ€ste trauern, solange der BrĂ€utigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der BrĂ€utigam genommen sein; dann werden sie fasten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Himmlischer Vater, mit allen betenden Frauen auf diesem Planeten zusammen komme ich heute zu dir. Sieh auf deine Kinder, die dich brauchen, und segne uns mit Frieden, liebendem VerstĂ€ndnis, GroßzĂŒgigkeit und Barmherzigkeit. Schenke uns die Bereitschaft zum Verzicht, die notwendig ist, um unseren schönen Planeten zu bewahren. Lass alle Menschen die Rettung durch Jesus Christus erfahren.

Bitte: Herr, schenke mir Demut und Bescheidenheit in meinem Konsumverhalten.

1. Vernetzt. Wir erleben heute mehr und mehr, dass wir alle in einer Welt leben, in der alles mit allem zusammenhĂ€ngt. Beispiel Klima: Wenn auf der einen Seite der Erde viel CO2 produziert wird und die AtmosphĂ€re sich aufheizt, schmelzen auf der anderen Seite die Polkappen ab und durch den steigenden Meeresspiegel werden tiefliegende Wohngebiete ganz woanders gefĂ€hrdet. Beispiel Rauchen: Wenn die Erwachsenen in einem Haushalt rauchen, haben die Kinder mehr Asthma und Bronchialerkrankungen. Was ich tue, kann die anderen beeintrĂ€chtigen. Das kann ich einmal mit Jesus betrachten. Wie vernetzt denke ich? Wo kreise ich um mich selbst?

2. Dankbarkeit. Ich kann dankbar alles vor Gott hinbringen, was zusammenhĂ€ngt. Wenn ich zum Beispiel Brot esse, kann ich danken fĂŒr den Acker, auf dem das Korn gewachsen ist, fĂŒr die Sonne und den Regen, fĂŒr den Bauern, der es geerntet hat, die MĂŒhle und ihre Arbeiter, wo es gemahlen wurde, ich kann an den BĂ€cker denken, fĂŒr die Lastwagenfahrer danken, fĂŒr die Menschen, die den Lastwagen gebaut haben, die Logistikunternehmen und die Menschen, die die LĂ€den betreiben. Solche Gedankenketten kann ich bei allem finden! Das macht ehrfĂŒrchtig und dankbar.

3. Fasten aus RĂŒcksicht. Das, was ich tue, macht einen Unterschied fĂŒr andere. Wie ich mich ernĂ€hre, beeinflusst nicht nur meine eigene Gesundheit, sondern ĂŒber Ursachenketten das Klima, die Arbeitsbedingungen in den ErzeugerlĂ€ndern, die TrinkwasserqualitĂ€t usw. - vieles, das eben auch andere betrifft. Ob ich das Auto benutze oder Fahrrad fahre, beeinflusst die Atemluft der andern. Ob ich in Coronazeiten tapfer Maske trage oder nicht, beeinflusst die Gesundheit der anderen. Verzicht und Liebe liegen eng beieinander. Das kann der unmittelbare Sinn des Fastens sein. Ich kann auf Bequemlichkeit, Komfort, Genuss den anderen zuliebe verzichten. Dann tue ich das fĂŒr Jesus, den ich in jedem NĂ€chsten finde. Denn Jesus sagt: „Was ihr fĂŒr einen meiner geringsten BrĂŒder getan habt, das habt ihr mir getan.“

GesprĂ€ch mit Christus: Heiliger Geist, lehre mich, vernetzt zu denken. Schenke mir ein dankbares Bewusstsein dafĂŒr, wie wunderbar in der Schöpfung alles mit allem zusammenhĂ€ngt. Schenke mir großen Respekt davor, und lass mich auch in meinen kleinen Alltagsentscheidungen behutsam und liebevoll die Folgen fĂŒr andere mit einkalkulieren. Schule du meine Sinne, dass ich nicht meiner eigenen Lust und Bequemlichkeit oder meiner Angst um mich selber folge, sondern vor allem dem, was fĂŒr andere gut ist.

Vorsatz: Ich probiere heute einmal aus, etwas Unbequemes gleichmĂŒtig zu tun, weil es mittelbar ĂŒber vernetzte Ursachenketten besser fĂŒr andere ist. Zum Beispiel eine Strecke zu Fuß zu gehen, statt das Auto zu nehmen. Oder kurz statt lang zu duschen. Oder statt fernzusehen fĂŒr den Frieden zu beten. Wenn mir nichts einfĂ€llt, kann ich den heiligen Geist um VorschlĂ€ge und Gelegenheiten bitten.


„Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust“

5. Februar 2022

Samstag nach Aschermittwoch

Dorit Wilke-Lopez

Lk 5,27-32
In jener Zeit sah Jesus einen Zöllner namens Levi am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Levi auf, verließ alles und folgte ihm. Und er gab fĂŒr Jesus in seinem Haus ein großes Festmahl. Viele Zöllner und andere GĂ€ste waren mit ihnen bei Tisch. Da sagten die PharisĂ€er und ihre Schriftgelehrten voll Unwillen zu seinen JĂŒngern: Wie könnt ihr zusammen mit Zöllnern und SĂŒndern essen und trinken? Jesus antwortete ihnen: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die SĂŒnder zur Umkehr zu rufen, nicht die Gerechten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich möchte mit dir zusammen ĂŒberlegen, wer ich heute in dieser Geschichte bin: der Zöllner? Ein Gast bei dem Festmahl bei ZachĂ€us? Oder einer der befremdeten Zuschauer? Oder identifiziere ich mich mehr mit dir, Jesus, weil auch ich sozusagen zu den SĂŒndern unterwegs bin, um mit ihnen zu essen?

Bitte: Schenke mir ehrliche Einsicht, Heiliger Geist. Hilf mir, vor Jesus keine Scham zu haben und offen mit ihm zu sprechen.

1. Fassade. Der Zöllner ist ein SĂŒnder, das ist allen klar. Er kann sich nicht hinter einer Fassade aus AnstĂ€ndigkeit verstecken. Dadurch können wir von außen miterleben, dass Jesus nicht darauf achtet, ob jemand wohlanstĂ€ndig ist, um ihn oder sie zu berufen. Er oder sie darf ruhig gesĂŒndigt haben. Lege ich Wert darauf, als anstĂ€ndig zu gelten? Oder kann ich vor mir selbst, vor Gott und den Menschen zugeben, dass ich Fehler gemacht habe? Oder gehöre ich zu den Menschen, die nicht sĂŒndigen?

2. Geliebte SĂŒnder. Jesu ZustĂ€ndigkeitsbereich sind die SĂŒnder. Er ist gekommen, die SĂŒnder zu berufen, nicht die Gerechten. Auch wir Christen sind als SĂŒnder berufen, Jesus nachzufolgen. Wir sind geliebte SĂŒnder. Die ganze Kirche besteht aus geliebten SĂŒndern. Das ist so wichtig! Wir mĂŒssen nicht gut sein, bevor Jesus uns lieben kann. Er liebt uns sofort, wenn wir ihm begegnen. Und er sucht uns, um uns zu lieben! Kann ich mich als SĂŒnder lieben lassen? Oder gibt es da peinliche SchwĂ€chen, so dass ich glaube, dass Jesus mich an dieser Stelle nicht lieben kann? Will ich ihn in mein inneres Haus einladen, auch wenn es nicht aufgerĂ€umt ist?

3. â€žIch nehme das Herz von Stein aus eurer Brust.“ Durch die SĂŒnde verhĂ€rtet sich unser Herz und wird zu Stein – egoistisch, rĂŒcksichtslos, unbarmherzig. Es gibt nicht nur einen physiologischen, sondern auch einen seelischen Herzinfarkt. Wie steht es um mein Herz? Ist es gefĂ€hrdet? Dann habe ich Anspruch auf einen kostenlosen Sprechstundentermin - in der heiligen Beichte, in der der göttliche Arzt unsere versteinerten Herzen operiert und wieder zu Herzen aus Fleisch macht.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, ich bin so dankbar, dass du mit mir zusammen isst und trinkst und selber dafĂŒr sorgst, dass ich wĂŒrdig genug bin, mit dir Mahl zu halten. Danke fĂŒr die Einladung!

Vorsatz: Beim nĂ€chsten Mal in der heiligen Messe mit besonderer Dankbarkeit zum Tisch des Herrn treten und vielleicht vorher noch einen Termin in der „Sprechstunde“ machen
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