Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 26. Dezember 2021 bis Samstag 1. Januar 2022

Woche nach Weihnachten

Beate Scheilen

Verzicht auf SelbstoptimierungSonntag
Der Stoff, aus dem der Glaube istMontag
Das Leiden beginntDienstag
Ă–ffentlich und doch verborgenMittwoch
Genau richtigDonnerstag
Frommes Fleisch bringt gar nichtsFreitag
Engelchor und AlltagslebenSamstag


Verzicht auf Selbstoptimierung

26. Dezember 2021

Fest der Heiligen Familie
Sonntag in der Weihnachtsoktav
2. Weihnachtstag

Hl. Stephanus, erster Märtyrer

Beate Scheilen

Lk 2,41-52
Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem. Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach. Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der Knabe Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten. Sie meinten, er sei in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten nach ihm. Da geschah es, nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten. Als seine Eltern ihn sahen, waren sie voll Staunen und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, warum hast du uns das angetan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen gesagt hatte. Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte all die Worte in ihrem Herzen. Jesus aber wuchs heran und seine Weisheit nahm zu und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, ich möchte diese Zeit ganz bewusst an deinem Herzen verbringen. Du bittest unaufhörlich um die Liebe jedes Menschen; ich möchte dir heute meine Liebe geben.

Bitte: Herr, schenke mir Aufmerksamkeit fĂĽr die Botschaft, die du heute fĂĽr mich ganz persönlich hast.

1. Harte Worte. Heute springen wir in der Zeit 12 Jahre voraus. Ohne um Erlaubnis zu fragen, verweilt der zwölfjährige Jesus drei Tage im Tempel. Seine besorgten Eltern finden ihn dort im Gespräch mit den Schriftgelehrten vor. Spätestens jetzt wäre es fĂĽr Jesus doch angebracht gewesen, sich zu entschuldigen. Keine Rede davon, im Gegenteil: „Ihr konntet euch doch denken, dass ich hier bin – in dem Haus, das meinem Vater gehört!“ Dass Jesus mit „seinem Vater“ hier nicht den Zimmermann Josef aus Nazaret meint, ist offenkundig und muss fĂĽr Maria und Josef zunächst ein Affront gewesen sein. Wäre es nicht etwas diplomatischer gegangen? Aber Jesus versucht sich nicht zu verstecken. Es geht ihm nicht um „unseren gemeinsamen Gott“, sondern um „meinen Vater“. Das ist sehr ungewöhnlich, denn nach jĂĽdischer Vorstellung ist Gott so erhaben, dass man ihn unmöglich so familiär ansprechen kann.

2. Verborgene Talente. Da Jesus ein ganz besonders enges, ja ein einzigartiges Verhältnis zu Gott Vater hat, das sich von dem aller anderen Menschen unterscheidet, wäre es doch sogar naheliegend gewesen, gleich im Tempel zu bleiben, sozusagen „an der Quelle“. Wie schön und erfĂĽllend wäre es fĂĽr Jesus gewesen, dort zu leben und sich täglich mit den Gelehrten ĂĽber die heiligen Schriften austauschen zu können! Aber nein… Jesus geht im Gehorsam mit seinen Eltern nach Nazaret zurĂĽck, wo er ein ganz einfaches Leben in einer Handwerkerfamilie fĂĽhrt. Heute wĂĽrden wir das als Talentverschwendung ansehen. So ein begabtes Kind mĂĽsste doch gefördert werden! Jesus verzichtet darauf. So wie auf vieles andere, das er als Mensch hätte haben können.

3. SinnerfĂĽlltes Leben. Vielleicht kann das ein Trost sein fĂĽr viele Menschen, die aus was immer fĂĽr GrĂĽnden auf eine angemessene Ausbildung, einen Partner, Kinder o.ä. verzichten mussten. Oder die nicht ins Kloster gehen durften, weil ihre Hilfe zu Hause gebraucht wurde. Auch unter diesen Bedingungen kann das Leben sinnvoll sein. Man muss nicht immer das Maximum aus sich und seinen Talenten herausholen, denn unsere FĂĽlle erhalten wir nur, wenn wir Gottes Willen finden und erfĂĽllen. Selbst Gott hat, als er auf der Erde lebte, nicht alles ausgekostet, was ihm zugestanden hätte. „Er entäuĂźerte sich“, heiĂźt es in der Schrift. Können wir uns das nicht zum Vorbild nehmen? Die Welt drängt uns heute immer mehr zur Selbstoptimierung: unser Körper, unsere emotionalen und intellektuellen Fähigkeiten – alles muss bis an die Grenze des Machbaren (und manchmal auch darĂĽber hinaus) gepusht und verbessert werden, um gut da zu stehen, beliebt zu sein etc. Manche Christen ĂĽbernehmen diesen Anspruch sogar in ihr geistliches Leben. Aber das entspricht nicht dem Evangelium! Unser täglicher Kampf sollte nicht zum Ziel haben, schön, fit und beliebt zu sein, sondern anderen uneigennĂĽtzig und liebevoll zu dienen. Und das ist alles andere als eine leichte Ăśbung!

Gespräch mit Christus: Jesus, was mich an dir am meisten beeindruckt, ist deine ZurĂĽckhaltung. Du hättest während deines Lebens auf der Erde alles haben können, aber du hast unter ganz einfachen Bedingungen gelebt. Wie oft möchte ich es bequem haben, Vorteile nutzen und am liebsten besser behandelt werden als andere! Hier habe ich noch viel zu lernen…bitte hilf mir dabei!

Vorsatz: Gibt es einen Bereich, in dem ich unbedingt vorankommen will, obwohl Gott das gar nicht von mir verlangt? Oder ein Defizit, das mich ständig belastet? Ich möchte heute gemeinsam mit Jesus herausfinden, wie ich in der Wahrheit des Evangeliums leben kann.


Der Stoff, aus dem der Glaube ist

27. Dezember 2021

3. Tag der Weihnachtsoktav
Hl. Johannes, Apostel, Evangelist
Fest

Beate Scheilen

Joh 20,2-8
Am ersten Tag der Woche lief Maria von Magdala schnell zu Simon Petrus und dem anderen JĂĽnger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben. Da gingen Petrus und der andere JĂĽnger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen, aber weil der andere JĂĽnger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das SchweiĂźtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. Da ging auch der andere JĂĽnger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, ich möchte diese Zeit ganz bewusst an deinem Herzen verbringen. Du bittest unaufhörlich um die Liebe jedes Menschen; ich möchte dir heute meine Liebe geben.

Bitte: Herr, schenke mir Aufmerksamkeit fĂĽr die Botschaft, die du heute fĂĽr mich ganz persönlich hast.

1. Zu viele Details? Seit gestern sind weitere 20 Jahre ins Land gezogen. Es ist Ostern. Maria und wohl noch ein paar andere Frauen sind in aller FrĂĽhe zum Grab gegangen, sie wollen bei Jesus sein und ihm die letzte Ehre erweisen. Von den JĂĽngern lesen wir nichts, sie sind auf diese Idee wohl nicht gekommen. Maria findet das Grab leer vor. Sie vermutet Grabräuber, will die Sache aber nicht selber regeln, sondern läuft zu Petrus, wo sich auch gerade Johannes aufhält. Nun werden wir Zeuge eines historischen Wettlaufs und zahlreicher Details aus der Erinnerung des Johannes. Wozu eigentlich? In der Heiligen Schrift steht doch nur, was fĂĽr unseren Glauben wichtig ist… welche Bedeutung hat also das Wettrennen, das separat liegende SchweiĂźtuch, die Reihenfolge des Gangs ins Grab? Was sah und glaubte der JĂĽnger?

2. Ordentliche Räuber? Johannes bleibt im Eingang stehen und sieht die Leinenbinden im Grab liegen, mit denen der Leichnam Jesu eingewickelt war. Damit fällt die These vom Raub in sich zusammen, denn Räuber hätten den Toten sicher so mitgenommen, wie er war, und nicht ausgewickelt. Schon gar nicht hätten sie sich Zeit genommen, das Tuch, das auf dem Gesicht Jesu lag, noch zu falten und separat hinzulegen. Dieser Sachverhalt fällt Petrus auf, als er endlich ankommt und – in seiner Rolle als Leiter der Apostel – noch vor Johannes das Grab betritt.

3. Kann das weg? An diesem Tag schlieĂźt sich der Kreis: Als Jesus diese Welt betrat, wickelte Maria ihn in Windeln (damals ja auch Leinenbinden!), als er sein irdisches Leben beendete, wurde er wiederum in solche Binden eingewickelt. Nun hat Jesus die Stoffstreifen – Zeichen des Todes und der Gebundenheit an die Erde –bewusst abgelegt, er braucht sie nicht mehr, sie können weg. Trotzdem hat er sie nicht vernichtet, sondern seinen JĂĽngern als Zeichen hinterlassen. Damit ist fĂĽr Johannes klar: Jesus ist auferstanden. Von Petrus wird nichts dergleichen gesagt, er ist vermutlich erstmal nur verwundert und braucht seine Zeit… Dabei haben beide das gleiche gesehen. Warum kommt der Eine sofort zum Glauben, der Andere nicht? Die Zeichen, die Jesus tut, sind nie „Beweise“ im objektiven Sinne. Sie helfen zum Glauben, erzwingen ihn aber nicht. Echter Glaube ist kein neutrales Wissen, das man sich irgendwo herholen kann; er verlangt innere Beteiligung, eine Beziehung zu der Person Jesu. Der Evangelist Johannes hatte diese Beziehung ganz direkt. Auf sein „glaub-wĂĽrdiges“ Zeugnis, das die Kirche uns ĂĽberliefert hat, können wir heute unseren Glauben stĂĽtzen - auch ohne das leere Grab selbst gesehen zu haben.

Gespräch mit Christus: Was ich schon immer mal wissen wollte: Hast du dich eigentlich gefreut, Herr, als du dein irdisches, ziemlich beschwerliches Leben hinter dir hattest und wieder in der himmlischen „comfort zone“ angekommen warst? Oder warst du vielleicht doch ein wenig traurig, jetzt nicht mehr bei deinen Freunden sein zu können?

Vorsatz: Ich denke heute ĂĽber folgende Fragen nach: Worauf beruht mein Glaube? Auf einer persönlichen Gotteserfahrung? Auf dem Zeugnis anderer Menschen? Oder finde ich im Glauben Antworten auf wesentliche Fragen? Was könnte meinen Glauben erschĂĽttern? Was kann ihn festigen?


Das Leiden beginnt

28. November 2021

4. Tag der Weihnachtsoktav
Unschuldige Kinder
Fest

Beate Scheilen

Mt 2,13-18
Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, siehe, da erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. Da stand Josef auf und floh in der Nacht mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen. Als Herodes merkte, dass ihn die Sterndeuter getäuscht hatten, wurde er sehr zornig und er sandte aus und ließ in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten, genau der Zeit entsprechend, die er von den Sterndeutern erfahren hatte. Damals erfüllte sich, was durch den Propheten Jeremia gesagt worden ist: Ein Geschrei war in Rama zu hören, lautes Weinen und Klagen: Rahel weinte um ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn sie waren nicht mehr.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, ich möchte diese Zeit ganz bewusst an deinem Herzen verbringen. Du bittest unaufhörlich um die Liebe jedes Menschen; ich möchte dir heute meine Liebe geben.

Bitte: Herr, schenke mir Aufmerksamkeit fĂĽr die Botschaft, die du heute fĂĽr mich ganz persönlich hast.

1. Auslandserfahrung tut not. Josef ist jetzt der BeschĂĽtzer der Familie. Daher erscheint der Engel nicht Maria, sondern ihm – allerdings „nur“ in einem Traum. Er sagt interessanterweise nicht „Nimm deine Frau und dein Kind“, sondern „Nimm das Kind und seine Mutter“ – ein Hinweis darauf, dass Josef nicht der leibliche Vater Jesu ist. Analog zum FIAT Marias gehorcht Josef sofort, er diskutiert nicht herum und wartet auf keine weitere Bestätigung. Noch in derselben Nacht verlässt die Heilige Familie ihre Heimat und flieht nach Ă„gypten – just in das Land, in dem Gottes auserwähltes Volk seinerzeit ein Sklavendasein in einer heidnischen Kultur gefĂĽhrt hat. Mose wuchs in dieser Umgebung auf und fĂĽhrte dann die Israeliten in die Freiheit. FĂĽr Jesus, den neuen Mose, wollte Gott es ebenso. Heute merken auch wir, wie es ist, als Christ in der säkularen Welt oft wie in einem fremden Land zu leben. Aber wenn selbst Jesus so gelebt hat, worĂĽber sollen wir dann klagen?

2. Gott schreibt uns kein Drehbuch. WĂĽrde ich diese Nacht auf einen Traum hin aufstehen und alles verlassen? Meine Wohnung, meine Arbeit, meinen Besitz… und ins Ausland gehen, um dort komplett neu anzufangen? Kann das echt sein? Jeder geistliche Begleiter wĂĽrde doch sagen, darĂĽber mĂĽsse man erstmal beten und abwarten, ob der Gedanke nochmal auftritt. Aber Josef ist offenbar geĂĽbt in der Unterscheidung der Geister und kann, genau wie Maria, sofort sein Ja dazu geben. Trotzdem waren beide frei, dem Ruf zu folgen oder nicht. Sie bekamen auch danach kein göttliches Drehbuch, in dem detailliert beschrieben war, was sie wann zu tun hätten. Ihre Aufgabe war, fĂĽr Jesus zu sorgen und im Ăśbrigen darauf zu vertrauen, dass Gott sich um alles Nötige kĂĽmmern wĂĽrde. Auch ich muss nicht jetzt schon wissen, was in der Welt und in meinem Leben alles passieren wird, und wie ich mich dann verhalten muss. Meine Aufgabe ist, im Vertrauen auf Gottes FĂĽhrung Tag fĂĽr Tag voranzugehen und in der Liebe zu wachsen.

3. Will Gott das Leid? Warum mussten so viele unschuldige Kinder sterben, damit Jesus ĂĽberleben konnte? Sicher hat der Versucher ihm das in Getsemane auch vorgehalten, nebst einigen anderen Punkten: Wegen Jesus seien die Kinder umgekommen, er habe seine Mutter schrecklich leiden lassen, mehreren Familien die Söhne weggezogen etc. – FĂĽr jedes menschliche Leid wird Gott immer wieder gerne verantwortlich gemacht: wenn er es schon nicht verursacht hat, hätte er es zumindest verhindern können! Gott will das Leid aber nicht, und vermutlich verhindert er täglich viel Schlimmes, wovon wir gar nichts merken, da es eben nicht geschieht. Und darĂĽber hinaus hat er uns das Geschenk des freien Willens gegeben. Herodes und viele andere haben dieses Geschenk tragisch missbraucht. Auch heute mĂĽssen sehr viele Kinder unschuldig leiden: materielles Elend, Abtreibung, Missbrauch haben letztlich ihre Ursache im fehlgeleiteten Willen und Handeln von Menschen. Um uns von diesen Verstrickungen zu lösen, ist Gott Mensch geworden. Und es wurde nur zu bald deutlich, dass es da auch jemanden gibt, dem das ganz und gar nicht gefällt… Folgen: siehe oben.

Gespräch mit Christus: Ist diese Flut an menschlichem Leid, Herr, die auch gerade wieder verstärkt ĂĽber uns hereinbricht, wirklich der erforderliche Preis fĂĽr unsere Erlösung? Kann unsere Willensfreiheit anders nicht gewährleistet werden? Du hast Paulus schreiben lassen, dass die Leiden dieser Zeit nichts sind im Vergleich zu der Herrlichkeit, die im Himmel auf uns wartet. GegenĂĽber dieser Aussage kann man nicht neutral bleiben. Wenn ich an dich glaube, Herr, ist dieser Satz ein riesiger Trost. Wenn ich dir nicht glaube, ist er blanker Zynismus… Hilf mir, Herr, dass ich dir vertrauen kann!

Vorsatz: Gibt es etwas, worĂĽber ich mir ständig Sorgen mache? Ich möchte heute diesen Punkt ganz bewusst an Gott abgeben.


Ă–ffentlich und doch verborgen

29. Dezember 2021

5. Tag der Weihnachtsoktav
Hl. Thomas Becket, Bischof, Märtyrer

Beate Scheilen

Lk 2,22-35
Es kam für die Eltern Jesu der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen, gemäß dem Gesetz des Herrn, in dem es heißt: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein. Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben. In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe. Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war, nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten: Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel. Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden. Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, ich möchte diese Zeit ganz bewusst an deinem Herzen verbringen. Du bittest unaufhörlich um die Liebe jedes Menschen; ich möchte dir heute meine Liebe geben.

Bitte: Herr, schenke mir Aufmerksamkeit fĂĽr die Botschaft, die du heute fĂĽr mich ganz persönlich hast.

1. Das verborgene Lamm. Vor dem Auszug aus Ă„gypten hatte Gott die Erstgeborenen der Israeliten aus Gnade vom Tod verschont. Von da an wurden alle erstgeborenen Söhne Gott geweiht und ihm zum Dienst im Tempel ĂĽbergeben. Seit Gott den Stamm Levi fĂĽr den Priesterdienst ausgesucht hatte, brauchten die Erstgeborenen der ĂĽbrigen Stämme nicht mehr im Tempel zu bleiben. FĂĽr sie musste jedoch ein Lösegeld entrichtet werden, um das Bewusstsein zu erhalten, das Gott ein Anrecht auf diese Kinder hatte. Dieser Vorgang nannte sich „Darstellung“. Verbunden damit war das Reinigungsopfer, das jede jĂĽdische Mutter nach der Geburt eines Kindes bringen sollte. Da die Frau in viel engerer Weise als der Mann am Geheimnis der Schöpfung neuen Lebens teilhat, wurde es ihr erlaubt, eine gewisse Zeit nach der Geburt allen ĂĽbrigen Aktivitäten, auch dem Gottesdienst, fern zu bleiben. Nach ca. 40 Tagen konnte sie ihr normales Leben wiederaufnehmen. Dazu brachte sie im Tempel ein Opfer in Form von zwei Tieren dar: normalerweise ein Lamm und eine Taube; Arme durften zwei Tauben bringen. Die Heilige Familie opferte formell nur zwei Tauben – und brachte in Gestalt ihres Kindes das Lamm mit, das 30 Jahre später fĂĽr die Erlösung aller Menschen sterben sollte.

2. Das sichtbare Heil. â€žNun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden, denn meine Augen haben das Heil gesehen…“ Diese Worte Simeons hat die Kirche in die Komplet, ihr tägliches Nachtgebet, aufgenommen. Denn der Schlaf ist wie ein Vorgriff auf den Tod. Wer mit Gott durch den Tag gegangen ist, kann in Frieden schlafen. Und wer getauft ist und aus dem Glauben gelebt hat, kann in Frieden diese Welt verlassen. Wir haben ohne unser Verdienst das groĂźe GlĂĽck, täglich in der heiligen Messe „das Heil sehen“ zu können: unter den Gestalten von Brot und Wein dĂĽrfen wir den sehen (und sogar in uns aufnehmen!), der das Licht der Welt ist. Was fĂĽr ein Geschenk!

3. Das unĂĽbersehbare Zeichen. Christus ist ein Zeichen, dem widersprochen wird – gerade heute sehen wir das wieder sehr deutlich. Viele werden durch den Glauben an Christus aufgerichtet und finden einen Sinn fĂĽr ihr Leben – aber fĂĽr viele, die ihn verwerfen, wird er auch zur Ursache ihres Falls. Jesus sagt in Joh 15,22: „, Wäre ich nicht gekommen und hätte ich nicht zu ihnen gesprochen, hätten sie keine SĂĽnde.“ Romano Guardini schreibt, dass erst mit Christus das Potenzial fĂĽr das Gute und das Böse im Menschen voll ausgelebt werden kann. Vor Christus konnte man im menschlichen Sinne gut, aber kein neuer, erlöster Mensch sein. Man konnte Schlechtes tun, aber nicht bewusst das Liebesangebot Gottes verwerfen. Seit Christus ist beides möglich. Das ist wunderbar, wenn man sich fĂĽr Christus entscheidet, aber es ist unendlich tragisch, wenn man das ganz bewusst nicht tut.

Gespräch mit Christus: Herr, es erstaunt mich immer wieder, dass du dich entschlossen hast, in unsere Welt zu kommen, obwohl du wusstest, dass dir so viel Widerspruch entgegenschlagen wird. Ich selbst wĂĽrde mich wohl kaum auf ein Projekt einlassen, wo ich vorher schon wĂĽsste, welche Mengen an Schwierigkeiten auf mich zukommen. Aber es geht dir ja eben nicht um ein Projekt, sondern um jede einzelne Menschenseele. Danke, Jesus, dass du uns nicht im Stich lässt!

Vorsatz: Beim nächsten Besuch einer heiligen Messe möchte ich Gott ganz besonders dafĂĽr danken, dass er mich in den heiligen Gestalten sein Heil und Licht fĂĽr mein Leben sehen lässt.


Genau richtig

30. Dezember 2021

6. Tag der Weihnachtsoktav

Beate Scheilen

Lk 2,36-40
In jener Zeit lebte eine Prophetin namens Hanna, eine Tochter Pénuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt; nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten. In diesem Augenblick nun trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück. Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, ich möchte diese Zeit ganz bewusst an deinem Herzen verbringen. Du bittest unaufhörlich um die Liebe jedes Menschen; ich möchte dir heute meine Liebe geben.

Bitte: Herr, schenke mir Aufmerksamkeit fĂĽr die Botschaft, die du heute fĂĽr mich ganz persönlich hast.

1. Kontemplative Neigung. Betrachten wir heute Simeon und Hanna. Es wird gesagt, dass Simeon in Jerusalem lebt und der Heilige Geist auf ihm ruht. Letzteres war im Judentum noch eine Besonderheit – erst zu Pfingsten und danach durch das Sakrament der Firmung wird ja allen Getauften der Heilige Geist dauerhaft verliehen. Derselbe Geist fĂĽhrt Simeon nun in den Tempel, um zu erfĂĽllen was er Simeon versprochen hat: vor seinem Tod noch den Erlöser zu sehen. Hanna hingegen braucht nicht erst von ihren Alltagsgeschäften weggeholt und in den Tempel gefĂĽhrt zu werden; sie ist sowieso immer dort. Vielleicht ist dies ein Hinweis darauf, dass Frauen im Allgemeinen eine stärkere kontemplative Neigung haben und von Natur aus näher „an Gott dran sind“ als die nach auĂźen orientierten Männer.

2. Gute FĂĽhrung. Als die heilige Familie in den Tempel kommt, erscheinen Simeon und Hanna quasi „wie bestellt“ genau zum richtigen Zeitpunkt. Angesichts der Tatsache, dass dort ständig Elternpaare anwesend waren, die ihre Kinder „darstellten“, kann das als bemerkenswertes Beispiel fĂĽr Gottes FĂĽhrung angesehen werden. Gott ĂĽberlässt nichts dem Zufall! Auch ich darf darauf vertrauen, dass Gott mich fĂĽhrt und dass ich nichts verpassen werde, was fĂĽr mein Leben wirklich wichtig ist.

3. Angemessenes Handeln. Auch Maria und Josef tun alles, was das Gesetz vorschreibt, sie nehmen keine Ausnahmen fĂĽr sich in Anspruch. Das habe ich einmal zum Anlass genommen, darĂĽber nachzudenken, wie oft ich mir selber schon Ausnahmen gestattet habe: Eigentlich wollte ich ja morgens meine Meditation halten- aber ich bin mal wieder zu spät aufgestanden. Und die Arbeit muss schlieĂźlich erledigt werden, nicht zu vergessen die Einkäufe, das Essen usw. Es findet sich immer etwas, weswegen man jetzt gerade nicht beten kann – sofern man nicht konsequent Zeiten dafĂĽr festlegt. Gott drängt sich, im Gegensatz zu Menschen und Dingen dieser Welt, nicht auf… und schwupp ist die Zeit, die ich fĂĽr ihn reservieren wollte, wieder anderweitig belegt. NatĂĽrlich mĂĽssen wir gewisse Dinge tun. Aber die sollten WIR im Griff haben und nicht sie UNS! Wer einfach so in den Tag hineinlebt, in der Hoffnung, es werde sich schon Zeit mit Gott ergeben, wird abends feststellen, dass sich alles Mögliche ergeben hat, nur nicht die Gebetszeit…daher mĂĽssen wir angemessen handeln: erst die Pflöcke (Zeit mit Gott) einschlagen und den Rest darum herum gestalten.

Gespräch mit Christus: Herr, ich mache mir ständig Gedanken darĂĽber, wie ich es hinbekommen soll, in deinem Sinne zu handeln, nichts Wichtiges zu verpassen, fĂĽr meine Mitmenschen zu sorgen und dabei selber auch noch etwas vom Leben zu haben. 95 % dieser Gedanken könnte ich mir vermutlich sparen, weil du viel besser fĂĽr alles sorgst, als ich es je könnte.

Vorsatz: Ich werde mir fĂĽr heute vornehmen, Jesus fĂĽr meine Angelegenheiten sorgen zu lassen. Das Einzige, was ich dazu beitragen werde, ist: meine Gebetszeiten festzulegen und einzuhalten.


Frommes Fleisch bringt gar nichts

31. Dezember 2021

7. Tag der Weihnachtsoktav
Hl. Silvester I., Papst

Beate Scheilen

Lk 1,1-18
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst. Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen fĂĽr das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen fĂĽr das Licht. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. Johannes legte Zeugnis fĂĽr ihn ab und rief: Dieser war es, ĂĽber den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. Aus seiner FĂĽlle haben wir alle empfangen, Gnade ĂĽber Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, ich möchte diese Zeit ganz bewusst an deinem Herzen verbringen. Du bittest unaufhörlich um die Liebe jedes Menschen; ich möchte dir heute meine Liebe geben.

Bitte: Herr, schenke mir Aufmerksamkeit fĂĽr die Botschaft, die du heute fĂĽr mich ganz persönlich hast.

1. Ein ganz besonderer Text. Jeder Evangelist hat seinen eigenen Einstieg ins Leben Jesu: Matthäus beginnt mit dem Stammbaum, Markus lässt gleich den Täufer auftreten, Lukas klärt erstmal seine Quellen ab, und Johannes beginnt mit einem Text, der nicht nur fĂĽr Christen zum Beeindruckendsten gehört, was je geschrieben wurde. Der Prolog des Johannesevangeliums wurde bis zur Liturgiereform nach jeder heiligen Messe vorgetragen und stellte eine Segensformel dar. Das Wort Gottes soll vom Altar in die ganze Welt hinausgehen – so wie der gottgleiche Logos vom Vater aus in die Welt hineingegangen ist, um sie mit Licht und Leben zu erfĂĽllen.

2. Voller Pracht wird die Nacht… Leider findet das Wort in der Welt nicht die verdiente Aufnahme; das begann schon in Betlehem und setzte sich bis Golgota und darĂĽber hinaus fort. Unser Schöpfer kommt zu uns – und die Menschen lehnen ihn ab! Es gibt nur zwei Erklärungsmöglichkeiten: Entweder Jesus ist nicht Gott und wir weisen ihn zurĂĽck wie einen Fremden, der unberechtigte AnsprĂĽche stellt (Antwort ohne Glauben) – oder er ist Gott, und mit uns stimmt etwas nicht, weil wir ihn nicht erkennen, denn seit dem SĂĽndenfall leben wir ja quasi im Dunkeln, ĂĽbernatĂĽrlich gesehen (Antwort im Glauben). Das zeigt uns den Glauben unter dem Aspekt, dass er ein reines Geschenk von oben ist. Aus sich heraus kann die Finsternis (wir als Unerlöste) ihn nicht erfassen. Und wenn wir ihn erfassen, sind wir schon in seinem Licht, aus Gnade. Vielleicht kann man es auch so deuten, wie ich es als Kind immer verstanden habe: Die Dunkelheit hat das Licht nicht ergreifen (packen) können – d.h. sie hat es nicht auszulöschen vermocht. In einem alten Kirchenlied heiĂźt es: „Du erleuchtest alles gar, was jetzt ist und kommt und war. Voller Pracht wird die Nacht, weil dein Glanz sie angelacht“.

3. Die Macht zum Kindsein. Wenn ich Jesus in mein Leben aufnehme, dann kann selbst aus dem Dunkel, in dem ich bisher gelebt habe, noch etwas Prächtiges werden! Denn „allen die ihn aufnahmen, gab er die Macht, Kinder Gottes zu werden.“ Was bedeutet das? Seit wann braucht man Macht, um ein Kind zu werden? Auf biologischer Ebene ist das ĂĽberflĂĽssig, man wird halt geboren und hat nichts dazu beigetragen– aber um ein Kind Gottes, um auf ĂĽbernatĂĽrlicher Ebene neu geboren zu werden, muss eine Macht wirksam werden, die nicht „aus dem Willen des Fleisches“ kommt, sondern ganz und gar ein Geschenk Gottes ist. Mose hat das Gesetz gegeben. Gesetze zu befolgen, ist auf der natĂĽrlichen Ebene möglich – „das Fleisch“ muss halt nur ein wenig fromm werden. Aber das bringt letztlich nichts. Was Jesus uns schenkt – „Gnade und Wahrheit“ – ist fĂĽr die menschliche Natur unerreichbar, es sei denn, sie öffnet sich und lässt es sich schenken. Das anzuerkennen und sich von Gott umwandeln zu lassen, das heiĂźt, „an seinen Namen glauben“. Es ist doch so leicht – wir brauchen gar nichts dafĂĽr zu leisten! Tun wir uns vielleicht gerade deshalb damit so schwer?

Gespräch mit Christus: Ich merke immer wieder, Herr, wie sehr ich ein Kind unserer Zeit bin. Deren Maxime lautet: Jeder ist fĂĽr sein GlĂĽck oder UnglĂĽck selbst verantwortlich. Also versuchen auch jede Menge Christen ständig, sich selbst zu erlösen: durch richtiges Verhalten, viele Gebete, soziale Tätigkeiten… Das sind ja alles gute Sachen – aber sie sind doch nicht die Eintrittskarte fĂĽr den Himmel! Sie sind das, was man von Herzen gerne gibt, wenn man diese Eintrittskarte geschenkt bekommen hat. Hilf mir bitte, das bei allen Aktivitäten nie zu vergessen! Schreibe es in mein Herz.

Vorsatz: Ich will heute in der Gewissheit leben, ohne Vorleistung von Christus angenommen zu sein. Dazu schenke ich ihm alle Momente des Schweigens und betrachte die ein oder andere ĂĽbers Jahr empfangene Gabe.


Engelchor und Alltagsleben

1. Januar 2022

Neujahr
Oktavtag von Weihnachten
Hochfest der Gottesmutter Maria

Beate Scheilen

Lk 2,16-21
In jener Zeit eilten die Hirten nach Betlehem und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie von dem Wort, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über das, was ihnen von den Hirten erzählt wurde. Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für alles, was sie gehört und gesehen hatten, so wie es ihnen gesagt worden war. Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, bevor das Kind im Mutterleib empfangen war.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, ich möchte diese Zeit ganz bewusst an deinem Herzen verbringen. Du bittest unaufhörlich um die Liebe jedes Menschen; ich möchte dir heute meine Liebe geben.

Bitte: Herr, schenke mir Aufmerksamkeit fĂĽr die Botschaft, die du heute fĂĽr mich ganz persönlich hast.

1. Provokante Gegensätze. Gerade noch haben die Hirten den Himmel auf Erden gesehen – in Gestalt von Engeln, die Gott Loblieder auf den neugeborenen Erlöser der Welt singen. Unter diesem Eindruck lassen die Männer ihre Herden im Stich (ein erhebliches Risiko!) und laufen nach Betlehem, um diesen Erlöser zu sehen. Was finden sie vor? Einen Stall, ein Baby im Futtertrog, und seine Eltern, offensichtlich arme Leute. Der Gegensatz zwischen den himmlischen Heerscharen und der irdischen Realität ist so krass, dass es eines groĂźen Glaubens und einer schlichten Haltung bedarf, um sich nicht auf dem Absatz umzudrehen und zu sagen: „Das kann ja wohl nicht wahr sein!“

2. Ab jetzt ist (fast) alles anders. Die Hirten haben diesen Glauben, erstaunlicherweise und sicher nur mit Gottes Hilfe. Sie erzählen von ihren Erlebnissen und gehen dann zurĂĽck in ihren Alltag, Gott dankend fĂĽr alles, was ihnen geschenkt wurde. Wir dĂĽrfen annehmen, dass ihr Leben genauso ablief wie vorher - und dass doch alles ganz anders geworden war. FĂĽr die allermeisten Menschen verändert die Begegnung mit Jesus Christus nicht die äuĂźeren Lebensumstände, es sei denn, Gott schenkt dafĂĽr eine besondere Berufung. Jemand, der im Erwachsenenalter eine Bekehrung erlebt, kann, was gut war, äuĂźerlich genauso weiterleben wie vorher. Aber sein inneres Leben, seine Sicht auf die Welt, wird völlig erneuert – und darauf kommt es an!

3. Nomen est omen. Mit der Beschneidung wurde jedes männliche Kind in das auserwählte Gottesvolk aufgenommen. Nicht dass Jesus dieses Aufnahmeritual nötig gehabt hätte… Aber auch hier stellt er sich unter das Gesetz. Wie schon sein Cousin Johannes, so erhält auch Jesus bei der Beschneidung den Namen, den der Engel bei der AnkĂĽndigung seiner Geburt genannt hatte. Entgegen dem ĂĽblichen Vorgehen haben in beiden Fällen nicht die Eltern den Namen des Kindes ausgesucht, sondern Gott teilt mit, wie das Kind heiĂźen soll. Bedenkt man die Wichtigkeit der Namensgebung in der damaligen Kultur – wer den Namen vergab, hatte die Autorität ĂĽber die benannte Person – so ist klar, warum dies geschieht. Jesus bedeutet „Gott rettet“. Der Name ist Programm.

Gespräch mit Christus: Jesus, du bist so ganz anders aufgetreten, als man es von einem Herrscher erwartet. Dieses Anderssein ist im Laufe der Zeit in deiner Kirche – zumindest hier in Europa – ziemlich untergegangen. Vielleicht laufen die Veränderungen, die jetzt unĂĽbersehbar kommen werden, darauf hinaus: dass die Kirche den Geist der Welt, den sie so stark angenommen hat, abwirft, um dir wieder ähnlicher zu werden. Glaube ich daran, dass eine im weltlichen Sinne machtlose Kirche mehr ĂĽbernatĂĽrliche Macht hat als eine noch so gut situierte und gesellschaftlich angepasste Version ihrer selbst?

Vorsatz: Welcher Gegensatz zwischen himmlischer AnkĂĽndigung und irdischer Realität fordert meinen Glauben am meisten heraus? DarĂĽber möchte ich heute mit Jesus sprechen.