Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 14. November 2021 bis Samstag 20. November 2021

DreiunddreiĂźigste Woche im Jahreskreis

P. Thomas Fox LC

Wie geht Neuschöpfung?Sonntag
Beten, um Gott zu schauenMontag
Ein BegegnungsfallDienstag
Das MoratoriumMittwoch
Jesus ist der FriedeDonnerstag
Ein Haus des GebetsFreitag
Kein Gott von Toten, sondern von LebendenSamstag


Wie geht Neuschöpfung?

14. November 2021

DreiunddreiĂźigster Sonntag im Jahreskreis

P. Thomas Fox LC

Mk 13,24-32
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: In jenen Tagen, nach jener Drangsal, wird die Sonne verfinstert werden und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn in Wolken kommen sehen, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels. Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, erkennt ihr, dass der Sommer nahe ist. So erkennt auch ihr, wenn ihr das geschehen seht, dass er nahe vor der Tür ist. Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles geschieht. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, es ist seltsam, aber ich denke oft, die Welt wĂĽrde immer weiter wie bisher ihren gewohnten Gang gehen und nehme wirklich an, der nächste Tag sei mir sicher. Ich wĂĽnsche es mir, träume davon und plane entsprechend. Aber das ist sehr „weltlich“ gedacht. Danke, dass du mir diese vermeintliche Sicherheit nimmst und immer wieder meine Erwartungen durchkreuzt! BerĂĽhre mich jetzt und lass mich mein Herz deinem Geist öffnen, der alles erneuert.

Bitte: Herr, wenn in meinem Leben alles aus den Fugen gerät, dann bleibe du bei mir. Sei du mir Zuflucht und Burg. Dein Wort sei fĂĽr mich wie ein Fels in der Brandung.

1. Aus der Traum… von der stets gleichbleibenden Welt. Wie Jesus hier klarstellt, ist sein Wort „härter“ als die Realität dieser Welt. Es stößt sie einfach um. Und das ist alles schon geschehen und im Geschehen! Befinden wir uns nicht seit langer Zeit ständig in einem solchen Umsturz? Als Ferdinand Magellan 1519 die Welt zum ersten Mal umsegelte und damit bewiesen war, dass die Erde rund wie ein Globus und nicht flach wie eine Scheibe ist, ging ein altes Weltbild zu Bruch. Und wie haben Galileo Galilei und die „wissenschaftliche Revolution“ unser Weltbild verändert, als klar wurde, dass die Erde nicht im Zentrum des Universums steht, sondern sich irgendwo am Rande der MilchstraĂźe befindet? Verringerte das nicht den Glanz unserer Sonne und des Mondes? Fielen damit nicht die Sterne aus dem perfekt geglaubten Himmel herab? Und mĂĽssen wir uns seitdem nicht ständig in immer atemberaubenderem Tempo auf neue Revolutionen einstellen, auf eine Welt, in der scheinbar alles in Fluss geraten ist? Wie viele Revolutionen haben sich seitdem ereignet: industrielle, politische, soziale, technische!

2. Woran kann man sich festhalten? Bei der Endzeitrede Jesu empfinden wir sehr stark, dass unser Erkennen StĂĽckwerk ist. Es wäre schon ein Erfolg, wenn wir daran auch nur einen Punkt festmachen könnten: Woran kann man sich bei der alles in ihren Sog ziehenden Dynamik der kosmischen Umwälzungen ĂĽberhaupt noch festhalten? UnwillkĂĽrlich erinnere ich mich an die Darstellung Michelangelos vom JĂĽngsten Gericht (Sixtinische Kapelle). Der Ruhepunkt ist die Person Jesu Christi selbst. Er, „das Wort“, wird nicht vergehen. Er ist einerseits die Kraft, die alles in Bewegung hält, andererseits die Hand, die uns aus allen PrĂĽfungen errettet.

3. Jesus Christus, Ruhepol und innerster Beweger durch den Geist. Der Anfang einer Hymne im Stundengebet lautet: „Du starker Gott, der diese Welt im Innersten zusammenhält, du Angelpunkt, der unbewegt den Wandel aller Zeiten trägt…“ – Hier haben wir das groĂźe Bild vor Augen, das Wirken Gottes im äuĂźeren Kosmos. Wenn wir betrachten wollen, wie Gott im Kleinen, in uns persönlich, wirkt, ist das rechte Bild der Dialog. Denn Gott verwandelt uns, indem er zu unserem Herzen spricht. Das versucht Jesus Nikodemus bei einer nächtlichen Begegnung zu erklären: Die Neugeburt im Heiligen Geist macht den Menschen gehorsam gegenĂĽber Gottes Eingebungen. Wo der Wind, der Heilige Geist, wehen will, dort setzt sich der neue Mensch fĂĽr Gottes Reich ein. Die Quelle dieser Gnade aber ist das Kreuz („der Menschensohn muss erhöht werden“).

Gespräch mit Christus: Jesus, wenn ich mich offen und ehrlich von dir gestalten lasse, bringt mich das immer wieder vor dein Kreuz, wo mir alle Begriffe zerbrechen! Es läuft auf die Entscheidung hinaus, ob ich mein Leben behalten will oder bereit bin, es zu verlieren. Solange ich auf dich schaue und dein Bild vor meinem geistigen Auge bewahre, habe ich die Kraft, dir zu folgen. Bleibe bei mir in Gedanken, Worten und Werken, im Sakrament. Herr, bleibe bei mir und bei uns!

Vorsatz: Mir heute einen Neuanfang schenken lassen, z.B. indem ich mich von einem Wort Gottes treffen lasse, vom Anblick eines leidenden Menschen, vom immer neuen Geschenk der Zeit und der Ewigkeit.


Beten, um Gott zu schauen

15. November 2021

Montag der dreiunddreiĂźigsten Woche im JahreskreisHl. Albert der GroĂźe, Bischof, Kirchenlehrer
Hl. Leopold, Markgraf

P. Thomas Fox LC

Lk 18,35-43
Als Jesus in die Nähe von Jericho kam, saß ein Blinder an der Straße und bettelte. Er hörte, dass viele Menschen vorbeigingen, und fragte: Was hat das zu bedeuten? Man sagte ihm: Jesus von Nazaret geht vorüber. Da rief er: Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Die Leute, die vorausgingen, wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Jesus blieb stehen und ließ ihn zu sich herführen. Als der Mann vor ihm stand, fragte ihn Jesus: Was soll ich dir tun? Er antwortete: Herr, ich möchte wieder sehen können. Da sagte Jesus zu ihm: Du sollst wieder sehen. Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen. Da pries er Gott und folgte Jesus. Und alle Leute, die das gesehen hatten, lobten Gott.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, frĂĽher spĂĽrte ich deine Gegenwart im Gebet und in jedem Gotteshaus deutlich und klar, ganz spontan. Mittlerweile scheint meine Seele in ein seltsames Dämmerlicht gehĂĽllt und je mehr ich deine Nähe suche, desto blinder komme ich mir vor. Es ist irgendwie Karsamstag. Du scheinst tot zu sein und der Ostersonntag will noch nicht kommen. Eine Zeit des stillen Wartens und Hoffens. Eine Zeit der Losschälung, der Verinnerlichung und der Ausbildung tieferer Gewissheiten.

Bitte: Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!

1. Sich mit dem verborgenen Gott verbergen. Wer ist eigentlich dieser Blinde am Wegesrand? Das bin ich! SpĂĽren Sie das nicht auch: „Nach Jahren des BemĂĽhens im Gebet, wenn wir uns bereits mit einer gewissen Intensität nach Gott sehnen, können wir feststellen, dass die innere Dunkelheit, die einen verborgenen Gott verbirgt, zum gewohnten Rahmen fĂĽr das Gebet geworden ist. Die Begegnung mit Gott im Gebet ist in die Dunkelheit der Schatten gehĂĽllt. Es ist, als ob alle Lichter ausgeschaltet und ein Raum in Dunkelheit getaucht werden mĂĽsse, um seine tatsächliche Gegenwart sicherer zu erkennen.“ Auch mir hilft es immer wieder, gerade in Zeiten geistiger Sehschwäche, mich irgendwo mit dem Verborgenen (Gott) zu verbergen, um ihm sicherer zu begegnen. In Einsamkeit, Stille und Abgeschiedenheit.

2. Der Segen der noch unerfĂĽllten Sehnsucht. Zuerst „rief“ der blinde Bartimäus seinen Satz aus: „Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“. Dann „schrie“ er diese Worte noch viel lauter in die Runde, denn er wusste ja nicht, wo Jesus sich gerade befand und ob er im nächsten Moment noch zu erreichen wäre. – Wenn die Zeit des Gebets langsam verstreicht und immer noch nichts passiert ist, dann wird meine Seele oft unruhig und meine Bitte intensiver. Sie wird zum Schrei… ein Schrei ist eine LebensäuĂźerung. Nur was lebt, kann aufschreien. Im Aufschrei kommt die Tiefe der Sehnsucht geballt zum Ausdruck: Wir wollen Gott schauen. Aber unsere Sehnsucht muss geweitet werden, um mehr von Gott aufnehmen zu können, unsere vorgefertigten MaĂźstäbe mĂĽssen zerbrechen. Wir mĂĽssen spĂĽren: Von unserer Seite aus können wir nichts tun, auĂźer uns offen zu halten: „Offensichtlich ist es eine notwendige Blindheit, wenn wir eines Tages das Antlitz unseres gekreuzigten Herrn sehen wollen, und sie wird nicht durch irgendeine Anstrengung von unserer Seite aus aufgelöst. Sie muss als Segen angenommen und umarmt werden, insofern sie die Gegenwart unseres Herrn in einem größeren Geheimnis verbirgt.“

3. Das Wunder der Zuwendung Gottes zu seinem Geschöpf. Es heiĂźt hier weiter im Evangelium: „Jesus blieb stehen.“ – Dass unsere Bitte bis zu ihm vordringt und er ihr Gehör schenkt, wagen wir oft kaum zu hoffen. Warum sollte ein so hoher Herr sich mit mir und meinen WĂĽnschen befassen? Andererseits aber, warum „sollte der nicht hören, der das Ohr gepflanzt hat?“ Und weiter: „Und er lieĂź ihn zu sich herfĂĽhren.“ – Das heiĂźt, Jesus liegt etwas an der persönlichen Begegnung mit mir: Er will mir beim Gebet in die Augen schauen und meine Worte von meinen Lippen ablesen. Er will mir direkt ins Herz schauen, so wie ich mich danach sehne, es bei ihm zu tun… Aber was dann kommt, scheint dann wirklich zu viel: Jesus fragt uns: „Was soll ich dir tun?“ – Kann Jesus uns seine Zuwendung noch deutlicher machen?

Gespräch mit Christus: Herr, du formst mich im Gebet. Unmerklich merklich nimmst du mich bei der Hand und ich will dir erlauben, mich zu fĂĽhren, während ich nichts sehe… Schenke mir die Gewissheit deiner verborgenen Gegenwart jenseits aller inneren Schranken, die ich noch nicht ĂĽberschritten habe. Lass mich so deine Gegenwart erahnen, selbst wenn ich im Gebet die Dunkelheit erleide: „Eine feste Ăśberzeugung sollte so ausschauen, dass sich auf der anderen Seite dieser Finsternis der Geliebte verbirgt und auf unsere Seele wartet.“

Vorsatz: Ich werde heute im Gebet dem verborgenen Gott den Aufschrei seiner Geschöpfe, wie er aus vielen Herzen aufsteigt, vortragen.


Ein Begegnungsfall

16. November 2021

Dienstag der dreiunddreiĂźigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Margarete von Schottland, Königin

P. Thomas Fox LC

Lk 19,1-10
In jener Zeit kam Jesus nach Jericho und ging durch die Stadt. Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich. Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein. Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste. Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein. Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf. Als die Leute das sahen, empörten sie sich und sagten: Er ist bei einem Sünder eingekehrt. Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück. Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist. Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, du hast einmal zu deinen JĂĽngern gesagt, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in den Himmel kommt. Hier ist ein solcher Reicher wie ich, Zachäus, und du hast es geschafft, ihn fĂĽr dein Reich zu gewinnen. Was muss passieren, damit dieses Wunder geschieht? Wie kann ich dir heute so begegnen wie er? Ich möchte lernen, wie meine Begegnung mit dir heute echt und fruchtbar werden kann.

Bitte: Zeige mir, Jesus, was du vermagst, wenn ich keine Möglichkeit mehr sehe und schenke mir eine echte Begegnung mit dir!

1. Zachäus. Die Leute dachten alle ähnlich ĂĽber Zachäus: „Er ist ein SĂĽnder, eine pechschwarze Seele! Bei dem ist alle LiebesmĂĽh vergeblich, Hopfen und Malz verloren.“ Und oft denken wir, dass andere so ĂĽber uns denken. Trotzdem traf das, was die meisten ĂĽber ihn dachten, nicht zu. Der Zollpächter war irgendwie ein Mensch wie wir alle: Ja, es gab ĂĽble Neigungen in ihm, aber auch sehr gute. Hand aufs Herz, in jedem von uns tobt der Kampf zwischen Gut und Böse! Wir alle tragen in unserem Gewissen dunkle und helle Zonen und die Frontlinien verschieben sich ständig, ja, sie verlaufen nicht nur am äuĂźersten Rande, sondern mitten durch unser Herz. Worauf es aber ankommt, ist, dass wir uns als Kinder des Lichts, als Kinder Abrahams, entpuppen und entpuppen wollen – mit Entschlossenheit! Dann haben wir wieder eine Chance.

2. Wo war der Wendepunkt? Wie geht Jesus auf Zachäus zu, was lernen wir hier ĂĽber ihn? – Auf jede kleine Geste der Neugierde, auf jeden Funken der Aufmerksamkeit und der Suche nach Gott hin richtet der Herr seinen Blick auf uns (wie auf Zachäus), spricht unseren Namen aus und bittet freudig um Einlass in unser Herz. Das ĂĽberrascht, denn wir Menschen erwarten gewöhnlich von anderen, und deswegen auch von Gott, Reserviertheit, wenn nicht offene, so doch heimliche Kritik. Aber Jesus ist das ungetrĂĽbte göttliche Licht und er schaut deshalb immer mit Hoffnung auf das Gute in uns und lädt uns ein, Gutes zu tun, unsere Fähigkeiten und Mittel fĂĽr ihn und sein Reich einzusetzen. Und sein heller Blick befreit!

3. Befreiung zum Guten. Wenn wir ehrlich sind, warten wir schon immer und jeden Tag auf so eine ĂĽberwältigend nette Einladung, auf einen Menschen wie Christus, der unsere wahren Fähigkeiten erkennt, uns wirklich schätzt, ĂĽber unsere Unebenheiten hinwegsieht und dadurch fĂĽr all das Gute befreit, das in uns gelegt ist. Immer wenn wir ĂĽberrascht wahrnehmen, dass jemand uns nicht ablehnt, sondern sich uns zuwendet, uns kennt, bei uns sein will und darĂĽber Freude empfindet, dann befreit uns diese Person von den Fesseln der Menschen- und Gottesfurcht. Und die Begegnung setzt in uns ungeahnte Kräfte frei, die uns befähigen, uns mit Freude fĂĽr Gott und fĂĽr andere zu verschwenden. Bitten wir den Herrn um eine solche Begegnung mit ihm und darum, dass er uns Menschen gibt, die sie uns schenken. Vielleicht kann auch ich so ein Mensch fĂĽr andere sein.

Gespräch mit Christus: Herr, ich bin auf die innere Begegnung mit dir angewiesen. Nur du kannst mich fĂĽr das Gute befreien, das du in mich gelegt hast. Lass mich dich in der Hoffnung suchen, dir im Glauben begegnen, und in Liebe antworten.

Vorsatz: Ich werde heute oftmals als StoĂźgebet sagen: „Jesus Christus ist der Herr!“ auf ihn schauen und mich von ihm befreien lassen.


Das Moratorium

17. November 2021

Mittwoch der dreiunddreiĂźigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Gertrud von Helfta, Ordensfrau, Mystikerin

P. Thomas Fox LC

Lk 19,11-28
In jener Zeit meinten die Menschen, weil Jesus schon nahe bei Jerusalem war, das Reich Gottes werde sofort erscheinen. Daher erzählte er ihnen ein weiteres Gleichnis. Er sagte: Ein Mann von vornehmer Herkunft wollte in ein fernes Land reisen, um die Königswürde zu erlangen und dann zurückzukehren. Er rief zehn seiner Diener zu sich, verteilte unter sie Geld im Wert von zehn Minen und sagte: Macht Geschäfte damit, bis ich wiederkomme. Da ihn aber die Einwohner seines Landes hassten, schickten sie eine Gesandtschaft hinter ihm her und ließen sagen: Wir wollen nicht, dass dieser Mann unser König wird. Dennoch wurde er als König eingesetzt. Nach seiner Rückkehr ließ er die Diener, denen er das Geld gegeben hatte, zu sich rufen. Er wollte sehen, welchen Gewinn jeder bei seinen Geschäften erzielt hatte. Der erste kam und sagte: Herr, ich habe mit deiner Mine zehn Minen erwirtschaftet. Da sagte der König zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger Diener. Weil du im Kleinsten zuverlässig warst, sollst du Herr über zehn Städte werden. Der zweite kam und sagte: Herr, ich habe mit deiner Mine fünf Minen erwirtschaftet. Zu ihm sagte der König: Du sollst über fünf Städte herrschen. Nun kam ein anderer und sagte: Herr, hier hast du dein Geld zurück. Ich habe es in ein Tuch eingebunden und aufbewahrt; denn ich hatte Angst vor dir, weil du ein strenger Mann bist: Du hebst ab, was du nicht eingezahlt hast, und erntest, was du nicht gesät hast. Der König antwortete: Aufgrund deiner eigenen Worte spreche ich dir das Urteil. Du bist ein schlechter Diener. Du hast gewusst, dass ich ein strenger Mann bin? Dass ich abhebe, was ich nicht eingezahlt habe, und ernte, was ich nicht gesät habe? Warum hast du dann mein Geld nicht auf die Bank gebracht? Dann hätte ich es bei der Rückkehr mit Zinsen abheben können. Und zu den anderen, die dabeistanden, sagte er: Nehmt ihm das Geld weg, und gebt es dem, der die zehn Minen hat. Sie sagten zu ihm: Herr, er hat doch schon zehn. (Da erwiderte er:) Ich sage euch: Wer hat, dem wird gegeben werden; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Doch meine Feinde, die nicht wollten, dass ich ihr König werde - bringt sie her, und macht sie vor meinen Augen nieder! Nach dieser Rede zog Jesus weiter und ging nach Jerusalem hinauf.

EinfĂĽhrendes Gebet: Komm, Heiliger Geist, bete in mir, wirke in mir, lebe in mir! Komm, du Geist der Dienstbereitschaft, der aufrichtigen Hingabe an meinen Herrn und seine Sache! Suche mich auf, finde mich und ergreife mich! Nimm mein ganzes Sein in Besitz, damit ich fĂĽhle, denke und tu´, was dir entspricht. Lass mich das GlĂĽck erfahren, dem rechten Herrn zu dienen, dem wahren König, dem alle Ehre und Hingabe gebĂĽhrt.

Bitte: Herr, nimm meinen Dienst an und lass ihn dir gefallen!

1. â€žNoch nicht sofort.“ Als Jesus, seine JĂĽnger und das mitziehende Volk nicht mehr weit von Jerusalem entfernt waren und der Einzug in der Stadt nur noch wenige Tage bevorstand, befand sich die Stimmung der Menschen auf einem Höhepunkt: so viele Heilungen, Bekehrungen, AufbrĂĽche, VerheiĂźungen! Und jetzt die Begegnung mit der Heiligen Stadt! Es erstaunt nicht, dass viele meinten, das Reich Gottes wĂĽrde nun sofort erscheinen. Jesus, der die um ihn kursierenden GerĂĽchte aufmerksam mitverfolgte, nahm das zum Anlass, falsche Hoffnungen zu berichtigen und was „schon jetzt“ erwartet wurde als „vorerst noch nicht“ zu prophezeien. Das Gleichnis von den Minen verkĂĽndet ein solches Moratorium, das besagt, dass sich das Reich noch nicht sofort offenbaren wird, dass der Aufschub aber noch größere FrĂĽchte fĂĽr das Reich hervorbringen wird – wenn wir uns von ihm in Dienst nehmen lassen.

2. Das „ferne Land“ und die „KönigswĂĽrde“. Der „Mann vornehmer Herkunft“ ist Christus Jesus selbst, der in ein „fernes Land“ reist, das heiĂźt, zu seinem Vater geht, – dorthin also, wohin ihm niemand folgen kann, ohne zu sterben. Konkret heiĂźt das, dass der Erlösertod am Kreuz fĂĽr ihn Tor und Durchgang zu seinem himmlischen Vater wird. Vor ihm angelangt, wird er sich mit seinen fĂĽnf Wunden – mit seiner Hingabe in vollendeter Liebe fĂĽr das eigene Volk – als der ausweisen, der die KönigswĂĽrde wirklich verdient, und er wird sie von Gott Vater empfangen. Gibt es einen wĂĽrdigeren Anwärter darauf, ĂĽber unsere Seelen zu herrschen?

3. Der Sinn des Moratoriums: „Macht Geschäfte, bis ich wiederkomme.“ Ein solcher König hat nichts rein Weltliches oder Irdisches im Sinn, wenn er seine Diener damit beauftragt, „Geschäfte“ zu machen. Die „Mine“, die er ihnen ĂĽbergibt, ist weniger ein Geldbetrag als das Vermächtnis seiner Liebe, der Preis der Erlösung: sein kostbares Blut, die Eucharistie, sein Liebe verströmendes Herz. Es geht auch nicht darum zu vergleichen, wie viele FrĂĽchte jeder einfährt, denn im Reich des Herrn freut sich jeder ĂĽber den Erfolg anderer und das Heil aller steht im Mittelpunkt. Jeder hofft, dass alle sich gerade im Kleinsten als zuverlässig erweisen, denn ein einziger Akt uneigennĂĽtziger Liebe, vollzogen im Geist der Demut und Dienstbereitschaft, ist göttlich, strahlt von selbst, erinnert an den Herrn und ist mehr wert als tausend publikumswirksame Taten. Wer aber in dieser Liebe untätig war und nicht im Kleinsten investiert hat, der muss wahrlich um seine Aufnahme fĂĽrchten.

Gespräch mit Christus: Herr, dieses „…bis ich wiederkomme“ erinnert mich an das „Geheimnis des Glaubens“, das wir nach der Wandlung sprechen: „Deinen Tod, o Herr, verkĂĽnden wir, deine Auferstehung preisen wir, …bis du kommst in Herrlichkeit!“ Ja, du kommst wieder, und solange will ich deiner Sache dienen, deine Hingabe am Kreuz verkĂĽnden und deine Auferstehung preisen. Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst und lass mich dich eines Tages ohne Schleier sehen!

Vorsatz: Ich werde an die Kraft einzelner Akte der Nächstenliebe glauben und einige davon in der Verborgenheit meines Herzens ĂĽben – im Denken und Reden und so auch im Tun.


Jesus ist der Friede

18. November 2021

Donnerstag der dreiunddreiĂźigsten Woche im Jahreskreis
Weihetag der Basiliken St. Peter und St. Paul in Rom

P. Thomas Fox LC

Lk 19,41-44
In jener Zeit, als Jesus näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie und sagte: Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was dir Frieden bringt. Jetzt aber bleibt es vor deinen Augen verborgen. Es wird eine Zeit für dich kommen, in der deine Feinde rings um dich einen Wall aufwerfen, dich einschließen und von allen Seiten bedrängen. Sie werden dich und deine Kinder zerschmettern und keinen Stein auf dem andern lassen; denn du hast die Zeit der Gnade nicht erkannt.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, bevor ich dir mein Gebet als Opfergabe darbringe, will ich mich mit meinen Mitmenschen und mit mir selbst aussöhnen. – Ich ĂĽberdenke kurz meine Beziehungen und halte sie dir, Herr, versöhnungsbereit hin. – Wo mich noch Unzufriedenheit erfĂĽllt oder Wunden quälen, bitte ich dich jetzt um Heilung, Frieden und Aussöhnung.

Bitte: Herr, heile mich bis auf den Grund! Lass die Tränen, die du weinst, mir ein Trost sein. Tröste damit alle Trauernden!

1. Der Friedenskönig. An der Stelle, wo der Herr der Tradition nach ĂĽber die Stadt Jerusalem geweint hat, steht heute eine Kapelle namens „Dominus flevit“ – lateinisch fĂĽr „der Herr weinte“. Auf dem Ă–lberg der Stadt gegenĂĽber gelegen, wurde sie baulich in Form einer Träne gestaltet. Hier flossen also seine Tränen. – Ja, wir bedenken seltener, dass Jesus als Mensch die KönigswĂĽrde besaĂź und dass er das Scheitern seiner MĂĽhen um sein Volk als bitter empfunden haben muss. Weniger aufgrund der Ablehnung, die er selbst erfuhr als aufgrund der tragischen Folgen fĂĽr sein Volk. Er war gekommen, um den Frieden zu bringen. Nun sah er sich gezwungen, in prophetischer Rede Ereignisse vorauszusagen, um deren traurige ErfĂĽllung wir alle wissen. Ein letztes Mal wird er noch bei seinem Einzug in Jerusalem als Friedenskönig auftreten und zum Zeichen hierfĂĽr auf einem friedvollen Tier, einem Esel, reiten.

2. Wer auf Friedensmission geht, darf sich durch nichts davon abbringen lassen. Es gab fĂĽr den Herrn zwei Momente des Scheiterns seiner Sendung zu seinem Volk: die seines Wirkens in Galiläa und die seines Wirkens in Judäa. Den Moment des ersten Misslingens in Galiläa bezeichnet seine Rede in der Synagoge von Kafarnaum, wo er ĂĽber das Brot des Lebens sprach. Auf diese „harte Rede“ hin wandten sich viele von ihm ab. Den zweiten Moment bezeichnet seine Verurteilung zum Tod seitens des Sanhedrins wegen Gotteslästerung. Jesus musste diese herben Enttäuschungen auch menschlich zu verkraften wissen. Das Messiasbekenntnis des Petrus, das in die Zeit seines Wirkens in Galiläa fällt, mag ihn damals getröstet haben, doch er wusste sehr wohl, worauf er in Jerusalem noch zugehen wĂĽrde. Letzteres beweisen die ersten LeidensankĂĽndigungen, ebenso aus dieser Zeit. Jedenfalls wandte er sich entschlossen nach Jerusalem (vgl. Lk 9,51).

3. â€žEr wird der Friede sein“ Trotz seines Scheiterns bleibt es fĂĽr alle Zeiten dabei: Wo Jesus Aufnahme findet, kehrt Frieden ein, sowohl im Herzen einzelner Menschen wie im Herzen der Gesellschaft. Als Jesus in Betlehem in Judäa geboren wurde, verkĂĽndeten Engel den Frieden auf Erden, denn seine Menschwerdung war das grundlegende Versöhnungswerk, Gott und Mensch waren in ihm untrennbar eins geworden. Diese Erlösung entfaltet sich in seinem Tun und findet ihre Vollendung im Erlösungswerk am Kreuz, wo er uns den Frieden gebracht hat. Paulus beschreibt es so: „Er … riss durch sein Sterben die trennende Wand der Feindschaft nieder. Er hob das Gesetz samt seinen Geboten und Forderungen auf… Er stiftete Frieden… Er hat in seiner Person die Feindschaft getötet.“ Durch die demĂĽtige Annahme seines äuĂźeren Scheiterns am Kreuz hat Jesus seinem Volk und uns allen den Weg eröffnet, Frieden mit Gott und dem Nächsten zu schlieĂźen. EndgĂĽltig.

Gespräch mit Christus: Herr, beim FriedensgruĂź sprechen wir uns gegenseitig deinen Frieden zu. Herrscht jetzt dein Frieden in mir? Habe ich deine Stimme sanft in mir vernommen: „Friede sei mit dir!“ Kann ich versöhnt und geheilt auf andere zugehen und ihnen etwas von dem Frieden spenden, den ich empfangen habe? Ich bitte dich, Herr, neu um deinen Frieden fĂĽr mein Herz!

Vorsatz: Ich werde versuchen, ein Werkzeug des Friedens zu sein – in Gesprächen, durch Gesten wie z.B. ein Lächeln und dadurch, dass ich auf Unannehmlichkeiten nicht unfreundlich reagiere.


Ein Haus des Gebets

19. November 2021

Freitag der dreiunddreiĂźigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Elisabeth von Thüringen, Landgräfin

P. Thomas Fox LC

Lk 19,45-48
In jener Zeit ging Jesus in den Tempel und begann, die Händler hinauszutreiben. Er sagte zu ihnen: In der Schrift steht: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein. Ihr aber habt daraus eine Räuberhöhle gemacht. Er lehrte täglich im Tempel. Die Hohepriester, die Schriftgelehrten und die übrigen Führer des Volkes aber suchten ihn umzubringen. Sie wussten jedoch nicht, wie sie es machen sollten, denn das ganze Volk hing an ihm und hörte ihn gern.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, du lehrst mich beten: „Geh in deine Kammer und schlieĂź die TĂĽr zu.“ – und du meinst damit meine ZimmertĂĽr, aber auch die Tore meiner fĂĽnf Sinne und die meiner Einbildungskraft, meines Gedächtnisses und meiner GefĂĽhlswelt, alles, wodurch von auĂźen Unruhe oder Unwesentliches in mein Herz eindringen kann. Gib mir die Kraft, diese TĂĽren jetzt wirklich sorgfältig zu schlieĂźen und den SchlĂĽssel im Schloss umzudrehen, denn das ist ein Moment der Gnade, in dem ich meinem Vater im Verborgenen begegnen will, weil er sich dort finden lässt.

Bitte: Mach mich zu einem wahren Beter/zu einer wahren Beterin!

1. Beten im Geist und in der Wahrheit: keine Routine. Dem Bericht des Evangeliums zufolge war zur Zeit Jesu aus dem Vorhof der Heiden, dem ersten Bezirk des Tempels, eine Gewerbehalle geworden. Heiliges und Unheiliges trafen dort unentwegt aufeinander. Die Verantwortlichen, die Hohepriester und die Tempelwache, drĂĽckten beide Augen zu. Jesus nicht. Manchmal brauchen auch wir in unserem Gebetsleben etwas, was uns kräftig aufrĂĽttelt, damit das Heilige wieder ganz zu seinem Recht kommt und das Gebet nicht nach unseren kleinlichen Vorstellungen läuft. Wir fĂĽrchten uns vor der wahren Begegnung, die uns verwandelt, und gehen deshalb mit einem Fingerhut zum Brunnen. Und dann wundern wir uns, dass wir im Herzen keine Tiefe und Weite mehr erfahren. Wir mĂĽssen im Gebet immer bereit sein, uns der Urkraft des Meeres aussetzen: dem lebendigen Gott.

2. â€žEin Haus des Gebets.“ Man kann es manchmal erspĂĽren, wie sehr bestimmte Personen im Gebet verankert sind. Die Gesten, die Worte, die Taten lassen es erahnen. Wer eine kontemplative Ader in sich spĂĽrt, der möchte gern selbst so etwas wie ein „Haus des Gebets“ sein. Ein solches Haus fĂĽhrt unweigerlich andere Menschen zur Begegnung mit Gott. Ich werde nie die Geste jenes alten Benediktinerpaters vergessen, der beim Betreten der Kapelle seinen Finger ehrfurchtsvoll auf den Mund legte, um uns, die wir noch am Reden waren, zur Stille aufzufordern. Wie leicht fällt es uns doch, die Stille in einer Kapelle nicht ganz zu respektieren. Denken wir an das GroĂźe, das Gott von hier aus in uns und anderen bewegen will und kann!

3. Gegenwart. Einer der größten Schäden, die der Mensch durch die SĂĽnde erlitten hat, ist seine gefĂĽhlte Ferne von Gott. Das Gebet ist der Moment der intimen Kontaktaufnahme, des ausschlieĂźlichen Umgangs mit Ihm, der uns zu Sich ruft und aufsucht, weil Er uns liebt. Wenn dieser Moment gestört ist, wie sehr leiden wir dann darunter und wie kann das wieder gut werden? Nur Gott kann es in seiner Barmherzigkeit richten. Der Mensch braucht den Arzt, er braucht seinen Rat, seine Hilfe, seinen Schutz. Was du am meisten brauchst: Gott. – Geh zu ihm und lass dir diese Momente nicht nehmen.

Gespräch mit Christus: Herr, du rufst mich, dein Geschöpf, zum Gebet. Du willst eine Beziehung zu mir aufbauen. Und durch diesen Austausch fĂĽhrst du mich zum Heil. Hilf mir, mich darauf ernsthaft einzulassen.

Vorsatz: Ich werde in nicht allzu weiter Ferne einen Tag im Gebet verbringen. Und wenn es sich zeitlich nicht einrichten lässt, versuche ich an einem Tag, all mein Tun in Gebet zu verwandeln.


Kinder dieser Welt und Kinder der Auferstehung

20. November 2021

Samstag der dreiunddreiĂźigsten Woche im Jahreskreis

P. Thomas Fox LC

Lk 20,27-40
In jener Zeit kamen einige von den Sadduzäern, die die Auferstehung leugnen, zu Jesus und fragten ihn: Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterlässt, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder die Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen verschaffen. Nun lebten einmal sieben Brüder. Der Erste nahm sich eine Frau, starb aber kinderlos. Da nahm sie der Zweite, danach der Dritte, und ebenso die anderen bis zum Siebten; sie alle hinterließen keine Kinder, als sie starben. Schließlich starb auch die Frau. Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt. Da sagte Jesus zu ihnen: Nur in dieser Welt heiraten die Menschen. Die aber, die Gott für würdig hält, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, werden dann nicht mehr heiraten. Sie können auch nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und durch die Auferstehung zu Söhnen Gottes geworden sind. Dass aber die Toten auferstehen, hat schon Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet, in der er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt. Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn sind alle lebendig. Da sagten einige Schriftgelehrte: Meister, du hast gut geantwortet. Und man wagte nicht mehr, ihn etwas zu fragen.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, du stehst vor mir und hörst mir zu. Ich will dir sagen, was mir auf dem Herzen liegt und vorsichtig in die Stille hören, denn du wirst sprechen und Worte finden, die mir den Weg zu dir erschlieĂźen und falschen Ansätzen die Kraft rauben. Mach mich bereit, im Gespräch mit dir meine Vorstellungen und Meinungen, Erwartungen und WĂĽnsche, ja meinen Willen aufzugeben, dann kannst du mich alles lehren.

Bitte: Herr, offenbare dich mir als der wahre Freund, der mir treu zur Seite steht, im Leben wie im Sterben.

1. Dem Begehren des Geistes folgen. Die Geisteshaltung der Sadduzäer bestand darin, sich auf die diesseitigen Angelegenheiten des Lebens zu beschränken. Von daher ĂĽberrascht ihr Zweifel an der Existenz von Engeln und der Auferstehung nicht. Jesus bezeichnet sie folgerichtig als „Kinder dieser Welt“. Wer von seiner Lebenseinstellung her ganz im Diesseits aufgeht, empfindet rein geistige Themen als lästige Provokation, denn „das Begehren des Fleisches ist gegen den Geist gerichtet und das Begehren des Geistes gegen das Fleisch.“ Wir kennen und erkennen Christus daher umso mehr, je mehr unser Geist vom Begehren des Fleisches befreit ist.

2. Die Dinge nicht „von unten“, sondern „von oben“ her erklären. Die Frage der Sadduzäer stammt aus einer Zeit, in der man sich die Frau nicht als Alleinstehende vorstellen konnte. Es war ein maximales Ăśbel und so bemĂĽhte man sich redlich, sie aufzufangen, ihr Sicherheit zu gewährleisten. Das geschah durch die GroĂźfamilie, die Sozialversicherung der Zeit. Allerdings könnte das Beispiel auch den Eindruck erwecken, die Aufgabe der Frau bestĂĽnde ausschlieĂźlich darin, fĂĽr die Erzeugung von Nachkommenschaft zu sorgen. Was an dieser Auffassung materialistisch und patriarchalisch war, hat Jesus korrigiert, indem er vom Geist und von der Neuschöpfung her argumentierte, also „von oben“ her. Die Frage der Nachkommenschaft ist so relativiert und die Gleichheit von Mann und Frau ihrer WĂĽrde nach hergestellt.

3. Die Zeit ist kurz. Daher soll, wer eine Frau hat, sich in Zukunft so verhalten, als habe er keine. Zugegeben, das Beispiel von den sieben verstorbenen Ehemännern ist extrem, aber nicht ganz so theoretisch, wie man meinen könnte. Genau das hatte nämlich Sara erlebt. Angesichts des dramatischen Umstands des Sterbens ihrer sieben Ehegatten, war sie an dem Punkt angelangt, sich erhängen zu wollen. Sie tat es nur nicht, weil sie ihrem Vater diese Schande ersparen wollte und auf die Kraft des Gebets vertraute. In ihr und Tobit haben wir ein wunderbares Beispiel dafĂĽr, wie „Kinder Gottes“ die Ehe in dieser Welt leben. In der Hochzeitsnacht verrichteten sie gemeinsam ein Gebet, das den Geist offenbarte, der sie erfĂĽllte: „Als Tobias und Sara in der Kammer allein waren, erhob sich Tobias vom Lager und sagte: Steh auf, Schwester, wir wollen beten, damit der Herr Erbarmen mit uns hat. Und er begann zu beten: Sei gepriesen, Gott unserer Väter; … Du hast Adam erschaffen und hast ihm Eva zur Frau gegeben, damit sie ihm hilft und ihn ergänzt. Von ihnen stammen alle Menschen ab. Du sagtest: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist; wir wollen fĂĽr ihn einen Menschen machen, der ihm hilft und zu ihm passt. Darum, Herr, nehme ich diese meine Schwester auch nicht aus reiner Lust zur Frau, sondern aus wahrer Liebe. Hab Erbarmen mit mir, und lass mich gemeinsam mit ihr ein hohes Alter erreichen! Und Sara sagte zusammen mit ihm: Amen.“

Gespräch mit Christus: Herr, schenke mir deinen Geist, den Geist der Gotteskindschaft, der reinen Absicht und der wahren Hingabe! Lass mich in diesem Geist die Welt neu erkennen, die Absichten entdecken, die du in die Dinge gelegt hast und durch die Schönheit, die in deinen Plänen liegt, selbst von innen neu werden.

Vorsatz: Ich werde versuchen, mich dem lebendigen Gott ehrfĂĽrchtig zu nähern und in diesem Sinn beim Beten oder Anbeten sehr bewusst einige innere oder äuĂźere Gesten vollziehen (z.B. mich hinknien, verneigen, mein Gesicht bedecken, mich verhĂĽllen, tiefe Stille halten).