Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 17. Oktober 2021 bis Samstag 23. Oktober 2021

Neunundzwanzigste Woche im Jahreskreis

Ilka Haiberger

Vom Dienen und Sich-SchenkenSonntag
Jesus bittet um etwasMontag
Die Zeit bis zur Ankunft Jesu kann sich noch etwas hinziehenDienstag
Die Verantwortung des Knechtes JesuMittwoch
Jesu AuftragDonnerstag
Versöhnung auf dem Weg zum GerichtFreitag
Trage ich Frucht?Samstag


Vom Dienen und Sich-Schenken

17. Oktober 2021

Neunundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis
Hl. Ignatius von Antiochia, Bischof, MĂ€rtyrer

Ilka Haiberger

Mk 10,35-45
In jener Zeit traten Jakobus und Johannes, die Söhne des ZebedĂ€us, zu Jesus und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfĂŒllst. Er antwortete: Was soll ich fĂŒr euch tun. Sie sagten zu ihm: Lass in deiner Herrlichkeit einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen! Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde? Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde. Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, fĂŒr die es bestimmt ist. Als die zehn anderen JĂŒnger das hörten, wurden sie sehr Ă€rgerlich ĂŒber Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrĂŒcken und ihre Großen ihre Macht gegen sie gebrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld fĂŒr viele.

EinfĂŒhrendes Gebet: Ja, Herr, hier bin ich. Ich lasse den Alltag außen vor, um bei dir zu sein. Sprich, denn dein Diener hört.

Bitte: Herr, gib mir Weisung und StĂ€rke, damit ich so leben kann, wie es dir gefĂ€llt.

1. Welchen Lohn erhalten die Apostel? Ich verstehe Jakobus und Johannes. Sie haben alles zurĂŒckgelassen und folgen Jesus. Sie haben ihn kennen und lieben gelernt, sie lernen von ihm und arbeiten in seinem Auftrag. Ist das etwa keinen Lohn wert? WĂŒrde ich mir nicht ebenso einen Lohn erhoffen? Aber vielleicht geht es auch um etwas ganz anderes: Könnte es sein, dass sie in der Herrlichkeit neben Jesus sitzen wollen, um fĂŒr immer ganz nah bei ihm zu sein?

2. Der Sinn des Lebens. Jesus sieht den Stolz in den Herzen seiner JĂŒnger und antwortet: „Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein.“ Es ist so viel Wahrheit in diesem Satz. Wenn ich der Chef bin, dann bin ich verantwortlich dafĂŒr, dass es den anderen gut geht. Ich muss mich um die BedĂŒrfnisse und die Entwicklung der mir Anvertrauten kĂŒmmern. Ich habe schon „Große“ getroffen, die mir gedient haben. Diese Personen prĂ€gen und beeindrucken mich. Auch nach Jahren denke ich dankbar an sie zurĂŒck. Es ist ein Vorgeschmack auf den Himmel, wenn wir einander dienen – oder aber bedient werden.

3. Noch mehr als dienen ist sich verschenken. Jesus geht noch ĂŒber das Dienen hinaus. Er ist gekommen, um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld. Es ist also nicht genug, wenn wir einander dienen. Wenn wir wirklich Jesus nachfolgen wollen, dann geben wir unser Leben hin. Uns steht es nicht zu, Lösegeld fĂŒr viele zu sein. Aber es gibt Gelegenheiten, wo wir uns verschenken und „mich“ gibt es dann nicht mehr. Es gibt Menschen, die geben ihr Leben hin und werden Priester, Vater oder Mutter. Es gibt auch Menschen, die geben ihr Leben als MĂ€rtyrer hin, oder als Lösegeld fĂŒr einen anderen – so wie Maximilian Kolbe.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, ich bin beeindruckt von deiner Weisheit und Liebe. NatĂŒrlich wĂŒnsche ich mir, groß zu sein. Und du zeigst mir den Weg, wie echte GrĂ¶ĂŸe sich herausbildet. Es sind einfache Worte, die du sprichst, die aber das Wesen des Menschen als Sozialwesen in einer funktionierenden und gesunden Gesellschaft treffend beschreiben. Ich staune ĂŒber deine Liebe, wie du den Menschen dienst – damals in Israel vor 2000 Jahren – aber auch tĂ€glich bei uns heute. Du dienst, aber noch vielmehr hast du das Lösegeld bezahlt fĂŒr viele. Du interpretierst deinen Kreuzestod, noch ehe er eingetreten ist. Dir war voll bewusst, welches Opfer du fĂŒr mich bringen wĂŒrdest.

Vorsatz: Ich möchte in jedem Moment in dem Bewusstsein leben, dass Jesus am Kreuz fĂŒr mich bezahlt hat!


Jesus bittet um etwas

18. Oktober 2021

Montag der neunundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Lukas, Evangelist
Fest

Ilka Haiberger

Lk 10,1-9
In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit voraus in alle StĂ€dte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte. Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter fĂŒr seine Ernte auszusenden. Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! GrĂŒĂŸt niemand unterwegs! Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus! Und wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr ihm wĂŒnscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurĂŒckkehren. Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes! Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt. Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe.

EinfĂŒhrendes Gebet: Noch bevor der Tag laut wird, komme ich zu dir, um bei dir zu sein. Die Sorgen und Nöte des Alltags sollen außen vor bleiben, und ich möchte nur die Gegenwart Gottes sehen und spĂŒren.

Bitte: Herr, lass diese Gebetszeit ein Segen fĂŒr meinen Tag heute sein.

1. Der erste und wichtigste Auftrag Jesu. Das Erste, was Jesus den 72 JĂŒngern auftrĂ€gt, ist, um Arbeiter fĂŒr die Ernte zu bitten – also fĂŒr Berufungen zu beten. Die erste Aufgabe dieser MĂ€nner ist das Gebet um Berufungen, noch bevor sie zu den anderen Menschen gehen, um ihre Krankheiten zu heilen und die Botschaft des Reiches Gottes zu verkĂŒnden. Jesus ist das Gebet um Berufungen ein sehr wichtiges Anliegen.

2. Der Weinberg des Herrn ist groß. Jesus spricht von der großen Ernte im Weinberg des Herrn. Es sind aber nur wenige Arbeiter. Die Ernte muss eingebracht werden. Das klingt so, als ob es keinen Aufschub erlauben wĂŒrde. Auf jeden einzelnen kommt viel Arbeit zu. Es gibt viele Menschen, denen das Reich Gottes verkĂŒndet werden muss. Aber es sind nur wenige, die in der VerkĂŒndigung arbeiten.

3. Es ist echte Arbeit. Die Mitarbeiter im Weinberg des Herrn arbeiten. Sie arbeiten nicht auf dem Feld oder in einer Fabrik. Sie verkaufen nichts und stellen keine Dinge her. Aber sie arbeiten fĂŒr den Herrn, nach seinen Vorgaben. So sollen sie auch einen Lohn erhalten. Und sie sollen den Lohn, den man ihnen gibt, auch annehmen.

GesprĂ€ch mit Christus: Heute ist das Fest des heiligen Lukas. Er ist allen Ereignissen, wie sie von den ersten Augenzeugen und Dienern des Wortes ĂŒberliefert wurden, „von ihren ersten AnfĂ€ngen“ an nachgegangen und hat sie fĂŒr uns zusammengetragen. Das klingt aufwĂ€ndiger als eine Doktorarbeit. Er war einer der ersten Arbeiter im Weinberg des Herrn. Was wĂ€re mein Glaubensleben ohne seine Arbeit? Herr, ich danke dir, dass du immer wieder Arbeiter in deinen Weinberg gerufen hast und wir von ihrer Arbeit profitieren dĂŒrfen.

Vorsatz: Ich möchte Gott fĂŒr den heiligen Lukas danken, dass er sich die Zeit und MĂŒhe gemacht hat, alles zu erforschen und dann das Evangelium niederzuschreiben. Ich danke ihm selbst, dass er sich bekehrt und das Leben der Apostel geteilt hat. Wie viel haben wir ihm zu verdanken? Wie wĂŒrden wir Weihnachten feiern, wenn wir nicht seinen Bericht hĂ€tten?


Die Zeit bis zur Ankunft Jesu kann sich noch etwas hinziehen

19. Oktober 2021

Dienstag der neunundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hll. Isaac Jogues und Johannes de Brébeuf, MÀrtyrer

Ilka Haiberger

Lk 12,35-38
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Legt euren GĂŒrtel nicht ab, und lasst eure Lampen brennen! Seid wie Menschen, die auf die RĂŒckkehr ihres Herrn warten, der auf einer Hochzeit ist, und die ihm öffnen, sobald er kommt und anklopft. Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gĂŒrten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen. Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach - selig sind sie.

EinfĂŒhrendes Gebet: Lieber Jesus, ich setze mich dir zu FĂŒĂŸen, um bei dir zu sein und auf dein Wort zu hören. Ich sehne mich nach deiner NĂ€he und brauche dich, denn ich liebe dich.

Bitte: Erleuchte meinen Verstand und öffne mein Herz fĂŒr das, was du mir sagst.

1. Wachet und betet. Wir sollen unseren GĂŒrtel nicht ablegen und die Lampen brennen lassen. Vom Christsein gibt es keine Pause. Nicht, dass wir nicht ruhen und schlafen sollten. Nein, das meint Jesus nicht. Aber es soll keine Glaubenspause geben!

2. Ausdauer ist nötig. Jesus warnt uns, dass es auch die dritte Nachtwache sein kann, bis er wieder kommt. Das ist sehr spĂ€t. Wir werden mĂŒde sein. Aber umso mehr ist es wesentlich, uns gegenseitig auf dem langen Weg zu bestĂ€rken und zu stĂŒtzen. Uns immer wieder neu zu motivieren und motivieren zu lassen.

3. Der Lohn der Ausdauer. Aber wenn wir ausgeharrt haben und treu waren, wird sich das lohnen. Wir werden selig sein. Wir werden zu Tisch sitzen im Himmel und werden von Jesus bedient werden. Die Vorstellung ist mir fremd. Es strĂ€ubt sich in mir etwas dagegen. Doch genau so steht es im Evangelium: Jesus wird sie, die ausgeharrt haben und auf den Herrn warteten, der Reihe nach bedienen.

GesprĂ€ch mit Christus: Lieber Jesus, auch wenn es mir fremd ist, mich bedienen zu lassen – wenn es zum Leben in der Einheit mit dir dazu gehört, möchte ich es gerne ĂŒber mich ergehen lassen. Tu du, was notwendig ist. Ich will geduldig sein.

Vorsatz: Ich möchte heute die Augen fĂŒr die Wohltaten öffnen, die der Herr mir zukommen lĂ€sst und mich in freudiger Dankbarkeit ĂŒben.


Die Verantwortung des Knechtes Jesu

20. Oktober 2021

Mittwoch der neunundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Wendelin, Einsiedler

Ilka Haiberger

Lk 12,39-48
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wĂŒsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so wĂŒrde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht. Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet. Da sagte Petrus: Herr, meinst du mit diesem Gleichnis nur uns oder auch all die anderen? Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr einsetzen wird, damit er seinem Gesinde zur rechten Zeit die Nahrung zuteilt? Selig der Knecht, den der Herr damit beschĂ€ftigt findet, wenn er kommt! Wahrhaftig, das sage ich euch: Er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen. Wenn aber der Knecht denkt: Mein Herr kommt noch lange nicht zurĂŒck!, und anfĂ€ngt, die Knechte und MĂ€gde zu schlagen; wenn er isst und trinkt und sich berauscht, dann wird der Herr an einem Tag kommen, an dem der Knecht es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und der Herr wird ihn in StĂŒcke hauen und ihm seinen Platz unter den UnglĂ€ubigen zuweisen. Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kĂŒmmert und nicht danach handelt, der wird viele SchlĂ€ge bekommen. Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was SchlĂ€ge verdient, der wird wenig SchlĂ€ge bekommen. Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurĂŒckgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr verlangen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Komm, Heiliger Geist! ErfĂŒlle die Herzen deiner GlĂ€ubigen und entzĂŒnde in ihnen das Feuer deiner Liebe. Sende aus deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu.

Bitte: Herr, zeige mir deinen Willen!

1. Der gute Knecht. Wer ist der treue und kluge Verwalter, den der Herr eingesetzt hat, damit er seinem Gesinde zur rechten Zeit die Nahrung zuteilt? Jesus antwortet damit auf eine Frage des Petrus. Somit gehe ich davon aus, dass Petrus gemeint ist und mit ihm alle, die seinen Dienst teilen. Also auch der jetzige Papst. Er ist es, der den GlĂ€ubigen die Nahrung des Geistes zuteilt. Deswegen gibt es auch immer neue Schreiben des Papstes. Sie sollen unsere Nahrung zur rechten Zeit sein.

2. Der böse Knecht. Wehe aber dem Knecht, der isst und trinkt und sich berauscht, statt den Willen des Herrn zu erfĂŒllen. Essen und Trinken ist nicht verboten. Aber es darf nicht das Zentrum des Lebens sein. Wenn jemand Jesus nachfolgt und als sein JĂŒnger leben möchte, darf das Materielle, das die körperlichen BedĂŒrfnisse stillt, nicht das Wichtigste sein. Auch sollen meine Sinne wach und nicht von Alkohol oder etwas anderem benebelt sein.

3. Wissen zieht Verantwortung nach sich. Wer aber unwissentlich sĂŒndigt, wird nur wenig bestraft werden. Und dennoch spĂŒre ich in mir das Verlangen, den Willen des Herrn besser zu kennen. Als Mensch trage ich die Sehnsucht in mir, Jesus tiefer zu erkennen und mit ihm, bzw. durch ihn den Vater und den Heiligen Geist. Selbst wenn mir aufgrund dieser Kenntnis mehr abverlangt wird.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, du hast ĂŒber deine Verwalter gesprochen und darĂŒber, was sie in deiner Abwesenheit tun sollen. Das Wichtigste aber ist nicht deine Abwesenheit, sondern deine Wiederkunft. Es stĂ€rkt meinen Glauben und meine Hoffnung, wenn ich von dir höre, dass du wiederkommen wirst.

Vorsatz: Ich möchte ein aktuelles Schreiben vom Papst lesen.


Jesu Auftrag

21. Oktober 2021

Donnerstag der neunundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hll. Ursula und GefÀhrtinnen, Jungfrauen, MÀrtyrinnen

Ilka Haiberger

Lk 12,49-53
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wĂ€re ich, es wĂŒrde schon brennen! Ich muss mit einer Taufe getauft werden, und ich bin sehr bedrĂŒckt, solange sie noch nicht vollzogen ist. Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung. Denn von nun an wird es so sein: Wenn fĂŒnf Menschen im gleichen Haus leben, wird Zwietracht herrschen: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.

EinfĂŒhrendes Gebet: Mein Jesus, ich suche Zuflucht bei dir. Du bist mein BeschĂŒtzer, bei dir finde ich Ruhe. In dieser Gebetszeit möchte ich dir ganz nahe sein. Lass mich an deinem Herzen ruhen.

Bitte: Herr, zeig mir das Feuer, das du auf die Erde wirfst! Lass es brennen zu deiner Freude!

1. Jesu Auftrag auf Erden. Jesus beschreibt seinen Auftrag, den Sinn seines Lebens auf der Erde: um Feuer auf die Erde zu werfen. Feuer ist etwas GefĂ€hrliches, etwas Verzehrendes. Feuer ist furchteinflĂ¶ĂŸend. Im Sommer gab es in SĂŒdeuropa unzĂ€hlige WaldbrĂ€nde, die viel zerstört haben. ZurĂŒck blieb verbrannte Erde. Wenn Jesus sagt, er wĂ€re froh, es wĂŒrde schon brennen, klingt das furchteinflĂ¶ĂŸend. Was soll brennen? Was soll verbrennen? Was bleibt ĂŒbrig? Aber da Jesus uns unendlich liebt, brauchen wir keine Furcht zu haben. Er weiß, was er tut und es wird uns zum Wohle dienen.

2. Jesu Taufe. Nach dem Feuer spricht Jesus von der Taufe, mit der er getauft werden wird. Die Taufe, die Johannes der TĂ€ufer an Jesus vollzogen hatte, ist bereits passiert. Hier meint Jesus die Taufe am Kreuz, das Herabsteigen in das Reich der Toten, um dann zum ewigen Leben hinaufzufahren. Jesus war bedrĂŒckt, dass diese Taufe noch nicht vollzogen war. Er sehnte sich nach dieser Taufe! Er liebt die Menschen so sehr, dass er sich nach dem Tod am Kreuz sehnte!

3. Die Reaktion der Menschen auf Jesu Liebe. Das Unangenehmste dieser Passage ist die Spaltung, von der Jesus spricht. Er ist nicht gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen, sondern Spaltung. Jesus sehnt sich aber nicht nach der Spaltung. Er beschreibt nur, dass es von nun an so sein wird. Ich verstehe das so, dass der Glaube an Jesus die Menschen sogar in den kleinsten Einheiten, in Hausgemeinschaften oder in Familien, spaltet. In einer Familie oder in einer WG wird es Menschen geben, die Jesus lieben, und Menschen, die Jesus ablehnen. Es gibt neben mir und nah an meiner Seite Menschen, die die Liebe Jesu zurĂŒckweisen. Und das lĂ€sst eine Kluft entstehen.

GesprĂ€ch mit Christus: Lieber Jesus, ich sehne mich nach Einheit und Frieden. Es verstört mich, dass du von Spaltung sprichst. Ich bin harmoniebedĂŒrftig! Du hast mich mit einer Sehnsucht nach Frieden ausgestattet. Was soll das? Ist es die Macht unserer Freiheit, die sich darin erweist?

Vorsatz: Ich will heute etwas tun, das in meiner Umgebung Frieden stiftet. Zum Beispiel eine Eigenschaft von jemandem loben, ĂŒber den gerade gelĂ€stert wird.


Versöhnung auf dem Weg zum Gericht

22. Oktober 2021

Freitag der neunundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Kordula, MĂ€rtyrin
Hl. Johannes Paul II., Papst

Ilka Haiberger

Lk 12,54-59
In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Sobald ihr im Westen Wolken aufsteigen seht, sagt ihr: Es gibt Regen. Und es kommt so. Und wenn der SĂŒdwind weht, dann sagt ihr: Es wird heiß. Und es trifft ein. Ihr Heuchler! Das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr deuten. Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten? Warum findet ihr nicht schon von selbst das rechte Urteil? Wenn du mit deinem Gegner vor Gericht gehst, bemĂŒh dich noch auf dem Weg, dich mit ihm zu einigen. Sonst wird er dich vor den Richter schleppen, und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener ĂŒbergeben, und der Gerichtsdiener wird dich ins GefĂ€ngnis werfen. Ich sage dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast.

EinfĂŒhrendes Gebet: AllmĂ€chtiger Gott, du hast den Himmel und die Erde geschaffen. Jeder Mensch ist das Werk deiner HĂ€nde. Auch meine Gegner und Feinde. Vor deinem Angesicht möchte ich mich nun deiner Lehre öffnen und genau hinschauen, was du mich lehren willst.

Bitte: Herr, öffne mein Herz und meinen Verstand. Lass mich auf dein Wort hören. Lass mich deine Weisheit sehen. Lass mich lieben, was du mich lehrst. Lass mich leben, was du forderst.

1. Gerechtigkeit am Ende. Jesus prophezeit: „Du kommst nicht aus dem GefĂ€ngnis heraus, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast.“ Wenn erst einmal Gericht gesprochen wurde, dann wird die komplette Schuld abgegolten. Wenn der Richter das Urteil verkĂŒndet hat, dann stehen wir mit all unserer Last da. Wir werden nichts verbergen können. Niemand wird uns etwas abnehmen. Jesus spricht Klartext, dass es einmal ein Gericht geben wird, vor dem es kein Entrinnen gibt.

2. Wie wir uns auf das Ende vorbereiten sollen. Aber Jesus gibt uns Weisung, wie wir uns am besten verhalten sollen, damit wir nicht dem Gerichtsdiener ĂŒbergeben werden. Wir sollen uns auf dem Weg zum Gericht bemĂŒhen, uns zu einigen. Wir sollen Frieden schließen mit unserem Gegner. Jesus spricht nicht davon, dass wir keinen Gegner haben dĂŒrfen. Er gibt uns aber den Rat, uns um eine Einigung mit unseren Gegnern zu bemĂŒhen.

3. Wann wird das Ende sein? Das Gericht, von dem Jesus spricht, wird in den Zeichen dieser Zeit angedeutet, die ĂŒber die Erde kommen werden. Laut Jesus sollten wir diese Zeichen erkennen können. Meint er die Seuchen, Katastrophen, Kriege und Hungersnöte, die er vor dem endgĂŒltigen Ende der Welt vorhersagt? Meint er seine Menschwerdung auf der Erde? Immerhin ist sie 2000 Jahre her. Damals schon gab es die Vorstellung, dass das Endgericht nahe sei. Was heißt nahe? Ist das Endgericht fĂŒr jeden von uns nahe, da unser Leben nur wenige Jahre oder ein paar Jahrzehnte dauert? Ist nicht unser Leben ein einziger Weg zu diesem Endgericht? Also wollen wir uns mit unseren Gegnern versöhnen.

GesprĂ€ch mit Christus: Lieber Jesus, mit dem heutigen Evangelium zeigst du mir die Endlichkeit, die Begrenztheit meines Lebens auf. Wenn ich auf das kommende Gericht schaue, dann möchte ich jetzt und heute in meinem Leben Ordnung und Frieden schaffen. Ich möchte mich mit meinen Gegnern versöhnen. Zeige mir auf, welcher der Gegner ist, mit dem ich mich als Erstes versöhnen soll!

Vorsatz: Heute ist der beste Tag, um einen Schritt der Versöhnung auf jemanden zuzugehen, mit dem ich keinen Frieden habe.


Trage ich Frucht?

23. Oktober 2021

Samstag der neunundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Johannes von Capestrano, Ordenspriester

Ilka Haiberger

Lk 13,1-9Zu jener Zeit kamen einige Leute zu Jesus und berichteten ihm von den GalilĂ€ern, die Pilatus beim Opfern umbringen ließ, so dass sich ihr Blut mit dem ihrer Opfertiere vermischte. Da sagte er zu ihnen: Meint ihr, dass nur diese GalilĂ€er SĂŒnder waren, weil das mit ihnen geschehen ist, alle anderen GalilĂ€er aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt. Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms von Schiloach erschlagen wurden - meint ihr, dass nur sie Schuld auf sich geladen hatten, alle anderen Einwohner von Jerusalem aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt. Und er erzĂ€hlte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum; und als er kam und nachsah, ob er FrĂŒchte trug, fand er keine. Da sagte er zu seinem WeingĂ€rtner: Jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum FrĂŒchte trĂ€gt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen? Der WeingĂ€rtner erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und dĂŒngen. Vielleicht trĂ€gt er doch noch FrĂŒchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich will zu dir kommen wie ein Kind. Mein Herz ist offen fĂŒr deine Worte. PrĂ€ge mir deine Weisheit und deine Liebe ein.

Bitte: Herr, zeige mir meine SĂŒnden, damit ich mich bekehren kann!

1. UnglĂŒcksfĂ€lle und Katastrophen als Folge menschlichen Handelns. Massaker und das Sterben von Menschen bei einem Unfall wurden damals als eine Folge von SĂŒnde angesehen, die sich die jeweils betroffenen Menschen zuschulden haben kommen lassen. Auch heute werden Katastrophen gerne im Zusammenhang mit Schuld und SĂŒnde gedeutet. Bei Überschwemmungen oder Hitzeperioden heißt es, die KlimaerwĂ€rmung und damit der verantwortungslose Umgang mit der Natur sei schuld. Die Coronapandemie sei durch die Globalisierung möglich geworden. Oft und schnell werden Schuldige genannt.

2. Doch schuldig sind nicht nur die Leidtragenden. Jesus korrigiert das Denken dahingehend, dass alle genauso Schuld tragen. Auch diejenigen, die nicht Leidtragende der UnglĂŒcksfĂ€lle und Katastrophen sind. Damals nannte Jesus die anderen GalilĂ€er oder alle anderen Einwohner von Jerusalem. Heute kann man diejenigen nennen, die nicht durch Überschwemmungen geschĂ€digt wurden, die sich nicht mit Corona infizierten oder Kriegen ausgesetzt sind.

3. Noch eine letzte Chance. Doch so wie der WeingĂ€rtner dem Feigenbaum noch einmal eine Chance geben möchte, so gibt uns auch der Herr noch nicht auf. Wenn wir bislang von Katastrophen und vom unerwarteten Tod verschont wurden, dann haben wir noch die Möglichkeit, uns zu bekehren und Frucht zu bringen. Jesus wird den Boden um uns herum aufgraben und dĂŒngen, damit unsere Wurzeln Nahrung bekommen und wir Frucht bringen.

GesprĂ€ch mit Christus: Heiliger Gott, heiliger starker Gott, heiliger unsterblicher Gott, habÂŽ Erbarmen mit mir und mit der ganzen Welt. Herr, grabe den Boden um mich herum auf und gib mir alles, was ich brauche, um Frucht zu bringen. Ich möchte dir vertrauen und dir gefallen. Ich möchte die Frucht bringen, die du von mir erwartest.

Vorsatz: Heute ĂŒberwinde ich mich in einer kleinen Sache, damit ich wenigstens eine ganz kleine Frucht bringe.