Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 8. August 2021 bis Samstag 14. August 2021

Neunzehnte Woche im Jahreskreis

Eric Briemle

Jesus kommt vom Vater zu unsSonntag
Freiheit fĂŒr die AnbetungMontag
Wer verliert, gewinntDienstag
Zurechtweisen aus LiebeMittwoch
Von ganzem Herzen vergebenDonnerstag
Ein brennendes HerzFreitag
Kindlich oder kindisch?Samstag


Jesus kommt vom Vater zu uns

8. August 2021

Neunzehnter Sonntag im Jahreskreis
Hl. Dominikus, Priester, OrdensgrĂŒnder

Eric Briemle

Joh 6,41-51
In jener Zeit murrten die Juden gegen Jesus, weil er gesagt hatte: Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Und sie sagten: Ist das nicht Jesus, der Sohn Josefs, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie kann er jetzt sagen: Ich bin vom Himmel herabgekommen? Jesus sagte zu ihnen: Murrt nicht! Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht; und ich werde ihn auferwecken am JĂŒngsten Tag. Bei den Propheten steht geschrieben: Und alle werden SchĂŒler Gottes sein. Jeder, der auf den Vater hört und seine Lehre annimmt, wird zu mir kommen. Niemand hat den Vater gesehen außer dem, der von Gott ist; nur er hat den Vater gesehen. Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure VĂ€ter haben in der WĂŒste das Manna gegessen und sind gestorben. So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt. Wenn jemand davon isst wird er nicht sterben. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch fĂŒr das Leben der Welt.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich nehme mir jetzt Zeit, um wirklich von Herzen mit dir zu sprechen. Ich möchte auf all das hören, was du mir heute zu sagen hast.

Bitte: Jesus, gib mir ein Herz nach deinem Herzen.

1. Murrt nicht. Ob und wie wir auf das Wort Gottes (aber auch auf unsere Mitmenschen) hören, kann solch einen Unterschied machen! Ist das Murren der Zuhörer berechtigt? Es könnte berechtigt sein mit der Einstellung: „Hier ist jemand, der scheinbar leichtfertig dem widerspricht, was wir fĂŒr gut und wahr befinden.“ Es könnte aber auch ein ungutes Murren sein; wo es beim Zuhören nicht um Lernen und ein Verstehen-wollen der Person geht, sondern um gleichgĂŒltige Rechthaberei: „Jetzt habe ich etwas Falsches gefunden. Jetzt muss ich empört sein. Bevor ich mich wieder mir selbst und meiner Gedankenwelt widme.“ Mit welcher Einstellung höre ich dem Herrn im Wort Gottes und meinen Mitmenschen zu?

2. Niemand hat den Vater gesehen, außer dem, der von Gott ist. Jesus, der bei Gott war, kommt zu uns, um uns von ihm zu erzĂ€hlen. Wir sind darauf angewiesen, dass jemand kommt. Es gibt Aspekte der RealitĂ€t (z.B. in der Naturwissenschaft), die Menschen selbstĂ€ndig durch direkte Erfahrung oder durch logische Herleitung erkennen können. Trotzdem kommt ein Großteil unseres Wissens, sowohl in- und außerhalb der Naturwissenschaft, nicht selbstĂ€ndig, sondern ĂŒber vertrauenswĂŒrdige Quellen zustande, z.B. Lehrer, Forscher und andere Mitmenschen. Zu wissen, wie Gott ist, ist prinzipiell nicht gĂ€nzlich ĂŒber die naturwissenschaftliche Methode möglich. Wir sind somit darauf angewiesen, dass jemand von dort kommt und Kunde bringt.

3. Er ist der Retter. Jesus heißt „Gott rettet“. Der Mensch kann weder selber herleiten, wie Gott ist, noch kann er sich selber retten. Jesus ĂŒbernimmt diese beiden Aufgaben: Er kommt vom Herzen des Vaters und bringt Kunde; und da allein die Kenntnis von Gott fĂŒr uns schwache Menschen nicht ausreicht, ist Jesus auch der, der uns erlöst und rettet als Brot fĂŒr das Leben der Welt. Christsein bedeutet vor allem, gerettet zu werden.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, du hast den Vater gesehen und bist zu uns armen Menschen gekommen, um uns von ihm zu erzĂ€hlen und uns als guter Hirt zu ihm zu fĂŒhren. Ich möchte vertrauensvoll auf deine Stimme hören. Hilf mir, auch im Alltag auf deine Stimme zu hören.

Vorsatz: Ich möchte mir heute MĂŒhe geben, meinen Mitmenschen wirklich zuzuhören und auch auf Gottes Stimme im Alltag achtzugeben.


Freiheit fĂŒr die Anbetung

9. August 2021

Montag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Teresia Benedicta vom Kreuz (Edith Stein), Ordensfrau, MĂ€rtyrin, Schutzpatronin Europas
Fest

Eric Briemle

Joh 4,19-24
Die Frau sagte zu Jesus: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere VĂ€ter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die StĂ€tte, wo man anbeten muss. Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, mĂŒssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich nehme mir jetzt Zeit, um wirklich von Herzen mit dir zu sprechen. Ich möchte auf all das hören, was du mir heute zu sagen hast.

Bitte: Jesus, gib mir ein Herz nach deinem Herzen.

1. Aus der Sklaverei befreit fĂŒr die Anbetung. Die Samariterin steckt fest in weltlichen Verstrickungen. Jesus kommt in ihrem Leben vorbei und will sie befreien und heilen. Was bedeutet diese Freiheit? Im Buch Exodus sagt Gott, dass er das Volk Israel aus der Sklaverei befreien möchte, damit es den Herrn anbeten und lobpreisen kann. Sehe ich so die Freiheit, die Gott mir geschenkt hat und mir weiterhin und in immer grĂ¶ĂŸerem Maß schenken will?

2. Im Geist anbeten. Die Kernbotschaft Jesu lautet, dass zĂ€hlt, wo dein Herz ist. Die echte ErfĂŒllung des Gesetzes liegt in der Liebe, die sich zwar in Äußerlichkeiten zeigen kann (z.B. einem Anbetungsort), aber ihrem Wesen nach im Geist verwirklicht.

3. In der Wahrheit anbeten. Neben der Anbetung im Geist fordert Jesus auch die Anbetung in der Wahrheit. Die Anbetung soll also nicht etwa nur gut gemeint sein und damit irgendwie naiv oder losgelöst von der Wahrheit. Was kann „in der Wahrheit anbeten“ bedeuten? Es kann bedeuten, dass sie realitĂ€tsnah, echt, mit Ehrfurcht gegenĂŒber dem Schöpfer aller Dinge sein soll, ohne Floskeln; Als Mensch Gott als Gott anbeten, als schwacher SĂŒnder in der Welt, mit den echten Alltagssorgen, echten Idealen und SehnsĂŒchten, die uns beschĂ€ftigen, als sein Kind.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, wie zur Samariterin kommst du auch zu mir, um mich mitzunehmen, „raus“ aus den Verstrickungen dieser Welt zur echten Anbetung im Geist. Sende deinen Geist, damit ich Gott Vater in der Wahrheit anbeten kann.

Vorsatz: Heute möchte ich bewusst zweimal meine Freiheit als Kind Gottes nutzen, um ihn in einem kurzen Gebet zu loben und zu preisen.


Wer verliert, gewinnt

10. August 2021

Dienstag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Laurentius, Diakon, MĂ€rtyrer
Fest

Eric Briemle

Joh 12,24-26
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fĂ€llt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer an seinem Leben hĂ€ngt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt geringachtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich nehme mir jetzt Zeit, um wirklich von Herzen mit dir zu sprechen. Ich möchte auf all das hören, was du mir heute zu sagen hast.

Bitte: Jesus, gib mir ein Herz nach deinem Herzen.

1. Wer an seinem Leben hĂ€ngt, verliert es. Dieses paradoxe Prinzip – dass das eigentliche Ziel durch das scheinbar ihm zuwiderlaufende Gegenteil erreicht wird – durchzieht viele Aspekte des Lebens, angefangen bei ganz natĂŒrlichen Dingen wie dem Weizenkorn, das Jesus erwĂ€hnt. Es gibt weitere Ă€hnliche Beispiele: Wer seinen Körper schont, schadet ihm oft mehr, als wenn er ihn fordert. Wer nicht investiert, kann auch nicht mit großem Gewinn rechnen. In Studien sind die wirklich mit GlĂŒck erfĂŒllenden Jobs ausgerechnet jene, die mehr Hingabe an andere erfordern (Erzieher, Priester, Feuerwehr
). Heutzutage, da das Leben immer komfortabler wird, ist diese Botschaft, dass das Leben erst durch die Hingabe gewonnen wird, wichtiger denn je.

2. Wer sein Leben in dieser Welt geringachtet
 Oft wird Religionen und insbesondere Christen eine RealitĂ€tsferne und frei erfundene Mystik vorgeworfen. TatsĂ€chlich ist es aber völlig offensichtlich und logisch nachvollziehbar, dass das Leben in dieser Welt nur einen sehr begrenzten Wert hat. In diesem Sinn verwendet Jesus ja das Beispiel aus der Natur vom Weizenkorn, um die geistige RealitĂ€t zu erklĂ€ren. Aber obwohl die Argumentation schlĂŒssig ist, fĂ€llt es uns Menschen oft schwer, gerade sehr oberflĂ€chliche Themen (Geld, Komfort, Ruhm...) so geringzuachten, wie sie es im Vergleich zu anderen Themen verdienen.

3. Wo ich bin, da wird mein Diener sein. FĂŒr uns klingen diese Worte Jesu schon vertraut, aber damals mĂŒssen sie doch nahezu skandalös gewesen sein. Nicht wegen der Kernaussage selbst, sondern weil Jesus hier einen ganz anderen Anspruch als die Propheten erhebt. Er zeigt nicht nur auf Gott, sondern stellt sich selbst als Maßstab und Ziel dar. „Wer mir dienen will...“ , „Wo ich bin
“. Die Kirche ist, wie Papst Benedikt XVI. sagt, „keine Buchreligion“ (Verbum Domini, 7); keine Sammlung von Weisheiten zur Lebensverbesserung; sondern Jesus selbst als fleischgewordenes Wort ist Ziel und Mittelpunkt unseres Lebens. Das ist das wirklich Neue an der Botschaft Jesu.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, danke, dass du dich wie das Weizenkorn hingegeben hast, um Frucht zu bringen. Ich möchte deinem Beispiel folgen, möchte als dein Diener da sein, wo du bist. Bitte gibt mir die Kraft dazu.

Vorsatz: Heute mit dem Blick auf Jesus bewusst auf etwas Komfortables verzichten, um mehr Weizenkorn zu sein. Vielleicht durch eine Tat der NĂ€chstenliebe, die unbequem ist.


Zurechtweisen aus Liebe

11. August 2021

Mittwoch der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Klara von Assisi, Jungfrau, OrdensgrĂŒnderin
Gedenktag

Eric Briemle

Mt 18,15-20
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Wenn dein Bruder sĂŒndigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurĂŒckgewonnen. Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei MĂ€nner mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden. Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er fĂŒr dich wie ein Heide oder ein Zöllner. Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein. Weiter sage ich euch: Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich nehme mir jetzt Zeit, um wirklich von Herzen mit dir zu sprechen. Ich möchte auf all das hören, was du mir heute zu sagen hast.

Bitte: Jesus, gib mir ein Herz nach deinem Herzen.

1. Zwei Extreme. Die Anleitung, die uns Jesus zum Umgang mit den SĂŒnden anderer gibt, liegt zwischen den beiden Extremen, zu denen wir uns oft verleiten lassen können; beide sind auf ihre Art komfortabler als der Weg, den Jesu vorschlĂ€gt: Auf der einen Seite gibt es die Möglichkeit, die SĂŒnde gar nicht anzusprechen; auf der anderen Seite die Möglichkeit, sie direkt in die große Runde zu tragen. Jesus hingegen schlĂ€gt den Weg vor, der ehrlich ist und die gute Absicht hat. Dieser Weg der Mitte ist nicht eine Grauzone zwischen zwei Extremen, ein simpler Kompromiss, sondern beruht auf Prinzipien. Es ist die Liebe, die das Wahre und das Gute sucht, die zum rechten Maß fĂŒhrt.

2. Wir sollen zurechtweisen. Auf der einen Seite gibt es die Möglichkeit gleichgĂŒltig zu sein und die SĂŒnde nicht anzusprechen: „Soll er oder sie halt machen, was sie will“. Wir und auch unsere Freunde und Familien sind jedoch auf RĂŒckmeldung angewiesen. Das ist keine Rechthaberei, sondern ein Feedback. Manchmal wissen wir Dinge tatsĂ€chlich besser, weil wir mehr Erfahrung haben. Oft ist es aber auch fĂŒr einen Außenstehenden einfacher, mit etwas Abstand eine Situation zu beurteilen, eine zweite Meinung zu liefern. Das Wort Gottes gibt uns auch eine absolut wichtige RĂŒckmeldung zu verschiedenen Lebenssituationen.

3. Wir sollen nicht bloßstellen. Neben der schweigenden GleichgĂŒltigkeit gibt es auch die Möglichkeit der direkten Bloßstellung in der Gruppe oder, noch schlimmer, der öffentlichen Kritik an Personen, mit denen man nichts zu tun hat. Obwohl es das andere Extrem ist, kann sich hier auch GleichgĂŒltigkeit oder Egoismus verbergen. Man möchte das Problem gar nicht gelöst haben, sondern empfindet die Erniedrigung des anderen als Rechtfertigung der persönlichen Position und eigene Erhöhung.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, du warst nicht gleichgĂŒltig gegenĂŒber dem Leid und der SĂŒnde. Wie du möchte ich helfen, Leid zu lindern, dem Bösen keinen Platz zu geben und zu helfen.

Vorsatz: Ăœberlegen, wo ich aus meiner Komfortzone heraustreten und Personen in meinem Umfeld RĂŒckmeldung geben kann, sei es durch positives Feedback oder eine konstruktive Zurechtweisung.


Von ganzem Herzen vergeben

12. August 2021

Donnerstag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Johanna Franziska von Chantal, OrdensgrĂŒnderin
Sel. Karl Leisner, Priester

Eric Briemle

Mt 18,21-19,1
In jener Zeit trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versĂŒndigt? Sieben Mal? Jesus sagte zu ihm: Nicht sieben Mal, sondern siebenundsiebzig Mal. Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen. Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war. Weil er aber das Geld nicht zurĂŒckzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen. Da fiel der Diener vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurĂŒckzahlen. Der Herr hatte Mitleid mit dem Diener, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld. Als nun der Diener hinausging, traf er einen anderen Diener seines Herrn, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn, wĂŒrgte ihn und rief: Bezahl, was du mir schuldig bist! Da fiel der andere vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurĂŒckzahlen. Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins GefĂ€ngnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe. Als die ĂŒbrigen Diener das sahen, waren sie sehr betrĂŒbt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war. Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich so angefleht hast. HĂ€ttest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben mĂŒssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte? Und in seinem Zorn ĂŒbergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe. Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt. Als Jesus diese Reden beendet hatte, verließ er GalilĂ€a und zog in das Gebiet von JudĂ€a jenseits des Jordan.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich nehme mir jetzt Zeit, um wirklich von Herzen mit dir zu sprechen. Ich möchte auf all das hören, was du mir heute zu sagen hast.

Bitte: Jesus, gib mir ein Herz nach deinem Herzen.

1. Siebenundsiebzig Mal. Gott ist nicht sparsam. Das passt oft nicht in unsere materialistische Weltansicht, wo alles einen Preis hat und effizient sein muss. Die Blumen gibt es im absoluten Überfluss, die GrĂ¶ĂŸe des Universums, die Anzahl der Sterne, die Geschenke, die er uns jeden Tag macht. Und das sind nur ein paar Beispiele und schwache Abbilder seine Liebe und GroßzĂŒgigkeit. 77-Mal vergeben ist also ein Gott-Ă€hnlich-sein – ihm, der uns so großzĂŒgig beschenkt und auch unzĂ€hlige Male vergibt.

2. Ăœber die Taten des Herrn reflektieren. Warum ist der Diener so kalt und hartherzig? Hat er nicht genug ĂŒber die GroßzĂŒgigkeit seines Herrn reflektiert? Ist ihm Geld einfach zu wichtig? Maria hingegen, das Vorbild aller Christen, war sehr reflektiert: „Maria, bewahrte alles in ihrem Herzen“ heißt es in der Bibel. Aus dieser Reflexion der großen Taten Gottes sprudelt dann bei ihr das „Magnificat“ hervor.

3. Von ganzem Herzen vergeben. Am Ende der Bibelstelle fordert Jesus, dass wir von ganzem Herzen vergeben sollen. Jesus fordert keine mittelmĂ€ĂŸige, halbherzige Lösung. Wirklich frei und da, wo wir sein sollten, sind wir erst, wenn wir wirklich von Herzen leben und lieben.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, du hast mir so oft vergeben. Hilf mir, meinen Mitmenschen von ganzem Herzen zu vergeben und sie zu lieben.

Vorsatz: Ăœberlegen, wo es eine Verletzung gibt, die ich noch nicht vergeben habe und versuchen, diese wirklich von Herzen zu verzeihen.


Ein brennendes Herz

13. August 2021

Freitag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Hippolyt, Priester, MĂ€rtyrer
Hl. Pontianus, Papst

Eric Briemle

Mk 19,3-12
In jener Zeit kamen PharisĂ€er zu ihm, die ihm eine Falle stellen wollten, und fragten: Darf man seine Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen? Er antwortete: Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer die Menschen am Anfang als Mann und Frau geschaffen hat und dass er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein? Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. Da sagten sie zu ihm: Wozu hat dann Mose vorgeschrieben, dass man der Frau eine Scheidungsurkunde geben muss, wenn man sich trennen will? Er antwortete: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so. Ich sage euch: Wer seine Frau entlĂ€sst, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch. Da sagten die JĂŒnger zu ihm: Wenn das die Stellung des Mannes in der Ehe ist, dann ist es nicht gut zu heiraten. Jesus sagte zu ihnen: Nicht alle können dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist. Denn es ist so: Manche sind von Geburt an zur Ehe unfĂ€hig, manche sind von den Menschen dazu gemacht, und manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches willen. Wer das erfassen kann, der erfasse es.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich nehme mir jetzt Zeit, um wirklich von Herzen mit dir zu sprechen. Ich möchte auf all das hören, was du mir heute zu sagen hast.

Bitte: Jesus, gib mir ein Herz nach deinem Herzen.

1. Am Anfang war es nicht so. Jesus geht bei seiner Botschaft keine Kompromisse ein, sondern möchte die tiefste Sehnsucht der Menschen erfĂŒllen: Bedingungslos geliebt zu werden und bedingungslos zu lieben. Jesus bringt nicht eine Erlösung, die die letzten ĂŒbrig geblieben gesellschaftlichen Problemchen lösen soll, sondern eine Erlösung, die den Menschen in seinem Innersten heilt.

2. Wegen der HĂ€rte eurer Herzen
 Als Ursache fĂŒr die Entfernung vom paradiesischen Beziehungsleben nennt Jesus die HĂ€rte der Herzen. Jesus, dessen eigenes Herz aus Liebe zum Vater und zu den Menschen brennt, möchte auch unser Herz aus Stein in ein brennendes Herz verwandeln.

3. Nicht alle können das Wort erfassen. Nur die, denen es gegeben ist
 Wir sind in so vielerlei Hinsicht auf die Hilfe des Herrn angewiesen. Bitte ich wirklich mit diesem Vertrauen? Sage ich, dass ich Hilfe benötige und vertraue ich darauf, dass ich sie bekomme?

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, dein Herz brennt aus Liebe zum Vater und zu mir. Gib auch mir ein Herz nach deinem Herzen. Heile mich und meine Beziehungen.

Vorsatz: Ich werde fĂŒr die lebenslange Treue von Ehepartnern beten und hierfĂŒr ein Opfer bringen.


Kindlich oder kindisch?

14. August 2021

Samstag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Maximilian Maria Kolbe, Ordenspriester, MĂ€rtyrer
Gedenktag

Eric Briemle

Mt 19,13-15
In jener Zeit brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die HĂ€nde auflegte und fĂŒr sie betete. Die JĂŒnger aber wiesen die Leute schroff ab. Doch Jesus sagte: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich. Dann legte er ihnen die HĂ€nde auf und zog weiter.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich nehme mir jetzt Zeit, um wirklich von Herzen mit dir zu sprechen. Ich möchte auf all das hören, was du mir heute zu sagen hast.

Bitte: Jesus, gib mir ein Herz nach deinem Herzen.

1. Sollen wir ganz und gar Kind sein? Jesus sagt: „Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich.“ Es lohnt sich also, bei dieser Aussage zu verweilen. Aus dem Kontext anderer Aussagen Jesu geht hervor, dass er hier nicht ein Kindsein in jeglicher Hinsicht fordert, sondern ein Kindlich-sein.

2. Kindlich sein. Kinder in ihrer Bestform sind ehrlich, verstellen sich nicht, sind unkompliziert, leben von Herzen. Sie haben gelernt, dass sie nicht alles selber machen mĂŒssen. Sie vertrauen anderen. Kinder leben nicht in Sorge um das Morgen. Lebe ich diese kindlichen Eigenschaften gegenĂŒber Gott, meinem Vater?

3. Kindisch sein. Es gibt jedoch Eigenschaften eines Kindes, die ein Erwachsener Christ vermutlich nicht nachahmen sollte: Kinder sind naiv. Viele Institutionen locken mit Heilsversprechen und Wissen, aber es steckt oft wenig dahinter. Jesus sagt öfters „nehmt euch in acht“. Kindern fehlt auch die Weisheit: Zu wissen, was gut ist und wie man es erreicht, und was man lieber vermeiden sollte. Ein Erwachsener hat gelernt, in welchem Umfeld das Herz eher wĂ€chst und welches Umfeld fĂŒr das Herz schĂ€dlich ist. Auch in dieser Bibelstelle sind es die Erwachsenen, die die Kinder zu Jesus bringen, weil sie wissen, dass das fĂŒr ihre Kinder gut ist.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, wie ein Kind möchte ich zu dir kommen. Ich brauche dich. Hilf mir, wie ein Kind zu vertrauen.

Vorsatz: Heute fĂŒr fĂŒnf Minuten bewusst und von Herzen ein kindliches Gebet sprechen.