Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 1. August 2021 bis Samstag 7. August 2021

Achtzehnte Woche im Jahreskreis

Felix Honekamp

Göttliche DidaktikSonntag
GrenzenlosMontag
Allmacht und AllgĂĽteDienstag
Hilf meinem UnglaubenMittwoch
Meinungsbildung und BeziehungspflegeDonnerstag
Glaube und GehorsamFreitag
Berge versetzenSamstag


Göttliche Didaktik

1. August 2021

Achtzehnter Sonntag im Jahreskreis
Hl. Alfons Maria von Liguori, OrdensgrĂĽnder, Bischof, Kirchenlehrer

Felix Honekamp

Joh 6,24-35
In jener Zeit, als die Leute sahen, dass weder Jesus noch seine Jünger am Ufer des Sees von Galiläa waren, stiegen sie in die Boote, fuhren nach Kafarnaum und suchten Jesus. Als sie ihn am anderen Ufer des Sees fanden, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hierhergekommen? Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird! Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel beglaubigt. Da fragten sie ihn: Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen? Jesus antwortete ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat. Sie sagten zu ihm: Welches Zeichen tust du denn damit wir es sehen und dir glauben? Was für ein Werk tust du? Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen. Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben. Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot! Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, du allein kannst den Hunger und den Durst in meinem Herzen stillen. Ich selbst versuche es immer wieder mit eigenen Mitteln, aber wie bei einer viel zu sĂĽĂźen Limonade bin ich anschlieĂźend durstiger als vorher. Du bist mein Brot des Lebens!

Bitte: Mein Herr und mein Gott, öffne meinen Geist, damit ich deine Worte richtig verstehe. Ich möchte so gerne den Sinn deiner Worte erfassen, ihre Bedeutung fĂĽr mein ganz konkretes Leben erkennen können. FĂĽhre mich durch dieses Evangelium und zeige mir seine ganze Bedeutung, die ich in den Bildern so leicht ĂĽbersehe.

1. Göttliche Didaktik – Teil 1. Wir werden Zeuge einer wunderbaren Geschichte, die zeigt, wie Jesus auch mit uns vorgeht. Ich stelle ihm Fragen, die aber eigentlich nicht wichtig sind, und er lenkt dann meinen Blick auf das Wesentliche. Die Frage „Rabbi, wann bist du hierhergekommen?“ ist eigentlich banal, aber Jesus lenkt das Gespräch so, dass es von höchster Relevanz fĂĽr die JĂĽnger und die anderen Menschen wird. Und das Gespräch gipfelt in der Aussage „Ich bin das Brot des Lebens …“ Wichtigeres werden die Menschen an dem Tag nicht mehr hören. Wichtigeres werde auch ich heute nicht mehr hören.

2. Göttliche Didaktik – Teil 2. Die Menschen fragen nach einem Zeichen, nach einer Art Beweis, dass es Gott ist, der Jesus gesandt hat. Und kann man es ihnen verĂĽbeln? Wer mit einem solchen Anspruch auftritt, braucht gute Argumente. Doch auch wenn Jesus Zeichen und Wunder tut - hier tut er sie nicht. Dabei wäre es doch fĂĽr Jesus so einfach gewesen, jetzt ein kleines Wunder zu vollbringen, um die Menschen endgĂĽltig auf seine Seite zu ziehen. Aber Jesus weiĂź, dass sie schon das Wunder der Brotvermehrung missverstanden haben; sie werden ihn auch nicht verstehen, wenn er jetzt Asche zu Gold verwandeln wĂĽrde. Was sie brauchen, was ich brauche, ist Glauben. Der ist ein Geschenk Gottes, das ich aber auch annehmen muss. Ist Jesus das Brot auch meines Lebens?

3. Göttliche Didaktik – Teil 3. Nie mehr hungern, nie mehr Durst haben – das ist eine gewagte Zusage, die Jesus da den Menschen macht, die Zeugen der Brotvermehrung waren. Aber er hat schon deutlich gemacht, dass es hier nicht um einen Zaubertrick geht, nicht um irgendeine Magie, die die Mägen dauerhaft fĂĽllt. Wer an Jesus glaubt, aber gleichzeitig die Hände in den SchoĂź legt, wird doch wieder – körperlich – verhungern und verdursten. Aber was meint Jesus denn dann? Ich kann mich selbst fragen: An welchen Stellen im Leben bin ich auf eine Art hungrig, dass dieser Hunger nicht durch die Welt gestillt werden kann? Was sind meine tiefsten SehnsĂĽchte, die mich umtreiben, die mein Herz unruhig machen? Jesus kennt sie, und er kann, er will diesen Hunger in uns stillen.<

Gespräch mit Christus: Mein Jesus, ob ich wohl damals mit mehr Verständnis reagiert hätte als die Menschen, die dich nach deiner Legitimation befragt haben? Im Grunde weiĂź ich, dass ich nicht viel schlauer bin. Aber du nimmst mich an die Hand und bringst mir bei, wie ich dir vertrauen kann, wie ich dir folgen kann, wie ich an dich glauben kann. Du schenkst mir dich selbst als Brot des Lebens und stillst alle meine echten SehnsĂĽchte.

Vorsatz: Ich horche in mich, wo meine tiefsten SehnsĂĽchte liegen, was mein Herz wirklich unruhig macht. Ich frage mich: Glaube ich, dass Jesus diese tiefe Sehnsucht stillen kann? Wie kann mein Vertrauen in ihn tiefer werden?


Grenzenlos

2. August 2021

Montag der achtzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Eusebius von Vercelli, Bischof

Felix Honekamp

Mt 14,13-21
In jener Zeit, als Jesus hörte, dass Johannes enthauptet worden war, fuhr er mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber die Leute in den Städten hörten davon und gingen ihm zu Fuß nach. Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen und heilte die Kranken, die bei ihnen waren. Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen, und es ist schon spät geworden. Schick doch die Menschen weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können. Jesus antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische bei uns. Darauf antwortete er: Bringt sie her! Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten, und alle aßen und wurden satt. Als die Jünger die übrig gebliebenen Brotstücke einsammelten, wurden zwölf Körbe voll. Es waren etwa fünftausend Männer, die an dem Mahl teilnahmen, dazu noch Frauen und Kinder.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, du fĂĽhrst mich immer wieder an meine Grenzen; Grenzen, die ich mir selbst im Kopf gesetzt habe, und die ich auch dir setze. Dabei weiĂź ich, dass es fĂĽr dich keine Grenzen gibt. Du bist der Herr ĂĽber Billionen Galaxien, was sollte dich hindern, mit wenigen Broten Tausende zu sättigen, was sollte dich hindern, alles zu tun, um mich zu dir zu fĂĽhren – wenn ich nur mit dir gehe.

Bitte: Mein Herr und mein Gott, öffne bitte meine Augen fĂĽr deine Wunder, und schenke mir einen staunenden Geist.

1. Gebt ihr ihnen zu essen! Bei manchen Szenen aus dem Leben Jesu frage ich mich unwillkĂĽrlich, welchen Gesichtsausdruck Jesus wohl gehabt haben mag, wenn er etwas sagte. Christliche Bilder zeigen Jesus oft mit einem sanften oder leidenden Gesichtsausdruck, aber wie wäre es, wenn man im Gesicht Jesu bei dem Satz „Gebt ihr ihnen zu essen!“ ein Augenzwinkern annehmen wĂĽrde? Die JĂĽnger werden sich gefragt haben, wie sie denn den Auftrag Jesu wohl erfĂĽllen sollten. Gleichzeitig dĂĽrfen wir annehmen, dass er diese unlösbare Aufgabe – unlösbar aus Sicht der JĂĽnger – nicht gestellt hat, um sie zu ärgern. Kann es nicht sein, dass Jesus im Hinterkopf hatte: „Aufgepasst, ihr seid im Begriff, etwas zu sehen, was ihr so schnell nicht vergessen werdet!“ Bin ich in der Lage, Jesus in dieser Situation, und in manch anderer, Humor zu unterstellen?

2. Ein Wunder! Was hier passiert, ist ein Wunder, und der Evangelist hat es wohl auch deshalb so genau notiert, weil er es selbst nicht erklären konnte. Unser Verstand weigert sich nicht selten, an so ein Wunder zu glauben: Sollte sich zusätzliches Brot und Fisch aus der Luft „materialisiert“ haben? Mancher meint gar, die Geschichte sei ganz anders gewesen, und die Anwesenden hätten ihre Vorräte geteilt, sodass alle satt geworden wären. Auch eine schöne Geschichte, aber so steht sie jedenfalls nicht in der Heiligen Schrift und lässt sich auch aus keinem Wort hineininterpretieren. Glaube ich an Wunder? Glaube ich, dass Gott aus dem Nichts etwas schaffen kann, aus wenigen Broten und Fischen eine Speisung fĂĽr Tausende, aus meiner persönlichen Verzweiflung und meinen Sorgen Freiheit? Oder mache ich ihn in meinem Kopf kleiner als er ist, passend fĂĽr meine eigenen Vorstellungen?

3. Ăśberraschung! Was an dieser Stelle auch nicht beschrieben und damit unserer Vorstellungskraft ĂĽberlassen ist, ist die Reaktion der Menschen, vor allem der JĂĽnger auf dieses Wunder. Vor meinem Auge stehen die JĂĽnger vor den ĂĽbriggebliebenen Körben und fragen sich, was sie da gerade erlebt haben. Mancher der Anwesenden, die satt geworden sind, mag das eigentliche Wunder gar nicht mitbekommen haben, hat einfach die Hand in den Korb gesteckt und fĂĽr sich und seine Familie etwas Brot und Fisch herausgeholt. Aber die JĂĽnger wissen, was passiert ist. Und so, wie ich mir wĂĽnschte, ab und zu einen Blick auf Jesu Gesicht werfen zu können, wĂĽsste ich auch gerne, wie der Blick der JĂĽnger gewesen sein mag. Und wieder kann ich mich selbst fragen: Erkenne ich die Wunder Gottes? Und bin ich erstaunt? Oder versuche ich, sie „wegzuerklären“; bin ich zu aufgeklärt, um mich noch von Wundern ĂĽberraschen zu lassen? Ob es Jesus wohl gefällt, wenn ich mich wie ein kleines Kind ĂĽber seine Geschenke freue?

Gespräch mit Christus: Mein Jesus, dir ist nichts unmöglich. Das weiĂź ich, weil ich weiĂź, dass du Gott bist und Gott eben allmächtig ist. Aber meistens rechne ich nicht damit, dass du diese Allmacht nutzen könntest. Im Grunde lebe ich manchmal wie ein Agnostiker, der mit deinem Wirken in der Welt gar nicht rechnet. Wie froh kann ich um die Gnade sein, deine Wunder als solche erkennen zu können.

Vorsatz: Ich schaue heute auf ein oder zwei Geschenke, die ich jeden Tag erlebe (das Lachen meiner Kinder, der wunderschöne Sonnenaufgang oder auch nur das Wasser, das einfach aus der Leitung kommt) und betrachte, welcher Wunder es alles bedurfte, damit ich diese Gnaden erleben kann.


Allmacht und AllgĂĽte

3. August 2021

Dienstag der achtzehnten Woche im Jahreskreis

Felix Honekamp

Mt 14,22-36
Nachdem Jesus die Menge gespeist hatte, forderte er die Jünger auf, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken. Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Spät am Abend war er immer noch allein auf dem Berg. Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind. In der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen; er ging auf dem See. Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst. Doch Jesus begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! Darauf erwiderte ihm Petrus: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme. Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu. Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich! Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind. Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn. Sie fuhren auf das Ufer zu und kamen nach Gennesaret. Als die Leute dort ihn erkannten, schickten sie Boten in die ganze Umgebung. Und man brachte alle Kranken zu ihm und bat ihn, er möge sie wenigstens den Saum seines Gewandes berühren lassen. Und alle, die ihn berührten, wurden geheilt.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, fĂĽr dich gibt es tatsächlich keine Grenzen: Du hast die Welt aus dem Nichts erschaffen, da ist es fĂĽr dich auch kein Problem, Tausende mit ein paar Fischen und Broten zu speisen oder ĂĽbers Wasser zu gehen. Du bist allmächtig, und ich möchte so gerne lernen, an deine Allmacht zu glauben und an deine AllgĂĽte, die mich auch dann trägt, wenn ich das GefĂĽhl habe, du wĂĽrdest fĂĽr mich kein Wunder tun wollen.

Bitte: Mein Herr und mein Gott, hilf mir, „übers Wasser zu gehen“: Beruhige meine Zweifel, stärke meinen Glauben an dich, stärke mein Vertrauen, meinen Mut, dir zu folgen, stärke meine Gelassenheit vor den StĂĽrmen der Welt. Festige meinen Blick auf dich.

1. Ăśbers Wasser gehen. In gewisser Weise könnte man unken, Jesus wolle in der Situation ein bisschen „angeben“. Eben noch hat er Tausende mit Essen versorgt, jetzt läuft er auf dem stĂĽrmischen See den JĂĽngern hinterher, die schon im Boot sitzend ihre liebe Not mit den Wellen haben. Eigentlich ist das Ăśbers-Wasser-Gehen schon erstaunlich genug, aber auch hier frage ich mich, was Jesus sich wohl dabei gedacht hat. Ganz Mensch und ganz Gott hätte er auch ans andere Ufer fliegen können, oder einfach dort erscheinen können. Wenn er aber so ĂĽber das Wasser geht, dann muss man doch davon ausgehen, dass er einen Grund dafĂĽr hatte.

2. Erwarte das Unerwartete. Der Bibel ist nicht direkt zu entnehmen, welchen Grund Jesus hatte, ĂĽber den See zu laufen, aber ich kann mich in die Reaktionen der JĂĽnger hineinversetzen. WĂĽrde ich nicht auch erschrecken, wenn ich nachts in einem Boot säße und jemand ĂĽbers Wasser laufen wĂĽrde? Was die JĂĽnger sehen, was mir hier beschrieben wird, ist jenseits ihrer und auch meiner Vorstellungskraft. Aber vielleicht geht es genau darum: Schon die Brotvermehrung war ein Wunder, warum sollte Jesus also nicht zu allen anderen Wundern in der Lage sein? Und warum bin ich dann ĂĽberrascht? Traue ich Jesus im Grunde keine Wunder zu?

3. â€žWarum hast du gezweifelt?“ Petrus scheint ĂĽberzeugt zu sein: „Wenn das Jesus ist, dann kann er auch machen, dass ich ĂĽbers Wasser laufe.“ Ob er bei seinen ersten Schritten auf dem Wasser wohl gelacht hat? „Schaut her, Jungs, ich kann auf dem Wasser gehen!“ Und doch ist da ein Zweifel: Tut Jesus das Wunder auch fĂĽr mich? Kann ich mich auf ihn verlassen? Oder lässt er mich doch irgendwann hängen, buchstäblich untergehen? Wer hätte nicht selbst auch manchmal solche Zweifel? Gott scheint unberechenbar: Vielleicht tut er ein Wunder, meistens aber nicht und ich muss dann darĂĽber nachdenken, warum er es nicht getan hat. Nährt Jesus so nicht tatsächlich Zweifel an ihm? Und doch: Ich will auf ihn schauen, egal was passiert, ob meine WĂĽnsche und Gebete nun erfĂĽllt werden oder nicht. Es fĂĽhrt fĂĽr mich kein Weg daran vorbei, das Vertrauen in Jesus zu erlernen, Zweifel mit Glauben zu begegnen.

Gespräch mit Christus: Mein Jesus, manche Geschichten ĂĽber dich lese ich, ohne mir wirklich bewusst zu machen, was sie bedeuten. Wunder sind dir ein Leichtes, und doch traue ich sie dir oft gar nicht zu. Dabei ist jeder Atemzug ein Wunder, jeder Blick, den ich auf die Welt werfe, ist ein Wunder … und die vielen Geschenke, die du mir machst, sind allesamt Wunder. Lehre mich, Jesus, dir mehr zu vertrauen und zu danken.

Vorsatz: Ich werde heute FĂĽrbitten in dem Bewusstsein beten, dass Jesus alles kann, und ihm vertrauen, dass er schon das Rechte damit tun wird.


Hilf meinem Unglauben

4. August 2021

Hl. Johannes Maria Vianney, Pfarrer von Ars, Patron der Pfarrer
Gedenktag

Felix Honekamp

Mt 15,21-28
In jener Zeit zog sich Jesus in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück. Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält. Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Befrei sie (von ihrer Sorge), denn sie schreit hinter uns her. Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. Doch die Frau kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir! Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen. Da entgegnete sie: Ja, du hast Recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, manchmal verstehe ich dich nicht. Aber das liegt nicht an dir, sondern an meinem kleinen Geist. Ich will dir vertrauen, vor allem auch dann, wenn ich dafĂĽr in mir allein keinen Grund finde.

Bitte: Mein Herr und mein Gott, ich glaube, hilf meinem Unglauben!

1. Gemein? Diese Geschichte aus dem Leben Jesu kann man als Beispiel dafĂĽr hernehmen, dass es sich um echte Lebensgeschichten handelt. Denn wollte man Jesus mit Worten verklären, hätte man sie anders erzählt. Es will uns, es will mir so gar nicht in den Kopf, warum Jesus auf die kanaanäische Frau so reagiert, wie er es tut. Es ist doch kein Problem fĂĽr ihn, ihrer Tochter zu helfen. Stellen wir uns einen Arzt vor, der mehr als genug Medikamente fĂĽr eine tödliche Krankheit hat, und der sich nun wegen formaler Fehler (sie gehört nicht zum Hause Israel – sie ist in der falschen Krankenkasse) weigert, eine Patientin zu retten. Ist Jesus hier einfach formalistisch? Vielleicht sogar gemein? Und kann ich mir selbst eingestehen, dass diese Episode schwer zu verdauen ist?

2. Glaube und Vertrauen. Andererseits: Die Frau lässt nicht locker, sie ist fest davon ĂĽberzeugt, dass ihr Jesus helfen kann, ihr helfen wird. Und auch ich sollte mir immer vor Augen fĂĽhren, dass ich es mit Jesus zu tun habe, dessen Liebe unendlich ist, der selbst die Liebe ist. Es ist in gewisser Weise ein Vertrauenstest: Wenn ich zweifle, dass Jesus hier in Liebe handelt, dann werde ich ihn fĂĽr gemein halten. Wenn ich aber ĂĽberzeugt bin, dass er die Liebe ist und ich in allem, was er sagt und tut, immer die Liebe am Werk sehe, dann bin vielleicht ich es, der nicht versteht, warum Jesus so anders handelt, als ich es mir vorstelle. Kann ich diese Prämisse setzen: „Egal was passiert: Gott handelt aus Liebe!“?

3. Die Kernfrage. Jesus handelt immer gut, er handelt immer im Auftrag seines Vaters. Und was er nicht tut, zum Beispiel Wunder zu vollbringen, damit er besser dasteht, passt durchaus zu diesem Bild. Es wird auch berichtet, dass er in Nazareth, wo man nicht an ihn glaubte, nur wenige Wunder vollbracht hat (vgl. Matthäus 13,58) – nicht, weil er wirklich nicht gekonnt hätte, sondern weil die Wunder die Menschen nicht zu Gott gefĂĽhrt hätten. Darum ist das Gebet der Frau an Jesus so wichtig: Sie verlangt kein Wunder damit sie glaubt – sie glaubt schon und vertraut darum darauf, dass Jesus ein Wunder vollbringen kann. Was traue ich Jesus zu? Kommen mir Zweifel, wenn Gott nicht die Wunder vollbringt, die ich mir wĂĽnsche? Oder habe ich Vertrauen, auch wenn ich Tragödien sehe, gegen die Gott scheinbar nichts unternimmt? KĂĽrzer gefasst: Glaube ich an Gott?

Gespräch mit Christus: Mein Jesus, ich wĂĽnsche mir oft Dinge von dir, bete intensiv fĂĽr die Gesundung eines Freundes, fĂĽr Lebensmut fĂĽr eine Freundin, fĂĽr die Lösung eigener geistlicher Probleme – ich bete um Wunder, und ich weiĂź, dass du es liebst, mir zu helfen. An dieser Ăśberzeugung, dass du auch dann auf meiner Seite bist, wenn du meine WĂĽnsche nicht erfĂĽllst, muss ich aber noch arbeiten. Danke, dass du mich auch in solchen Situationen nicht allein lässt.

Vorsatz: Ich schaue auf Tragödien in meinem Leben oder im Leben von Freunden und mache mir bewusst, dass Gott immer in Liebe handelt, auch wenn ich es vielleicht nicht verstehe. Ich spreche dabei immer wieder: Jesus, ich vertraue auf Dich!


Meinungsbildung und Beziehungspflege

5. August 2021

Donnerstag der achtzehnten Woche im Jahreskreis
Weihe der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom (Maria Schnee)

Felix Honekamp

Mt 16,13-23
In jener Zeit, als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein. Dann befahl er den Jüngern, niemand zu sagen, dass er der Messias sei. Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, immer wieder forderst du mich heraus. Dir ist meine Meinung nicht egal, dir ist mein Leben nicht egal. Du möchtest, dass ich Position beziehe, bekenne – nicht nur mĂĽndlich oder in meiner Gemeinde, sondern in jeder Situation – wer du fĂĽr mich bist. Oft versuche ich, diesen Fragen auszuweichen, aber du lässt nicht locker. DafĂĽr danke ich dir, Vater!

Bitte: Mein Herr und mein Gott, bitte hilf mir gegen meine Menschenfurcht, zeige mir – in dieser Meditation und wo immer es notwendig ist – den Weg, dich zu bekennen.

1. Ihr aber. Wieder werden wir Zeugen einer göttlichen Didaktik: Wenn ich nach meiner Meinung gefragt werde, zu welchem Thema auch immer, dann komme ich oft nicht umhin, mir auch darĂĽber Gedanken zu machen, was denn die „allgemeine Meinung“ zu dem Thema ist. Da spielt Menschenfurcht eine groĂźe Rolle. Jesus nimmt diesen Schritt hier einfach vorweg, um es transparent zu machen: „FĂĽr wen halten die Leute mich?“ um dann anschlieĂźend zu fragen: „Ihr aber, fĂĽr wen haltet ihr mich?" Hier wird von den JĂĽngern eine Positionierung verlangt: Wie verhalte ich mich gegenĂĽber einer Mehrheitsmeinung?

2. Die Leute. Die gleichen Fragen kann und muss ich mir auch heute stellen: FĂĽr wen halten die Leute Gott? FĂĽr wen halten die Leute Jesus Christus? Aber auch: FĂĽr was halten die Leute die Kirche? FĂĽr was halten die Leute den Papst, meinen Bischof, meine Gemeindepriester? Mich das zu fragen, bedeutet, mir bewusst zu werden, welchen EinflĂĽssen ich ausgesetzt bin. Es ist kein Charakterfehler, fremde Meinungen zu betrachten, wenn ich mir darĂĽber im Klaren bin, dass es eben fremde Meinungen sind, zu den ich mich positionieren muss. Haben solche Meinungen ĂĽber „Gott und die Welt“ einen zu starken Einfluss auf mich? Rede ich manchmal anderen nach dem Mund, um besser da zu stehen? Oder widerspreche ich aus Prinzip? Habe ich eine eigene Position?

3. Ich aber. Dann aber komme ich zu dem Punkt: Wer ist Jesus fĂĽr mich? Kann ich das ĂĽberhaupt formulieren, ohne bloĂź in „frommen Bekenntnissen“ Zuflucht zu nehmen? Jesus ist Gott, ja, er ist der Herr, er ist unser Freund und Bruder … Aber wie wirkt sich das ganz persönlich fĂĽr mich aus? Bin ich mir darĂĽber im Klaren, wer Jesus fĂĽr mich ist? Und wie wirkt sich das auf mein Leben aus? Habe ich Jesus immer an meiner Seite? Spreche ich regelmäßig mit ihm? Befrage ich ihn bei Entscheidungen? Hat mein geistliches Bekenntnis zu Jesus auĂźerhalb meines Gebetslebens einen erkennbaren Einfluss auf meinen Tagesablauf? Ich aber, fĂĽr wen halte ich Jesus?

Gespräch mit Christus: Mein Jesus, du bist in deinem Verhältnis zum Vater immer klar gewesen. Bei dir gibt es keinen Unterschied zwischen deinen Gedanken, deinen Worten und deinem Verhalten. So zu sein, fällt mir oft schwer, vor allem dann, wenn es mit Nachteilen oder auch nur „schiefen Blicken“ verbunden ist. Darum ist es so wichtig, mir darĂĽber klar zu werden, wer du wirklich fĂĽr mich bist. Das ist keine Aufgabe fĂĽr ein paar Minuten, eher fĂĽr ein ganzes Leben. Bitte begleite mich dabei, damit ich dich immer besser kennenlerne und unsere Beziehung immer tiefer wird.

Vorsatz: Ich formuliere, am besten schreibe ich es auf, wie sich meine Beziehung zu Jesus in den wichtigsten Bereichen meines täglichen Lebens auswirkt: auf die Familie, Freundschaften, die Arbeit, die Hobbys …


Glaube und Gehorsam

6. August 2021

Verklärung des Herrn
Fest

Felix Honekamp

Mk 9,2-10
Sechs Tage danach nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Und er wurde vor ihnen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann. Da erschien ihnen Elija und mit ihm Mose und sie redeten mit Jesus. Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen. Da kam eine Wolke und überschattete sie und es erscholl eine Stimme aus der Wolke: Dieser ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören. Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemanden mehr bei sich außer Jesus. Während sie den Berg hinabstiegen, gebot er ihnen, niemandem zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei. Dieses Wort beschäftigte sie und sie fragten einander, was das sei: von den Toten auferstehen.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, du forderst uns auf, Jesus zu folgen. Ich möchte das tun, aber in ganz vielen Fällen scheitere ich. Und oft versuche ich, mich damit herauszureden, dass Jesus schlieĂźlich Gott ist und ich an seinem Vorbild scheitern muss; manchmal rede ich mir ein, dass dieses oder jenes vorbildhafte Verhalten in dem Moment nicht angemessen wäre. Aber du weiĂźt es besser: Dein Gebot, auf Jesus zu hören, ist so klar wie einfach. Ich danke dir fĂĽr dieses Gebot.

Bitte: Mein Herr und mein Gott, begleite mich auf meinem Weg, Jesus besser kennenzulernen, ihm enger nachzufolgen, besser auf ihn zu hören.

1. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Ich kann mir kaum vorstellen, wie sich Petrus, Jakobus und Johannes gefĂĽhlt haben mĂĽssen. Jeder filmische Versuch, die Szene wiederzugeben, muss scheitern, weshalb sie in entsprechenden Verfilmungen immer höchstens angedeutet wird. In gewisser Weise muss es furchterregend gewesen sein, aber auch aufregend … und ganz sicher eben göttlich. Kein Wunder also, dass Petrus, der sonst schnell eine Aussage trifft (zum Beispiel darĂĽber, dass Jesus der Messias ist), hier sprachlos bleibt. Vielleicht ist das aber auch genau die Botschaft: Wenn Gott ins Spiel kommt, versagen unsere weltlichen Erklärungen. Gott ist ganz anders, und immer, wenn ich glauben sollte, sein Wesen in FĂĽlle ergrĂĽndet zu haben, ist das ein gutes Indiz dafĂĽr, dass ich daneben liege.

2. Auf ihn sollt ihr hören. Die von Gott gesprochenen Worte lassen dann allerdings keinen Zweifel mehr: „Dieser ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.“ Er sagt nicht, ich solle Jesu Vorbild in Betracht ziehen, ich solle mir aus seinen Botschaften heraussuchen, was mir gerade passend erscheint, oder dass die Botschaften Jesu ein Vorschlag wären, den ich auch ablehnen kann. NatĂĽrlich bin ich frei, mich zu entscheiden, wie ich möchte, aber wenn ich ein Leben im Sinne Gottes, ein Leben, wie es Gott im Sinn hatte, als er mich schuf, fĂĽhren möchte, dann muss ich Jesus folgen, tun, was er sagt. Wie war das gleich mit meinem Nächsten, wie mit der anderen Wange, wie mit dem falschen Zeugnis …? Höre ich auf Jesus? Immer?

3. Von den Toten auferstehen. Zum GlĂĽck sind wir, bin ich heute schlauer und weiĂź, was „von den Toten auferstehen“ bedeutet. Jesus war tot und lebt wieder. Allerdings nicht so, wie zum Beispiel Lazarus, den er auferweckt hat, der aber später wieder sterben musste. Und offenbar war Jesus auch verändert, hatte noch seine Wundmale an Händen, FĂĽĂźen und in der Seite, aber sonst war sein Leib offenbar „verklärt“, also irgendwie anders. Und er tauchte, nachdem er wieder am Leben war, immer ĂĽberraschend auf, stand plötzlich in der Mitte eines Raumes und war genauso schnell wieder verschwunden. Und dann ist er eben später nicht noch mal gestorben, sondern in den Himmel aufgefahren, uns jetzt aber gegenwärtig in der Eucharistie … Wenn ich ehrlich bin: Ich kann heute mit einfachen Worten auch nicht sagen, was „von den Toten auferstehen“ wirklich bedeutet. Aber ich weiĂź, dass es wunderbar ist, dass Jesus den Tod besiegt hat und ich nun auch nicht mehr ohne Hoffnung auf das Paradies sterben muss. Mein Glaube muss an Verständnis genĂĽgen. Gott selbst und das Zeugnis der Heiligen verbĂĽrgen ihn glaubwĂĽrdig.

Gespräch mit Christus: Mein Jesus, du hast den drei JĂĽngern bei deiner Verklärung eine ganze Menge zugemutet. Und auch mir mutest du eine Menge zu, traust mir eine Menge zu. Du traust mir zu, dass ich dir folgen kann. Du traust mir zu, dass ich dich verstehe. Du traust mir zu, dass ich durch den Glauben Hoffnung und Frieden gewinne, den ich allein nie gewinnen könnte. Ich selbst traue mir viel davon nicht zu, aber ich bin mir sicher, dass du bei mir bist und mir in der Unsicherheit Hilfestellung leistest. Danke, Jesus, dass du mir so viel zutraust.

Vorsatz: Ich vergegenwärtige mir Dinge, die ich ganz sicher von Jesus zu wissen meine, und schaue, ob sie mein Leben beeinflussen. Macht mich das Jesus ähnlich? Und wo ähnele ich ihm noch gar nicht? Was kann ich tun, um besser auf Jesus zu hören?


Berge versetzen

7. August 2021

Samstag der achtzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Kajetan, Priester, OrdensgrĂĽnder
Hl. Xystus II., Papst, Märtyrer

Felix Honekamp

Mt 17,14b-20
In jener Zeit trat ein Mann auf Jesus zu, fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Herr, hab Erbarmen mit meinem Sohn! Er ist mondsüchtig und hat schwer zu leiden. Immer wieder fällt er ins Feuer oder ins Wasser. Ich habe ihn schon zu deinen Jüngern gebracht, aber sie konnten ihn nicht heilen. Da sagte Jesus: O du ungläubige und unbelehrbare Generation! Wie lange muss ich noch bei euch sein? Wie lange muss ich euch noch ertragen? Bringt ihn her zu mir Dann drohte Jesus dem Dämon. Der Dämon verließ den Jungen, und der Junge war von diesem Augenblick an geheilt. Als die Jünger mit Jesus allein waren, wandten sie sich an ihn und fragten: Warum konnten denn wir den Dämon nicht austreiben? Er antwortete: Weil euer Glaube so klein ist. Amen, das sage ich euch: Wenn euer Glaube auch nur so groß ist wie ein Senfkorn, dann werdet ihr zu diesem Berg sagen: Rück von hier nach dort!, und er wird wegrücken. Nichts wird euch unmöglich sein.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, alles kann ich, wenn du mir hilfst, nichts kann ich, wenn ich dich nicht einbeziehe. Du hast es versprochen: Nichts wird uns, nichts wird mir unmöglich sein, wenn mein Glaube nur so groĂź ist wie ein Senfkorn. Wenn du es sagst, dann stimmt das auch.

Bitte: Mein Herr und mein Gott, einmal mehr bitte ich dich, meinem Unglauben, meinem mangelnden Vertrauen, meiner geringen Einsicht in deine Allmacht und deine AllgĂĽte, aufzuhelfen. Hilf meinem Unglauben.

1. Ungläubige Generation. Wir erleben Jesus an dieser Stelle unwirsch, gar nicht so liebevoll und zurĂĽckgenommen, wie wir ihn sonst kennen und ihn uns als Vorbild nehmen: „Wie lange muss ich noch bei euch sein? Wie lange muss ich euch noch ertragen?“ Das bezieht Jesus auf den Unglauben der Menschen um ihn herum. Dabei sind sie doch gläubig: Sie kommen zu ihm mit der Bitte um Heilung eines Jungen von einem Dämon. Aber was Jesus hier anspricht, ist etwas anderes: Er gibt uns, er gibt auch mir an vielen anderen Stellen in den Evangelien Vollmacht zur Evangelisierung, zur Heilung, zum Gebet. Was fehlt, ist der Glaube daran, dass das, was ich von Gott erbitte, auch geschieht. Aber wenn ich im Grunde gar nicht daran glaube, dass Gott heilen kann und heilen will: Bete ich dann wirklich?

2. Gottes Wille?  Die harsche Reaktion Jesu bleibt nicht ohne Folgen: Nachdem Jesus den Dämon ausgetrieben hat, fragen ihn seine JĂĽnger, warum sie das denn nicht konnten. Wie ist das mit mir: Wenn ich fĂĽr jemanden um Heilung einer Krankheit bete, wenn ich fĂĽr das Wohlergehen anderer bete, und sich das dann nicht einstellt, glaube ich dann direkt, dass Gott das eben nicht möchte (vielleicht mit dem „frommen“ Gedanken, dass Gottes Wille geschehen möge), oder suche ich weitere Wege? Gibt es dann vielleicht etwas, was ich noch tun kann? Selbst tätig werden, mehr beten, anders beten, vor allem mit mehr Vertrauen beten? Nicht alles, um was ich bitte, entspricht Gottes Plan und ist fĂĽr die Betroffenen oder mich selbst gut, aber vielleicht gebe ich doch manchmal zu schnell auf und bin mit der Erklärung, dass Gottes Wille ein anderer ist, zufrieden? Denn hier, in dieser Situation, war es offensichtlich nicht Gottes Wille, dass der Junge besessen bleibt.

3. Mit Glauben Berge versetzen. Das fĂĽhrt mich zu dem Vater des Jungen: Er hatte die JĂĽnger gebeten, seinem Sohn zu helfen; offenbar wusste er, dass sie in Vollmacht Jesu handeln können. Aber nachdem sie nichts ausrichten konnten, gab er sich nicht damit zufrieden. Ă„hnlich wie die kanaanäische Frau fĂĽr ihre Tochter (Tagesevangelium vom vergangenen Mittwoch, Mt 15,21-28) lässt er nicht locker. Der Vorwurf des Unglaubens trifft also nicht ihn; er lässt nichts unversucht, bei Gott fĂĽr seinen Sohn die Heilung zu erbitten. In diesem Sinne ist er es, der Berge versetzt, wie Jesus es in Aussicht stellt: „Wenn euer Glaube auch nur so groĂź ist wie ein Senfkorn, dann werdet ihr zu diesem Berg sagen: RĂĽck von hier nach dort!, und er wird wegrĂĽcken.“ Dieses Vertrauen in die Kraft Gottes und in seinen Willen zum Guten brauche ich. Es geht nicht um eine „Gebetstechnik“, aber Gebet ohne Glauben wird nutzlos sein.

Gespräch mit Christus: Mein Jesus, du sprichst davon, dass mir mit einem Glauben so groĂź wie ein Senfkorn nichts unmöglich wäre. Wenn ich nun auf meine Gebete schaue, dann stelle ich fest: Offenbar ist mein Glauben kleiner als das. Womöglich liegt das daran, dass ich doch lieber auf mich selbst vertraue, als dir meine Sorgen in die Hand zu legen. Dein Apostel Petrus schreibt: „Ladet alle eure Sorgen bei Gott ab, denn er sorgt fĂĽr euch.“ Das will ich tun, dieses Angebot will ich annehmen.

Vorsatz: Ich werde heute alle und alles, was mich belastet, was mich bedrängt, was mir ein schlechtes GefĂĽhl, Sorgen oder Angst macht, in Gottes Hand legen. Ich bete dabei fĂĽr jede einzelne Sache: „Jesus, alle und alles gebe ich in deine Hand, denn du sorgst fĂĽr mich. Ich gebe dir [diese Sorge, diese Angelegenheit] in deine Hand. Sorge du, Jesus!“.