Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 25. Juli 2021 bis Samstag 31. Juli 2021

Siebzehnte Woche im Jahreskreis

Br. Nils SchÀfer LC

Christus spielt uns den Ball zuSonntag
Keine Angst vor KleinheitMontag
Eine unbequeme WahrheitDienstag
Der Schatz meines LebensMittwoch
Meine IdentitÀt und mein HandelnDonnerstag
Unsere Vorstellungen sprengen lassenFreitag
Die Befreiung aus unserer VersklavungSamstag


Christus spielt uns den Ball zu

25. Juli 2021

Siebzehnter Sonntag im Jahreskreis
Hl. Jakobus der Ältere, Apostel

Br. Nils SchÀfer LC

Joh 6,1-15
In jener Zeit ging Jesus an das andere Ufer des Sees von GalilĂ€a, der auch See von Tiberias heißt. Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen JĂŒngern nieder. Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe. Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben? Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: Brot fĂŒr zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines StĂŒck bekommen soll. Einer seiner JĂŒnger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm: Hier ist ein kleiner Junge, der hat fĂŒnf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das fĂŒr so viele? Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nĂ€mlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fĂŒnftausend MĂ€nner. Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen. Als die Menge satt geworden war, sagte er zu seinen JĂŒngern: Sammelt die ĂŒbrig gebliebenen Brocken, damit nichts verdirbt! Sie sammelten und fĂŒllten zwölf Körbe mit den Brocken, die von den fĂŒnf Gerstenbroten nach dem Essen ĂŒbrig waren. Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da erkannte Jesus, dass sie kommen wĂŒrden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurĂŒck, er allein.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, danke fĂŒr diese persönliche Zeit mit dir! Ich will sie dir einfach schenken. Deine Gnade wirkt besonders in meiner Schwachheit, die ich dir in diesem Gebet anbiete.

Bitte: Christus, hilf mir, meine Kleinheit als den Platz in meinem Leben zu lieben, an dem du wirkst.

1. Christi Sehnsucht. Eine der faszinierendsten Formen des Gebets ist die Betrachtung des Herzens Jesu. So viele Bibelstellen erstehen zu neuem Leben, wenn wir unseren Fokus auf das legen, was im Herzen Christi geschieht, dem vollkommensten Vorbild aller Zeiten und dem menschgewordenen Gott. In diesem Evangelium erkennen wir zwei große SehnsĂŒchte. Zum einem gibt es die Sehnsucht in Jesu Herz, die Menschen zu beschenken, ihnen Liebe zu schenken, die ganz „umsonst“ ist und voraussetzungslos gegeben wird: Er sieht den Hunger der Menschen und will ihn beantworten. Zum anderen offenbart dieses Evangelium aber auch Jesu Sehnsucht, dass seine JĂŒnger wachsen. Er stellt sie auf die Probe und fordert sie heraus. Er will sie nicht bloßstellen, sondern er will sie einbinden, damit sie in ihrem Glauben wachsen. Nehmen wir uns ein paar Momente Zeit, um diese zwei SehnsĂŒchte in Christi Herz zu entdecken. Genau diese SehnsĂŒchte hat er auch, wenn er auf mein Leben schaut.

2. Keine Angst vor meiner Kleinheit. Ja, Christus fordert heraus. Er macht es uns nicht bequem. Auch an dieser Stelle fordert er die Apostel heraus, ihre eigenen Denkschemen zu durchbrechen. Dies kann uns oft Angst einjagen oder in eine ungesunde Unruhe versetzen. Schließlich kennen wir unsere Begrenztheit selbst am besten und wissen, dass wir fĂŒr die Sendung, die Christus uns anvertrauen will, eigentlich ungeeignet sind. Was Christus von den Aposteln fordert, ĂŒbersteigt auch in diesem Evangelium menschliches Vermögen. Doch ihm reichen fĂŒnf Brote und zwei Fische. Er braucht nicht mehr, als die kleine Anstrengung oder den kleinen ersten Schritt, den wir jetzt schon machen können. Was er braucht, ist unser Vertrauen, unsere Kleinheit in seinen Dienst zu stellen.

3. Innere Freiheit. Eine der befreiendsten Erfahrungen der JĂŒngerschaft ist zu entdecken, dass so viele Dinge nicht von mir abhĂ€ngen. Gott braucht meine Talente und FĂ€higkeiten nicht. Doch er will sie gebrauchen, einfach weil es sein Herz erfreut. Die Anstrengungen der JĂŒnger bei der Brotvermehrung waren nicht notwendig, damit Christus den Hunger der Leute stillen kann, aber es freute Jesus zu sehen, wie die Apostel an seiner Sendung mitarbeiteten; zu sehen, wie sie den Hunger der Leute durch seine GroßzĂŒgigkeit stillten. Auch in meinem Leben hĂ€ngt so viel eben nicht von mir ab. Ich muss mir in meinem Glaubensleben keinen Leistungsdruck auferlegen. Christus will eben nicht durch meine Perfektion wirken, sondern durch die Kleinheit, die ich ihm anbiete. Genau dort wird klar, dass es seine Vollmacht ist, die wirkt. Diese Erkenntnis immer wieder in meinem Leben anzunehmen, schenkt mir große innere Freiheit und nimmt viel Druck von meinen Schultern.

GesprĂ€ch mit Christus: Christus, ich danke dir, dass du deine Liebe umsonst schenkst und mich einlĂ€dst, dir bei diesem Sendungsauftrag zu helfen. Ich biete dir heute meine zwei Fische und fĂŒnf Brote an, damit du sie fĂŒr die Menschen vermehren kannst. Hilf mir bitte, immer besser zu erkennen, dass es letztlich um das geht, was du durch mein Leben bewirken willst, und nicht um das, was ich mit meiner Kraft aufbauen kann.

Vorsatz: Gott bewusst in einem Moment dieses Tages einen kleinen Dienst an jemand anderem anbieten, als Zeichen meines Vertrauens auf ihn.


Keine Angst vor Kleinheit

26. Juli 2021

Montag der siebzehnten Woche im Jahreskreis
Hll. Joachim und Anna, Eltern der Gottesmutter Maria
Gedenktag

Br. Nils SchÀfer LC

Mt 13,31-35
In jener Zeit erzĂ€hlte Jesus der Menge ein weiteres Gleichnis und sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker sĂ€te. Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hochgewachsen ist, ist es grĂ¶ĂŸer als die anderen GewĂ€chse und wird zu einem Baum, so dass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten. Und er erzĂ€hlte ihnen noch ein Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsĂ€uert war. Dies alles sagte Jesus der Menschenmenge durch Gleichnisse; er redete nur in Gleichnissen zu ihnen. Damit sollte sich erfĂŒllen, was durch den Propheten gesagt worden ist: Ich öffne meinen Mund und rede in Gleichnissen, ich verkĂŒnde, was seit der Schöpfung verborgen war.

EinfĂŒhrendes Gebet: Christus, danke, dass ich deinem Wort wieder Zeit schenken darf. DurchsĂ€uere mich bitte mit deiner Gnade! Wachse du in meinem Leben! Wo du bist, da ist Leben, wonach ich mich sehne. Ich glaube, dass du jetzt in mir wirkst, auch wenn ich es nicht spĂŒre.

Bitte: Herr, vermehre in mir den Wunsch, dich besonders durch kleine und verborgene Taten zu lieben!

1. Das Kleine ist das GrĂ¶ĂŸte vor Gott. Christus vergleicht in diesem Evangelium das Himmelreich mit einem winzigen Senfkorn, aus dem ein Baum erwĂ€chst, der fĂŒr alle zum Geschenk wird. Was will er uns damit sagen? Ich glaube, er will uns besonders zeigen, dass das Kleine und Verborgene den grĂ¶ĂŸten Wert vor ihm hat. Ein versteckter Akt der Liebe ist in seinen Augen groß, weil er immer aus einem reinen Herzen kommt. Die Gefahr, dass wir eigentlich nur handeln, weil wir gesehen werden oder man uns bewundert, wĂ€chst umso mehr, je grĂ¶ĂŸer und wichtiger die Dinge sind, die wir tun. Es kommt Gott aber nicht auf die Wichtigkeit unserer Projekte an, sondern auf die Liebe und die Reinheit, mit denen wir sie verfolgen. Daher sind es genau die Momente, die keinen interessieren und uns kein Lob einbringen, die wir aus reiner Liebe zu ihm vollbringen. Diese verborgen Taten der Liebe sind die Senfkörner in unserem Leben, aus denen das Reich Gottes wachsen wird.

2. Welchen Samen sĂ€e ich in meinem Leben? Diese Erkenntnis konfrontiert uns direkt mit einer tiefgehenden Frage ĂŒber unser Leben: Welche Samen sĂ€e ich in meinem Leben? Denn unser Handeln verrĂ€t mehr als unsere Worte, welche Dinge uns wichtig sind. Suche ich in meinem Leben nach Möglichkeiten, verborgene und kleine Dinge aus Liebe zu Gott zu tun oder geht es mir mehr darum, gesehen und bewundert zu werden? Sind es Samenkörner der Liebe, die ich aussĂ€e, oder der Eitelkeit und des Stolzes?

3. Uns langsam durchsĂ€uern lassen. Wenn wir ehrlich mit uns sind, sehen wir schnell, dass es in unserem Handeln noch viel Eigenliebe und wenig reine Liebe gibt. Das sollte uns aber nicht in eine Selbstanklage fĂŒhren, denn Christus spricht heute auch davon, dass das Himmelreich wie ein Teig ist, der langsam durchsĂ€uert wird. Vielleicht bin ich noch weit davon entfernt, Gott mit reiner und selbstloser Liebe zu leben, aber es braucht auch Zeit, bis uns Gottes Leben ganz durchdringt. Das Wichtige ist, dass wir immer wieder den Sauerteig Gottes in unser Leben hinzugeben, damit er uns durchdringen kann. Gott wirkt langsam und verborgen, aber er wirkt. Solange wir ihm immer wieder in den Sakramenten und durch das Lesen der Bibel Raum lassen, wird er bewirken, dass sein Leben in uns wĂ€chst.

GesprĂ€ch mit Christus: Gott, ich danke dir, dass es in meinem Leben nicht um Leistung, sondern um die Liebe geht. Es tut mir leid, dass es mir oft noch so schwerfĂ€llt, nur dich zu suchen, und nicht meine eigene Anerkennung und meinen Erfolg. Trotzdem will ich mich davon nicht unterkriegen lassen, denn ich vertraue darauf, dass du mich immer mehr mit deinem Geist durchdringen kannst!

Vorsatz: Heute will ich etwas, was keiner sieht, aus reiner Liebe zu Gott tun.


Eine unbequeme Wahrheit

27. Juli 2021

Dienstag der siebzehnten Woche im Jahreskreis

Br. Nils SchÀfer LC

Mt 13,36-43
In jener Zeit verließ Jesus die Menge und ging nach Hause. Und seine JĂŒnger kamen zu ihm und sagten: ErklĂ€re uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker. Er antwortete: Der Mann, der den guten Samen sĂ€t, ist der Menschensohn; der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Söhne des Reiches; das Unkraut sind die Söhne des Bösen; der Feind, der es gesĂ€t hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Arbeiter bei dieser Ernte sind die Engel. Wie nun das Unkraut aufgesammelt und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch am Ende der Welt sein: Der Menschensohn wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verfĂŒhrt und Gottes Gesetz ĂŒbertreten haben, und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den ZĂ€hnen knirschen. Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre!

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, heute komme ich wieder zu dir, um dich um deine Gnade zu bitten. Die Wahrheiten, die du mir heute im Evangelium vor Augen fĂŒhrst, sind nicht leicht zu verstehen. Daher bitte ich dich besonders um deine Gnade, damit ich sie annehmen und mein Leben auch an diesen Wahrheiten ausrichten kann.

Bitte: Herr, hilf mir, das Unkraut des Teufels in meinem Leben auszureißen.

1. Eine unangenehme Wahrheit. Christus spricht heute unangenehme Wahrheiten aus. Am Ende der Welt wird es eine große Teilung in zwei Lager geben. Es gibt die reale Möglichkeit, dass Menschen verloren gehen und fĂŒr immer den Sinn ihrer Existenz verlieren. Nicht weil Gott böse ist und sie bestraft, sondern weil sie sich aus freiem Willen entschieden haben, nicht mit Gott leben zu wollen. Sie ließen lieber die Saat des Teufels in ihrem Herzen aufgehen. Das sollte uns allerdings keine Angst einjagen, denn wenn wir mit Gott leben wollen und darum bitten, wird er uns retten. Das stellt uns den Ernst und die Wichtigkeit des Einsatzes fĂŒr das Reich Gottes vor Augen. Wie viele MĂŒhen ist es wert, nur einen Menschen vor dem Schicksal der Gottverlorenheit zu bewahren?

2. Mein Herz ist der Schauplatz. Es geht aber nicht nur um die anderen. Denn jeder weiß sehr genau, dass die Grenze zwischen Gut und Böse auch mitten durch sein Herz verlĂ€uft. Auch in mir wĂ€chst die Frucht des Reiches Gottes neben dem Unkraut des Widersachers. Daher bin ich die erste Person, die sich bekehren muss. Auch das ist eine unangenehme Wahrheit, denn wir leben in einer Gesellschaft, in der immer die anderen schuld sind, wĂ€hrend ich nur das Opfer der UmstĂ€nde bin. Christus lĂ€dt mich heute ein, mein eigenes Haus ein StĂŒck mehr in Ordnung zu bringen, bevor ich die Welt kritisiere. Welchen kleinen Auswuchs des Unkrauts kann ich heute in meinem Leben ausreißen, damit Gottes Samen mehr Platz hat? Auch wenn das Unkraut, das ich heute beseitigen kann, noch so klein ist, es gibt nichts Wichtigeres, als es heute auszureißen. Wenn wir uns jeden Tag darin ĂŒben, werden wir schon bald ein Herz haben, in dem das Reich Gottes Platz hat, sich ganz zu entfalten.

3. Die Frucht von Gottes Samen. Bei all diesen unbequemen Wahrheiten ist es immer wichtig, sich vor Augen zu fĂŒhren, warum Christus sie uns so direkt mitteilt. Jesus weiß, wie wertvoll der Samen ist, den er in die Welt sĂ€t. Alles, wonach wir uns in unserem Herzen wirklich sehnen, wird als Frucht seines Wirkens in uns hervorgehen und seine FĂŒlle erreichen. Wenn wir seinen Samen wachsen lassen, wird sich unser Leben immer mehr in Frieden, Freiheit und Freude verwandeln. Gott will uns glĂŒcklich machen! Christus spricht so ernst ĂŒber das Unkraut des Teufels, weil er weiß, dass die SĂŒnde in unserem Leben genau diese Dinge letztlich ersticken und uns nur leer und traurig zurĂŒcklassen wird. Setzen wir daher heute alles daran, zusammen mit Gottes Gnade das Unkraut in unserem Herzen zu bekĂ€mpfen.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, danke dass du nicht aufhörst, den guten Samen deines Wirkens in mein Herz auszusĂ€en! Ich bemerke aber auch, wie viel Unkraut es noch in meinem Inneren gibt. Ich bekenne vor dir, dass ich immer noch sehr oft nur mich selbst suche. Hilf mir, mein Herz zu reinigen. Ich wĂŒnsche mir, dass deine Saat in meinem Leben wĂ€chst! Hilf mir, so zu leben, dass ich am Ende der Welt in dein Reich eintreten und dort zusammen mit deinen Gerechten wie die Sonne leuchten darf!

Vorsatz: Heute will ich besondere Aufmerksamkeit darauf verwenden, vor der SĂŒnde in meinem Leben zu fliehen. Am Ende will ich mir Zeit fĂŒr eine Gewissenserforschung nehmen, damit ich erkenne, wo es noch Unkraut in meinem Herzen gibt.


Der Schatz meines Lebens

28. Juli 2021

Mittwoch der siebzehnten Woche im Jahreskreis

Br. Nils SchÀfer LC

Mt 13,44-46
In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker. Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie.

EinfĂŒhrendes Gebet: Danke, Herr, fĂŒr deine Gegenwart. In aller Ruhe will ich mir bewusstwerden, dass du anwesend bist. Du bist tief in meiner Seele anwesend und dort darf ich dir jetzt begegnen. Daher erneuere ich den Glauben, dass du wirklich da bist und mir in diesen Minuten begegnen willst.

Bitte: Herr, hilf mir! Du sollst das höchste Gut in meinem Leben sein!

1. Was ist mein Schatz? Das heutige Evangelium ist sehr kurz und hat dennoch eine ĂŒberraschende Tiefe. Es spricht vom Schatz, der es wert ist, alles fĂŒr ihn zu geben. Ziele und wertvolle Dinge motivieren unser Leben. Wir sind bereit, Opfer zu bringen, wenn das Resultat uns wertvoll erscheint. Dabei ist unser Ă€ußerliches Handeln ein ziemlich akkurater Spiegel unserer innerer Werte. FĂŒr etwas, was mir wichtig ist, bin ich gerne bereit, Zeit und MĂŒhe zu investieren. Dabei kommt direkt die Frage auf, welche SchĂ€tze es in meinem Leben gibt. Was motiviert mich? Und ist diese Sache es wirklich wert, so hoch auf meiner PrioritĂ€tenliste zu stehen?

2. Das höchste Gut. Diese Stelle beschreibt das Himmelreich als einen Schatz, der es wert ist, alles dafĂŒr zu geben. Gott ist der objektiv höchste Wert. In der Tradition wir er deshalb „summum bonum“, das höchste Gut, genannt. Es verlangt zwar eine radikale Entscheidung, aber was wĂŒrde passieren, wenn ich wirklich bereit wĂ€re, alles in meinem Leben nach dieser Wahrheit auszurichten? Wenn ich wirklich bereit wĂ€re, in Freude alles zu verkaufen, um Gott zu gewinnen? Gott ist es wert. Wenn unser Leben wirklich auf einen objektiven Wert ausgerichtet ist, blĂŒhen wir auf. Die Frage ist, ob mein Leben wirklich auf das summum bonum, auf Gott, ausgerichtet ist. Ist Gott es mir wert, dass ich mein ganzes Leben auf ihn hin gestalte?

3. Eine Entdeckungsreise. Vielleicht kommt beim Lesen dieser Zeilen in deinem Herzen die Frage auf, ob du Gott schon als das höchste Gut erkannt hast. In aller Aufrichtigkeit mĂŒssen wir uns eingestehen, dass wir unser Leben nicht immer so leben, als wĂ€re Gott wirklich das höchste Gut, das alle Opfer wert ist. Das sollte uns aber nicht entmutigen. Unser Leben lebt von kleinen Entscheidungen, die es immer wieder neu ausrichten. Es ist ein Abenteuer, ein Leben zu leben, das Gott wirklich höher als alles andere stellt. Es ist eine Reise, auf der wir immer mehr entdecken, dass dies nicht ein Trugbild, sondern dass Gott wirklich alles wert ist. Je mehr wir unsere Entscheidungen auf diese Wahrheit grĂŒnden, desto mehr entdecken wir, wie gut Gott wirklich ist. DafĂŒr brauchen wir seine Gnade, doch wenigstens heute will ich so leben! Man soll an meinem Leben sehen, dass Gott der Schatz ist, fĂŒr den es sich lohnt, frohgemut alles zu verkaufen.

GesprĂ€ch mit Christus: Ich bekenne, Gott, dass du das höchste Gut bist. Du bist es wert, dass man alles fĂŒr dich aufgibt und dich mit ganzem Herzen sucht. Es tut mir leid, dass oft so viel anderes in meinem Leben deinen Platz einnimmt und dass ich oft Trugbildern hinterherlaufe. Doch mit deiner Gnade will ich mich auf das Abenteuer einlassen, dich immer mehr zum Schatz meines Lebens zu machen. Ich wĂŒnsche mir, dich auf dieser Reise immer mehr zu entdecken. Lass mich erfahren, dass du das höchste Gut bist, und hilf mir, alles in meinem Leben auf dich auszurichten.

Vorsatz: Ich will heute ganz bewusst eine Entscheidung in meinem Leben treffen, die ganz auf Gott als den höchsten Wert ausgerichtet ist. Dies kann Zeit sein, die ich mir fĂŒr ihn nehme oder ein Akt der NĂ€chstenliebe aus Liebe zu Gott.


Meine IdentitÀt und mein Handeln

29. Juli 2021

Donnerstag der siebzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Marta von Betanien
Gedenktag

Br. Nils SchÀfer LC

Lk 10,38-42
In jener Zeit kam Jesus in ein Dorf und eine Frau namens Marta nahm ihn freundlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu FĂŒĂŸen und hörte seinen Worten zu. Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen, fĂŒr ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kĂŒmmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein ĂŒberlĂ€sst? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und MĂŒhen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewĂ€hlt, das soll ihr nicht genommen werden.

EinfĂŒhrendes Gebet: Christus, wie Maria will ich jetzt einfach nur in deiner Gegenwart sein und mich von dir formen lassen. Alles andere, alle Sorgen und alle AktivitĂ€t will ich jetzt ruhen lassen, um fĂŒr dich da zu sein. Hilf mir, in Stille vor dir auszuharren. Lass mein Herz bei dir und nicht bei der Welt sein. Christus, du bist jetzt ganz fĂŒr mich da, hilf mir, auch ganz fĂŒr dich da zu sein.

Bitte: Herr, forme meine IdentitĂ€t als dein geliebter Sohn, deine geliebte Tochter!

1. Unser Handeln folgt unserem Sein. Es ist einer der Grundpfeiler der Philosophie: Alles Handeln folgt aus dem ihm zugrundeliegenden Sein. Es ist die einfache Idee, dass alles seiner Natur folgt. Ein Hund handelt, wie Hunde handeln, und ein Mensch wird immer wie ein Mensch leben. Das, was mir machen, sagt viel darĂŒber aus, wer wir innerlich sind. Unser Handeln fließt aus unserer IdentitĂ€t und nicht anders herum. So oft handeln wir allerdings, als ob wir unsere IdentitĂ€t und unseren Wert mit unserer Leistung aufbauen und unter Beweis stellen mĂŒssten. Ich strenge mich an, damit ich von anderen angenommen werde oder mich vor mir selbst besser fĂŒhle. Genau hier tritt uns diese einfache Wahrheit wieder entgegen: Deine IdentitĂ€t hĂ€ngt nicht von deinen Leistungen ab, sondern dein Handeln fließt aus deiner IdentitĂ€t. Wo versuche ich, mich in meinem Wert durch Ă€ußere Akte aufzubauen?

2. Meine IdentitĂ€t – ein Geschenk. Wir haben gesehen, dass es wichtiger ist, wer ich bin, als was ich mache. Genau das sehen wir auch heute im Evangelium. Die Werke, die ich vollbringe sind zweitrangig, wenn sie nicht aus meiner IdentitĂ€t als geliebtes Kind Gottes fließen. In Martas Herz gab es noch so viele Sorgen, Unruhe und selbst Neid. Es ist so leicht, Gottes Werke zu vollbringen, ohne eigentlich mit Gott zu leben oder uns von ihm formen zu lassen. Gott will uns unsere IdentitĂ€t als bedingungslos geliebte und erlöste Kinder schenken, doch oft hindern uns gerade unsere wohlgemeinten Anstrengungen, die darauf abzielen, uns diese IdentitĂ€t zu erarbeiten, daran, sie als Geschenk zu empfangen. Der erste Schritt besteht also darin, uns von Gott lieben und formen zu lassen. Dann kann unser Handeln aus dieser Wahrheit hervorgehen.

3. Zeit mit Christus. Doch wo formt sich diese IdentitĂ€t, und wo können wir dieses Geschenk empfangen? Auch darauf gibt uns dieses Evangelium eine Antwort. Zu Jesu FĂŒĂŸen, im Hören auf sein Wort und seine Stimme. Das ist das Bessere. Das stille Gebet in der Gegenwart Gottes ist der Ort, um unsere IdentitĂ€t als bedingungslos Geliebte formen zu lassen. Dort geht es nicht um Leistung, sondern um ein einfaches Dasein. Wir mĂŒssen in Gottes Gegenwart nichts tun und doch wird diese Zeit alles verĂ€ndern. Unser Handeln muss aus der IdentitĂ€t fließen, die in diesem Verweilen bei Gott geformt wurde. Doch auch hier geht es nicht um ein Schwarz-Weiß-Denken, sondern um ein immer tieferes Hineinwachsen in ein Leben in Gottes Gegenwart. Vielleicht verbringe ich noch wenig „verschwendete“ Zeit mit ihm, doch heute schon kann ich ihm etwas mehr schenken. Wir feiern heute den Gedenktag, der hl. Marta von Bethanien. Auch sie hat es geschafft, diesen Weg zu gehen, obwohl sie in diesem Evangelium noch um so viele andere Dinge besorgt ist.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, danke, dass ich einfach bei dir sein darf und du mich formst, ohne dass ich es bemerke. Ich wĂŒnsche mir, dass mein Handeln immer mehr aus meiner IdentitĂ€t als dein geliebtes Kind fließt. Schenke mir die Gnade einer festen IdentitĂ€t in dir, damit ich aufhören kann, meinen Wert in meiner Leistung zu suchen! Meinen Wert sprichst du mir zu und nichts kann ihn erschĂŒttern. Hilf mir, mein Leben in der Stille deiner Gegenwart zu verbringen.

Vorsatz: Heute will ich eine Viertelstunde einfach in der Stille mit Gott verbringen.


Unsere Vorstellungen sprengen lassen

30. Juli 2021

Freitag der siebzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Petrus Chrysologus, Bischof, Kirchenlehrer

Br. Nils SchÀfer LC

Mt 13,54-58
In jener Zeit kam Jesus in seine Heimatstadt und lehrte die Menschen dort in der Synagoge. Da staunten alle und sagten: Woher hat er diese Weisheit und die Kraft, Wunder zu tun? Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria, und sind nicht Jakobus, Josef, Simon und Judas seine BrĂŒder? Leben nicht alle seine Schwestern unter uns? Woher also hat er das alles? Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab. Da sagte Jesus zu ihnen: Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat und in seiner Familie. Und wegen ihres Unglaubens tat er dort nur wenige Wunder.

EinfĂŒhrendes Gebet: Danke, Herr, dass du da bist. Ich glaube an deine Gegenwart in mir! Schenke mir in dieser Zeit eine feste Hoffnung auf dein Wirken in meiner Seele und mehre in mir die Liebe zu dir!

Bitte: Christus, befreie mich von allen Grenzen, die ich dir in meinem Leben setze!

1. Unsere Vorstellungen sprengen lassen. Heute betrachten wir eine Evangelienstelle, in der ein interessanter Widerspruch zum Vorschein kommt. Zum einen sind die Menschen von Christus und seinen Worten fasziniert. Sie sahen sogar von ihm gewirkte Wunder! Aber auf der anderen Seite gibt es dann auch eine große Skepsis, die sich wie Gift in der Menge auszubreiten scheint. Kennen wir Jesus nicht gut genug, um zu verstehen, dass er besonders sein kann? Am Ende haben leider Zweifel und Unglaube die Oberhand. Die Menschen wurden durch ihre eigenen Urteile blind fĂŒr die Weisheit und Wunder Christi. Es ist beeindruckend, dass diese Blindheit und dieser Unglaube ein so großes Ausmaß annehmen konnten, dass Christus deswegen weniger Wunder wirkt. Wie sieht es in meinem Leben aus? Macht mich meine Skepsis schon einmal blind fĂŒr Gottes Wirken? Zweifel sind an sich nichts Problematisches, wenn sie mich zur Suche nach der Wahrheit motivieren. Zum Hindernis werden sie erst, wenn wir uns so auf sie fixieren, dass sie uns die RealitĂ€t von Gottes Handeln nicht mehr sehen lassen.

2. Uns von Gott ĂŒberraschen lassen. Papst Franziskus lĂ€dt uns immer wieder dazu ein, uns von Gott ĂŒberraschen zu lassen. Genau dazu waren die Menschen, in Christi Heimatstadt leider nicht bereit. Doch was heißt es, sich von Gott ĂŒberraschen zu lassen? Letztlich geht es darum, Gottes Wirken in unserem Leben immer mehr zu entdecken und zu staunen, wie gut Gott ist. Das wird nicht gleich mit einem großen Wunder einhergehen, sondern ein neues Entdecken von Gottes Wegen in meinen Routinen sein. Dazu braucht es allerdings einen ĂŒbernatĂŒrlichen Blick, der in den alltĂ€glichen Dingen Gottes Hand entdecken kann. Jede Freude wird so zu einem ĂŒberraschenden Detail von Gottes Liebe und jede Herausforderung zu einer ĂŒberraschenden Einladung, ganz auf Gott zu bauen. Lassen wir uns von Gottes Wegen und seinen Details in unserem Leben ĂŒberraschen!

3. Gott „Gott“ sein lassen. Manchmal hindert uns unsere Vorstellung von Gott daran, ihm in unserem Leben freie Hand zu geben. Wir wollen nicht, dass er uns auf diese bestimmte Weise fĂŒhrt, weil sie unbequem fĂŒr uns ist oder nicht in unser Schema passt. Letztlich wollen wir Gott vorschreiben, wie er in unserem Leben zu wirken hat. Aber dieses Evangelium heute lĂ€dt uns ein, Gott komplette Freiheit in unserem Leben zu geben; ihm die Erlaubnis zu geben, uns zu fĂŒhren, wohin er uns fĂŒhren will, ohne Bedingungen zu stellen. Dies verlangt viel Vertrauen, Mut und Aufrichtigkeit, doch es schenkt einen tiefen Frieden. Gott ist schließlich Gott! Er wird uns nicht plötzlich alleine lassen oder uns in Situationen fĂŒhren, die uns in Verzweiflung bringen. Er fĂŒhrt immer zu neuer Lebendigkeit. Lassen wir uns von Gott fĂŒhren, wohin er will! Herr, du gehst voran, ich folge nach!

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, danke, dass du mich in meinem Leben fĂŒhren willst. Leider behindern meine kleinen, menschlichen Vorstellungen noch dein freies Wirken in meinem Leben! Schenke mir offene Augen, um dein Handeln in meinem Leben zu erkennen! Und gib mir das Vertrauen, dir keine Grenzen zu setzen. Herr, gib mir, um was du mich bittest, und bitte, um was du willst!

Vorsatz: Heute will ich mir am Abend Zeit nehmen, um zu schauen, wo mir Gott in meinem Alltag begegnen wollte.


Die Befreiung aus unserer Versklavung

31. Juli 2021

Samstag der siebzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Ignatius von Loyola, Priester, OrdensgrĂŒnder
Gedenktag

Br. Nils SchÀfer LC

Mt 14,1-12
In jener Zeit hörte der Tetrarch Herodes, was man von Jesus erzĂ€hlte. Er sagte zu seinem Gefolge: Das ist Johannes der TĂ€ufer. Er ist von den Toten auferstanden; deshalb wirken solche KrĂ€fte in ihm. Herodes hatte nĂ€mlich Johannes festnehmen und in Ketten ins GefĂ€ngnis werfen lassen. Schuld daran war Herodias, die Frau seines Bruders Philippus. Denn Johannes hatte zu Herodes gesagt: Du hattest nicht das Recht, sie zur Frau zu nehmen. Der König wollte ihn deswegen töten lassen, fĂŒrchtete sich aber vor dem Volk; denn man hielt Johannes fĂŒr einen Propheten. Als aber der Geburtstag des Herodes gefeiert wurde, tanzte die Tochter der Herodias vor den GĂ€sten. Und sie gefiel Herodes so sehr, dass er schwor, ihr alles zu geben, was sie sich wĂŒnschte. Da sagte sie auf DrĂ€ngen ihrer Mutter: Lass mir auf einer Schale den Kopf des TĂ€ufers Johannes herbringen. Der König wurde traurig; aber weil er einen Schwur geleistet hatte - noch dazu vor allen GĂ€sten -, befahl er, ihr den Kopf zu bringen. Und er ließ Johannes im GefĂ€ngnis enthaupten. Man brachte den Kopf auf einer Schale und gab ihn dem MĂ€dchen, und sie brachte ihn ihrer Mutter. Die JĂŒnger des Johannes aber holten den Leichnam und begruben ihn. Dann gingen sie zu Jesus und berichteten ihm alles.

EinfĂŒhrendes Gebet: Heute, am Gedenktag des hl. Ignatius, wollen wir mit einem seiner Gebete beginnen: „Nimm hin, o Herr, meine ganze Freiheit. Nimm an mein GedĂ€chtnis, meinen Verstand, meinen ganzen Willen. Was ich habe und besitze, hast du mir geschenkt. Ich gebe es dir wieder ganz und gar zurĂŒck und ĂŒberlasse alles dir, damit du es lenkst nach deinem Willen. Nur deine Liebe schenke mir mit deiner Gnade. Dann bin ich reich genug und suche nichts weiter.“

Bitte: Herr, befreie mich von der Sklaverei der SĂŒnde in meinem Leben. FĂŒhre mich in eine echte Freiheit!

1. Die Versklavung der SĂŒnde. Es ist eine dramatische Szene, die uns das Evangelium heute vor Augen stellt. Johannes der TĂ€ufer, ein unschuldiger und treuer Diener Gottes, wird wegen der Begierden eines launischen Königs ermordet. Es ist leicht, Herodes Handeln zu verurteilen, aber wir ĂŒbersehen, dass die gleichen GrĂŒnde, die ihn motivierten, Johannes töten zu lassen, auch in unserem Herzen wirken und uns zu Ungerechtigkeit und SĂŒnde treiben. Was trieb Herodes an? Das Verlangen nach Lust und VergnĂŒgen, die Meinung der anderen ĂŒber ihn und sein eigener Stolz. Sie sind so in seinem Herzen gewachsen, dass er – obwohl er genau weiß, dass es ein großes Unrecht ist – nicht mehr anders kann, als ihnen nachzugeben. Doch genau diese drei: ungezĂŒgeltes Verlangen nach Lust, Eitelkeit und Stolz, wirken auch in meinem Herzen. Sie wollen mich versklaven und unfrei machen. Die Frage ist unangenehm, doch inwieweit kooperiere ich mit ihnen, gebe ich ihnen Raum und habe mich mit ihnen abgefunden?

2. Gott will uns befreien. Die SĂŒnde versklavt uns. Stolz, Eitelkeit und das Verlangen nach Lust und VergnĂŒgen sind die inneren Sklaventreiber Ägyptens. Sie nehmen uns die Freiheit und, um ihnen nachzugehen, fordern sie von uns, ihnen immer mehr zu opfern und Monumente zu ihren Ehren zu errichten. Unsere Gesellschaft ist voll von Monumenten der Verherrlichung von Macht, Ansehen und Sex, die diese inneren Sklaventreiber uns befehlen, fĂŒr sie zu errichten. So wie Gott Israel aus Ägypten und der Sklaverei heraus in die Freiheit gefĂŒhrt hat, so will er auch mich in eine tiefe Freiheit fĂŒhren. Gott will unser Bestes und uns von allem, was uns innerlich fesselt und einengt, erlösen! Geben wir ihm dazu unser Ja!

3. Der Weg eines reuigen SĂŒnders. Heute feiert die Kirche den Gedenktag des heiligen Ignatius von Loyola. Sein Leben zeigt uns, was es heißt, von den Lastern der SĂŒnde befreit zu werden, und ist uns dadurch ein ermunterndes Beispiel. In seiner Jugend drehte sich fĂŒr ihn alles um sein persönliches Ansehen, seine Karriere und seine Begierden. Nichts war ihm wichtiger und doch bemerkte er, wie sie ihn versklavten und unfrei machten. Doch Gott hatte große PlĂ€ne mit ihm, er lenkte alles so, vor allem die Kanonenkugel, die sein Bein traf, dass Ignatius sich seiner Ketten bewusst wurde und als er sich ganz fĂŒr Gott entschied, empfing er die Sendung, die Jesuiten zur grĂ¶ĂŸeren Ehre Gottes zu grĂŒnden. Auch wenn wir in ihm einen Mann mit einem eisernen Willen sehen, war seine Bekehrung doch eine unverdiente Gnade. Gott war der Protagonist und nicht seine Leistung oder Entscheidungen. Das sollte uns viel Vertrauen schenken. Wenn Gott es schafft, einen Mann wie Ignatius zu bekehren und zu befreien, dann wird er es auch schaffen, mich aus der Herrschaft von Stolz, Ansehen und Lust zu befreien, wenn ich ihm dazu mein Jawort gebe.

GesprĂ€ch mit Christus: Gott, ich sehe; wie sehr mich die SĂŒnde zum Sklaven macht und mich dazu bringt, das zu tun, was ich eigentlich gar nicht tun will. Befreie mich, Herr. FĂŒhre du mich zu der inneren Freiheit, zu der du auch den hl. Ignatius gefĂŒhrt hast. Ich vertraue darauf, dass du dieses Wunder in meinem Leben vollbringen kannst. Mach mich frei, damit ich mich ganz fĂŒr dich als dem Besten in meinem Leben entscheiden kann.

Vorsatz: Heute will ich standhaft versuchen, mich mit Gottes Gnade meinem ungezĂŒgelten Verlangen nach Ansehen, Macht und Lust zu verweigern.