Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 11. Juli 2021 bis Samstag 17. Juli 2021

FĂĽnfzehnte Woche im Jahreskreis

Beate Scheilen

JĂĽnger leben mittendrinSonntag
Unangenehme WahrheitenMontag
Verkehrte WeltDienstag
MĂĽssen Christen dumm sein?Mittwoch
Die Ruhe nach dem SturmDonnerstag
Barmherzigkeit versus BuchstabentreueFreitag
Klugheit siegtSamstag


JĂĽnger leben mittendrin

11. Juli 2021

FĂĽnfzehnter Sonntag im Jahreskreis
Hl. Benedikt von Nursia, Vater des abendländischen Mönchtums, Schutzpatron Europas

Beate Scheilen

Mk 6,7-13
In jener Zeit rief Jesus die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen Vollmacht über die unreinen Geister und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen. Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst! Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter und schüttelt den Staub von euren Füßen, ihnen zum Zeugnis. Und sie zogen aus und verkündeten die Umkehr. Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, du hast deine JĂĽnger ausgesandt und mit allen Vollmachten ausgestattet, die sie nötig hatten, um das Reich Gottes zu verbreiten. Hilf mir zu erkennen, dass du auch mir durch Taufe und Firmung alles gegeben hast, was ich brauche, um deine Botschaft zu den Menschen zu bringen.

Bitte: Sende mich heute zu dem Menschen, der meine Zuwendung am nötigsten braucht.

1. Einer ist keiner. Jesus sendet seine JĂĽnger zu zweit aus. Im Judentum galt das Zeugnis einer einzelnen Person gar nichts. Erst mit zwei oder mehr gleichartigen Aussagen galt ein Sachverhalt als bestätigt. Darin liegt ein tiefer Sinn, auch fĂĽr uns heute. Ich selbst kann mir alle möglichen Gedanken zurechtlegen darĂĽber, was Jesus mit dieser und jener Aussage gemeint hat, oder was er wohl als Nächstes von mir möchte, und kann mich damit auch im Kreise drehen. Der Austausch mit meinen Glaubensgeschwistern hilft mir, Klarheit zu finden. „Zu zweit gehen“ stärkt und ermutigt mich im Alltag immer wieder, vor allem, wenn ich Gefahr laufe, mich in einem Thema zu verrennen. Ein regelmäßiges kurzes Gespräch oder Telefonat mit einer vertrauten Person ist eine Möglichkeit zu Austausch, Ermutigung oder auch Korrektur.

2. Selbstbewusste Bescheidenheit. Jesu JĂĽnger sollen bescheiden auftreten – aber nicht erbärmlich aussehen oder Hunger leiden! Zwar sollen sie Schuhe tragen, aber was die Verpflegung angeht, sind sie gehalten, auf Gott und die Gastfreundschaft ihrer Mitmenschen zu vertrauen – die sie guten Gewissens in Anspruch nehmen dĂĽrfen, denn die Botschaft, die sie zu bringen haben, ist es wert! Wir können heute ĂĽberlegen: Was sind meine „Sandalen“ (die Dinge, fĂĽr die ich selbst sorgen muss), und wo sollte ich aufhören zu kalkulieren und stattdessen auf Gott vertrauen, der mich schon versorgen wird, wenn ich in seinem Dienst tätig bin? Wenn ich meinen Mitmenschen Jesus Christus nahebringe, schenke ich ihnen das Wertvollste, was es gibt! Und ich bin geistlich reich ausgestattet fĂĽr diese Aufgabe! Das darf mir bei aller notwendigen Bescheidenheit auch Selbstbewusstsein in Christus verleihen.

3. Die Kirche beginnt in den Häusern. Jesus schickt seine JĂĽnger nicht zum Predigen in die Synagogen oder auf den Marktplatz. Ihre „Missionsstationen“ sollen die Wohnhäuser sein. Die Familien waren also die Keimzelle fĂĽr die Ausbreitung des Evangeliums. Das hat sich bis heute nicht geändert. Die wenigsten von uns sind berufen, sonntags in der Kirche zu predigen – aber jeder von uns hat die Möglichkeit, in seiner Wohnung oder im Haus von Freunden ein Zeugnis fĂĽr seinen Glauben zu geben – auch wenn es nur ein kleines ist. Vergessen wir nicht: Laien können zu Menschen vordringen, die nie auf die Idee kämen, in die Kirche zu gehen oder mit einem Priester zu sprechen! Oder um es mit einem Buchtitel zu sagen: „JĂĽnger leben mittendrin.“ Gott vertraut mir diese Menschen an. Dabei ist klar, dass es auch Ablehnung geben wird.

Gespräch mit Christus: Jesus, deine JĂĽnger waren ganz normale Menschen mit Fehlern und Schwächen, und wurden trotzdem Heilige. Sie haben Menschen geholfen, weil du ihnen die Möglichkeit dazu gegeben hast. Das macht mir Mut. Ich möchte dir trotz meiner menschlichen Unzulänglichkeiten anbieten, in deinem Dienst loszuziehen. Dabei will ich darauf vertrauen, dass du mich unterwegs mit allem versorgst, was ich brauche – geistlich und materiell.

Vorsatz: Ich will mir ĂĽberlegen, mit wem ich geistlich „zu zweit unterwegs“ sein kann.


Unangenehme Wahrheiten

12. Juli 2021

Montag der fĂĽnfzehnten Woche im Jahreskreis

Beate Scheilen

Mt 10,34-11,1
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig. Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen. Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten. Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist - amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen. Als Jesus die Unterweisung der zwölf Jünger beendet hatte, zog er weiter, um in den Städten zu lehren und zu predigen.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, deine Worte sind hart - aber ich weiĂź, dass du uns immer die Wahrheit sagst, und dass du sie aus Liebe sagst. Lass mich nicht vor deiner Botschaft davonlaufen, oder nur die Stellen auswählen, die mir angenehm sind. Ich möchte dir ganz nachfolgen.

Bitte: Hilf mir, Jesus, dich an die erste Stelle in meinem Leben zu setzen.

1. Der Gegner bringt das Schwert mit. â€žIch bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert“. – Diese Aussage scheint auf den ersten Blick so gar nicht zu Jesus zu passen, den wir ansonsten nur als Friedensgeber kennen. Jesus sagt voraus, dass es seinetwegen ZerwĂĽrfnisse in den engsten zwischenmenschlichen Beziehungen geben wird. Muss das sein? Ich habe mich doch nicht fĂĽr Jesus entschieden, weil ich das BedĂĽrfnis hatte, mir Feinde zu machen! Jedoch: Ein Christ, der nach dem Evangelium lebt, ist fĂĽr Menschen, die nur ihrer eigenen Natur gehorchen möchten, eine wandelnde Provokation, mit der man nicht friedlich zusammenleben kann. Wer mit Heiligen umgeht, muss nicht zwangsläufig selber einer werden. Es kann auch das Gegenteil passieren – siehe Judas. Die Gegner bringen dann selber das Schwert mit – gerne auch in Form von Presseartikeln und Facebook-Posts –, um die Christen mundtot zu machen und in Ruhe ihre Ziele verfolgen zu können.

2. Mein Kreuz gehört mir! â€žWer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wĂĽrdig“. –Jesus tut offenbar alles, um die Zahl seiner Nachfolger in Grenzen zu halten… Aber seien wir ehrlich: In jedem Leben gibt es ein Kreuz. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der keines hatte – selbst wenn nach auĂźen hin alles noch so perfekt aussah. Wer das Kreuz ignoriert, tut sich keinen Gefallen. Nur wenn ich mein Kreuz annehme und damit so umgehe wie Jesus mit dem seinen, wird das Kreuz mein Leben „genieĂźbar“ machen (vgl. Ex 15,23-25)! Wie ich mittlerweile weiĂź, aber vielleicht lange nicht wahrhaben wollte, ist mein persönliches Kreuz ein handgemachtes, maĂźgeschneidertes Angebot Gottes fĂĽr meine Heiligung. Tauschen wollen ist keine gute Idee. Jesus geht sogar so weit zu sagen, dass ich ihn nicht verdient habe, wenn ich mein Kreuz ablehne! An keiner anderen Stelle der Evangelien nennt Jesus so deutlich die Kriterien fĂĽr die Gemeinschaft mit ihm: 1. das eigene Kreuz nehmen und ihm nachfolgen, - 2. ihn an die erste Stelle in meinem Leben setzen.

3. Sind Christen Altruisten? Was ist schon ein Becher kaltes Wasser? Eine Bagatelle, zumindest fĂĽr uns. Und trotzdem sagt Jesus, dass derjenige belohnt werden wird, der dem unbedeutendsten seiner JĂĽnger einen Schluck Wasser zu trinken gibt. Das entspricht wohl kaum den ĂĽblichen Gepflogenheiten im Geschäftsleben, wo fĂĽr Lohn auch hart gearbeitet werden muss. Jesus stellt hier eines ganz klar heraus: Wir mĂĽssen als Christen nicht in dem Sinne altruistisch eingestellt sein, dass wir vollkommen absichtslos handeln! Hier kommt das Wort „Sammelt euch Schätze im Himmel“ zum Tragen Selbst Gott verlangt von uns nicht, dass wir gut sind um eines abstrakten Prinzips des Gutseins willen, so als ob es keine Gerechtigkeit mehr gäbe, also ohne irgendetwas dafĂĽr zu erwarten! Ja, den JĂĽnger Jesu erwarten Schwert und Kreuz – aber auch ein Lohn, der alles ĂĽbertrifft, was wir uns in dieser Welt vorstellen können!

Gespräch mit Christus: Herr, du hast mein Kreuz mit Sorgfalt und Liebe ausgewählt und vorbereitet. Hilf mir, dass ich es annehme und nicht dagegen rebelliere. Du wirst nie zulassen, dass es mehr wird als ich mit deiner Hilfe tragen kann. Und bitte erinnere mich gelegentlich daran, nicht nur auf das Kreuz zu starren, sondern mich auf den Lohn zu freuen!

Vorsatz: Ich will heute darĂĽber nachdenken, wie mein Kreuz dazu beigetragen hat, mich zu einem reiferen Menschen zu machen.


Verkehrte Welt

13. Juli 2021

Dienstag der fĂĽnfzehnten Woche im Jahreskreis
Hll. Heinrich und Kunigunde, Kaiserpaar

Beate Scheilen

Mt 11,20-24
In jener Zeit begann Jesus den Städten, in denen er die meisten Wunder getan hatte, Vorwürfe zu machen, weil sie sich nicht bekehrt hatten: Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wenn einst in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind - man hätte dort in Sack und Asche Buße getan. Ja, das sage ich euch: Tyrus und Sidon wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm ergehen wie euch. Und du, Kafarnaum, meinst du etwa, du wirst bis zum Himmel erhoben? Nein, in die Unterwelt wirst du hinabgeworfen. Wenn in Sodom die Wunder geschehen wären, die bei dir geschehen sind, dann stünde es noch heute. Ja, das sage ich euch: Dem Gebiet von Sodom wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm ergehen wie dir.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, du bist während deines ganzen irdischen Lebens auf Ablehnung und Unverständnis gestoĂźen. Wie wenig haben die meisten Menschen das Geschenk zu schätzen gewusst, das du ihnen bringen wolltest. Ich möchte das neue Leben, das du mir anbietest, dankbar annehmen und wertschätzen.

Bitte: Herr, gib mir Einsicht und bewahre mich vor falschen Sicherheiten.

1. Wunder wirken nicht immer. Die meisten Wunder – aber keine Bekehrung! Die Gegenwart des Herrn bewirkt nicht automatisch die Annahme seiner Botschaft in den Herzen. Jesus ist kein Magier. Er lässt den Menschen die Freiheit, sein Angebot anzunehmen oder abzulehnen. Den Einwohnern der genannten Städte ging es wohl hauptsächlich darum, körperlich geheilt zu werden, um dann ihr gewohntes Leben weiterfĂĽhren zu können. An dem neuen Leben, das Jesus bringen wollte, hatten sie kein Interesse.

2. Zur Kirche gehen heiĂźt noch nicht heilig sein. Jesus ist ĂĽberzeugt, dass die Heiden seine Botschaft besser verstanden haben als Gottes auserwähltes Volk. Auch bei uns geschieht es manchmal, dass Nichtgläubige mehr Einsicht in den Sinn des Evangeliums haben oder die christlichen Tugenden besser leben als Christen, die ihren Glauben seit Jahrzehnten praktizieren. Wie kann das sein? Offenbar wird man durch den Kirchgang nicht zwangsläufig heilig! Unsere Kirche bietet viele Mittel zur Heiligkeit an – aber sie sind eben als Mittel zu gebrauchen und nicht selbst das Ziel. Wenn ich die Mittel verabsolutiere, können Routine und falsche Sicherheiten die Folge sein.

3. Verpasste Chancen tun weh… Kafarnaum ist die Stadt, in der Jesus während seines öffentlichen Wirkens wohnte. Matthäus nennt Kafarnaum „seine Stadt“. Wir spĂĽren in Jesu Rede den Schmerz darĂĽber, dass gerade die, die ihm äuĂźerlich so nahe waren, ihn nicht verstanden haben. Heute wohnt Christus in den Tabernakeln unserer Kirchen. Bei jedem Besuch eines katholischen Gotteshauses sind wir dem Herrn äuĂźerlich sehr nahe. Und doch ist es möglich, innerlich weit von ihm entfernt zu sein – die heilige Messe als Veranstaltung zu sehen und die wahre Beziehung zu Jesus schleifen zu lassen. So viele Chancen … und so wenig Interesse. Wird es den Menschen, die Gott woanders suchen als in der katholischen Kirche, ihn aber wenigstens ehrlich suchen, am Ende besser gehen als manchen von uns?

Gespräch mit Christus: Jesus, es tut mir leid, dass es unter deinen Nachfolgern so viele gibt, denen es mehr um ihr eigenes Wohlergehen als um deine WĂĽnsche geht; die deine Hilfe gerne annehmen und dich danach nicht mehr beachten. Oft gehöre auch ich dazu. Ich möchte das ändern. Bitte hilf mir dabei.

Vorsatz: Ich will prĂĽfen, ob die Mittel, die ich in meinem geistlichen Leben anwende, wirklich dem Ziel dienen, eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus aufzubauen.


MĂĽssen Christen dumm sein?

14. Juli 2021

Mittwoch der fĂĽnfzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Kamillus von Lellis, Priester, OrdensgrĂĽnder

Beate Scheilen

Mt 11,25-27
In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den UnmĂĽndigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Mir ist von meinem Vater alles ĂĽbergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, du bist der einzige Weg zum Vater. Nur durch dich wird uns das neue Leben im Heiligen Geist geschenkt. Befreie uns von der krampfhaften Suche nach eigenen (Er-)Lösungen.

Bitte: Jesus, bitte zeige mir, welche Art von Wissen dir gefällt.

1. Neue MaĂźstäbe. â€žWissen ist Macht“ ist ein wichtiger Grundsatz in unserem Alltagsleben. Im Leben mit Gott gelten andere MaĂźstäbe. Weil das Leben im Geist den menschlichen Verstand ĂĽbersteigt, kann der natĂĽrliche Mensch die Grundsätze dieses Lebens nicht in seine ĂĽblichen Kategorien einordnen. Das Evangelium wirkt auf die Mächtigen dieser Welt verstörend. Der König von Assur, von dem wir heute in der Lesung hören, prahlte mit seinem Sieg ĂĽber Israel und glaubte diesen Erfolg seiner eigenen Klugheit und Stärke zuzuschreiben. FĂĽr Gott jedoch war dieser König nur ein Werkzeug, das eine Zeitlang Gottes Pläne umsetzen durfte.

2. Ausgleichende Gerechtigkeit. Die Botschaft von Gottes Reich wird den Klugen verborgen, den UnmĂĽndigen, etwa Kindern und einfachen Leuten, hingegen offenbart. Das ist keine ungerechte Bevorzugung der „Kleinen“ gegenĂĽber den „GroĂźen“, sondern gleicht das natĂĽrliche Missverhältnis zwischen den beiden Gruppen wieder aus. Das Evangelium im Herzen zu tragen ist kein Privileg von Professoren! Dies ist kein Zufall, sondern Gottes Wille, fĂĽr den Jesus sich bei seinem Vater ausdrĂĽcklich bedankt! Wer meint, Gottes Botschaft mit seiner eigenen Intelligenz beurteilen zu können, dem wird der Sinn des Evangeliums verborgen bleiben.Was soll das nun heiĂźen? Muss ich dumm sein, um Christ zu sein? Oder zumindest so tun, als ob ich es wäre? Gott hat mir doch selbst den Verstand gegeben – soll ich ihn nicht benutzen?

3. Christen mĂĽssen nicht dumm sein! Selbsterlösung funktioniert nicht. Wir können noch so intelligent, fleiĂźig und bemĂĽht sein – wenn wir nicht den Weg ĂĽber Jesus nehmen, wird Gott uns immer ein Fremder bleiben. - Wem „will“ denn Jesus den Vater offenbaren? Gibt es auch Menschen, bei denen er das nicht will? Offenbar sind dies genau die nach weltlichen MaĂźstäben „Weisen und Klugen“– weil ihr eigenes Denken der Annahme des Evangeliums im Wege steht. Ich muss mich nicht dumm stellen, um als Christ durchzugehen! Der SchlĂĽssel liegt darin, die Wahrheit ĂĽber sich selbst anzuerkennen – dass jeder von uns, egal wie talentiert, vor Gott ein „UnmĂĽndiger“, ein bedĂĽrftiger Geschenkempfänger ist. Logischerweise begreifen die „Kleinen“ das viel schneller als die „GroĂźen“.

Gespräch mit Christus: Vater im Himmel, ich danke dir, dass du mit dem Evangelium Gerechtigkeit unter den Menschen herstellst. Niemand ist zu dumm, und niemand ist zu klug, um es annehmen zu können. Es ist wirklich eine Botschaft fĂĽr alle Menschen, nicht nur fĂĽr bestimmte Gesellschaftsschichten! Ich möchte das in meinem Alltag immer mehr berĂĽcksichtigen.

Vorsatz: Ich möchte einen Menschen aus meinem Bekanntenkreis, den ich nicht als praktizierenden Christen kenne, fragen, was fĂĽr ihn das Evangelium bedeutet.


Die Ruhe nach dem Sturm

15. Juli 2021

Hl. Bonaventura, Ordensmann, Bischof, Kirchenlehrer
Gedenktag

Beate Scheilen

Mt 11,28-30
In jener Zeit sprach Jesus: Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gĂĽtig und von Herzen demĂĽtig; so werdet ihr Ruhe finden fĂĽr eure Seele. Denn mein Joch drĂĽckt nicht, und meine Last ist leicht.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, deine Worte sind wie Balsam fĂĽr wunde Seelen. Wir alle wĂĽnschen uns Ruhe und Erleichterung statt Druck und Plackerei. Ich möchte deine Einladung annehmen und mich von dir heilen lassen.

Bitte: Jesus, hilf mir, mich fĂĽr dich zu entscheiden und in dir zur Ruhe zu kommen.

1. Jesus beruft nicht die Fitten. Unser Alltag ist fordernd. Wir sind umgeben von AnsprĂĽchen – darunter auch unsere eigenen. Viele Menschen sind heute ĂĽberlastet und zermĂĽrbt von der Anstrengung, es allen recht zu machen, ĂĽberall mitzuhalten, immer noch besser zu werden, die eigene Leistung zu steigern. Bei Jesus hören wir nichts davon! Er ist kein Arbeitgeber „in search for excellence“. Er ist gĂĽtig und demĂĽtig. Er möchte nicht die Besten und Fitten holen, um mit ihnen mal schnell die Welt zu retten, während die weniger Befähigten zu Hause bleiben mĂĽssen. Er ruft ausdrĂĽcklich die MĂĽden, Geplagten und Belasteten zu sich. Eigentlich können wir uns freuen, denn diese Kriterien treffen heutzutage auf praktisch jeden zu! Wo gibt es jemanden, der keine Lasten hat? Wenn das die Bedingung ist, um zu Jesus zu kommen, dann haben wir alle Zutritt!

2. Ist Jesus inkonsequent? Noch vor drei Tagen hörten wir Jesus sagen, er sei nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Heute bietet er uns an, uns Ruhe zu verschaffen. Ist das nicht ein Widerspruch? Ist Jesus inkonsequent? Hat er seine Meinung geändert? Auf den ersten Blick wirkt es so. Aber schauen wir, in welchem Zusammenhang diese Aussagen stehen. Am Montag ging es um die Entscheidung eines Menschen fĂĽr Jesus inmitten einer Umgebung, die ihren natĂĽrlichen Neigungen folgen will. Jesus weiĂź, dass es seinetwegen Unfrieden geben wird, bis die Sache geklärt ist. Heute dagegen geht es um die Geschenke, die Jesus denjenigen machen möchte, die sich fĂĽr ihn entschieden haben. Eine Frucht dieser Entscheidung ist Ruhe fĂĽr die Seele – sozusagen „die Ruhe nach dem Sturm“.

3. Jesus hilft mir tragen. Jesus geht offenbar davon aus, dass jeder irgendein Joch zu tragen hat. Er sagt nun, dass das Joch, das er uns anbietet, keine drĂĽckende BĂĽrde ist. AuĂźerdem verspricht er uns eine leichte Last – im Gegensatz zu den schweren Lasten, die wir in unserem Leben schultern mĂĽssen. Wie kann das sein? Ein- und dieselbe Last kann unendlich schwer sein, wenn ich sie alleine tragen muss, und wesentlich leichter, wenn mir jemand hilft. Jesus steht immer neben mir und ist bereit, mir zu helfen, wenn ich ihn darum bitte. FĂĽr mein Kreuz – die einzige Last, die ich noch tragen muss - gibt er mir die Kraft. Mit seiner Gnade kann ich Dinge bewältigen, die mich rein menschlich ruinieren wĂĽrden. Und es ist mir sogar möglich, dabei innerlich Ruhe und Frieden zu haben!

Gespräch mit Christus: Jesus, du bist so anders als diejenigen, die in dieser Welt das Sagen haben. In deiner GĂĽte rufst du alle zu dir, die mit ihrem Leben nicht fertig werden. Du unterdrĂĽckst uns nicht, sondern hilfst uns wieder auf die Beine. Wenn wir dir vertrauen, werden alle PrĂĽfungen des Lebens ertragbar.

Vorsatz: Wann immer mich etwas niederzudrĂĽcken droht, will ich damit zu Jesus gehen, um bei ihm Ruhe und Hilfe zu finden.


Barmherzigkeit versus Buchstabentreue

16. Juli 2021

Freitag der fĂĽnfzehnten Woche im Jahreskreis
Unsere Liebe Frau auf dem Berge Karmel

Beate Scheilen

Mt 12,1-8
In jener Zeit ging Jesus an einem Sabbat durch die Kornfelder. Seine Jünger hatten Hunger; sie rissen deshalb Ähren ab und aßen davon. Die Pharisäer sahen es und sagten zu ihm: Sieh her, deine Jünger tun etwas, das am Sabbat verboten ist. Da sagte er zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David getan hat, als er und seine Begleiter hungrig waren - wie er in das Haus Gottes ging und wie sie die heiligen Brote aßen, die weder er noch seine Begleiter, sondern nur die Priester essen durften? Oder habt ihr nicht im Gesetz gelesen, dass am Sabbat die Priester im Tempel den Sabbat entweihen, ohne sich schuldig zu machen? Ich sage euch: Hier ist einer, der größer ist als der Tempel. Wenn ihr begriffen hättet, was das heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer, dann hättet ihr nicht Unschuldige verurteilt; denn der Menschensohn ist Herr über den Sabbat.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, fĂĽr dich ist Treue eine Haltung gegenĂĽber der Person, nicht gegenĂĽber dem Buchstaben. Ich gerate immer wieder in die Versuchung, mich an (Vor)Sätze zu klammern und die Mittel zum Selbstzweck zu erklären. Befreie mich von dieser Haltung und lass mich erkennen, was du wirklich meinst.

Bitte: Hilf mir, Herr, zwischen äuĂźeren Handlungen und ihrem inneren Wert zu unterscheiden.

1. Kritiker sehen alles. Jesus und seine JĂĽnger werden von den Pharisäern offenbar regelrecht ĂĽberwacht. Wie sonst ist es zu erklären, dass selbst der Gang durch die Felder und von Dorf zu Dorf verfolgt und einer PrĂĽfung unterzogen wird? Ă„hren abrupfen am Sabbat– eine scheinbar belanglose Handlung – ist fĂĽr die Pharisäer ein Anlass, bei Jesus vorstellig zu werden und ihn, vermutlich nicht ohne eine gewisse Häme, darauf hinzuweisen, dass seine JĂĽnger etwas Verbotenes tun. Wer Kritik ĂĽben will, hat einen scharfen Blick: ihm entgeht nichts von dem, was andere falsch machen! Was bei dem Anderen gut ist, wird hingegen groĂźzĂĽgig ĂĽbersehen…

2. Will Gott mich zum Nichtstun zwingen? Jetzt ist Jesus scheinbar in der ZwickmĂĽhle: Entweder stimmt er den Pharisäern zu – dann hat er seine Leute nicht im Griff und ist keine ĂĽberzeugende FĂĽhrungspersönlichkeit - oder er heiĂźt ihr Tun gut, dann ist er kein gesetzestreuer Rabbi und somit unglaubwĂĽrdig. Jesus lässt sich auf dieses Niveau aber gar nicht ein. Stattdessen wundert er sich, dass seine Kritiker die heiligen Schriften schlecht kennen. Er verweist darauf, dass sowohl Notsituationen als auch der Dienst fĂĽr Gott Grund genug sind, vom Sabbatgebot befreit zu sein. Es geht ja nicht darum, dass Gott die Menschen zum Nichtstun zwingen will! Sinn des Gebots ist, dass der Mensch an diesem Tag seine Beziehung zu Gott erneuert und wieder zu Kräften kommt. Der Sabbat ist um des Menschen willen da – und „der Menschensohn ist Herr ĂĽber den Sabbat.“ Gott allein ist die letzte Instanz, die entscheidet, ob ein Gebot im konkreten Fall sinnvoll ist oder nicht.

3. Hätte ich die Liebe nicht… â€žBarmherzigkeit will ich, nicht Opfer“. Jesus sagt seinen Gegnern, dass sie diese Stelle aus dem Propheten Hosea nicht begriffen haben. Schon vorher, bei der Berufung des Zöllners Levi, hat Jesus dieses Zitat verwendet. Ă„uĂźere Frömmigkeit tötet den Egoismus noch lange nicht! Die größten Opfer nĂĽtzen nichts, wenn das Herz nicht bei Gott ist. Rechtgläubigkeit ohne Liebe kann sich ins Gegenteil von dem verkehren, was Gott möchte. Paulus geht sogar so weit zu sagen, dass es ihm nichts nutzen wĂĽrde, wenn er seinen ganzen Besitz weggäbe– wenn er gleichzeitig die Liebe nicht hätte! Gott schaut zuerst auf die innere Haltung, nicht auf die äuĂźeren Fakten!

Gespräch mit Christus: Jesus, wie konnte es sein, dass gerade die Pharisäer als fromme und gebildete Leute dich ablehnten? Kam es vielleicht dazu, weil ihnen das geschriebene Gesetz und ihre eigene Auslegung ĂĽber alles gingen? Wie tief muss dich ihre Ablehnung und Herzenshärte getroffen haben! Und wie oft hast du versucht, ihnen noch die Augen aufzutun… Danke fĂĽr deine Geduld, Herr, auch mit mir…

Vorsatz: Bevor ich das nächste Mal jemanden fĂĽr ein Fehlverhalten kritisiere, will ich innehalten und mich fragen, ob sein Handeln wirklich objektiv falsch ist, oder ob es nur meinen Gewohnheiten widerspricht.


Klugheit siegt

17. Juli 2021

Samstag der fĂĽnfzehnten Woche im Jahreskreis

Beate Scheilen

Mt 12,14-21
In jener Zeit fassten die Pharisäer den Beschluss, Jesus umzubringen. Als Jesus das erfuhr, ging er von dort weg. Viele folgten ihm, und er heilte alle Kranken. Aber er verbot ihnen, in der Öffentlichkeit von ihm zu reden. Auf diese Weise sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: Seht, das ist mein Knecht, den ich erwählt habe, mein Geliebter, an dem ich Gefallen gefunden habe. Ich werde meinen Geist auf ihn legen, und er wird den Völkern das Recht verkünden. Er wird nicht zanken und nicht schreien, und man wird seine Stimme nicht auf den Straßen hören. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen, bis er dem Recht zum Sieg verholfen hat. Und auf seinen Namen werden die Völker ihre Hoffnung setzen.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, die Menschen, fĂĽr die du auf die Welt gekommen bist, enttäuschen dich immer wieder. Einige von ihnen wĂĽnschen sich sogar deinen Tod. Trotzdem gibst du die Menschen nicht auf. Wenn die einen dich ablehnen, gehst du zu den anderen und zeigst ihnen deine GĂĽte. Das ist wirklich unfassbar! Und ich selbst bin so schnell gekränkt, wenn Menschen mich wegen Kleinigkeiten enttäuschen…

Bitte: Bitte, Jesus, gib mir ein klein wenig von deiner Geduld und Demut ab, damit ich dir ähnlicher werden kann.

1. Mord ist keine Arbeit. Nachdem Jesus am Sabbat auch noch einen Kranken geheilt hat, ist fĂĽr die Pharisäer das MaĂź voll: Sie planen, Jesus umzubringen. Man könnte fast darĂĽber hinweglesen, so lapidar berichtet Matthäus davon. Menschen planen, Gott umzubringen! Die gleichen Menschen, wohlgemerkt, die sich kurz vorher noch ĂĽber das Sammeln einiger Getreidekörner aufgeregt haben, planen jetzt kaltblĂĽtig einen Mord – am Sabbat! Offenbar sind derartige Ăśberlegungen fĂĽr sie keine Entweihung des Feiertags. Mordgedanken darf man haben – Hauptsache, es ist keine Arbeit! Handeln wir selber nicht auf anderer Ebene oft ähnlich absurd? Ich rege mich auf, weil im Gottesdienst ein Kind schreit und meine Andacht stört – und empfange gleich danach vielleicht aus frommer Routine die Kommunion, gedanklich beschäftigt mit allem Möglichen, nur nicht mit Jesus, der jetzt in meinem Herzen wohnt. Jeder kennt vermutlich genĂĽgend Beispiele aus dem eigenen Leben…

2. Ein Christ ist kein Provokateur. Als Jesus von den Plänen erfährt, verlässt er die Gegend. Er provoziert seine Gegner nicht, spekuliert auch nicht darauf, dass ihm ja nichts passieren könne, weil seine Stunde noch nicht gekommen ist. Sollen die Gegner ruhig denken, sie hätten ihn mundtot gemacht. Seinen Auftrag schränkt das nicht ein.Klugheit ist eine wichtige christliche Tugend. Wir mĂĽssen wissen, wann wir kämpfen und wann wir uns zurĂĽckziehen sollen. Nirgendwo steht geschrieben, dass wir im Vertrauen auf göttlichen Beistand unsere Gegner unnötig provozieren sollen. Es muss (darf!) sich auch niemand zum Martyrium vordrängeln! Jesus zeigt durch den RĂĽckzug seine Freiheit. Er wird sich von seinen Gegnern zwar töten lassen – aber den Zeitpunkt seines Todes können sie ihm nicht aufdrängen. Er wird ihn selbst wählen, und mit seinem Tod wird er wieder einmal die Absichten seiner Feinde ins Gegenteil verkehren.

3. RĂĽckzug ist keine Schande. Jesus verbietet den Menschen, in der Ă–ffentlichkeit von ihm zu sprechen. Es geht ihm nicht darum, sich selbst zu inszenieren und sichtbare Erfolge zu erringen. Er nimmt es sogar in Kauf, dass die Verbreitung seiner Botschaft erst einmal ins Stocken gerät. Jesus vertraut ganz auf den Vater und darauf, dass seine Stunde noch kommen wird. Gerade deswegen hat Gott an ihm „Gefallen gefunden“. Kann ich mich zurĂĽckziehen, wenn es angebracht ist, oder habe ich dann Angst, dass meine Projekte nicht weitergehen, meine Pläne in sich zusammenfallen werden, mein Ansehen sich verringert? Kann ich warten, bis der Heilige Geist mir „meine Stunde“ zeigt? Mache ich „Lärm“ um mich und meine Ideen, oder vertraue ich in Ruhe das Wachstum des Samens Gott an?

Gespräch mit Christus: Herr, das Heldentum, das du vorlebst, besteht nicht darin, laute Reden zu fĂĽhren, die Schwachen niederzutrampeln und die Stärke zu glorifizieren. Viele Herrscher dieser Welt sind so aufgetreten, und ihre Reiche haben die Zeiten nicht ĂĽberdauert. Dein Verhalten ist genau das Gegenteil davon und scheinbar erst einmal wenig erfolgreich. Aber wir glauben, dass du die Hoffnung der Welt bist. Und eines Tages werden es alle sehen.

Vorsatz: Ich werde heute einen Termin fĂĽr einen Tag „Auszeit mit Gott“ in meinen Kalender eintragen.