Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 27. Juni 2021 bis Samstag 3. Juli 2021

Dreizehnte Woche im Jahreskreis

P. László Erffa LC

Zwei Arten der Begegnung mit JesusSonntag
Begegnung mit ForderungenMontag
Mehr als eine BegegnungDienstag
Heilung durch BegegnungMittwoch
Begegnung in GemeinschaftDonnerstag
Begegnung und HeilsgeschichteFreitag
Intime BegegnungSamstag


Zwei Arten der Begegnung mit Jesus

27. Juni 2021

Dreizehnter Sonntag im Jahreskreis
Hl. Cyrill von Alexandrien, Bischof, Kirchenlehrer
Hl. Hemma von Gurk

P. László Erffa LC

Mk 5,21-43
In jener Zeit fuhr Jesus im Boot an das andere Ufer des Sees von Galiläa hinüber und eine große Menschenmenge versammelte sich um ihn. Während er noch am See war, kam einer der Synagogenvorsteher namens Jairus zu ihm. Als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen und flehte ihn um Hilfe an; er sagte: Meine Tochter liegt im Sterben. Komm und leg ihr die Hände auf, damit sie geheilt wird und am Leben bleibt! Da ging Jesus mit ihm. Viele Menschen folgten ihm und drängten sich um ihn. Darunter war eine Frau, die schon zwölf Jahre an Blutfluss litt. Sie war von vielen Ärzten behandelt worden und hatte dabei sehr zu leiden; ihr ganzes Vermögen hatte sie ausgegeben, aber es hatte ihr nichts genutzt, sondern ihr Zustand war immer schlimmer geworden. Sie hatte von Jesus gehört. Nun drängte sie sich in der Menge von hinten heran – und berührte sein Gewand. Denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt. Und sofort versiegte die Quelle des Blutes und sie spürte in ihrem Leib, dass sie von ihrem Leiden geheilt war. Im selben Augenblick fühlte Jesus, dass eine Kraft von ihm ausströmte, und er wandte sich in dem Gedränge um und fragte: Wer hat mein Gewand berührt? Seine Jünger sagten zu ihm: Du siehst doch, wie sich die Leute um dich drängen, und da fragst du: Wer hat mich berührt? Er blickte umher, um zu sehen, wer es getan hatte. Da kam die Frau, zitternd vor Furcht, weil sie wusste, was mit ihr geschehen war; sie fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit. Er aber sagte zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dich gerettet. Geh in Frieden! Du sollst von deinem Leiden geheilt sein. Während Jesus noch redete, kamen Leute, die zum Haus des Synagogenvorstehers gehörten, und sagten zu Jairus: Deine Tochter ist gestorben. Warum bemühst du den Meister noch länger? Jesus, der diese Worte gehört hatte, sagte zu dem Synagogenvorsteher: Fürchte dich nicht! Glaube nur! Und er ließ keinen mitkommen außer Petrus, Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus. Sie gingen zum Haus des Synagogenvorstehers. Als Jesus den Tumult sah und wie sie heftig weinten und klagten, trat er ein und sagte zu ihnen: Warum schreit und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, es schläft nur. Da lachten sie ihn aus. Er aber warf alle hinaus und nahm den Vater des Kindes und die Mutter und die, die mit ihm waren, und ging in den Raum, in dem das Kind lag. Er fasste das Kind an der Hand und sagte zu ihm: Talíta kum!, das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf! Sofort stand das Mädchen auf und ging umher. Es war zwölf Jahre alt. Die Leute waren ganz fassungslos vor Entsetzen. Doch er schärfte ihnen ein, niemand dürfe etwas davon erfahren; dann sagte er, man solle dem Mädchen etwas zu essen geben.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus Christus, heute will ich dir auf eine ganz besondere Weise begegnen. Du kennst meine Krankheiten und Gebrechen, die sonst niemand kennt. Lass mich dich in diesem Gebet heute berĂĽhren und die Kraft spĂĽren, die von dir ausgeht. Lass mich von den Personen im heutigen Evangelium lernen, wie ich dir begegnen kann.

Bitte: Herr, du weiĂźt besser als ich selber, was ich am meisten brauche. Zeig es mir und gib mir nicht nur die Sehnsucht danach, sondern auch die Gnade, es zu erlangen.

1. Eine hochoffizielle Bitte. Jairus hat ein wichtiges Anliegen. Es gibt nichts, was einen Vater so bewegt, wie das Leiden seiner Kinder. Er sieht nur eine Möglichkeit, seine Tochter zu heilen, und setzt alles in Bewegung, um es zu erreichen. Egal, wie viele Menschen um Jesus herum sind und ihm zuhören wollen: Das kann diesen Vater nicht aufhalten. Sein Anliegen ist wichtiger, dringender. Er bringt es ohne Umwege zu Jesus. Auch die vielen Umstehenden sind davon betroffen und haben Mitleid mit ihm und seiner Tochter. Besonders Jesus, der alles stehen und liegen lässt, um seinem Anliegen nachzukommen.

2. Eine verstohlene BerĂĽhrung. Die Frau hingegen bleibt anonym. Sie leidet schon seit Jahren, und die Blutungen haben sie rituell unrein gemacht. Sie trägt eine groĂźe Last mit sich herum. Wie kann sie sie jemals loswerden? Anderen will sie nichts davon erzählen; es ist ihr peinlich, oder sie hat Angst, ausgestoĂźen zu werden. Aber auch fĂĽr sie ist Jesus die einzige Hoffnung. Sie hat keine Autorität wie Jairus, der von der Menge durchgelassen wird. Zu Jesus muss sie sich durchkämpfen. Sie hat keinen Mut, ihm von ihrem Leiden zu erzählen. Vielleicht ist es ihr peinlich, um einen Gefallen fĂĽr sich selbst zu bitten oder Jesus nichts als Gegenleistung anbieten zu können. Aber auch ihr Glaube ist unerschĂĽtterlich und sie berĂĽhrt sein Gewand.

3. Nichts kann verborgen bleiben. So unterschiedlich die Geschichten dieser beiden Menschen auch begonnen haben mögen, sie enden gleich: Auf unterschiedlichen Wegen fĂĽhren sie zur Heilung und zu einer inneren Erneuerung der Bittsteller. Und mehr als das! Eine Begegnung mit Christus verändert nicht nur uns, sondern auch alle um uns herum. Sie ist nie etwas nur Privates, Heimliches, Verschwiegenes. Andere sollen merken, dass ich Jesus begegnet bin und eine Veränderung erfahren habe. Wenn wir geheilt sind, sollen auch andere um uns herum geheilt werden.

Gespräch mit Christus: Jesus, wenn ich dieses Evangelium lese: Welche dieser beiden Personen bin ich? Wie begegne ich dir normalerweise? Wie komme ich zu dir mit meinen Bitten? Was kann ich von den Personen dieses Evangeliums lernen? Wie kann ich meine Begegnung mit dir heute erneuern?

Vorsatz: Heute in Worten, Taten oder Einstellungen Zeugnis geben von meiner persönlichen Begegnung mit Jesus.


Begegnung mit Forderungen

28. Juni 2021

Hl. Irenäus von Lyon, Bischof und Märtyrer
Gedenktag

P. László Erffa, LC

Mt 8,18-22
In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, die um ihn waren, befahl er, ans andere Ufer zu fahren. Da kam ein Schriftgelehrter zu ihm und sagte: Meister, ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Ein anderer aber, einer seiner Jünger, sagte zu ihm: Herr, lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben! Jesus erwiderte: Folge mir nach; lass die Toten ihre Toten begraben!

EinfĂĽhrendes Gebet: Mein Gott, du willst uns jeden Tag neu begegnen und so deine Beziehung zu uns, auch zu mir, immer mehr aufbauen. Du weiĂźt, dass es fĂĽr uns unbeständige Menschen nicht immer einfach ist, den Weg mit dir zu gehen. Wir haben Angst, dass es uns irgendwann zu viel werden könnte. Hilf uns, auf dich zu schauen und nicht auf etwaige Schwierigkeiten auf diesem Weg.

Bitte: Bitte nimm mir die Angst davor, dir zu begegnen und ĂĽberfordert zu sein. Oder was auch sonst ich in meiner Beziehung zu dir fĂĽrchte.

1. Der nächste Schritt. Wenn wir Jesus begegnen, stillt er unseren Durst. Aber was er uns zu trinken gibt, ist etwas, was unseren Durst, unsere Sehnsucht nach ihm noch größer macht, menschlich gesehen unersättlich. Aber Gott kann sie schon erfĂĽllen. Wir sind nach dieser Begegnung so betroffen, dass unser Leben nicht mehr weitergehen kann wie bisher. Bewusst oder unbewusst suchen wir Jesus, laufen einfach hinter ihm her und beginnen so den Weg der Nachfolge. Wem Jesus wirklich in der Tiefe des Herzens begegnet ist, der kann kaum anders.

2. Wenn es denn so einfach wäre… Manchmal denken wir, es könnte doch so einfach sein, Jesus nachzufolgen… Warum macht er es uns denn dann manchmal so schwer? Riskiert er so nicht, dass einige aufgeben und nicht mehr weitermachen? Jesus will nicht, dass wir ihn festhalten, dass wir versuchen, ihn in unsere Gewalt zu bringen. Das wäre keine Nachfolge mehr. Nichts auf dieser Erde kann Jesus wirkliche Ruhe geben; er hat kein echtes Heim hier. Wenn wir einem Jesus nachfolgen, der es sich bequem gemacht hat, dann ist dieser Jesus nicht mehr der vom Evangelium. Seine Unruhe hingegen zeigt uns, dass seine Heimat – und somit auch unsere – im Himmel ist, dass die Beziehung zum Vater seine (und unsere!) einzige Heimat und Ruhestätte ist.

3. Der Preis der Nachfolge. Jesus verheimlicht es nicht: Nachfolge ist schwer. Und sie wird noch viel schwerer, wenn wir auf „unseren Bauchnabel“ schauen und nicht auf Jesus. Nachfolge besteht aus vielen sukzessiven Begegnungen, durch die wir wachsen und aufblĂĽhen können. Manche Begegnungen sind sehr schön. Tabor-Momente, wo wir am liebsten drei HĂĽtten bauen wĂĽrden fĂĽr uns, fĂĽr Jesus und fĂĽr unsere Freunde. Aber der Menschensohn „hat keinen Ort…“ Hier auf Erden jedenfalls nicht. Und so lernen wir nach und nach, dass Nachfolge manchmal auch bedeuten kann, dass wir nur den RĂĽcken Jesu sehen. Und obgleich sein Antlitz uns vielleicht mit mehr Freude erfĂĽllt als sein RĂĽcken, so wissen wir doch: Wenn wir den RĂĽcken Jesu sehen, dann weil wir ihm nachfolgen, also hinterhergehen. Wir gehen daher auf jeden Fall in die richtige Richtung!

Gespräch mit Christus: Jesus, kann es sein, dass ich manchmal Angst vor all dem habe, was du mir in Zukunft abverlangen könntest? FĂĽhle ich mich in meinem Glauben durch ein Gottesbild ausgebremst, wonach du immer mehr von mir verlangst, als ich geben kann? Wonach ich am Ende gar nichts richtig machen kann? Hilf mir, Herr, das zu heilen. Damit ich erkennen kann, was in der Begegnung zu dir wirklich zählt.

Vorsatz: Heute etwas tun, was mir sonst schwerfällt. Und zwar nicht, weil ich muss, sondern als kleines Liebesgeschenk an Jesus.


Mehr als eine Begegnung

29. Juni 2021

Dienstag der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Hll. Apostel Petrus und Paulus
Hochfest

P. László Erffa, LC

Mt 16,13-19
In jener Zeit, als Jesus in das Gebiet von Cäsaréa Philíppi kam, fragte er seine Jünger und sprach: Für wen halten die Menschen den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elíja, wieder andere für Jeremía oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus antwortete und sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjóna; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus – der Fels – und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, ich bin diese Woche auf dem Weg, dir tiefer zu begegnen. Ich höre jeden Tag im Evangelium, wie andere Menschen dir begegnet sind, und ich kann mich in sie hineinversetzen und so auch dir heute begegnen. Heute sehe ich, wie wir Menschen dich nicht wirklich erkennen können, ohne dass uns dazu vom Vater die Gnade gegeben wird. Um diese Gnade bitte ich dich.

Bitte: Herr Jesus, sende heute bitte deinen Geist in mein Herz, durch den dein Vater schon Petrus erleuchtet hat und in dem er bekannte: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!

1. FlĂĽchtige Begegnungen. FĂĽr wen halten die Leute Jesus? Heutzutage wĂĽrde man wahrscheinlich nicht so fromme Fragen wie damals stellen. Die Menschen urteilen nach dem, was sie erkennen und verstehen. Manchmal durchdringen sie dabei leider nicht die Oberfläche und bleiben an der Schale hängen, ohne zu verstehen… Jedenfalls sehen wir in diesem Evangelium, wie unzureichend es ist, nur eine „Meinung“ ĂĽber Jesus zu haben. Man kann so in Jesus nie mehr als einen normalen Menschen sehen. Vielleicht einen besonders noblen, erleuchteten, nachahmenswerten. Aber nur einen Menschen eben. Fleisch und Blut offenbaren uns das. Wenn wir auf dieser Stufe stehen bleiben und nicht mehr sehen können und wollen als das, sehen wir auch nicht mehr.

2. Innere Begegnung. Wenn ich nun aber schon etwas hinter Jesus hergelaufen bin und mich bemĂĽht habe, ihm zuzuhören, dann muss ich in ihm viel mehr als nur einen „guten Menschen“ erkannt haben. In der Nachfolge kann ich Jesus immer neu begegnen, in unterschiedlichen Umständen und Situationen. Aber so tief das auch sein mag, es fehlt immer noch ein letzter Schritt, um in das Geheimnis Jesu einzudringen. Diesen Schritt kann ich nicht aus eigener Kraft tun, ich brauche eine helfende Hand, die sich mir anbietet. Was ich tun kann, ist, eine Sehnsucht aufzubauen, Jesus noch tiefer kennenzulernen. Gott macht den Rest. Er fĂĽhrt uns an den Punkt, wo er sich uns persönlich offenbaren will.

3. Erleuchtete Begegnung. Wenn der Vater seinen Geist in unser Herz legt, dann erst können wir Jesus als den Christus, als den Sohn Gottes erfahren. Das ist mehr als eine äuĂźere Begegnung oder ein inneres Kennenlernen. Mehr als das, was Fleisch und Blut geben können. Es ist eine Begegnung von innen, von Gott her. Wenn ich Jesus im Heiligen Geist begegne, dann sehe ich ihn, wie Gott Vater ihn sieht. Ich trete ein in das innere Leben und Erkennen der heiligsten Dreifaltigkeit. Da, wo Gott Beziehung und Begegnung ist: Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Gespräch mit Christus: Das Vaterunser ganz langsam beten, mit dem Geist der Gotteskindschaft, der in unser Herz ausgegossen ist.

Vorsatz: Heute vor einer Begegnung mit einem anderen Menschen ein kurzes StoĂźgebet zum Heiligen Geist beten und ihn bitten, dass wir diesen Menschen als das geliebte Kind Gottes erkennen dĂĽrfen, das er ist.


Heilung durch Begegnung

30. Juni 2021

Mittwoch der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Otto von Bamberg, Bischof, Glaubensbote
Hl. Märtyrer der Stadt Rom

P. László Erffa, LC

Mt 8,28-34
Als Jesus an das andere Ufer kam, in das Gebiet von Gadara, liefen ihm aus den Grabhöhlen zwei Besessene entgegen. Sie waren so gefährlich, dass niemand den Weg benutzen konnte, der dort vorbeiführte. Sofort begannen sie zu schreien: Was haben wir mit dir zu tun, Sohn Gottes? Bist du hergekommen, um uns schon vor der Zeit zu quälen? In einiger Entfernung weidete gerade eine große Schweineherde. Da baten ihn die Dämonen: Wenn du uns austreibst, dann schick uns in die Schweineherde! Er sagte zu ihnen: Geht! Da verließen sie die beiden und fuhren in die Schweine. Und die ganze Herde stürzte sich den Abhang hinab in den See und kam in den Fluten um. Die Hirten flohen, liefen in die Stadt und erzählten dort alles, auch das, was mit den Besessenen geschehen war. Und die ganze Stadt zog zu Jesus hinaus; als sie ihn trafen, baten sie ihn, ihr Gebiet zu verlassen.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, du kommst zu mir und willst mir begegnen. Du kommst an mein Ufer und kommst auf mich zu. Du hast einen langen Weg auf dich genommen und reichst mir deine Hand. Was werde ich tun?

Bitte: Herr, hilf mir zu erkennen, was mich noch von dir trennt, und hilf mir, es abzustellen oder zu beseitigen. Wenn es in meiner Macht liegt, heute!

1. Meine Dämonen. Was gibt es in mir, was mich von einer tiefen Begegnung mit Jesus Christus abhält? Was fĂĽr Ă„ngste, Komplexe, Vorurteile oder Wunden? Wenn Jesus auf uns zukommt und in uns der innere Schweinehund zu schreien anfängt, mĂĽssen wir eine Entscheidung treffen. Bin ich bereit zu einer Begegnung, die mich verwandeln wird, oder will ich lieber auf diese Stimmen hören, die auffordern, die Flucht zu ergreifen? Sei es aus stolzer Ăśberzeugung, ihn nicht zu brauchen, oder aus Angst, er könnte mir zu viel abverlangen. Jeder von uns hat einige falsche Gottesbilder, die der Heilung bedĂĽrfen. Wie die Besessenen im Evangelium zieht es uns gleichzeitig zu Jesus hin und von ihm weg. Tatsächlich sind wir frei, uns fĂĽr oder gegen eine tiefere Begegnung zu entscheiden.

2. Der Preis der Freiheit. Im Evangelium ist es sehr anschaulich dargestellt: Die Dämonen dĂĽrfen nicht in uns bleiben – Jesus verbietet es ihnen – aber sie mĂĽssen offensichtlich irgendwohin. Und so verenden die Schweine in den Fluten. Das ist der unmittelbare „Preis“ fĂĽr die Freiheit der beiden Besessenen, ein Preis, den nicht alle Beteiligten zu bezahlen bereit sind. Letztlich sind wir alle schon seit der Taufe durch Christi Blut und SĂĽhneopfer endgĂĽltig freigekauft. Aber mit jeder SĂĽnde verkaufen wir uns von Mal zu Mal wieder an den Feind. Andererseits, wenn wir zu Jesus kommen, werden wir immer wieder ganz frei. Aber das Leben kann dann nicht so weitergehen wie vorher. Bin ich bereit, meine Schweineherde bzw. meine Laster und SĂĽnden aufzugeben und mich vom Herrn beschenken zu lassen, um diese Freiheit in ihm auch voll leben zu können?

3. Trennung statt Begegnung. Die Leute aus dem Gebiet von Gadara waren nicht bereit, loszulassen. Anstatt zu erkennen, wie wahrhaftig die Freiheit ist, die von einer Begegnung mit Christus kommt, schauen sie nur auf die Unannehmlichkeiten und Opfer, die diese Begegnung mit sich bringt. Sie schauen nur auf das, was sie verlieren, und erkennen nicht, dass es zu einem Prozess der Reinigung gehört, durch den man viel mehr gewinnt: Die Gegenwart des Sohnes Gottes, und dadurch, das Heil geplagter Menschen, was mehr wert ist als eine Schweineherde.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, manchmal kann es weh tun, loszulassen und zu vertrauen. Aber Misstrauen und Vorbehalte dir gegenĂĽber können nur einer trĂĽben Quelle entspringen. Heute will ich vertrauen und mich von dem verabschieden, was mir nur ein Hindernis ist auf dem Weg zu dir. Gib mir die Bereitschaft, den Preis fĂĽr die wahre Freiheit zu bezahlen, und das Vertrauen, dass ich mit dir allein in meinem Leben glĂĽcklich sein kann, einfach weil du da bist.

Vorsatz: Mich heute von einer schlechten Gewohnheit verabschieden. FĂĽr immer, mit seiner Kraft.


Begegnung in Gemeinschaft

1. Juli 2021

Donnerstag der dreizehnten Woche im Jahreskreis

P. László Erffa, LC

Mt 9,1-8
In jener Zeit stieg Jesus in das Boot, fuhr über den See und kam in seine Stadt. Da brachte man auf einer Tragbahre einen Gelähmten zu ihm. Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Hab Vertrauen, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben! Da dachten einige Schriftgelehrte: Er lästert Gott. Jesus wusste, was sie dachten, und sagte: Warum habt ihr so böse Gedanken im Herzen? Was ist leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? Ihr sollt aber erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben. Darauf sagte er zu dem Gelähmten: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause! Und der Mann stand auf und ging heim. Als die Leute das sahen, erschraken sie und priesen Gott, der den Menschen solche Vollmacht gegeben hat.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr Jesus, oft kann ich nur zu dir kommen, wenn andere mich tragen. Und andere können manchmal nur zu dir kommen, weil ich sie trage. Du hast es so eingerichtet, dass wir aufeinander angewiesen sind. Und das ist kein Zeichen der Schwäche, sondern fĂĽr alle eine Bereicherung. Lass mich erkennen, wie das in meinem Leben Wirklichkeit wird.

Bitte: Heute will ich dir fĂĽr alle Menschen danken, die du mir auf meinen Weg zu dir mitgegeben hast: Eltern, GroĂźeltern, Geschwister, Freunde. Hilf auch mir, andere zu dir zu bringen.

1. Der Gelähmte. FĂĽr einen Gelähmten muss es wahnsinnig frustrierend sein, sich nicht selbst bewegen zu können. FĂĽr uns moderne Menschen ist es unvorstellbar, so sehr auf andere Menschen angewiesen zu sein. Wir wollen fĂĽr andere keine Last sein. Aber wie kann ein Gelähmter Jesus begegnen, wenn keiner ihn zu ihm bringt? Also muss er um Hilfe bitten. Sein Glaube oder wenigstens seine Verzweiflung mĂĽssen sehr groĂź sein, damit er andere davon ĂĽberzeugen kann, ihm zu helfen. Wenn er es schafft, andere mit seinem Glauben anzustecken, wird er zu demjenigen, der sie zu Jesus bringt.

2. Die Träger. Vielleicht hatten sie ursprĂĽnglich an dem Tag etwas anderes vor, aber sie konnten zur Bitte des Gelähmten nicht Nein sagen. So wird der Gelähmte fĂĽr sie keine Last, sondern zum Grund, warum auch sie Jesus begegnen dĂĽrfen. Es zeigt sich dadurch: Wir kommen nie alleine zu Jesus. Die Gemeinschaft mag einem vielleicht manchmal hinderlich vorkommen, aber letztendlich können wir nur durch sie Jesus begegnen. Alleine geht das nicht. Wir sehen, dass es stimmt: Wer glaubt, ist nie allein. Können wir nicht auch sagen: Wer nicht allein ist, kann glauben? Jesus lobt den Glauben aller, den des Gelähmten und den der Träger.

3. Die Zuschauer. Die Menschen werden Zeugen dieser Begegnung und erschrecken zunächst, dann preisen sie Gott. Jedenfalls die, die mit offenen Herzen hier sind, weil sie Jesus begegnen wollen. Und sie sehen seine Vollmacht, zunächst in der Vergebung der SĂĽnden und dann in der Heilung. Andere Zuschauer sind dem gegenĂĽber leider verschlossen. Sie können ihren Vorurteilen und bösen Gedanken nicht so leicht entkommen. Jesus geht auf ihre Vorbehalte ein und kommt ihnen so entgegen. Werden sie sich öffnen können, um durch dieses Wunder Jesus in neuem Licht zu sehen und ihm auf tiefere Weise zu begegnen?

Gespräch mit Christus: Herr, welche Opfer bringen Menschen doch, um dir zu begegnen. Auch fĂĽr mich ist es nicht immer leicht, zu dir zu kommen, äuĂźerlich oder auch innerlich. Lass mich keine Angst davor haben, um Hilfe zu bitten, wenn ich es nicht alleine schaffe. Der Glaube von mehreren ist immer stärker als mein kleiner Glaube allein.

Vorsatz: Heute fĂĽr jemanden beten, der Gott in seinem Leben gerade jetzt besonders braucht.


Begegnung und Heilsgeschichte

2. Juli 2021

Mariä Heimsuchung
Fest

P. László Erffa, LC

Lk 1,39-56
In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, dein Wirken in dieser Welt ist nicht entfernt und abstrakt. Nein, du wirst Mensch, um bei uns zu sein und uns auf Augenhöhe zu begegnen. Wir wissen uns so ganz persönlich von dir gewollt und geliebt. Lass mich das jeden Tag neu erfahren, auch in meiner Begegnung mit anderen Menschen.

Bitte: Hilf mir, dich zu erkennen, wenn du heute zu mir kommst, Herr. Auf welche Art auch immer.

1. Maria und Elisabet. Durch das Zeugnis ihres Kindes, das vor Freude in ihrem Leib hĂĽpft, erkennt Elisabet, dass Maria Jesus in ihrem Leib trägt. Der Heilige Geist kommt ĂĽber sie und sie gibt Zeugnis von dem, was sie erfährt: Die Mutter meines Herrn kommt zu mir. Maria wird so auf ihrem Weg bestätigt, den sie bislang alleine gehen musste. Die beiden Cousinen bezeugen einander Gottes Wirken in ihrem Leben. Beide kommen so zu einer tieferen Erkenntnis ihrer Berufung und ihrer Sendung. Jesus, der noch Ungeborene aber immer Anwesende, ist schon die Mitte ihres Lebens.

2. Jesus und Johannes. Jesus und Johannes brauchen keine Worte, um sich zu verständigen. FĂĽr Johannes ist diese Begegnung prägend fĂĽr sein Leben, seine Mission: auf Jesus zu zeigen; auf das Lamm Gottes hinzuweisen, das die SĂĽnde der Welt hinwegnimmt. FĂĽr Johannes ist es ein erfĂĽllender, aber nicht immer einfacher Sendungsauftrag: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ So empfängt er seine ganze Identität aus der Begegnung mit Jesus. Und die Freude, die ihn dabei erfĂĽllt, wird ihn sein ganzes Leben lang begleiten, auch in der WĂĽste und im Kerker.

3. Jesus und ich. Wie Jesus Johannes und so vielen anderen Menschen begegnen will, so will er auch mir begegnen. Johannes hat Jesus damals auch noch nicht so gesehen, wie die anderen JĂĽnger ihn sehen konnten: als reifen, erwachsenen Mann. Aber er hat seine Gegenwart erkannt, die nicht an eine bestimmte äuĂźere Erscheinungsform gebunden ist. Jesus will auf diese Weise auch in meine Geschichte kommen und sie zur Heilsgeschichte machen. Vielleicht kann ich seine Gegenwart in anderen Menschen erfahren: In den HilfsbedĂĽrftigen oder in Menschen, die mir Liebe und Zuneigung bekunden. Wenn ich diese Gegenwart erkenne, wird sie mich verwandeln.

Gespräch mit Christus: Herr, lass mich heute etwas von der Freude erfahren, die Johannes spĂĽren durfte, als du in Maria zu ihm kamst. Lass mich erkennen, wie sehr eine einzige Begegnung mit dir alles verändern kann, und lass mich offen sein fĂĽr so eine Begegnung.

Vorsatz: Heute ist nicht nur das Fest Mariä Heimsuchung, sondern auch der erste Freitag im Monat, ein Tag, der dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht ist. Vielleicht schaffe ich es heute, Jesus in der heiligen Messe und Beichte zu begegnen, oder wenigstens in einer geistlichen Kommunion.


Intime Begegnung

3. Juli 2021

Hl. Thomas, Apostel
Fest

P. László Erffa, LC

Joh 20,24-29
Thomas, genannt Didymus - Zwilling -, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, ich möchte meinen Glauben, meine Hoffnung und meine Liebe zu dir täglich vertiefen. Wie weit bist du doch dem heiligen Thomas entgegengekommen! Du kennst auch meine Zweifel und Schwächen. Hole mich ab und entfĂĽhre mich zu dir!

Bitte: Herr, heile meine Wunden durch die BerĂĽhrung mit deinen Wunden.

1. â€žWir haben den Herrn gesehen.“ Das Zeugnis anderer ist stark und kann uns verwandeln. Aber manchmal ist es eben nicht genug. Wir mĂĽssen selber unsere Erfahrungen mit Christus machen, statt von der anderer zu leben. In diesem Sinne kann man Thomas seinen Unglauben nicht verĂĽbeln. Wie viele Exegeten heute glaubte er vielleicht, seine Mitapostel seien etwas verrĂĽckt geworden, und im Schmerz ĂĽber den Tod Jesu hätten sie in einer Art kollektiven Neurose den Herrn „wiedergesehen“. Thomas braucht etwas Handfesteres als die Begeisterung der anderen. Er will die Tatsachen mit eigenhändig prĂĽfen. Kann man ihm das verĂĽbeln, wenn er damit den Glauben selbst nicht ablehnt?

2. â€žStreck deinen Finger aus.“ Jesus lädt uns ein zur Begegnung. Die persönliche Begegnung entspricht unseren eigenen Nöten: Das „Wenn ich nicht…“, also die Bedingung, die Thomas stellt, wird regelrecht gekontert von der Einladung, die Wunden zu berĂĽhren. – Jesus kommt immer wieder auf uns zu und begegnet uns persönlich, wie wir es brauchen. Er nimmt die Zweifel des Thomas ernst, weil sie aus einer tiefen Sorge kommen, in der Wahrheit zu leben. So erlaubt Jesus sogar, dass man ihm auf eine tiefere und intimere Weise begegnet als andere. Thomas braucht nicht nur verbale Argumente, er braucht die BerĂĽhrung, die Intimität.

3. Es ist wirklich Jesus! Thomas bleibt nicht bei der BerĂĽhrung der Wunden stehen. Vom Heiligen Geist erleuchtet bekennt er Jesus als seinen Herrn und Gott. Ja, selig sind die, die nicht sehen und doch glauben! – Aber was ist mit den anderen? Jesus kommt auch auf sie zu und offenbart sich ihnen sogar noch mehr. Sie leiden zunächst an ihrem Unglauben, zuletzt aber sind sie es, die ein noch größeres Zeugnis ablegen können. Sie sagen nicht nur: „Wir haben den Herrn gesehen,“ sondern: „Mein Herr und mein Gott!“ Auch hier werden die Letzten die Ersten sein. Mit Thomas sind auch wir alle eingeladen, den Herrn zu berĂĽhren und zu bekennen.

Gespräch mit Christus: Herr, lass mich deine Wunden berĂĽhren und verstehen, wie sehr du mich liebst. Verstehen ist vielleicht nicht einmal das richtige Wort, es geht hier ja um mehr als nur um den Verstand. Lass mich es begreifen, erfahren, erkennen: Du bist mein Herr und mein Gott.

Vorsatz: Habe ich heute eine Möglichkeit, Jesus als den Herrn zu bekennen, indem ich zu meinem Glauben stehe, auch wenn es mich etwas kostet?