Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 20. Juni 2021 bis Samstag 26. Juni 2021

Zwölfte Woche im Jahreskreis

Br. Benoît Terrenoir LC

Mitten im SturmSonntag
Wir sind ProphetenMontag
Perlen, Gold und BronzeportaleDienstag
Das Wichtige entstammt dem HerzenMittwoch
So beginnt das Heil der WeltDonnerstag
Die Bergpredigt: von den Worten zu den TatenFreitag
Der göttliche ArztSamstag


Mitten im Sturm

20. Juni 2021

Zwölfter Sonntag im Jahreskreis

Br. Benoît Terrenoir LC

Mk 4,35-41
An jenem Tag, als es Abend geworden war, sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; und andere Boote begleiteten ihn. Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann. Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein. Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen?

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr Jesus Christus, heute ist der Tag des Herrn. Heute ist dein Tag. Lass mich dich heute den ganzen Tag begleiten! Lass mich in dein Boot steigen, und was auch immer passiert, lass mich es gemeinsam mit dir durchleben!

Bitte: Herr Jesus Christus, lass mich mehr an dich glauben!

1. Das Dilemma. Diese Evangelienstelle wirft eine komplizierte Frage auf: Was hätten die JĂĽnger eigentlich tun sollen? War es eine gute Idee, Jesus aufzuwecken? Oder wäre es besser gewesen, ihn schlafen zu lassen, und voll Hoffnung auf das Ende des Sturms zu warten? Dieses Dilemma ergibt sich in jedermanns Leben. Wenn der Sturm kommt, soll ich sofort auf Gott zurĂĽckgreifen, ihn aufwecken, oder soll ich eher weiterwirken und versuchen, die Lage so gut wie möglich mit meinen eigenen Kräften zu meistern? Mit anderen Worten: Glaube oder Werke? „Helfe dir Gott“ oder „helfe dir selbst“?

2. Kind oder Erwachsene? Wenn man die Evangelien durchblättert, ist es nicht leicht, einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden. Einerseits sagt Jesus, dass Gott wie der ungerechte Richter (cf. Lk 18,1-8) dazu bereit ist, durch unsere Gebete gestört zu werden. Wenn wir wie Kinder werden sollen (cf. Mt 18,3), dann sollten wir keine Angst davor haben, unseren himmlischen Vater inmitten der Nacht oder des Sturms aufzuwecken. Andererseits vergleicht Jesus das Reich Gottes mit einem Samen, der wächst und keimt, ohne dass man es merkt (cf. Mk 4,27). Gott handelt in meinem Leben, ohne dass ich immer bewusst sein Wirken in Anspruch nehme. Er lässt mich wie einen Erwachsenen leben, den er nicht ständig an der Hand halten muss.

3. Wie Christus. Also, Jesus aufwecken oder ihn schlafen lassen? Kind sein oder Erwachsener sein? Glaube oder Werke? Vielleicht können wir die Antwort in Getsemani finden. Dort, in jenem schrecklichen Sturm, greift Jesus ohne Zögern auf den Vater zurĂĽck. Er zögert aber auch nicht davor, aufzustehen und seiner Passion entgegenzugehen. Er zeigt, dass wir beides können: Gott aufwecken und mit Glauben weitersegeln. Ein Kinderherz zu haben und als Erwachsene zu handeln. „Helfe dir Gott“ und auch „helfe dir selbst“. Der SchlĂĽssel dazu ist die Gegenwart des Herrn in mir. Wenn ich ihn in mir leben lasse und er in meinem Boot ist, dann habe ich nichts mehr zu fĂĽrchten, wie stark auch immer der Sturm ist.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus Christus, lass mich nicht im Stich, wenn die StĂĽrme kommen! Aber lass mich auch nicht daran zweifeln, dass du mit mir bist! Heilige Jungfrau Maria, ich bitte dich, lass deinen Sohn in mir wohnen, wie er in dir gelebt hat. Und so werde ich dem Vater mein „Dein Wille geschehe“ sagen können.

Vorsatz: Heute werde ich dem Herrn die StĂĽrme meines Lebens anvertrauen.


Wir sind Propheten

21. Juni 2021

Hl. Aloysius Gonzaga, Ordensmann
Gedenktag

Br. Benoît Terrenoir LC

Mt 7,1-5
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂĽngern: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden, und nach dem MaĂź, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden. Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! - und dabei steckt in deinem Auge ein Balken. Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr Jesus Christus, heute will ich inmitten deiner JĂĽnger sitzen, und auf die Worte der Bergpredigt hören. Du hast Worte des ewigen Lebens, die einzigen, die meine Sehnsucht nach GlĂĽck erfĂĽllen können!

Bitte: Herr, gib mir barmherzige Augen!

1. Nicht nur blind, sondern auch betäubt. Wenn man sich das Gleichnis des Splitters und des Balkens vorstellt, gibt es zwei Dinge, die schwer zu erklären sind. Wie ist es möglich, einen Balken im Auge zu tragen? Und, darĂĽber hinaus, wie ist es möglich, es nicht zu merken! Es muss doch weh tun! MerkwĂĽrdig ist also, dass fehlende Selbstkritik betäubt. Ein bisschen wie König David, der die schöne Batseba so begehrte, dass er ihren Mann ohne Zögern ermorden lieĂź. Als der Prophet Natan ihm von einem reichen Landbesitzer erzählte, der das einzige Schaf eines armen Hirten geraubt hatte, war David empört. Er war so betäubt, dass er einen Propheten brauchte, um Schmerz ĂĽber seine eigene SĂĽnde zu erfahren.

2. Wir brauchen Propheten. Der Balken war wahrscheinlich nicht immer so groĂź. Als er ins Auge geriet, war er nicht viel größer als ein Splitter. Aber er ist dort langsam gewachsen und dann zu einem echten Baumstamm geworden. Die SĂĽnde wuchs langsam in König Davids Herz heran, bis er sie als eine legitime Sehnsucht betrachtete. Wie kann ich mir meiner SĂĽnde bewusst werden? Wo kann ich den Propheten finden, der bereit ist, mich darĂĽber aufzuklären? Eigentlich schickt uns der Herr jeden Tag Propheten: ein Wort des Evangeliums, ein Blitz des Gewissens, den Ratschlag eines Priesters, eine Predigt, ein Buch, einen Film, eine Landschaft… Herr, hilf mir, deine Propheten und ihre Zeichen zu erkennen!

3. BrĂĽderliche Zurechtweisung. Die Geschichte Davids zeigt uns, dass man etwas gegen den eigenen Balken im Auge tun kann, wenn man ihn bemerkt. Dank der Propheten, die mir Gott sendet, kann ich meine SĂĽnde spĂĽren und bereuen. Aber ich brauche etwas mehr: Ich muss die Liebe Gottes zu mir erfahren. Nur der liebevolle Blick Gottes kann den Balken in meinem Auge zersprengen. Wenn ich mich diesem Blick aussetze, kann ich mein Leben mit Barmherzigkeit anschauen. Und nur dann kann ich auch das Leben der Mitmenschen mit Barmherzigkeit sehen und zum Propheten fĂĽr andere werden. Darin besteht die brĂĽderliche Zurechtweisung: Sie ist Teil unserer Berufung zu Königen, Priestern und Propheten, die wir am Tag unserer Taufe bekommen haben.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus Christus, du hast mich zuerst geliebt. Ich bitte dich, gib mir barmherzige Augen wie die deinen! Lass nicht zu, dass ich mich selbst und andere mit Verachtung oder Misstrauen betrachte! Heilige Jungfrau Maria, lass deine Liebe den Stolz aus meinem Auge herausnehmen!

Vorsatz: Heute werde ich dem Herrn fĂĽr einen Propheten danken, den er mir geschickt hat.


Perlen, Gold und Bronzeportale

22. Juni 2021

Dienstag der zwölften Woche im Jahreskreis
Hl. John Fischer, Bischof, Märtyrer
Hl. Paulinus von Nola, Bischof
Hl. Thomas Morus, Märtyrer

Br. Benoît Terrenoir LC

Mt 7,6,12-14
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Gebt das Heilige nicht den Hunden, und werft eure Perlen nicht den Schweinen vor, denn sie könnten sie mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen. Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten. Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit, und viele gehen auf ihm. Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng, und der Weg dahin ist schmal, und nur wenige finden ihn.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr Jesus Christus, ich bin hier in deiner Gegenwart. Heute möchte ich nicht nur auf deine Worte hören, sondern auch dein Leben durch diese Worte betrachten. Heilige Jungfrau Maria, gib mir ein Herz, das die Worte deines Sohnes behutsam und liebevoll annimmt.

Bitte: Herr Jesus Christus, lass mich dir nachfolgen!

1. Das beste Schmuckkästchen fĂĽr meine Perlen. Was heiĂźt, „unsere Perlen den Schweinen vorwerfen“? – Im Herzen jedes Menschen hat Gott SehnsĂĽchte nach GlĂĽck, nach Unendlichem und nach ErfĂĽllung gesät. Ich kann versuchen, diese SehnsĂĽchte mit VergnĂĽgungen und Zielen zu stillen, die kleinlich und niedrig bleiben. Aber diese VergnĂĽgungen werden meinen Durst nicht nur nicht stillen, sondern auch eventuell meine wahren Schätze zertreten und zerreiĂźen. Unsere tiefsten HerzenswĂĽnsche kann nur Gott stillen. Er ist das einzige Schmuckkästchen, in das meine Perlen hineinpassen können. „Herr, du hast mich auf dich hin geschaffen, und unruhig ist mein Herz, bis es ruht in dir.“ (Augustinus)

2. Die goldene Regel. Nach den Perlen finden wir das Gold oder die sogenannte goldene Regel: „Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen“. Auf den ersten Blick klingt es lediglich wie ein Grundsatz der menschlichen Logik: Ich muss dem anderen Gutes tun, damit er mir wiederum Gutes tut. Aber wenn wir Jesus anschauen, dann merken wir, dass es sich um mehr als menschliche Logik handelt. Der Herr hat denen Gutes getan, die ihm Schmerzen zugefĂĽgt haben. Er ist fĂĽr die Menschen gestorben, die ihn gefoltert und getötet haben. Hier herrscht eine andere Logik, die Logik des Evangeliums, des Weizenkorns, das stirbt, um Leben zu geben.

3. Besser als Bronzeportale. Im Leben des seligen Franz Jägerstätter, wie in dem vieler Heiliger, sehen wir, wie stark die Versuchung des breiten Wegs ist, nämlich das zu tun, was alle tun. Wenn wir noch einmal Jesus anschauen, dann sehen wir, dass er bei seiner Menschwerdung durch kein weites Bronzeportal in unsere Welt eingetreten ist. Das Tor der Menschwerdung war ein sehr niedriges Tor und nur Gott hat es durchschreiten können. Wir können aber mit Christus durch ein anderes enges Tor gehen, nämlich durch jenes, das sich am Ende des Wegs seines irdischen Lebens befindet: das Tor seines Todes und seiner Auferstehung. Die Taufe hat uns den SchlĂĽssel zu diesem engen Tor gegeben. Aber es braucht Mut und Glaube, und vor allem Liebe, um dieses Tor zu durchschreiten.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus Christus, nur dir gehören meine Perlen. Nur dir will ich folgen, denn du bist durch das enge Tor des Kreuzes gegangen und bist fĂĽr deine Feinde gestorben. Nimm mich mit dir in deine Passion hinein, um mit dir die Freude der Auferstehung zu genieĂźen!

Vorsatz: Heute werde ich mich an meine Taufe erinnern und dafĂĽr danken.


Das Wichtige entstammt dem Herzen

23. Juni 2021

Mittwoch der zwölften Woche im Jahreskreis

Br. Benoît Terrenoir LC

Mt 7,15-20
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Hütet euch vor den falschen Propheten; sie kommen zu euch wie Schafe, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Erntet man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen? Jeder gute Baum bringt gute Früchte hervor, ein schlechter Baum aber schlechte. Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte hervorbringen und ein schlechter Baum keine guten. Jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr Jesus Christus, du bist das Leben! Ich bitte dich, gib mir Anteil an diesem Leben! Lass mich nicht sterben, lass mich nicht unfruchtbar sein! Wenn ich wie ein trockener Holzscheit bin, lass mich wieder keimen und grĂĽn werden!

Bitte: Herr Jesus Christus, lass mich Frucht bringen!

1. Das Thermometer des christlichen Lebens. Mit dieser Evangelienstelle endet die Bergpredigt. Warum so ein Abschluss? Im Verlauf der gesamten Bergpredigt hat Christus erklärt, wie wir als Kinder Gottes leben sollen: die Seligpreisungen, die Hingabe an die Vorsehung Gottes, das Vaterunser, die Goldene Regel… So viele Tipps, um gemeinsam mit dem Heiligen Geist, der in uns durch die Sakramente lebt, zu wirken. Wie kann ich aber am Ende wissen, dass ich wirklich als Kind Gottes lebe? Wie kann ich wissen, dass ich all die Hinweise der Bergpredigt richtig befolge? Hier gibt uns Christus die Antwort: Das Thermometer des christlichen Lebens ist seine Fruchtbarkeit.

2. Die Unterscheidung der Geister. Die FrĂĽchte geben uns die Möglichkeit, nicht nur unser Leben im Allgemeinen zu prĂĽfen, sondern auch jeden Gedanken und jede Entscheidung. Wie kann ich wissen, dass ein Wunsch oder ein Projekt dem Willen Gottes entspricht? Ich kann es nicht im Voraus wissen, ich muss warten, bis die FrĂĽchte sich zeigen. Sonst ist es nicht möglich, das Unkraut vom Weizen zu unterscheiden. Also, wenn ein Wunsch oder ein Projekt in mir eine egoistische Haltung hervorbringt, dann ist das ein Zeichen dafĂĽr, dass so etwas nicht von Gott kommt. Wenn eine Person so viel Platz einnimmt, dass sie die Beziehungen zu meiner Familie oder zu meinen Freunden lähmt oder zerbricht, dann ist das auch kein gutes Zeichen. Schlechte FrĂĽchte können nicht von Gott kommen. Umgekehrt können gute FrĂĽchte nur von Gott kommen.

3. Gutes und Böses kommen von drinnen. Der Verweis auf die FrĂĽchte zeigt auch, dass das Wichtige nicht von auĂźen kommt, sondern vom Herzen. FrĂĽchte wachsen dank des Safts, der vom Baum und seiner Wurzel her im Inneren des Zweiges aufsteigt. Wenn ich gute FrĂĽchte hervorbringe, dann wohnt Gott in mir. Bringe ich aber schlechte FrĂĽchte, dann heiĂźt das, dass in meinem Herz irgendetwas nicht in Ordnung ist. Ich könnte einem falschen Propheten folgen, zum Beispiel der Versuchung, alles auf meine Weise, und nicht auf Gottes Weise zu tun. Die erste Lesung zeigt uns Abraham, der den Bund mit Gott schlieĂźt. Der falsche Prophet aber wird sich ihm bald aufdrängen, und zwar in der Versuchung, einen Sohn auf eigene Weise zu erhalten. Isaak, der Sohn des Bundes, die Frucht der Treue, wird erst kommen, wenn Abraham auf Gottes Weise Vater wird.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus Christus, lass mich FrĂĽchte bringen! Lass nicht zu, dass ich aus dieser Welt ohne FrĂĽchte und in Einsamkeit scheide! Lass mich FrĂĽchte hervorbringen, die bis ins ewige Leben dauern! Maria, meine Mutter, hilf mir, ein reines Herz zu haben, damit dein Sohn in mir ungehindert lebt!

Vorsatz: Nach dieser Gebetszeit werde ich darĂĽber nachdenken, welche FrĂĽchte ich hervorbringe und erforschen, was ich im Herzen habe.


So beginnt das Heil der Welt

24. Juni 2021

Donnerstag der zwölften Woche im Jahreskreis
Geburt Johannes des Täufers
Hochfest

Br. Benoît Terrenoir LC

Lk 1,57–66.80
Für Elisabet erfüllte sich die Zeit, dass sie gebären sollte, und sie brachte einen Sohn zur Welt. Ihre Nachbarn und Verwandten hörten, welch großes Erbarmen der Herr ihr erwiesen hatte, und freuten sich mit ihr. Und es geschah: Am achten Tag kamen sie zur Beschneidung des Kindes und sie wollten ihm den Namen seines Vaters Zacharías geben. Seine Mutter aber widersprach und sagte: Nein, sondern er soll Johannes heißen. Sie antworteten ihr: Es gibt doch niemanden in deiner Verwandtschaft, der so heißt. Da fragten sie seinen Vater durch Zeichen, welchen Namen das Kind haben solle. Er verlangte ein Schreibtäfelchen und schrieb darauf: Johannes ist sein Name. Und alle staunten. Im gleichen Augenblick konnte er Mund und Zunge wieder gebrauchen und er redete und pries Gott. Und alle ihre Nachbarn gerieten in Furcht und man sprach von all diesen Dingen im ganzen Bergland von Judäa. Alle, die davon hörten, nahmen es sich zu Herzen und sagten: Was wird wohl aus diesem Kind werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm. Das Kind wuchs heran und wurde stark im Geist. Und es lebte in der Wüste bis zu dem Tag, an dem es seinen Auftrag für Israel erhielt.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr Jesus Christus, heute feiern wir die Geburt Johannes des Täufers, der dir den Weg bereitet hat. An diesem Hochfest möchte ich mir eine Zeit nehmen, um die Szene zu betrachten, die sich neben der Kinderwiege des Johannes abgespielt hat. Heilige Jungfrau Maria, du kennst das Haus des Zacharias so gut, hilf mir, diese Evangelienstelle zu betrachten!

Bitte: Vater, lass mich deine Liebe wahrnehmen!

1. Zacharias oder Johannes? Zacharias hatte so lange auf einen Sohn gewartet! Er hatte sicherlich GroĂźe Zukunftsprojekte fĂĽr ihn. Dieses Kind könnte ein Mitglied des Sanhedrins… und vielleicht Hohepriester werden! In diesem Fall sollte ihm ein passender Name gegeben werden, ein Name, der seiner Familie wĂĽrdig ist. Ein Name wie „Zacharias“. Auch die Freunde und Nachbarn drängten, dem Kind diesen Namen zu geben. Aber seine Eltern haben dieses Vorhaben abgelehnt und einen anderen Namen gewählt: „Johannes“. Der Engel Gabriel hatte Zacharias nämlich gesagt, er solle seinem Sohn den Namen Johannes geben. Zacharias und Elisabeth haben sich gegen Freunde, Bekannte und ihre eigenen Träume stellen mĂĽssen, um Gott den ersten Platz zu geben, – wozu sie auch bereit waren.

2. Wem gehört das Kind? In jener Zeit war die Namensgebung ein feierliches Ereignis, das bei jĂĽdischen Knaben bei der Beschneidung stattfand. Die Namensgebung war ein Vorrecht des Vaters. Derjenige nämlich, der den Namen gab, verlieh seinem Recht auf das Kind Ausdruck. Das Kind gehörte ihm zu. Aber bei der Namensgebung des Johannes ist es anders gelaufen. Eigentlich wurde der Name nicht vom Vater gewählt, sondern von Gott. Das heiĂźt, dass das Kind Gott zugehört. Gott hat dieses Neugeborene in Besitz genommen, er hat ihn von Anfang an fĂĽr eine besondere Sendung auserwählt. Dieses Kleinkind ist nicht wie die anderen Kinder. Es ist Gottes Eigentum.

3. Johannes, „Gott ist gnädig“. Warum hat sich Gott dieses Kind angeeignet? Der Name „Johannes“ gibt uns schon einen Hinweis. „Johannes“ bedeutet „Gott zeigt Gnade“ oder „Gott ist gnädig“. Nach Jahrhunderten der Finsternis und der Gottesferne hatte die Gnade Gottes endlich aufzuscheinen begonnen. Die Geburt Johannes des Täufers ist kein unbedeutendes Ereignis, sie bildet den Auftakt zu den zentralen Heilsereignissen der Menschheitsgeschichte. „Gott ist gnädig“: Die Gnade, das heiĂźt, die Barmherzigkeit Gottes bricht in die Welt hinein, und von diesem Zeitpunkt an lässt sich nichts mehr rĂĽckgängig machen. Das Heil der Welt hat begonnen, es kann nicht aufgehalten werden.

Gespräch mit Christus: Vater, durch Johannes den Täufer hast du mir deine unendliche Barmherzigkeit kundgetan. Die Geburt des Johannes ist die Morgendämmerung des Heils, der erste Lichtstrahl, der die Finsternis meiner SĂĽnde beleuchtet. Danke, Vater, dass du mich nicht im Stich gelassen hast! Danke fĂĽr deine unendliche Liebe!

Vorsatz: Heute werde ich Gott eindringlich um seine Gnade fĂĽr die Menschen bitten.


Die Bergpredigt: von den Worten zu den Taten

25. Juni 2021

Freitag der zwölften Woche im Jahreskreis

Br. Benoît Terrenoir LC

Mt 8,1-4
Als Jesus von dem Berg herabstieg, folgten ihm viele Menschen. Da kam ein Aussätziger, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde. Jesus streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es - werde rein! Im gleichen Augenblick wurde der Aussätzige rein. Jesus aber sagte zu ihm: Nimm dich in Acht! Erzähl niemand davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Opfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll für sie ein Beweis deiner Heilung sein.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr Jesus Christus, hier bin ich, um mit dir zu sein. Heute will ich nicht nur auf deine Worte hören, wie die Scharen von Menschen, die bei der Bergpredigt anwesend waren, sondern ich will dir auch entgegengehen und persönlich begegnen. Heilige Jungfrau Maria, ich vertraue dir dieses Gebet an. Lass mich deinem Sohn begegnen!

Bitte: Herr, gib mir das neue Leben der Kinder Gottes!

1. â€žSelig die Trauernden.“ Was ist das Erste, das Jesus Christus nach der Bergpredigt tut? Er ist kaum vom Berg herabgekommen, da begegnet er einem Aussätzigen, der ihm entgegenkommt und vor ihm niederfällt. Vielleicht hatte dieser Mann jenes Wort der Bergpredigt gehört, wo Jesus sagt: „Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden“. Wie viele Tränen hatte er wohl bisher vergieĂźen mĂĽssen, denn seit seiner Erkrankung war sein Leben ein langes und ausgedehntes Sterben geworden. Jetzt aber hört er plötzlich auf, seine Tränen und seine Verletzlichkeit zu verstecken. Er tritt demĂĽtig und entschlossen Jesus entgegen: „Herr, wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde“.

2. Ich bin gekommen, damit sie das Leben in FĂĽlle haben. Jesus seinerseits handelt nicht weniger entschlossen. Zum groĂźen Erstaunen der Anwesenden fĂĽrchtet er sich nicht davor, dem Aussätzigen zu antworten und ihn sogar zu berĂĽhren! Er wusste sehr wohl, dass Lepra ansteckend ist, und auch, dass ihn eine solche Geste nach dem Gesetz unrein machen wĂĽrde. Aber er war nicht gekommen, um sich Sorgen um sein eigenes Leben zu machen. Er war gekommen, um den Menschen das neue Leben, das Leben der Kinder Gottes zu bringen. Das war der Sinn der Bergpredigt. Und jetzt hatte er die Gelegenheit, einem hoffnungslosen Menschen dieses neue Leben fĂĽr alle sichtbar zu spenden.

3. Geh hin in Frieden und verkĂĽnde die groĂźen Taten Gottes! Die Heilung des Aussätzigen ist nicht das Ende der Geschichte. Nachdem er rein wird, erhält er von Christus eine weiterfĂĽhrende Aufgabe. Er soll seine Genesung bezeugen. Dieses Zeugnis aber soll er nicht einfach irgendwie, sondern gemäß dem Gesetz des Mose ablegen. Das entspricht auch dem, was Christus in der Bergpredigt gerade gesagt hatte, und zwar, dass er nicht gekommen sei, um das Gesetz aufzuheben, sondern um es zu erfĂĽllen. Die Kirchenväter sagen, dass das gesetzlich vorgeschriebene Zeugnis wirklich dann erfĂĽllt wird, wenn wir zum Priester gehen, unsere SĂĽnden beichten und damit unseren Aussatz loswerden und durch das Sakrament der Versöhnung neues Leben empfangen. Die Beichte ist nicht nur das Bekenntnis unserer SĂĽnden, sondern sie verkĂĽndet auch die GĂĽte Gottes, der macht, dass wir rein werden.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus Christus, du weiĂźt, wie schwach und sĂĽndig ich bin. Aber du weiĂźt auch, wie sehr ich mich nach dem Leben in FĂĽlle sehne, das du jedem Menschen schenken willst. Ich bitte dich, lass mich in Demut zu dir kommen, und wasch mich rein von meinen SĂĽnden! Heilige Jungfrau Maria, fĂĽhre mich zu deinem Sohn!

Vorsatz: Heute werde ich den Tag bestimmen, an dem ich das nächste Mal das Sakrament der Versöhnung empfange.


Der göttliche Arzt

26. Juni 2021

Samstag der zwölften Woche im Jahreskreis

Br. Benoît Terrenoir LC

Mt 8,5-17
In jener Zeit als Jesus nach Kafarnaum kam, trat ein Hauptmann an ihn heran und bat ihn: Herr, mein Diener liegt gelähmt zu Hause und hat große Schmerzen. Jesus sagte zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Da antwortete der Hauptmann: Herr, ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst; sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund. Auch ich muss Befehlen gehorchen, und ich habe selber Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es. Jesus war erstaunt, als er das hörte, und sagte zu denen, die ihm nachfolgten: Amen, das sage ich euch: Einen solchen Glauben habe ich in Israel noch bei niemand gefunden. Ich sage euch: Viele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; die aber, für die das Reich bestimmt war, werden hinausgeworfen in die äußerste Finsternis; dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen. Und zum Hauptmann sagte Jesus: Geh! Es soll geschehen, wie du geglaubt hast. Und in derselben Stunde wurde der Diener gesund. Jesus ging in das Haus des Petrus und sah, dass dessen Schwiegermutter im Bett lag und Fieber hatte. Da berührte er ihre Hand, und das Fieber wich von ihr. Und sie stand auf und sorgte für ihn. Am Abend brachte man viele Besessene zu ihm. Er trieb mit seinem Wort die Geister aus und heilte alle Kranken. Dadurch sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: Er hat unsere Leiden auf sich genommen und unsere Krankheiten getragen.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr Jesus Christus, du weiĂźt, wie schwach ich bin. Ich tue das Böse, das ich nicht will, und bin nicht fähig, das Gute zu tun, das ich tun will. Ich bitte dich, heile meine Wunden! Gib mir die Genesung an Leib und Seele! Maria, meine Mutter, fĂĽhre mich zu deinem Sohn, stelle mich vor deinem Sohn!

Bitte: Herr, heile mich!

1. Wasche, was befleckt ist; heile, was verwundet ist. Die heutige Evangelienstelle zeigt uns eine ganze Flut von Wunderheilungen. Nacheinander werden der Diener eines Hauptmanns, die Schwiegermutter des Petrus und eine Vielzahl von Besessenen und Kranken geheilt. Der SchlĂĽssel zum tieferen Sinn all dieser Heilungen liegt im letzten Satz: „Er hat unsere Leiden auf sich genommen und unsere Krankheiten getragen“. Die UrsĂĽnde hat uns Leiden und Krankheit auferlegt. Jesus ist gekommen, um die ursprĂĽngliche Harmonie des Paradieses wiederherzustellen. Er allein kann den Schmerz und den Teufel endgĂĽltig ĂĽberwinden. Er allein kann eine Neuschöpfung hervorbringen.

2. Vor der Heilung. Der Hauptmann ist ein Beispiel dafĂĽr, wie wir Christus um Heilung bitten sollen. Ihm ist eine Sache klar: Die Macht Christi ist unwiderstehlich. Die Naturelemente mĂĽssen sich ihr unterwerfen, so als handele es sich um ein physikalisches Gesetz. Wie die Untergebenen des Hauptmanns die Befehle ihres Oberen befolgen mĂĽssen, ebenso mĂĽssen unsere Krankheiten und Gesundheitszustände die Befehle Christi befolgen. Der Hauptmann weist Christus eine schöpferische Macht zu, die nur Gott gehört. Er hat irgendwie wahrgenommen, dass diesem Jesus von Nazaret Gottes Allmacht zur VerfĂĽgung steht. Einem solchen Glauben kann Christus nicht widerstehen, er erhört ihn sofort.

3. Nach der Heilung. Die Schwiegermutter des Petrus ist ein Beispiel dafĂĽr, wie man sich nach einer Heilung verhalten sollte. Ihre Genesung kann ein bisschen komisch wirken, denn man kann den Eindruck gewinnen, Christus habe sie geheilt, damit sie aufsteht und ihm das Essen serviert. Aber natĂĽrlich ist es umgekehrt: Die Schwiegermutter sorgt fĂĽr Christus, weil sie von ihm geheilt wurde. Von denen, die er heilt, fordert Christus nichts fĂĽr sich. Die vielen anderen Heilungen, die am Ende desselben Tags stattfinden, wirkt Jesus auch, ohne irgendwelche AnsprĂĽche zu erheben. Allerdings hat diese Frau die Liebe Christi so nah erfahren, dass sie nicht anders kann, als ihm ihre Liebe zu bezeigen. Und das tut sie, indem sie ihm dient.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus Christus, du hast mich schon von so vielen Ăśbeln an Leib und Seele geheilt. Ich danke dir dafĂĽr. Ich bitte dich, gib mir den Glauben des Hauptmanns und die Liebe der Schwiegermutter des Petrus! Heilige Maria, meine Mutter, ich vertraue dir all meine Wunden und Schmerzen an. Möge dein Sohn sie heilen!

Vorsatz: Heute werde ich Christus fĂĽr mich und drei andere Personen um Heilung bitten.