Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 25. April 2021 bis Samstag 1. Mai 2021

Vierte Woche der Osterzeit

Br. Raphael Meyer LC

Dein HirteSonntag
Das Leben in Fülle habenMontag
Auf den Händen des Vaters über den Abgrund schreitenDienstag
Der Heilige Geist ist Feuer in dirMittwoch
Ein treuer GottDonnerstag
Ich will Gott schauenFreitag
Die Beziehung zum VaterSamstag


Dein Hirte

25. April 2021

Vierter Sonntag der Osterzeit
Hl. Markus, Evangelist
Weltgebetstag um geistliche Berufungen

Br. Raphael Meyer LC

Joh 10,11–18
In jener Zeit sprach Jesus: Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen, lässt die Schafe im Stich und flieht; und der Wolf reißt sie und zerstreut sie. Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt. Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe. Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten. Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen. Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es von mir aus hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.

Einführendes Gebet: Jesus, ich danke dir für deine große Liebe zu mir. Du hast dein Leben für mich hingegeben, weil ich dein geliebtes Kind bin. Hilf mir, an deine Liebe zu mir zu glauben.

Bitte: Herr Jesus, gib mir Mut, damit auch ich mein Leben für meinen Nächsten geben kann.

1. Jesu Liebe zu uns. Jesus ist der gute Hirt. Er gibt sein Leben für die Schafe. Im ersten Moment mag das vielleicht wie Poesie, wie eine Übertreibung klingen. Welcher Hirt würde schon, wenn es darauf ankommt, sein Leben für ein Schaf geben? Für uns hört sich das verrückt an, doch genauso verrückt ist die Liebe Jesu zu uns. Seine Liebe ist so groß, dass er keine Sekunde gezögert hat und auch zögern würde, sein Leben für DICH zu geben.

2. Er kennt mich. Jesus sagt: „Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich.“ Was bedeutet es wirklich, Jesus zu kennen und was bedeutet es, dass er uns kennt? Dass er uns kennt, durch und durch, bedeutet, dass er ganz genau weiß, wer wir sind. Hier zählt nicht, was wir über uns denken, sondern was er über uns denkt. Er sieht all das Gute und all das Schlechte. Und obwohl wir schwach sind, gibt er für uns sein Leben. Was sagt das aus über unseren Wert und darüber, wie er auf uns schaut?

3. Niemand entreißt mir mein Leben. Jesus gibt sein Leben freiwillig hin. Er sagt, dass es ihm niemand entreißt, sondern dass er es hingibt. Hier sehen wir die Initiative Gottes. Er wartet nicht, sondern springt für uns in die Bresche. Wenn wir am Abgrund des Todes stehen, den Wölfen ausgesetzt sind, ist er es, der uns rettet, bevor es uns trifft. Christus wählt für sich den Tod, für uns das Leben. Sollten wir nicht auch seinem Beispiel folgen? Obwohl er unser Leben rettet, müssen auch wir unseren Teil tun und innerlich sterben. Wie oft kämpfen wir dagegen, diesen inneren Tod zu sterben, den Tod des Ichs. Wir sträuben uns, Gottes Willen zu tun, halten an unserem Egoismus fest und klammern uns an unser Leben, anstatt es wie Jesus in die Hände des Vaters zu legen.

Gespräch mit Christus: Jesus, du bist eins mit dem Vater. Ich danke dir, dass du mich vor dem Tod bewahrt hast und dein Leben für mich hingegeben hast. Du zögerst nie und springst für mich in die Bresche. Lass mich immer vor Augen haben, dass du mein Retter bist.

Vorsatz: Heute will ich Jesus preisen, wenn ich in einer unangenehmen Situation bin.


Das Leben in Fülle haben

26. April 2021

Montag der vierten Woche der Osterzeit

Br. Raphael Meyer LC

Joh 10,1-10
In jener Zeit sprach Jesus: Amen, amen, das sage ich euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter, und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme des Fremden nicht kennen. Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte. Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

Einführendes Gebet: Jesus Christus, ich bin dein geliebtes Kind. Lass mich verstehen, dass es keinen anderen Weg zu einem erfüllten Leben gibt als durch die Türe, die du selbst bist.

Bitte: Jesus, lass mich mein Leben in Fülle leben.

1. Leben in Fülle. Jesus möchte, dass wir ein Leben in Fülle haben. Das heutige Evangelium endet mit diesem Satz und ist die Konsequenz dessen, was Jesus vorher beschreibt. Ein Leben mit dem Hirten ist ein Leben in Fülle. Wenn wir nahe bei ihm bleiben, wird er uns auf saftige Weiden führen.

2. Reality Check. Wir können uns fragen, ob das wirklich die Realität unseres Lebens ist. Wenn wir ehrlich sind, ist da oft noch viel Luft nach oben. Wir haben die Sehnsucht im Herzen, ein wirklich erfülltes Leben zu leben, und Jesus verspricht uns, dass es möglich ist, mit ihm so ein Leben zu führen. Glauben wir ihm und dass er seinem Versprechen treu ist! Uns wird nach unseren Erwartungen und unseren Bitten zugeteilt.

3. Das Leben in Fülle ist der Heilige Geist. Jesus ist die zweite Person der Dreifaltigkeit. Er ist der Logos, das Wort Gottes. Auf seine Stimme sollen wir hören, weil er unser Helfer ist. Er hat uns aber noch eine andere Hilfe gegeben. Vor seiner Himmelfahrt sagt er vom Vater: „[Er] wird euch einen anderen Beistand geben[...]“ (vgl. Joh, 14,16). Der Heilige Geist ist der Geist, der lebendig macht. So bitten wir ihn, dass der Geist in uns lebendig wird und in uns sein Leben in Fülle lebt. Mit der Kirche singen wir in der Pfingstsequenz: „Dürrem gieße Leben ein!“

Gespräch mit Christus: Lieber Jesus, du kennst mein Herz und die Sehnsucht danach, ganz erfüllt zu sein. Ich weiß, dass diese Fülle nur von dir kommt. Ich weiß, dass der Heilige Geist in mir lebt. Lass mir bewusst werden, dass er in mir lebendig sein möchte.

Vorsatz: Heute werde ich in einigen Momenten innehalten und tief ein- und ausatmen, um mir bewusst zu machen, dass der Heilige Geist in mir lebendig ist und mir übernatürliches Leben einhaucht, das mich zur Fülle des Lebens führt.


Auf den Händen des Vaters über den Abgrund schreiten

27. April 2021

Dienstag der vierten Woche der Osterzeit
Hl. Petrus Canisius, Ordenspriester, Kirchenlehrer

Br. Raphael Meyer LC

Joh 10,22-30
In Jerusalem fand das Tempelweihfest statt. Es war Winter, und Jesus ging im Tempel in der Halle Salomos auf und ab. Da umringten ihn die Juden und fragten ihn: Wie lange noch willst du uns hinhalten? Wenn du der Messias bist, sag es uns offen! Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, aber ihr glaubt nicht. Die Werke, die ich im Namen meines Vaters vollbringe, legen Zeugnis für mich ab; ihr aber glaubt nicht, weil ihr nicht zu meinen Schafen gehört. Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen. Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle, und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen. Ich und der Vater sind eins.

Einführendes Gebet: Jesus Christus, ich bin in deiner Gegenwart. Ich möchte in dieser Meditation mit dir sprechen und dir zuhören. Sag mir, was du für mich möchtest und was ich tun soll, um dir die Ehre zu geben und dein Reich auszubreiten.

Bitte: Jesus Christus, lass mich nicht nur deine Stimme hören, sondern dir dann auch folgen.

1. Jesu Ablehnung. Im heutigen Evangelium sehen wir, wie viele Leute wissen wollten, ob Jesus tatsächlich der Messias ist. Doch so, wie sie ihn bedrängen, kann man heraushören, dass sie es nur aus seinem eigenen Mund hören wollen, um ihn dann abzulehnen. Ihn anzunehmen, würde nämlich bedeuten, seine Lehre anzunehmen und dass er der Sohn des Vaters ist, der fleischgewordene Gott. Nehmen wir Anstoß an ihm? Sind wir uns bewusst, dass er der allmächtige Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde ist, der das ganze Universum gemacht hat, unfassbar groß und mächtig und zur gleichen Zeit nahe ist, der als Mensch auf der Erde wandelte?

2. Er wird dich auf seinen Händen tragen. Um Jesus so anzunehmen, wie er ist, muss man ihm einen Vertrauensvorschuss geben und einen Schritt in die Unsicherheit wagen. Solch ein Schritt kann sich wie ein Schritt ins Leere anfühlen, dorthin, wo wir nicht wissen, was geschehen wird. Jesus aber lädt uns ein, diesen Schritt zu tun, weil er möchte, dass wir im Vertrauen zu ihm wachsen und wissen, dass wir sicher sein können, nicht ins Leere zu fallen, sondern auf seinen Händen über den Abgrund der Unsicherheit und der Angst hinweggehen zu können.

3. Tun Sie den Schritt ins Vertrauen! Vielleicht haben wir das schon öfters gehört, aber wenn wir ehrlich sind und unser Leben anschauen, gibt es da immer etwas Konkretes, um das Jesus mich bittet. Wenn du gerade vor einer Entscheidung stehst, die dich etwas kostet, ist vielleicht jetzt die Zeit, seiner Einladung zu folgen und ja zu sagen, den Schritt zu tun und auf seiner Hand über den scheinbaren Abgrund zu schreiten. Im Vertrauen auf Gott wird der Abrund zur Ebene.

Gespräch mit Christus: Mein Herr, ich bitte dich darum, meinen Glauben, meine Hoffnung und meine Liebe zu stärken. Ich weiß, dass es dich sehr verletzt, wenn ich dir nicht vertraue und an deiner Liebe zu mir zweifle. Stärke besonders mein Vertrauen, damit ich mit dir über die Abgründe des Lebens schreiten kann.

Vorsatz: Heute werde ich Jesus in einer Gewissenserforschung fragen, um was er mich bittet.


Der Heilige Geist ist Feuer in dir

28. April 2021

Mittwoch der vierten Woche der Osterzeit
Hl. Peter Chanel, Priester, Märtyrer

Br. Raphael Meyer LC

Joh 12,44-50
In jener Zeit rief Jesus aus: Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat, und wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat. Ich bin das Licht, das in die Welt gekommen ist, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt. Wer meine Worte nur hört und sie nicht befolgt, den richte nicht ich; denn ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten. Wer mich verachtet und meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich gesprochen habe, wird ihn richten am Letzten Tag. Denn was ich gesagt habe, habe ich nicht aus mir selbst, sondern der Vater, der mich gesandt hat, hat mir aufgetragen, was ich sagen und reden soll. Und ich weiß, dass sein Auftrag ewiges Leben ist. Was ich also sage, sage ich so, wie es mir der Vater gesagt hat.

Einführendes Gebet: Jesus, sei du das Licht meines Lebens, damit ich nie wieder allein in der Dunkelheit gehen muss.

Bitte: Herr, ich möchte vor dich so hintreten, wie ich bin, und nichts vor dir verstecken, damit mein ganzes Sein in dein Licht gehüllt wird.

1. Das Licht der Welt. Jesus ist das Licht der Welt, das unsere Dunkelheit erleuchtet. Er ist das Licht, das in uns leuchtet. Manchmal fühlt es sich an, als ob in unserem Inneren nur eine kleine Flamme brennt oder eine Taschenlampe, die uns die Umrisse der Geschehnisse in unserem Leben noch gerade so erkennen lässt. Jesus möchte aber viel mehr als ein kleines Licht sein.

2. Das Feuer der Liebe Gottes. Es geht darum, dass wir seine Gegenwart in uns erkennen und damit das Licht in unserem Inneren entdecken. Dieses Licht, diese Flamme, kommt vom Heiligen Geist, der das Feuer der Liebe Gottes in uns ist. Stellen wir uns vor, dass wir auf eine Reise in unser Inneres gehen, wo im tiefsten Zentrum unseres Herzens dieses Feuer brennt. Wenn wir es gefunden haben, reicht es nicht, sich von einiger Entfernung aus daran zu wärmen. Denn anstatt aus Furcht, verbrennen zu können, sofort wieder herauszuklettern – wenn wir einmal ungewollt hineingefallen sind – sollten wir uns stattdessen in dieses Feuer hineinwerfen. Jesus möchte, dass wir bewusst in diese Flamme steigen, uns mit dem Feuer vereinigen und somit selbst zum Feuer werden (vgl. The Holy Spirit, Fire of Divine Love – Fr. Wilfrid Stinissen, OCD).

3. Leben im Heiligen Geist. Wenn wir zulassen, selbst Feuer zu werden, wird dieses Feuer alles in uns und um uns herum erleuchten. Eine kleine Flamme, die vorher nur Umrisse gezeigt hat, und mit der ich mich immer noch an der Wand entlang tasten musste, ist jetzt zu einer leuchtenden Fackel geworden, die die Umgebung bis in den letzten Winkel erleuchtet. Wie werde ich selbst ganz zum Feuer, fragen wir uns? Wir müssen nur das Feuer ins uns, den Heiligen Geist, entdecken, den wir schon empfangen haben und der schon in uns ist.

Gespräch mit Christus: Jesus, wie froh wärst du, es würde schon brennen! Du sehnst dich danach, dass der Heilige Geist in uns lebendig ist und wir uns von deiner Liebe entzünden lassen. Lass mich ganz Feuer werden!

Vorsatz: Heute werde ich mir mehrmals bewusst machen, dass das Feuer des Heiligen Geistes in mir brennt.


Ein treuer Gott

29. April 2021

Hl. Katharina von Siena, Ordensfrau, Kirchenlehrerin, Schutzpatronin Europas
Fest

Br. Raphael Meyer LC

Mt 11,25-30
In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.

Einführendes Gebet: Mein lieber Jesus, ich werde dir glauben und radikal unterstellen, dass du deinen Versprechen treu bist. Lass mich im Alltag so handeln, als ob du dein Versprechen schon erfüllt hättest.

Bitte: Herr Jesus Christus, lass mich deinen Verheißungen Glauben schenken, damit ich bei dir Ruhe finde.

1. Ich werde euch Ruhe verschaffen. „Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ – Vielleicht fragst du dich, ob das wirklich stimmt oder hast dich bereits damit abgefunden, diese Worte Jesu als Metapher zu deuten (…da dieses Versprechen erst im Himmel eingelöst wird). Ja, ich habe vielleicht mehr Ruhe als die Menschen, die Jesus nicht in ihrem Leben haben. Trotzdem kann niemand von uns sagen: „Ja, ich habe die Ruhe ganz“, oder „mein Joch ist leicht.“ Irgendwie ist das Leben oft immer noch schwer. Aber woran liegt das? Gibt es wirklich einen Grund, die Worte Jesu so auszulegen, und sind Ruhe und das leichte Joch vielleicht Dinge, die wir nicht einfach erfahren können, ohne sie im Glauben vorher angenommen zu haben?

2. Jesus schenkt keine Pseudo-Ruhe. Welchen Zweck hat eine Ruhe, die man nicht erfahren kann? Es gibt wirklich keinen Grund für eine solche Interpretation. Jesus hat uns sein Versprechen gegeben, ein Leben in Fülle zu leben, Ruhe zu erfahren und ein leichtes Joch zu tragen. Wieso sollten wir dann nicht genau das erwarten? Jesus möchte ganz bestimmt nicht, dass wir uns mit einer Pseudo-Ruhe oder einem „leichten Joch“ abfinden, welches wir uns bloß einreden. Ebenso sollten wir nicht sagen, dass es normal sei und es doch jedem gleich gehe. Mit solch einer Aussage würden wir die Dunkelheit loben, weil sie anscheinend normal ist, anstatt anzunehmen, dass in unserem Leben etwas fehlen könnte. Wir sollten stattdessen eher nach dem wahren Grund suchen und uns fragen, wieso unser Leben oft nicht so wie das Ideal aussieht, von dem Christus spricht.

3. Jesu Versprechen ernst nehmen. Wir müssen zugeben, dass wir oft zu wenig Freude haben und wir diese Freude auch nur bei einigen Christen finden können. Wahrscheinlich liegt das daran, dass viele, wir eingeschlossen, Jesu Versprechen nicht ernst nehmen. Dass Jesus für dich Mensch geworden ist, für dich gelitten hat, für dich gestorben ist, für dich auferstanden ist und dir den Heiligen Geist gesandt hat, hat oft weniger Einfluss auf dein Leben, als es sollte. Wenn wir seine Versprechungen jedoch ernst nehmen und an all das glauben und auch so leben, werden wir Ruhe finden, unser Joch wird leicht und er wird all seine Versprechen erfüllen.

Gespräch mit Christus: Jesus, du siehst meinen schwachen Glauben. Ich möchte diesen Glauben erneuern und darauf vertrauen, dass er Berge versetzen kann. Ich möchte mich nie wieder mit weniger als mit dir zufriedengeben.

Vorsatz: Heute werde ich so handeln, als ob Jesus seine Verheißungen schon erfüllt hätte.


Ich will Gott schauen

30. April 2021

Freitag der vierten Woche der Osterzeit
Hl. Pius V., Papst

Br. Raphael Meyer LC

Joh 14,1-6
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr. Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.

Einführendes Gebet: Jesus, du bist der Weg, auf dem ich immer bleiben möchte, die Wahrheit, die ich immer suchen will und das Leben, das ich in Fülle leben will.

Bitte: Jesus Christus, lass mich immer vor Augen haben, dass du mein letztes Ziel bist, damit ich mit dir, dem Vater und dem Heiligen Geist im Himmel eins sein kann.

1. An der Pforte des Himmels. Ich stelle mir immer gern vor, eines Tages am Tor des Himmels zu stehen. Wenn ich dort ankomme, werde ich mit einer riesengroßen Vorfreude darauf warten, den zu treffen, dessen Antlitz ich kenne und von dem ich weiß, dass er mich liebt. Ich werde jenem begegnen, den ich mein ganzes Leben lang im Gebet, im Kreuz und in der Eucharistie tiefer und tiefer kennengelernt habe. Jenen, dem ich gedient habe, besonders durch das Leben der Nächstenliebe, und für den ich mich im Aufbau seines Reiches hingegeben habe.

2. Vertraute Gesichter. Wenn wir das hören, wird schnell klar, wie wir uns das Ideal eines christlichen Lebens vorstellen und wie gern wir auf ein solches Leben zurückblicken würden, ein Leben, in dem wir Gott schon kennenlernen durften. Wäre es andererseits nicht seltsam, am Tor des Himmels zu stehen und fremde Gesichter zu erblicken? Wie merkwürdig wäre es, wenn Jesus, der Vater und der Heilige Geist sich mir vorstellen müssten, weil ich sie nie wirklich kennengelernt habe. Dann hätten wir die Zeit auf Erden nicht richtig genutzt und den Sinn des Lebens anderweitig gesucht. Wir hätten seine Stimme nicht vernommen und versucht, in anderen Dingen als in ihm Erfüllung zu finden.

3. Die gegebene Zeit nutzen. Solange uns der Sohn eine Wohnung im Hause des Vaters vorbereitet, haben wir noch Zeit, ihn, den Vater und den Heiligen Geist kennenzulernen. Jeden Tag das Ende vor Augen, in dem Bewusstsein, dass wir nicht zuerst für diese Erde geschaffen wurden, und im Vertrauen, das liebende Antlitz des Vaters zu schauen, bleiben wir beharrlich auf unserem Weg und setzen die guten Werke fort, die uns der Vater zu seiner Ehre anvertraut hat, um eines Tages sein Gesicht unverhüllt zu schauen.

Gespräch mit Christus: Heiliger Geist, hilf mir, auf das Wesentliche zu schauen und zu unterscheiden, was mich zu dir hin- oder von dir wegbringt. Erleuchtet vom Heiligen Geist und mit seiner Hilfe will ich mich immer für deinen Willen entscheiden, weil das der sicherste Weg zu dir ist.

Vorsatz: Heute werde ich mein Gewissen erforschen, um zu erkennen, was mich in meinem Leben davon abhält, Gott zu suchen und ihn kennenzulernen.


Die Beziehung zum Vater

1. Mai 2021

Samstag der vierten Woche der Osterzeit
Maifeiertag
Hl. Josef der Arbeiter

Br. Raphael Meyer LC

Joh 14,7-14
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke! Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater. Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird. Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bittet, werde ich es tun.

Einführendes Gebet: Jesus, ich möchte dich durch und durch kennen. Wenn ich in deine Augen schaue, möchte ich die Augen des Vaters sehen. So wie ich dich kenne, möchte ich auch den Vater kennen.

Bitte: Vater, gib dich mir als mein liebender Vater zu erkennen.

1. Ich und der Vater sind eins. Oft denken wir, dass wir Jesus schon ziemlich gut kennen. Wenn es aber darum geht, den Vater zu kennen, wenden wir uns oft ab oder können nicht viel damit anfangen. Sicher, es ist leichter Jesus kennenzulernen, immerhin war er Gott und Mensch in einer Person. Es ist sicherlich einfacher, jemanden kennenzulernen, der einige Gemeinsamkeiten mehr mit uns hat. Wenn wir aber sagen, dass wir Jesus kennen und ihm vertrauen, dem Vater aber noch nicht so richtig, bedeutet das in Wirklichkeit, dass wir auch Jesus noch nicht vertrauen, da Jesus und der Vater eins sind.

2. Jesus offenbart den Vater. Jesus ist gekommen, um uns mit Gott zu versöhnen und um unsere zerstörte Beziehung mit Gott wiederherzustellen. Er nimmt das falsche Bild weg, das wir vom Vater haben, das Bild von jemandem, dem man nicht vertrauen kann. Jesus möchte uns zum Vater führen und hat uns ermöglicht, das falsche Vaterbild zu durchschauen, sein wahres Gesicht zu erkennen und den Vater so zu sehen, wie er wirklich ist.

3. Der Heilige Geist, die Liebe zwischen Vater und Sohn. Jesus möchte uns zu einer lebendigen Beziehung mit dem Vater führen. Mit Gott versöhnt, sind wir zu Söhnen geworden (vgl. Gal 3,26). Ähnlich wie Jesus Sohn des Vaters ist, sind nun auch wir Söhne des Vaters. So wie der Heilige Geist die Liebe des Vaters und des Sohnes ist, ist auch die Liebe zwischen uns und dem Vater nichts Geringeres als der Heilige Geist.

Gespräch mit Christus: Heiliger Geist, du bist die Liebe, die den Vater und mich verbindet. Lass mich in deiner Liebe leben und bekennen, dass ich mit dir alles vermag. Führe mich in die Wahrheit, damit ich den Vater noch mehr erkenne.

Vorsatz: Heute werde ich mich bei allem, was ich tue, fragen: „Wie würde ein Kind des Vaters in dieser Situation handeln?“