Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 28. M├Ąrz 2021 bis Samstag 3. April 2021

Karwoche

P. Bertalan Egervári LC

Das Reich Gottes h├Ąlt EinzugSonntag
Vom Beispiel anderer lernenMontag
Tiefe Gef├╝hleDienstag
Die gro├čen Taten GottesMittwoch
Der gro├če Wert des eucharistischen OpfersDonnerstag
Ich kann Jesus begleitenFreitag
Das Schweigen des GrabesSamstag


Das Reich Gottes h├Ąlt Einzug

28. M├Ąrz 2021

Palmsonntag

P. Bertalan Egervári LC

Mk 11,1-10
Es war einige Tage vor dem Osterfest. Als sie in die N├Ąhe von Jerusalem kamen, nach Betfage und Betanien am ├ľlberg, schickte Jesus zwei seiner J├╝nger voraus. Er sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor uns liegt; gleich wenn ihr hineinkommt, werdet ihr einen jungen Esel angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat. Bindet ihn los, und bringt ihn her! Und wenn jemand zu euch sagt: Was tut ihr da?, dann antwortet: Der Herr braucht ihn; er l├Ąsst ihn bald wieder zur├╝ckbringen. Da machten sie sich auf den Weg und fanden au├čen an einer T├╝r an der Stra├če einen jungen Esel angebunden, und sie banden ihn los. Einige, die dabeistanden, sagten zu ihnen: Wie kommt ihr dazu, den Esel loszubinden? Sie gaben ihnen zur Antwort, was Jesus gesagt hatte, und man lie├č sie gew├Ąhren. Sie brachten den jungen Esel zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Tier, und er setzte sich darauf. Und viele breiteten ihre Kleider auf der Stra├če aus; andere rissen auf den Feldern Zweigen von den B├╝schen ab und streuten sie auf den Weg. Die Leute, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn! Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt. Hosanna in der H├Âhe!

Einf├╝hrendes Gebet: Guter Herr, du bist K├Ânig und Erl├Âser, du bist dem├╝tig und friedfertig. Wie dir die Menschen damals zugejubelt haben, so m├Âchte auch ich dich mit diesem Gebet preisen.

Bitte: Dein Reich komme!

1. Das Reich Gottes ist nahe. Mit dem Einzug in Jerusalem offenbart sich Jesus als Messias und K├Ânig. Die Leute damals haben sehr wohl verstanden, dass Jesus mit seinem symbolischen Ritt auf dem Esel auf das Buch Sacharja anspielt, in dem das Kommen eines dem├╝tigen und gerechten K├Ânigs und Retters angek├╝ndigt wird, der Frieden bringt und bis an die Enden der Erde herrschen wird (Sach 9,9-10). Jesus Christus ist wirklich dieser Messias. Der Friede, den er bringt, ist jedoch kein blo├č irdischer Friede, seine K├Ânigsherrschaft ist zuerst eine geistige Herrschaft. Ja, das ÔÇ×Reich unseres Vaters DavidÔÇť kommt tats├Ąchlich. Es ist nur ganz anders, als es sich die meisten Leute wohl vorgestellt haben.

2. Die vier Dimensionen des Reiches Gottes. Es gibt vier Dimensionen des Reiches Gottes: eine pers├Ânliche, eine soziale, eine gesellschaftliche und eine eschatologische Dimension. Zun├Ąchst m├Âchte Jesus Christus sein Reich und seine K├Ânigsherrschaft in uns pers├Ânlich errichten. Er wartet und hofft, dass wir ihn ├╝ber unsere Seele herrschen lassen, dass er K├Ânig unseres Lebens sein darf. Dann soll sich sein Reich auf die Beziehung zu unseren Mitmenschen ausdehnen. Genau wie in unserer Seele soll auch in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen Friede, Gerechtigkeit und Liebe herrschen, bis immer mehr die ganze Gesellschaft von diesem Reich Christi ergriffen wird. Seine eschatologische F├╝lle wird dieses Reich freilich erst am Ende der Zeiten erreichen, wenn Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schafft.

3. Reich Gottes im Leben eines Heiligen. Der heilige Giuseppe Moscati ist ein wunderbares Beispiel f├╝r jemand, der auf schlichte Weise am Aufbau des Reiches Christi mitgearbeitet hat. Verstorben 1927 im Alter von 46 Jahren, war er Arzt mit Leib und Seele und hat sein Leben ganz in den Dienst seiner Mitmenschen gestellt. Um ihnen besser helfen zu k├Ânnen, hat er auch seine gottgegebenen Talente eingesetzt und war als Dozent an der Universit├Ąt und als Wissenschaftler aktiv. Bei der Cholera-Epidemie 1911 in Neapel war er Tag und Nacht bei den Kranken. W├Ąhrend des 1. Weltkriegs behandelte er ca. 3000 Soldaten. Ganz besonders hat er sich um die im Sterben Liegenden und um die Armen gek├╝mmert, die er oft ohne Honorar behandelte und zus├Ątzlich mit seinem eigenen Verm├Âgen unterst├╝tzte. Kraft f├╝r sein Wirken sch├Âpfte er aus dem Gebet und dem t├Ąglichen Besuch der heiligen Messe. Er hat die gew├Âhnlichen Dinge des Alltags auf au├čergew├Âhnliche gute Weise gelebt.

Gespr├Ąch mit Christus: Jesus, du bist die Quelle alles Guten und m├Âchtest in meinem Leben und in der Gesellschaft herrschen. Ich m├Âchte dich als K├Ânig in meinem Leben annehmen und versuchen, so zu leben, dass du dein Reich in meinem Inneren errichten kannst. Wirke auch in den Herzen all meiner Mitmenschen und lass dein Reich der Gerechtigkeit, des Friedens und der Liebe in der ganzen Gesellschaft erstehen.

Vorsatz: Ich werde heute versuchen, meine zwischenmenschlichen Beziehungen von Gerechtigkeit, Frieden und Liebe zu erf├╝llen.


Vom Beispiel anderer lernen

29. M├Ąrz 2021

Montag der Karwoche

P. Bertalan Egervári LC

Joh 12,1-11
Sechs Tage vor dem Paschafest kam Jesus nach Betanien, wo Lazarus war, den er von den Toten auferweckt hatte. Dort bereiteten sie ihm ein Mahl; Marta bediente, und Lazarus war unter denen, die mit Jesus bei Tisch waren. Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Narden├Âl, salbte Jesus die F├╝├če und trocknete sie mit ihrem Haar. Das Haus wurde vom Duft des ├ľls erf├╝llt. Doch einer von seinen J├╝ngern, Judas Iskariot, der ihn sp├Ąter verriet, sagte: Warum hat man dieses ├ľl nicht f├╝r dreihundert Denare verkauft und den Erl├Âs den Armen gegeben? Das sagte er aber nicht, weil er ein Herz f├╝r die Armen gehabt h├Ątte, sondern weil er ein Dieb war; er hatte n├Ąmlich die Kasse und veruntreute die Eink├╝nfte. Jesus erwiderte: Lass sie, damit sie es f├╝r den Tag meines Begr├Ąbnisses tue. Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer bei euch. Viele Juden hatten erfahren, dass Jesus dort war, und sie kamen, jedoch nicht nur um Jesu willen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte. Die Hohenpriester aber beschlossen, auch Lazarus zu t├Âten, weil viele Juden seinetwegen hingingen und an Jesus glaubten.

Einf├╝hrendes Gebet: Komm, Heiliger Geist, erleuchte mein Herz und meinen Verstand, damit ich dein Wort verstehe und daraus lerne. Hilf mir, das gute Beispiel Martas und Marias zu befolgen und die Fehler des Judas zu meiden.

Bitte: Gib uns Kraft f├╝r das Gute, und lass uns dich, den dreifaltigen Gott, ├╝ber alles lieben.

1. Marta. Die Stimmung im Haus von Marta, Maria und Lazarus muss hervorragend gewesen sein. Den verstorbenen Bruder nach vier Tagen lebendig und gesund zur├╝ckzuerhalten, ist wahrlich ein Grund zur Freude. Jesus wird mit einem Festmahl gefeiert. Welche Rolle nahm Marta dabei ein? Die gleiche wie damals, als sie von Jesus zurechtgewiesen wurde: Sie hat bedient. Sie war wahrscheinlich genauso gesch├Ąftig wie damals, aber ihre innere Haltung war v├Âllig anders. Sie war nicht ganz von ihrem Dienst in Anspruch genommen, sie hat sich keine Sorgen gemacht, sie hat sich auch nicht ├╝ber die anderen beklagt, die keinen sp├╝rbaren Beitrag leisteten. Es waren keine b├Âsen Urteile in ihrem Herzen. Sie war einfach f├╝r die anderen da, um ihnen Freude zu machen und ein sch├Ânes Mahl zu bereiten.

2. Maria. Auch Marias Pers├Ânlichkeit hat sich nicht wesentlich ver├Ąndert. Wieder sa├č sie an ihrem Lieblingsplatz, Jesus zu F├╝├čen. Wie Marta wollte auch sie Jesus eine Freude bereiten und sich dankbar erweisen. Die Art und Weise, wie sie es tat, war aber eine ganz andere. Sie entsprach ihrem Wesen. Genauso verschwenderisch, wie sie mit dem Narden├Âl umging, war auch ihre Liebe. F├╝r Jesus z├Ąhlten keine Kosten und M├╝hen, er war es einfach wert. Es war ihr egal, was die anderen ├╝ber sie denken mochten. Es war ihr egal, wie dem├╝tigend das war, was sie tat. Es war ihr egal, wie sie aussah mit ihren Haaren voller ├ľl. Die Sch├Ânheit ihrer Geste hat seit 2000 Jahren unz├Ąhlige Menschen ber├╝hrt und sie gelehrt, dass man ohne Bedenken alles f├╝r Jesus geben kann.

3. Judas. Judas offenbarte mit seinem Verhalten viel von dem, was in ihm steckte. Zun├Ąchst ging es ihm mehr um das Geld und was er alles damit h├Ątte anfangen k├Ânnen als um die Menschen um ihn herum. Durch die regelm├Ą├čige Veruntreuung der Eink├╝nfte war sein Gewissen nicht mehr intakt. War Geld in seinem Leben ein G├Âtze, dem er diente? Das muss ihn immer herzloser gemacht haben. K├╝hl kalkulierend sah er nur die sinnlose materielle Verschwendung, nicht aber die Liebe und Dankbarkeit Marias. Sein Urteil ├╝ber sie war schnell gef├Ąllt. Dumm und nutzlos war ihr Handeln in seinen Augen. Er war anscheinend blind geworden f├╝r das Wahre und Sch├Âne.

Gespr├Ąch mit Christus: Guter Gott, du hast uns alle mit den verschiedensten Gaben, F├Ąhigkeiten und Charaktereigenschaften ausgestattet. Du m├Âchtest uns nicht verbiegen, sondern l├Ąsst uns die Dinge auf unsere Weise tun. Hilf uns, die F├Ąhigkeiten, die du uns gegeben hast, zu entwickeln und in deinem Sinne zu nutzen. Lehre uns, immer mehr die Tugenden zu leben und das B├Âse zu meiden. Schenke uns eine tiefe Liebe zu dir, und lass uns erkennen, dass es sich lohnt, alles f├╝r dich aufzugeben.

Vorsatz: Heute werde ich Jesus auf meine ganz pers├Ânliche Weise eine kleine Freude bereiten.


Tiefe Gef├╝hle

30. M├Ąrz 2021

Dienstag der Karwoche

P. Bertalan Egervári LC

Joh 13,21-33.36-38
In jener Zeit, als Jesus mit seinen J├╝ngern bei Tisch war, wurde er im Innersten ersch├╝ttert und bekr├Ąftigte: Amen, amen, das sage ich euch: Einer von euch wird mich verraten. Die J├╝nger blickten sich ratlos an, weil sie nicht wussten, wen er meinte. Einer von den J├╝ngern lag an der Seite Jesu; es war der, den Jesus liebte. Simon Petrus nickte ihm zu, er solle fragen, von wem Jesus spreche. Da lehnte sich dieser zur├╝ck an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist es? Jesus antwortete: Der ist es, dem ich den Bissen Brot, den ich eintauche, geben werde. Dann tauchte er das Brot ein, nahm es und gab es Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, fuhr der Satan in ihn. Jesus sagte zu ihm: Was du tun willst, das tu bald! Aber keiner der Anwesenden verstand, warum er ihm das sagte. Weil Judas die Kasse hatte, meinten einige, Jesus wolle ihm sagen: Kaufe, was wir zum Fest brauchen!, oder Jesus trage ihm auf, den Armen etwas zu geben. Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, ging er sofort hinaus. Es war aber Nacht. Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht. Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen, und er wird ihn bald verherrlichen. Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ihr werdet mich suchen, und was ich den Juden gesagt habe, sage ich jetzt auch euch: Wohin ich gehe, dorthin k├Ânnt ihr nicht gelangen. Simon Petrus sagte zu ihm: Herr, wohin willst du gehen? Jesus antwortete: Wohin ich gehe, dorthin kannst du mir jetzt nicht folgen. Du wirst mir aber sp├Ąter folgen. Petrus sagte zu ihm: Herr, warum kann ich dir jetzt nicht folgen? Mein Leben will ich f├╝r dich hingeben. Jesus entgegnete: Du willst f├╝r mich dein Leben hingeben? Amen, amen, das sage ich dir: Noch bevor der Hahn kr├Ąht, wirst du mich dreimal verleugnen.

Einf├╝hrendes Gebet: Guter Gott, in dieser Karwoche m├Âchte ich mich bewusst auf Ostern vorbereiten. Sende deinen Heiligen Geist, damit diese Evangeliumsbetrachtung mir dabei hilft, die Ostertage besser und mit mehr Liebe zu leben.

Bitte: St├Ąrke mein Mitgef├╝hl.

1. Jesus wird verraten. Jesus steht kurz vor dem Ende seines irdischen Lebens. Hier, beim letzten Abendmahl, w├Ąscht er seinen J├╝ngern die F├╝├če und reicht ihnen seinen Leib und sein Blut. Immer hat er ihnen seine Liebe erwiesen, jetzt auf besonders feierliche Weise. Doch an Judas prallt alles ab. Ausgerechnet einer von denen, die Jesus besonders nahestanden, der ihm besonders am Herzen lag, hat ihn verraten. Es ist noch sehr gelinde ausgedr├╝ckt, wenn der Evangelist schreibt, Jesus war ÔÇ×im Innersten ersch├╝ttertÔÇť. Am ehesten kann man seine Situation mit jemand vergleichen, der von seinem Ehepartner oder einem Familienmitglied verraten, verurteilt und dem Tod ausgeliefert wird. Ein f├╝rchterlicher Gedanke, dass jemand, den wir von Herzen lieben, uns so etwas antut.

2. Intensive Gef├╝hle. Jesus ist zwar ganz Gott, aber auch ganz Mensch. Er war kein Eisblock, der souver├Ąn ├╝ber allen Dingen steht und sich von nichts ber├╝hren l├Ąsst. Im Gegenteil, er war der vollkommene Mensch. Niemand hat so intensiv gef├╝hlt wie er. Welch eine Lawine des Schmerzes und der Trauer muss ihn ├╝berrollt haben! Nie hat ihn das Leid der Menschen unber├╝hrt gelassen. Wie gro├č war seine Sehnsucht, ihnen zu helfen. Wie brennend der Wunsch, jeden einzelnen bei sich im Himmel zu haben in ewiger Freude und Liebe. Wie brennend ist jetzt sein Wunsch, mich bei sich zu haben. Es w├Ąre so wichtig f├╝r uns, dass wir nicht nur an diese Wahrheit glauben, sondern uns im Innersten davon ber├╝hren lassen.

3. Wunden heilen. In unserer Gesellschaft werden negative Gef├╝hle wie Schmerz oder Trauer eher als Zeichen von Schw├Ąche angesehen. Wir sind vern├╝nftig und rational und versuchen, sie beiseitezuschieben. Aber sie geh├Âren zu unserem Leben dazu. Sie helfen uns, die entstandene Verletzung zu heilen. Sie verdr├Ąngen bedeutet, dass wir uns f├╝r den Moment zwar nicht so schlecht f├╝hlen, aber deswegen bleibt die Verletzung trotzdem da und ÔÇ×blutetÔÇť im Verborgenen weiter. Zeit heilt alle Wunden, hei├čt es. Vor allem aber m├Âchte Gott unsere inneren Wunden heilen. Jesus wei├č sehr genau, was es bedeutet, so tief verletzt worden zu sein. Er hat es am eigenen Leib erfahren. Wir d├╝rfen ihn voll Vertrauen um seine Hilfe bitten.

Gespr├Ąch mit Christus: Jesus, du warst von den Ereignissen beim letzten Abendmahl im Innersten ersch├╝ttert. Du hast dich ber├╝hren lassen, nicht nur von dem, was dir selbst passiert ist, sondern auch vom Schicksal der anderen. Lass auch uns zu Menschen werden, die f├╝hlen und mitf├╝hlen k├Ânnen, mit dir und unseren Mitmenschen.

Vorsatz: Ich versuche heute, mich beim Gebet von dem, was Jesus f├╝r mich getan hat, ber├╝hren zu lassen.


Die gro├čen Taten Gottes

31. M├Ąrz 2021

Mittwoch der Karwoche

P. Bertalan Egervári LC

Mt 26,14-25
In jener Zeit ging einer der Zw├Âlf namens Judas Iskariot zu den Hohenpriestern und sagte: Was wollt ihr mir geben, wenn ich euch Jesus ausliefere? Und sie zahlten ihm drei├čig Silberst├╝cke. Von da an suchte er nach einer Gelegenheit, ihn auszuliefern. Am ersten Tag des Festes der Unges├Ąuerten Brote gingen die J├╝nger zu Jesus und fragten: Wo sollen wir das Paschamahl f├╝r dich vorbereiten? Er antwortete: Geht in die Stadt zu dem und dem und sagt zu ihm: Der Meister l├Ąsst dir sagen: Meine Zeit ist da; bei dir will ich mit meinen J├╝ngern das Paschamahl feiern. Die J├╝nger taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte, und bereiteten das Paschamahl vor. Als es Abend wurde, begab er sich mit den zw├Âlf J├╝ngern zu Tisch. Und w├Ąhrend sie a├čen, sprach er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern. Da waren sie sehr betroffen, und einer nach dem andern fragte ihn: Bin ich es etwa, Herr? Er antwortete: Der, der die Hand mit mir in die Sch├╝ssel getaucht hat, wird mich verraten. Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift ├╝ber ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. F├╝r ihn w├Ąre es besser, wenn er nie geboren w├Ąre. Da fragte Judas, der ihn verriet: Bin ich es etwa, Rabbi? Jesus sagte zu ihm: Du sagst es.

Einf├╝hrendes Gebet: Guter Gott, die Fastenzeit geht ihrem Ende entgegen. Ich m├Âchte innerlich bereit sein zur Feier der Ostertage. Hilf, dass mich auch diese Betrachtung daf├╝r bereit macht.

Bitte: Hilf mir, dir immer treu zu sein.

1. Das Paschamahl. Seit vielen Generationen, n├Ąmlich seit dem Auszug aus ├ägypten, haben die Juden jedes Jahr das Paschafest gefeiert. Das Paschamahl erinnert an die gro├čen Taten Gottes, der die Israeliten aus der Sklaverei befreit hat. Es ist voller Symbolik, an viele einzelne Werke Gottes wird dabei gedacht. Es werden zum Beispiel vier Becher mit Wein gereicht, die vier Versprechen Gottes darstellen, die Gott dem Mose im Buch Exodus gemacht hat. Als erstes der Becher des Segens, wenn Gott sagt: Ich werde euch von eurer Last in ├ägypten befreien. Als zweites der Becher des Gerichts, wenn Gott sagt: Ich werde euch aus der Sklaverei retten durch die machtvollen Taten meines Gerichts. Als drittes der Becher der Erl├Âsung, wenn Gott sagt: Ich werde euch mit meinem ausgestreckten Arm retten. Als viertes der Becher der Vollendung oder des Lobes, wenn wir Gott f├╝r sein Versprechen loben: Ich werde euch zu meinem Volk machen.

2. Gottes Verhei├čungen. Alle diese Versprechen hat Gott erf├╝llt. Er hat die Israeliten aus der Sklaverei befreit, Gericht ├╝ber die ├ägypter gehalten, er hat unglaubliche Taten vollbracht, also Zeichen und Wunder gewirkt, und Israel zu seinem auserw├Ąhlten Volk gemacht. Im Lichte Jesu wissen wir, dass alle diese Dinge Vorausbilder waren f├╝r eine gr├Â├čere Realit├Ąt, f├╝r noch gr├Â├čere Dinge, die Gott tun wollte. Durch das Leiden Jesu, des wahren Paschalammes, hat er uns aus der Sklaverei der S├╝nde befreit. Das B├Âse, f├╝r das ├ägypten und der Pharao stehen, hat keine Macht mehr ├╝ber uns. Wir k├Ânnen in der Freiheit der Kinder Gottes leben. Durch die Taufe hat Gott uns zu seinem neuen Volk, zum neuen Israel gemacht.

3. Erinnern an das Wirken Gottes. Nicht selten findet man in der Heiligen Schrift die Aufforderung, die Taten Gottes nicht zu vergessen. Sich an sie erinnern, sich neu vor Augen halten, wie viel und wie Gro├čes Gott getan hat, hilft uns, im Glauben fest zu bleiben und nicht nach und nach lau und oberfl├Ąchlich zu werden. Neben den Ereignissen, die in der Bibel beschrieben sind, hilft besonders die Erinnerung an das, was Gott in unserem eigenen Leben gewirkt hat. Es ist nicht Gottes Plan, st├Ąndig spektakul├Ąre Dinge zu tun, damit wir neue Motivation bekommen. Wir sollen aus dem Glauben leben und werden die Gegenwart und N├Ąhe Gottes meistens nicht sp├╝ren. Umso wichtiger ist die Erinnerung an sein Wirken.

Gespr├Ąch mit Christus: Gott, du hast in der Geschichte Israels viele Wunder gewirkt und deine Macht offenbart. Du hast den neuen Bund eingesetzt und uns ewiges Leben gegeben. Auch in meinem Leben hast du gewirkt. Danke f├╝r all das, was du f├╝r mich und alle Menschen getan hast.

Vorsatz: Ich werde mich heute an einen Moment in meinem Leben erinnern, an dem ich die N├Ąhe Gottes besonders stark gesp├╝rt habe.


Der gro├če Wert des eucharistischen Opfers

1. April 2021

Gr├╝ndonnerstag

P. Bertalan Egervári LC

Joh 13,1-15
Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hin├╝berzugehen. Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren, liebte er sie bis zur Vollendung. Es fand ein Mahl statt und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Isk├íriot, schon ins Herz gegeben, ihn auszuliefern. Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zur├╝ckkehrte, stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umg├╝rtete sich mit einem Leinentuch. Dann goss er Wasser in eine Sch├╝ssel und begann, den J├╝ngern die F├╝├če zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umg├╝rtet war. Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die F├╝├če waschen? Jesus sagte zu ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch sp├Ąter wirst du es begreifen. Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die F├╝├če waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir. Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine F├╝├če, sondern auch die H├Ąnde und das Haupt. Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die F├╝├če zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle. Er wusste n├Ąmlich, wer ihn ausliefern w├╝rde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein. Als er ihnen die F├╝├če gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die F├╝├če gewaschen habe, dann m├╝sst auch ihr einander die F├╝├če waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

Einf├╝hrendes Gebet: Guter Gott, ich m├Âchte mir deine Gegenwart bewusst machen und dich bitten, dass du deinen Heiligen Geist sendest. Erleuchte mich mit deinem Licht, und erf├╝lle mich mit deiner Liebe.

Bitte: Schenke mir Glauben und Liebe zur Eucharistie.

1. Das eucharistische Opfer. Beim Letzten Abendmahl setzt Jesus die Eucharistie ein. Laut dem II. Vatikanischen Konzil ist das eucharistische Opfer ÔÇ×Quelle und H├Âhepunkt des ganzen christlichen LebensÔÇť (Lumen gentium, 11). Es erfordert viel Glauben, das anzunehmen und in unserem Alltag so zu leben. Erfahren wir die heilige Messe nicht manchmal als irgendwie langweilig? Es sind doch immer die gleichen Gebete; es ist schwer, ihr zu folgen und nicht nach kurzer Zeit mit den Gedanken woanders zu sein; es passiert doch gar nichts Besonderes. W├╝rden wir nicht eher wundersame Heilungen als H├Âhepunkte ansehen? Oder Menschen, die mit au├čergew├Âhnlichen Geistesgaben ausgestattet sind wie der Seelenschau, der Gabe der Heilung, etc.? Es sind spektakul├Ąre Dinge, die Gott auf diese Weise wirkt. Doch die gr├Â├čten Wunder wirkt Gott f├╝r uns verborgen in der heiligen Messe.

2. Das Wirken Gottes und der Beitrag des Menschen. Wie kommt es dann, dass es Menschen gibt, die sehr h├Ąufig zur Messe gehen und die Kommunion empfangen, aber kein besonders christliches Leben f├╝hren, w├Ąhrend andere nie an einer heiligen Messe teilgenommen haben, aber unglaublich tugendhaft Leben und vor lebendigem Glauben geradezu vibrieren? Die Eucharistie IST ÔÇ×Quelle und H├ÂhepunktÔÇť, aber weder ist sie das auf f├╝r uns direkt sichtbare noch auf magische Weise. Es gen├╝gt nicht, einfach teilzunehmen und dann geschieht schon etwas. Ganz entscheidend sind unsere innere Haltung und Bereitschaft. Gott m├Âchte Gro├čes wirken, aber er braucht unseren Glauben, unsere Liebe, unsere Bereitschaft zur Umkehr und zu einem neuen Leben. Jesus m├Âchte unser Herz umformen und seinem Herzen ├Ąhnlich machen, wir m├╝ssen dazu jedoch auch bereit sein, so zu leben, wie er gelebt hat.

3. Die Bereitschaft, in aller Demut zu dienen. Der Hauptunterschied zwischen einer Zeit gemeinsamen Gebetes oder Lobpreises und der heiligen Messe ist folgender: Bei ersteren geht es haupts├Ąchlich darum, was der Mensch f├╝r Gott tut, bei der Messe haupts├Ąchlich darum, was Gott f├╝r den Menschen tut. Nirgendwo anders steht das Handeln Gottes so sehr im Vordergrund. Daher hilft ein gutes Verst├Ąndnis der einzelnen Teile der hl. Messe. Wir m├╝ssen uns darin ÔÇ×ein├╝benÔÇť, an ihr teilzunehmen. Trotzdem m├╝ssen auch wir, wie schon gesagt, unseren Beitrag leisten, damit Gottes Gnade wirksam wird. Der Evangelist Johannes zeigt uns das mit der heutigen Stelle auf seine Weise. In seiner Version des Letzten Abendmahls sind Brot und Wein gar nicht erw├Ąhnt. Daf├╝r beschreibt er ausf├╝hrlich die Fu├čwaschung, mit der er uns zeigen will, dass eine dem├╝tige Haltung des Dienens bis hin zur Bereitschaft, die Arbeit eines Sklaven zu ├╝bernehmen, untrennbar mit der Eucharistie verbunden ist.

Gespr├Ąch mit Christus: Ich danke dir f├╝r das unsch├Ątzbare Geschenk der Eucharistie, durch die du auf besondere Weise und real gegenw├Ąrtig bist. Du schenkst dich selbst, wirst eins mit uns. Schenke mir einen festen Glauben an den Wert der heiligen Messe und eine brennende Liebe zu dir in der Eucharistie.

Vorsatz: Ich m├Âchte heute versuchen, etwas Zeit bei Jesus in der Eucharistie zu verbringen, z.B. indem ich etwas fr├╝her zur Gr├╝ndonnerstags-Messe gehe.


Ich kann Jesus begleiten

2. April 2021

Karfreitag
Hl. Franz von Paola, Einsiedler, Ordensgr├╝nder

P. Bertalan Egervári LC

Joh 18,1-19,42
Jesus ging mit seinen J├╝ngern hinaus, auf die andere Seite des Baches Kidron. Dort war ein Garten; in den ging er mit seinen J├╝ngern hinein. Auch Judas, der Verr├Ąter, der ihn auslieferte, kannte den Ort, weil Jesus dort oft mit seinen J├╝ngern zusammengekommen war. Judas holte die Soldaten und die Gerichtsdiener der Hohenpriester und der Pharis├Ąer, und sie kamen dorthin mit Fackeln, Laternen und Waffen. Jesus, der alles wusste, was mit ihm geschehen sollte, ging hinaus und fragte sie: Wen sucht ihr? Sie antworteten ihm: Jesus von Nazaret. Er sagte zu ihnen: Ich bin es. Auch Judas, der Verr├Ąter, stand bei ihnen. Als er zu ihnen sagte: Ich bin es! wichen sie zur├╝ck und st├╝rzten zu Boden. Er fragte sie noch einmal: Wen sucht ihr? Sie sagten: Jesus von Nazaret. Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, dass ich es bin. Wenn ihr mich sucht, dann lasst diese gehen! So sollte sich das Wort erf├╝llen, das er gesagt hatte: Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast. Simon Petrus aber, der ein Schwert bei sich hatte, zog es, schlug nach dem Diener des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab; der Diener hie├č Malchus. Da sagte Jesus zu Petrus: Steck das Schwert in die Scheide! Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat soll ich ihn nicht trinken?Die Soldaten, ihre Befehlshaber und die Gerichtsdiener der Juden nahmen Jesus fest, fesselten ihn und f├╝hrten ihn zuerst zu Hannas; er war n├Ąmlich der Schwiegervater des Kajaphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war. Kajaphas aber war es, der den Juden den Rat gegeben hatte: Es ist besser, dass ein einziger Mensch f├╝r das Volk stirbt. Simon Petrus und ein anderer J├╝nger folgten Jesus. Dieser J├╝nger war mit dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesus in den Hof des hohepriesterlichen Palastes. Petrus aber blieb drau├čen am Tor stehen. Da kam der andere J├╝nger, der Bekannte des Hohenpriesters, heraus; er sprach mit der Pf├Ârtnerin und f├╝hrte Petrus hinein. Da sagte die Pf├Ârtnerin zu Petrus: Bist du nicht auch einer von den J├╝ngern dieses Menschen? Er antwortete: Nein. Die Diener und die Knechte hatten sich ein Kohlenfeuer angez├╝ndet und standen dabei, um sich zu w├Ąrmen; denn es war kalt. Auch Petrus stand bei ihnen und w├Ąrmte sich. Der Hohepriester befragte Jesus ├╝ber seine J├╝nger und ├╝ber seine Lehre. Jesus antwortete ihm: Ich habe offen vor aller Welt gesprochen. Ich habe immer in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen. Nichts habe ich im Geheimen gesprochen. Warum fragst du mich? Frag doch die, die mich geh├Ârt haben, was ich zu ihnen gesagt habe; sie wissen, was ich geredet habe. Auf diese Antwort hin schlug einer von den Knechten, der dabeistand, Jesus ins Gesicht und sagte: Redest du so mit dem Hohenpriester? Jesus entgegnete ihm: Wenn es nicht recht war, was ich gesagt habe, dann weise es nach; wenn es aber recht war, warum schl├Ągst du mich? Danach schickte ihn Hannas gefesselt zum Hohenpriester Kajaphas. Simon Petrus aber stand am Feuer und w├Ąrmte sich. Sie sagten zu ihm: Bist nicht auch du einer von seinen J├╝ngern? Er leugnete und sagte: Nein: Einer von den Dienern des Hohenpriesters, ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, sagte: Habe ich dich nicht im Garten bei ihm gesehen? Wieder leugnete Petrus, und gleich darauf kr├Ąhte ein Hahn.Von Kajaphas brachten sie Jesus zum Pr├Ątorium; es war fr├╝h am Morgen. Sie selbst gingen nicht in das Geb├Ąude hinein, um nicht unrein zu werden, sondern das Paschalamm essen zu k├Ânnen. Deshalb kam Pilatus zu ihnen heraus und fragte: Welche Anklage erhebt ihr gegen diesen Menschen? Sie antworteten ihm: Wenn er kein ├ťbelt├Ąter w├Ąre, h├Ątten wir ihn dir nicht ausgeliefert. Pilatus sagte zu ihnen: Nehmt ihr ihn doch, und richtet ihn nach eurem Gesetz! Die Juden antworteten ihm: Uns ist es nicht gestattet, jemand hinzurichten. So sollte sich das Wort Jesu erf├╝llen, mit dem er angedeutet hatte, auf welche Weise er sterben werde. Pilatus ging wieder in das Pr├Ątorium hinein, lie├č Jesus rufen und fragte ihn: Bist du der K├Ânig der Juden? Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere ├╝ber mich gesagt? Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan? Jesus antwortete: Mein K├Ânigtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt w├Ąre, w├╝rden meine Leute k├Ąmpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert w├╝rde. Aber mein K├Ânigtum ist nicht von hier. Pilatus sagte zu ihm: Also bist du doch ein K├Ânig? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein K├Ânig. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich f├╝r die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, h├Ârt auf meine Stimme. Pilatus sagte zu ihm: Was ist Wahrheit? Nachdem er das gesagt hatte, ging er wieder zu den Juden hinaus und sagte zu ihnen: Ich finde keinen Grund, ihn zu verurteilen. Ihr seid gewohnt, dass ich euch am Paschafest einen Gefangenen freilasse. Wollt ihr also, dass ich euch den K├Ânig der Juden freilasse? Da schrien sie wieder: Nicht diesen, sondern Barabbas! Barabbas aber war ein Stra├čenr├Ąuber. Darauf lie├č Pilatus Jesus gei├čeln. Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und legten ihm einen purpurroten Mantel um. Sie stellten sich vor ihn hin und sagten: Heil dir, K├Ânig der Juden! Und sie schlugen ihm ins Gesicht. Pilatus ging wieder hinaus und sagte zu ihnen: Seht, ich bringe ihn zu euch heraus; ihr sollt wissen, dass ich keinen Grund finde, ihn zu verurteilen. Jesus kam heraus; er trug die Dornenkrone und den purpurroten Mantel. Pilatus sagte zu ihnen: Seht, da ist der Mensch! Als die Hohenpriester und ihre Diener ihn sahen, schrien sie: Ans Kreuz mit ihm, ans Kreuz mit ihm! Pilatus sagte zu ihnen: Nehmt ihr ihn, und kreuzigt ihn! Denn ich finde keinen Grund, ihn zu verurteilen. Die Juden entgegneten ihm: Wir haben ein Gesetz, und nach diesem Gesetz muss er sterben, weil er sich als Sohn Gottes ausgegeben hat. Als Pilatus das h├Ârte, wurde er noch ├Ąngstlicher. Er ging wieder in das Pr├Ątorium hinein und fragte Jesus: Woher stammst du? Jesus aber gab ihm keine Antwort. Da sagte Pilatus zu ihm: Du sprichst nicht mit mir? Wei├čt du nicht, dass ich Macht habe, dich freizulassen, und Macht, dich zu kreuzigen? Jesus antwortete: Du h├Ąttest keine Macht ├╝ber mich, wenn es dir nicht von oben gegeben w├Ąre; darum liegt gr├Â├čere Schuld bei dem, der mich dir ausgeliefert hat. Daraufhin wollte Pilatus ihn freilassen, aber die Juden schrien: Wenn du ihn freil├Ąsst, bist du kein Freund des Kaisers; jeder, der sich als K├Ânig ausgibt, lehnt sich gegen den Kaiser auf. Auf diese Worte hin lie├č Pilatus Jesus herausf├╝hren, und er setzte sich auf den Richterstuhl an dem Platz, der Lithostrotos, auf hebr├Ąisch Gabbata, hei├čt. Es war am R├╝sttag des Paschafestes, ungef├Ąhr um die sechste Stunde. Pilatus sagte zu den Juden: Da ist euer K├Ânig! Sie aber schrien: Weg mit ihm, kreuzige ihn! Pilatus aber sagte zu ihnen: Euren K├Ânig soll ich kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen K├Ânig au├čer dem Kaiser. Da lieferte er ihnen Jesus aus, damit er gekreuzigt w├╝rde. Sie ├╝bernahmen Jesus. Er trug sein Kreuz und ging hinaus zur so genannten Sch├Ądelh├Âhe, die auf hebr├Ąisch Golgota hei├čt. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte Jesus. Pilatus lie├č auch ein Schild anfertigen und oben am Kreuz befestigen; die Inschrift lautete: Jesus von Nazaret, der K├Ânig der Juden. Dieses Schild lasen viele Juden, weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag. Die Inschrift war hebr├Ąisch, lateinisch und griechisch abgefasst. Die Hohenpriester der Juden sagten zu Pilatus: Schreib nicht: Der K├Ânig der Juden, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der K├Ânig der Juden. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben. Nachdem die Soldaten Jesus ans Kreuz geschlagen hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, f├╝r jeden Soldaten einen. Sie nahmen auch sein Untergewand, das von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht war. Sie sagten zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es geh├Âren soll. So sollte sich das Schriftwort erf├╝llen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies f├╝hrten die Soldaten aus. Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den J├╝nger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem J├╝nger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der J├╝nger zu sich. Danach, als Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erf├╝llte: Mich d├╝rstet. Ein Gef├Ą├č mit Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm mit Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund. Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf. Weil R├╝sttag war und die K├Ârper w├Ąhrend des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man m├Âge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein gro├čer Feiertag. Also kamen die Soldaten und zerschlugen dem Ersten die Beine, dann dem andern, der mit ihm gekreuzigt worden war. Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stie├č mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus. Und der, der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr. Und er wei├č, dass er Wahres berichtet, damit auch ihr glaubt. Denn das ist geschehen, damit sich das Schriftwort erf├╝llte: Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen. Und ein anderes Schriftwort sagt: Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben. Josef aus Arimath├Ąa war ein J├╝nger Jesu, aber aus Furcht vor den Juden nur heimlich. Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu d├╝rfen, und Pilatus erlaubte es. Also kam er und nahm den Leichnam ab. Es kam auch Nikodemus, der fr├╝her einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte. Er brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund. Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim j├╝dischen Begr├Ąbnis Sitte ist. An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten, und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war. Wegen des R├╝sttages der Juden und weil das Grab in der N├Ąhe lag, setzten sie Jesus dort bei.

Einf├╝hrendes Gebet: Komm, Heiliger Geist, und hilf mir, die L├Ąnge und Breite, H├Âhe und Tiefe, und das ganze Ausma├č der Liebe Christi besser zu verstehen. Lass zu, dass mich ber├╝hrt, was er f├╝r mich getan hat.

Bitte: Lass mich Jesus in seinem Leiden begleiten.

1. Vom Palmsonntag zum Karfreitag. Noch vor wenigen Tagen hat fast ganz Jerusalem Jesus zugejubelt. Er zog ein als K├Ânig und hatte das ganze Volk hinter sich. Nur einige wenige Feinde gab es. Aber der Karfreitag zeigt, dass es auch nur wenige wirkliche Freunde gab, die ihm bis zuletzt zur Seite standen. Die gro├če Masse derer, die ihn am Palmsonntag feierte, hat sich in einen Mob verwandelt, der seinen Tod w├╝nscht. Zu welcher Gruppe geh├Âre ich? Bin ich einer seiner Feinde? Einer der vielen, die ihm zujubeln, wenn er Gutes tut und Wunder wirkt? Oder einer der Wenigen, die ihm auch im Leiden treu zur Seite stehen?

2. Treue in guten und schlechten Zeiten. Es ist leicht, von Jesus begeistert zu sein und ihn jubelnd zu feiern, wenn alles gut geht. Wenn er Wunder wirkt, sp├╝rt man die N├Ąhe Gottes. Wenn er einem Gutes tut, wenn er einen g├╝tig ansieht, wenn er uns seine Wohltaten sp├╝ren l├Ąsst, wenn er uns das Leben leicht macht, dann geh├Âren wir ohne gro├čes ├ťberlegen zu denen, die ihm nachfolgen. Aber was ist in den schwierigen Zeiten? Wenn er uns ignoriert, wenn er unsere Gebete anscheinend nicht erh├Ârt, wenn unser Leben voller Probleme ist, dann ist es viel schwerer, auf seiner Seite zu bleiben. Hoffentlich ist unser Glaube stark genug, dass wir in solchen Zeiten weiter auf ihn vertrauen.

3. Jesus begleiten. Viel mehr als um uns geht es heute aber um Jesus Christus. Heute soll meine erste Sorge nicht die sein, ob es mir gut oder schlecht geht, ob ich seine N├Ąhe und Hilfe sp├╝re oder nicht. Denn er hat sein Leben, sich selbst, ganz gegeben, damit ich das Leben habe, damit ich eine Ewigkeit in F├╝lle leben kann. Wie unglaublich und unvorstellbar ist das, was er f├╝r mich getan hat! Heute d├╝rfen wir uns erinnern, d├╝rfen uns bewegen lassen von seinem Leiden und dankbar sein f├╝r all das, was er f├╝r uns auf sich genommen hat.

Gespr├Ąch mit Christus: Jesus, danke f├╝r deine unvorstellbare Liebe, mit der du mich getragen und all dieses Leiden auf dich genommen hast. Danke, dass du an meiner Stelle ans Kreuz gegangen bist, um meine S├╝nden wiedergutzumachen. Danke f├╝r alles, Jesus.

Vorsatz: Ich nehme mir heute Zeit, um Jesus f├╝r so vieles zu danken.


Das Schweigen des Grabes

3. April 2021

Karsamstag, Grabesruhe Christi
Der Karsamstag ist ein stiller Tag, ohne liturgische Feier.

P. Bertalan Egervári LC

Mt 27,57-61 (Text dient nur zur Reflexion)
Gegen Abend kam ein reicher Mann aus Arimath├Ąa namens Josef; auch er war ein J├╝nger Jesu. Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Da befahl Pilatus, ihm den Leichnam zu ├╝berlassen. Josef nahm ihn und h├╝llte ihn in ein reines Leinentuch. Dann legte er ihn in ein neues Grab, das er f├╝r sich selbst in einen Felsen hatte hauen lassen. Er w├Ąlzte einen gro├čen Stein vor den Eingang des Grabes und ging weg. Auch Maria aus Magdala und die andere Maria waren dort; sie sa├čen dem Grab gegen├╝ber.

Einf├╝hrendes Gebet: Jesus, wie schrecklich muss f├╝r deine Freunde die Vorstellung eines Lebens ohne dich gewesen sein. Du liegst im Grab, alles scheint vorbei zu sein. Lass mich immer glauben, dass du st├Ąrker bist, st├Ąrker selbst, als der Tod. Ich will nie ohne dich leben.

Bitte: St├Ąrke unseren Glauben.

1. Schwere Zeiten. Jesus ist tot. Er, der das Leben selbst ist, hat sein irdisches Leben am Kreuz f├╝r uns hingegeben. Nur sein Leichnam bleibt seiner Mutter und seinen J├╝ngern noch. Maria hat sicher schon geahnt, dass die Zeit des Leidens f├╝r sie und ihren Sohn kommen w├╝rde. Wie niemand sonst hat sie die heiligen Schriften verstanden. Schon bei der Darstellung Jesu im Tempel h├Ârte sie die Worte des greisen Simeon, der ihr prophezeite, dass ein Schwert durch ihre Seele dringen w├╝rde. Aber das Wissen im Voraus macht den Schmerz nicht geringer. Die J├╝nger hatten sich die Nachfolge Jesu ganz anders vorgestellt. Sie befinden sich in einer Situation der Niedergeschlagenheit, Trauer, Perspektivlosigkeit.

2. Hoffnung und Zuversicht. Auch wir durchmachen in unserem Leben immer wieder Situationen, in denen wir nicht weiterwissen. Es kommt uns vor, als w├Ąre Gott abwesend. Egal, wie sehr wir beten und bitten, es kommt keine Antwort. Die Zukunft ist v├Âllig ungewiss, rein menschlich gibt es keine Hoffnung. Und doch haben wir allen Grund, auf Gott zu vertrauen. F├╝r ihn sind selbst ausweglose Situationen kein Problem. Nicht einmal der Tod ist ein Hindernis. Er macht alles gut. Wir m├╝ssen lernen, dieses theoretische Wissen im Alltag seine Kraft entfalten zu lassen. Schauen wir auf Maria und ahmen wir sie nach, die gegen jede Hoffnung weiter gehofft hat. Ihr Glaube blieb unersch├╝tterlich. Bitten wir darum, dass auch unser Glaube gerade in schweren Momenten so fest steht.

3. Auf den Tod folgt die Auferstehung. Was f├╝r uns das Ende ist, das ist in Wirklichkeit oft erst der Anfang. F├╝r die J├╝nger war der Tod Jesu das Ende. Es gab nichts mehr, was sie oder irgendwer noch h├Ątte tun k├Ânnen. Tats├Ąchlich stand die Auferstehung Jesu, die Ausgie├čung des Heiligen Geistes und das neue Leben in Christus f├╝r alle, die sich taufen lie├čen, unmittelbar bevor. Niederlagen im Leben, wie z.B. der Verlust des Arbeitsplatzes, markieren f├╝r uns zun├Ąchst das Ende. Alle m├Âglichen Probleme sind damit verbunden. Aber ein Neubeginn steht bevor, und unabh├Ąngig davon, ob er nun aus menschlicher Sicht besser oder schlechter wird als zuvor, versteht es Gott, ihn vom ├╝bernat├╝rlichen Standpunkt aus ÔÇ×besserÔÇť zu machen. Auf den Tod folgt die Auferstehung. Das Ende unseres Lebens ist in Wirklichkeit der Beginn des wahren, ewigen Lebens.

Gespr├Ąch mit Christus: Jesus, du hast dein Leben f├╝r uns, f├╝r mich hingegeben. Es war alles andere als einfach f├╝r dich. Auch in meinem Leben gibt es solche Momente. Hilf mir, immer auf dich zu vertrauen. St├Ąrke meinen Glauben. Und wenn ich das n├Ąchste Mal in eine Situation komme, in der alles vorbei zu sein scheint, dann hilf mir, durchzuhalten und zuversichtlich einen Neubeginn zu wagen.

Vorsatz: Ich will heute einen Akt des Glaubens daran vollziehen, dass mir Gott selbst in den schwersten Momenten nahe ist und hilft.