Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 7. Februar 2021 bis Samstag 13. Februar 2021

FĂŒnfte Woche im Jahreskreis

Dorit Wilke-Lopez

Der Dienst der FĂŒrbitteSonntag
BerĂŒhrungenMontag
Gottes Gebot und die Überlieferung von MenschenDienstag
Der tiefere Sinn des ÄußerenMittwoch
DemĂŒtig mutig seinDonnerstag
Er nahm ihn beiseiteFreitag
Mitleid in FĂŒlleSamstag


Der Dienst der FĂŒrbitte

7. Februar 2021

FĂŒnfter Sonntag im Jahreskreis

Dorit Wilke-Lopez

Mk 1,29-39
In jener Zeit ging Jesus zusammen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und Andreas. Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus ĂŒber sie, und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr, und sie sorgte fĂŒr sie. Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus. Die ganze Stadt war vor der HaustĂŒr versammelt, und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele DĂ€monen aus. Und er verbot den DĂ€monen zu reden; denn sie wussten, wer er war. In aller FrĂŒhe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten. Simon und seine Begleiter eilten ihm nach, und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich. Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. Und er zog durch ganz GalilĂ€a, predigte in den Synagogen und trieb die DĂ€monen aus.

EinfĂŒhrendes Gebet: Komm jetzt, Heiliger Geist. Ohne dich können wir nichts tun, nichts verstehen, nicht beten. Komm und erfĂŒlle mich, erfĂŒlle deine Kirche, erfĂŒlle alle Nationen, erfĂŒlle jedes Herz.

Bitte: Du bist der Heiland. Ich glaube an dich. Bitte heile (Namen einsetzen).

1. FĂŒrbitte ist Dienst am NĂ€chsten. In diesem Evangelium können wir ein paar Prinzipien fĂŒr den Dienst der FĂŒrbitte ablesen. Dieser Dienst ist jedem Christen aufgetragen: „Bittet, und ihr werdet empfangen (Mt 7,7)“: Aus der besonderen Beziehung, die wir als Kinder unseres himmlischen Vaters zu Gott haben, und aus der Liebe zu den Menschen, die mit uns diesen Planeten bewohnen, entsteht das BedĂŒrfnis und die Verpflichtung, FĂŒrbitte fĂŒr die anderen zu halten. An der Begebenheit mit der Schwiegermutter des Petrus lernen wir, wie wir fĂŒr andere bitten sollen.

2. Drei einfache Prinzipien wirksamer FĂŒrbitte. 1. Jesus ins eigene Haus einladen. Es geht um eine persönliche, freundschaftliche Beziehung zu Jesus. Er soll Gast sein im Haus meiner Seele und den Ehrenplatz fĂŒr liebe GĂ€ste bekommen. 2. Wahrnehmen, wie es den anderen geht. Wer in meiner Umgebung braucht Gott heute besonders 3. Mit Jesus ĂŒber diese Menschen und ihre Not sprechen.

3. FĂŒrbitte in meinem Leben - bitte ein paar Momente ĂŒberlegen! Habe ich Jesus wirklich schon mit in mein inneres Haus genommen? Sorge ich in Gastfreundschaft fĂŒr ihn, so wie die Schwiegermutter des Petrus? Wie aufmerksam bin ich gegenĂŒber den Menschen in meiner Umgebung? FĂŒr wen soll ich heute beten? Am besten mit Jesus besprechen


GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, dass du in mein Haus kommst! Ich möchte, dass du dich wohlfĂŒhlst! Was kann ich heute fĂŒr dich tun? Was wĂŒnschst du dir? FĂŒr wen soll ich dich heute bitten? Wer braucht dich am meisten? Du möchtest, dass ich dir von den Nöten der anderen erzĂ€hle. Du kennst diese Nöte bereits, aber du möchtest, dass ich fĂŒr diese Nöte sensibel werde, mein Herz dadurch weicher wird und ich besser lieben lerne. Danke, Jesus.

Möglicher Vorsatz: Ich will die FĂŒrbitte noch mehr als christlichen Dienst fĂŒr andere begreifen.


BerĂŒhrungen

8. Februar 2021

Montag der fĂŒnften Woche im Jahreskreis
Hl. Hieronymus Ämiliani, OrdensgrĂŒnder

Dorit Wilke-Lopez

Mk 6,53-56
In jener Zeit fuhren Jesus und seine JĂŒnger auf das Ufer zu, kamen nach Gennesaret und legten dort an. Als sie aus dem Boot stiegen, erkannte man ihn sofort. Die Menschen eilten durch die ganze Gegend und brachten die Kranken auf Tragbahren zu ihm, sobald sie hörten, wo er war. Und immer, wenn er in ein Dorf oder eine Stadt oder zu einem Gehöft kam, trug man die Kranken auf die Straße hinaus und bat ihn, er möge sie wenigstens den Saum seines Gewandes berĂŒhren lassen. Und alle, die ihn berĂŒhrten, wurden geheilt.

EinfĂŒhrendes Gebet: Heiliger Geist, ich möchte Jesus berĂŒhren! Und wenn es nur der Saum seines Gewandes ist!

Bitte: Schenke mir in dieser Meditation, dass ich Jesus berĂŒhren darf.

1. Und alle, die ihn berĂŒhrten, wurden geheilt. Wenn Jesus jemanden berĂŒhrt, wird er geheilt. Dies ist sicherlich immer ein Geschenk Gottes, eine Gnade. Aber offenbar sind wir zur Mitarbeit aufgerufen, damit diese Gnade wirksam werden kann.

2. â€žSobald sie hörten, wo er war
“ Ein Teil der Mitarbeit scheint zu sein, dass wir horchen und darauf achten, wo Jesus sich aufhĂ€lt. Ich bin daher gespannt, wo ich ihn heute wĂ€hrend meines Tages entdecken werde!

3. â€žSie eilten durch die ganze Gegend und brachten die Kranken auf Tragbahren zu ihm.“ Um von Jesus berĂŒhrt zu werden, braucht es offenbar Menschen, die einen zu ihm hinbringen. Welche Menschen in welchen UmstĂ€nden bringen mich wohl heute zu Christus? Vielleicht sind das gerade die Menschen, die mich nerven oder verletzen - vielleicht soll ich gerade fĂŒr sie beten und dadurch selbst nĂ€her zu Jesus gebracht werden.... Seien wir gespannt! Und wen bringe wiederum ich heute nĂ€her zu Christus, und wodurch?

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, danke, dass du dich berĂŒhren lĂ€sst. Ich will dich bitten fĂŒr (Namen einsetzen), lass ihn oder sie wenigstens ein bisschen von dir erfahren. Nimm mich als dein Werkzeug dazu, Herr. Und lass mich die Menschen erkennen, in denen du mir heute besonders begegnen willst.

Möglicher Vorsatz: Herausfinden, wo sich Jesus heute aufhĂ€lt und hingehen.


Gottes Gebot und die Überlieferung von Menschen

9. Februar 2021

Dienstag der fĂŒnften Woche im Jahreskreis
Sel. Anna Katharina Emmerick, Mystikerin

Dorit Wilke-Lopez

Mk 7,1-13
In jener Zeit hielten sich die PharisĂ€er und einige Schriftgelehrte, die aus Jerusalem gekommen waren, bei Jesus auf. Sie sahen, dass einige seiner JĂŒnger ihr Brot mit unreinen, das heißt mit ungewaschenen HĂ€nden aßen. Die PharisĂ€er essen nĂ€mlich wie alle Juden nur, wenn sie vorher mit einer Hand voll Wasser die HĂ€nde gewaschen haben, wie es die Überlieferung der Alten vorschreibt. Auch wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, ohne sich vorher zu waschen. Noch viele andere ĂŒberlieferte Vorschriften halten sie ein, wie das AbspĂŒlen von Bechern, KrĂŒgen und Kesseln. Die PharisĂ€er und die Schriftgelehrten fragten ihn also: Warum halten sich deine JĂŒnger nicht an die Überlieferung der Alten, sondern essen ihr Brot mit unreinen HĂ€nden? Er antwortete ihnen: Der Prophet Jesaja hatte Recht mit dem, was er ĂŒber euch Heuchler sagte: Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir. Es ist sinnlos, wie sie mich verehren; was sie lehren, sind Satzungen von Menschen. Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung der Menschen. Und weiter sagte Jesus: Sehr geschickt setzt ihr Gottes Gebot außer Kraft und haltet euch an eure eigene Überlieferung. Mose hat zum Beispiel gesagt: Ehre deinen Vater und deine Mutter!, und: Wer Vater oder Mutter verflucht, soll mit dem Tod bestraft werden. Ihr aber lehrt: Es ist erlaubt, dass einer zu seinem Vater oder seiner Mutter sagt: Was ich dir schulde, ist KorbĂĄn, das heißt: eine Opfergabe. Damit hindert ihr ihn daran, noch etwas fĂŒr Vater oder Mutter zu tun. So setzt ihr durch eure eigene Überlieferung Gottes Wort außer Kraft. Und Ă€hnlich handelt ihr in vielen FĂ€llen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, danke fĂŒr diese Gardinenpredigt! Du kannst einem ganz schön Bescheid sagen! Ich will mir das zu Herzen nehmen! Ich bitte dich um den heiligen Geist der Erkenntnis, damit ich verstehe, was diese Worte an die PharisĂ€er heute fĂŒr mich bedeuten.

Bitte: Ă–ffne mir Geist und Herz. Danke!

1. â€žIhr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung von Menschen.“ Die Kirche in Deutschland befindet sich in einem schmerzhaften Schrumpfungsprozess, der viele Änderungen mit sich bringt. Pfarreien werden zusammengelegt, seelsorgerliche Aufgaben neu verteilt, Dienste neu geordnet. Überlieferte Strukturen lösen sich auf. Das erzeugt immer wieder Bitterkeit und Resignation. Aber viele Ă€ußere Strukturen sind doch nur Überlieferung von Menschen!

2. â€žIhr gebt Gottes Gebot preis.“ Viele fĂŒhlen sich zurĂŒckgesetzt, wenn der Pastor keine Zeit mehr hat, ihr Ehrenamt zu wĂŒrdigen, oder wenn „nur noch“ der Diakon der Beerdigung vorsteht, oder wenn eine Messfeier zu der gewohnten Zeit verlegt oder gar gestrichen wird. Dann mĂŒssen wir aufpassen, dass wir nicht Gottes Gebot preisgeben: Gott zu lieben - und das eigene Ego zurĂŒckzustellen – und den NĂ€chsten zu lieben und ihm mit VerstĂ€ndnis zu begegnen – auch den Vertretern der „Amtskirche“.

3. â€žDieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir.“ Gott zu ehren, ist gut, aber das Herz muss auch dabei sein. Wie viel Liebe habe ich noch im Herzen, wenn andere Gott auf eine Weise ehren, die von meinen Vorstellungen abweicht? Wenn Messtexte geĂ€ndert oder eben nicht geĂ€ndert werden? Die einen kritisieren Abweichungen, andere mangelnde SpontaneitĂ€t in der Liturgie. UnabhĂ€ngig von der objektiven Richtigkeit der unterschiedlichen Auffassungen: Kann ich in der Liebe bleiben?

GesprĂ€ch mit Christus: Ich halte mich ganz gern an den Ă€ußeren StabilitĂ€ten im Leben fest. Aber das ist trĂŒgerisch, Jesus. Sei du mein Fixpunkt. Öffne mich fĂŒr dein Gebot der Liebe. Lass mich wachsen in der Liebe. Lass die Liebe meine StabilitĂ€t sein.

Möglicher Vorsatz: Ich will Toleranz und Liebe ĂŒben. Und Gelegenheiten dazu dankbar begrĂŒĂŸen, statt mich zu Ă€rgern!


Der tiefere Sinn des Äußeren

10. Februar 2021

Hl. Scholastika, Jungfrau
Gedenktag

Dorit Wilke-Lopez

Mk 7,14-23
In jener Zeit rief Jesus die Leute zu sich und sagte: Hört mir alle zu und begreift, was ich sage: Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. Er verließ die Menge und ging in ein Haus. Da fragten ihn seine JĂŒnger nach dem Sinn dieses rĂ€tselhaften Wortes. Er antwortete ihnen: Begreift auch ihr nicht? Seht ihr nicht ein, dass das, was von außen in den Menschen hineinkommt, ihn nicht unrein machen kann? Denn es gelangt ja nicht in sein Herz, sondern in den Magen und wird wieder ausgeschieden. Damit erklĂ€rte Jesus alle Speisen fĂŒr rein. Weiter sagte er: Was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, Äußeres macht uns nicht unrein, sondern die Dinge, die in unserem Herzen sind. Komm du heute in mein Herz und rĂ€ume dort mit mir auf. Ich brauche dich so.

Bitte: Lehre mich, Gott in allen Dingen zu suchen.

1. â€žDer Sinn dieses rĂ€tselhaften Wortes.“ FĂŒr uns ist heute ziemlich prĂ€sent, dass es im Glauben zunĂ€chst immer um das Innere des Menschen geht, weil wir auf 2000 Jahre Schulung durch den Heiligen Geist - in der Schrift und in der Lehre der Kirche - zurĂŒckgreifen dĂŒrfen. Die JĂŒnger damals jedoch hatten Schwierigkeiten, Jesu Worte zu verstehen, die die ĂŒberlieferten göttlichen Speisevorschriften außer Kraft zu setzen schienen. Aber sie haben einfach nachgefragt. Kann ich fĂŒr mich akzeptieren, dass es unmöglich ist, immer alles sofort zu verstehen? Frage ich dann Jesus? Kann ich geduldig darauf vertrauen, dass er dafĂŒr sorgen wird, dass ich es zu gegebener Zeit verstehe? Kann ich auch annehmen, dass ich manches nie verstehen werde, aber auch nicht verstehen muss, weil Gottes Plan immer grĂ¶ĂŸer ist als mein VerstĂ€ndnis, denn sonst wĂ€re er nicht Gott?

2. Babysprache Gottes. So wie man Kleinkinder nicht mit abstrakten VortrĂ€gen und Belehrungen erzieht, sondern sie an konkreten Dingen und UmstĂ€nden erleben lĂ€sst, was sie lernen sollen, so erzieht auch Gott sein auserwĂ€hltes Volk Israel durch Begebenheiten, konkrete Erlebnisse und konkrete materielle Vorschriften, die erst durch Jesus im Neuen Testament letzten Sinn und letzte Ausrichtung erhalten. „Die Geschichte ist die Babysprache Gottes“, formuliert Pater Anton Vogelsang LC: Die Befreiung aus Ägypten durch Mose z.B. ist ein konkret erlebtes materielles Vorausbild der geistigen Befreiung des Menschen durch Jesus von der SĂŒnde. Durch die materiellen Speisevorschriften des Alten Bundes lĂ€sst Gott nun die Menschen körperlich erfahren, dass manche Dinge unrein machen. Nachdem dieses Bewusstsein den Israeliten ĂŒber Dutzende von Generationen in Fleisch und Blut ĂŒbergegangen ist, erklĂ€rt Jesus dann die geistige Ebene dieser Vorschrift. Der Mensch hat gelernt und erlebt: Es gibt unreine Dinge in ihm. Jesus erklĂ€rt ihm nun, dass es sich dabei um die inneren geistigen Dinge handelt, nicht um die materiellen, die von außen in den Menschen hineinkommen.

3. Babysprache Gottes - Liebessprache Gottes. Manchmal habe ich den Gedanken, dass Gott uns auch heute durch unser konkretes Leben auf körperlich fĂŒhlbarer Ebene geistige Wahrheiten zeigen möchte. Vielleicht darf ich mir vorstellen, dass ein blĂŒhender Baum, an dem ich mich freue, eine LiebeserklĂ€rung Gottes ist, der von Anbeginn wusste, dass mein Blick in diesem Moment auf diesen Baum fallen wĂŒrde. Vielleicht will er mir beim Duschen zeigen, dass seine Gnade meine SĂŒnden genauso abwĂ€scht wie das Wasser meinen Körper, und mich so seine Gnade körperlich spĂŒren lassen. Vielleicht will er mir durch die Streicheleinheiten eines anderen Menschen zeigen, dass er, Gott, mich geistlich zĂ€rtlich berĂŒhrt. Durch das Essen wĂŒrde er mir zeigen, dass er meine Seele ernĂ€hrt, was er in der Hl. Kommunion sogar sakramental tut. Und die Erfahrung des Einschlafens wĂ€re ein Vorausbild fĂŒr den Tod und das Aufwachen am nĂ€chsten Morgen zeugte von der geistigen Wahrheit der Auferstehung. So betrachtet, wĂ€re das ganze Leben Kommunikation mit Gott, nicht nur das, was wir bewusst Gebet nennen.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, es gibt so vieles, was ich noch nicht verstehe. Aber das ist gar nicht schlimm, denn das heißt, dass es noch so viel zu entdecken und zu lernen gibt. Ich will sein wie ein Kind und staunen und dich fragen und in allem dich und deine Botschaft entdecken.

Möglicher Vorsatz: Gottes „Babysprache“ in den UmstĂ€nden meines heutigen Tages zu ergrĂŒnden suchen. Und/oder: Ihm die inneren Dinge hinhalten, die mich unrein machen.


DemĂŒtig mutig sein

11. Februar 2021

Donnerstag der fĂŒnften Woche im Jahreskreis
Gedenktag Unserer Lieben Frau in Lourdes
Welttag der Kranken

Dorit Wilke-Lopez

Mk 7,24-30
In jener Zeit brach Jesus auf und zog von dort in das Gebiet von Tyrus. Er ging in ein Haus, wollte aber, dass niemand davon erfuhr; doch es konnte nicht verborgen bleiben. Eine Frau, deren Tochter von einem unreinen Geist besessen war, hörte von ihm; sie kam sogleich herbei und fiel ihm zu FĂŒĂŸen. Die Frau, von Geburt Syrophönizierin, war eine Heidin. Sie bat ihn, aus ihrer Tochter den DĂ€mon auszutreiben. Da sagte er zu ihr: Lasst zuerst die Kinder satt werden; denn es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen. Sie erwiderte ihm: Ja, du hast Recht, Herr! Aber auch fĂŒr die Hunde unter dem Tisch fĂ€llt etwas von dem Brot ab, das die Kinder essen. Er antwortete ihr: Weil du das gesagt hast, sage ich dir: Geh nach Hause, der DĂ€mon hat deine Tochter verlassen. Und als sie nach Hause kam, fand sie das Kind auf dem Bett liegen und sah, dass der DĂ€mon es verlassen hatte.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, beim ersten Hinsehen wirkst du in dieser Begegnung hart. Deine ablehnende Haltung dieser Heidenfrau gegenĂŒber scheint doch deinem Auftrag zu widersprechen, die ganze Menschheit zu erlösen, nicht nur das Volk Israel. Ich glaube aber nicht, dass du dir selber widersprichst, und ich glaube nicht, dass du hart bist, sondern dass du uns durch diese Begebenheit etwas lehren möchtest.

Bitte: Komm, Heiliger Geist, bitte lass mich erkennen, was Jesus mir mit diesem Evangelium heute sagen will.

1. â€žDoch es konnte nicht verborgen bleiben.“ Wenn Jesus irgendwo hinkommt, geht es nicht anders – es bleibt nicht verborgen. Die Menschen merken es, die DĂ€monen auch. Das bedeutet: Wenn wir mit Jesus leben, bleibt das nicht verborgen, ob wir die Wirkung sehen oder nicht. So ist alles, was wir mit Jesus tun – arbeiten, beten, schlafen, apostolisch wirken – mit Sicherheit immer wirksam fĂŒr den Aufbau des Reiches Gottes. Ich lebe mit dem Kreuzzeichen – im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Ich bin im Namen des dreifaltigen Gottes unterwegs. Welch eine WĂŒrde! Welch ein Auftrag!

2. â€žAuch fĂŒr die Hunde unter dem Tisch.“ Die Frau in dieser Episode zieht sich nicht beleidigt zurĂŒck, nachdem sie von Jesus wenig charmant mit den Hunden verglichen wird. Sie nimmt ihre niedrige Position einfach als Tatsache von ihm an, bleibt aber bei ihrem Ziel, dass Jesus ihre Tochter befreien soll. Damit ist sie ein leuchtendes Beispiel fĂŒr uns alle, unsere Aufgaben in der Kirche nicht mit der WertschĂ€tzung fĂŒr unsere Person zu verbinden. Manchmal höre ich bittere Bemerkungen von Ehrenamtlern ĂŒber fehlenden Dank oder fehlende Bezahlung, und manch einer legt deswegen sein Amt nieder. Leider kommt man damit nicht zum Ziel. Nur weil die Frau völlig ziel- und sachorientiert ist, erreicht sie die Heilung ihrer Tochter.

3. â€žWeil du das gesagt hast.“ Ich glaube, dass Jesus mit diesen Worten die Demut der Frau meint. Sie kennt ihre SchwĂ€chen und Nachteile (in diesem Fall, dass sie eben als Heidin nicht zum auserwĂ€hlten Volk gehört) und akzeptiert sie. Deswegen macht sie sich aber nicht klein, sondern argumentiert klug und schlagfertig mit dem, an dessen Macht sie glaubt. Demut heißt, die eigenen SchwĂ€chen und die eigenen StĂ€rken anzunehmen, aber sich daran nicht aufzuhalten. Demut hat mit Mut zu tun und heißt, zu Jesus zu gehen, obwohl ich keine Rechte vor ihm habe. Weil sie in dieser Haltung bittet, wird die Frau erhört.

GesprĂ€ch mit Christus: â€žO Gott, du bist so wundervoll bei mir gewesen alle Tage meines Lebens. Du wirst mich auch weiterhin nicht verlassen. Ich weiß es, obschon ich keine Rechte vor dir habe. Lass mich meinen Weg nicht gehen, ohne an dich zu denken. Lass mich alles vor dein Angesicht tragen, um dein Ja zu erfragen bei jedem Wollen und deinen Segen fĂŒr jedes Tun.“ (Hl. John Henry Newman)

Möglicher Vorsatz: Falls Zeit ist und es passt: im Gebet vor Jesus treten und mit ihm zusammen eine Liste meiner StĂ€rken und meiner SchwĂ€chen machen. Mich dabei weniger bei den SchwĂ€chen aufhalten als bei Christus, der meinen Glauben stĂ€rkt.


Er nahm ihn beiseite

12. Februar 2021

Freitag der fĂŒnften Woche im Jahreskreis

Dorit Wilke-Lopez

Mk 7,31-37
In jener Zeit verließ Jesus das Gebiet von Tyrus wieder und kam ĂŒber Sidon an den See von GalilĂ€a, mitten in das Gebiet der Dekapolis. Da brachte man einen Taubstummen zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berĂŒhren. Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berĂŒhrte dann die Zunge des Mannes mit Speichel; danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heißt: Öffne dich! Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit, und er konnte richtig reden. Jesus verbot ihnen, jemand davon zu erzĂ€hlen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr machten sie es bekannt. Außer sich vor Staunen sagten sie: Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich lobe und preise dich, weil du mitfĂŒhlend und barmherzig bist und weil dein Name Programm ist: Gott rettet!

Bitte: Nimm mich jetzt beiseite und lass mich still werden.

1. â€žEr nahm ihn beiseite.“ Die Begebenheit ereignet sich in heidnischem Gebiet. Dort hat man offenbar von Jesus gehört und vertraut, dass er heilen kann. Ich stelle mir vor, dass Jesus den Taubstummen aus der unruhigen Menschenmenge herausfĂŒhrt und ihn ganz auf sich orientiert. Das ist die erste Voraussetzung, die zu erfĂŒllen ist, damit der Taubstumme gesund wird.

2. â€žEr legte ihm die Finger in die Ohren und berĂŒhrte dann die Zunge des Mannes mit Speichel.“ Dann legt Jesus seine Finger in die Ohren des Kranken und berĂŒhrt seine Zunge mit Speichel. Es ist, als ob alle gestörten SinneskanĂ€le mit Jesus angefĂŒllt werden mĂŒssen, damit Heilung geschehen kann. Das ist die zweite Voraussetzung, um geheilt zu werden.

3. â€žEr blickte zum Himmel auf, seufzte.“ Jesus ĂŒbernimmt mit diesem Seufzer mit-leidend das Leid des Kranken und trĂ€gt es durch seinen Blick zum Vater. Wir dĂŒrfen Jesus unsere Verletzungen bringen und all die dadurch entstandenen GefĂŒhle von Angst, Wut, Eifersucht, Neid oder Gier - die Liste mag bei Bedarf jeder fĂŒr sich ergĂ€nzen. Es hilft, in den Körper hineinzuspĂŒren und wahrzunehmen, an welcher Stelle das jeweilige GefĂŒhl spĂŒrbar ist. Dann kann ich Jesus um die innere Vorstellung bitten, dass er seine Hand auf diese „wunde Stelle“ legt und dass unter seiner guten Hand Heilung geschieht. Ich kann dann in dieser Vorstellung bleiben, bis diese Stelle im Körper sich wirklich heil anfĂŒhlt. FĂŒr diese Art von Gebet muss man sich von Jesus zuvor beiseite nehmen lassen - das heißt, lange in die Stille gehen, und sich von ihm „anfĂŒllen“ lassen - durch Lobpreis, durch Psalmen, durch das eigene Lieblingsgebet, durch Gebet mit anderen Christen, die mit einem um den Heiligen Geist bitten.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, bitte nimm mich beiseite. Schenke mir einen Zeitraum, der genĂŒgend groß ist, um dir meine Verletzungen zu zeigen. BerĂŒhre mich und fĂŒlle mich ganz an. Und dann lege deine HĂ€nde auf meine verletzte Seele, bis die Wunden sich schließen. Lass mich bei dir aushalten, bis die Wunden verheilt sind.

Möglicher Vorsatz: Im lauten Alltag immer wieder eine stille Zeit mit ausreichend Raum einrichten, um Jesus wirklich zu berĂŒhren.


Mitleid in FĂŒlle

13. Februar 2021

Samstag der fĂŒnften Woche im Jahreskreis

Dorit Wilke-Lopez

Mk 8,1-10
In jenen Tagen waren wieder einmal viele Menschen um Jesus versammelt. Da sie nichts zu essen hatten, rief er die JĂŒnger zu sich und sagte: Ich habe Mitleid mit diesen Menschen; sie sind schon drei Tage bei mir und haben nichts mehr zu essen. Wenn ich sie hungrig nach Hause schicke, werden sie unterwegs zusammenbrechen; denn einige von ihnen sind von weither gekommen. Seine JĂŒnger antworteten ihm: Woher soll man in dieser unbewohnten Gegend Brot bekommen, um sie alle satt zu machen? Er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie antworteten: Sieben. Da forderte er die Leute auf, sich auf den Boden zu setzen. Dann nahm er die sieben Brote, sprach das Dankgebet, brach die Brote und gab sie seinen JĂŒngern zum Verteilen; und die JĂŒnger teilten sie an die Leute aus. Sie hatten auch noch ein paar Fische bei sich. Jesus segnete sie und ließ auch sie austeilen. Die Leute aßen und wurden satt. Dann sammelte man die ĂŒbrig gebliebenen BrotstĂŒcke ein, sieben Körbe voll. Es waren etwa viertausend Menschen beisammen. Danach schickte er sie nach Hause. Gleich darauf stieg er mit seinen JĂŒngern ins Boot und fuhr in das Gebiet von Dalmanuta.

EinfĂŒhrendes Gebet: Lieber Vater im Himmel, wir leben im Dunkel und unser Bild von dir ist verzerrt. In Jesus kommst du in unsere verlorene Welt und zeigst uns, wie du wirklich bist.

Bitte: Schenke mir und uns allen in der Kirche unerschĂŒtterliches Vertrauen in deine FĂŒrsorge!

1. â€žEinige sind von weither gekommen.“ Jesus von weither nachzufolgen erfordert Einsatz und MĂŒhe. Die Kraft geht immer wieder aus, immer wieder stoßen wir auf natĂŒrliche Grenzen, sind erschöpft und hungrig. Aber Jesus hat das im Blick. Er hat jeden einzeln im Blick und weiß, wer von wo gekommen ist. Auch auf mich schaut er heute und sieht, woher ich komme und wie der Tag mich anstrengt!

2. â€žIch habe Mitleid mit diesen Menschen.“ Jesu ganzes Leben drĂŒckt dieses Mit-Leid Gottes aus. Gott leidet mit, wenn wir leiden, im griechischen Urtext steckt in diesem Wort der Wortstamm fĂŒr „Eingeweide“, das heißt, unser Leid geht ihm unter die Haut, er spĂŒrt es tief in seinem Innern. Auch meine Schwierigkeiten und mein Leid heute wird er mit-fĂŒhlen und mitleiden. Der Schöpfer des Universums leidet mit mir mit! Das ist so groß, das muss man erst einmal „sacken“ lassen.

3. Sieben Brote und sieben Körbe. Ich habe einmal gelesen, dass die Germanen dieses Wort gar nicht in ihrem Sprachschatz hatten, als sie christianisiert wurden. Dieses Mit-Leid ist keine selbstverstĂ€ndliche Haltung, sondern sie wird erlernt. Am besten am eigenen Leib. Gott will uns daher die Erfahrung seines Mitleids machen lassen, in diesem Evangelium durch die Brote und die Fische. Er will uns zeigen, dass er unsere BedĂŒrfnisse und unseren Hunger kennt und uns in FĂŒlle versorgt: sieben Brote werden vermehrt, sieben Körbe voll bleiben ĂŒbrig - sieben ist die Zahl fĂŒr FĂŒlle und Vollkommenheit. Mir fĂ€llt auf: Die Apostel sind eng bei Jesus und haben im Gegensatz zu den Menschen, die von weither gekommen sind, nach drei Tagen immer noch Brot in FĂŒlle, sieben StĂŒck! Von dieser FĂŒlle geben sie Jesus, und dann reicht es fĂŒr alle. Schon wieder FĂŒlle!

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, öffne mich fĂŒr dich. Öffne heute meine Augen fĂŒr die FĂŒlle in meinem Leben: fĂŒr deine Geschenke und fĂŒr deine mitleidige NĂ€he, wenn ich es schwer habe! Lass so in meinem Herzen die FĂ€higkeit zum Mitleiden wachsen. Schenke den Menschen um mich herum durch mein Mit-Leid die konkrete Erfahrung deiner FĂŒrsorge und deiner NĂ€he. Mach mich mit dem Wenigen, das ich habe, zu deinem Werkzeug.

Möglicher Vorsatz: Ich möchte mich aus der FĂŒlle Gottes heraus mit meinem ganzen Sein auf die anderen Menschen einlassen und mit den Fröhlichen lachen und mit den Traurigen weinen.