Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 22. November 2020 bis Samstag 28. November 2020

Vierunddreißigste Woche im Jahreskreis

P. Joachim Richter LC

GleichgĂŒltigkeit ĂŒberwindenSonntag
Himmlische MaßstĂ€beMontag
Bleib fokussiertDienstag
Unter DruckMittwoch
Den Blick weitenDonnerstag
Alles vergehtFreitag
Hellwach bleibenSamstag


GleichgĂŒltigkeit ĂŒberwinden

22. November 2020

Christkönigssonntag
Hochfest

Hl. CĂ€cilia, Jungfrau, MĂ€rtyrin

P. Joachim Richter LC

Mt 25,31-46
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Und alle Völker werden vor ihm versammelt werden und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zur Linken. Dann wird der König denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, empfangt das Reich als Erbe, das seit der Erschaffung der Welt fĂŒr euch bestimmt ist! Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im GefĂ€ngnis und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd gesehen und aufgenommen oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im GefĂ€ngnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr fĂŒr einen meiner geringsten BrĂŒder getan habt, das habt ihr mir getan. Dann wird er zu denen auf der Linken sagen: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das fĂŒr den Teufel und seine Engel bestimmt ist! Denn ich war hungrig und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im GefĂ€ngnis und ihr habt mich nicht besucht. Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder fremd oder nackt oder krank oder im GefĂ€ngnis gesehen und haben dir nicht geholfen? Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr fĂŒr einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan. Und diese werden weggehen zur ewigen Strafe, die Gerechten aber zum ewigen Leben.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, du bist die lebendige Liebe Gottes. Wir sind nach deinem Bild geschaffen und deshalb dazu berufen, lebendige Liebe zu sein. EntzĂŒnde uns mit dem Feuer des Heiligen Geistes, damit wir lieben wie du.

Bitte: Komm, Heiliger Geist, wĂ€rme unser kaltes Herz. Wandle uns um in Menschen, die von Liebe entflammt sind und sich unaufhörlich fĂŒr das Wohl ihrer Mitmenschen einsetzen.

1. Eine Frage der Kultur. Wir sind in einer Kultur der Barmherzigkeit groß geworden. FĂŒr uns ist es normal, dass wir uns um schwache und leidende Menschen kĂŒmmern und KrankenhĂ€user fĂŒr alle und HĂ€user fĂŒr Menschen mit besonderen BedĂŒrfnissen bauen usw. Das war nicht immer so. Die griechische und die römische Kultur waren Kulturen ohne Barmherzigkeit. Damals hatten schwache und bedĂŒrftige Menschen wenig Chancen. Jede Kultur wird von den Menschen ihrer Zeit geprĂ€gt, es hĂ€ngt auch von dir ab. – Jesus, gib mir ein Herz fĂŒr meine Mitmenschen. „Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen“ (Phil 2, 4).

2. Gegen den Strom. Manchmal zieht es mich nach beiden Seiten: mal auf die Seite des „Ich denk nur an mich“, mal auf die Seite des „Oh, da braucht jemand Hilfe, ich geh schnell hin“. Augustinus bezeichnet die erste Haltung als GefĂŒhllosigkeit, zĂ€hlt sie zu den schlimmsten SĂŒnden der Heiden. Jesus lĂ€dt uns ein, gegen den Strom unserer inneren TrĂ€gheit zu schwimmen und mit einem offenen Herzen zu allen hinauszugehen, die uns brauchen.

3. Jesus im NĂ€chsten sehen. Mutter Teresa betete sehr viel, um immer mit Glauben und Liebe erfĂŒllt zu sein. Sie war durchdrungen von der Überzeugung, dass wir Jesus erstens im Allerheiligsten begegnen und zweitens in den Ärmsten der Armen, ja in jedem leidenden Mitmenschen. „Was ihr fĂŒr einen meiner geringsten BrĂŒder getan habt, das habt ihr mir getan“. Um diesen Zusammenhang zu verdeutlichen, hielt Mutter Teresa mitunter die fĂŒnf Finger einer Hand hoch. An fĂŒnf Fingern sei das ganze Evangelium abzuzĂ€hlen: „You did it to me!“ (Das hast du mir getan.). Lernen wir von dieser heiligen Frau.

GesprĂ€ch mit Christus: Die Frucht des Schweigens ist das Gebet.
Die Frucht des Gebets ist der Glaube.
Die Frucht des Glaubens ist die Liebe.
Die Frucht der Liebe ist der Dienst.
Die Frucht des Dienstes ist der Friede.
(Mutter Teresa)

Vorsatz: Im Gebet will ich danach streben, durch die Augen Jesu zu sehen: dass er sich mit meinen Mitmenschen identifiziert. Diese Sicht will ich im Alltag anwenden.


Himmlische MaßstĂ€be

23. November 2020

Montag der vierunddreißigsten Woche im JahreskreisHl. Klemens I., Papst, MĂ€rtyrer
Hl. Kolumban, Abt, Glaubensbote

P. Joachim Richter LC

Lk 21,1-4
In jener Zeit sah Jesus, wie die Reichen ihre Gaben in den Opferkasten legten. Dabei sah er auch eine arme Witwe, die zwei kleine MĂŒnzen hineinwarf. Da sagte er: Wahrhaftig, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr hineingeworfen als alle anderen. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss geopfert; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat ihren ganzen Lebensunterhalt hergegeben.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, mit unseren menschlichen MaßstĂ€ben können wir kaum begreifen, wie du bist. Allzu oft lassen wir uns vom Ă€ußeren Schein blenden. Aber du schaust in unser Inneres, dir kommt es vor allem auf die Einstellung unseres Herzens an: ob wir großzĂŒgig und selbstlos sind. Du weißt um unser ganzes Leben.

Bitte: Bitte schenke mir ein großzĂŒgiges Herz. Hilf mir, nicht kleinlich an meinem Besitz festzuhalten, sondern vertrauensvoll loszulassen und freigebig auszuteilen: von meinem Geld, von meiner Zeit, von der Liebe meines Herzens.

1. Was fĂŒr Gott groß ist. In unserer Gesellschaft sind diejenigen Menschen groß und angesehen, die viel Geld und Besitz haben, die in den Medien berĂŒhmt werden oder irgendwo besonders erfolgreich sind. Nicht so bei Gott. FĂŒr ihn gelten andere MaßstĂ€be. Wir tun gut daran, uns diese MaßstĂ€be Gottes bewusst zu machen und oft ĂŒber sie nachzudenken. Denn es sind himmlische MaßstĂ€be, es sind die MaßstĂ€be wahrer Liebe. Gemessen am Maßstab der Liebe geben die Reichen nur etwas von ihrem Überfluss fĂŒr den Tempel ab, die arme Witwe jedoch macht eine riesige Spende, sie gibt darin sich selbst.

2. GroßzĂŒgigkeit. Auch wenn die arme Witwe nur zwei kleine MĂŒnzen spenden kann, so ist das - in ihrer Situation - dennoch großzĂŒgig. Wie gut könnte sie dieses Geld fĂŒr ihre eigenen Zwecke gebrauchen! Aber sie hĂ€lt nicht daran fest. FĂŒr Gott gibt sie es freigiebig her. Gott liebt die besonders, die mit freudigem Herzen und großzĂŒgig geben.

3. Hinter dem Schleier. Wenn wir ĂŒber die Witwe ein wenig nachdenken, wird uns bewusst, wie groß ihre Liebe zu Gott sein muss! Denn sie spendet ja ihren ganzen Lebensunterhalt. Dabei entgeht ihr nicht die Tatsache, dass sie nun fĂŒr die nĂ€chsten Tage keine Reserven mehr hat. Daraus können wir schließen, wie lebendig und stark sie auf Gottes Vorsehung vertraut haben muss. Und wir bekommen eine Ahnung davon, wie groß ihre Liebe zu Gott sein muss, da sie sogar in Kauf nimmt, ohne materielle Absicherung dazustehen.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, ich bin beeindruckt, wie freigiebig die arme Witwe war. Wie selbstlos war sie! Herr, mein Herz ist oft in sich selbst verschlossen. Nimm mein Herz aus Stein, setz mir deines ein: ein Herz der Liebe, das sich selbst vergisst, sich hingibt und fest auf die göttliche Vorsehung vertraut.

Vorsatz: Ich halte die Augen meines Herzens offen und halte Ausschau nach Gelegenheiten, wo ich viel (von mir) verschenken kann.


Bleib fokussiert

24. November 2020

Hll. Andreas Dung-Lac, Priester und GefÀhrten, MÀrtyrer
Gedenktag

P. Joachim Richter LC

Lk 21,5-11
In jener Zeit, als einige darĂŒber sprachen, dass der Tempel mit schönen Steinen und Weihegeschenken geschmĂŒckt sei, sagte Jesus: Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleiben; alles wird niedergerissen werden. Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen, und an welchem Zeichen wird man erkennen, dass es beginnt? Er antwortete: Gebt acht, dass man euch nicht irrefĂŒhrt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es!, und: Die Zeit ist da. - Lauft ihnen nicht nach! Und wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch dadurch nicht erschrecken! Denn das muss als Erstes geschehen; aber das Ende kommt noch nicht sofort. Dann sagte er zu ihnen: Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere. Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen, und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, die EinschrĂ€nkungen aufgrund des Coronavirus sind sehr lĂ€stig, sie machen vielen Menschen Angst. Wie schmerzhaft sind die Vorschriften bei der Messfeier und beim Kommunionempfang. Viele Menschen kommen nicht mehr zur Kirche. Viele sind irritiert, haben den Eindruck, dass die Kirche sich gefangen nehmen lĂ€sst.

Bitte: Sei uns nahe Herr! Befreie uns! Reiß uns heraus aus dieser Not! StĂ€rke unseren Glauben!

1. Bleib realistisch. Jesus war kein TrĂ€umer. Er hat uns keinen Rosengarten versprochen. Er hat schwierige Zeiten vorhergesagt: die Zerstörung des Tempels, Kriege, Unruhen, Seuchen, Erdbeben. Jesus wollte uns vorbereiten, damit wir realistisch bleiben und nicht allzu ĂŒberrascht sind, wenn dann tatsĂ€chlich schwere Zeiten kommen. Wir sollen mit Schwierigkeiten rechnen, aber zugleich nicht aufhören, auf Jesus zu schauen und uns an Gott festzuhalten.

2. Worauf setzt du deine Sicherheit? In den Worten Jesu wird erkennbar, dass alle irdischen Sicherheiten keinen Bestand haben werden. Der Tempel war das „Nonplusultra“ fĂŒr die Juden, er war fĂŒr sie der Ort, an dem Gott gegenwĂ€rtig war. Wenn nun Jesus die Zerstörung dieses Tempels ankĂŒndigt, muss das auf die Juden wie ein Szenarium des Weltuntergangs gewirkt haben. Wie sehr setzt du noch auf irdische Sicherheiten, und wie groß ist dein lebendiges Vertrauen auf Gott und seine Vorsehung?

3. Bleib fokussiert. Man hat den Eindruck, als hĂ€tten viele Leute durch die Coronakrise die Orientierung und die gewohnte Glaubenspraxis verloren. Doch gerade jetzt ist es besonders wichtig, fokussiert zu bleiben: auf Christus, auf das Evangelium, auf die Sakramente, auf das Gebet und auf die gelebte NĂ€chstenliebe, auf deine Lebensmission. Gerade jetzt muss ich in der Hierarchie meiner Werte Gott den ersten Platz einrĂ€umen.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, sei mir nahe. Ich brauche deine NĂ€he, in all dem Drunter und DrĂŒber unserer Zeit. Hilf mir, tief vereint mit dir zu bleiben. Lass nicht zu, dass ich mich durch irgendetwas von dir abbringen lasse. Halte mich fest. Sei mein Fels und meine Burg.

Vorsatz: Ich ĂŒberlege mir, wen ich aufbauen könnte – mit einem mutmachenden Wort und mit dem Geschenk des Zuhörens.


Unter Druck

25. November 2020

Hl. Katharina von Alexandrien, Jungfrau, MĂ€rtyrin
Gedenktag

P. Joachim Richter LC

Lk 21,12-19
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Man wird euch festnehmen und euch verfolgen. Man wird euch um meines Namens willen den Gerichten der Synagogen ĂŒbergeben, ins GefĂ€ngnis werfen und vor Könige und Statthalter bringen. Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können. Nehmt euch fest vor, nicht im Voraus fĂŒr eure Verteidigung zu sorgen; denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, so dass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können. Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern, und manche von euch wird man töten. Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden. Und doch wird euch kein Haar gekrĂŒmmt werden. Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr Jesus Christus, wenn in meiner Umgebung bekannt wird, dass ich Christ bin und zur heiligen Messe gehe, ernte ich schnell Spott und ein mitleidiges LĂ€cheln. Es ist kein Spaziergang mehr, Christ zu sein.

Bitte: Herr, mache meinen Glauben fest und stark. Lass mich unerschĂŒtterlich glauben, ganz gleich, was die Leute denken.

1. Was ist mir wirklich wichtig? Es gibt einen einfachen Test, mit dem man feststellen kann, was einem wirklich wichtig ist: Man beobachtet seine Handlungen. Denn das, was du oft tust, selbst dann, wenn es schwierig ist, das ist dir zweifellos wichtig. Wenn du beispielsweise morgens eine halbe Stunde frĂŒher aufstehst, um zu beten und in der Heiligen Schrift zu lesen, dann ist dir das offensichtlich sehr wichtig. Wenn du andererseits zwar genau weißt, wie wichtig eine solche Gebetszeit am Morgen wĂ€re, du aber aus TrĂ€gheit nicht aufstehst, dann ist dir etwas mehr Schlaf zweifellos wichtiger als Beten. Sollte Gott und eine tĂ€gliche Beziehung zu Ihm fĂŒr uns nicht das Allerwichtigste sein?

2. Schwierigkeiten gehören einfach dazu. Welche Erwartungen hast du an das Leben? Wovon trĂ€umst du? Deine Sehnsucht nach GlĂŒck und Freude ist gut, Gott hat sie in dich hineingelegt. Aber der Weg zu diesem herrlichen Leben im Himmel beinhaltet auch mĂŒhsame und manchmal sogar leidvolle Wegabschnitte. Jesus lĂ€dt dich ein, deine Erwartungen immer wieder zu korrigieren und an die Worte des Evangeliums anzupassen. Denn nur er hat Worte des ewigen Lebens.

3. Zeugnis geben. Wir kennen nicht alle GrĂŒnde, warum Gott Schwierigkeiten und Christenverfolgung („ihr werdet von allen gehasst werden“) zulĂ€sst. Aber einen Grund zumindest nennt Jesus in diesem Evangelium: „Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können.“ Offenbar ist es fĂŒr Jesus sehr wichtig, dass wir Christen ĂŒberall Zeugen fĂŒr Ihn sind; gerade auch an Orten und vor Menschen, vor denen man sich aus Angst eigentlich lieber nicht zum christlichen Glauben bekennen wĂŒrde. In solchen Momenten kommt zum Vorschein, was einem wirklich wichtig ist.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, so viele irdische Dinge erscheinen mir wichtig. Sichtbar zu meinem Glauben an dich zu stehen, das verdrĂ€nge ich schnell, weil es unangenehm fĂŒr mich ist. Aber wie sollen die, die dich noch nicht kennen, von dir erfahren, wenn nicht auch durch mein Zeugnis? Gib mir Mut, o Herr. Gib mir Mut.

Vorsatz: Ich bitte den Heiligen Geist, mich zu erleuchten. Dann schreibe ich einen oder zwei Namen von Personen auf, von denen ich glaube, ich sollte ihnen von Jesus erzĂ€hlen. Ich bete, dass Gott es so lenkt, dass Begegnungen zustande kommen, bei denen es gĂŒnstig ist, von Jesus zu erzĂ€hlen.


Den Blick weiten

26. November 2020

Donnerstag der vierunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hll. Konrad und Gebhard, Bischöfe

P. Joachim Richter LC

Lk 21,20-28
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Wenn ihr aber seht, dass Jerusalem von einem Heer eingeschlossen wird, dann könnt ihr daran erkennen, dass die Stadt bald verwĂŒstet wird. Dann sollen die Bewohner von JudĂ€a in die Berge fliehen; wer in der Stadt ist, soll sie verlassen, und wer auf dem Land ist, soll nicht in die Stadt gehen. Denn das sind die Tage der Vergeltung, an denen alles in ErfĂŒllung gehen soll, was in der Schrift steht. Wehe den Frauen, die in jenen Tagen schwanger sind oder ein Kind stillen. Denn eine große Not wird ĂŒber das Land hereinbrechen: Der Zorn Gottes wird ĂŒber dieses Volk kommen. Mit scharfem Schwert wird man sie erschlagen, als Gefangene wird man sie in alle LĂ€nder verschleppen, und Jerusalem wird von den Heiden zertreten werden, bis die Zeiten der Heiden sich erfĂŒllen. Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestĂŒrzt und ratlos sein ĂŒber das Toben und Donnern des Meeres. Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die ĂŒber die Erde kommen; denn die KrĂ€fte des Himmels werden erschĂŒttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen. Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure HĂ€upter; denn eure Erlösung ist nahe.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, an der Coronakrise kann ich lernen, dass gewaltige VerĂ€nderungen sehr schnell geschehen können. Deshalb halte ich mich an dich. Du bist mein Fels und meine Burg, mein sicherer Halt.

Bitte: Herr, lass mein Vertrauen zu dir ganz groß wachsen, zu einem riesigen, felsenfesten Gottvertrauen.

1. Alles kann sich verĂ€ndern. Wenn jemand vor einem Jahr gesagt hĂ€tte, dass sich wegen eines winzigen Virus in kurzer Zeit ein großer Teil der Arbeitswelt, der Feste, Seminare und sonstigen ZusammenkĂŒnfte völlig verĂ€ndern wird, wĂ€re er ausgelacht worden. Eine der wichtigsten Lehren aus der Coronakrise ist die, und sie galt eigentlich schon immer: Der Mensch hat nicht alles unter Kontrolle. Er muss vielmehr akzeptieren, dass es KrĂ€fte gibt, die außerhalb seines Einflussbereiches wirken. Was aber immer bleibt, ist Gott, er ist unser Fels und unser Heil, unsere sichere Zuflucht.

2. Umdenken. Worauf baust du deine Sicherheit? Meistens ist dir das nicht klar bewusst. In der Praxis vertrauen die meisten Menschen auf ihren Lohn, ihr Haus, ihr Bankkonto, ihre Kranken- und Lebensversicherung, ihre Gesundheit, ihre Kraft und vielleicht auch ein bisschen auf Gott. Die Coronakrise lehrt uns: Wir mĂŒssen grĂŒndlich umdenken. Jesus hat schon vor 2000 Jahren davor gewarnt, das Haus unseres Lebens auf Sand zu bauen. Ein stabiles Lebenshaus, auf Fels gebaut, bekommen wir nur dadurch, dass wir wirklich auf Jesus hören und seine Worte zur Grundlage all unserer Entscheidungen machen.

3. Was ist dein grĂ¶ĂŸtes Ziel im Leben? Wenn du mal ruhig nachdenkst, was ist dein grĂ¶ĂŸtes Ziel im Leben? Was ist dir letzten Endes am allerwichtigsten? Jesus macht durch seine ernsten Worte deutlich, worauf unser Leben im Letzten hinauslĂ€uft, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht: auf Gott und auf das ewige Leben! Wenn das so ist, dann bekommen sogar unsere kleinsten Entscheidungen Gewicht. Dann sollten wir uns oft bewusst machen, dass unser Leben dazu dient, dass wir uns auf die Ewigkeit vorbereiten. Die Frage des heiligen Domenico Savio kann uns da konkret helfen. Er hat sich vor jeder Entscheidung gefragt: Was nĂŒtzt mir das fĂŒr die Ewigkeit?

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, sei mir nahe. Mit dir ist mein Leben hell. Du gibst mir Mut und Orientierung. Hilf mir, dass ich mich nicht vom Weg zum ewigen Leben abbringen lasse, was immer auch geschehen mag.

Vorsatz: Ich schaue aus dem Fenster und mache mir bewusst, dass nichts von dieser Welt so bleiben wird, wie es ist, außer Gott und die neue Welt, in der nur diejenigen leben werden, die Gott dazu fĂŒr wĂŒrdig erachtet.


Alles vergeht

27. November 2020

Freitag der vierunddreißigsten Woche im Jahreskreis

P. Joachim Richter LC

Lk 21,29-33
In jener Zeit gebrauchte Jesus einen Vergleich und sagte: Seht euch den Feigenbaum und die anderen BÀume an: Sobald ihr merkt, dass sie BlÀtter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr all das geschehen seht, dass das Reich Gottes nahe ist. Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, wir sind dem Wechsel der Zeit unterworfen. Nur du bleibst, der du bist.

Bitte: Bitte hilf mir, klarer zu erkennen, was eigentlich die höchsten PrioritĂ€ten in meinem Leben sind.

1. Im Wechsel der Jahreszeiten. Wie in der Natur, so gibt es auch im geistlichen Leben des Einzelnen und der Kirche verschiedene Jahreszeiten. Es gibt Zeiten des FrĂŒhlings, wenn alles aufblĂŒht; Zeiten der Sommerhitze, wenn das Leben und der Glaube anstrengend werden und wir uns abmĂŒhen mĂŒssen. Es gibt den Herbst, wo wir die FrĂŒchte unserer Hingabe ernten können; und es gibt die Winterzeit, in der alles brach liegt und wir vielleicht den Eindruck bekommen, dass unsere Beziehung zu Gott nicht mehr lebendig ist. Aber immer wirkt Gott, zumindest im Verborgenen. Unaufhörlich! Gott ist dir nahe, selbst dann, wenn du es nicht spĂŒrst.

2. Bleibender Wert. Die Coronakrise zeigt uns, dass unser gewohntes Leben in kĂŒrzester Zeit völlig verĂ€ndert werden kann. Was in Jahren und Jahrzehnten mĂŒhsam aufgebaut worden ist, hat in ein paar Monaten seinen Wert verloren. Da stellt sich die Frage: Was bleibt eigentlich? Was hat bleibenden Bestand und Wert? Jesus antwortet heute folgendermaßen auf diese Frage: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ - An Jesus und seinen Worten können wir uns festhalten. Seine Worte, sein Evangelium, haben bleibenden Wert!

3. Die höchste PrioritĂ€t. Kein Mensch kann verhindern, dass eines Tages Himmel und Erde vergehen. Denn nach der katholischen Lehre, die auf dem Evangelium basiert, ist es Gott, der die Geschichte der Welt und aller Menschen lenkt. Was ist Sein Plan mit der Welt? Was ist wirklich wichtig? Jesus weist uns darauf hin: das Reich Gottes. Es ist uns nahe, viel nĂ€her als wir meinen. Und seit dem Beginn des Christentums bis heute bleibt unverĂ€ndert als höchste PrioritĂ€t unserer Sonntage und unserer Wochentage bestehen: „Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben“ (Mt 6,33).

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, alles verĂ€ndert sich, nichts bleibt, wie es ist. Nur du und dein Reich bleiben ewig bestehen. Danke, Jesus, dass du mein Fels und meine Zuflucht bist. Auf dich will ich schauen, auf dich will ich hören. Ordne und sammle das Streben meines Herzens, so dass dein Reich das Allerwichtigste fĂŒr mich wird.

Vorsatz: Um mir den Vorrang des Reiches Gottes bewusst zu machen, bete ich dreimal langsam den ersten Teil des Vaterunsers.


Hellwach bleiben

28. November 2020

Samstag der vierunddreißigsten Woche im Jahreskreis

P. Joachim Richter LC

Lk 21,34-36
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Nehmt euch in acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren und dass jener Tag euch nicht plötzlich ĂŒberrascht, so wie man in eine Falle gerĂ€t; denn er wird ĂŒber alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen. Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt.

EinfĂŒhrendes Gebet: Gott, zu dir rufe ich am frĂŒhen Morgen, hilf mir beten und meine Gedanken sammeln; ich kann es nicht allein. In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht; ich bin einsam, aber du verlĂ€sst mich nicht; ich bin kleinmĂŒtig, aber bei dir ist Hilfe; ich bin unruhig, aber bei dir ist Frieden; in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist Geduld; ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den rechten Weg fĂŒr mich.Vater im Himmel, Lob und Dank sei dir fĂŒr die Ruhe der Nacht, Lob und Dank sei dir fĂŒr den neuen Tag, Lob und Dank sei dir fĂŒr alle deine GĂŒte und Treue in meinem vergangenen Leben. Du hast mir viel Gutes erwiesen, lass mich nun auch das Schwere aus deiner Hand hinnehmen. Du wirst mir nicht mehr auferlegen, als ich tragen kann. Du lĂ€sst deinen Kindern alle Dinge zum besten dienen.Dietrich Bonhoeffer

Bitte: Sende mir das Licht deines Heiligen Geistes.

1. Auf Kurs bleiben. Segeln ist faszinierend! Allein von der Kraft des Windes angetrieben gleitet das Segelboot durch die Wellen hindurch voran. Aber dort auf See ist es viel schwieriger, als man meinen könnte, den Kurs zu halten. Eine kleine Abweichung von einem Grad nach links oder rechts hat nach ein paar Stunden zur Folge, dass man sein Ziel verfehlt! Eine der grĂ¶ĂŸten Herausforderung unserer Zeit besteht wohl darin, dass Millionen von Ablenkungen unablĂ€ssig auf uns einprasseln. Jesus weiß, wie leicht wir uns vom Kurs abbringen lassen. Deshalb weist er uns deutlich darauf hin, dass wir uns im Glauben nicht ablenken und verwirren lassen sollen. Kaum etwas lohnt sich so sehr wie der tĂ€gliche Kampf darum, Zeiten der Stille zu verteidigen, in denen wir nachdenken und beten können.

2. Bewusst leben. Menschen, die ein Nahtoderlebnis durchgemacht haben, erzĂ€hlen hĂ€ufig, dass sie hinterher viel wacher und bewusster leben als vorher. Sie haben den Sinn und das Ziel des Lebens viel klarer vor Augen. Wie kostbar ist es, wenn ich vor dem Einschlafen sagen kann: Danke, Herr, dass ich heute meinem Ziel, dem Himmel, wieder nĂ€her gekommen bin. Wie sinnvoll und wertvoll ist es, wenn ich auch mal tagsĂŒber bewusst daran denke, dass dieses ganze Leben hier auf der Erde eigentlich nur eine Vorbereitung auf das Leben im Himmel ist.

3. Stay connected. Wie können wir wach bleiben? Wie können wir dieses Bewusstsein erhalten, dass wir fĂŒr den Himmel gemacht sind? Dass dieses irdische Leben noch nicht das Eigentliche und Letzte ist? Die Antwort, die Jesus uns gibt, ist: Wacht und betet. Das Gebet, diese persönliche und vitale Verbindung mit Gott, nĂ€hrt unseren Glauben, damit wir daran erinnert werden, worin der Sinn dieses Lebens besteht. Im Gebet erfahren wir neu: Ich bin ein geliebter Sohn / eine geliebte Tochter Gottes. Gott hat mir den Zugang zu seinem inneren Leben eröffnet. Es gibt kein grĂ¶ĂŸeres Ziel im Leben, als mit und in Christus zu leben.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, bitte sei mir nahe. Erhelle meinen Verstand, damit mir bewusster wird, was das Ziel meines Lebens ist: der Himmel. Und stĂ€rke meinen schwachen Willen, damit ich mich von den Sorgen und den VergnĂŒgungen dieses Lebens loslöse und nach den Dingen des Himmels strebe.

Vorsatz: Ich plane feste Zeiten fĂŒr Stille und Gebet in meinen Wochenplan ein. Denn ich brauche Gott. Die heilige Mutter Teresa brachte den unschĂ€tzbaren Wert des Gebets in die kompakte Formel:
Die Frucht des Schweigens ist das Gebet.
Die Frucht des Gebets ist der Glaube.
Die Frucht des Glaubens ist die Liebe.
Die Frucht der Liebe ist der Dienst.
Die Frucht des Dienstes ist der Friede.