Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 25. Oktober 2020 bis Samstag 31. Oktober 2020

Dreißigste Woche im Jahreskreis

P. LĂĄszlĂł Erffa LC

Die Versuchung der ErbsenzÀhlereiSonntag
Die Versuchung der InstitutionenMontag
Die Versuchung der GrĂ¶ĂŸeDienstag
Die Versuchung der AbstraktionMittwoch
Die Gefahr der PolitisierungDonnerstag
Die Gefahr des LegalismusFreitag
Die Gefahr der GeltungssuchtSamstag


Die Versuchung der ErbsenzÀhlerei

25. Oktober 2020

Dreißigster Sonntag im Jahreskreis

P. LĂĄszlĂł Erffa LC

Mt 22,34-40
In jener Zeit, als die PharisÀer hörten, dass Jesus die SadduzÀer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie am selben Ort zusammen. Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn versuchen und fragte ihn: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen NÀchsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hÀngt das ganze Gesetz und die Propheten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, du richtest meine Augen immer wieder auf das, was wirklich zĂ€hlt. Lass mich nicht gefangen sein im Legalismus und Kleinmut, sondern mache mich frei, um ohne Grenzen zu lieben.

Bitte: Wir bitten darum, auf das Wesentliche zu schauen und daraus zu leben.

1. Unwichtige Gebote? Bei fast 700 Geboten im alttestamentlichen Gesetz konnte man kaum den Überblick behalten. Es gab welche, die eher praktische Normen fĂŒr den Gottesdienst und das Verhalten im Alltag waren, und diese standen neben Geboten, die unsere Beziehung zu Gott regeln. Oft ist es so, dass die Gebote, die man am einfachsten einhalten kann, eine große Bedeutung gewinnen, weil man sie viel leichter erfĂŒllen und dann ĂŒberprĂŒfen kann. Kein Fleisch essen am Freitag: Check. Zur heiligen Messe gehen am Sonntag: Check. So kann man ein „frommer Christ“ sein, indem man eine Reihe von Regeln erfĂŒllt. Man kann so aber auch das Wichtigere aus den Augen verlieren.

2. Was wirklich zĂ€hlt. Das ErfĂŒllen einer Vielzahl von Geboten bringt nicht viel, wenn man die wichtigsten aus den Augen verliert. Vielleicht sind das gerade die Gebote, die uns etwas Schweres abverlangen. Unseren NĂ€chsten lieben? Wie viel einfacher ist da ein Gebot zum Almosengeben, wo genau geregelt ist, wie viel man geben muss und wann und an wen. Aber Jesus sagt uns heute ganz klar, welche Gebote die mit Abstand wichtigsten sind. Er wird nach dem wichtigsten gefragt und gibt zur Antwort: zwei, die untrennbar verbunden sind. Beide sind fĂŒr uns eine Herausforderung, aber beide stĂŒtzen und bedingen sich auch gegenseitig: Ich liebe Gott konkret in den Mitmenschen, und die Liebe zu ihm gibt mir die Kraft, meine Mitmenschen zu lieben.

3. Mehr als nur Gebot. Das Liebesgebot ist nicht nur das wichtigste, sondern auch das schwerste Gebot. Weil man es nicht einfach „abhaken“ kann. Es fordert immer mehr von uns, denn Liebe ist nie einfach nur „erfĂŒllt,“ Liebe zieht uns immer zu mehr, zum Höheren, zu Gott. Beim Christentum geht es also nicht um eine lange Reihe zusammenhangloser Gebote. Alles ist auf die Liebe ausgerichtet und von ihr durchdrungen. Und nur diese Liebe kann mich ganz erfĂŒllen, nicht der erbsenzĂ€hlerische Stolz, alle anderen Gebote genaustens erfĂŒllt zu haben.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, heute willst du zu mir ĂŒber die Gebote und ĂŒber die Liebe sprechen. Hilf mir zu erkennen, wo in meinem Leben die reine ErfĂŒllung wichtiger war als die Liebe. Hilf mir, dass mein Leben mehr und mehr vom ersten und wichtigsten Gebot durchdrungen wird. Und lass mich so erkennen, dass es nicht in erster Linie das schwerste, sondern vor allem das schönste Gebot ist.

Vorsatz: Den Herrn bitten, mir zu zeigen, wem ich heute mehr Liebe zeigen kann.


Die Versuchung der Institutionen

26. Oktober 2020

Montag der dreißigsten Woche im Jahreskreis

P. LĂĄszlĂł Erffa LC

Lk 13,10-17
In jener Zeit lehrte Jesus am Sabbat in einer Synagoge. Dort saß eine Frau, die seit achtzehn Jahren krank war, weil sie von einem DĂ€mon geplagt wurde; ihr RĂŒcken war verkrĂŒmmt, und sie konnte nicht mehr aufrecht gehen. Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sagte: Frau, du bist von deinem Leiden erlöst. Und er legte ihr die HĂ€nde auf. Im gleichen Augenblick richtete sie sich auf und pries Gott. Der Synagogenvorsteher aber war empört darĂŒber, dass Jesus am Sabbat heilte, und sagte zu den Leuten: Sechs Tage sind zum Arbeiten da. Kommt also an diesen Tagen und lasst euch heilen, nicht am Sabbat! Der Herr erwiderte ihm: Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und fĂŒhrt ihn zur TrĂ€nke? Diese Tochter Abrahams aber, die der Satan schon seit achtzehn Jahren gefesselt hielt, sollte am Sabbat nicht davon befreit werden dĂŒrfen? Durch diese Worte wurden alle seine Gegner beschĂ€mt; das ganze Volk aber freute sich ĂŒber all die großen Taten, die er vollbrachte.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, im Evangelium von heute sprichst du zu mir. Hilf mir, dein Wort in meinem Herzen aufzunehmen. Hilf mir zu erkennen, was wichtig ist und was mich zu dir fĂŒhrt. Lass nicht zu, dass Institutionen und Traditionen mich von dir fernhalten.

Bitte: Um ein Herz bitten, das immer zuerst auf den Herrn der Dinge schaut und nicht auf die Dinge des Herrn.

1. Motivationen und Rechtfertigung. Im Evangelium sehen wir einen Mann mit einem verschlossenen Herzen. Er pocht auf das Gesetz, auf seine Rechte und Pflichten, auf Dinge, die seiner Kontrolle unterworfen sind. Er erfĂŒllt so seine Aufgabe als Synagogenvorsteher zwar genau, aber ohne Liebe. Statt zu einem Dienst am Haus Gottes wird es so zu einem Dienst an seinem Egoismus. Er lebt die Tradition und dient der Institution, ohne darauf zu schauen, fĂŒr wen die Tradition lebt und wem die Institution dient. Sie sind kein Selbstzweck, vielmehr sollen sie Menschen zu Gott fĂŒhren. Aber fĂŒr unseren Mann stehen andere Werte an erster Stelle.

2. Verkappter Egoismus. Das Evangelium ist so ein Aufruf an jeden von uns, auch in unserem Leben die Stellen zu finden, wo wir uns selbst unter irgendwelchen VorwĂ€nden an den ersten Platz gestellt haben. Der Platz, der eigentlich Gott gehören sollte
 Es kann uns immer wieder passieren, dass wir unter dem Anschein, Gutes zu tun, nur uns selber suchen. Das ist gerade fĂŒr engagierte Christen eine große Versuchung. Vor allem, sobald die anfĂ€ngliche Begeisterung etwas nachgelassen hat. Jesus will immer wieder in unser Leben kommen und unseren verkrusteten Egoismus aufbrechen. Lassen wir es zu!

3. Freiheit im Herrn. Wenn wir immer wieder wie dieser Synagogenvorsteher in unserem Egoismus gefangen sind, brauchen wir die Gegenwart des Herrn, der unser Leben durcheinanderbringt. Er durchbricht unsere Erwartungen und Denkschemen und entlarvt unsere Heuchelei. Wir mĂŒssen ihm dafĂŒr immer wieder dankbar sein, denn so macht der Herr uns wahrhaft frei. Und erst aus dieser Freiheit heraus können wir die Institutionen und Traditionen dann wieder mit wahrem Leben erfĂŒllen.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, im Evangelium steht nicht, wie der Synagogenvorsteher reagiert hat. Wir können hoffen, dass deine Worte sein Herz geöffnet haben und er sich so wieder mehr seinem eigentlichen Dienst und den Nöten anderer zugewandt hat. Auch wir mĂŒssen uns manchmal schĂ€men, wenn wir unseren Egoismus erkennen. Aber Herr, diese BeschĂ€mung soll nicht zur Verschlossenheit fĂŒhren, sondern zur Bekehrung!

Vorsatz: Heute eine Tradition ĂŒberdenken, der ich in meinem Leben folge, und sie neu mit Gott erfĂŒllen.


Die Versuchung der GrĂ¶ĂŸe

27. Oktober 2020

Dienstag der dreißigsten Woche im Jahreskreis

P. LĂĄszlĂł Erffa LC

Lk 13,18-21
In jener Zeit sprach Jesus: Wem ist das Reich Gottes Ă€hnlich, womit soll ich es vergleichen? Es ist wie ein Senfkorn, das ein Mann in seinem Garten in die Erde steckte; es wuchs und wurde zu einem Baum, und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen. Außerdem sagte er: Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen? Es ist wie der Sauerteig, den eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsĂ€uert war.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, hilf mir, meine unausgesprochenen Erwartungen zu erkennen und lass sie von dem verwandelt werden, was du mir schenken willst. Lass mich dein wunderbares Wirken nicht durch meinen Kleinmut behindern.

Bitte: Den Herrn bitten, dass wir immer mehr die Welt so verstehen können, wie er sie versteht; und dass wir uns von den Denkschemen verabschieden, die uns daran hindern, seine wahre GrĂ¶ĂŸe zu erkennen.

1. Was erwarte ich? Es hilft, sich immer wieder zu fragen: Was erwarte ich ĂŒberhaupt von Gott? Und vorher noch: Erwarte ich ĂŒberhaupt etwas von ihm? Glaube ich denn, dass Gott auch in unserer Gesellschaft einen Unterschied machen kann und will? Die Antworten auf diese Fragen beeinflussen manchmal unbewusst mein ganzes Sein und Handeln als Christ. Denn sie werden im Leben beantwortet. Und wenn ich nichts von Gott erwarte, bin ich vielleicht ein netter Mensch, aber ich lebe ganz einfach in den Tag hinein und verpasse meine Berufung, in dieser Welt ein Zeichen der Liebe Christi zu sein. Deshalb kann ich heute Gott im Gebet bitten, mir aufzuzeigen, wie ich diese Fragen im Leben beantworte.

2. Falsche Erwartungen. Die JĂŒnger erwarteten das kommende Reich. Aber ihre Vorstellung davon war von dem beeinflusst, was sie kannten. Die Königreiche in Israel und Umgebung waren gewohnt, ihre weltliche Macht und ihren Einfluss zur Schau zu stellen und auszubauen. Gottes Vorstellung von seinem Reich ist ganz anders. Auch wir mĂŒssen uns immer wieder unsere eigenen Erwartungen bewusst machen und erkennen, wie unangemessen sie sind. Denn nur wenn wir immer wieder unsere Erwartungen an denen Gottes ausrichten, können wir ihm dienen und seine Zeugen in der Welt sein.

3. Ăœbertroffene Erwartungen. Das Problem mit unseren falschen Erwartungen ist immer, dass sie uns begrenzen. Aber Gott will uns immer mehr geben, als wir erwarten. Nicht, dass es quantitativ grĂ¶ĂŸer ist, als wir es uns vorstellen könnten. Nein, es ist eher so, dass Gott in ganz anderen Dimensionen als wir denkt. Die Gleichnisse im heutigen Evangelium eröffnen uns diese Dimensionen ein ganz klein wenig: Beim Sauerteig kommt es nicht darauf an, dass er ganz groß ist, sondern darauf, dass er ganz und gar durchsĂ€uert ist. Statt auf QuantitĂ€t setzt Gott auf Tiefe und Durchdringung: Das Reich Gottes ist eben diese Verwandlung der Herzen, die sich nicht unmittelbar an Ă€ußeren Ergebnissen messen lĂ€sst.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, du lĂ€dst mich ein, Senfkorn und Sauerteig zu sein und so dein Reich in dieser Welt gegenwĂ€rtig zu machen. Eröffne mir, wie ich das heute konkret tun kann, ohne mich von falschen Erwartungen beschrĂ€nken zu lassen.

Vorsatz: Heute Sauerteig sein und anderen zulĂ€cheln, wo ich es sonst nicht tun wĂŒrde.


Die Versuchung der Abstraktion

28. Oktober 2020

Hll. Simon und Judas ThaddÀus, Apostel
Fest

P. LĂĄszlĂł Erffa LC

Lk 6,12-19
In jenen Tagen ging Jesus auf einen Berg, um zu beten. Und er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott. Als es Tag wurde, rief er seine JĂŒnger zu sich und wĂ€hlte aus ihnen zwölf aus; sie nannte er auch Apostel. Es waren Simon, dem er den Namen Petrus gab, und sein Bruder Andreas, dazu Jakobus und Johannes, Philippus und BartholomĂ€us, MatthĂ€us und Thomas, Jakobus, der Sohn des AlphĂ€us, und Simon, genannt der Zelot, Judas, der Sohn des Jakobus, und Judas Iskariot, der zum VerrĂ€ter wurde. Jesus stieg mit ihnen den Berg hinab. In der Ebene blieb er mit einer großen Schar seiner JĂŒnger stehen, und viele Menschen aus ganz JudĂ€a und Jerusalem und dem KĂŒstengebiet von Tyrus und Sidon strömten herbei. Sie alle wollten ihn hören und von ihren Krankheiten geheilt werden. Auch die von unreinen Geistern Geplagten wurden geheilt. Alle Leute versuchten, ihn zu berĂŒhren; denn es ging eine Kraft von ihm aus, die alle heilte.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, du rufst mich beim Namen, um bei dir zu sein. Ich bin dir nicht egal, ich bin fĂŒr dich nicht nur einer von vielen. Lass mich heute deine konkrete Liebe zu mir genießen und dann auch ganz konkret weitergeben.

Bitte: Heute wollen wir erfahren, wie konkret Gottes Liebe ist und wie er sich um jeden einzelnen kĂŒmmert.

1. Eine Menge. Viele Menschen kommen zu Jesus – aus der ganzen Umgebung, auch aus dem Ausland. Er ist fĂŒr alle da und weist keinen ab. Aber er kann fĂŒr viele nicht mehr tun, als ihnen Hoffnung zu geben und ihre schweren Leiden zu lindern. Jesus weiß, dass nicht die Menge das Reich Gottes ausmacht, sondern die Gegenwart seiner Liebe in den Herzen der einzelnen Menschen. Und diese Botschaft kann nicht immer durch eine sehr kurze Begegnung vermittelt werden, so tiefgreifend sie auch sein mag. Vor allem nicht, wenn die Sehnsucht der Menschen noch sehr auf den materiellen Nutzen ausgerichtet ist.

2. Ein Name. Jesus hat viele JĂŒnger, die ihm nachfolgen. Sie sind von ihm berĂŒhrt worden, jeder auf eine andere, sehr persönliche Art und Weise. Und er hat sie ausgewĂ€hlt, um durch sie andere Menschen zu berĂŒhren. Direkt und persönlich. Gott kennt jeden und will jeden beim Namen rufen. Die Menschen in meiner Umgebung konkret durch mich. Er ist ein persönlicher Gott, kein abstrakter. Er will keine Entfernungen zwischen sich und uns. Er kommt zu jedem persönlich.

3. Eine Nacht im Gebet. Christi Ruf ist kein Zufall. Er schaut nicht auf eine Liste von Eigenschaften, auf StĂ€rken und SchwĂ€chen. Er schaut auf unser Herz. Und er findet etwas Liebenswertes darin, auch bei Judas, dem VerrĂ€ter. Jesu Ruf kommt im Grunde aus der Liebe des Vaters, die er im Gebet erfahren hat. In seiner kurzen Zeit auf Erden konnte nur eine sehr begrenzte Zahl von JĂŒngern bei ihm sein. Heute ist das anders: Durch seine stĂ€ndige Gegenwart in der Eucharistie will Christus auch jeden von uns in seine Nachfolge berufen, um Sauerteig in dieser Welt zu sein. Und wie bei Christus beginnt das heute im Gebet.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, lass mich teilhaben an deinem Gebet zum Vater. Lass mich erfahren, wie du dich auf alle Begegnungen an diesem Tag vorbereitest, und wie du jeden einzelnen dieser Menschen liebst.

Vorsatz: Heute einen mir wenig bekannten Menschen vielleicht etwas besser kennenlernen. Sei es, indem ich ihn einfach nur nach seinem Namen frage oder ihn sogar zum Plaudern auf einen Kaffee einlade.


Die Gefahr der Politisierung

29. Oktober 2020

Donnerstag der dreißigsten Woche im Jahreskreis

P. LĂĄszlĂł Erffa LC

Lk 13,31-35
Zu jener Zeit kamen einige PharisĂ€er zu Jesus und sagten: Geh weg, verlass dieses Gebiet, denn Herodes will dich töten. Er antwortete ihnen: Geht und sagt diesem Fuchs: Ich treibe DĂ€monen aus und heile Kranke, heute und morgen, und am dritten Tag werde ich mein Werk vollenden. Doch heute und morgen und am folgenden Tag muss ich weiterwandern; denn ein Prophet darf nirgendwo anders als in Jerusalem umkommen. Jerusalem, Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst die Boten, die zu dir gesandt sind. Wie oft wollte ich deine Kinder um mich sammeln, so wie eine Henne ihre KĂŒken unter ihre FlĂŒgel nimmt; aber ihr habt nicht gewollt. Darum wird euer Haus von Gott verlassen. Ich sage euch: Ihr werdet mich nicht mehr sehen, bis die Zeit kommt, in der ihr ruft: Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, es gibt so viele Dinge, die mich von dir ablenken wollen. Lass meine Augen immer auf dich gerichtet sein, damit ich nicht das Gute tue und dabei das Bessere vernachlĂ€ssige.

Bitte: Den Herrn bitten, ganz ihm gehören zu dĂŒrfen und in allen Schwierigkeiten auf ihn zu schauen.

1. Macht und Einfluss. Auch Jesus wird nicht von der Politik verschont. In den Machtspielchen der verschiedenen Gruppen seiner Zeit wollen ihn einige fĂŒr ihre Zwecke vereinnahmen. Sie wollen auf ihn einwirken, um seinen wachsenden Einfluss und seine JĂŒnger als Machtmittel fĂŒr sich benutzen zu können. Sie haben nur Augen fĂŒr die Politik, fĂŒr ihre Macht und ihren Einfluss, statt auf Jesu Botschaft zu hören und die Heilung zu erfahren, die er schenken will.

2. Bedrohung. Macht kann einen Menschen korrupt machen. Nicht nur einen Herodes, auch mich. Egal, wo ich ĂŒber Macht verfĂŒge und wie klein sie auch sein mag. Herodes will Jesus sogar umbringen lassen, weil er seine eigene Macht bedroht sieht. So weit muss es in meinem Leben nicht kommen – aber es gibt auch andere Arten und Weisen, unsere Macht ĂŒber jemanden zu missbrauchen: ĂŒble Nachrede, Ablehnung, GleichgĂŒltigkeit. Wie weit lasse ich es kommen? Bin ich offen, wenn der Herr mir jemanden schickt, der mir die Wahrheit sagt und mich korrigiert?

3. Heilsgeschichte statt Politik. Jesus macht nicht mit bei politischem MachtgeplĂ€nkel. Er hat eine Sendung und Mission. Und davon lĂ€sst er sich nicht ablenken. So bleibt sein Blick auf das gerichtet, was wirklich zĂ€hlt: Gottes Wirken in der Zeit, sein Eintreten in die Zeit, ganz konkret durch ihn. Er durchbricht unsere MachtansprĂŒche, indem er sie relativiert und uns eine grĂ¶ĂŸere Wirklichkeit aufzeigt. Diese Einstellung Jesu ist wahrhaft befreiend fĂŒr uns. Er bleibt ihr treu, auch wenn er weiß, dass es ihm am Ende das Leben kosten wird.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, beleuchte mein Leben und hilf mir zu erkennen, wo ich mich mehr vom Egoismus leiten lasse als von deiner Liebe. Hilf mir, wie du auf das zu blicken, was in Ewigkeit Bestand hat. Und lass mich das vermeiden, was mich heute von deiner Botschaft ablenkt.

Vorsatz: Heute etwas Gutes ĂŒber andere Menschen sagen.


Die Gefahr des Legalismus

30. Oktober 2020

Freitag der dreißigsten Woche im Jahreskreis

P. LĂĄszlĂł Erffa LC

Lk 14,1-6
Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines fĂŒhrenden PharisĂ€ers zum Essen kam, beobachtete man ihn genau. Da stand auf einmal ein Mann vor ihm, der an Wassersucht litt. Jesus wandte sich an die Gesetzeslehrer und die PharisĂ€er und fragte: Ist es am Sabbat erlaubt zu heilen, oder nicht? Sie schwiegen. Da berĂŒhrte er den Mann, heilte ihn und ließ ihn gehen. Zu ihnen aber sagte er: Wer von euch wird seinen Sohn oder seinen Ochsen, der in den Brunnen fĂ€llt, nicht sofort herausziehen, auch am Sabbat? Darauf konnten sie ihm nichts erwidern.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, manchmal ist mein Herz so hart. Klopfe es weich, wenn ich heute im Gebet deine GĂŒte betrachten kann und deine Sorge um jeden Menschen sehe.

Bitte: Den Herrn bitten, nicht auf das Gesetz zu schauen, sondern auf ihn.

1. Regeln oder Leben? Immer wieder will Jesus die Herzen der Menschen bewegen. Er freut sich natĂŒrlich ĂŒber ihre Gesetzestreue, aber nicht, wenn sie auf Kosten des wichtigeren Gebotes geht: Dem der NĂ€chsten- und Gottesliebe. Wie kann es dazu kommen, dass Menschen das Gesetz so vergöttlichen, dass sie ihre Mitmenschen vergessen? Auch wenn wir da nur den Kopf schĂŒtteln, gibt es doch vielleicht auch in unserem Leben Bereiche, die noch nicht so ganz von Gott durchdrungen sind. Bereiche, wo auch wir Heuchler sind. Und so weh es auch tut, wir mĂŒssen diese Bereiche von Christus beleuchten lassen, um Heilung zu erfahren.

2. Wo ist meine Sicherheit? Woher kommt dieses hartherzige Pochen auf das Gesetz? Wer Gott nicht persönlich im Gebet oder durch sein Wirken in unserem Leben erfahren hat, sucht sich seine Sicherheit anderswo. Und wie damals zur Zeit Jesu, kann es auch uns passieren, dass wir unsere Sicherheit von Regeln ableiten und nicht auf der Liebe aufbauen, die diese Regeln begrĂŒndet und ihnen ihren tieferen Sinn gibt. Es ist eben einfacher und bequemer, sich an Anweisungen zu halten, als die Anweisungen auch zu verstehen und mit Geist und Herz zu erfĂŒllen.

3. Regeln und Leben. In diesem Evangelium lĂ€dt Jesus uns ein, den Blick von den Gesetzen des Herrn zum Herrn des Gesetzes zu erheben. Wir dĂŒrfen nicht denken, Jesus sei gekommen, um das Gesetz aufzuheben und Anarchie zu schaffen. Nein, wir wissen, dass er nichts anderes im Sinn hat, als das Gesetz seiner vollen Bestimmung zuzufĂŒhren. Wir brauchen das Gesetz in unserem Leben, es gibt ihm Struktur und Richtung. Wenn uns das Gesetz nicht Leben verleiht und uns Gott und anderen gegenĂŒber offener macht, dann machen wir vielleicht etwas verkehrt.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, du kennst mich und liebst mich. Du schenkst mir dein Gesetz mit deinem neuen Gebot der Liebe, damit ich das Leben in FĂŒlle habe. Herr, ich will das mit Freude leben. Hilf mir, das zu tun, und ganz dir zu gehören.

Vorsatz: Heute als Opfer fĂŒr die Armen Seelen bewusst etwas machen, was mir sonst schwerfĂ€llt.


Die Gefahr der Geltungssucht

31. Oktober 2020

Samstag der dreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Wolfgang von Regensburg, Bischof

P. LĂĄszlĂł Erffa LC

Lk 14,1.7-11
Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines fĂŒhrenden PharisĂ€ers zum Essen kam, beobachtete man ihn genau. Als er bemerkte, wie sich die GĂ€ste die EhrenplĂ€tze aussuchten, nahm er das zum Anlass, ihnen eine Lehre zu erteilen. Er sagte zu ihnen: Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist, such dir nicht den Ehrenplatz aus. Denn es könnte ein anderer eingeladen sein, der vornehmer ist als du, und dann wĂŒrde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wĂ€rst beschĂ€mt und mĂŒsstest den untersten Platz einnehmen. Wenn du also eingeladen bist, setz dich lieber, wenn du hinkommst, auf den untersten Platz; dann wird der Gastgeber zu dir kommen und sagen: Mein Freund, rĂŒck weiter hinauf! Das wird fĂŒr dich eine Ehre sein vor allen anderen GĂ€sten. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich will nichts anderes, als dir und meinen Mitmenschen zu dienen. Leider kommen mir dabei oft meine TrĂ€gheit, mein Stolz oder meine Eitelkeit in die Quere. Lass mich auf dich schauen und lernen, wie man fĂŒr andere Menschen da sein kann.

Bitte: Bitten wir den Herrn, unsere Perspektive immer wieder im Glauben zu erneuern und unsere Absicht zu reinigen.

1. Bin ich das? Jesus hĂ€lt uns einen Spiegel vor. Es ist ja sicher nicht so, dass wir uns immer in den Mittelpunkt stellen wollten, indem wir die besten PlĂ€tze einnehmen. Aber es gibt viele andere, subtilere Arten und Weisen, durch die wir die Aufmerksamkeit von anderen weg und auf uns lenken. Manchmal ist uns das nicht einmal selbst bewusst, deswegen lĂ€dt Jesus uns heute ein, ĂŒber unsere Verhaltensweisen nachzudenken.

2. Manchmal bin ich das schon. Kann es nicht selbst den Frömmsten unter uns passieren, dass wir – auch mit guter Absicht – im Mittelpunkt stehen wollen? Gerade dann, wenn wir in Jesu Dienst stehen? Die Gefahr besteht immer. Aber wir dĂŒrfen uns von der Angst, dadurch etwas falsch zu machen, nicht lĂ€hmen lassen. Jesus will uns einfach auf diese Gefahr hinweisen. Nicht, um uns Angst einzuflĂ¶ĂŸen, sondern um uns zum Gegenteil der Geltungssucht zu fĂŒhren: zur Selbstlosigkeit.

3. Geht es auch anders? Wer den letzten Platz sucht, der stellt nicht sich selbst in den Mittelpunkt, sondern gibt Jesus Raum. Das ist nicht einfach fĂŒr uns, weil wir unseren Egoismus ĂŒberwinden mĂŒssen. Aber jemand, der Jesus in seinem Leben in den Mittelpunkt stellt, wird gerade so zum Licht der Welt und Salz der Erde. Jesus kann durch ihn durchscheinen. Das hat dann nichts mehr mit Geltungssucht zu tun, wenn man dadurch im Mittelpunkt steht. Solange wir nicht vergessen, dass es Jesus ist, der durch uns fĂŒr andere sichtbar werden will.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, sei du immer mehr der Mittelpunkt meines Lebens. Du hĂ€ltst mir im Evangelium heute einen Spiegel vor. Lass mich erkennen, wo du in meinem Leben noch nicht im Mittelpunkt stehst. Wie kann ich dir mehr Raum geben?

Vorsatz: Heute einen Bereich in meinem Leben ausmachen, wo ich den letzten Platz einnehmen und Jesus den ersten geben kann.