Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 27. September 2020 bis Samstag 3. Oktober 2020

Sechsundzwanzigste Woche im Jahreskreis

Maria Hemm

Kinder vs. WaisenSonntag
Wer ist gro├č?Montag
There is moreDienstag
Volles RisikoMittwoch
Eine BetrachtungDonnerstag
Engel, Himmelreich und Kinder. Wie passt das alles zusammen?Freitag
Denn dein ist das Reich und die KraftÔÇŽSamstag


Kinder vs. Waisen

27. September 2020

Sechsundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis
Hl. Vinzenz von Paul, Ordensgr├╝nder (CM)

Maria Hemm

Mt 21,28-32
In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohepriestern und den ├ältesten des Volkes: Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei S├Âhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Kind, geh und arbeite heute im Weinberg! Er antwortete: Ich will nicht. Sp├Ąter aber reute es ihn und er ging hinaus. Da wandte er sich an den zweiten und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ja, Herr ÔÇô und ging nicht hin. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erf├╝llt? Sie antworteten: Der erste. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, ich sage euch: Die Z├Âllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist zu euch gekommen auf dem Weg der Gerechtigkeit und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Z├Âllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr, du hast mich bei meinem Namen gerufen, denn ich geh├Âre dir. Ich darf dein Kind sein. Das ist ein so gro├čes und wunderbares Geschenk, dass ich es kaum fassen kann. Ich darf mein Leben aus dieser ├ťberzeugung heraus voller Dankbarkeit leben und genie├čen.

Bitte: Mein Vater, gib mir die Gnade, jeden Tag und jede Woche im Licht deiner Liebe zu beginnen und durch diese Liebe deine Hand zu entdecken. So kann ich wahrhaft als dein Kind leben.

1. Keine Sklaven, sondern Freie. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erf├╝llt? ÔÇ×Der Wille GottesÔÇť beinhaltet etwas, an dem sich die Geister oftmals scheiden. Er kann uns manchmal wie eine schwere Last oder eine dunkel ├╝ber uns liegende Wolke vorkommen. Im Grunde genommen scheint es um etwas au├čerhalb von uns Stehendes zu gehen, das man als Glaubender erf├╝llen m├╝ssen. So w├╝rde er einer Kette gleichen, die uns zu Sklaven macht. Doch Gott hat uns zur Freiheit berufen. Wie passt das alles zusammen? Welche Rolle spielt in all dem der Wille Gottes?Der Heilige Paulus schreibt an Timotheus, dass Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Gott ist wahrhaft unser Vater, und er will, dass wir lebendig und frei ihm die Ehre geben, wie Paulus an die Galater schreibt: Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Steht daher fest und lasst euch nicht wieder ein Joch der Knechtschaft auflegen! Darin besteht die Rettung der Menschen, die Christus uns gebracht hat.

2. Nicht tot, sondern lebendig. Gott ist ein Gott der Lebenden, nicht der Toten, sagt Jesus zu den Sadduz├Ąern. Und Iren├Ąus von Lyon bringt es auf den Punkt: Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch und das Leben des Menschen besteht darin, Gott zu sehen.F├╝r Christen geht es also nicht so sehr darum, sich selbst zu verwirklichen, sondern Gott ÔÇô oftmals tief in einem selbst ÔÇô zu suchen und ihn sein Werk an uns vollenden zu lassen. So erfahren wir immer tiefer, was es hei├čt, dass Gott unser Vater ist, der uns Leben schenkt.

3. Keine Waisen, sondern Kinder. Die Menschwerdung des Sohnes Gottes hat die Geschichte ein f├╝r alle Mal ver├Ąndert. Wir haben erfahren, dass wir keine Waisen sind, sondern dass wir einen Vater haben. Aber das ist nicht alles. Wir wissen jetzt, dass unser himmlischer Vater voll Liebe und Erbarmen auf uns schaut. Es ist wahr, was der Psalmist schon Jahrhunderte vor Christi Geburt geschrieben und gebetet hat: Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr ├╝ber alle, die ihn f├╝rchten. (Psalm 103)So zeigt uns die Heilige Schrift immer wieder, dass Gott ein barmherziger Vater ist. Doch was bedeutet es, den Herrn zu f├╝rchten? Sollen wir Angst vor ihm haben? Keineswegs.Gottesfurcht kann man in biblischer Sprache als Reaktion auf die g├Âttliche, allm├Ąchtige und Wunder vollbringende Offenbarung beziehen. Sie soll dem Menschen zeigen, wie klein er im Gegensatz zur g├Âttlichen Gr├Â├če und Heiligkeit ist.Der Mensch befindet sich in den Armen Gottes, wie ein kleines Kind in den Armen seiner Mutter. Je mehr er die erstaunlichen Wundertaten des Herrn betrachtet, desto mehr erf├Ąhrt er die Notwendigkeit, sich ganz in die H├Ąnde des Vaters zu ├╝bergeben und ihn handeln zu lassen.

Gespr├Ąch mit Christus: Mein Gott, mein Herr, mein Vater. Du bist ja da. Du bist in meinem Leben. Du siehst voll Freude auf mich. Ich wei├č, dass ich bei dir geborgen bin. Vollende du in mir dein Werk nach deinem Willen. Ich vertraue auf dich.

Vorsatz: Ich will heute ganz bewusst ein Gebet der Dankbarkeit sprechen, denn ich wei├č, dass ich keine Waise, sondern Gottes Kind bin, das zur Freiheit und zum Leben berufen ist.


Wer ist gro├č?

28. September 2020

Montag der sechsundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Lioba, Äbtissin
Hl. Wenzel, Herzog, M├Ąrtyrer

Maria Hemm

Lk 9,46-50
In jener Zeit kam unter den J├╝ngern die Frage auf, wer von ihnen der Gr├Â├čte sei. Jesus wusste, was in ihrem Herzen vorging. Deshalb nahm er ein Kind, stellte es neben sich und sagte zu ihnen: Wer dieses Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Denn wer unter euch allen der Kleinste ist, der ist gro├č. Da sagte Johannes: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen D├Ąmonen austrieb, und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er nicht mit uns zusammen dir nachfolgt. Jesus antwortete ihm: Hindert ihn nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, der ist f├╝r euch.

Einf├╝hrendes Gebet: Lieber Gott! Du bist wirklich lieb. Ich danke dir, dass ich einen kleinen Moment innehalten kann, um dein Wort zu h├Âren. ├ľffne mein Herz, meine Augen und meine Ohren. Ich will dir neu begegnen.

Bitte: Ich bitte dich, gib mir Augen, die sehen, wie du siehst, Augen, die mit deinem Ma├čstab messen und die sch├Ątzen, was du sch├Ątzt.

1. Wer ist gro├č? Wir sehen die Dinge nicht immer so wie unser Sch├Âpfer und Vater. F├╝r uns ist es oft wichtig, mehr als andere zu sein, uns irgendwie auszuzeichnen. Das kann man an zwei kleinen Geschwistern sehen, die beide die Aufmerksamkeit der Eltern suchen. Sie wollen gleich und gerecht behandelt werden, und zugleich wollen sie besonders sein. F├╝r die Eltern sind beide wichtig und jedes Kind ist einzigartig. Sie freuen sich, wenn jedes Kind aufbl├╝ht und auf seine Art Fortschritte macht.Wenn wir dieses Bild auf unsere Beziehung mit Gott anwenden, merken wir, dass wir manchmal ein bisschen blind sind. Wir bemerken nicht, was unserem Vater wirklich wichtig ist, sondern wir wollen zuerst unsere Ziele erreichen, um gro├č, wichtig und geliebt zu sein.

2. Jesus zeigt uns den Weg. Er stellt ein kleines Kind in die Mitte der J├╝nger. Er zeigt, dass nicht Gr├Â├če, Macht oder Erfolg, sondern Demut, Dienst am N├Ąchsten und Armut, unserem himmlischen Vater ein L├Ącheln ins Gesicht zaubern.Ja, Jesus selbst ist in seinem ganzen Leben den Weg der Sohnschaft gegangen. Er hat ein einfaches Leben gelebt, wie das eines normalen Menschen. Er hat gerne seine Zeit mit den Armen, den Kranken, den Kindern und den Au├čenseitern verbracht. Auch seine J├╝nger waren keine perfekten M├Ąnner. Und gerade mit ihnen hat er sich gerne aufgehalten. Diese Art von Menschen hatten ÔÇô und haben auch heute noch ÔÇô etwas Besonderes an sich, sodass sie auf das Herz Jesu fast wie ein Magnet wirken.

3. Als Kind neben Jesus stehen. In unserem Herzen wohnt der Wunsch, gro├č zu sein. Der Weg dorthin besteht aber darin, sich klein zu machen. Wir d├╝rfen wie ein Kind neben Jesus stehen und das L├Ącheln des Vaters wie eine warme Flut ├╝ber uns ergehen lassen. Wir d├╝rfen f├╝r unsere Schwachheit, unsere S├╝nden und Unvollkommenheiten dankbar sein. Sie bringen uns unserem Ziel n├Ąher. Sie machen es m├Âglich, dass wir ganz nah bei unserem Gott sein d├╝rfen. Schlie├člich sind ja gerade die armseligsten Menschen die, die er am engsten bei sich haben will.

Gespr├Ąch mit Christus: Jesus, nimm mich auf. Lass mich ganz nah bei dir wohnen. Ich w├╝nsche mir so sehr, wie ein Kind zu werden, um in deinem Reich zu wohnen. Ich will meinen Weg an deiner Seite gehen. Ich danke dir, dass dir mein Leben und mein ganzes Sein, so sehr gefallen.

Vorsatz: Ich will heute daran denken, wie gl├╝cklich es meinen Vater macht, wenn er auf mich und mein oftmals unvollkommenes Leben sieht. Ich will zulassen, dass dieser Gedanke und dieses Gebet mich heute zum L├Ącheln bringen.


There is more

29. September 2020

Hll. Erzengel Michael, Gabriel und Rafael
Fest
Michael, Patron der katholischen Kirche und der Deutschen

Maria Hemm

Joh 1,47-51
In jener Zeit sah Jesus Natana├źl auf sich zukommen und sagte ├╝ber ihn: Da kommt ein echter Israelit, ein Mann ohne Falschheit. Natana├źl fragte ihn: Woher kennst du mich? Jesus antwortete ihm: Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen. Natana├źl antwortete ihm: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der K├Ânig von Israel! Jesus antwortete ihm: Du glaubst, weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah? Du wirst noch Gr├Â├čeres sehen. Und er sprach zu ihm: Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel ge├Âffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen ├╝ber dem Menschensohn.

Einf├╝hrendes Gebet: Jesus, Rabbi, mein Meister! Mit Natana├źl will ich bekennen, dass du der Sohn Gottes bist. Wie er will auch ich dir dienen und ohne Falschheit sein. Ich will in der Wahrheit leben, die du mir zeigst. ├ľffne mein Herz f├╝r deine Stimme ÔÇô jetzt, in diesem Moment des stillen Gebets.

Bitte: Herr, lass mich die Spuren deiner Gegenwart um mich herum erkennen, sodass ich tiefer in der Wahrheit leben und meinen Mitmenschen von dir erz├Ąhlen kann, damit auch sie dich finden.

1. Jesu Gegenwart. Jesus sieht und kennt mich. Er wei├č von mir. Er wei├č, ob ich sitze oder stehe. Psalm 139 spricht davon. Gott kennt mich mehr, als ich mich selbst jemals kennen k├Ânnte. Denn es stimmt, was Natana├źl sagt: Jesus ist der Sohn Gottes. Er ist der K├Ânig von Israel. Ja, er ist der K├Ânig aller V├Âlker. Also ist er auch der K├Ânig meines Herzens. Er will jeden Augenblick meines Lebens mit seiner Gegenwart verwandeln. Er will den Himmel in mein Umfeld bringen, indem er immer tiefer in mir zu meinem Gott und zu meinem K├Ânig wird.

2. Es gibt mehr. Manchmal kann es uns so vorkommen, als ob unser Horizont verdeckt ist. Wir scheinen wie im Nebel oder wie im Traum unterwegs zu sein. Manchmal ist es aber auch so, dass die Sonne st├Ąndig ├╝ber uns zu sein scheint und jeder neue Tag uns zulacht. Doch ganz egal, was wir erfahren, Jesus verspricht uns mehr. Sein Wunsch ist es, uns Gr├Â├čeres sehen zu lassen. Unser Herz sucht auch immer mehr und ist irgendwie uners├Ąttlich. Gott verspricht uns genau die S├Ąttigung dieses Durstes. Bei Gott gibt es immer mehr. Das hei├čt nicht, dass es immer Neues oder Extravagantes ist, sondern oft ist es dieselbe Wirklichkeit wie immer ÔÇô aber neu durch seine Gegenwart.

3. Die Leiter zum Himmel. Es geht darum, die Spuren des Unsichtbaren in unserem Leben und in unserer Welt zu entdecken, die Engel Gottes, die auf- und niedersteigen und so Himmel und Erde verbinden. Wir singen in einem Lied im Gottesdienst: Da ber├╝hren sich Himmel und Erde, dass Friede werde unter uns. Diese Begegnung geschieht jeden Tag so oft um uns herum. Es sind oft kleine Gesten oder Worte, kleine Zeichen der Liebe in unserem Alltag, Engel, die uns auf alle m├Âgliche Weisen begegnen. Es gilt, sie zu sehen und Raum f├╝r sie zu schaffen, dass Gott, der uns mit unseren Sehns├╝chten kennt, sein Wort neu schenken und uns begegnen kann.

Gespr├Ąch mit Christus: Jesus, du bist Mensch geworden, um die Tore des Himmels zu ├Âffnen und Leiter zwischen Himmel und Erde zu sein. Durch dich gelangen wir zum Vater und durch dich sind wir Tempel des Geistes. Lass mich mit dieser Sicherheit leben und lieben.

Vorsatz: Ich will heute ganz bewusst meine Augen ├Âffnen f├╝r die kleinen Details der Liebe Gottes um mich herum und sie dankbar genie├čen.


Volles Risiko

30. September 2020

Hl. Hieronymus, Priester, Kirchenlehrer
Gedenktag

Maria Hemm

Lk 9,57-62
In jener Zeit als Jesus und seine J├╝nger auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die F├╝chse haben ihre H├Âhlen und die V├Âgel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben. Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verk├╝nde das Reich Gottes! Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen. Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zur├╝ckblickt, taugt f├╝r das Reich Gottes.

Einf├╝hrendes Gebet: Jesus, durch die Taufe hast du mich zu deinem J├╝nger gemacht. Damals hast du mich angeschaut und mich bei meinem Namen gerufen. Dein Name wurde ├╝ber mir ausgerufen. Du erwartest keine Heldentaten von mir, wie ich sie mir vorstelle, sondern du willst, dass ich jeden Tag deine Stimme h├Âre, die mich immer neu bei meinem Namen ruft.

Bitte: Gib mir die Gnade, heute und jeden Tag mit dir auf dem Weg zu sein und voll Vertrauen einfach immer den n├Ąchsten Schritt zu suchen und zu tun.

1. Jesus nachfolgen. Unser Leben ist ein Geschenk. Wir k├Ânnen es f├╝r uns behalten oder wir gehen das Risiko ein, es einzusetzen und zum Geschenk f├╝r andere werden zu lassen. Jesus sagt einmal: Wer sein Leben behalten will, wird es verlieren; und wer sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es gewinnen. ÔÇô Wir sind dazu berufen, Jesus in unserem Leben Raum zu geben, sodass Gott uns immer mehr nach seinem Abbild formen kann. Je mehr Christus in uns wohnt, desto mehr verlieren wir unser Leben und gewinnen es zugleich.

2. Leichter gesagt als getan. Christ sein bedeutet, zur Umkehr bereit zu sein. Auf Griechisch wird f├╝r Umkehr das Wort Metanoia benutzt, das w├Ârtlich Gesinnungswandel bedeutet, also eine Bereitschaft, unsere Denkweise zu ver├Ąndern. Wenn wir Jesus nachfolgen wollen, m├╝ssen wir uns auf Neues gefasst machen. Bei ihm geht es nicht so sehr darum, was immer gemacht wurde oder was die Mehrheit erwartet oder unseren eigenen Erwartungen treu, sondern Gott treu zu sein, einem Gott, der in der Offenbarung sagt: Seht ich mache alles neu. Wenn wir deshalb mit Jesus gehen wollen, m├╝ssen wir f├╝r ├ťberraschungen offen sein und d├╝rfen unsere F├Ąhigkeit zu staunen nicht verlieren.

3. Jeder auf seine Art. Christen entstehen nicht durch Massenproduktion, wie Produkte, die am laufenden Band gleich und schnell hergestellt werden. Das wird allerdings nicht ├╝berall recht verstanden. F├╝r die modernen Denkweise sind schnelle und konkrete Resultate wichtig. Was das christliche Leben angeht, ist dieses Kriterium meistens in unserem Unterbewusstsein t├Ątig. Andersartigkeit kann deshalb f├╝r manche zu einem gro├čen Problem werden. Doch Jesus ruft nicht nur Menschen in seine Nachfolge, die so denken wie er. Er hat nicht nur mit einer bestimmten Klasse von Menschen Kontakt, und er behandelt auch nicht alle gleich. Nein. Er geht auf jeden so ein, wie er es gerade braucht. Deshalb lesen wir im heutigen Evangelium, wie Jesus zu einer Person etwas Bestimmtes sagt und zu einer anderen genau das Gegenteil. Jeder Mensch ist einzigartig, und Gott sieht und liebt diese Einzigartigkeit.

Gespr├Ąch mit Christus: Jesus, es ist herrlich zu wissen, dass ich einzigartig f├╝r dich bin und dass es gut ist, dass es so ist. Lass mich jetzt deine Stimme h├Âren. Ich will h├Âren, was du mir heute sagst. Zeig mir, wie du mit mir umgehst und was der n├Ąchste Schritt in meinem Leben ist, um dir enger nachzufolgen.

Vorsatz: Heute will ich um die Gnade bitten, f├╝r die Andersartigkeit der Menschen um mich herum dankbar sein zu k├Ânnen. Ich will versuchen, sie so zu sehen, wie Gott sie sieht.


Eine Betrachtung

1. Oktober 2020

Hl. Theresia vom Kinde Jesus (von Lisieux), Ordensfrau (OCD), Kirchenlehrerin
Gedenktag

Maria Hemm

Lk 10,1-12
In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit voraus in alle St├Ądte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte. Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist gro├č, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter f├╝r seine Ernte auszusenden. Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die W├Âlfe. Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Gr├╝├čt niemand unterwegs! Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus! Und wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr ihm w├╝nscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zur├╝ckkehren. Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes! Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt. Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe. Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, in der man euch nicht aufnimmt, dann stellt euch auf die Stra├če und ruft: Selbst den Staub eurer Stadt, der an unseren F├╝├čen klebt, lassen wir euch zur├╝ck; doch das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist nahe. Ich sage euch: Sodom wird es an jenem Tag nicht so schlimm ergehen wie dieser Stadt.

Einf├╝hrendes Gebet: Jesus, hier bin ich wieder in deiner Gegenwart. Ich danke dir f├╝r dieses Geschenk, das du mir immer gibst, wenn ich darum bitte. Du bist da. Ich schenke dir diesen Tag, alles was ich tue und bin und auch dieses Gebet und bitte dich, dass es dir zur Ehre dient.

Bitte: Jesus, zeige mir, was in deinem Herzen ist und mach mein Herz ein bisschen mehr dem deinen ├Ąhnlich.

1. Worum gehtÔÇÖs? Bei diesem Gebet lade ich Sie ein, das heutige Evangelium mit dem Herzen zu betrachten. Wir k├Ânnen uns regelrecht vorstellen, wie es abgelaufen ist, wer alles da war usw. Wir k├Ânnen sehen und h├Âren, was und wie Jesus gesprochen hat, was um ihn herum geschehen ist.Das ist nicht einfach ein Spiel mit der Einbildung, sondern wir bitten Gott darum, dass er uns in diesem Gebet das zeigt, was er will. So wird das Evangelium f├╝r jeden einzeln ganz konkret. Lassen wir zu, dass Gott uns leitet und dass er unser Gebet dahin f├╝hrt, wo er will.

2. Sehen. Stellen wir uns vor, wir sind Teil des heutigen Evangeliums. Wir k├Ânnen Jesus sehen, die Zw├Âlf und die 72 anderen J├╝nger, vielleicht sogar eine gro├če Menschenmenge oder vielleicht sind sie alleine. Wir k├Ânnen sehen, wie Jesus jeden Einzelnen mit einem L├Ącheln auf den Lippen ansieht. Wir k├Ânnen sehen, wie manche J├╝nger aufmerksam sind, andere vielleicht zerstreut oder nerv├Âs. In der Gruppe sind gro├če und kleine, ├Ąltere und j├╝ngere Menschen, reiche und arme. Alle sind um Jesus herum versammelt.Wir k├Ânnen auch den Ort sehen, an dem sie sich versammelt haben, vielleicht auf einem Berg, vielleicht am See, vielleicht im Dorf... Lasst uns einen Moment nehmen, um diese Szene mit den Augen des Herzens zu betrachten.

3. H├Âren. Jetzt, da wir sehen, ÔÇ×was los istÔÇť, k├Ânnen wir auch h├Âren. Wir k├Ânnen h├Âren, was die J├╝nger unter sich sprechen. Wir k├Ânnen die Natur um uns herum wahrnehmen. Vor allem aber k├Ânnen wir die Stimme Jesu h├Âren. Wie klingt sie? Welche Gef├╝hle dr├╝ckt sie aus? Welches Wort oder welcher Satz ber├╝hrt unser Herz besonders? Bleiben wir, verweilen wir genau dort. Lassen wir Jesus zu uns sprechen. All diese Eindr├╝cke sind Gebet. Sie f├╝hren uns zu Jesus und sind zugleich Licht f├╝r unser eigenes Leben.

Gespr├Ąch mit Christus: Danke Jesus, dass du mir dein Wort schenkst. Danke, dass du immer neu zu mir kommst und mir dein Herz ├Âffnest.

Vorsatz: Ich will Jesus fragen, wie ich die heutige Erfahrung im Gebet mit in den Alltag nehmen kann. Vielleicht zeigt er mir im Gebet auch etwas ganz Konkretes, wozu er mich einl├Ądt.


Engel, Himmelreich und Kinder. Wie passt das alles zusammen?

2. Oktober 2020

Hll. Schutzengel
Gedenktag

Maria Hemm

Mt 18,1-5.10
In jener Stunde kamen die J├╝nger zu Jesus und fragten: Wer ist im Himmelreich der Gr├Â├čte? Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sagte: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, k├Ânnt ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Gr├Â├čte. Und wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf. H├╝tet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.

Einf├╝hrendes Gebet: Jesus, ich preise dich f├╝r deine Liebe und G├╝te. Ich danke dir von Herzen f├╝r all die Gaben, die du mir t├Ąglich gibst. Du bist so gut zu mir!

Bitte: Gib mir die Gnade, mein Leben in deinem Licht zu sehen und nach deinen Kriterien auszurichten. Schenke mir dabei deinen Frieden.

1. Himmelreich. Die J├╝nger fragen Jesus nach dem Kern seiner Botschaft: das Himmelreich. Wenn wir von K├Ânigreichen sprechen, ist es f├╝r uns klar, dass es um Macht und St├Ąrke geht. Wir erkennen darin vorrangig menschliche und weltliche Herrschaftsformen. Ahnen die J├╝nger etwa, dass bei Gott andere Kriterien an erster Stelle stehen? Sie haben sicher schon erfasst, dass Jesus ein neues Reich aufbauen will, bei dem vieles ungewohnt und neu ist. Aber worum geht es im Wesentlichen?

2. Kinder. In seinem Buch ÔÇ×Der kleine PrinzÔÇť schreibt Antoine de Saint-Exup├ęry: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist f├╝r die Augen unsichtbar. Deshalb f├╝hrt uns Jesus die Kinder vor Augen. F├╝r sie sind Glaubens- oder Machtfragen im Umgang mit ├älteren kein Problem. In ihrer kindlichen Naivit├Ąt sehen sie Gott und die Welt ohne gro├če Komplikationen. Vieles, was f├╝r Erwachsene ein R├Ątsel ist, wird von Kindern in ihrer Logik einfach angenommen. Wir k├Ânnen viel von ihnen lernen: ihr Vertrauen und ihre Gelassenheit, ihre Suche nach Geborgenheit und Liebe...

3. Engel. Doch Jesus sagt uns noch etwas, was Kinder besonders macht: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht des himmlischen Vaters. Was f├╝r eine sch├Âne Vorstellung: Gott thront im Himmel. Viele Wesen sind um ihn herum, singen ihm, preisen ihn und beten ihn an. Die Engel der Kinder sind Teil dieses Chores, der Gott Tag und Nacht im Namen ihrer Sch├╝tzlinge die Ehre gibt.Im Reich Gottes geht es nicht darum, sich selbst gro├č zu machen, sondern Gottes Gr├Â├če zu preisen. Jedes Gesch├Âpf, das so lebt, wird deswegen gr├Â├čer und herrlicher, denn es lebt vollkommen das, wozu es geschaffen wurde. Deshalb sind die Kinder so besonders. Sie sind so klein und bed├╝rftig, dass ihre Engel in ihrem Namen diese wunderbare Aufgabe vollbringen. Hier merken wir auch, dass Kindsein nicht altersabh├Ąngig ist, sondern herzens-abh├Ąngig.

Gespr├Ąch mit Christus: Ja, Jesus! Wenn ich deine Gr├Â├če und Allmacht betrachte und bemerke, dass du so voller Liebe auf mich schaust, dann kann ich dich einfach nur preisen und dir danken. Komm, du mein Schutzengel, und lege mein Lob vor den Thron Gottes, wie Weihrauch, der zum Himmel steigt.

Vorsatz: Ich will heute bewusst an meinen Schutzengel denken und ihn bitten, mein Gebet (nicht nur Bitten, sondern auch Lob und Dank) vor Gott zu bringen.


Denn dein ist das Reich und die Kraft...

3. Oktober 2020

Samstag der sechsundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

Maria Hemm

Lk 10,17-24
In jener Zeit kehrten die Zweiundsiebzig zur├╝ck und berichteten voll Freude: Herr, sogar die D├Ąmonen gehorchen uns, wenn wir deinen Namen aussprechen. Da sagte er zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen. Seht, ich habe euch die Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und die ganze Macht des Feindes zu ├╝berwinden. Nichts wird euch schaden k├Ânnen. Doch freut euch nicht dar├╝ber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch dar├╝ber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind. In dieser Stunde rief Jesus, vom Heiligen Geist erf├╝llt, voll Freude aus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unm├╝ndigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Mir ist von meinem Vater alles ├╝bergeben worden; niemand wei├č, wer der Sohn ist, nur der Vater, und niemand wei├č, wer der Vater ist, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. Jesus wandte sich an die J├╝nger und sagte zu ihnen allein: Selig sind die, deren Augen sehen, was ihr seht. Ich sage euch: Viele Propheten und K├Ânige wollten sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und wollten h├Âren, was ihr h├Ârt, und haben es nicht geh├Ârt.

Einf├╝hrendes Gebet: Vater, ich komme zu dir mit allem, was mich belastet, mit allem, was sich diese Woche angesammelt hat. Bei dir darf ich Frieden finden. Bei dir darf ich erfahren, wer du in all dem sein willst. Voll Vertrauen setze ich mich dir zu F├╝├čen, um deine Stimme zu h├Âren.

Bitte: Herr, komm zu uns mit deinem Reich der Freiheit und des Friedens. Erneuere das Angesicht der Erde durch deine heilende Kraft. Gib mir ein tiefes Vertrauen in deine St├Ąrke.

1. Sendung. Christ sein bedeutet, nicht nur Gottes Kind sein, sondern auch von ihm in die Welt hinausgesandt zu sein. Jesus sagt: Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Unsere Sendung verbindet uns mit Jesus. Sie l├Ąsst uns teilhaben an der Aufgabe, die ihm vom Vater anvertraut wurde.Doch sie setzt kein spektakul├Ąres Handeln voraus. Man sucht bei ihrer Verwirklichung nicht danach, pers├Ânliche Siegestroph├Ąen einzufahren. Sie soll Gott gro├č machen und ihm allein die Ehre geben. Deshalb macht sie uns zu Zeugen an unserem Arbeitsplatz, in unserer Familie und Nachbarschaft, da, wo wir in unserem Leben stehen. Wir werden Zeugen daf├╝r, dass Gott stark ist und f├╝r uns k├Ąmpft.

2. In deinem Namen. Unser Herz sehnt sich nach Frieden und Geborgenheit. Wir sehnen uns danach, dass das Reich Christi kommt. Doch wie geht das? Was m├╝ssen wir tun, damit es geschieht? Vorsicht! Wenn wir so fragen, liegt auch eine Falle bereit, in die wir tappen k├Ânnen. Von uns aus k├Ânnen wir sehr wenig erreichen. Es geht nicht darum, unser Handeln aufs Podest zu stellen, sondern den echten Hauptdarsteller unseres Lebens zu finden. Im Namen Jesu konnten die J├╝nger sogar D├Ąmonen austreiben. Wie oft haben wir den Namen Jesu auf unseren Lippen? Wie oft sprechen wir ihn aus? Und wie oft sind wir uns auch nur ein bisschen bewusst, welche Kraft in diesem Namen steckt, dass der Feind einfach flieht, wenn er ihn h├Ârt?Es geht hier um eine sehr tiefgr├╝ndige Wahrheit, die wir mit unserem menschlichen Verstand kaum ganz erfassen k├Ânnen.

3. Gott rettet. Der Name ÔÇÜJesusÔÇś bedeutet ÔÇÜGott rettetÔÇś. Im Matth├Ąusevangelium nennt der Engel Josef diesen Namen und er erkl├Ąrt: Denn er wird sein Volk von seinen S├╝nden erl├Âsen. Jesus sagt uns im heutigen Evangelium, dass ihm von seinem Vater alles ├╝bergeben wurde. Er hat die Kraft, S├╝nden zu vergeben und Krankheiten zu heilen. Er hat die Kraft, Tote lebendig zu machen und Auss├Ątzige rein. In seinem Namen d├╝rfen wir Zeugen all dieser Wundertaten sein. Er will sie an uns und durch uns erf├╝llen.

Gespr├Ąch mit Christus: Herr, ich glaube. Hilf meinem Unglauben. Du sagst mir, dass dein Name die Kraft birgt, um mich, mein Umfeld, die ganze Welt zu ver├Ąndern. Ich glaube dir. Von ganzem Herzen vertraue ich auf dich. Vater, im Namen Jesu bitte ich dich, dass du mich und meine Lieben von der Macht des B├Âsen befreist, sodass wir mit unserem Leben dir die Ehre geben.

Vorsatz: Ich will voll Vertrauen ├╝ber Menschen oder Situationen, die in Verstrickungen gefangen sind, laut den Namen Jesu aussprechen und so um Befreiung und Frieden bitten.