Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 7. Juni 2020 bis Samstag 13. Juni 2020

10. Woche im Jahreskreis

Br. Andrés Poblete LC und Felix Honekamp

Das grĂ¶ĂŸte Geschenk!Sonntag
Die Schatzkarte.Montag
Leuchtturm mitten im Sturm.Dienstag
In einem neuen Leben.Mittwoch
Mehr als eine SpeiseDonnerstag
Wehret den AnfÀngen!Freitag
Verwirklichen statt versprechenSamstag


Das grĂ¶ĂŸte Geschenk!

7. Juni 2020

Dreifaltigkeitssonntag

Br. Andrés Poblete LC

Joh 3,16-18
Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.

EinfĂŒhrendes Gebet: Ich weihe und ĂŒbergebe der Allerheiligsten Dreifaltigkeit alles, was in mir ist: mein GedĂ€chtnis und mein Tun gebe ich Gott, dem Vater, meinen Verstand und meine Worte Gott Sohn, meinen Willen und meine Denken Gott, dem Heiligen Geist, mein Herz, meinen Leib, meine Zunge, meine Sinne und all meine Leiden der hochheiligen Menschheit Jesu Christi.Amen. (Hl. Franz von Sales)

Bitte: Ich bitte dich, Herr, mach mir bewusst, wer du bist. Komm du wirklich jedes Mal, wenn ich das Kreuzzeichen mache, als Vater, Sohn und Heiliger Geist zu mir. Gott, stĂ€rke meinen schwachen Glauben, lass mich wissen, wie ich mein Leben in deinem Namen leben kann.

1. Das grĂ¶ĂŸte Geschenk! Denk einmal an die Person, die du in deinem Leben am meisten liebst. Jetzt nĂ€hert sich der Geburtstag dieser Person, und welches Geschenk wirst du fĂŒr sie bereithalten? Sicherlich möchtest du ihr etwas geben, was all die Liebe und NĂ€he zeigt, die du zu ihr empfindest. Sicher freust du dich darĂŒber, dass die andere Person sehr glĂŒcklich sein wird. Nun bist aber du fĂŒr Gott diese Person! Du bist die Person, die Gott am meisten liebt und fĂŒr die er auch das grĂ¶ĂŸte Geschenk vorbereitet hat: Jesus Christus. In ihm ist die ganze Liebe und NĂ€he des Vaters. Wie sehr liebt dich Gott! Gott Vater hat Jesus zu dir gesandt!

2. Dieses Geschenk ist „zum Öffnen“. Was tut ein Kind als Erstes, wenn es ein Geschenk erhĂ€lt? - Es öffnet es mit großer Freude. Es weiß, dass es etwas Gutes enthĂ€lt und ist zuversichtlich, dass es das Geschenk glĂŒcklich machen wird, denn es kommt von dem, der das Beste fĂŒr es will. Auch du sollst dieses Geschenk Gottes, Jesus, vertrauensvoll öffnen. Sprich in dieser Meditation mit ihm, lade ihn in dein Leben ein, treffe ihn in den Evangelien, danke ihm fĂŒr seine große Liebe, die ihn dazu gebracht hat, fĂŒr dich zu sterben, damit du in den Himmel kommen kannst. Denn er kam, „damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“.

3. Ein dreifaches Geschenk. Heute feiern wir dieses große Geheimnis unseres Glaubens, dass Gott eins ist im Wesen und drei in den Personen. Wenn wir Jesus, den Sohn, in unserem Leben annehmen, akzeptieren wir auch die Liebe des Vaters und den Liebesaustausch zwischen beiden, den Heiligen Geist. Es herrscht ein Geheimnis der Einheit und Liebe zwischen den dreien, das sie nicht egoistisch fĂŒr sich behalten, sondern der ganzen Menschheit offenbaren wollen. Und wenn wir als Christen die Heilige Dreifaltigkeit in uns tragen, sollte unsere Liebe nicht auf uns selbst oder nur auf unsere Freunde ausgerichtet sein. Unsere Liebe sollte diese göttliche Liebe nachahmen und dieses große Geschenk in die ganze Welt bringen. „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine JĂŒnger seid: wenn ihr einander liebt.“

GesprĂ€ch mit Christus: Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, ich rufe so oft deinen Namen an, aber erkenne nicht immer, wie groß die Gnade ist, dich in meinem Leben bei mir haben zu dĂŒrfen. Du bist mein Schöpfer, mein Erlöser, mein Alles. Du bist Tag und Nacht bei mir, du liebst mich, du wirst nicht mĂŒde, mich zu dir zurĂŒckzurufen, du erfĂŒllst mein Leben mit so vielen Gnaden. Danke, dass ich an deiner trinitarischen Liebe teilnehmen darf. Mach aus mir ein Instrument deiner Liebe!

Vorsatz: Heute werde ich jemandem, den ich nicht mag, helfen oder fĂŒr sie bzw. ihn beten, um diese Liebe Gottes allen zu bringen.


Die Schatzkarte

8. Juni 2020

Montag der zehnten Woche im Jahreskreis

Br. Andrés Poblete, LC

Mt 5,1-12
In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine JĂŒnger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie. Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dĂŒrsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden. Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt.

EinfĂŒhrendes Gebet: Hier bin ich, Herr! Ich bin vor dir als Freund und Sohn. Ich gebe dir diese Zeit meines Tages, nur um bei dir zu sein, deine Stimme zu hören und meinen Tag auf dich auszurichten. Bitte stĂ€rke meinen Glauben daran, dass du immer bei mir bist, dass ich in meiner Seele immer mit dir sprechen kann. Hilf mir, in meiner Hoffnung zu wachsen, auf dein Wort in den Evangelien zu vertrauen und zu wissen, dass du mich wie niemand sonst kennst. Du weißt, was ich brauche, und gibst es mir. Vermehre auch meine Liebe zu dir und den Mitmenschen, damit du in mir Gestalt annehmen kannst. Jesus, du weißt alles, du weißt, dass ich dich liebe!

Bitte: Lehre mich, Jesus, dich glĂŒcklich zu machen! Wenn du glĂŒcklich bist, bin ich es auch.

1. Die Schatzkarte. Gott hat uns geschaffen, er weiß, was wir brauchen und wie wir wirklich glĂŒcklich werden können. Er ist derjenige, der uns am tiefsten kennt. Wir kennen uns sehr gut mit unserem Handy aus, wir wissen, wie es funktioniert, kennen die besten Apps und befolgen die Anweisungen und RatschlĂ€ge, um alle Vorteile des Handys besser zu nutzen. Nun, Gott kennt uns aber noch viel besser als wir unsere Handys oder wir ihn. Er kennt unsere WĂŒnsche, unsere grĂ¶ĂŸten BedĂŒrfnisse und er weiß, wie man auch inmitten von Traurigkeit, Hunger, Verfolgung, Ungerechtigkeit usw. glĂŒcklich sein kann. Diese Anweisungen zum GlĂŒck, Apps oder Karten in unserem Leben sind die Seligpreisungen. Jesus selbst sagt uns heute in diesem Evangelium, wie wir wirklich glĂŒcklich sein und werden können.

2. Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen! Wenn wir mit unseren Handys ein Foto machen möchten und das Bild etwas verschwommen ist, mĂŒssen wir zuerst die Linse der Kamera reinigen. Bei uns passiert etwas Ähnliches. Gott hat uns geschaffen, damit wir Ihn sehen können. Aber wenn unser Herz aufgrund unserer Selbstsucht, unseres Stolzes und unserer Sinnlichkeit nicht rein ist, ist es wie eine unsaubere Linse, die uns nicht erlaubt, Jesus klar zu sehen. Was in deinem Leben erlaubt dir nicht, Jesus klar zu sehen? Sprechen wir mit Jesus, und bitten wir ihn, uns hierfĂŒr das klare Licht und die Gnade zu geben. Die Gnade, die diese UnschĂ€rfe in unserem Herzen beseitigt. Ich möchte dich sehen, Jesus, ich möchte die Anweisungen auf dieser Schatzkarte, die du mir gegeben hast, treu befolgen!

3. Der Schatz. â€žFreut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.“ Wenn wir die Seligpreisungen lesen, sehen wir als erstes, dass sie sich selbst zu widersprechen scheinen. Wie verdienen wir ein Königreich, wenn wir arm sind? Wie kann ich getröstet werden, wenn ich weine? Paradox! Aber vor allem weil sie wie ein Widerspruch aussehen, machen sie Sinn. Wir können nur empfangen, wenn wir nichts haben, wir können nur getröstet werden, wenn wir weinen. Jesus möchte unser Schatz sein, aber dieser Schatz ist so groß, dass Er jeden Aspekt unseres Lebens erfĂŒllt. Dies ist der einzige Schatz! Unser Himmelreich, unser Trost, unsere Barmherzigkeit, unser Friede, unser Lohn. Unser Freund und unsere Liebe: Jesus!

GesprĂ€ch mit Christus: Wie gesegnet sind wir, Jesus, dass wir dich kennen, dass wir in Beziehung zu dir stehen. Alle unsere Schwierigkeiten oder Herausforderungen haben ein Sinn, weil wir sie mit dir anpacken können, fĂŒr dich. Und wir packen sie nicht mit einem traurigen Gesicht an, sondern glĂŒcklich, weil wir es aus Liebe tun und auf den ewigen Lohn warten, der uns bevorsteht: immer mit dir im Himmel zu sein. Wie selig wir sind!

Vorsatz: Wenn mir heute jemand Unrecht tut, werde ich mich nicht beschweren. Stattdessen werde ich denken: „Mein Lohn im Himmel wird groß sein.“


Leuchtturm mitten im Sturm

9. Juni 2020

Dienstag der zehnten Woche im Jahreskreis
Hl. EphrÀm der Syrer, Diakon, Kirchenlehrer

Br. Andrés Poblete, LC

Mt 5,13-16
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zĂŒndet auch nicht ein Licht an und stĂŒlpt ein GefĂ€ĂŸ darĂŒber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, welch ein Geschenk, dass ich mit dir sprechen darf! Du möchtest mit mir zusammen sein, du freust dich darĂŒber und bist mit großer Begeisterung dabei. Du liebst mich sehr und aufgrund dieser Liebe bist du Mensch geworden und fĂŒr mich gestorben. Wer sonst liebt mich so sehr? Lass mich in dieser Meditation die Augen meines Herzens öffnen und sehen, wie sehr du mich liebst. Lass mich in meiner Liebe zu dir wachsen und diese Liebe allen bringen.

Bitte: Ich bitte dich, Jesus, mein Leben hell zu machen und mir den Mut zu geben, dieses Licht allen Menschen zu bringen, denen ich begegne.

1. Licht im Rachen des Wolfes. Als ich ein Junge war, hat mein Vater mit mir im Spiel einen Scherz gemacht: WĂ€hrend er mit mir nachts auf der Straße, an der unser Haus liegt, unterwegs war, schaltete er fĂŒr einen kurzen Moment die Autolichter aus und fuhr langsam weiter. Es wurde mit einem Schlag sehr dunkel. Nichts war sichtbar und mein Vater sagte, wir wĂ€ren in den Rachen eines Wolfs geraten. Ich erinnere mich, dass ich nur wollte, dass das Licht zurĂŒckkommt, und als mein Vater das Licht wieder einschaltete, fĂŒhlte ich großen Frieden und Freude. Dank des Lichts sehen wir, wo wir sind und wohin wir gehen wollen. Dieses Licht möchte Christus in unserem Leben sein. Er lĂ€sst uns nicht im Rachen des Wolfs verschwinden, sondern möchte, dass wir in ihm glĂŒcklich und sicher sind, in seiner Gegenwart. Er ist unser Weg, unsere Wahrheit und unser Leben.

2. Sei ein Licht wie Christus, ein Leuchtturm! Aber wie kann ich ein Licht sein fĂŒr das Leben anderer Menschen? Der Sinn meines Lebens ist die Liebe, lieben und geliebt zu werden. Jesus und diese Beziehung, die ich in der Wahrheit zu ihm habe, ist etwas so Schönes und Großartiges, dass sie mich zu einem Zeichen Gottes in der Welt macht. Wenn ich mit Gott vereint bin, bin ich ihm so nahe, dass sein Licht in mir reflektiert wird und ich es ausstrahlen kann. Es ist ein Licht, das sich in tiefer Freude zeigt, in Liebe gegenĂŒber denen, die mir missfallen, ein Licht, das die Fehler der anderen geduldig ertrĂ€gt, ein Licht, das weiß, wie man gut ĂŒber andere spricht. Kurz gesagt, es leuchtet wie Christus, weil das Licht von ihm kommt. Ein Licht, das in der Dunkelheit, wie ein Leuchtturm leuchtet.

3. Zu deiner Ehre Jesus! Wenn wir weit von Gott entfernt sind, wenn wir lange nicht mehr gebeichtet haben, wenn wir uns in großer Dunkelheit befinden, ist es leicht zu erkennen, dass das Licht, das wir brauchen, nicht von uns kommt, sondern von Gott. Aber wenn Christus unser Leben erleuchtet und durch uns das Leben anderer, kann es vorkommen, dass wir denken, wir seien selbst der Ursprung des Lichts. Doch wie die Taschenlampe nicht selbst die Lichtquelle ist, sondern ihre Energie von der Batterie her bezieht, mĂŒssen wir wissen, dass das Licht in unserem Leben und im Leben anderer nur von Gott kommt. Und so geben wir ihm alle Ehre. „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“.

GesprĂ€ch mit Christus: Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. Er lĂ€sst mich lagern auf grĂŒnen Auen und fĂŒhrt mich zum Ruheplatz am Wasser. Meine Lebenskraft bringt er zurĂŒck. Er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen. Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fĂŒrchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.

Vorsatz: Ich werde mich nicht schĂ€men, in der Öffentlichkeit das Kreuzzeichen zu machen oder andere vor dem Essen zum Beten einzuladen.


In einem neuen Leben

10. Juni 2020

Mittwoch der zehnten Woche im Jahreskreis

Br. Andrés Poblete LC

Mt 5,17-19
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfĂŒllen. Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hĂ€lt und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, wenn ich mir nun vornehme, die nĂ€chsten Minuten dem Gebet zu widmen, so weiß ich, dass du bereits mit liebender Sehnsucht auf mich wartest. Ja mehr noch, du bist es, der mich mit sanfter Hand zu dir zieht; du erweckst in mir den unendlichen Durst, den nur du zu stillen vermagst.

Bitte: So bitte ich dich, weite mein Herz und meinen Geist, auf dass ich etwas und immer mehr von der ÜberfĂŒlle deiner Gnaden empfange, in denen du dich mir schenken möchtest.

1. Jesus eröffnet uns die Schrift. Jesus sagt, er sei nicht gekommen, um das Gesetz und die Propheten, d.h. die Heilige Schrift aufzuheben, sondern um sie zu erfĂŒllen. Wie könnte er ihr auch widersprechen, da sie doch letztlich von ihm spricht, ihn kĂŒndet. Ja, er selbst ist der eigentliche SchlĂŒssel, um ihre verborgenen SchĂ€tze bloßzulegen. Diese Wirklichkeit wird durch die uralte Lehre vom wörtlichen und geistlichen Schriftsinn beschrieben. Letzteren drĂŒcken die biblischen Texte aus, „wenn sie unter dem Einfluss des Heiligen Geistes im Kontext des österlichen Mysteriums Christi und des daraus folgenden neuen Lebens gelesen werden“ (PĂ€pstliche Bibelkommission, „Die Interpretation der Bibel in der Kirche“, 1993). Bin ich mir dieser tiefen Einheit in Christus zum einen des Alten und Neuen Testaments, zum anderen der Heiligen Schrift und des christlichen Lebens bewusst? Versuche ich die Bibel in diesem Lichte Christi zu lesen?

2. Jesu Ankommen durch die Schrift. Wir stehen somit schon in einem neuen Leben, das Christus selbst ist. Er möchte uns in der Schrift begegnen. Origenes stellt dies wunderschön in einer Passage seines Johanneskommentars dar: „Jesus also ist das Wort Gottes, das in die Seele, die Jerusalem heißt, einzieht, sitzend auf einem Esel, den die JĂŒnger losgebunden. Er reitet aber auch auf einem jungen FĂŒllen, dem Neuen Bunde, denn in beiden findet sich das Wort der Wahrheit, das uns reinigt und alle kaufenden und verkaufenden Gedanken in uns austreibt. Wenn ich die Bibel lese und betrachte, öffne ich mich, um das Wort, um Jesus zu empfangen, um in Ihm zu leben, der mir auf einem Esel kommend entgegengeht?

3. Jesu vollkommene Enteignung. Das ganze Leben Jesu, von Betlehem bis Golgota, ist vom Gehorsam geprĂ€gt: Darum kam er auf die Welt, um den Willen seines Vaters zu tun; er ist der Arme, der gute Hirt, der sein Leben fĂŒr uns hingibt, um uns zu bereichern; Er hat nichts zu eigen; ja, sein Eigen ist die vollkommene Enteignung seiner selbst bis zum Kreuz. Und wir werden noch tiefer gefĂŒhrt: Jesus von Nazaret ist gehorsam, da er bereits vor aller Zeit, von Anbeginn das Wort des Vaters ist, der Sohn schlechthin, der alles von ihm empfĂ€ngt. Und so sieht, wer auf Jesus blickt, nicht ihn, sondern den Vater, der uns in Christus seine unendliche Liebe offenbart.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, ich danke dir fĂŒr diese Zeit, die ich bewusst mit dir verbringen durfte und bitte dich: Helfe mir, dass die Betrachtungen der unendlichen Geheimnisse deiner Person mich immer mehr zu dir hinziehen, um dir immer nĂ€her nachzufolgen. Lehre mich, ein wahrer Christ zu sein, um in lebendiger Beziehung zu dir zu stehen und durch deine Gnade unterstĂŒtzt zu lernen, Kind zu sein, mit dir arm zu sein, mit dir mich von mir selbst zu enteignen, damit du in mir wachsen kannst.

Vorsatz: Ich möchte heute in einem Moment, in dem ich meine Begrenzung und Ohnmacht erfahre, bewusst Gott dafĂŒr danken, um mich so tiefer mit ihm zu verbinden, der sich um unseretwegen erniedrigte.


Mehr als eine Speise

11. Juni 2020

Hochfest des Leibes und Blutes Christi – Fronleichnam
Hochfest

Hl. Barnabas, Apostel

Felix Honekamp

Joh 6,51-58
In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin fĂŒr das Leben der Welt. Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich Speise, und mein Blut ist wirklich Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die VĂ€ter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich weiß, dass du immer bei mir bist, vor allem im Gebet, wenn ich mich an dich wende, oder wenn ich versuche, dich besser zu verstehen. Ich glaube, dass du mein Leben mit GĂŒte und Barmherzigkeit siehst, und manchmal mit Mitleid. Ich hoffe, dass ich jeden Tag lerne, mehr auf deine Stimme zu hören, um dir nachzufolgen. Ich liebe dich, lehre mich, dich zu lieben, wie du mich liebst.

Bitte: Mein Herr und mein Gott, du bist im Altarsakrament gegenwĂ€rtig. Hilf mir zu verstehen, was du mit diesem Geschenk fĂŒr mich ganz persönlich tust.

1. Wie kann er? Wenn wir ehrlich sind, ist die Skepsis, die Ablehnung und die Wut der Juden bei dieser Begebenheit nur allzu verstĂ€ndlich. Spricht Jesus hier davon, dass er selbst gegessen werden soll? Ist das wortwörtlich gemeint? Die vielleicht schockierende, sicher aber ĂŒberraschende Antwort ist: Ja, das ist wörtlich gemeint. Allerdings auch wieder anders, als es die Juden damals verstanden haben und vielleicht auch nur verstehen konnten.

2. Er in mir und ich in ihm. Die ErklĂ€rungen Jesu weisen auf die tiefere Bedeutung dieses „Essens“ hin: Wir können und sollen eins mit Jesus werden. Er möchte in uns sein, und wir sollen in ihm sein. Es gibt keine Beschreibung, die eine grĂ¶ĂŸere innere wie Ă€ußere Verbundenheit ausdrĂŒckt. Selbst der beste Freund, ein Mensch, den ich liebe, bleibt doch immer auch der andere. Jesus und ich aber, wir sollen eins sein. Ich soll werden wie er, damit er auch wie ich und in mir sein kann. Die schockierende Aufforderung, seinen Leib zu essen, ist damit nichts anderes als ein göttliches Angebot, ihm gleich zu werden, die Chance, ihm gleich werden zu können.

3. Das Brot des Lebens. Um diese NĂ€he mit ihm zu haben, reicht ein symbolischer Akt nicht aus. Darum ist die Rede vom Essen seines Fleisches ein Vorgriff auf das Einsetzen der Eucharistie. Jesus meint die SĂ€tze im heutigen Evangelium zu Fronleichnam wörtlich, aber sein Leib ist eben in dieser Eucharistie. Die gewandelte „Oblate“ ist nicht mehr Oblate, sondern sein Leib, der gewandelte „Wein“ ist nicht mehr Wein, sondern sein Blut. So kommt er uns immer wieder nahe. Er ist im Sakrament immer in unserer NĂ€he. Wir können ihn sehen, ihn anbeten, ihn sogar anfassen. Wir können an diesem Feiertag mit ihm durch die Straßen unserer StĂ€dte und Gemeinden gehen oder ihn direkt im ausgesetzten Allerheiligsten auf dem Altar verehren. Und wir können durch die Eucharistie eins mit ihm werden, um das ewige Leben zu erlangen.

GesprĂ€ch mit Christus: Mein Jesus, du bist nicht nur Mensch geworden, sondern hast dich geopfert und bist wiederauferstanden – das alles fĂŒr uns, fĂŒr mich. Du hast dich auch noch auf diese wunderbare Weise in der Eucharistie geschenkt. Und ich darf dich empfangen. Was fĂŒr ein Liebesbeweis!

Vorsatz: Ich werde heute oder in den kommenden Tagen Jesus in der Eucharistie besuchen und mit ihm wie mit einem Freund sprechen.


Wehret den AnfÀngen!

12. Juni 2020

Freitag der zehnten Woche im Jahreskreis

Felix Honekamp

Mt 5,27-32
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lĂŒstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verfĂŒhrt, dann reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser fĂŒr dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verfĂŒhrt, dann hau sie ab und wirf sie weg! Denn es ist besser fĂŒr dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle kommt. Ferner ist gesagt worden: Wer seine Frau aus der Ehe entlĂ€sst, muss ihr eine Scheidungsurkunde geben. Ich aber sage euch: Wer seine Frau entlĂ€sst, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, liefert sie dem Ehebruch aus; und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist, begeht Ehebruch.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich weiß, dass du immer bei mir bist, vor allem im Gebet, wenn ich mich an dich wende, oder wenn ich versuche, dich besser zu verstehen. Ich glaube, dass du mein Leben mit GĂŒte und Barmherzigkeit siehst, und manchmal mit Mitleid. Ich hoffe, dass ich jeden Tag lerne, mehr auf deine Stimme zu hören, um dir nachzufolgen. Ich liebe dich, lehre mich, dich zu lieben, wie du mich liebst.

Bitte: Mein Herr und mein Gott, ich weiß um meine SĂŒnden. Und ich darf auf deine Barmherzigkeit vertrauen. Hilf mir, auf meinem Weg zu dir mein Vertrauen in dich zu vertiefen. Hilf mir beim Aufbau eines innigeren VerhĂ€ltnisses zu dir, bei dem sich die Frage von Versuchung und SĂŒnde gar nicht erst stellt.

1. Ich aber sage euch. Jesus mutet seinen JĂŒngern schon einiges zu. Hatten Sie vielleicht den Eindruck, dass er die Gesetze, die ihr Leben bestimmten, aufweichen wĂŒrde, kommen hier ganz andere Töne. Schon ein paar Augenblicke zuvor hatte er klargestellt, dass er nicht gekommen sei, um das Gesetz aufzuheben, sondern um es zu erfĂŒllen. Und diese ErfĂŒllung besteht auch darin, bereits den AnfĂ€ngen der SĂŒnde zu wehren.

2. Die Grenzen zur SĂŒnde. Als gute BĂŒrger hĂ€tten wir gerne gewusst, ob wir uns noch im Rahmen der Gesetze bewegen. Um wie viel notwendiger ist das, wenn es um die SĂŒnden geht, die unserem ewigen Heil im Weg stehen. „Darf ich dies noch? Ist jenes noch erlaubt?“, so könnte man fragen. Aber Jesus macht klar, dass bereits jedes Zugehen auf die SĂŒnde, jedes Nachgeben einer Versuchung, hier im Beispiel das lĂŒsterne Anschauen einer Frau, eine SĂŒnde darstellt. Auf die Frage „Geht nicht ein kleines bisschen SĂŒnde?“ antwortet Jesus mit deutlichen Worten: „Nein, das geht nicht!“

3. Wirf es weg! NatĂŒrlich geht es Jesus nicht darum, dass ich meinen Körper verstĂŒmmele, indem ich mir ein Auge ausreiße oder eine Hand abhaue. Aber im Grunde kenne ich ganz genau meine SchwĂ€chen: Ich weiß, wann ich auf einen Weg gerate, den die Amerikaner einen „slippery slope“, einen rutschigen Hang, nennen, bei dessen Betreten ich nicht mehr Herr meiner selbst bin. Jeder Schritt auf die SĂŒnde zu bringt mich weiter auf diesen Weg, der mich nur noch tiefer in die SĂŒnde verstrickt. Mir selbst an dieser Stelle Grenzen zu setzen und die Gelegenheit zur SĂŒnde zu meiden, nicht nur, aber auch und besonders im Bereich der Keuschheit, schĂŒtzt mich besser vor der SĂŒnde als gut gemeinte VorsĂ€tze.

GesprĂ€ch mit Christus: Mein Jesus, du kennst meinen Hang zur SĂŒnde, du weißt, an welchen Stellen ich immer wieder schwach werde. Mit dir gemeinsam erlange ich einen besseren Blick auf mich selbst. Begleite mich, wenn ich nicht nur gegen die SĂŒnde, sondern vor allem gegen deren Wurzeln ankĂ€mpfe. Lehre mich, mehr auf dich zu vertrauen.

Vorsatz: Ich werde zu einer SĂŒnde, die ich immer wieder zu beichten habe, einen „Maßnahmenplan“ entwerfen, der mich davon fernhĂ€lt, wieder schwach zu werden und mich frĂŒhzeitig warnt, wenn ich in die falsche Richtung laufe. Wenn möglich binde ich dabei eine Person meines Vertrauens ein.


Verwirklichen statt versprechen

13. Juni 2020

Hl. Antonius von Padua, Ordenspriester (OFM), Kirchenlehrer
Gedenktag

Fatimatag

Felix Honekamp

Mt 5,33-37
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast. Ich aber sage euch: Schwört ĂŒberhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron, noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel fĂŒr seine FĂŒĂŸe, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs. Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören; denn du kannst kein einziges Haar weiß oder schwarz machen. Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich weiß, dass du immer bei mir bist, vor allem im Gebet, wenn ich mich an dich wende, oder wenn ich versuche, dich besser zu verstehen. Ich glaube, dass du mein Leben mit GĂŒte und Barmherzigkeit siehst, und manchmal mit Mitleid. Ich hoffe, dass ich jeden Tag lerne, mehr auf deine Stimme zu hören, um dir nachzufolgen. Ich liebe dich, lehre mich, dich zu lieben, wie du mich liebst.

Bitte: Mein Herr und mein Gott, ich kann meine Zukunft kaum selbst beeinflussen. Aber ich kann mit dir auf meine Zukunft schauen und im Vertrauen auf dich planen. Hilf mir, mein Vertrauen ganz auf dich zu setzen.

1. Ein Wechsel auf die Zukunft. Wie oft schwöre oder verspreche ich, etwas zu tun oder etwas nicht (mehr) zu tun? In gewisser Weise setze ich dabei auf das Vertrauen des Anderen, dem ich etwas verspreche. Ich setze darauf, dass er mir glaubt, dass ich meinen Schwur einhalten werde. In gewisser Weise ist so ein Schwur immer ein Wechsel von der Gegenwart auf die Zukunft. Und je weiter der Inhalt des Versprechens in der Zukunft liegt, desto unsicherer ist es letztlich, ob ich das Versprechen einhalten kann. Besser also das Versprochene gleich tun.

2. Gott in Haftung nehmen? â€žWenn du Gott lachen hören willst, dann erzĂ€hle ihm, was du morgen vorhast“, so lautet ein amĂŒsanter Aphorismus, der deutlich macht, dass wir unsere eigene Zukunft nur bedingt in der Hand halten. Das macht auch das Einhalten von Versprechen zu einem Risiko. Umso schwerer wiegt es nach den Worten Jesu, wenn ich fĂŒr dieses Versprechen auch noch Gott selbst in Haftung nehme („schwört nicht beim Himmel ...“), ĂŒber den ich noch viel weniger verfĂŒgen kann.

3. Ich werde ... Was aber tun, wenn ich etwas erst in der Zukunft tun kann und der andere sich darauf verlassen muss? Die Worte Jesu schließen nicht aus, dass ich jemandem zusage „Ich werde ...“. Das einzuhalten, sollte dann fĂŒr mich Verpflichtung genug sein, jede VerstĂ€rkung ist unnötig. Ganz weltlich betrachtet: Wenn ich mich auf diese Weise verlĂ€sslich gezeigt habe, wird mir auch mit Vertrauen begegnet und der eine oder andere Fehler verziehen. Und wenn es mir schwerfĂ€llt, meine Zusage einzuhalten, dann kann ich Gott immer bitten, mir zu helfen. Er wird es auf seine Art tun – zwingen kann und muss ich ihn nicht.

GesprĂ€ch mit Christus: Mein Jesus, die Versuchung ist groß, mit meinen PlĂ€nen Luftschlösser fĂŒr mich und andere zu bauen. Mein blindes Vertrauen in mich selbst fĂŒhrt mich dabei immer wieder aufs Glatteis. Dabei bist du immer bei mir und ich muss nichts anderes tun, als dich in meine PlĂ€ne mit einzubeziehen.

Vorsatz: Ich werde bei meinen PlĂ€nen fĂŒr die Zukunft immer darauf schauen, was ich glaube, im Vertrauen auf Gott erreichen zu können.