Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 31. Mai 2020 bis Samstag 6. Juni 2020

Neunte Woche im Jahreskreis

Br. Raphael Meyer LC

Komm, Heiliger Geist!Sonntag
Dein Feuer entz├╝nde mich!Montag
Ein verkehrtes VaterbildDienstag
Jesus zuh├Âren und meinen Blick nach oben richten lassenMittwoch
Zuerst soll ich mich lieben lassenDonnerstag
Vom Knecht zum Freund Gottes werdenFreitag
Unter dem Blick GottesSamstag


Komm, Heiliger Geist!

31. Mai 2020

Pfingstsonntag

Br. Raphael Meyer LC

Joh 20,19-23
Am Abend des ersten Tages der Woche, als die J├╝nger aus Furcht vor den Juden die T├╝ren verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine H├Ąnde und seine Seite. Da freuten sich die J├╝nger, dass sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die S├╝nden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.

Einf├╝hrendes Gebet: Maria, du Braut des Heiligen Geistes, erbitte mir die F├╝lle des Heiligen Geistes.

Bitte: Herr, schenke mir ein gr├Â├čeres Bewusstsein des Heiligen Geistes in mir.

1. Im dunklen Raum ohne Lebenskraft. Obwohl die Apostel mit Jesus drei Jahre unterwegs waren, obwohl sie ihn gesehen hatten, wie er predigte, heilte und Tote auferweckte, schlossen sie sich ├Ąngstlich in einen dunklen Raum ein. K├Ânnte das nicht manchmal auch eine treffliche Beschreibung unseres geistlichen Lebens sein? Wir sind Jesus schon begegnet, haben uns entschieden, ihm nachzufolgen, und doch finden wir uns oft in einem dunklen Raum, ohne Lebenskraft.

2. Jesus bringt Licht ins Dunkel. Stellen wir uns vor, wie Jesus pl├Âtzlich in die Mitte der J├╝nger tritt und folgende Worte sagt: ÔÇ×Friede sei mit euch!ÔÇť Auf einmal wird der dunkle Raum von Licht und Hoffnung erf├╝llt, von Freude und der Sicherheit, dass es Jesus ist, der da spricht und unter ihnen weilt. Dieser Friede ist nicht nur etwas, sondern jemand: Jesus Christus. Nach schier endlosen Stunden der Dunkelheit, die sie in l├Ąhmender Angst verbracht haben, tritt der verkl├Ąrte Herr bei verschlossenen T├╝ren in die Mitte der J├╝nger und haucht sie mit der Kraft des Lebens an, dem Heiligen Geist.

3. Der Geist schenkt leben. Das, was den J├╝ngern im dunklen Raum passiert ist, muss auch mir, muss auch dir passieren. Uns muss vom Heiligen Geist neues Leben eingehaucht werden. Der Hauch Gottes, der Heilige Geist, ist es, der die Apostel radikal ver├Ąndert. Er haucht uns ÔÇ×LeblosenÔÇť neues Leben ein. Genau wie bei der Sch├Âpfung des Menschen haucht Gott uns den Geist ein, der uns lebendig macht (vgl. Genesis 2,7). Es ist nicht genug, Jesus einmal zu begegnen. Wir m├╝ssen den Heiligen Geist empfangen, der uns lebendig macht, der uns Leben einhaucht und von der Dunkelheit ins Licht f├╝hrt.

Gespr├Ąch mit Christus: Heiliger Geist, ich habe dich schon in der Firmung empfangen. Hauche mir neues Leben ein, damit ich Jesus verk├╝nden kann zur Ehre des Vaters.

Vorsatz: Heute werde ich w├Ąhrend des Tages f├╝nf Mal innehalten und jeweils zehnmal wiederholen: ÔÇ×Komm, Heiliger Geist!ÔÇť


Dein Feuer entz├╝nde mich!

1. Juni 2020

Pfingstmontag
Maria, Mutter der Kirche
Hl. Justin. Philosoph, M├Ąrtyrer, Kirchenvater

Br. Raphael Meyer LC

Joh 15,26-16,3.12-15
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen J├╝ngern: Wenn der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis f├╝r mich ablegen. Und auch ihr sollt Zeugnis ablegen, weil ihr von Anfang an bei mir seid. Das habe ich euch gesagt, damit ihr keinen Ansto├č nehmt. Sie werden euch aus der Synagoge aussto├čen, ja es kommt die Stunde, in der jeder, der euch t├Âtet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten. Das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben. Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr k├Ânnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit f├╝hren. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er h├Ârt, und euch verk├╝nden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verk├╝nden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verk├╝nden.

Einf├╝hrendes Gebet: Heiliger Geist, du wohnst durch die Taufe und Firmung in mir. Rei├če alle Mauern ein, die verhindern, dass du mit deiner Kraft aus meinem Inneren hervorbrechen kannst, um mein ganzes Sein mit deinem Feuer zu entz├╝nden und mit deiner Gnade zu durchfluten.

Bitte: Komm, Heiliger Geist, ├╝bernimm du mein Leben!

1. Der Heilige Geist in mir. Gott ist dreifaltig, das hei├čt, immer und zu allen Zeiten wirken Vater, Sohn und Heiliger Geist zusammen. Der Heilige Geist, ist es aber, der uns das g├Âttliche Leben mitteilt und von dem wir immer tiefer in dieses Leben hineingef├╝hrt werden. Er macht uns f├Ąhig, Zeugnis zu geben, er macht uns frei und furchtlos, um f├╝r die Wahrheit einzutreten. Der Geist formt Christus in uns, l├Ąsst uns die Wahrheit ├╝ber uns und den Vater erkennen, n├Ąmlich, dass wir Kinder Gottes sind. Doch oft vergessen wir das und schlie├čen die T├╝ren unseres Herzens. Dann hindern wir den Geist, mit Kraft in uns zu wirken.

2. Lass ihn hervorbrechen. Der Heilige Geist, den wir bei unserer Firmung in gr├Â├čerer F├╝lle empfangen haben, ist schon in uns. Wenn wir ihn bitten: ÔÇ×Komm, Heiliger Geist!ÔÇť, bitten wir mehr darum, dass er die Mauern unseres Herzens einrei├čt und aus unserem Inneren hervorbricht, als dass er von au├čen hereinkommt. Es ist mehr ein Verf├╝gbarmachen der Gnade, die schon in uns ist, eine Vitalisierung der Gnade, die seit der Taufe und Firmung in uns schlummert. An Pfingsten vervollkommnet Jesus mit seinem Anhauch das Wirken des Heiligen Geistes in uns, der uns mit seinem Feuer vervollkommnet. Es ist genau dieses Hervorbrechen des Heiligen Geistes, was die J├╝nger bereit macht, hinauszugehen und Jesus Christus zu verk├╝nden. Lassen wir zu, dass der Geist auch uns entz├╝ndet?

3. Der Heilige Geist wirkt heute. An Pfingsten entz├╝ndete der Heilige Geist das Holz der Verf├╝gbarkeit, das im Herzen der Apostel schon bereit lag. Oft geben wir uns mit dem Anhauch Jesu zufrieden. Wann aber erwarten wir wirklich, dass der Heilige Geist mit Feuer auf uns herabkommt? Oft werden wir vertr├Âstet oder geben klein bei, indem wir sagen, dass der Heilige Geist fr├╝her so gewirkt hat, erwarten aber nicht, dass er es heute noch tut. Wie w├╝rden wir leben, wie w├╝rden wir reden und Zeugnis geben, wenn wir darauf vertrauten, dass die Gnade des Heiligen Geistes immer verf├╝gbar ist?

Gespr├Ąch mit Christus: Heiliger Geist, ich m├Âchte mir bewusst werden, dass du in mir lebst und wirkst und deine Kraft in mir immer verf├╝gbar ist.

Vorsatz: Heute werde ich mir mehrmals w├Ąhrend des Tages die Gegenwart des Heiligen Geistes in Erinnerung rufen.


Ein verkehrtes Vaterbild

2. Juni 2020

Dienstag der neunten Woche im Jahreskreis
Hll. Marzellinus und Petrus, M├Ąrtyrer

Br. Raphael Meyer LC

Mk 12,13-17
In jener Zeit wurden einige Pharis├Ąer und einige Anh├Ąnger des Herodes zu Jesus geschickt, um ihn mit einer Frage in eine Falle zu locken. Sie kamen zu ihm und sagten: Meister, wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst und dabei auf niemand R├╝cksicht nimmst; denn du siehst nicht auf die Person, sondern lehrst wirklich den Weg Gottes. Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht? Sollen wir sie zahlen oder nicht zahlen? Er aber durchschaute ihre Heuchelei und sagte zu ihnen: Warum stellt ihr mir eine Falle? Bringt mir einen Denar, ich will ihn sehen. Man brachte ihm einen. Da fragte er sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie antworteten ihm: Des Kaisers. Da sagte Jesus zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser geh├Ârt, und Gott, was Gott geh├Ârt! Und sie waren sehr erstaunt ├╝ber ihn.

Einf├╝hrendes Gebet: Geliebter Vater, lass mich dein wahres Gesicht erkennen, damit ich nicht glaube, deine Liebe mit meiner Leistung verdienen zu m├╝ssen.

Bitte: Lass mich deine Liebe zu mir erfahren.

1. Ein ungerechter Kaiser? Der Kaiser kann nur ein Trugbild Gottes sein. Er verlangt, dass das Volk ihm Steuern zahlt und l├Ąsst ihm keine andere Wahl. Wenn einer sie nicht bezahlen kann, wird er bestraft. Es schleicht sich vielleicht der Gedanke ein, Gott Vater k├Ânnte wie ein Kaiser sein und nichts von dem, was wir geben, f├╝r ihn gut genug. Immer m├╝ssten wir uns demnach bem├╝hen, besser zu sein und dabei geben wir doch schon alles, um die Steuer ├╝berhaupt bezahlen zu k├Ânnen und blo├č nicht bestraft zu werden. Wir zahlen dann immer mehr, weil wir hoffen, dass er irgendwann mit uns zufrieden ist und dass wir uns seine Zufriedenheit durch unsere st├Ąndigen Abgaben verdienen k├Ânnen. ÔÇô Doch so geht der Vater nie mit uns um.

2. Der gute Vater. Es ist unm├Âglich, das Wohlwollen Gottes durch eigene Leistung zu gewinnen, denn seine Gunst ist nicht etwas, was wir verdienen k├Ânnen. Wir m├╝ssen sie uns schenken lassen. Allerdings wollen wir dem Vater so oft beweisen, dass wir w├╝rdig sind, von ihm geliebt zu werden, denn oft zweifeln wir an seiner Liebe oder vergessen, wie sehr er uns liebt.

3. Gott geben, was Gott geh├Ârt. Wenn wir Gott geben, was ihm geh├Ârt, machen wir uns Christus ├Ąhnlich. Er gibt dem Vater alles, was er hat und ist: sich selbst. Er wei├č, dass alles vom Vater kommt und dass er alles von ihm empfangen hat (vgl. Matth├Ąus 11,27). Er glaubt immer an die Liebe des Vaters, selbst am Kreuz. Denn der Psalm, den er dort betet und der scheinbar mit Verzweiflung beginnt, endet im Lobpreis. (vgl. Ps 22)

Gespr├Ąch mit Christus: Vater im Himmel, du verl├Ąsst mich nie, auch wenn ich manchmal ein Tal der Tr├Ąnen durchwandern muss. Hilf mir, in diesen Momenten dein liebendes Antlitz vor Augen zu haben. Ich m├Âchte mich wie Jesus immer als dein geliebtes Kind wissen.

Vorsatz: Heute Abend will ich mir all das Gute in Erinnerung rufen, das der Vater an mir getan hat.


Jesus zuh├Âren und meinen Blick nach oben richten lassen

3. Juni 2020

Hl. Karl Lwanga u. Gef├Ąhrten, M├Ąrtyrer
Gedenktag

Br. Raphael Meyer LC

Mk 12, 18-27
In jener Zeit kamen einige von den Sadduz├Ąern, die behaupten, es gebe keine Auferstehung, zu Jesus und fragten ihn: Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterl├Ąsst, aber kein Kind, dann soll sein Bruder die Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen verschaffen. Es lebten einmal sieben Br├╝der. Der Erste nahm sich eine Frau, und als er starb, hinterlie├č er keine Nachkommen. Da nahm sie der Zweite; auch er starb, ohne Nachkommen zu hinterlassen, und ebenso der Dritte. Keiner der sieben hatte Nachkommen. Als Letzte von allen starb die Frau. Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt. Jesus sagte zu ihnen: Ihr irrt euch, ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes. Wenn n├Ąmlich die Menschen von den Toten auferstehen, werden sie nicht mehr heiraten, sondern sie werden sein wie die Engel im Himmel. Dass aber die Toten auferstehen, habt ihr das nicht im Buch des Mose gelesen, in der Geschichte vom Dornbusch, in der Gott zu Mose spricht: Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs? Er ist doch nicht ein Gott von Toten, sondern von Lebenden. Ihr irrt euch sehr.

Einf├╝hrendes Gebet: Jesus, lass mich mein ganzes Leben auf das Ziel ausrichten, bei dir im Himmel zu sein.

Bitte: Herr, schenke mir ein offenes Ohr, damit ich meinen Blick auf das Wesentliche richte: das ewige Leben.

1. Jesus zuh├Âren. Eine listige Frage der Sadduz├Ąer und eine weise Antwort von dem Ursprung der Wahrheit. Die Sadduz├Ąer haben sich mal wieder eine hinterlistige Fangfrage ausgedacht, aber Jesus l├Ąsst sich nicht durch Oberfl├Ąchlichkeit t├Ąuschen, sondern dringt zum Wesentlichen vor. Worauf kommt es wirklich an? Jesus beantwortet die Frage, kommt dann aber auf das zu sprechen, worum es eigentlich geht: die Frage nach der Auferstehung der Toten. Wir k├Ânnen uns hier in die Situation der Sadduz├Ąer versetzen und uns fragen, mit welcher Einstellung wir zuh├Âren. Will ich, wenn ich Jesus etwas frage, nur die Antwort h├Âren, die mir behagt, oder nehme ich alles von Jesus an, auch wenn das m├╝hsam f├╝r mich ist?

2. Die Auferstehung der Toten. Jesus beginnt seine Entgegnung mit den Worten ÔÇ×Ihr irrt euchÔÇť und schlie├čt sie ab mit ÔÇ×Ihr irrt euch sehr.ÔÇť Das zeigt uns, wie oft unser Blick auf die Ewigkeit, auf das ├ťbernat├╝rliche und auf Gott der Korrektur bedarf. Ohne den Himmel h├Ątte unser Glaube keinen Sinn, und Jesus h├Ątte uns nicht retten m├╝ssen. Doch er hat es getan, damit wir auf ewig bei ihm sind.

3. Ein Gott der Lebenden. Gott ist Mensch geworden, um es uns m├Âglich zu machen, in der Ewigkeit mit ihm zu leben. Durch den Sohn k├Ânnen wir das G├Âttliche besser verstehen, denn wenn Gott Mensch wird, wird er f├╝r uns lebendiger, k├Ânnen wir ihn leichter begreifen. Er, der Auferstandene, macht es erst m├Âglich, dass die f├╝r die Ewigkeit Bestimmten mit Gott, dem Lebendigen, zusammen sein k├Ânnen, ganz nahe bei ihm sind, ihn von Angesicht zu Angesicht sehen.

Gespr├Ąch mit Christus: Jesus, ich m├Âchte offen sein f├╝r das, was du mir sagst. Lass nicht zu, dass ich mein Herz verschlie├če, auch wenn es mir etwas abverlangt, dir zu geben, worum du mich bittest. Ich wei├č, dass es f├╝r mich das Beste ist, deinen Willen zu tun.

Vorsatz: Ich werde mich heute mit einem Gebet, einem Opfer und einem Akt der Hingabe auf das ewige Leben vorbereiten.


Zuerst soll ich mich lieben lassen

4. Juni 2020

Donnerstag der neunten Woche im Jahreskreis

Br. Raphael Meyer LC

Mk 12,28b-34
In jener Zeit ging ein Schriftgelehrter zu Jesus hin und fragte ihn: Welches Gebot ist das erste von allen? Jesus antwortete: Das erste ist: H├Âre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen N├Ąchsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist gr├Â├čer als diese beiden. Da sagte der Schriftgelehrte zu ihm: Sehr gut, Meister! Ganz richtig hast du gesagt: Er allein ist der Herr, und es gibt keinen anderen au├čer ihm, und ihn mit ganzem Herzen, ganzem Verstand und ganzer Kraft zu lieben und den N├Ąchsten zu lieben wie sich selbst, ist weit mehr als alle Brandopfer und anderen Opfer. Jesus sah, dass er mit Verst├Ąndnis geantwortet hatte, und sagte zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und keiner wagte mehr, Jesus eine Frage zu stellen.

Einf├╝hrendes Gebet: Jesus Christus, lass mir heute bewusst werden, dass ich nicht erschaffen bin, um dich zuerst zu lieben, sondern zuallererst, um mich von dir lieben zu lassen.

Bitte: Offenbare mir deine pers├Ânliche Liebe.

1. Herausforderung. ÔÇ×Mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft und den N├Ąchsten wie dich selbstÔÇť, h├Ârt sich nach einer gro├čen Herausforderung an. Doch der Blick auf dieses h├Âchste Gebot ├Ąndert sich mit der Erkenntnis, dass es nicht in erster Linie dazu da ist, damit wir Gott lieben, sondern zuallererst, damit er uns mehr lieben kann.

2. Uns von Ihm lieben lassen. So k├Ânnen wir ihn erst lieben, wenn wir uns auf diese Weise von ihm lieben lassen und dadurch seine Liebe t├Ąglich erfahren. Jesus m├Âchte uns etwas geben. Er ist in sich selbst gl├╝cklich, in der Liebe der Dreifaltigkeit, die st├Ąndige Hingabe ist, und ben├Âtigt nichts, um noch gl├╝cklicher zu sein als er schon ist. Mit der Erschaffung des Menschen hat er, der die ewige F├╝lle ist, sich die M├Âglichkeit geschaffen, zu hungern. Er hat sich selbst etwas erschaffen, was nur durch uns gestillt werden kann, indem wir aus freien St├╝cken auf seine Liebe antworten. Was sagt das ├╝ber die Liebe eines Gottes aus, der in Kauf nimmt, nicht geliebt zu werden, um noch mehr lieben zu k├Ânnen?

3. Uns von Jesus lieben lassen, von seinem Herzen. Wenn wir Jesu Liebe annehmen und uns von seinem Herzen lieben lassen, wird unsere Antwort von ganzem Herzen und ganzer Seele kommen, mit all unseren Gedanken und all unserer Kraft ausgestattet sein. Wer sich so von ihm geliebt wei├č, aus dessen Herz entspringt Lobpreis und Dankbarkeit. Sein Gebot ist somit ein Geschenk an uns, keine Last. Wenn wir ihn also so lieben sollen, wie er es uns im Evangelium gebietet, ist das nicht an erster Stelle f├╝r ihn von Vorteil, sondern f├╝r uns.

Gespr├Ąch mit Christus: Jesus, danke f├╝r deine Liebe, ich m├Âchte dich heute besonders lieben, indem ich mich von dir lieben lasse.

Vorsatz: Ich mache mir heute bewusst, wie sehr Jesus mich liebt.


Vom Knecht zum Freund Gottes werden

5. Juni 2020

Hl. Bonifatius, Bischof, Glaubensbote in Deutschland, M├Ąrtyrer
Fest

Br. Raphael Meyer LC

Joh 15,14-16a.18-20
In jenen Tagen sprach Jesus zu seinen J├╝ngern: Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht wei├č nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater geh├Ârt habe. Nicht ihr habt mich erw├Ąhlt, sondern ich habe euch erw├Ąhlt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat. Wenn ihr von der Welt stammen w├╝rdet, w├╝rde die Welt euch als ihr Eigentum lieben. Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erw├Ąhlt habe, darum hasst euch die Welt. Denkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Sklave ist nicht gr├Â├čer als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie an meinem Wort festgehalten haben, werden sie auch an eurem Wort festhalten.

Einf├╝hrendes Gebet: Liebender Vater, ich m├Âchte dir heute besonders als dein Kind begegnen. Zeige mir, wie du wirklich bist und wer ich vor dir bin.

Bitte: Vater, zeige mir, dass ich dein Freund bin.

1. Die Einstellung eines Knechts. Der blo├če Knecht denkt: Gott ist fern, und ich wei├č nicht was er von mir will, ich wei├č nicht, was der Herr tut. Er hat f├╝r mich das Kreuz getragen und musste sterben, weil ich so furchtbar bin. Das Einzige, was ich machen kann, ist: als armer Knecht den Willen des Herrn erf├╝llen, obwohl ich eigentlich gar nicht will. Wenn er mir etwas befiehlt, wage ich es nicht, ihn anzuschauen, da er mich ja verurteilen k├Ânnte, wenn ich die Dinge nicht gut genug mache.

2. Die Einstellung eines Freundes. Du bist Freund Jesu. Er hat f├╝r dich das Kreuz getragen und ist f├╝r dich gestorben, nicht, weil du so furchtbar bist, sondern weil er dich liebt. Ja, du bist ein S├╝nder, doch das ist es nicht, was der Vater sieht, wenn er auf dich schaut. Er sieht vielmehr sein Kind, das durch die S├╝nde verletzt ist und dem er deshalb seine Liebe schenken m├Âchte.

3. Vom Knecht zum Freund. Jesus hat uns die Macht gegeben, Kinder Gottes zu werden. Wenn wir den Mut haben und das Vertrauen aufbringen, dem Vater zu glauben, dass er nur gut ist, werden wir zu Freunden Gottes. Dazu m├╝ssen wir allen falschen Gottesbildern widersagen und dem Vater radikal vertrauen, dass es nur gut ist.

Gespr├Ąch mit Christus: Vater, ich danke dir, dass du auf mich mit so viel Liebe schaust. Obwohl ich schwach bin, siehst du nicht den S├╝nder, sondern nur dein geliebtes Kind. Lass mich in deine Arme laufen und wagen, in deine Augen zu blicken, um dich zu sehen, wie du wirklich bist.

Vorsatz: Wenn ich mir heute selbst den Vorwurf mache, dass ich nicht gut genug sei, stelle ich mich unter den liebenden Blick des Vaters, der immer die Anstrengung seiner Kinder sieht.


Unter dem Blick Gottes

6. Juni 2020

Samstag der neunten Woche im Jahreskreis
Hl. Norbert von Xanten OPraem, Bischof und Ordensgr├╝nder

Br. Raphael Meyer LC

Mk 12,38-44
In jener Zeit lehrte Jesus eine gro├če Menschenmenge und sagte: Nehmt euch in Acht vor den Schriftgelehrten! Sie gehen gern in langen Gew├Ąndern umher, lieben es, wenn man sie auf den Stra├čen und Pl├Ątzen gr├╝├čt, und sie wollen in der Synagoge die vordersten Sitze und bei jedem Festmahl die Ehrenpl├Ątze haben. Sie bringen die Witwen um ihre H├Ąuser und verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete. Aber umso h├Ąrter wird das Urteil sein, das sie erwartet. Als Jesus einmal dem Opferkasten gegen├╝bersa├č, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen. Viele Reiche kamen und gaben viel. Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine M├╝nzen hinein. Er rief seine J├╝nger zu sich und sagte: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem ├ťberfluss hergegeben; diese Frau aber, die kaum das N├Âtigste zum Leben hat, sie hat alles gegeben, was sie besa├č, ihren ganzen Lebensunterhalt.

Einf├╝hrendes Gebet: Himmlischer Vater, hilf mir, nur unter deinem liebenden Blick zu leben, der nicht verurteilt und einengt, sondern mich frei macht.

Bitte: Lass mich erkennen, was du siehst, wenn du mich anblickst.

1. Unter dem Blick der Menschen. Die Pharis├Ąer wollen st├Ąndig gesehen werden und m├╝ssen somit die eigenen Erwartungen und die der anderen immer erf├╝llen, um sich selbst gerecht zu werden. Daran messen sie, ob sie gut sind und ob Gott zufrieden mit ihnen ist. Wenn sie viel leisten und alles perfekt machen, meinen sie, dass sie gerecht sind. Der Blick des Vaters aber ruht nicht mit Wohlwollen auf uns, weil wir uns einen Platz als seine Kinder verdient haben, sondern weil er uns geschaffen hat. Deshalb sind wir seine Kinder. Das ist das Fundament unserer Identit├Ąt: Wir sind von ihm her. Wir sind also nicht Kinder Gottes, weil wir Regeln befolgen und viel f├╝r ihn tun, sondern weil er uns vom Nichts ins Dasein hineingeliebt hat.

2. Unter dem Blick des Vaters. Die Witwe lebt unter dem Blick Gottes. Sie sch├Ąmt sich nicht, ihre Armut zu zeigen ÔÇô und somit ihre Schw├Ąche und Verwundbarkeit. Sie sorgt sich nicht darum, was andere ├╝ber sie denken, sondern lebt authentisch ihr Leben als Tochter des Vaters. Sie wei├č, dass der Vater sie mit Freude ansieht, da ihre Gabe, ganz gleich, wie klein sie ist, aus einem liebenden Herzen kommt. Sie muss sich nicht das Wohlwollen Gottes erkaufen. Sie gibt nicht, weil sie muss, sondern aus Dankbarkeit.

3. Freiheit als Kind Gottes. In unserer Beziehung zu Gott m├╝ssen wir vom Pharis├Ąer zur Witwe werden. Der Unterschied zwischen den beiden Personen ist, dass der Pharis├Ąer aus Furcht, nicht gerecht zu sein, gibt. Die Witwe hingegen aus Dankbarkeit und zur Ehre Gottes. Sie hat verstanden, dass die Liebe des Vaters kostenlos ist und dass sie sich diese nicht erkaufen kann. Sie hat verstanden, wer sie ist: Tochter des Vaters, Lieblingskind, jemand, auf den der Vater mit Liebe schaut.

Gespr├Ąch mit Christus: Vater, lass mich genau wie Jesus wissen, dass ich dein geliebtes Kind bin und das du an mir dein Wohlgefallen hast.

Vorsatz: Heute m├Âchte ich nicht unter dem Blick der anderen leben, sondern nur unter dem Blick Gottes.