Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 15. März 2020 bis Samstag 21. März 2020

Dritter Woche in der Fastenzeit

P. Klaus Einsle LC

Jesus: So menschlich und doch so besonders!Sonntag
Macht und Wahrheit im gĂĽtigen HerrnMontag
Wer vergibt, der heilt und wir geheiltDienstag
Wer das Gesetz hält, bekommt reichen LohnMittwoch
Was wir von Josef (und Maria) lernen könnenDonnerstag
Sein Lieblingsthema: die LiebeFreitag
Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöhtSamstag


Jesus: So menschlich und doch so besonders!

15. März 2020

Dritter Fastensonntag (Oculi)
Hl. Clemens Maria Hofbauer, Ordenspriester, Stadtpatron von Wien

P. Klaus Einsle LC

Joh 4,5-42
In jener Zeit kam Jesus zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken! Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern. Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben. Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden? Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt. Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen. Er sagte zu ihr: Geh, ruf deinen Mann, und komm wieder her! Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann. Jesus sagte zu ihr: Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann. Denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt. Die Frau sagte zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss. Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten. Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte - Christus. Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden. Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht. Inzwischen waren seine Jünger zurückgekommen. Sie wunderten sich, dass er mit einer Frau sprach, aber keiner sagte: Was willst du?, oder: Was redest du mit ihr? Da ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen, eilte in den Ort und sagte zu den Leuten: Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias? Da liefen sie hinaus aus dem Ort und gingen zu Jesus. Währenddessen drängten ihn seine Jünger: Rabbi, iss! Er aber sagte zu ihnen: Ich lebe von einer Speise, die ihr nicht kennt. Da sagten die Jünger zueinander: Hat ihm jemand etwas zu essen gebracht? Jesus sprach zu ihnen: Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu Ende zu führen.

EinfĂĽhrendes Gebet: Gott, ich glaube an dich. Du bist da und schaust liebevoll auf mich. Gott, ich hoffe auch dich. Du gibst mir alles, was ich fĂĽr mein Leben und mein ewiges Heil notwendig habe.Gott, ich liebe dich. Lass meine kleine Liebe zu dir wachsen.

Bitte: Lehre mich, dich und mich selber tiefer zu verstehen.

1. Jesus ist mĂĽde und hat Durst. Wir ĂĽbersehen oft, dass Gott in Menschengestalt auch menschliche BedĂĽrfnisse hat. Jesus ist mĂĽde, hat Durst. Er freut sich an einem guten Gespräch, an Begleitung. Wie schön ist es, Jesus hin und wieder im Gebet zu trösten. Oder ihm eine MĂĽhe, die ich erfahre, aufzuopfern und sie ohne Jammern zu ertragen, einfach um ihm ein Geschenk zu machen.

2. Jesus geht tiefer als wir. Ein frommer Pharisäer hätte in der Frau nur jemanden gesehen, der sĂĽndig ist und die Begierde der Männer weckt. Jesus blickt durch den ersten Anschein der Dinge hindurch. Er durchbricht mit seinem Blick die HĂĽlle und schaut in die Tiefe. Da ist eine Frau, die als Mädchen sicher verletzt wurde. Und jetzt sehnt sie sich nach echter Beziehung, nach Liebe und Zuneigung. Sie stillt dieses BedĂĽrfnis auf ungute Art und Weise. Ja, sie sĂĽndigt. Aber Jesus sieht das BedĂĽrfnis und die Person. Und dort setzt er an. Es geht ihm um tiefe Angelegenheiten des Inneren.

3. Jesus bringt Heilung. Da es Jesus als Hirte und Arzt um die tiefen Dinge geht, kann er dort auch Heil(ung) bringen. Die Frau erlebt einen inneren Wandel hin zur ErfĂĽllung ihrer wahren – nicht ihrer verfehlten – SehnsĂĽchte. Gott stillt unsere HerzensbedĂĽrfnisse. Wenn wir ihm die Tiefe öffnen, sie mit ihm gemeinsam in uns entdecken.

Gespräch mit Christus: Sprich in deinem Innern mit Gott. Er ist anwesend, mitten in deiner Seele und deinem Geist.

Vorsatz: Ich werde heute eine Situation oder ein Erlebnis/Ereignis mit dem Herrn vertiefen und versuchen, es aus seiner Sicht heraus zu sehen.


Macht und Wahrheit im gĂĽtigen Herrn

16. März 2020

Montag der dritten Woche in der Fastenzeit

P. Klaus Einsle LC

Lk 4,24-30
In jener Zeit begann Jesus in der Synagoge in Nazaret darzulegen:Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam. Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon. Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman. Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen. Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, lehre mich beten. Ich will dich finden, die Wahrheit entdecken und im Licht dieser Wahrheit aufblĂĽhen. Mache mich wahrhaftig und gut, so wie du es bist.

Bitte: Ich bitte fĂĽr alle Menschen in der Kirche, die die Suche nach dir aufgegeben haben und verkehrte Wege gehen oder mĂĽde geworden sind. Erneuere sie.

1. Jesus in seinem Dorf. Es ist nicht einfach, in seinem eigenen Dorf, dort, wo alle einen kennen, den Glauben zu leben oder sogar zu verbreiten. Die einen halten das fĂĽr lächerlich, die anderen haben kein Interesse. Auch bei Jesus war es so. Aber er zieht sich nicht in ein inneres Schneckenhaus zurĂĽck. In sich hat er einen Felsen, an dem er immer und ĂĽberall Halt findet – so erfährt er es: sein himmlischer Vater und dessen Ehre. Zu seiner Ehre handelt Jesus. Es geht ihm nicht darum anzukommen; gut dazustehen; die Lacher auf seiner Seite zu haben. Oft suchen wir Menschen so etwas. Jesus geht es um Gott, und um das Wohl der Menschen.

2. Jesus und die Wahrheit. Zur Wahrheit zu stehen, die Wahrheit zu sagen, bei der Wahrheit zu bleiben, ist heute extrem herausfordernd. So vieles wird relativiert. Wahrheit ist fast wie eine Beleidigung. Aber ohne Wahrheit können wir nicht leben.Jesus verkĂĽndet in der Synagoge von Nazaret die Wahrheit. Und einige Leute wollen sie nicht hören. Aber darin liegt die Stärke Jesu: die Wahrheit ist ihm wichtiger als die Meinung der anderen. Es ist eine Wahrheit in Liebe, aber auch in Klarheit – und begrĂĽndet. Wie stehst du zur Wahrheit in deinem Alltag – am Arbeitsplatz, in der Uni, zuhause in der Familie, unter Freunden. Wie viele Gesichter hast du? Das fromme, das coole, das weltliche? Oder nur eines? Das der Echtheit?

3. Jesus und seine Macht. Beeindruckend, dass Jesus „mitten durch die Menge schritt“. Immer wenn ich solche Begegnungen betrachte und sie mir vorstelle, spĂĽre ich, wie aus dem sanften und guten Jesus eine unglaubliche Kraft und Ăśberzeugung ausstrahlt – so sehr, dass die Starken vor ihr schwach werden. Niemand hält ihn auf, niemand stellt sich ihm in den Weg. Sein Blick, sein Gesicht, sein ganzer Körper wird imposant und machtvoll. Kann ich in Klarheit zu mir stehen, so dass ich Ausstrahlung habe? Oder lebe ich eher wie ein Fähnchen im Wind, das zwar ĂĽberall dazu gehört, aber leider wenig zu sagen hat, wenig „Botschaft in sich hat“?

Gespräch mit Christus: Denk du in mir, o Jesus, dann denk ich licht und klar.Sprich du durch mich, o Jesus, dann sprech ich mild und wahr.Wirk du in mir, o Jesus; gesegnet ist mein Tun.Gesegnet meine Arbeit, gesegnet auch mein Ruh´n.Durchdring mein ganzes Wesen.ErfĂĽll´ mein ganzes Sein, dass man in mir kann lesendie groĂźe Liebe dein.Mach, dass ich hier auf Erdendurch deiner Gnad´ Gewalt kann allen alles werden.Herr, werd´ in mir Gestalt.

Vorsatz: Ich werde heute einmal mit klarer Stimme eine Wahrheit aussagen, von der ich denke, dass sie vielleicht nicht so gut ankommt.


Wer vergibt, der heilt und wir geheilt

17. März 2020

Dienstag der dritten Woche in der Fastenzeit
Hl. Gertrud von Nivelles, Ă„btissin
Hl. Patrick, Bischof

P. Klaus Einsle LC

Mt 18,21-35
In jener Zeit trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal. Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen. Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war. Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen. Da fiel der Diener vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen. Der Herr hatte Mitleid mit dem Diener, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld. Als nun der Diener hinausging, traf er einen anderen Diener seines Herrn, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und rief: Bezahl, was du mir schuldig bist! Da fiel der andere vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen. Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe. Als die übrigen Diener das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war. Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich so angefleht hast. Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte? Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe. Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt.

EinfĂĽhrendes Gebet: Mein guter Gott, heute komme ich zu dir. Ich will dich mehr lieben, besser kennen, dir treuer dienen. Segne mein Gebet und schenke mir Gnade.

Bitte: Ich will dir dieses Gebet aufopfern fĂĽr mich und meine Familie. Segne uns und fĂĽhre uns auf unserem Lebensweg, auch wenn der manchmal dornig oder schwer ist.

1. Wie wichtig Vergebung ist. In so vielen Gesprächen und mit so vielen Menschen, die ich begleiten durfte, habe ich gelernt, welche Hindernisse im Herzen das „Nicht-Vergeben“ aufbaut. Und wie diese Hindernisse oft schmelzen und niedergerissen werden, wenn ein Mensch vergeben kann. Ganz oft folgt dann Heilung, Frieden und Freude.Daher legt Jesus so viel Wert auf Vergebung. Wie oft sollen wir vergeben? IMMER. Weil Vergebung Beziehungen wieder heilt, und weil sie unser Inneres heilt. Dazu ist der Herr gekommen, um das Heil zu bringen. Indem wir vergeben, machen wir dabei mit.

2. Was Vergebung eigentlich bedeutet. Vergeben beinhaltet vier Schritte, die alle wichtig sind.1) Ich erkenne die Schuld der Person an, die mich verletzt hat und relativiere nicht. (Du hast mich verletzt und das hat in mir seine negativen Folgen gehabt)2) Ich bin mir der Folgen dieser Schuld des Anderen sehr bewusst. (Ich leide weiterhin darunter, dass du mich verletzt hast)3) Ich entscheide mich dafĂĽr, dass ich das Wohl des Anderen will. (Ich will dir nicht schaden, will keine Rache; sondern ich will, dass du gedeihen kannst)4) Ich vergebe und spreche es aus. (Daher vergebe ich dir deine Tat und lasse dich in Freiheit ziehen)

3. Wer wir vor Gott sind. Jesus motiviert uns zur Vergebung, indem er uns aufzeigt, dass Gott uns als erster vergeben hat. Ob wir es wissen oder nicht: durch die SĂĽnde haben wir die Liebe und den Plan Gottes verletzt. Er leidet darunter und trägt diese Folgen. Aber Jesus vollzieht und spricht zu uns genau die vier Schritte der Vergebung (am Kreuz): Du hast mich verletzt und bist schuldig. Ich leide darunter. Ich trage die Folgen. Aber da ich dich liebe, will ich, dass du wachsen und gedeihen kannst. Daher vergebe ich dir und lasse dich in die Freiheit gehen.

Gespräch mit Christus: Herr, ich habe oft gesĂĽndigt. Manchmal, ohne es zu wissen; manchmal, obwohl ich es nicht wollte; und manchmal mit vollem Bewusstsein. Ich habe keine Ausrede. Ich bitte dich einfach um Verzeihung und hoffe darauf, weil du so gut bist. Ich danke dir fĂĽr deinen Liebe und GĂĽte. Schenke auch mir ein gĂĽtiges Herz, das vergeben kann: tausend Mal.

Vorsatz: Ich werde mich diese Woche gut vorbereiten und eine gute Beichte ablegen.


Wer das Gesetz hält, bekommt reichen Lohn

18. März 2020

Mittwoch der dritten Woche in der Fastenzeit
Hl. Cyrill von Jerusalem, Bischof, Kirchenlehrer

P. Klaus Einsle LC

Mt 5,17-19
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich.

EinfĂĽhrendes Gebet: Mein guter Herr, danke, dass du dir jetzt Zeit fĂĽr mich nimmst. Ich will ganz da sein, um dir zu begegnen. Ich schenke dir alle meine Gedanken, auch die, die mich ablenken wollen. Ich freue mich, bei dir zu sein. Denn du bist wunderbar, so liebevoll und so klar. Danke. Danke. Danke.

Bitte: Herr, lass mich bekennen: Dein Joch ist sanft und deine Last ist leicht!

1. Ich bin gekommen, um zu erfĂĽllen. Ob so manche Kirchenreformer von heute diese Bibelstelle schon gelesen haben? Manchmal wundere ich mich, mit wie viel Oberflächlichkeit wesentliche Wahrheiten des Glaubens einfach ĂĽber Bord geworfen oder als „geschichtlich ĂĽberholt“ betrachtet werden. Dabei ist Jesus oft sehr klar. Und er sagt es noch einmal: Das Gesetz wird nicht vergehen. Ich hebe nicht auf. Ich erfĂĽlle es und gebe ihm die wahre Bedeutung. Unsere Aufgabe von heute ist nicht, das Gesetz zu verwässern, sondern es in seiner Tiefe zu begreifen, zu leben und weiterzugeben.

2. Das Gesetz wird nicht vergehen. Das Gesetz – die Grundgebote, also die 10 Gebote – werden nicht vergehen. Sie können nicht vergehen. Warum: weil sie der Natur des Menschen entsprechen; weil sie in sein Wesen eingeschrieben sind. Daher wird dieses Gesetz auch „natĂĽrliches Sittengesetz“ genannt – weil es zu unserer Natur als Mensch gehört und wir es mit unserer Vernunft erkennen können.Es wird niemals gut sein, einen unschuldigen Menschen zu töten oder zu quälen. Es wird niemals gut sein, jemanden durch Unwahrheit hinter das Licht zu fĂĽhren. Es wird niemals gut sein, den Besitz eines anderen mutwillig zu rauben oder zu zerstören. Es wird niemals gut sein, eine gĂĽltig und freiwillig geschlossene Ehe aufzulösen… Insofern wird das Gesetz nicht vergehen!

3. Wer die Gebote hält, wird groĂź sein. Das ist eine schöne VerheiĂźung. Wir werden nicht um unseren Lohn kommen, wenn wir Gott ehren und ihm treu sind. Das sagt Jesus nicht nur einmal, sondern viele Male „…freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groĂź sein“, „hier das Hundertfache und dort das ewige Leben“. Die MĂĽhe lohnt sich.

Gespräch mit Christus: Gott, um in der Welt von heute zu deinen Geboten zu stehen und sie zu halten, bedarf ich einer besonderen Kraft. Gib mir bitte deinen heiligen Geist, der mir Licht und Kraft schenkt. Gemeinsam mit dir kann ich es schaffen. Ohne dich bin ich hilflos.

Vorsatz: Ich nehme mir heute vor, folgendes Gebot besonders gut zu halten…


Was wir von Josef (und Maria) lernen können

19. März 2020

Donnerstag der dritten Woche in der Fastenzeit
Hl. Josef, Bräutigam der Gottesmutter
Hochfest

P. Klaus Einsle LC

Lk 2,41–51a
Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem. Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach. Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der Knabe Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten. Sie meinten, er sei in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten nach ihm. Da geschah es, nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten. Als seine Eltern ihn sahen, waren sie voll Staunen und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, warum hast du uns das angetan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen gesagt hatte. Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam.

EinfĂĽhrendes Gebet: Mein Herr und mein Gott:Gib alles mir, was mich fördert zu dir.Nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.Nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir. (Nikolaus von FlĂĽe)

Bitte: Schenke mir mehr Selbstbewusstsein.

1. Welch treue Eltern! Josef, dessen Fest wir heute feiern, und Maria gehen jedes Jahr in aller Treue nach Jerusalem zum Paschafest. Das ist nicht selbstverständlich. Das bedeutet MĂĽhe, Anstrengung, andere Pläne loslasssen, Gehorsam, religiöse PflichterfĂĽllung. Es wäre leicht, auch mal Nein zu sagen; zu tun, worauf sie „Lust haben“, mal „an sich zu denken“ usw. Aber in Josef und Maria sehen wir zwei sehr reife Menschen. Sie haben sich eine kindliche und lebendige Freude bewahrt, aber sie stehen zu ihren Pflichten, ihren Verantwortungen und zu Gott. Was fĂĽr ein schönes Beispiel fĂĽr unser Leben: in Freude den Willen Gottes zu tun – so wie der stille Mann Josef.

2. Welch freie Eltern! Ich wundere mich – bei den Eltern von heute – immer wieder ĂĽber Maria und Josef. Sie mĂĽssen Jesus den ganzen Tag allein gelassen haben, bei den Freunden, bei bekannten Familien. Sonst hätten sie doch sofort gemerkt, dass er nicht da ist. Aber nein: Keine Spur von „Helikoptereltern“, besorgten MĂĽttern, gluckenden Hennen, die auf den Kindern sitzen. Das zeugt von viel Gottvertrauen und innerer Freiheit (hier war es sicher keine Nachlässigkeit). Schön zu sehen, wenn Eltern ihren Kindern auch etwas zutrauen können, nicht ständig an ihnen „kleben“, sie schon frĂĽh in eine gesunde Eigenständigkeit fĂĽhren.Das gilt ĂĽbrigens auch fĂĽr Beziehungen zwischen Verliebten. Ein gutes MaĂź an Freiheit und Individualität ist gesund und wichtig. Wenn man zu sehr aneinander „klebt“, geht das auf Dauer nicht gut. Lernen wir von Maria und Josef innere Freiheit.

3. Welch gĂĽtige Eltern! Maria und Josef sorgen sich und suchen Jesus. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Maria hysterisch wird, Josef herumschreit und die Welt um sie herum an allem schuld ist.Und als sie Jesus – wohlgemerkt erst am dritten Tag – finden (welche Schmerzen muss Maria ausgestanden haben!), da kommen schmerzvolle, aber gĂĽtige Worte ĂĽber die Lippen der Mutter: „Kind, warum hast du uns das angetan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht.“ Keine Wut, kein Zorn, keine emotionale Erpressung durch beleidigt sein, VorwĂĽrfe, Schläge usw. Wie viel Selbstkontrolle mĂĽssen die beiden besitzen, wie tugendstark mĂĽssen sie sein. Was fĂĽr beeindruckende Menschen, die ihren eigenen Schmerz hintanstellen können und in GĂĽte reagieren.

Gespräch mit Christus: Jesus, sanft und demĂĽtig von Herzen, bilde mein Herz nach deinem Herzen.

Vorsatz: Ich werde heute einmal bewusst besonders gĂĽtig agieren, auch wenn ich lieber Wut oder Frust ablassen wĂĽrde.


Sein Lieblingsthema: die Liebe

20. März 2020

Freitag der dritten Woche in der Fastenzeit

P. Klaus Einsle LC

Mk 12,28b-34
In jener Zeit ging ein Schriftgelehrter zu Jesus hin und fragte ihn: Welches Gebot ist das Erste von allen? Jesus antwortete: Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden. Da sagte der Schriftgelehrte zu ihm: Sehr gut, Meister! Ganz richtig hast du gesagt: Er allein ist der Herr, und es gibt keinen anderen außer ihm, und ihn mit ganzem Herzen, ganzem Verstand und ganzer Kraft zu lieben und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, ist weit mehr als alle Brandopfer und anderen Opfer. Jesus sah, dass er mit Verständnis geantwortet hatte, und sagte zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und keiner wagte mehr, Jesus eine Frage zu stellen.

EinfĂĽhrendes Gebet: Vater, du hast die Herzen deiner Gläubigen durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes gelehrt. Gib, dass wir in diesem Geist erkennen, was Recht ist und allezeit seinen Trost und seine Hilfe erfahren.

Bitte: Komm, Heiliger Geist, – sei jetzt bei mir und lehre mich.

1. Klarheit tut gut. Immer wieder, wenn ich im Evangelium lese, fasziniert mich diese einfache Klarheit in Jesu Gedanken und Worten. Er selber sagt „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein.“ Und so lebt er. Das kann man nur, wenn man nicht bei den Menschen ankommen will oder deren Anerkennung sucht. Denn sonst redet man ihnen oft nach dem Mund. Jesus tut das nie. NIE! Dadurch wird seine Botschaft so klar, kristallklar, schön und verständlich. Diese Klarheit in der Wahrheit tut einfach gut. Wie redest du? Um den heiĂźen Brei herum? Oder schweigst du, weil die anderen anders denken? Strahlst du Klarheit aus?

2. Die Liebe ist alles. Und was sagt Jesus? Es geht um sein Lieblingsthema: die Liebe. Das ist sein Thema, weil er die Liebe in Person ist. „Gott ist die Liebe“. Und wir sind nach seinem Abbild geschaffen. Also nach dem Abbild der Liebe. Darum ist die Liebe auch unser wichtigstes Thema. Das ist theologisch so, aber auch in Wirklichkeit. Wir Menschen kreisen eigentlich in allem, was wir tun, darum, geliebt zu werden und zu lieben. Jesus bestätigt: die Liebe ist das Wichtigste, was es in unserem Leben gibt. Das höchste und erste Gebot.Und was ist Liebe? Wer jemandem gĂĽtiges Wohlwollen und Wohltaten schenkt, ohne dass er es verdient hat, liebt. Mit anderen Worten: Liebe besteht darin, „dem anderen aus gutem Herzen heraus Gutes zu tun.“ Gott will uns dazu immer mehr befähigen, indem er uns genau diese Liebe selber schenkt.

3. Gott und Mensch gehören zusammen. Ich finde es beeindruckend, dass Jesus Gott und Mensch beim Gebot der Liebe auf eine Stufe stellt. „Dies ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite…“ Gott lieben und die Menschen lieben gehört zusammen. Eines ohne das andere ist unvollkommen. Nur Gott lieben, aber nicht die Menschen, geht einfach nicht. Nur die Menschen lieben ohne Gott, ist unvollständig. Diese Aussage und Forderung Jesu bringt uns dazu, im Alltag ganz echt zu werden. Gott lieben – besonders im Gebet, im Gottesdienst, im Inneren. Den Nächsten lieben in Familie, Gesellschaft, Arbeit, Verantwortungen usw. Beides gehört fĂĽr uns Christen zusammen. In beidem sollen wir beständig wachsen und „besser“ werden.

Gespräch mit Christus: Herr, wieder offenbarst du mir auf so beeindruckende Weise dein Inneres und damit die Wahrheit. Lehre mich, diese Wahrheit immer tiefer in mich eindringen zu lassen und im Alltag zu leben. Einfach, klar und ohne Zweideutigkeiten. Koste es, was es wolle. Ich weiĂź, darin liegt der Friede, den du uns hinterlassen willst.

Vorsatz: Ich werde heute in einem Gespräch schlicht und einfach zur Wahrheit stehen, wenn das Gespräch darauf gelenkt wird. Ich werde nicht kneifen.


Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht

21. März 2020

Samstag der dritten Woche in der Fastenzeit

P. Klaus Einsle LC

Lk 18,9-14
In jener Zeit erzählte Jesus einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, dieses Beispiel: Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens. Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

EinfĂĽhrendes Gebet: Komm, Heiliger Geist. ErfĂĽlle die Herzen deiner Gläubigen, und entzĂĽnde in ihnen das Feuer deiner Liebe.

Bitte: Gott, lehre mich, was im Leben wirklich wichtig ist. Lehre mich, was vor dir Bestand hat. Lehre mich, dich besser zu kennen und mich nach dir auszustrecken.

1. Der Pharisäer. Die Personen im Evangelium drĂĽcken etwas vom Herzen aller Menschen aus. Sowohl der Pharisäer als auch der Zöllner. Der Pharisäer ist ein ErfĂĽller von Vorgaben. Er ist stolz und bildet sich ein, dass er durch seine guten Taten das Lob Gottes verdient hat. Aber vor allem ist er arrogant, schaut mit Verachtung auf den anderen herab. Weil der „schlechter“ ist. Das ist wohl das Negativste an ihm. Man beachte, dass er alle Gesetze und Gebote streng befolgt. Aber: Er liebt nicht. Und er bildet sich etwas auf seine Treue ein. Das kann vor Gott nicht bestehen.

2. Der Zöllner. Der Zöllner ist wohlhabend. Er lebt immer wieder in Saus und Braus. Ausschweifungen gehören durchaus zu seinem Leben. Und Ungerechtigkeit. Er zieht schon mal mehr Steuern ein, als er eigentlich sollte. Er verachtet die gesetzestreuen Juden, und sie ihn. Ihm ist das Geld wichtig. Von Gott hat er nicht viel Ahnung.Aber: Er steht im Tempel berĂĽhrt von einem Hauch von Wahrhaftigkeit: „Ich bin ein SĂĽnder.“ Und er spĂĽrt, dass Gott so viel höher steht und dass der Mensch vor Gott einfach klein und unbedeutend ist. Diese Wahrheit rechtfertigt ihn.

3. Gott. Gott ist der Unendliche. Der Absolute. Der Unerreichbare. Der ganz Reine. Der Heilige. Der Allmächtige. Der Allwissende. Der ganz Barmherzige. Der Vollkommene. Die Liebe in Person.FĂĽr Gott sind wir Menschen, egal wie gut oder schlecht, zuerst einmal SĂĽnder und unvollkommen. Extrem unvollkommen im Vergleich zu ihm. Niemand kann vor ihm „angeben“ und zeigen, wie toll er ist. Denn letztlich liegt in unserem Handeln doch fast immer viel Selbstbezogenheit und Selbstgerechtigkeit. Das macht uns vor Gott sĂĽndig. Daher ist es fĂĽr ihn wahrhaftiger, wenn wir sagen: „Ich bin ein SĂĽnder“, als wenn wir meinen: „Ich mache es gut“. Dieser himmelweite Unterschied zwischen Gottes Vollkommenheit und perfekter Liebe und unserer groĂźen Unvollkommenheit und SĂĽnde macht alle Menschen vor Gott gleich.

Gespräch mit Christus: Herr, mach mein Herz demĂĽtiger vor dir und vor anderen.

Vorsatz: Ich will mir Zeit nehmen, um Gott einige Minuten Anbetung darzubringen.