Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 24. November 2019 bis Samstag 30. November 2019

Vierunddreißigste Woche im Jahreskreis

Dr. Thomas Mayer

Heilbringende Königsherrschaft auf dem KreuzesthronSonntag
Bring Gott immerfort dein Herzensopfer dar!Montag
Gottvertrauen trotz VergÀnglichkeit und Katastrophen auf ErdenDienstag
Mit Christus standhaft und geduldig in der BedrÀngnisMittwoch
Mit dem Heiland im Herzen kann uns nichts erschreckenDonnerstag
In Jesu’ Offenbarung ist uns das Reich Gottes naheFreitag
Christen als Fischer von Menschen, die im Dunkel des Weltenmeeres Gott nicht finden könnenSamstag


Heilbringende Königsherrschaft auf dem Kreuzesthron

24. November 2019

Vierunddreißigster Sonntag im Jahreskreis
Christkönigssonntag
Hl. Andreas Dung-Lac, Priester und GefÀhrten MÀrtyrer

Dr. Thomas Mayer

Lk 23,35-43
In jener Zeit verlachten die fĂŒhrenden MĂ€nner des Volkes Jesus und sagten: Andere hat er gerettet, nun soll er sich selbst retten, wenn er der Christus Gottes ist, der ErwĂ€hlte. Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin, reichten ihm Essig und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann rette dich selbst! Über ihm war eine Aufschrift angebracht: Das ist der König der Juden. Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Christus? Dann rette dich selbst und auch uns! Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fĂŒrchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn fĂŒr unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst! Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus Christus, König der Könige, König aller Herzen, erbarme dich meiner. Ich danke dir, dass du, um der göttlichen Gerechtigkeit GenĂŒge zu tun, meine SĂŒnden durch dein bitteres Leiden gesĂŒhnt hast.

Bitte: Mein Herr und mein Gott, hilf mir dir, dem gekreuzigten König, nachzufolgen, mein Kreuz in hingebungsvoller Liebe zu tragen, meine schlechten Neigungen abzutöten und, selbstlos wie du, Gott und meinen Mitmenschen zu dienen.

1. Der göttliche König, ausgelacht, verspottet, verhöhnt? Christus ist der allmĂ€chtige König des Himmels und der Erde, aber er lĂ€sst sich von den fĂŒhrenden MĂ€nnern seines auserwĂ€hlten Volkes auslachen, von den heidnischen Römern verspotten und von einem mitgekreuzigten Verbrecher verhöhnen, ohne im Geringsten seine unendliche Liebe zu seinen Peinigern einzuschrĂ€nken: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Warum? ZunĂ€chst, weil er unsere Freiheit achtet. Wir können uns auch gegen ihn entscheiden, was ihm, weil er uns unendlich liebt, mehr Schmerzen verursacht als die rein physischen seiner Passion. Dann aber auch, weil er stets ein gĂŒtiger und von Herzen demĂŒtiger König ist, der „nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld fĂŒr viele.“ (Mk 10,45) So ist sein Thron zunĂ€chst die armselige Krippe im ungastlichen Bethlehem, wo er nur von den armen Hirten und wenigen Heiden aus fernen LĂ€ndern als König aufgenommen worden ist. Unser Christkönig ist auf der Flucht nach Ägypten und fĂŒhrt nach dem Exil ein unscheinbares alltĂ€gliches Leben in Josefs Werkstatt, aber alles hat er gut getan, was er mit vollkommener Liebe und Demut zu unserem Heil dem Vater aufgeopfert hat. Sein reines, vollkommenes Heilsopferleben vollendete dieser wahre König, als er seinen Thron bestieg, das Kreuz, unser Heil.

2. Im Kreuz ist Heil. Elendig und hilflos war der Verbrecher, dessen Name „Dismas“ uns ĂŒberliefert ist. Dismas war so angerĂŒhrt und fasziniert von der wahrhaft majestĂ€tischen WĂŒrde und Liebeskraft des Manns der Schmerzen, dass er seine SĂŒnden und Verbrechen zutiefst bereute, seine eigene Hinrichtung als gerechte Strafe und Jesu Königsherrschaft als heilbringende anerkennen konnte: „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ Wie immer gab Jesus denen, die ihm Liebe zeigten, weit mehr als sie erhofften: Statt eines Gedenkens erhĂ€lt er einen Platz im Himmel; es war die Heiligsprechung eines Verbrechers, dessen Liebe zu Jesus im Sterben sehr groß gewesen sein muss. Der Mensch kann die unendliche Barmherzigkeit Gottes einem Verbrecher gegenĂŒber nicht fassen: „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ Wie tröstlich fĂŒr uns: Der gekreuzigte „Herrscher ĂŒber die Könige der Erde (Offb 1,5)“ erwartet nichts anderes von uns Menschen als Glaube und Liebe.

3. Das Reich Gottes. Das paradiesische Reich Christi, das Dismas mit Jesus noch am Tag seiner Hinrichtung betreten durfte, ist das endgĂŒltige Geschenk des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Dieses im Laufe der ganzen Heilsgeschichte gereifte Geschenk ist das Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes zu den Menschen. Christus grĂŒndet sein Reich nicht auf Eroberung, sondern auf seine FĂŒrsorglichkeit als guter Hirt, der sein Leben fĂŒr seine verirrten und von Wölfen bedrohten Schafe hingibt. Die Merkmale des Königtums Christi, an dem wir teilhaben und das wir durch unsere Kreuzesannahme ausbreiten helfen sollen, finden wir in der PrĂ€fation der heutigen hl. Messe: „Wenn einst die ganze Schöpfung seiner Herrschaft unterworfen ist, wird er dir, seinem Vater, das ewige, alles umfassende Reich ĂŒbergeben: das Reich der Wahrheit und des Lebens, das Reich der Heiligkeit und der Gnade, das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens.“

GesprĂ€ch mit Christus: Herr Jesus, sei stets König meines Herzens und lass nicht zu, dass ich mich von deiner milden und heilbringenden Königsherrschaft trenne.

Vorsatz: Ich will auf Beleidigungen, ZurĂŒcksetzungen, Kritik oder gar spöttisches Verhalten bezĂŒglich meiner Person nicht mit bösartigen Gedanken und Verhaltensmustern reagieren, sondern mit Liebe und Gebet.


Bring Gott immerfort dein Herzensopfer dar!

25. November 2019

Montag der vierunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Katharina von Alexandrien, Jungfrau, MĂ€rtyrin

Dr. Thomas Mayer

Lk 21,1-4
In jener Zeit sah Jesus, wie die Reichen ihre Gaben in den Opferkasten legten. Dabei sah er auch eine arme Witwe, die zwei kleine MĂŒnzen hineinwarf. Da sagte er: Wahrhaftig, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr hineingeworfen als alle anderen. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss geopfert; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat ihren ganzen Lebensunterhalt hergegeben.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr Jesus, verzeih mir bitte, dass ich mein Geld mitunter fĂŒr ĂŒberflĂŒssige Dinge ausgebe.

Bitte: Mein Herr und mein Gott, schenke mir ein neues Herz, das mit liebender Hingabe fĂŒr dich und meine Mitmenschen Opfer bringt.

1. Herzensopfer. Bis zur Zerstörung Jerusalems 70 n. Chr. wurden im Tempel Speiseopfer (Mehl, Öl, Ähren, Brot) oder Tieropfer meist zur SĂŒhne dargebracht. FĂŒr uns Katholiken sind diese Opfer durch das eine Kreuzesopfer des wahren Lammes Gottes abgelöst und vollendet worden. Auch Almosen oder Spenden sollten mit einer von Herzen kommenden Opfergesinnung verbunden sein, wenn sie Gott gefallen sollen. Christus sieht in unser Herz: Er bittet uns, die von Herzen kommende Hingabe jener armen Witwe, die mit den kleinen MĂŒnzen ihren ganzen Lebensunterhalt hergegeben hat, als vorbildhaft fĂŒr alle Menschen, ob reich oder arm, zu erkennen.

2. Christus, Priester und Opfer fĂŒr uns. Das sĂŒhnende Werk (meist Opfer), mit dem sĂŒndige Menschen Gott (oder die Götzen) versöhnen und gnĂ€dig stimmen wollen, ist ein zentraler Aspekt der gesamten Geschichte der Religionen. Doch mit der Fleischwerdung des Wortes Gottes scheint sich dies umzukehren: Nicht der Mensch geht zu Gott, um ihm eine ausgleichende Gabe zu bringen, sondern Gott kommt in Christus zum Menschen, um ihn durch sein Kreuz als vollkommenes, unendlich wirksames SĂŒhneopfer mit Gottvater zu versöhnen.

3. In die Welt gesandt, um Christi Hingabe nachzuahmen. Auch in der ordentlichen Form des Römischen Ritus entlĂ€sst uns der Priester aus der hl. Messfeier in lateinischer Sprache mit einem „Ite, missa est!“ Ist mit dem „Gehet hin in Frieden“ auch der Inhalt des Wortes „missa“ wiedergegeben? Wir sollten uns bei dieser Entlassformel das „gesendet sein von Christus“ mitdenken. Wir werden nĂ€mlich von dem Lamm Gottes gesandt, um durch unser Lebenszeugnis die Hingabe Christi mitten in der Welt zu verwirklichen. Wie schön ist es, nach dem Aufstehen Gott den ganzen Tag aufzuopfern, ihm alle Kleinigkeiten, Erfolge, Niederlagen, mögliche KrĂ€nkungen und Unannehmlichkeiten etc. im Laufe des Tages zu schenken und auf ihn hin auszurichten. Nehmen wir doch die Weisung von Paulus ernst: „Ob Ihr esst oder trinkt oder etwas anderes tut: tut alles zur Verherrlichung Gottes!“ So fĂŒhlen wir uns in Gott geborgen und können seine Liebe spĂŒren.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr Jesus Christus, du allein weißt, wie oft ich dich und meine Mitmenschen im Alltag vergessen habe, weil ich nur mich selbst gesehen habe. Verzeih mir, und schenke mir HerzensgĂŒte und aufopfernde Hingabeliebe.

Vorsatz: Ich nehme mir vor, alles, meine Gedanken, Worte und Werke, mit liebender Opfergesinnung zu verwirklichen.


Gottvertrauen trotz VergÀnglichkeit und Katastrophen auf Erden

26. November 2019

Dienstag der vierunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hll. Konrad und Gebhard, Bischöfe von Konstanz

Dr. Thomas Mayer

Lk 21,5-11
In jener Zeit, als einige darĂŒber sprachen, dass der Tempel mit schönen Steinen und Weihegeschenken geschmĂŒckt sei, sagte Jesus: Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleiben; alles wird niedergerissen werden. Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen, und an welchem Zeichen wird man erkennen, dass es beginnt? Er antwortete: Gebt acht, dass man euch nicht irrefĂŒhrt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es!, und: Die Zeit ist da. - Lauft ihnen nicht nach! Und wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch dadurch nicht erschrecken! Denn das muss als Erstes geschehen; aber das Ende kommt noch nicht sofort. Dann sagte er zu ihnen: Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere. Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen, und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr Jesus, unser König, ich danke dir dafĂŒr, dass du uns immer wieder daran erinnerst, dass alles Irdische vergĂ€nglich ist, dass du und dein Wort aber bleiben in alle Ewigkeit.

Bitte: Mein Herr und König, lass mich erkennen, dass mein Leib Tempel des Heiligen Geistes sein soll und bewahre mich vor dem oberflĂ€chlichen Blick des schönen Scheins.

1. Ă„ußerer Glanz, irdische Herrlichkeit vergeht. Jesus prophezeit die Zerstörung des Tempels durch die Römer nach ca. 40 Jahren. Er will damit aber eine tiefere Erkenntnis vermitteln, nĂ€mlich das hoffnungslos VergĂ€ngliche alles rein irdischen Trachtens und Wirkens des Menschen, wenn er sich nicht der Liebe Gottes öffnet. Nur die dem Tempel zugeeigneten Weihegeschenke werden auch nach der Tempelzerstörung in den Augen Gottes einen Wert haben, die aus reiner Liebe zu Gott und den Menschen dargebracht worden sind.

2. FĂŒrchtet Euch nicht vor LĂŒge und Krieg. Wie aktuell ist in unserer Zeit Jesu Mahnwort: „Gebt acht, dass man euch nicht irrefĂŒhrt!“ Seit Jahrzehnten verschatten moderne Exegeten das strahlende Bild von unserem Gottmenschen mit ihrem Zerrbild vom historischen Jesus, der uns allenfalls Zeitgeistiges, und damit nichts mehr zu sagen hat. Jesus will, dass wir uns im dreifaltigen Gott und in der Erwartung seines zweiten Advents so geborgen fĂŒhlen, dass wir uns vor Kriegen und Unruhen nicht erschrecken.

3. Am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen. Passend zum Ende des Kirchenjahres stellen uns Jesu prophetische Worte somit das Ende der Geschichte vor Augen. Aktuell scheint die kollektive Angst im Zusammenhang mit hohen Klimaschutzforderungen weder aus einem tiefen GefĂŒhl des Gottvertrauens, der Gotteskindschaft, der Geborgenheit in Gott und der WirkmĂ€chtigkeit Gottes zu entstammen noch zu vertrauensvollem Gebet und einem Lebenswandel zu fĂŒhren. Weil es nur mit dem Willen Gottes „gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben“ wird, sollen wir nicht verĂ€ngstigt sein oder gar am Sinn des Lebens zweifeln, der darin besteht, Gott und den NĂ€chsten zu lieben, so dass wir in den Himmel kommen können.

GesprĂ€ch mit Christus: Mein Heiland und Erlöser, du fĂŒhrst alles Schreckliche und Böse zum Guten. Wir danken dir dafĂŒr auch dann, wenn wir den verborgenen Sinn irdischen UnglĂŒcks trotz deines stellvertretenden SĂŒhneleidens noch nicht erkennen können.

Vorsatz: Mit großem Gottvertrauen werde ich, so verspreche ich es dir, Herr Jesus, meine noch vor mir stehenden irdischen Lebensjahre aus deiner gĂŒtigen Hand empfangen. Und mit Hiob werde ich beten: „Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen.“


Mit Christus standhaft und geduldig in der BedrÀngnis

27. November 2019

Mittwoch der vierunddreißigsten Woche im Jahreskreis

Dr. Thomas Mayer

Lk 21,12-19
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Man wird euch festnehmen und euch verfolgen. Man wird euch um meines Namens willen den Gerichten der Synagogen ĂŒbergeben, ins GefĂ€ngnis werfen und vor Könige und Statthalter bringen. Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können. Nehmt euch fest vor, nicht im Voraus fĂŒr eure Verteidigung zu sorgen; denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, so dass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können. Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern, und manche von euch wird man töten. Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden. Und doch wird euch kein Haar gekrĂŒmmt werden. Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr Jesus Christus, wir danken dir dafĂŒr, dass du uns die unzĂ€hligen MĂ€rtyrer und unsere Schutzengel als FĂŒrsprecher an deinem Thron zur Seite gestellt hast.

Bitte: Christus unser König, sende uns den Heiligen Geist, damit er uns in die ganze Wahrheit, die uns von der Knechtschaft der SĂŒnde befreit, fĂŒhrt. Lass uns im Heiligen Geist mutige Zeugen fĂŒr dich als den gekreuzigten Erlöser sein.

1. Christenverfolgungen zu unserem Heil? Nicht nur angesichts der schweren Christenverfolgungen in Syrien und anderen Staaten Asiens in den letzten Jahren sind Jesu prophetische Worte gerade in unserer Zeit aktuell: Nie wurden Christen mehr verfolgt als in der Moderne, die seit 1789 mit immer neuen Ideologien Christen verfolgt oder echte Christusbeziehungen verhindert, zumindest erschwert hat. Allein 8.000 Priester sind in der Französischen Revolution MĂ€rtyrer geworden, haben ihr Leben auch fĂŒr das Seelenheil ihrer jakobinischen Verfolger hingegeben. Wie dankbar können wir Gott fĂŒr die vielen Millionen Blutzeugen Christi sein, die mit der Hingabe ihres Lebens mit dem gekreuzigten Erlöser eins geworden sind!

2. Zeugnis geben durch Christi Worte und Weisheit. Der Herr versichert den JĂŒngern und damit auch uns seinen göttlichen Beistand in den BedrĂ€ngnissen und Verfolgungen, die seine Kirche zu allen Zeiten als alltĂ€gliche PrĂŒfung erdulden musste. Unbesorgt, standhaft und geduldig sollen wir uns der FĂŒhrung des guten Hirten anvertrauen, der uns durch Verfolgung, BedrĂ€ngnis und Kampf in das Reich Gottes fĂŒhrt, ja es schon auf Erden in uns zur Entfaltung bringt. Viele Christen sagen, diese Jesus-Worte von BedrĂ€ngnis und Verfolgung gelten nicht fĂŒr uns, die wir unseren Glauben ungehindert leben können. Doch wie sieht es aus, wenn wir Gottes Gebote unseren Mitmenschen verkĂŒnden: Wenn Lebensrechtler heute das fĂŒnfte Gebot im Hinblick auf das millionenfache Töten ungeborener Menschen anmahnen, kommen sie in BedrĂ€ngnis und werden mitunter auch gehasst. Sind doch heute die Kinder vor der Geburt die geringsten BrĂŒder Christi: „Was ihr fĂŒr einen meiner geringsten BrĂŒder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40)

3. Mit dem Erlöser standhaft, geduldig und aufopferungsvoll in der BedrĂ€ngnis sein. Christus, unser König, ermutigt uns genauso wie seine JĂŒnger: „In der Welt seid ihr in BedrĂ€ngnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.“ (Joh 16,33) Dem missionarisch gesinnten Laien bleiben Angriffe seitens derer nicht erspart, denen die katholische Berufung ein Ärgernis ist. Als Zeugen Christi erfahren wir mitunter Anfeindungen von einem rein materialistisch gesinnten Milieu. Wenn dann noch unsere eigenen SchwĂ€chen und Begrenztheiten, familiĂ€re und berufliche Schwierigkeiten und Krankheiten hinzukommen, kann sich Traurigkeit, Niedergeschlagenheit und Verwirrung bei uns einnisten. Dagegen hilft der Blick auf den leidenden Christus, der seine unvorstellbar grausame Passion voller Liebe und Geduld seinem Vater als SĂŒhne fĂŒr die Schuld der ganzen Menschheit aufgeopfert hat. Opfern auch wir alles Gott auf, aus dessen liebender Hand wir ja alles empfangen haben.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr Jesus, König meines Herzens, ich danke dir dafĂŒr, dass du immer bei mir bist, gerade auch in Zeiten der BedrĂ€ngnis und großer Schwierigkeiten.

Vorsatz: Ich nehme mir vor, morgens nach dem Aufstehen mein Tagwerk Gott aus Liebe zu ihm aufzuopfern und ihm fĂŒr meine eigenen Erfolge zu danken.


Mit dem Heiland im Herzen kann uns nichts erschrecken

28. November 2019

Donnerstag der vierunddreißigsten Woche im Jahreskreis

Dr. Thomas Mayer

Lk 21,20-28
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Wenn ihr aber seht, dass Jerusalem von einem Heer eingeschlossen wird, dann könnt ihr daran erkennen, dass die Stadt bald verwĂŒstet wird. Dann sollen die Bewohner von JudĂ€a in die Berge fliehen; wer in der Stadt ist, soll sie verlassen, und wer auf dem Land ist, soll nicht in die Stadt gehen. Denn das sind die Tage der Vergeltung, an denen alles in ErfĂŒllung gehen soll, was in der Schrift steht. Wehe den Frauen, die in jenen Tagen schwanger sind oder ein Kind stillen. Denn eine große Not wird ĂŒber das Land hereinbrechen: Der Zorn Gottes wird ĂŒber dieses Volk kommen. Mit scharfem Schwert wird man sie erschlagen, als Gefangene wird man sie in alle LĂ€nder verschleppen, und Jerusalem wird von den Heiden zertreten werden, bis die Zeiten der Heiden sich erfĂŒllen. Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestĂŒrzt und ratlos sein ĂŒber das Toben und Donnern des Meeres. Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die ĂŒber die Erde kommen; denn die KrĂ€fte des Himmels werden erschĂŒttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen. Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure HĂ€upter; denn eure Erlösung ist nahe.

EinfĂŒhrendes Gebet: Du hast dich jener Frauen erbarmt, die in den Tagen der Zerstörung Jerusalems schwanger waren, erbarme dich aller MĂŒtter, die ein unerwartetes Kind unter ihrem Herzen tragen.

Bitte: Bewahre, o Herr, die Völker vor Unheil, Krieg, Dekadenz und Unrecht, so dass alle Menschen dich als den Weg, die Wahrheit und das Leben erkennen können!

1. Christus kommt immer wieder zu uns. Wir stehen wenige Tage vor Beginn der Adventszeit. So verwundert es nicht, dass das Tagesevangelium von der Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus mit großer Macht und Herrlichkeit am Ende der Zeiten spricht. So unscheinbar und verborgen die Menschwerdung des Wortes Gottes vor 2000 Jahren war, so eindrucksvoll und unĂŒbersehbar wird Jesu Wiederkehr sein, um sein messianisches Reich herrlich zu errichten. In unserer jetzigen Zeit, nach einer bis heute schon 2000 Jahre wĂ€hrenden Zwischenzeit zwischen dem 1. und 2. Advent Christi, hat uns Christus aber nicht allein gelassen: Wer glaubt, ist nicht allein, auch deshalb nicht, weil Jesus sich ihm in der Hl. Eucharistie schenkt und damit in sein Herz kommt.

2. Das Schlimmste, was uns passieren kann. Naturkatastrophen und unheilbare Krankheiten werden in unserer Zeit oft als die schlimmsten Katastrophen bezeichnet. Christus hingegen sieht darin nur Zeichen, die auf seine Wiederkunft in Herrlichkeit und auf unsere endgĂŒltige Erlösung verweisen. Das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann, ist, dass er als Sterbender in seiner persönlichen Begegnung mit Jesus die Liebe und Barmherzigkeit Gottes zurĂŒckweist.

3. Freude ĂŒber die Ankunft des Messias. In welch herrlichen Zeiten dĂŒrfen wir leben: Wir leben in der Zeit des Messias, unseres Herrn Jesus Christus. Hast Du niemals in Ruhe bedacht, wie Jahrhundert um Jahrhundert verging, bis endlich der Messias kam? Die Patriarchen, die Propheten, das ganze Volk Israel, vor allem die Essener erflehten die Ankunft des Messias voller Inbrunst: „Komm, Herr, die Erde dĂŒrstet nach dir!“ Wollen nicht auch wir mit der gleichen Liebe und Sehnsucht unseren eucharistischen Herrn empfangen und ihn in unseren Mitmenschen lieben, indem wir ihnen dienen?

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus Christus, ich danke dir, dass du immer bei mir bist.

Vorsatz: Ich möchte dich empfangen, Herr, mit jener Demut, Reinheit und Andacht, mit der deine heiligste Mutter dich empfing, mit dem Geist und der Inbrunst der Heiligen.


In Jesu’ Offenbarung ist uns das Reich Gottes nahe

29. November 2019

Freitag der vierunddreißigsten Woche im Jahreskreis

Dr. Thomas Mayer

Lk 21,29-33
In jener Zeit gebrauchte Jesus einen Vergleich und sagte: Seht euch den Feigenbaum und die anderen BÀume an: Sobald ihr merkt, dass sie BlÀtter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr all das geschehen seht, dass das Reich Gottes nahe ist. Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Ich danke dir, Herr Jesus, dass du mir das Reich Gottes und die Wahrheit, die mich frei macht, verkĂŒndet hast.

Bitte: Hilf mir, dich als den wahren Messias zu erkennen, dessen Worte ewig bleiben und nicht von uns Menschen als zeitbedingt abgetan werden dĂŒrfen.

1. Das ewig gĂŒltige Wort Gottes in Christus. Am vorletzten Tag des Kirchenjahres hören wir im Evangelium Jesu Mahnung im Hinblick auf die VergĂ€nglichkeit des Alls und seine Zusicherung der ewigen GĂŒltigkeit seiner Worte. FĂŒr uns ist Jesus in Wort und Tat der einzige Weg zum Vater. In Christus sagt der göttliche Vater alles; in Jesus sehen wir das Antlitz des Vaters. Alles, was Gott den Patriarchen und Propheten geoffenbart hatte (der leidende Gottesknecht; das Pessach-Lamm etc.), wies schattenhaft auf die endgĂŒltige Offenbarung des Sohnes in Wort und Tat hin. Wie den Emmaus-JĂŒngern öffnet uns der von Israel erwartete Messias „die Augen fĂŒr das VerstĂ€ndnis der Schrift“ des Alten Testaments (Lk 24,45).

2. In der Offenbarung des Sohnes Gottes ist das im AT erwartete Reich Gottes uns nahe. Jesus meint wohl mit dieser Generation, die nicht vergehen werde, bis alles eintrifft, das Volk des alten Bundes, vielleicht aber auch bereits das neue in ihm geeinte Gottesvolk, die streitende Kirche auf Erden. Nicht zuletzt aus Jesu‘ Selbstzeugnis, „meine Worte werden nicht vergehen“, und aus seiner Reich-Gottes-VerkĂŒndigung folgert das Lehramt der Kirche: „Daher wird die christliche Heilsordnung, nĂ€mlich der neue und nun endgĂŒltige Bund [zwischen Gott und den Menschen], niemals vorĂŒbergehen, und es ist keine neue öffentliche Offenbarung mehr zu erwarten vor der glorreichen Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus“ (2. Vat. Konzil: Dei Verbum, 4).

3. PrĂŒfung von Privatoffenbarungen im Lichte der ewigen Worte Jesu und des Lehramts der Kirche Wenn keine neue öffentliche Offenbarung mehr zu erwarten ist, wie stehen wir dann zu den vielen Privatoffenbarungen, von denen nur einige (z.B. Guadalupe, Lourdes, Fatima) kirchlich anerkannt sind? Im Katechismus der kath. Kirche 1993, Nr. 67, wird differenziert: Die Privatoffenbarungen „sind nicht dazu da, die endgĂŒltige Offenbarung Christi zu vervollkommnen oder zu vervollstĂ€ndigen, sondern sollen helfen, in einem bestimmten Zeitalter tiefer aus ihr zu leben. Unter der Leitung des Lehramtes der Kirche weiß der Glaubenssinn der GlĂ€ubigen zu unterscheiden und wahrzunehmen, was in solchen Offenbarungen ein echter Ruf Christi oder seiner Heiligen an die Kirche ist.“

GesprĂ€ch mit Christus: Mein Herr Jesus Christus, hilf mir im Gebet, in meinen Mitmenschen und in dem von dir geschaffenen Weltall dich in deiner wahren Gottes- und Menschennatur so zu erkennen, dass ich dich immer mehr lieben kann.

Vorsatz: Ich will auf Gottes Wort aufmerksamer als bisher hören und es besser als bisher befolgen.


Christen als Fischer von Menschen, die im Dunkel des Weltenmeeres Gott nicht finden können.

30. November 2019

Hl. Andreas, Apostel
Fest

Dr. Thomas Mayer

Mt 4,18-22
In jener Zeit als Jesus am See von GalilĂ€a entlangging, sah er zwei BrĂŒder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Als er weiterging, sah er zwei andere BrĂŒder, Jakobus, den Sohn des ZebedĂ€us, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater ZebedĂ€us im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie, und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus.

EinfĂŒhrendes Gebet: Wir danken dir, du Heiland aller SĂŒnder, dass du uns Christen zu Menschenfischern berufen hast.

Bitte: Lass uns dir, großer Menschenfischer, als missionarische Zeugen deiner Liebe und Barmherzigkeit mit Freude durch Kreuz und Leid nachfolgen, damit wir und alle Menschen in dein Reich gelangen.

1. Missionsgeist als Merkmal der Christen. In diesem Evangelium betont Jesus einen zentralen Aspekt der von ihm mit Vollmacht erbetenen Nachfolge, nĂ€mlich den Missionsgeist seiner JĂŒnger: Wir wĂŒrden es kaum wagen, vom Menschen fangen zu sprechen, wenn nicht Christus selbst es mehrfach getan hĂ€tte. Als Kardinal hat Benedikt XVI. emeritus dazu 1988 Folgendes geĂ€ußert: „Hieronymus sagt, Fische aus dem Wasser herauszuziehen bedeute, sie ihrem Lebenselement zu entreißen und sie dem Tod preiszugeben. Die Menschen aber aus dem Wasser der Welt herauszuziehen bedeutet, sie aus dem Todeselement und aus der Nacht ohne Lichter herauszuziehen, ihnen die Atemluft und das Licht des Himmels zu geben.“

2. Der Mensch, im dunklen Wasser der Welt schwimmend, sieht Christus als Licht der Welt nicht. Ratzinger fĂ€hrt in seinem Buch Diener eurer Freude scharfsichtig fort: „Licht ist Leben, denn das Element des Menschen, wovon er im tiefsten lebt, ist die Wahrheit, die zugleich Liebe ist. Der Mensch freilich, der im Wasser der Welt schwimmt, weiß dies nicht. Deshalb wehrt er sich dagegen, aus dem Wasser herausgezogen zu werden. Er glaubt sozusagen, ein gewöhnlicher Fisch zu sein, der sterben muss, wenn er dem Wasser der Tiefe entrissen wird. In der Tat ist das ein Todesgeschehen. Aber dieser Tod fĂŒhrt in das wahre Leben, in dem der Mensch erst wirklich zu sich selber kommt.“

3. Jesus als Fisch, der ins Wasser der Welt, in die Wasser des Todes hinabgestiegen ist. Ganz in der patristischen Tradition stehend beendet Ratzinger seine tiefen Gedanken zum Menschenfischer: „JĂŒnger sein heißt, sich von Jesus fangen lassen, von ihm, dem geheimnisvollen Fisch, der ins Wasser der Welt, in die Wasser des Todes hinabgestiegen ist; der selbst Fisch geworden ist, um sich zuerst von uns fangen zu lassen, uns Brot des Lebens zu werden. Er lĂ€sst sich fangen, damit wir gefangen werden von ihm und den Mut finden, uns mit ihm aus den Wassern unserer Gewohnheiten und Bequemlichkeiten herausziehen zu lassen. Jesus ist Menschenfischer geworden dadurch, dass er selbst die Nacht des Meeres auf sich genommen hat, selbst hinabgestiegen ist in die Passion der Tiefe. Menschenfischer sein kann man nur, wenn man wie er sich selbst daran gibt. Man kann es aber auch nur, wenn man sich auf das Boot des Petrus verlassen darf (J. Ratzinger: Diener eurer Freude, Freiburg 1988, S. 97).“

GesprĂ€ch mit Christus: Welche doch fast töricht große Liebe hast du, großer Menschenfischer, uns erwiesen, als du zu uns in die Todesschatten der Meerestiefen unserer sĂŒndigen Welt hinabgestiegen bist, um uns zu erlösen.

Vorsatz: Ich will ein fliegender Fisch werden, der Christi Leben, Licht, Wahrheit und Liebe auch den Menschen im Meeresdunkel verkĂŒndet.