Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 10. November 2019 bis Samstag 16. November 2019

Zweiunddrei├čigste Woche im Jahreskreis

P. László Erffa LC

Gebet gibt EinblickSonntag
Gebet als ├╝berflie├čende LiebeMontag
Gebet als SklavenarbeitDienstag
Gebet zwischen Bitte und BekehrungMittwoch
Gebet zwischen Zeichen und WirklichkeitDonnerstag
Gebet zwischen Vergangenheit, Gegenwart und ZukunftFreitag
Gebet zwischen Gottlosigkeit und GottvertrauenSamstag


Gebet gibt Einblick

10. November 2019

Zweiunddrei├čigster Sonntag im Jahreskreis
Hl. Leo der Gro├če, Papst und Kirchenlehrer

P. László Erffa LC

Lk 20,27-28
In jener Zeit kamen einige von den Sadduz├Ąern, die bestreiten, dass es eine Auferstehung gibt, zu Jesus und fragten ihn: Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterl├Ąsst, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder die Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommen verschaffen. Nun lebten einmal sieben Br├╝der. Der erste nahm sich eine Frau, starb aber kinderlos. Da nahm sie der zweite, danach der dritte und ebenso die anderen bis zum siebten; sie alle hinterlie├čen keine Kinder, als sie starben. Schlie├člich starb auch die Frau. Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt. Da sagte Jesus zu ihnen: Die Kinder dieser Welt heiraten und lassen sich heiraten. Die aber, die gew├╝rdigt werden, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, heiraten nicht, noch lassen sie sich heiraten. Denn sie k├Ânnen auch nicht mehr sterben weil sie den Engeln gleich und als Kinder der Auferstehung zu Kindern Gottes geworden sind. Dass aber die Toten auferstehen, hat schon Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet, in der er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt. Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn f├╝r ihn leben sie alle.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr, erleuchte mein Gebetsleben ganz konkret durch dieses Evangelium heute. Hilf mir zu erkennen: Bin ich nicht auch manchmal versucht, in meinem Gebet unpers├Ânlich und abstrakt zu werden?

Bitte: Herr, lehre mich beten!

1. Theologen. Wie wird wohl die Gottesbeziehung dieser Sadduz├Ąer gewesen sein? Hatten sie nichts Wichtigeres zu tun, als absurde Fragen zu stellen und den Glauben der einfachen Leute zu verunsichern? Geht es ihnen in ihrer Gottesbeziehung ├╝berhaupt noch um Gott und seine Wahrheit? Oder nur darum, zu zeigen, wie klug und spitzfindig sie sind? Jedenfalls k├Ânnte man denken, sie h├Ątten wirklich keine echte Beziehung zu Gott. Sie reden viel ├╝ber ihn, aber kaum mit ihm. K├Ânnte uns das nicht auch passieren, wenn wir aufh├Ârten, zu beten?

2. Eine neue Perspektive. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass Jesus auf diese Frage direkt eingeht. Es sind tote, unn├╝tze Ideen, die diese Theologen ihm da auftischen. Jesus hat eine ganz andere, eine ganz weite Perspektive. Er sieht den Menschen nicht hier, in seinen beschr├Ąnkten und historisch bedingten Umst├Ąnden. Nein, er sieht jeden Menschen schon von der Perspektive ÔÇ×jener WeltÔÇť aus und im Lichte der Auferstehung. In dieser Perspektive erscheint vieles andere unwichtig, ja sogar l├Ącherlich. Im Gebet l├Ąsst mich Jesus ein wenig an seiner Perspektive teilhaben: Er erhebt meinen Blick und richtet so mein Herz auf den Himmel aus.

3. Ein lebendiger Gott. Jesus Christus ist der Sohn Gottes. Er kommt, um uns den Vater zu offenbaren. Er wei├č, dass Gott lebendig ist, kein Museumsst├╝ck, keine M├Ąrchenerz├Ąhlung. Er ist gekommen, um mir diesen lebendigen Gott, der liebender Vater ist, zu verk├╝nden. Ich kann ihn erfahren, jeden Tag, in seinen Worten, in seinen Sakramenten. Es liegt an mir, ob ich im Gebet die Beziehung zum lebendigen Gott suche oder ob ich mich lieber mit meinen eigenen Theorien und W├╝nschen besch├Ąftige und so nur noch um mich selber kreise.

Gespr├Ąch mit Christus: Herr, lass nicht zu, dass ich dich und deine Versprechen als etwas Abstraktes betrachte. Hilf mir vielmehr, die Welt mit deinen Augen zu sehen und zu erkennen, was f├╝r dich das Wichtige ist.

Vorsatz: Heute will ich einer Person zuh├Âren und ihr dann ein wenig Trost schenken, indem ich ihr helfe, ihre Situation von einer etwas anderen Perspektive aus zu betrachten.


Gebet als ├╝berflie├čende Liebe

11. November 2019

Hl. Martin
Gedenktag

P. László Erffa LC

Mt 25,31-40
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen J├╝ngern: Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Und alle V├Âlker werden vor ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den B├Âcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die B├Âcke aber zur Linken. Dann wird der K├Ânig denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt f├╝r euch bestimmt ist. Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gef├Ąngnis, und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gef├Ąngnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf wird der K├Ânig ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr f├╝r einen meiner geringsten Br├╝der getan habt, das habt ihr mir getan.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr, erleuchte mein Gebetsleben ganz konkret durch dieses Evangelium heute. Hilf mir zu erkennen: Wie sehr wird mein Gebet fruchtbar in dem, was ich tue?

Bitte: Herr, lehre mich beten!

1. ├ťberraschungselement. Diejenigen, die Gott nicht in ihrem N├Ąchsten gedient haben, sind erstaunt ├╝ber diese Wendung ihres Schicksals. Warum sollen sie jetzt bestraft werden? Vielleicht sind auch Menschen darunter, die in ihrem Leben oft und sogar gerne gebetet haben. Aber haben sie im Gebet wirklich Gott gesucht? Oder nur sich selbst? Oder gar einen Gott, den sie sich selbst zu ihrem Nutzen zusammengebastelt hatten? Haben sie sich auf diese Art und Weise Brunnen gegraben, die das Wasser nicht halten (vgl. Jer 2,13)? Denn h├Ątten sie aufrichtig Gott gesucht, h├Ątten sie ihrem N├Ąchsten ihr Herz auch nicht verschlossen.

2. N├Ąchstenliebe aus Gottesliebe. Auch diejenigen, die ihrem N├Ąchsten gedient haben, sind ├╝berrascht. Ihr Dienst kann nur aus einer tiefen Gottesbeziehung im Gebet gekommen sein. Sie haben einfach gedient, ohne Unterschiede zu machen und gro├č dar├╝ber nachzudenken, wem genau sie da eigentlich dienten. Aber ihre Offenheit gegen├╝ber Gott im Gebet hat sie f├╝r die Not des anderen empf├Ąnglich gemacht, weil das best├Ąndige und aufrichtige Gebet ihr Herz immer mehr dem Herzen Gottes gleichgestaltet hat. Und dieses erneuerte Herz konnte gar nicht anders, als in t├Ątiger Liebe ├╝berzuflie├čen und diese Bed├╝rftigen zu erreichen, mit denen Gott sich bedingungslos identifiziert.

3. Selbstlosigkeit. ÔÇ×Wer Sein Leben geringachtet, wird es gewinnenÔÇť. Sicher bedarf die Liebe einer bewussten Entscheidung, doch die Gerechten waren so selbstvergessen, dass sie entweder nie weiter dar├╝ber nachgedacht haben, was genau sie da tun, oder alle Zweifel einfach in den Wind geschlagen haben. N├Ąchstenliebe soll nicht einem kalten Kalk├╝l entspringen, sondern einer lebendigen Quelle: Aus unserer Beziehung zu Gott, die wir im Gebet n├Ąhren. Eine Quelle sorgt sich nicht weiter ├╝ber das Wasser, das von ihr seinen Lauf nimmt, sofern sie wei├č, dass ihr Wasser anderen Fruchtbarkeit und Leben bringt.

Gespr├Ąch mit Christus: Herr, oft wei├č ich nicht, wie ich beten soll. Bete du in mir und durch mich. Und oft wei├č ich nicht, wie ich meinem N├Ąchsten dienen kann. Mein Herz ist zu kalt, um zu lieben. Liebe du durch mich, mit einer t├Ątigen, konkreten Liebe.

Vorsatz: Heute dar├╝ber nachdenken, wie sehr Gott mich liebt, und die dadurch entstandene Freude mit jemandem teilen, der sie braucht.


Gebet als Sklavenarbeit

12. November 2019

Hl. Josaphat Bischof, M├Ąrtyrer
Gedenktag

P. László Erffa LC

Lk 17,7-10
In jener Zeit sprach Jesus: Wenn einer von euch einen Sklaven hat, der pfl├╝gt oder das Vieh h├╝tet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm gleich Platz zum Essen? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, g├╝rte dich, und bediene mich; wenn ich gegessen und getrunken habe, kannst auch du essen und trinken. Bedankt er sich etwa bei dem Sklaven, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde? So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unn├╝tze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr, erleuchte mein Gebetsleben ganz konkret durch dieses Evangelium heute. Lass mich erkennen, ob ich bereit bin, ganz dir zu geh├Âren und deine Liebe anzunehmen.

Bitte: Herr, lehre mich beten!

1. Sklavendasein. Kann ich mir vorstellen, wie das w├Ąre, ein Sklave zu sein? Jesus l├Ądt mich heute ein, mich als unn├╝tzen Sklaven zu betrachten. Dagegen str├Ąube ich mich instinktiv. Wo bleibt denn da die Freiheit, die Gott uns schenken will? Um das ein wenig besser zu verstehen, m├╝sste man die Perspektive wechseln. Es geht ja darum, vor Gott wie ein Sklave zu sein, also v├Âllig verf├╝gbar. Diese Beziehung ist im Glauben aber keineswegs eine der Furcht oder des Zwangs, sondern eine der v├Âlligen Freiheit und Hingabe meinerseits. Wie Maria, die ohne Z├Âgern bekennt: Siehe, ich bin die Sklavin des Herrn (Lk 1,38).

2. Sklavenlohn. Als Sklave habe ich keinerlei Rechte. Keinen Mindestlohn, keine Krankenversicherung, keine Altersvorsorge. Aber ich geh├Âre Gott! Ich habe viel mehr als blo├če Rechte, auf die ich bestehen k├Ânnte! Allein die Tatsache, ganz ihm zu geh├Âren, ist viel mehr als alles andere. Gnaden, wie Gott sie gibt, k├Ânnte ich niemals verdienen. Aber ich kann sie empfangen, als freies Geschenk.

3. Sklavenbefreiung. Wenn ich mich Gott ganz hingebe und so ganz ihm geh├Âre, bin ich nicht mehr Sklave. Gott nimmt mich an als seinen Sohn. Wenn ich wei├č, dass ich seine Umarmung eigentlich nicht verdient habe, sch├Ątze ich sie viel mehr, als wenn ich irgendwie d├Ąchte, ich k├Ânnte sie mit meinen Verdiensten erwerben. Wie der j├╝ngere Sohn im Gleichnis kann ich dann voll Freude mit dem Vater feiern, w├Ąhrend der ├Ąltere Sohn, der auf seine Verdienste pocht, sich selber von der Freigiebigkeit Gottes ausschlie├čt (vgl. Lk 15,11-32)

Gespr├Ąch mit Christus: Danke, Herr, dass ich ein unn├╝tzer Sklave sein darf. Danke, dass ich so ganz in dir geborgen sein, ganz dir geh├Âren darf. Lass nicht zu, dass ich mich je von dir trenne, indem ich auf irgendwelche Verdienste meinerseits poche und Lohn f├╝r meine Leistungen einfordere.

Vorsatz: Heute Gott danken, dass er mich seinen unn├╝tzen Sklaven sein l├Ąsst, besonders, wenn ich etwas falsch mache und deswegen zurechtgewiesen werde.


Gebet zwischen Bitte und Bekehrung

13. November 2019

Mittwoch der zweiunddrei├čigsten Woche im Jahreskreis

P. László Erffa LC

Lk 17,11-19
Auf dem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galil├Ąa. Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Auss├Ątzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns! Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und w├Ąhrend sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein. Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den F├╝├čen Jesu zu Boden und dankte ihm. Dieser Mann war aus Samarien. Da sagte Jesus: Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind die ├╝brigen neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, au├čer diesem Fremden? Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr, erleuchte mein Gebetsleben ganz konkret durch dieses Evangelium heute. Hilf mir zu erkennen: Suche ich im Gebet nur die Linderung meiner Not, oder suche ich in allem deine Ehre?

Bitte: Herr, lehre mich beten!

1. Not lehrt beten. Gebet ist nicht schwer, wenn wir konkrete N├Âte haben. Wir brauchen etwas, und das ist uns so pr├Ąsent, dass wir an nichts anderes denken k├Ânnen. Ein Leprakranker kann nicht um seine Krankheit herum. Er kann nicht anders, als st├Ąndig an sie zu denken und mit der Verzweiflung klarzukommen, wohl keine Heilung mehr finden zu k├Ânnen. Jede Gelegenheit, Heilung zu erfahren, wird in Anspruch genommen. Auch Jesus, von dem er geh├Ârt hat und dem er jetzt begegnet.

2. Not schafft Gemeinschaft. Not kann auch Solidarit├Ąt hervorbringen. Wir teilen unsere Not mit anderen und finden so eine gemeinsame Stimme. Auch wenn wir sonst nichts Erkennbares gemeinsam haben. Unter Leprakranken ist es wohl egal, ob einer Jude ist oder aus Samarien kommt. Wenn uns nur unsere S├╝ndhaftigkeit als eine der Lepra vergleichbare Krankheit deutlich w├╝rde, wie sehr k├Ânnten wir dann eine aufrichtige Gebetsgemeinschaft mit anderen S├╝ndern, also unseren Mitchristen, bilden. Zusammen klingt unser Ruf dann lauter und dem├╝tiger vor Gottes Angesicht.

3. Die Frucht des Gebetes. Not lehrt beten. Aber was lehrt uns das Gebet? Als Antwort auf unser Bitten erhalten wir immer mehr, als was wir uns w├╝nschen k├Ânnten. Gott wei├č ja viel besser, was wir brauchen: Echte, innere Heilung; die Erneuerung unserer Beziehung zu ihm. Not lehrt beten. Aber was danach kommt, k├Ânnen leider nicht alle erfassen, wenn sie nur die ├Ąu├čere Not betrachten und nicht die innere, die ihr zugrunde liegt. Not lehrt beten, aber es sollte nicht dabei bleiben. Das Gebet sollte uns zur Anbetung f├╝hren, zum Lobpreis, zur Dankbarkeit, zu einer tieferen Erkenntnis unserer Not und von Gottes Barmherzigkeit.

Gespr├Ąch mit Christus: Herr, ich komme mit meinen N├Âten zu dir. Hilf mir, hinter den Dingen, die mich momentan bedr├╝cken, die wahren N├Âte in meinem Leben zu erkennen: das in mir und um mich herum, was mich auf irgendeine Weise von dir trennt, bewusst oder unbewusst.

Vorsatz: Heute f├╝r jemanden in Not beten; und zwar nicht nur um Hilfe in dieser konkreten Not, sondern um Heilung der Beziehung zu Gott.


Gebet zwischen Zeichen und Wirklichkeit

14. November 2019

Donnerstag der zweiunddrei├čigsten Woche im Jahreskreis

P. László Erffa LC

Lk 17,20-25
In jener Zeit als Jesus von den Pharis├Ąern gefragt wurde, wann das Reich Gottes komme, antwortete er: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an ├Ąu├čeren Zeichen erkennen k├Ânnte. Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es!, oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch. Er sagte zu den J├╝ngern: Es wird eine Zeit kommen, in der ihr euch danach sehnt, auch nur einen von den Tagen des Menschensohnes zu erleben; aber ihr werdet ihn nicht erleben. Und wenn man zu euch sagt: Dort ist er! Hier ist er!, so geht nicht hin, und lauft nicht hinterher! Denn wie der Blitz von einem Ende des Himmels bis zum andern leuchtet, so wird der Menschensohn an seinem Tag erscheinen. Vorher aber muss er vieles erleiden und von dieser Generation verworfen werden.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr, erleuchte mein Gebetsleben ganz konkret durch dieses Evangelium heute. Hilf mir zu erkennen: Suche ich im Gebet nur Zeichen oder suche ich dich ganz allein?

Bitte: Herr, lehre mich beten!

1. Zeichen suchen. Zeichen zu suchen und um sie zu bitten, ist etwas sehr Menschliches. Es ist keineswegs etwas Schlechtes. Jesus r├╝gt die Pharis├Ąer deshalb nicht. Er selbst wirkt gro├če Zeichen, wie der Evangelist Johannes seine Wunder nennt. Wir k├Ânnen auch manchmal, gerade in Zeiten der Berufungsfindung oder anderer schwerer Entscheidungen, Gott im Gebet um Zeichen bitten. Aber wir m├╝ssen auch immer bereit sein, eine ganz andere Antwort zu erhalten, als wir erwarten...

2. Innen und au├čen. Denn das Reich Gottes kann man nicht an ├Ąu├čeren Zeichen erkennen. Man kann es erst erfahren, wenn man in sich geht, also ein Mensch des Gebetes wird und ein inneres Gesp├╝r f├╝r Gottes Wirken in der Welt entwickelt. Nur so laufen wir nicht Gefahr, ├Ąu├čere Zeichen in ihrer Bedeutung auf das zu reduzieren, was wir von ihnen erwarten. Das erlaubt uns dann, immer mehr in die F├╝lle des Gottgegebenen einzutauchen. Es geht dann nicht mehr darum, ob wir zu Lebzeiten noch die Tage des Menschensohnes erleben, sondern ob wir ihn von ganzem Herzen lieben.

3. Spannung aushalten. In unserem Gebet und in diesem Evangelium begegnet uns immer wieder diese Spannung zwischen den Anzeichen und dem, f├╝r was sie stehen. Zwischen unserem Wunsch nach Klarheit und Best├Ątigung einerseits und den geheimnisvollen, schwierigen, aber bewusst provozierenden, aufr├╝ttelnden und auch so tiefer f├╝hrenden Worten und Zeichen, die wir von Jesus bekommen. So soll wohl auch der scheinbare Widerspruch in diesem Evangelium zwischen ÔÇ×man kann es nicht an ├Ąu├čeren Zeichen erkennenÔÇť und dem doch sehr deutlich scheinenden Zeichen der Wiederkunft Christ, das ÔÇ×wie der Blitz von einem Ende des Himmels bis zum andern leuchtetÔÇť, uns dazu einladen, allen Dingen vorweg auf Christus zu schauen.

Gespr├Ąch mit Christus: Herr, danke, dass du mir nicht immer die Antworten und Zeichen gibst, die ich haben will, aber immer die, die ich wirklich brauche. Hilf mir, dich im Gebet besser kennenzulernen, um auf deine Stimme mit immer neuer Offenheit und Bereitschaft zu h├Âren.

Vorsatz: Am Ende des Tages ├╝ber etwas nachdenken, was mich an diesem Tag bewegt oder irgendwie ber├╝hrt hat. K├Ânnte es ein Zeichen gewesen sein, auch in einem ganz unerwarteten Kontext? So kann ich feinf├╝hliger werden, um besser Gottes leiser, aber tiefer Stimme zu lauschen.


Gebet zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

15. November 2019

Freitag der zweiunddrei├čigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Albert der Gro├če OP, Bischof
Hl. Leopold, Markgraf

P. László Erffa LC

Lk 17,26-37
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen J├╝ngern: Wie es zur Zeit des Noach war, so wird es auch in den Tagen des Menschensohnes sein. Die Menschen a├čen und tranken und heirateten bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging; dann kam die Flut und vernichtete alle. Und es wird ebenso sein, wie es zur Zeit des Lot war: Sie a├čen und tranken, kauften und verkauften, pflanzten und bauten. Aber an dem Tag, als Lot Sodom verlie├č, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel, und alle kamen um. Ebenso wird es an dem Tag sein, an dem sich der Menschensohn offenbart. Wer dann auf dem Dach ist und seine Sachen im Haus hat, soll nicht hinabsteigen, um sie zu holen, und wer auf dem Feld ist, soll nicht zur├╝ckkehren. Denkt an die Frau des Lot! Wer sein Leben zu bewahren sucht, wird es verlieren; wer es dagegen verliert, wird es gewinnen. Ich sage euch: Von zwei M├Ąnnern, die in jener Nacht auf einem Bett liegen, wird der eine mitgenommen und der andere zur├╝ckgelassen. Von zwei Frauen, die mit derselben M├╝hle Getreide mahlen, wird die eine mitgenommen und die andere zur├╝ckgelassen. Da fragten sie ihn: Wo wird das geschehen, Herr? Er antwortete: Wo ein Aas ist, da sammeln sich auch die Geier.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr, erleuchte mein Gebetsleben ganz konkret durch dieses Evangelium heute. Hilf mir, zu erkennen: Lerne ich im Gebet, mein Leben von deiner Perspektive aus immer neu zu betrachten?

Bitte: Herr, lehre mich beten!

1. Sich erinnern und betrachten. Jesus l├Ądt seine J├╝nger zu einem betrachtenden Gebet ein. Sie sollen sich an Personen und Momente der Heilsgeschichte erinnern und das auf ihre jetzige Situation anwenden. Das ist eine wichtige Vorgehensweise bei bestimmten Formen des kontemplativen Gebets. Gott spricht durch sein Handeln in der Geschichte, besonders durch sein Handeln und seine Machterweise in Jesus Christus. Wir m├╝ssen lernen, diese Stimme Gottes zu h├Âren. Das wollen wir heute in unserer Betrachtung tun.

2. Lernen, zur Mitte vorzudringen. Alles in der Heiligen Schrift ist eine Botschaft. Manchmal sind die Details nicht klar, aber die ihnen zugrundeliegenden Prinzipen treten immer irgendwie hervor. An dieser Stelle ist es Jesus selbst, der uns den Schl├╝ssel zum Verst├Ąndnis dieses schwierigen Wortes gibt: ÔÇ×Wer sein Leben verliert, wird es gewinnen.ÔÇť Diese Einstellung sollte einen Christen immer pr├Ągen, ganz gleich zu welcher Zeit, damals oder heute. Und leider gibt es auch einige, die diese Einstellung noch nicht haben. Sie verlieren das Leben, weil sie es nicht dort suchen, wo seine Quelle ist: in Gott.

3. Anwenden. Wie kann ein solches Wort Jesu unsere Zukunft erleuchten?: Dass einer ÔÇ×mitgenommenÔÇť und einer ÔÇ×zur├╝ckgelassenÔÇť wird, klingt hart. Wie k├Ânnen wir es verstehen? Vielleicht sollten wir uns vorerst nicht zu viele Gedanken dar├╝ber machen, sondern auf unser eigenes Leben schauen: Will ich es behalten oder Gott schenken? Kann ich auch mit der Unsicherheit leben, die diese Evangeliumsstelle verursacht, mit dem Gedanken, ich oder jemand anders w├╝rde zur├╝ckgelassen? Denn ich darf nicht vergessen: Gerade diese Unsicherheit geh├Ârt zur Freiheit, zum Risiko, das man eingeht, wenn man sein Leben freiwillig und aus Liebe verliert, um es dann zu gewinnen.

Gespr├Ąch mit Christus: Herr, ich lege mein Leben ganz in deine H├Ąnde. Du handelst in der Geschichte, und du liebst uns. Darauf vertraue ich. Lass mich durch diese Einsicht verstehen, was dein Wille f├╝r mich heute und jeden Tag ist.

Vorsatz: Heute dem Herrn f├╝r einen Moment in meinem Leben danken, an dem ich seine liebende F├╝rsorge ganz pers├Ânlich erfahren durfte.


Gebet zwischen Gottlosigkeit und Gottvertrauen

16. November 2019

Samstag der zweiunddrei├čigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Margarete von Schottland, K├Ânigin

P. László Erffa LC

Lk 18,1-8
In jener Zeit sagte Jesus den J├╝ngern durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten: In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht f├╝rchtete und auf keinen Menschen R├╝cksicht nahm. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind! Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich f├╝rchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen R├╝cksicht; trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie l├Ąsst mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schl├Ągt mich ins Gesicht. Und der Herr f├╝gte hinzu: Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt. Sollte Gott seinen Auserw├Ąhlten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern z├Âgern. Ich sage euch: Er wird ihnen unverz├╝glich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden?

Einf├╝hrendes Gebet: Herr, erleuchte mein Gebetsleben ganz konkret durch dieses Evangelium heute. Hilf mir zu erkennen, ob ich in meiner Beziehung zu dir wirklich ganz allein auf dich vertraue. Ich bitte dich: lass mich immer mehr vertrauen.

Bitte: Herr, lehre mich beten!

1. Gottlos. Der Mensch kann sich frei gegen Gott stellen, direkt oder indirekt. Beim Richter in diesem Gleichnis ist beides der Fall: Er f├╝rchtet Gott nicht und verachtet auch das Recht, das ihm von Gott anvertraut ist, um es gut zu verwalten. Was kann Gott angesichts dieser Ablehnung tun? Wie k├Ânnen wir selber einen solchen Menschen erreichen, aus seiner Verkrustung herausholen und zu Gottes Liebe f├╝hren? Am Ende kann es nur eine freie Entscheidung dieses Menschen sein. Sei sie durch Liebe oder durch andere, niedrigere Motive angesto├čen worden.

2. Zu Gott schreien. Wird Gott seinen Auserw├Ąhlten nicht Recht verschaffen, wenn es selbst ein gottloser Richter tut? Die Witwe in dem Gleichnis vertraut vollkommen auf Gott, auch in dieser schwierigen Situation. Sie wei├č, dass Gott Ursprung der Gerechtigkeit ist und so fordert sie ihr Recht nicht nur direkt vom ungerechten Richter ein, sondern durch ihn auch indirekt von Gott. Nur Gott kann in der Verworrenheit dieser Welt wirklich Recht schaffen. Nicht einmal ein gerechter Richter kann das bewerkstelligen.

3. Gott wirkt. Gottes Wege sind anders. Er wirkt anders, als wir es erwarten. Er kann selbst ÔÇ×gottloseÔÇť Werkzeuge zu seinem Zweck verwenden, denn f├╝r ihn als Sch├Âpfer ist nichts wirklich gottlos. Alles wird von seiner Vorsehung gelenkt. Das erkennt und glaubt die Witwe, und das ist die Quelle ihrer Zuversicht im Gebet: Alle Gerechtigkeit kommt von Gott. Er wirkt, und er wird es richten. Unverz├╝glich verschafft er seinen Auserw├Ąhlten Recht. Habe ich das auch erfahren? Oder wurde ich vielleicht manchmal in dieser Hinsicht entt├Ąuscht? In diesen Momenten darf ich nicht vergessen: Gottes Wege sind anders. Er sorgt sich um mich und verschafft mir, was ich brauche; auch, und besonders dann, wenn ich es nicht erkenne.

Gespr├Ąch mit Christus: Herr, du willst meine Sehnsucht nach dir im Gebet wachsen lassen, deswegen muss ich manchmal auf deinen Trost warten. Hilf mir zu verstehen, dass auch das Teil deines Planes ist. Und gib mir das Vertrauen, das dann zu ertragen.

Vorsatz: Heute will ich f├╝r jemanden, der sich bewusst oder unbewusst von Gott entfernt hat, ein kleines Opfer darbringen.