Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 13. Oktober 2019 bis Samstag 19. Oktober 2019

Achtundzwanzigste Woche im Jahreskreis

Beate Scheilen

Undank ist der Welt LohnSonntag
VerstockungMontag
Muss ich als Christ Veganer sein?Dienstag
Der Kompass steht schiefMittwoch
Macht euch auf etwas gefasst…Donnerstag
JĂĽnger leben mittendrinFreitag
Heilige PlanlosigkeitSamstag


Undank ist der Welt Lohn

13. Oktober 2019

Achtundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis
Fatimatag (Sonnenwunder)

Beate Scheilen

Lk 17,11-19
Es geschah auf dem Weg nach Jerusalem: Jesus zog durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa. Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns! Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und es geschah: Während sie hingingen, wurden sie rein. Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu auf das Angesicht und dankte ihm. Dieser Mann war ein Samariter. Da sagte Jesus: Sind nicht zehn rein geworden? Wo sind die neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden? Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich gerettet.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, auch ich sehne mich nach Heilung fĂĽr meine körperlichen und seelischen Schwachstellen! Ich möchte eine umfassende Heilung, die mich näher zu dir bringt, nicht nur eine Art „geistliches Dragee“, nach dessen Einnahme ich dich nicht mehr nötig habe.

Bitte: Bitte hilf mir, dich in dieser Gebetszeit wirklich zu berĂĽhren!

1. Jesus verlangt Glauben. â€žGeht hin, zeigt euch den Priestern“: Nach mosaischer Gesetzgebung war der Priester zuständig fĂĽr die Beurteilung ansteckender Krankheiten. Er konnte einen Menschen fĂĽr rein oder unrein erklären und damit ĂĽber dessen Kontakt zur Gemeinschaft und die Teilnahme am Gottesdienst entscheiden. Wer an Aussatz litt, musste abgesondert von den Gesunden leben, um diese nicht anzustecken. Im (seltenen) Fall, dass jemand sich geheilt glaubte, war er gehalten, einen Priester aufzusuchen und die Heilung offiziell bestätigen zu lassen. Jesus fordert nun die zehn Männer auf, den Weg zum Priester anzutreten, ohne dass er vorher irgendeine Art Heilung an ihnen vorgenommen hat. Keine BerĂĽhrung findet statt, kein Spruch Jesu fĂĽhrt auf der Stelle Gesundung herbei. Sie sollen einfach auf Treu und Glauben losgehen.

2. Wie geglaubt, so geschehen. Das erinnert an die Hochzeit zu Kana, wo Jesus die Diener aufforderte, hunderte Liter Wasser zu schöpfen, um einem Mangel an Wein abzuhelfen. Und beim Ăśbergang der Israeliten ins Land Kanaan teilte sich der Jordan erst, als die FĂĽĂźe der Priester, die die Bundeslade trugen, bereits im Wasser standen… Hier geht es um die riskante Entscheidung, sich allein auf Jesu Wort hin aus der Isolation wieder unter gesunde Menschen zu begeben, was einem Aussätzigen streng verboten war. Wären die Kranken unterwegs nicht geheilt worden, hätte ihr Auftauchen im Volk ernste Konsequenzen nach sich gezogen. Trotzdem ziehen sie los. Es scheint, dass Gott unseren Glauben an seine Fähigkeit, Wunder zu wirken, manchmal zur Voraussetzung dafĂĽr macht, dies tatsächlich zu tun.

3. Dankbarkeit ist nicht normal. Und das Unglaubliche geschieht: Die zehn Aussätzigen werden gesund. Neun der Geheilten betrachten dies offenbar als so selbstverständlich – oder sind so mit ihrer Freude beschäftigt –, dass sie es nicht fĂĽr nötig halten, zurĂĽckzugehen und sich bei Jesus zu bedanken. Dies tut nur einer – und von dem heiĂźt es vielsagend: „Dieser Mann war ein Samariter“. Also jemand, mit dem ein gläubiger Jude normalerweise nichts zu tun haben wollte. Die Krankheit hatte es offenbar bewirkt, dass die neun den Samariter bei sich duldeten. Kaum ist der Ausnahmezustand vorbei, trennen sich die Wege wieder. Und nur der aus Sicht der Juden „Ungläubige“ weiĂź zu wĂĽrdigen, was Jesus fĂĽr ihn getan hat.

Gespräch mit Christus: Jesus, ist es nicht oft so, dass wir deine Geschenke gar nicht zu schätzen wissen? Vielleicht sind wir durch Gewöhnung „betriebsblind“ geworden, z.B. was die Gnaden angeht, die wir durch die Taufe oder den Besuch der hl. Messe erhalten (haben). Vieles setzen wir als selbstverständlich voraus oder halten es gar fĂĽr eine lästige Pflicht. Nehmen wir es noch wahr, dass du ein Leben von Grund auf verändern kannst, wenn man es dir anvertraut?

Vorsatz: Ich werde mir heute einmal vorstellen, wie mein Leben aussähe, wenn ich von Jesus nie gehört hätte – mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen.


Verstockung

14. Oktober 2019

Montag der achtundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Kallistus I., Papst, Märtyrer

Beate Scheilen

Lk 11,29-32
In jener Zeit als immer mehr Menschen zu Jesus kamen, sagte er: Diese Generation ist böse. Sie fordert ein Zeichen; aber es wird ihr kein anderes gegeben werden als das Zeichen des Jona. Denn wie Jona für die Einwohner von Ninive ein Zeichen war, so wird es auch der Menschensohn für diese Generation sein. Die Königin des Südens wird beim Gericht gegen die Männer dieser Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie kam vom Ende der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören. Hier aber ist einer, der mehr ist als Salomo. Die Männer von Ninive werden beim Gericht gegen diese Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie haben sich nach der Predigt des Jona bekehrt. Hier aber ist einer, der mehr ist als Jona.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, ich will mich jetzt fĂĽr eine kurze Zeit von meinen vielen Beschäftigungen lösen und in deine Nähe kommen. Ich möchte dir meine Freuden und Sorgen bringen und an den deinen teilhaben. In deinem Evangelium will ich die Kraftquelle fĂĽr mein Leben finden.

Bitte: Bitte hilf mir, dass ich mit deinem Herzen die innere Haltung sehen kann, die dich zu diesen Worten brachte.

1. Das genĂĽgt uns nicht. Es macht einen groĂźen Unterschied, ob jemand einen Sachverhalt einfach nicht versteht, oder ob er „dichtmacht“. Jesus hält sein eigenes Volk nicht etwa fĂĽr zu dumm, um ihn als Messias zu erkennen, sondern unterstellt ihm Bosheit - also willentliches Nichtbegreifen. Hat Jesus nicht schon genĂĽgend Zeichen gewirkt? Heilungen, Dämonenaustreibungen, die Brotvermehrung… offenbar genĂĽgt das alles nicht. Vielleicht möchten das Volk und seine religiösen FĂĽhrer ja etwas Spektakuläreres, so wie zu Zeiten von Mose und Elija: dass Feuer vom Himmel fällt, oder dass es Manna regnet, dass die Sonne stillsteht oder dergleichen. Vielleicht ist die Forderung aber auch nur ein Vorwand. Man kann die Ablehnung Jesu gut rechtfertigen, wenn man Bedingungen stellt, von denen man fast sicher sein kann, dass sie nicht erfĂĽllt werden. Das hat sich seit damals nicht geändert…

2. Vorbildliche Heiden. Jesus lässt sich jedenfalls nicht einfangen und verweigert jegliches Wunder, das nicht der Hilfe fĂĽr notleidende Menschen dient. Stattdessen erinnert er die Israeliten an zwei Beispiele, die ihnen zu denken geben mĂĽssten: eine heidnische Königin, die den weiten Weg nach Jerusalem machte, um Salomo reden zu hören – und die Einwohner einer ebenfalls heidnischen Stadt, die ihr Leben völlig änderten, nachdem Jona ihnen gepredigt hatte. Jesus stellt unmissverständlich klar, dass er mehr ist als irgendein König oder Prophet. Er hat nicht nur Lebensweisheiten zu bieten, oder Gottes Gericht anzukĂĽndigen. Er ist Gott selbst – und er erwartet eine Entscheidung von seinem Volk. Dieses jedoch ist bis auf wenige Ausnahmen nicht aufnahmebereit fĂĽr ihn. Es ist schon so weit von seinem Gott abgedriftet, dass es ihn nun nicht mehr erkennt. Es kann nicht, weil es nicht will. Das ist das Drama der Verstockung.

3. Jesus manipuliert nicht. Fakt ist: Die Leute bekommen ihr Zeichen nicht. Jesus möchte eine freie Entscheidung, die nicht unter dem Einfluss dramatischer Wunderszenarien getroffen wird. Er manipuliert die Menschen nicht. Wer wirklich glauben möchte, wer ehrlich sucht und sich beschenken lassen möchte, erhält auch im normalen Alltag die nötigen Einsichten. Wer sich Jesus bewusst verschlieĂźt, der wird auch nicht glauben, wenn jemand von den Toten aufersteht (wie schon der Reiche im Gleichnis vom armen Lazarus feststellte). Habe ich schon mal darĂĽber nachgedacht, warum Jesus öffentlich gestorben, aber nicht öffentlich auferstanden ist? Warum Gott sich uns nicht deutlicher zeigt?

Gespräch mit Christus: Jesus, du lässt auch denen, die in die Irre gehen, ihre Freiheit. Du manipulierst nicht und du zwingst nicht. Hilf mir, dies auch in meiner eigenen apostolischen Tätigkeit zu beherzigen.

Vorsatz: Diese Woche werde ich darĂĽber nachdenken, auf welche Weise ich mit Menschen, die dem Glauben fernstehen, ĂĽber Jesus spreche. Wie stelle ich ihn dar? Als Weisheitslehrer? Als Gott, dem auf Dauer keiner widerstehen kann? Als….?


Muss ich als Christ Veganer sein?

15. Oktober 2019

Hl. Theresia von Jesus (von Avila) OrdensgrĂĽnderin, Kirchenlehrerin
Gedenktag

Beate Scheilen

Lk 11,37-41
In jener Zeit lud ein Pharisäer Jesus zum Essen ein. Jesus ging zu ihm und setzte sich zu Tisch. Als der Pharisäer sah, dass er sich vor dem Essen nicht die Hände wusch, war er verwundert. Da sagte der Herr zu ihm: O ihr Pharisäer! Ihr haltet zwar Becher und Teller außen sauber, innen aber seid ihr voll Raubgier und Bosheit. Ihr Unverständigen! Hat nicht der, der das Äußere schuf, auch das Innere geschaffen? Gebt lieber, was in den Schüsseln ist, den Armen, dann ist für euch alles rein.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, viele deiner Worte waren fĂĽr deine Zeitgenossen schwierig zu verstehen. Hilf mir, die Wahrheit zu erkennen, die du mir in dieser Gebetszeit zeigen willst.

Bitte: Herr, hilf mir, nicht nur äuĂźerlich fromme Pflichten zu erfĂĽllen oder gar Ersatzreligionen einzufĂĽhren, sondern mein Inneres von dir umwandeln zu lassen!

1. Kritik an der Speisekarte. Ehrlich gesagt bin ich froh, dass ich mit dem ganzen GeschirrspĂĽlen nichts zu schaffen habe! Als Christ darf ich meinen Teller notfalls zweimal verwenden, und an Speisevorschriften muss ich mich auch nicht halten. Meine Welt war also in Ordnung - bis ich einer ĂĽberzeugten Veganerin begegnete, die mich fragte, wie ich es denn als Christ verantworten könne, Fleisch zu essen, wo die Tiere doch auch Geschöpfe Gottes seien, denen durch Massentierhaltung und Schlachtung Gewalt angetan werde. Der moralische Rechtfertigungsdruck, unter den ich da geriet, lässt sich durchaus mit der Situation des Pharisäers vergleichen, dem vom Herrn Heuchelei vorgeworfen wird. Sollte ich mir ab jetzt ernsthaft Gedanken ĂĽber den Inhalt meiner SchĂĽsseln machen?

2. Eifer fĂĽr eine gute Sache als Gebot fĂĽr alle? Immerhin muss man den Kämpfern fĂĽr Tier-, Umwelt- und Klimaschutz zugutehalten, dass sie einen Eifer zeigen, den man sich bei den Vertretern des christlichen Glaubens oft vergeblich wĂĽnscht. Gleichwohl sollte man prĂĽfen, was dahintersteht. Die Kirche gibt jedenfalls - abgesehen von Fleischabstinenz am Aschermittwoch und Karfreitag - keine Speisegebote aus. Was wir unserem Körper zufĂĽhren, darĂĽber entscheidet jeder selbst – hoffentlich verantwortungsbewusst. Was Jesus in diesem Fall getan hätte, weiĂź keiner, und es wäre auch seltsam, sich von Menschen, die ansonsten meist kein groĂźes Interesse an christlicher LebensfĂĽhrung zeigen, diesbezĂĽglich Vorgaben machen zu lassen.

3. Wir sind nur Gast auf Erden. Im Ăśbrigen wäre selbst eine Welt von körperlich gesunden Menschen, ohne Tierquälerei und Ozonloch, leider immer noch kein Paradies auf Erden, sondern weiterhin eine gefallene Welt, die unter dem Gesetz der SĂĽnde steht und sich nicht selbst erlösen kann. Wir sind bekanntlich nur Gast auf Erden und können hier kein Paradies erschaffen. Der Ansatz muss also tiefer gehen. Ist mir das bewusst, oder lasse ich mich in den Trend hineinziehen, diese Welt und uns selbst so optimieren zu wollen, dass wir Gott nicht mehr brauchen? Der Pharisäer von heute braucht keine religiösen Riten mehr, um sich als besserer Mensch zu fĂĽhlen. Es genĂĽgt die „richtige“ Einstellung zu bestimmten gesellschaftlichen Fragen. Als Christ muss ich mir zu denen verantwortlich meine Meinung bilden – und wissen, dass Jesus mein Herr ist und dieses Leben nur eine Vorschau auf das wahre Paradies.

Gespräch mit Christus: Herr, du warst vor zweitausend Jahren als Mensch auf dieser Erde und hast unter Bedingungen gelebt, die uns heute sehr fremd vorkommen. Bewahre mich davor, einfach die WĂĽnsche und Vorstellungen unserer Gegenwartskultur in deine Aussagen hineinzudeuten! Hilf mir, neue Wege zu finden, den Sinn deiner Worte den Menschen meiner Zeit zu vermitteln.

Vorsatz: Ich werde diese Woche versuchen, ein schwieriges Thema (z.B. Abtreibung, Euthanasie, Ehe fĂĽr alle, Zölibat…) in Worte zu fassen, die auch kirchlich nicht sozialisierte Menschen verstehen können oder mich wenigstens gut darĂĽber informieren.


Der Kompass steht schief

16. Oktober 2019

Mittwoch der achtundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Marguerite-Marie Alacoque OVM
Hl. Hedwig, Herzogin
Hl. Gallus, Mönch, Einsiedler, Glaubensbote

Beate Scheilen

Lk 11,42 -46
In jener Zeit sprach Jesus: Weh euch Pharisäern! Ihr gebt den Zehnten von Minze, Gewürzkraut und allem Gemüse, die Gerechtigkeit aber und die Liebe zu Gott vergesst ihr. Man muss das eine tun, ohne das andere zu unterlassen. Weh euch Pharisäern! Ihr wollt in den Synagogen den vordersten Sitz haben und auf den Straßen und Plätzen von allen gegrüßt werden. Weh euch: Ihr seid wie Gräber, die man nicht mehr sieht; die Leute gehen darüber, ohne es zu merken. Darauf erwiderte ihm ein Gesetzeslehrer: Meister, damit beleidigst du auch uns. Er antwortete: Weh auch euch Gesetzeslehrern! Ihr ladet den Menschen Lasten auf, die sie kaum tragen können, selbst aber rührt ihr keinen Finger dafür.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, ich bin gespannt, was du aus dieser Gebetszeit machen wirst! Wir alle wissen, dass die Pharisäer seltsame Leute waren – aber was hat das mit mir zu tun? Ich lebe im Jahr 2019 und „verzehnte“ keine KĂĽchenkräuter. Was also willst du mir sagen?

Bitte: Herr, bitte zeige mir, was diese Schriftstelle fĂĽr mich persönlich bedeutet und bewahre mich vor vorschnellem Urteilen.

1. Auf der sicheren Seite. Die Pharisäer hatten den löblichen Vorsatz, gottgefällig zu leben, Darum nahmen sie die Gebote sehr ernst und entrichteten ihre 10%-Abgabe (die laut Gesetz vor allem den Ertrag an Wein, Ă–l und Getreide betraf) auch auf alles, was in ihrem Garten wuchs. So konnten sie Gott gegenĂĽber auf der sicheren Seite sein und auĂźerdem noch als Vorbild fĂĽr ihre Mitmenschen dastehen – die ihnen dafĂĽr auch den entsprechenden Respekt erweisen sollten.

2. Ablenkung. Wichtig fĂĽr die Pharisäer war es auch, sich nicht an und in der „Welt“ zu verunreinigen. Daher gab es viele Regeln, was man alles nicht tun: nicht essen, nicht trinken und nicht anfassen durfte. Aber fĂĽhrt man so wirklich ein reines Leben? Jesus legt den Finger auf die Wunde: Dieses Vorgehen lenkt das Gewissen von der Hauptsache ab, der innere Kompass richtet sich falsch aus: Statt auf die Liebe zu Gott ist er auf die Vermeidung von Fehlverhalten und auf die ErfĂĽllung zahlreicher Formalien orientiert.

3. Was ist Reinheit? AuĂźerdem kann kein Mensch allein aus sich selbst heraus wirklich „rein“ sein, denn wir alle tragen noch die Folgen der ErbsĂĽnde in uns, den „SĂĽndenzunder“. In jedem Herzen sitzt „Schmutz“ in Form liebloser Gedanken und egozentrischer Neigungen; nur merken wir das oft selber nicht. Im Grunde neigt jeder Mensch zum Pharisäertum: Er findet gut, was er selber tut und ist versucht, auf die herabzuschauen, die seiner Ansicht nach nicht richtig leben. Auf uns bezogen heiĂźt das: „Ich bin ein guter Christ, wenn ich alle Kirchengebote halte und auĂźerdem den Umgang mit schlechten Menschen meide“. Das geht aber am Kern des Glaubens, der Verinnerlichung, vorbei. Und es birgt die Gefahr, dass ich meine, ich hätte Jesus als Erlöser gar nicht mehr nötig. Jesus nennt die Pharisäer „Gräber, die man nicht sieht“. Was heiĂźt das? BerĂĽhrung mit Toten und Gräbern machte einen Menschen unrein. Normalerweise merkt man, wenn man mit etwas Unreinem oder Schädlichem zu tun hat. Bei den Pharisäern merkt man es nicht – im Gegenteil, sie gelten als die geistliche Elite, die man nachahmen soll. Das macht sie umso gefährlicher.

Gespräch mit Christus: Jesus, ich danke dir fĂĽr diese Gebetszeit. Du lässt mich immer wieder erkennen, wie groĂź der Unterschied zwischen Herzens- und Gesetzesfrömmigkeit ist. Bewahre mich davor, mich nur an den Wortlaut bestimmter Gebote zu halten, ohne dass mein Herz von deiner Liebe berĂĽhrt wird.

Vorsatz: Ich werde mir heute zehn Minuten Zeit nehmen, um darĂĽber nachzudenken, wo mein geistliches Leben ein Handeln „nach dem Buchstaben“ ist. Dann werde ich Gott um die Kraft bitten, mich in diesem Punkt zu ändern.


Macht euch auf etwas gefasst…

17. Oktober 2019

Hl. Ignatius von Antiochien, Bischof, Märtyrer
Gedenktag

Beate Scheilen

Lk 11,47-54
In jener Zeit sprach Jesus: Weh euch! Ihr errichtet Denkmäler für die Propheten, die von euren Vätern umgebracht wurden. Damit bestätigt und billigt ihr, was eure Väter getan haben. Sie haben die Propheten umgebracht, ihr errichtet ihnen Bauten. Deshalb hat auch die Weisheit Gottes gesagt: Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden, und sie werden einige von ihnen töten und andere verfolgen, damit das Blut aller Propheten, das seit der Erschaffung der Welt vergossen worden ist, an dieser Generation gerächt wird, vom Blut Abels bis zum Blut des Zacharias, der im Vorhof zwischen Altar und Tempel umgebracht wurde. Ja, das sage ich euch: An dieser Generation wird es gerächt werden. Weh euch Gesetzeslehrern! Ihr habt den Schlüssel der Tür zur Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die, die hineingehen wollten, habt ihr daran gehindert. Als Jesus das Haus verlassen hatte, begannen die Schriftgelehrten und die Pharisäer, ihn mit vielerlei Fragen hartnäckig zu bedrängen; sie versuchten, ihm eine Falle zu stellen, damit er sich in seinen eigenen Worten verfange.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, es gibt einfachere Stellen im Evangelium als diese, wo von Blut, Mord und Rache die Rede ist. Aber ich möchte mich trotzdem daran wagen, sie mit dir zusammen zu betrachten.

Bitte: Bitte schicke mir deinen Heiligen Geist fĂĽr diese Gebetszeit.

1. Ehrlichkeit kommt nicht gut an. In der Geschichte Israels gab es zahlreiche Propheten, und nicht wenige von ihnen fanden einen gewaltsamen Tod. Die Mörder waren aber nicht Feinde, sondern Angehörige des eigenen Volkes. Warum dieser Hass? Die Propheten hielten dem Volk, das von Gott abgedriftet war, den Spiegel vor. Sie kĂĽmmerten sich nicht um „political correctness“, sondern sprachen Missstände offen an. Was folgte, war meist keine Bekehrung, sondern ein Angriff. Ehrlichkeit kommt nicht gut an. Kommt uns das nicht auch heute bekannt vor? Wer z.B. vor einer Abtreibungsklinik an einer Mahnwache teilnimmt, darf sich auf einiges gefasst machen…

2. Man erntet, was man gesät hat. Jesus steigert seine Aussagen ins Ungeheuerliche, um das UnglĂĽck abzuwenden. Doch sagt er prophetisch voraus, dass diese seine Generation fĂĽr den Tod sämtlicher Propheten seit Beginn der Welt zur Verantwortung gezogen werden wird. Warum muss diese Generation so teuer bezahlen? Weil sie mit Jesus den letzten und größten Propheten töten wird – den, der mehr ist als Jona oder Salomon. 39 Jahre nach der Kreuzigung Jesu wird Jerusalem durch die Römer in Schutt und Asche gelegt. Der Tempel wird zerstört, das Volk Israel in alle Winde zerstreut. Was man sät, das erntet man…

3. Verantwortung ist ernst zu nehmen. Zu allem Ăśberfluss wirft Jesus den Theologen seiner Zeit vor, dass sie nicht nur selbst an der Erkenntnis Gottes vorbeilaufen, sondern auch noch jeden, der dieses Ziel anpeilt, vom Weg abbringen. Nach jĂĽdischer Sitte wurde einem Rabbi bei der AmtseinfĂĽhrung symbolisch ein SchlĂĽssel ĂĽbergeben mit den Worten: „Wir geben dir die Macht zu binden und zu lösen.“ Der SchlĂĽssel steht fĂĽr den offenen Zugang zu den HeilsgĂĽtern und fĂĽr das Amt, das anderen diesen Zugang erschlieĂźen soll. Wie tragisch, wenn nun dieser Amtsträger den SchlĂĽssel wegwirft, indem er die Glaubenslehre verfälscht oder verdunkelt! Er wird sich vor Gott nicht nur fĂĽr das eigene Leben, sondern auch fĂĽr alle verantworten mĂĽssen, die durch seine Schuld nicht zu Gott gefunden haben. Wer jetzt erleichtert aufatmet, weil er kein geistliches Amt innehat, möge trotzdem bedenken: „Wir sind Kirche“, d.h. jeder getaufte und gefirmte Christ hat eine Verantwortung fĂĽr die Weitergabe des Glaubens, die er nicht auf die Amtsträger abschieben kann – obgleich diese natĂĽrlich eine größere Verantwortung haben.

Gespräch mit Christus: Herr, du bist immer wieder mit provozierenden Fragen konfrontiert worden. Du hast deutliche Antworten gegeben, aber du bist nie aggressiv geworden. Heute herrscht in Diskussionsforen ĂĽber christliche Themen oft ein rauer Umgangston, obwohl persönliche Angriffe kein geeignetes Mittel der Glaubensweitergabe sind. Bitte hilf mir, mich nicht in diesen Negativ-Modus hineinziehen zu lassen.

Vorsatz: Heute werde ich mich darum bemĂĽhen, in allem positiv zu handeln, guten Samen zu säen, wahrhaftige Worte zu wählen, das Herz rein zu halten.


JĂĽnger leben mittendrin

18. Oktober 2019

Hl. Evangelist Lukas
Fest

Beate Scheilen

Lk 10,1-9
In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte. Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden. Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemand unterwegs! Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus! Und wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr ihm wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren. Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes! Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt. Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, du hast deine JĂĽnger ausgesandt und mit allen Vollmachten ausgestattet, die sie nötig hatten, um das Reich Gottes zu verbreiten. Hilf mir zu erkennen, dass du auch mir durch Taufe und Firmung alles gegeben hast, was ich brauche, um deine Botschaft zu den Menschen zu bringen.

Bitte: Sende mich heute zu dem Menschen, der meine Zuwendung am nötigsten braucht.

1. Einer ist keiner… Jesus sendet seine JĂĽnger zu zweit aus. Im Judentum galt das Zeugnis einer einzelnen Person gar nichts. Erst mit zwei oder mehr gleichartigen Aussagen galt ein Sachverhalt als bestätigt. Darin liegt ein tiefer Sinn, auch fĂĽr uns heute. Ich selbst kann mir alle möglichen Gedanken zurechtlegen darĂĽber, was Jesus mit dieser und jener Aussage gemeint hat, oder was er wohl als Nächstes von mir möchte, und kann mich damit auch im Kreise drehen. Der Austausch mit meinen Glaubensgeschwistern hilft mir, Klarheit zu finden. „Zu zweit gehen“ stärkt und ermutigt mich im Alltag immer wieder, vor allem, wenn ich Gefahr laufe, mich in einem Thema zu verrennen. Ein regelmäßiges kurzes Gespräch oder Telefonat mit einer vertrauten Person ist eine Möglichkeit zu Austausch, Ermutigung oder auch Korrektur.

2. Selbstbewusste Bescheidenheit im Herrn. Jesu JĂĽnger sollen bescheiden auftreten – aber nicht erbärmlich aussehen oder Hunger leiden! Zwar sollen sie Schuhe tragen und können einen Wanderstab mitnehmen, aber was die Verpflegung angeht, sind sie gehalten, auf Gott und die Gastfreundschaft ihrer Mitmenschen zu vertrauen. Dabei dĂĽrfen sie sogar die jĂĽdischen Speisegebote ignorieren („esst, was man euch vorsetzt“), denn die Botschaft, die sie zu bringen haben, ist es wert! Wir können heute ĂĽberlegen: Was sind meine „Sandalen“ (die Dinge, fĂĽr die ich selbst sorgen muss), und wo sollte ich aufhören zu kalkulieren und stattdessen auf Gott vertrauen, der mich schon versorgen wird, wenn ich in seinem Dienst tätig bin? Wenn ich meinen Mitmenschen Jesus Christus nahebringe, schenke ich ihnen das Wertvollste, was es gibt! Und ich bin geistlich reich ausgestattet fĂĽr diese Aufgabe! Das darf mir bei aller notwendigen Bescheidenheit auch Selbstbewusstsein verleihen, im schlichten Vertrauen auf das Mitwirken des Herrn.

3. Die Kirche beginnt in den Häusern. Jesus schickt seine JĂĽnger nicht zum Predigen in die Synagogen oder auf den Marktplatz. Ihre „Missionsstationen“ sollen die Wohnhäuser sein. Die Familien waren also die Keimzelle fĂĽr die Ausbreitung des Evangeliums. Das hat sich bis heute nicht geändert. Die wenigsten von uns sind berufen, sonntags in der Kirche zu predigen – aber jeder von uns hat die Möglichkeit, in seiner Wohnung oder im Haus von Freunden ein Zeugnis fĂĽr seinen Glauben zu geben – auch wenn es nur ein kleines ist. Vergessen wir nicht: Laien können zu Menschen vordringen, die nie auf die Idee kämen, in die Kirche zu gehen oder mit einem Priester zu sprechen! Oder um es mit einem Buchtitel zu sagen: „JĂĽnger leben mittendrin.“ Gott vertraut mir diese Menschen an!

Gespräch mit Christus: Jesus, deine JĂĽnger waren Menschen vom Land und hatten keine akademischen Titel vorzuweisen. Trotzdem haben sie Menschen mit Worten und Taten geholfen, weil du ihnen die Möglichkeit dazu gegeben hast. Das macht mir Mut. Ich möchte dir trotz meiner menschlichen Unzulänglichkeiten anbieten, in deinem Dienst loszuziehen. Dabei will ich darauf vertrauen, dass du mich unterwegs mit allem versorgst, was ich brauche – geistlich und materiell.

Vorsatz: Ich will mir ĂĽberlegen, mit wem ich geistlich „zu zweit unterwegs“ sein kann.


Heilige Planlosigkeit

19. Oktober 2019

Samstag der achtundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hll. Johannes de Brébeuf und Isaak Jogues und Gefährten, Märtyrer
Hl. Paul vom Kreuz, Priester, OrdensgrĂĽnder

Beate Scheilen

Lk 12,8-12
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich sage euch: Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem wird sich auch der Menschensohn vor den Engeln Gottes bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, der wird auch vor den Engeln Gottes verleugnet werden. Jedem, der etwas gegen den Menschensohn sagt, wird vergeben werden; wer aber den Heiligen Geist lästert, dem wird nicht vergeben. Wenn man euch vor die Gerichte der Synagogen und vor die Herrscher und Machthaber schleppt, dann macht euch keine Sorgen, wie ihr euch verteidigen oder was ihr sagen sollt. Denn der Heilige Geist wird euch in der gleichen Stunde eingeben, was ihr sagen müsst.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, ich möchte diese Zeit ganz bewusst an deinem Herzen verbringen. Du bittest unaufhörlich um die Liebe jedes Menschen; ich möchte dir heute meine Liebe geben.

Bitte: Herr, schenke mir Aufmerksamkeit fĂĽr die Botschaft, die du heute fĂĽr mich ganz persönlich hast.

1. Christsein ist kein Versteckspiel. Jesus macht es einem nicht leicht. Er scheint sich nämlich immer mal wieder selbst zu widersprechen. Kaum hat man die Stelle beherzigt, wo er vor der Zurschaustellung beim Beten warnt („Wenn du betest, geh in deine Kammer“), wird man nun aufgefordert, sich vor anderen Menschen zu Jesus zu bekennen. Christ sein, ohne dass es jemand merkt, ist zwar bequem und stört niemanden, aber es ist wohl doch nicht ganz das, was Jesus sich vorstellt. Im Gegenteil: Nur wer öffentlich zu Jesus steht, darf damit rechnen, dass Jesus sich am Ende auch zu ihm bekennt. Von Ausnahmen ist keine Rede. Auch wenn mir das Bekenntnis Nachteile bringen kann, soll ich meine Beziehung zu Jesus nicht verstecken. Was das im Zweifelsfall bedeutet, davon können viele Christen im Nahen Osten, in Nordkorea oder in der ehemaligen Sowjetunion einiges erzählen.

2. Ein unglaubliches Versprechen. Jesus verlangt viel, aber er hilft auch dabei. Seine JĂĽnger werden vor den Gerichten, Herrschern und Machthabern dieser Welt nicht alleine und reduziert auf ihre menschlichen Möglichkeiten dastehen. Weil Jesus ihnen fĂĽr solche Fälle seinen Beistand verspricht, brauchen sie sich vorab keine klugen Reden zurechtzulegen. „In der gleichen Stunde“, also just wenn sie benötigt werden, wird der Heilige Geist den Anhängern Jesu die Worte eingeben, die sie ihren Gegnern erwidern sollen, unabhängig von ihrem Bildungsniveau und ihren rednerischen Fähigkeiten. Diese Aufforderung zu einer Art „heiliger Planlosigkeit“ ist schon atemberaubend! In Deutschland kommt man zwar fĂĽr den Glauben (noch) nicht ins Gefängnis, aber die eine oder andere unangenehme Situation kann es schon mal geben. Wie wäre es, wenn wir auch da dieses Versprechen unseres Herrn ernst nehmen wĂĽrden?

3. Das Geheimnis der Freiheit. Warum macht Jesus nun einen Unterschied zwischen der Zustimmung zu ihm als „Menschensohn“ und dem Heiligen Geist? Wer etwas gegen Jesus sagt, dem kann vergeben werden – wer den Heiligen Geist lästert, kann keine Vergebung erhalten. Ist Jesus demnach weniger wichtig? Wohl kaum. Vielleicht kann man es so sehen: In Jesus hat Gott sich bewusst zum „Diener“ gemacht und hat dabei auch riskiert, nicht ernst genommen zu werden, weil viele Leute nur das menschliche Ă„uĂźere und die eher einfache Herkunft Jesu gesehen haben. Ihn nicht als Gott anzuerkennen, wäre somit verzeihlich. Wer sich allerdings direkt gegen den Geist Gottes wendet, wohl wissend, mit wem er es zu tun hat, der will bewusst eine Anti-Haltung einnehmen. Er kann keine Vergebung erhalten, weil er keine will – nicht, weil Gott sie nicht geben wĂĽrde! Hier stehen wir wieder vor dem Geheimnis der Freiheit, die Gott uns Menschen zugesteht. Sie kann so schreckliche Konsequenzen haben, dass man sich manchmal fast wĂĽnschen wĂĽrde, Gott wĂĽrde uns ein wenig zu unserem GlĂĽck zwingen. Aber damit wäre die Liebe am Ende…

Gespräch mit Christus: Jesus, mein oberstes Ziel soll ab heute die Herzensgemeinschaft mit dir sein! Von da aus werden sich alle schwierigen Situationen viel einfacher klären, als wenn ich alleine damit fertig werden wollte.

Vorsatz: Heute will ich mich bewusst zu Jesus bekennen – und wenn es nur um eine Kleinigkeit geht.