Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 15. September 2019 bis Samstag 21. September 2019

Vierundzwanzigste Woche im Jahreskreis

P. Nikolaus Klemeyer LC

Die Suche GottesSonntag
Der Geist wahren BittgebetsMontag
Christi Antwort auf die Einsamkeit des TodesDienstag
Gottes Weisheit steht ĂŒber allemMittwoch
Die Heilung der SeeleDonnerstag
Die Botschaft Christi Freitag
Der Ruf in die engere NachfolgeSamstag


Die Suche Gottes

15. September 2019

Vierundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis
GedÀchtnis der Schmerzen Mariens

P. Nikolaus Klemeyer LC

Lk 15,1-10
In jener Zeit kamen alle Zöllner und SĂŒnder zu Jesus, um ihn zu hören. Die PharisĂ€er und die Schriftgelehrten empörten sich darĂŒber und sagten: Dieser nimmt SĂŒnder auf und isst mit ihnen. Da erzĂ€hlte er ihnen dieses Gleichnis und sagte: Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lĂ€sst er dann nicht die neunundneunzig in der WĂŒste zurĂŒck und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er die Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war! Ich sage euch: Ebenso wird im Himmel mehr Freude herrschen ĂŒber einen einzigen SĂŒnder, der umkehrt, als ĂŒber neunundneunzig Gerechte, die keine Umkehr nötig haben. Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zĂŒndet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das Haus und sucht sorgfĂ€ltig, bis sie die Drachme findet? Und wenn sie diese gefunden hat, ruft sie die Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir, denn ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte! Ebenso, sage ich euch, herrscht bei den Engeln Gottes Freude ĂŒber einen einzigen SĂŒnder, der umkehrt.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, so wie du dich auf die Suche machst nach uns, so möchte ich mich nun innerlich aufmachen und dich suchen.

Bitte: Schenke mir ein offenes Herz, welches das Licht sucht und die Dunkelheit und Verwirrung meidet.

1. Verloren gehen. Wir empfinden die SĂŒnde oft als etwas Aktives: eine Handlung, in der ich mich gegen Gott, die Mitmenschen und gegen mich selber stelle. Christus sieht die SĂŒnde als ein „Verloren gehen“. Nicht um die Schwere zu mindern, sondern um auf ihre zerstörerische Auswirkung in mir hinzuweisen: Man gerĂ€t in Dunkelheit und Verwirrung.

2. Die Suche Gottes. Und so kann man der ganzen Heilsgeschichte auch den Titel geben „die Suche Gottes nach dem Menschen“. Christus macht sich auf die Suche nach dem verlorenen Menschen. Er ist derjenige, der sich aufmacht, aufbricht, um den Menschen aus der Verlorenheit zum Licht zurĂŒckzubringen.

3. Die Freude der Bekehrung. Nachdem man wiedergefunden ist, folgt immer ein Fest unter Freunden. Die Bekehrung und das Wiederfinden des Weges Gottes fĂŒhren uns immer in die Freude der kirchlichen Gemeinschaft. Es geht Gott nicht um eine Art „egoistischer Wiedergutmachung“, so als wĂŒnsche er, dass wir ihn, und nur ihn persönlich um Verzeihung bitten. Ziel ist vielmehr, in die Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott zurĂŒckgefĂŒhrt zu werden, und dadurch auch in die Gemeinschaft mit der Kirche und der Menschheit.

GesprĂ€ch mit Christus: Wenn wir mit Freude empfangen werden, dann öffnet sich unser Herz. Diese Freude empfindest du, Herr, jedes Mal, wenn wir uns aufmachen und in dein Licht begeben. Ich möchte nicht zögern, mich dir dort zu öffnen, wo ich noch der heilenden Gnade bedarf.

Vorsatz: Ich nehme mir vor, offen gegenĂŒber einer Person zu sein, die ich eher meiden wĂŒrde.


Der Geist wahren Bittgebets

16. September 2019

Hll. Kornelius, Papst, MĂ€rtyrer und Cyprian von Karthago, Bischof, MĂ€rtyrer
Gedenktag

P. Nikolaus Klemeyer LC

Lk 7,1-10
In jener Zeit als Jesus seine Rede vor dem Volk beendet hatte, ging er nach Kafarnaum hinein. Ein Hauptmann hatte einen Diener, der todkrank war und den er sehr schĂ€tzte. Als der Hauptmann von Jesus hörte, schickte er einige von den jĂŒdischen Ältesten zu ihm mit der Bitte, zu kommen und seinen Diener zu retten. Sie gingen zu Jesus und baten ihn instĂ€ndig. Sie sagten: Er verdient es, dass du seine Bitte erfĂŒllst; denn er liebt unser Volk und hat uns die Synagoge gebaut. Da ging Jesus mit ihnen. Als er nicht mehr weit von dem Haus entfernt war, schickte der Hauptmann Freunde und ließ ihm sagen: Herr, bemĂŒh dich nicht! Denn ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst. Deshalb habe ich mich auch nicht fĂŒr wĂŒrdig gehalten, selbst zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, dann muss mein Diener gesund werden. Auch ich muss Befehlen gehorchen, und ich habe selber Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es. Jesus war erstaunt ĂŒber ihn, als er das hörte. Und er wandte sich um und sagte zu den Leuten, die ihm folgten: Ich sage euch: Nicht einmal in Israel habe ich einen solchen Glauben gefunden. Und als die MĂ€nner, die der Hauptmann geschickt hatte, in das Haus zurĂŒckkehrten, stellten sie fest, dass der Diener gesund war.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, wie der Hauptmann komme ich in Demut und Ehrfurcht zu dir, denn nur ein demĂŒtiges Herz darf dich sehen.

Bitte: Lehre mich, uneigennĂŒtzig vor dir zu stehen und FĂŒrsprache zu leisten fĂŒr die Nöte der Menschen.

1. Ein Mittler. Wir sind eine MentalitĂ€t gewöhnt, in der alles fĂŒr uns direkt erreichbar erscheint: Wissen, Kenntnis und FĂ€higkeiten scheinen uns zum Greifen nahe. Es reicht, im Internet einen Suchbegriff einzugeben, und schon meinen wir, die besten Ärzte, Handwerker und Manager zu sein. Der Hauptmann weiß um seine Stellung als Heide und respektiert die Mittlerschaft der Ältesten. Ein Zeichen der Ehrfurcht und Demut gegenĂŒber Gott.

2. Eine uneigennĂŒtzige Bitte. Die schönsten Bitten sind jene, die es nicht auf unseren eigenen Vorteil abgesehen haben. So findet sich in der Bitte des Hauptmanns eine doppelte GrĂ¶ĂŸe. Erstens bittet er nicht fĂŒr sich selbst und zweitens fĂŒr einen Untergebenen. Gegenstand der Bitte an Jesus ist nicht eine hochrangige Person oder Sache, sondern augenscheinlich eine „weniger wichtige“ Person.

3. Im Zentrum steht die Liebe. Zwei Eigenschaften des Hauptmanns stechen hervor. Es ging ihm nicht darum, dass der Diener wieder seinen Dienst erfĂŒllt, sondern es ging ihm um seine Person („er schĂ€tzte ihn sehr“). Und diese Liebe beschrĂ€nkt sich nicht auf wenige Personen, sondern weitet sich auf das „ganze Volk“ aus: „Er liebt unser Volk“.

GesprĂ€ch mit Christus: Der Hauptmann bringt in UneigennĂŒtzigkeit und Liebe die Bitten vor dich. Du, Herr, hast in deinem Leben ganz in Hingabe an uns und in Liebe zu uns gelebt. Ich danke dir dafĂŒr, und möchte mich dieser Liebe immer mehr öffnen.

Vorsatz: Ich werde heute bewusst fĂŒr eine Person in Not bitten.


Christi Antwort auf die Einsamkeit des Todes

17. September 2019

Dienstag der vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Hildegard von Bingen OSB, Äbtissin und Mystikerin
Hl. Robert Bellarmin, Bischof und Kirchenlehrer

P. Nikolaus Klemeyer LC

Lk 7,11-17
In jener Zeit ging Jesus in eine Stadt namens NaĂŻn; seine JĂŒnger und eine große Menschenmenge folgten ihm. Als er in die NĂ€he des Stadttors kam, trug man gerade einen Toten heraus. Es war der einzige Sohn seiner Mutter, einer Witwe. Und viele Leute aus der Stadt begleiteten sie. Als der Herr die Frau sah, hatte er Mitleid mit ihr und sagte zu ihr: Weine nicht! Dann ging er zu der Bahre hin und fasste sie an. Die TrĂ€ger blieben stehen, und er sagte: Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf! Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen, und Jesus gab ihn seiner Mutter zurĂŒck. Alle wurden von Furcht ergriffen; sie priesen Gott und sagten: Ein großer Prophet ist unter uns aufgetreten: Gott hat sich seines Volkes angenommen. Und die Kunde davon verbreitete sich ĂŒberall in JudĂ€a und im ganzen Gebiet ringsum.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, oft mĂŒssen wir Einsamkeit erfahren, gerade auch durch den Tod uns nahestehender Menschen. Du gibst uns hier eine Antwort auf diese Not, auf die ich hören möchte.

Bitte: StĂ€rke meinen Glauben an die Auferstehung, denn dieser Glaube kann schon hier auf Erden, gerade in Zeiten der Trauer, wirkliche Hoffnung und Zuversicht vermitteln.

1. Der Tod und die Gemeinschaft. Der Tote wird aus der Stadt gebracht. Neben der persönlichen Trauer, die sich beim Tod eines Angehörigen einstellt, wird auch immer eine bisher vorhandene Gemeinschaft erschĂŒttert und getroffen. Der junge Mann hatte eine persönliche Beziehung zur Mutter, aber er war fĂŒr sie und andere Mitglieder der Familie und des Freundeskreises auch Teil der Gemeinschaft und Gesellschaft. So ist das Heraustragen aus der Stadt auch ein Zeichen dafĂŒr, dass der Tod eines Menschen ein „Loch“ in die Gesellschaft bzw. Gemeinschaft reißt.

2. Der Tod fĂŒhrt zu Einsamkeit. Mit dem Kommentar, dass er der einzige Sohn einer Witwe war, wird die doppelte Einsamkeit spĂŒrbar, die hier durch den Tod entsteht. Die Witwe kann ihr nicht einfach entkommen, auch wenn viele Leute sie begleiten. Der Tod schafft eine Einsamkeit, die nicht durch die Gegenwart einer Menge ausgeglichen werden kann.

3. Christus weckt von den Toten auf. Die Antwort Christi, die Auferweckung des JĂŒnglings, beinhaltet mehr als die bloße Wiederherstellung seines Lebens. Mit der Auferweckung ihres Sohnes wird der Witwe wieder eine Lebensperspektive vermittelt, eine Wiedereingliederung in die Gemeinschaft und somit ein Lebensraum, in dem sie aufgehoben ist. All das möchte Christus uns mit der Auferweckung unserer Seele vom Tod der SĂŒnde vermitteln.

GesprĂ€ch mit Christus: Wir Menschen sind Ă€ußerst vernetzt und leben von Beziehungen. Da kann dann der Tod ein „Loch“ in unsere LebensbezĂŒge reißen. Aber durch deine Auferstehung werden alle diese Risse wunderbar geheilt, alle Verluste wiedergutgemacht. Möge ich mir dessen bewusst sein, und so auch Menschen, die keine Hoffnung haben, Trost vermitteln können.

Vorsatz: Ich werde versuchen, einer Person, die trauert, Trost und Mut zuzusprechen.


Gottes Weisheit steht ĂŒber allem

18. September 2019

Mittwoch der vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Lambert, Bischof, Glaubensbote und MĂ€rtyrer

P. Nikolaus Klemeyer LC

Lk 7,31-35
In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Mit wem soll ich also die Menschen dieser Generation vergleichen? Wem sind sie Ă€hnlich? Sie sind wie Kinder, die auf dem Marktplatz sitzen und einander zurufen: Wir haben fĂŒr euch auf der Flöte gespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht geweint. Johannes der TĂ€ufer ist gekommen, er isst kein Brot und trinkt keinen Wein, und ihr sagt: Er ist von einem DĂ€mon besessen. Der Menschensohn ist gekommen, er isst und trinkt; darauf sagt ihr: Dieser Fresser und SĂ€ufer, dieser Freund der Zöllner und SĂŒnder! Und doch hat die Weisheit durch alle ihre Kinder Recht bekommen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, alles kommt von dir. Von nichts können wir sagen, dass wir es ganz selber besitzen und noch weniger, dass wir es „geschaffen“ haben. In diesem Gebet möchte ich mich dieser Wahrheit öffnen.

Bitte: Lehre mich, nicht nur auf das zu schauen, was Kreuz und PrĂŒfung sein mag im Leben, sondern auf das, was du fĂŒr uns als Schöpfer und Erlöser getan hast.

1. Das Volk murrte. Eines der Themen, das sich wie ein roter Faden durch das Alte Testament zieht, ist die Unzufriedenheit des Volkes Gottes: Stete Antwort auf die Liebe und FĂŒrsorge Gottes ist das Murren des Volkes. Gott scheint es ihm nie recht machen zu können. Eine Versuchung, der auch wir im Leben begegnen. Wenn etwas gelingt und gut lĂ€uft, dann wird Gott vergessen. Wenn etwas nicht nach unseren Vorstellungen lĂ€uft, dann ist er schuld.

2. Die Kirche kann es niemandem recht machen. Das Muster der Anklage bleibt das gleiche: Man machte schon damals Christus VorwĂŒrfe, so auch heute der Kirche. Sie kann es niemandem recht machen. Irgendetwas gibt es immer auszusetzen. Aber steckt dahinter nicht oft die fehlende Bereitschaft, sich wirklich einmal auf Christus und seine Botschaft, deren TrĂ€gerin die Kirche ist, einzulassen? Denn die Botschaft Christi erfordert eine Lebensantwort.

3. Gottes Weisheit steht ĂŒber allem. â€žUnd doch hat die Weisheit recht behalten“. Eine vielsagende Aussage, die uns immer wieder ermutigen darf. Gottes Weisheit ist erhabener und wird sich am Ende der Zeiten als wahr erweisen. Dies ist auch unsere Zuversicht. Die VerstĂ€ndnislosigkeit der Welt gegenĂŒber unserem Glauben sollte uns nicht die Gewissheit nehmen, dass unser Glaube ganz der Wahrheit entspricht.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, leicht werden wir zu reinen Nutznießern deiner Botschaft. Wenn es passt, sind wir freudige Christen, wenn der Schuh irgendwo drĂŒckt, dann beklagen wir uns schnell. Dabei ist deine Botschaft Antwort auf alle Lebenssituationen.

Vorsatz: Ich bete heute ein Magnificat, um Gott fĂŒr ein Leid oder Kreuz dankbar zu sein.


Die Heilung der Seele

19. September 2019

Donnerstag der vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Januarius, Bischof und MĂ€rtyrer

P. Nikolaus Klemeyer LC

Lk 7,36-50
In jener Zeit ging Jesus in das Haus eines PharisĂ€ers, der ihn zum Essen eingeladen hatte, und legte sich zu Tisch. Als nun eine SĂŒnderin, die in der Stadt lebte, erfuhr, dass er im Haus des PharisĂ€ers bei Tisch war, kam sie mit einem AlabastergefĂ€ĂŸ voll wohlriechendem Öl und trat von hinten an ihn heran. Dabei weinte sie, und ihre TrĂ€nen fielen auf seine FĂŒĂŸe. Sie trocknete seine FĂŒĂŸe mit ihrem Haar, kĂŒsste sie und salbte sie mit dem Öl. Als der PharisĂ€er, der ihn eingeladen hatte, das sah, dachte er: Wenn er wirklich ein Prophet wĂ€re, mĂŒsste er wissen, was das fĂŒr eine Frau ist, von der er sich berĂŒhren lĂ€sst; er wĂŒsste, dass sie eine SĂŒnderin ist. Da wandte sich Jesus an ihn und sagte: Simon, ich möchte dir etwas sagen. Er erwiderte: Sprich, Meister! Jesus sagte: Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner; der eine war ihm fĂŒnfhundert Denare schuldig, der andere fĂŒnfzig. Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben? Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat. Jesus sagte zu ihm: Du hast Recht. Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum Waschen der FĂŒĂŸe gegeben; sie aber hat ihre TrĂ€nen ĂŒber meinen FĂŒĂŸen vergossen und sie mit ihrem Haar abgetrocknet. Du hast mir zur BegrĂŒĂŸung keinen Kuss gegeben; sie aber hat mir, seit ich hier bin, unaufhörlich die FĂŒĂŸe gekĂŒsst. Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt; sie aber hat mir mit ihrem wohlriechenden Öl die FĂŒĂŸe gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen SĂŒnden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe. Dann sagte er zu ihr: Deine SĂŒnden sind dir vergeben. Da dachten die anderen GĂ€ste: Wer ist das, dass er sogar SĂŒnden vergibt? Er aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, in diesen Momenten des Gebets sprichst du zu mir. Möge ich dich so erfahren, dass mein Leben berĂŒhrt und umgewandelt wird.

Bitte: EntzĂŒnde in mir die Kraft der Liebe, die aus der Gotteserfahrung auch eine Heilserfahrung macht.

1. Christus „erfahren“. Die SĂŒnderin „erfuhr“ davon, dass Christus im Dorf war. Wir haben sicherlich auch viel „erfahren“ ĂŒber den Glauben. Aber das reicht nicht. Glaube ist nicht einfach nur eine Information, die man hört, schön findet, aber dabei bleibt es dann auch.

2. Nach der „Erfahrung“ handeln. Die SĂŒnderin handelt. Die Information trifft ihr Herz und sie sucht Christus auf. Sie bewegt sich, bleibt nicht sitzen, beharrt nicht auf ihrer verkehrten Lebenssituation, sondern ist zur Umkehr bereit. Sie ist bereit, etwas an sich zu Ă€ndern. Gelebter Glaube drĂ€ngt uns immer wieder zu diesem Schritt. Er verhindert, dass wir es uns einfach gemĂŒtlich machen.

3. Treibende Kraft. Treibende Kraft ist dabei die Liebe. Neben der Unruhe, die ihr das Wissen bereitet, SĂŒnden begangen zu haben, drĂ€ngt die Frau noch etwas weiteres. Sie merkt in ihrem Herzen, dass SĂŒnde nur von einer Person vergeben werden kann, nicht durch einen neutralen Ritus. SĂŒnde muss persönliche bekannt werden, von Angesicht zu Angesicht. Denn sie hat verstanden, dass jede SĂŒnde ein Verrat an der Liebe ist. Und Liebe kann nur dann erneuert werden, wenn man sich wieder zu ihr bekennt.

GesprĂ€ch mit Christus: Wir sind aufgewachsen in christlichen und oft auch glĂ€ubigen Umfeldern. Man kann also leicht dabei „mitmachen“, hören und sehen, wo Christus wirkt, und dennoch entfernt bleiben. Die SĂŒnderin im Evangelium hat sich wirklich auf Christus eingelassen, und nur so Heilung und Rettung gefunden.

Vorsatz: Ich erforsche heute mein Gewissen, um im Gebet und in der Beichte einen Aspekt meines Lebens vor Gott zu bringen, der Heilung und Bekehrung bedarf.


Die Botschaft Christi

20. September 2019

Hll. Andreas Kim Taegon und Paulus Chong Hasang und GefÀhrten, MÀrtyrer
Gedenktag

P. Nikolaus Klemeyer LC

Lk 8,1-3
In jener Zeit wanderte Jesus von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und verkĂŒndete das Evangelium vom Reich Gottes. Die Zwölf begleiteten ihn, außerdem einige Frauen, die er von bösen Geistern und von Krankheiten geheilt hatte: Maria Magdalene, aus der sieben DĂ€monen ausgefahren waren, Johanna, die Frau des Chuzas, eines Beamten des Herodes, Susanna und viele andere. Sie alle unterstĂŒtzten Jesus und die JĂŒnger mit dem, was sie besaßen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, heute möchte ich mich im Gebet von deiner großen und persönlichen Glaubensbotschaft ansprechen lassen.

Bitte: Ă–ffne mein Herz der Botschaft des Heils, und hilf mir, persönlich mit dem Leben darauf zu antworten.

1. Katholisch. Christus bewegt sich und streift durch Stadt und Land, um das Reich Gottes zu verkĂŒndigen. Seine Botschaft hat eine unglaublich expansive Kraft. Sie ist katholisch, das heißt eine Botschaft fĂŒr alle.

2. Apostolisch. Gleichzeitig ist diese Botschaft apostolisch, das heißt tief eingebunden in eine Gemeinschaft. Man wird hineingeboren in eine neue Familie, die einem eine neue IdentitĂ€t verleiht.

3. Persönlich. Es ist jedoch von wesentlicher Bedeutung, dass diese Botschaft offene Herzen findet. Und da setzen uns die Frauen, die Christus begleiten, ein Beispiel durch ein Zeugnis der Hingabe und Dienstbereitschaft. Sie haben ihr Herz geöffnet, Befreiung und Erlösung erfahren und sich dann ganz in Christi Dienst gestellt.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, die Frauen, die dich begleitet haben, setzten ihr Leben fĂŒr dich ein. In ihnen hat die große Glaubensbotschaft Fuß gefasst und Fleisch angenommen, sie wurde uns konkret vorgelebt. Nur dann ist Glaube lebendig. Lass auch mich der Nachwelt ein Beispiel gelebten Glaubens hinterlassen.

Vorsatz: Ich prĂŒfe heute, in welchem Aspekt ich noch nicht dem Glauben entsprechend lebe, und nehme mir vor, mich mit Gottes Gnade zu bessern.


Der Ruf in die engere Nachfolge

21. September 2019

Hl. MatthÀus, Apostel und Evangelist
Fest

P. Nikolaus Klemeyer LC

Mt 9,9-13
In jener Zeit sah Jesus einen Mann namens MatthĂ€us am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand MatthĂ€us auf und folgte ihm. Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, kamen viele Zöllner und SĂŒnder und aßen zusammen mit ihm und seinen JĂŒngern. Als die PharisĂ€er das sahen, sagten sie zu seinen JĂŒngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und SĂŒndern essen? Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die SĂŒnder zu rufen, nicht die Gerechten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, du berufst weiterhin junge Menschen, dir ganz nachzufolgen und so Zeichen zu sein fĂŒr deine Liebe in dieser Welt. Die Berufung fĂ€ngt im Herzen an, und so soll jetzt mein Gebet der Ort sein, an dem ich „Ja“ sage zu deinem Wort und deiner Stimme.

Bitte: Sende Arbeiter in deine Ernte!

1. Gott ruft. Ja, Gott ruft! Er geht weiterhin an den VerkaufsstĂ€nden vorbei, wo Menschen arbeiten, und ruft sie in seine Nachfolge. Dabei schaut er nicht auf den Erfolg, noch auf die SĂŒndlosigkeit der Person, sondern auf die Bereitschaft, das alte Leben hinter sich zu lassen, und ihm nachzufolgen.

2. Berufung und Umkehr. Diese Art der engeren Nachfolge stĂ¶ĂŸt immer wieder auf UnverstĂ€ndnis, gerade auch weil in den letzten Jahren die von Klerikern begangenen SĂŒnden Skandale hervorgerufen haben. Dies rĂŒttelt aber nicht an der tiefen Wahrheit, dass Christus weiter ruft. Der zentrale Aspekt der Berufung ist und bleibt die tief reichende Umkehr des Berufenen. Um diese mĂŒssen wir beten.

3. Christus, Arzt unseres Lebens. Dieser Ruf des Arztes ergeht an uns alle. Wir sind alle berufen, Christus als den Arzt unseres Lebens anzuerkennen und im Ruf auch die Stimme dessen zu hören, der uns heilen und stĂ€rken möchte. Ihm nachzufolgen, ohne sich stĂ€ndig zu erneuern und erneuern zu lassen, kann keine Frucht bringen.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, Kirche und Welt brauchen Menschen, die dir enger nachfolgen und sich in den Dienst der VerkĂŒndigung und Heiligung stellen. Meist nur in Umfeldern, wo gebetet und die Liebe gelebt wird, können auch Berufungen zu deiner engeren Nachfolge gedeihen und heranreifen. Lass uns das immer nach KrĂ€ften ermöglichen und fördern.

Vorsatz: Ich bete heute konkret fĂŒr Berufungen zum gottgeweihten Leben und zum Priestertum.