Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 8. September 2019 bis Samstag 14. September 2019

Dreiundzwanzigste Woche im Jahreskreis

Br. Benoît Terrenoir LC

Alles oder NichtsSonntag
Die gro├če VerwirrungMontag
Der Walzer des EvangeliumsDienstag
Der vorgehaltene SpiegelMittwoch
Der echte KreuzzugDonnerstag
Operation ohne Bet├ĄubungFreitag
So sehr hat Gott die Welt geliebtSamstag


Alles oder Nichts

8. September 2019

Dreiundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis
Mari├Ą Geburt

Br. Benoît Terrenoir LC

Lk 14,25-33
In jener Zeit begleiteten viele Menschen Jesus; da wandte er sich an sie und sagte: Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Br├╝der und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein J├╝nger sein. Wer nicht sein Kreuz tr├Ągt und hinter mir hergeht, der kann nicht mein J├╝nger sein. Denn wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und berechnet die Kosten, ob seine Mittel f├╝r das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst k├Ânnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertigstellen kann. Und alle, die es sehen, w├╝rden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende f├╝hren. Oder wenn ein K├Ânig gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und ├╝berlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anr├╝ckt? Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden. Ebenso kann keiner von euch mein J├╝nger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr, ich d├╝rste nach dir! Ich bin wie ein Reisender, der durch die W├╝ste reist und so an Durst gew├Âhnt ist, dass er ihn am Ende vergisst. Stille meinen Durst, Herr, durch dein Wort! Ich bitte dich darum auf die F├╝rsprache deiner seligen Mutter, deren Geburtstag wir heute feiern.

Bitte: Herr, hilf mir, alles auf dich setzen.

1. Keine halben Sachen. Im heutigen Evangelium spricht Christus zuerst ├╝ber die Notwendigkeit, alles aufzugeben, wenn man sein J├╝nger sein will. Aber wie steht das in Beziehung zum doppelten Gleichnis, von dem er dann erz├Ąhlt? Dieses Gleichnis handelt von zwei M├Ąnnern: der eine plant, einen Turm zu bauen, und der andere will eine Milit├Ąrexpedition durchf├╝hren. Aber sie sind scheinbar so schlimm dran, dass es besser w├Ąre, wenn sie ihre Projekte abbrechen w├╝rden, bevor es zu sp├Ąt ist. Tats├Ąchlich handelt dieses Gleichnis von zwei Menschen, die nicht alles auf eine Karte setzen: der Architekt und der Kriegsherr geben nicht alles f├╝r ihr Ideal auf. Die Botschaft Christi ist also die gleiche wie am Anfang: Es gibt keine halben Sachen in der Hingabe f├╝r das Reich Christi! Will ich sein J├╝nger werden, dann muss ich mich ihm ganz hingeben.

2. Innehalten hei├čt verlieren. Hundertprozentig f├╝r Gott zu leben, das kann einem unm├Âglich vorkommen. Dem Herrn ohne Kompromisse, ohne Hintert├╝rchen, ohne Plan B zu folgen, das kann be├Ąngstigend sein. Aber das ist der Weg, der zum ewigen Leben f├╝hrt. Das Gesetz des Evangeliums hei├čt ÔÇ×Alles oder NichtsÔÇť. Der einzige Weg zum Himmel ist die aufrechte und gerade Linie. Umwege verlieren sich im Nirgendwo. Die verschlungenen Pfade der Aufenthalte und Ablenkungen sind zwar attraktiv und leichter zu begehen, aber so werde ich nicht weiterkommen. Das Leben des christlichen J├╝ngers ist radikal. Innehalten hei├čt verlieren.

3. Das geschmacklose Salz. In den Versen, die diesem Abschnitt des Evangeliums folgen, spricht Christus vom Salz, das seinen Geschmack verloren hat. Da es nicht mehr zum W├╝rzen oder Haltbarmachen dient, wird es einfach weggeworfen. Tats├Ąchlich ist es jedoch unm├Âglich, dass reines Salz seinen Geschmack verliert. Nur wenn es gemischt oder verd├╝nnt wird, wird es geschmacklos. Ebenso ist es f├╝r das Herz des Menschen unm├Âglich, auf nat├╝rliche Weise nach etwas anderem zu verlangen als nach der Vereinigung mit Gott. Nur wenn ich diese nat├╝rliche Orientierung verliere, suche ich nach anderen Gl├╝cksquellen, die sich nacheinander als illusorisch erweisen. Nur so fange ich an, T├╝rme zu bauen oder Expeditionen zu f├╝hren, die nur zu H├Ąlfte vorbereitet und so zum Scheitern verurteilt sind. Aber ich bin nicht dazu geschaffen, um zu scheitern. Ich bin dazu geschaffen, um die F├╝lle zu erreichen, um mich mit Gott auf ewig zu vereinigen. Und das tue ich, indem ich mich ihm ganz hingebe.

Gespr├Ąch mit Christus: Herr, hilf mir, dir alles zu geben! Seit dem Tag meiner Taufe geh├Âre ich dir. Hilf mir, diese Weihe jeden Tag zu best├Ątigen, und nimm mich an meinem letzten Tag als dein Eigentum auf! Ich bitte dich darum durch deine g├╝tige Mutter, die sich ganz dir hingegeben hat.

Vorsatz: Heute werde ich ein Hindernis identifizieren, das mich davon abh├Ąlt, alles auf Christus zu setzen, und mit Gottes Hilfe werde ich mich um eine vollkommenere Hingabe bem├╝hen.


Die gro├če Verwirrung

9. September 2019

Montag der dreiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

Br. Benoît Terrenoir LC

Lk 6,6-11
An einem anderen Sabbat ging Jesus in die Synagoge und lehrte. Dort sa├č ein Mann, dessen rechte Hand verdorrt war. Die Schriftgelehrten und die Pharis├Ąer gaben acht, ob er am Sabbat heilen werde; sie suchten n├Ąmlich einen Grund zur Anklage gegen ihn. Er aber wusste, was sie im Sinn hatten, und sagte zu dem Mann mit der verdorrten Hand: Steh auf und stell dich in die Mitte! Der Mann stand auf und trat vor. Dann sagte Jesus zu ihnen: Ich frage euch: Was ist am Sabbat erlaubt: Gutes zu tun oder B├Âses, ein Leben zu retten oder es zugrunde gehen zu lassen? Und er sah sie alle der Reihe nach an und sagte dann zu dem Mann: Streck deine Hand aus! Er tat es, und seine Hand war wieder gesund. Da wurden sie von sinnloser Wut erf├╝llt und berieten, was sie gegen Jesus unternehmen k├Ânnten.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr, in der Mitte des irdischen Paradieses hattest du den Baum der Erkenntnis des Guten und B├Âsen gepflanzt. Und im intimsten Teil meiner Seele hast du mir ein Gewissen gegeben, damit ich zwischen Gut und B├Âse unterscheiden kann. Hilf mir, die Stimme meines Gewissens niemals zu ersticken! Gib mir die Reinheit, die ich brauche, um best├Ąndig nach dem Guten zu streben!

Bitte: Herr, lass nicht zu, dass ich Gut und B├Âse vertausche!

1. Das Meisterwerk der Pharis├Ąer. Zur Zeit Jesu hatten die Pharis├Ąer ein beeindruckendes Meisterwerk vollbracht. Einige Jahrhunderte nach der endg├╝ltigen Abfassung des Gesetzes des Mose war es ihnen gelungen, ein langfristiges Projekt zu beenden. Und zwar hatten sie die Vorschriften der Thora durch eine Vielzahl kleiner Regeln vervollst├Ąndigt, die das Verhalten zu jedem Moment des Tages vorschreiben sollten. Zum Beispiel hatten sie genau festgehalten, was am Sabbat vermieden werden sollte. Ein Arzt konnte seinen Beruf am Sabbat nicht aus├╝ben. All diese kleinen Regeln hatten sie jedoch dazu gebracht, das Wichtigste aus den Augen zu verlieren: das Leben, der Bund und das Gesetz sind nur dazu da, dass der Mensch zu Gott findet. Und als der Mann mit der verdorrten Hand in die Synagoge eintrat, wussten die Pharis├Ąer, dass es wichtiger war, die Regel einzuhalten, als dass er heute zu Gott findet und geheilt wird. Sie hatten Gut und B├Âse vertauscht. Ihr Meisterwerk war zur Gottesl├Ąsterung geworden.

2. Wie der Frosch in kochendem Wasser. Das Schlimmste ist, dass die Pharis├Ąer davon ├╝berzeugt waren, das Richtige zu tun. Eigentlich ist ihr Verrat am Gesetz des Mose nicht ├╝ber Nacht geschehen. Es ist das Ergebnis einer langen Geschichte, in der sie das Gesetz der Liebe Gottes durch ihre eigenen Regeln ersetzt haben. Es ist wie die Geschichte vom Frosch, der in einen Topf mit kaltem Wasser gesetzt wird. Das Feuer wird unter dem Topf angez├╝ndet, und nach und nach erw├Ąrmt sich das Wasser, ohne dass der Frosch es merkt. Am Ende wird der Frosch totgekocht, ohne dass er davonspringt. Und ich? Habe ich das Gesetz Gottes ge├Ąndert, ohne es zu merken? Habe ich meine eigenen Regeln aufgestellt und das Gesetz des Evangeliums, das Gesetz der Liebe geringer eingestuft?

3. Die Demut, seine Fehler anzuerkennen. H├Âchstwahrscheinlich dachten die Pharis├Ąer, dass sie das Richtige getan hatten. Aber selbst wenn sie realisierten, dass f├╝r Gott die Gesundheit eines Menschen wichtiger ist als die Einhaltung ihrer Sabbatregeln, wie schwierig war es f├╝r sie, ihren Fehler zuzugeben! Unmittelbar nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl realisierten die ├Ârtlichen sowjetischen Beh├Ârden die Schwere des Geschehens. Sie spielten jedoch die Bedeutung der Katastrophe herunter, gaben bekannt, dass es nur ein Feuer war, und evakuierten die Bewohner des am st├Ąrksten kontaminierten Gebiets erst am n├Ąchsten Tag. Und wie steht es mit uns? Geben wir unsere Fehler zu? ├ändern wir unsere Sichtweise? Oder sind wir bereit, die Tatsachen anzuerkennen?

Gespr├Ąch mit Christus: Herr, indem du den Mann mit der verdorrten Hand heilst, zeigst du mir, dass meine kleinen Regeln nutzlos sind, wenn sie nicht auf das wahre Wohlergehen meiner Br├╝der abzielen. Offenbare mir, ich bitte dich, dein Liebesgesetz in all seiner Sch├Ânheit und Dringlichkeit! Heilige Jungfrau Maria, gib mir die Demut, meine Fehler zu erkennen, und die Gnade, mich zu bessern!

Vorsatz: Heute werde ich ein Kapitel des Evangeliums lesen, um mir des Liebesgesetzes Christi bewusster zu werden.


Der Walzer des Evangeliums

10. September 2019

Dienstag der dreiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

Br. Benoît Terrenoir LC

Lk 6,12-19
In jenen Tagen ging er auf einen Berg, um zu beten. Und er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott. Als es Tag wurde, rief er seine J├╝nger zu sich und w├Ąhlte aus ihnen zw├Âlf aus; sie nannte er auch Apostel. Es waren Simon, dem er den Namen Petrus gab, und sein Bruder Andreas, dazu Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholom├Ąus, Matth├Ąus und Thomas, Jakobus, der Sohn des Alph├Ąus, und Simon, genannt der Zelot, Judas, der Sohn des Jakobus, und Judas Iskariot, der zum Verr├Ąter wurde. Jesus stieg mit ihnen den Berg hinab. In der Ebene blieb er mit einer gro├čen Schar seiner J├╝nger stehen, und viele Menschen aus ganz Jud├Ąa und Jerusalem und dem K├╝stengebiet von Tyrus und Sidon str├Âmten herbei. Sie alle wollten ihn h├Âren und von ihren Krankheiten geheilt werden. Auch die von unreinen Geistern Geplagten wurden geheilt. Alle Leute versuchten, ihn zu ber├╝hren; denn es ging eine Kraft von ihm aus, die alle heilte.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr Jesus Christus, in den Tagen deines ├Âffentlichen Lebens hast du dich oft in die Einsamkeit zur├╝ckgezogen, um zu beten. Lehre mich den Wert des Gebets! Gib mir das Verlangen zu beten! Heilige Jungfrau Maria, ich bitte dich, f├╝hre mich auf den Wegen des Gebets!

Bitte: Herr, lehre mich den Rhythmus des christlichen Lebens!

1. Erster Schritt: das Gebet. Diese Textstelle enth├Ąlt eine Zusammenfassung des ganzen Evangeliums. Es sind hier drei Hauptmerkmale zu erkennen, die zentral zum Leben Christi und dem seiner J├╝nger geh├Âren. Diese drei Merkmale folgen einander und wiederholen sich wie der Dreischritt eines Walzers: Gebet, J├╝ngerschaft und Aufbruch. Wenn ich einen der drei weglasse, hinkt mein christliches Leben. Untersuchen wir sie nacheinander:Der erste Schritt ist das Gebet. Oft zeigt uns das Evangelium, dass Jesus vor wichtigen Ereignissen fr├╝hmorgens aufsteht, um zu beten. Bevor er seine zw├Âlf Apostel ausw├Ąhlt, verbringt er sogar die ganze Nacht im Gebet. Das zeigt mir, wie wichtig das Gebet ist. Wie lange widme ich mich t├Ąglich dem Gebet? Nehme ich mir Zeit f├╝r Gott, um mich auf die wichtigen Momente meines Lebens vorzubereiten? Ohne regelm├Ą├čiges Gebet wird das christliche Leben schnell seiner Tiefe beraubt.

2. Zweiter Schritt: die J├╝ngerschaft. Der zweite Schritt ist die J├╝ngerschaft. Nachdem er gebetet hat, steigt Jesus vom Berg herab und w├Ąhlt die zw├Âlf Apostel aus. Dies ist eine ungemein wichtige Entscheidung, denn diese zw├Âlf M├Ąnner werden sozusagen das Heil der ganzen Welt in ihren H├Ąnden haben. Nach dem Tod und der Auferstehung Christi wird die Verk├╝ndigung des Evangeliums ma├čgeblich von ihnen ├╝bernommen. Im Moment sind sie nur fromme Juden, die diesen neuen Rabbi, Jesus von Nazareth, bewundern, ohne noch zu wissen, wer er genau ist. Aber der Herr hat sie auserw├Ąhlt, und er wird drei Jahre mit ihnen verbringen, um sie durch seine Worte und Taten zu lehren, dass er der Sohn Gottes ist, der in die Welt kam, um den Menschen die Liebe Gottes zu verk├╝nden. Drei Jahre lang werden sie mit Jesus essen, mit ihm unterwegs sein, mit ihm beten, mit ihm die Menschen belehren, mit ihm Wunder vollbringen ... Dieses Leben mit Christus ist J├╝ngerschaft. Noch zweitausend Jahre danach ist sie aktuell. Auch ich kann in Gesellschaft des lebendigen Gottes, des auferstandenen Jesus, leben, denn er l├Ądt mich ein, in seine Fu├čstapfen zu treten.

3. Dritter Schritt: der Aufbruch. Der dritte Schritt ist das Hinausgehen, was Papst Franziskus die ÔÇ×Kirche im AufbruchÔÇť nennt. Nachdem Jesus die Zw├Âlf ausgew├Ąhlt hat, steigt er herab, um der Menge zu begegnen und sie zu unterrichten. Er tut sogar viele Wunder, spendet Heilungen und Exorzismen, weil eine Kraft von ihm ausgeht, die alle heilt. Angesichts des Leidens und der Unwissenheit der Menschen kann Jesus nicht unber├╝hrt bleiben. Er sehnt sich danach, ihnen die Liebe des Vaters weiterzugeben. Die gleiche Einstellung gilt f├╝r seine Anh├Ąnger. Was wir ÔÇ×apostolischen EiferÔÇťÔÇŁ oder ÔÇ×pastorale LiebeÔÇť nennen, bedeutet, hinauszugehen, ÔÇ×um allen an allen Orten und bei allen Gelegenheiten ohne Z├Âgern, ohne Widerstreben und ohne Angst das Evangelium zu verk├╝nden. Die Freude aus dem Evangelium ist f├╝r das ganze Volk, sie darf niemanden ausschlie├čenÔÇŁ. (Evangelii Gaudium, n. 23).

Gespr├Ąch mit Christus: Herr Jesus Christus, du bist nicht nur ein Vorbild, das vor meinen Augen steht, sondern du lebst in mir. Ich bitte dich, gib mir die Kraft, dein Gebetsleben, dein Gemeinschaftsleben und dein Leben im Aufbruch nachzuahmen! Liebe Mutter Gottes, du bist als Erste in die Fu├čstapfen deines Sohnes getreten, lehre mich, ihm nachzufolgen!

Vorsatz: Heute werde ich sehen, an welchem Teilschritt dieses Walzers ich arbeiten sollte: Gebet, J├╝ngerschaft oder Aufbruch.


Der vorgehaltene Spiegel

11. September 2019

Mittwoch der dreiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

Br. Benoît Terrenoir LC

Lk 6,20-26
In jener Zeit richtete Jesus seine Augen auf seine J├╝nger und sagte: Selig, ihr Armen, denn euch geh├Ârt das Reich Gottes. Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet satt werden. Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschlie├čen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen. Freut euch und jauchzt an jenem Tag; euer Lohn im Himmel wird gro├č sein. Denn ebenso haben es ihre V├Ąter mit den Propheten gemacht. Aber weh euch, die ihr reich seid; denn ihr habt keinen Trost mehr zu erwarten. Weh euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen. Weh euch, wenn euch alle Menschen loben; denn ebenso haben es ihre V├Ąter mit den falschen Propheten gemacht.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr Jesus Christus, ich bin so arm, ich wei├č nicht, wie ich beten soll... Ich wei├č nicht einmal, was ich dir sagen soll! Hilf mir, einfach auf die Worte des Evangeliums zu h├Âren! Lass sie in meinem Herzen so klingen, dass ich sie niemals vergesse! Heilige Jungfrau Maria, nimm dieses Gebet in deine H├Ąnde!

Bitte: Herr, gib mir die wahre Seligkeit!

1. Eine Frage des Schwerpunkts. Das heutige Evangelium bietet uns den Text der Seligpreisungen. Es ist ein Text, an den wir uns so gew├Âhnt haben, dass wir uns bem├╝hen m├╝ssen, die darin enthaltene Sprengkraft zu erkennen. Dazu muss man sich in die Lage der H├Ârer Christi versetzen, f├╝r die die Logik der Vergeltung unbestritten war. Dieser Logik nach war Erfolg ein Zeichen des Segens Gottes, w├Ąhrend Ungl├╝ck das Zeichen von Fluch war. Demnach gen├╝gte es, in den Spiegel des Lebens zu schauen, um zu wissen, ob wir Freunde oder Feinde Gottes sind. Aber mit dem, was Christus in den Seligpreisungen verk├╝ndet, verh├Ąlt es sich v├Âllig anders. Alles ist spiegelverkehrt: Ungl├╝ck in diesem Leben ist eine Verhei├čung der G├╝te Gottes, w├Ąhrend das Gl├╝ck zum Omen drohender Verdammnis wird. Was ist denn passiert? Es ist einfach eine Frage des Schwerpunkts. Wenn ich mit meinen Erfolgen zufrieden bin, dann lege ich den Schwerpunkt auf mich. Wenn ich mich aber dem Ungl├╝ck nicht verweigere, in dem Bewusstsein, dass es mich n├Ąher zu Gott bringt, dann bedeutet es, dass ich den Schwerpunkt nach oben verschoben haben. Der Schwerpunkt meines Lebens befindet sich nicht mehr in mir, sondern in Gott. Darauf kommt es an.

2. Die gl├╝ckselige Leere. Die Seligpreisungen erinnern uns an eine Regel des geistlichen Lebens: Wir m├╝ssen sterben, um Fr├╝chte zu bringen. Mit anderen Worten, wir m├╝ssen uns vollst├Ąndig unserer selbst entledigen, damit Gott in uns leben kann, damit er uns mit seiner Gnade erf├╝llt. So wie Christus sich seiner Herrlichkeit entbl├Â├čte, um ein Mensch zu werden, m├╝ssen wir uns unser selbst entledigen, um an der Gottheit teilzunehmen. Aber wie funktioniert das? Nun, Jesus gibt uns in den Seligpreisungen Hinweise. Es handelt sich einfach darum, die Gelegenheiten zu nutzen, die mich daran erinnern, dass nicht ich es bin, der den Ton angibt. Diese Gelegenheiten sind Armut, Hunger, Trauer und Verfolgung. Sie lassen mich erkennen, dass ich allein nichts tun kann und dass die einzige L├Âsung darin besteht, mich in die Arme Gottes zu werfen. Das Ungl├╝ck ist also eine Schule des Vertrauens zum allm├Ąchtigen und barmherzigen Gott, dem einzigen, der mir die wahre Seligkeit bieten kann.

3. F├╝lle, die ungl├╝cklich macht. W├Ąhrend die Entbehrung der Weg zum Gl├╝ck ist, kann die F├╝lle zu meinem Ungl├╝ck werden. Wenn ich mit meinen Erfolgen zufrieden bin und glaube, dass mir nichts fehlt, wie kann dann Gott in mich eintreten? F├╝r ihn gibt es keinen Platz mehr. Wenn ich reich, satt, fr├Âhlich und ruhig bin, wird mich nichts dazu bringen, Gott zu suchen. Ich werde innerhalb der Grenzen meiner Komfortzone bleiben, ohne herauszufinden, was es au├čerhalb dieses eher kleinlichen Lebens gibt. Wie im Buch der Geheimen Offenbarung steht: ÔÇ×Du behauptest: Ich bin reich und wohlhabend und nichts fehlt mir. Du wei├čt aber nicht, dass gerade du elend und erb├Ąrmlich bist, arm, blind und nacktÔÇť (Offb 3, 17). Damit der Groschen f├Ąllt, damit ich merke, dass ich elend bin, muss ich Dem├╝tigung erfahren. Ohne den Impuls der Seligpreisungen laufe ich Gefahr, ein Leben ohne Probleme, aber auch ohne wirkliches Gl├╝ck f├╝hren zu wollen. Ein Leben, das nicht wirklich Leben ist.

Gespr├Ąch mit Christus: Herr Jesus Christus, sende mir deinen Geist, damit ich erkennen kann, was wahrhaft selig macht.Was befleckt ist, wasche rein,D├╝rrem gie├če Leben ein.Heile du, wo Krankheit qu├Ąlt,w├Ąrme du, was kalt und hart,l├Âse, was in sich erstarrt,lenke, was den Weg verfehlt. (GL 345)

Vorsatz: Heute werde ich den Herrn um die Kraft bitten, den Weg der Seligpreisungen zu gehen.


Der echte Kreuzzug

12. September 2019

Donnerstag der dreiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Mari├Ą Namen

Br. Benoît Terrenoir LC

Lk 6,27-38
In jener Zeit richtete Jesus seine Augen auf seine J├╝nger und sagte: Euch, die ihr mir zuh├Ârt, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die, die euch verfluchen; betet f├╝r die, die euch misshandeln. Dem, der dich auf die eine Wange schl├Ągt, halt auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd. Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand etwas wegnimmt, verlang es nicht zur├╝ck. Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen. Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr daf├╝r? Auch die S├╝nder lieben die, von denen sie geliebt werden. Und wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr daf├╝r? Das tun auch die S├╝nder. Und wenn ihr nur denen etwas leiht, von denen ihr es zur├╝ckzubekommen hofft, welchen Dank erwartet ihr daf├╝r? Auch die S├╝nder leihen S├╝ndern in der Hoffnung, alles zur├╝ckzubekommen. Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun und leihen, auch wenn ihr nichts daf├╝r erhoffen k├Ânnt. Dann wird euer Lohn gro├č sein, und ihr werdet S├Âhne des H├Âchsten sein; denn auch er ist g├╝tig gegen die Undankbaren und B├Âsen. Seid barmherzig, wie es euch euer Vater ist! Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden. Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, geh├Ąuftem, ├╝berflie├čendem Ma├č wird man euch beschenken; denn nach dem Ma├č, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr Jesus Christus, heute m├Âchte ich dir dem├╝tig sagen, dass ich dich liebe. ÔÇ×Ich liebe dichÔÇť: Diese so bedeutungsvollen Worte m├Âchte ich dir mit aller Kraft meiner Seele aussprechen. Aber wie kann ich dir meine Liebe erweisen? Hilf mir, auf deine Worte achtzugeben, um zu wissen, was du von mir erwartest. Heilige Jungfrau Maria, lehre mich deinen Sohn lieben!

Bitte: Herr, lass mich das B├Âse durch das Gute besiegen!

1. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Heute lehrt uns das Evangelium, wie wir mit Feinden umgehen sollen. F├╝r die Zuh├Ârer Christi galten sehr einfache Regeln, es gen├╝gte, das Gesetz des Mose zu respektieren: ÔÇ×Entsteht ein dauernder Schaden, so sollst du geben Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fu├č um Fu├č, Brandmal um Brandmal, Beule um Beule, Wunde um WundeÔÇť (Ex 21,23-25). Mit anderen Worten, wenn jemand mir Schaden zuf├╝gt, darf ich mich r├Ąchen, indem ich ihm denselben Schaden zuf├╝ge. Dies ist bereits ein Fortschritt verglichen mit der unkontrollierten Eskalation der Gewalt unter anderen V├Âlkern. Aber es ist immer noch etwas v├Âllig anderes als das, was Christus hier sagt: ÔÇ×Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen.ÔÇť Wir k├Ânnen uns vorstellen, wie verwundert die Menge ist! Wie kann sich dieser Rabbi erdreisten, die von Mose verh├Ąngte Gerechtigkeit durch ein Gesetz der Liebe zu ersetzen? Es scheint so unrealistisch! Und doch wird Jesus selbst mit seinen Feinden auf diese Weise umgehen, indem er sich von ihnen ans Kreuz heften l├Ąsst.

2. Das B├Âse durch das Gute ├╝berwinden. Das Talionsprinzip sollte die Ausbreitung des B├Âsen begrenzen. Das Gesetz Christi hingegen zielt darauf ab, das Feuer des B├Âsen vollst├Ąndig zu l├Âschen. Ein Feuer wird nicht gel├Âscht, indem man Sauerstoff hineingie├čt, sondern es wird mit Wasser oder Sand erstickt. Ebenso gilt, wenn mich jemand beleidigt oder schl├Ągt, dass ich das Problem nicht l├Âsen werde, indem ich ihn wieder beleidige oder h├Ąrter zur├╝ckschlage. Die einzige M├Âglichkeit, das B├Âse zu besiegen, besteht darin, die andere Wange hinzuhalten. Der heilige Johannes Paul II. besiegte den Kommunismus in Polen nicht, indem er Widerstandsgruppen bewaffnete, sondern indem er die Botschaft des Evangeliums verk├╝ndete und die Religionsfreiheit verteidigte. Der echte Kreuzzug wird nicht entschieden durch Waffen, sondern durch die Befolgung dessen, was der heilige Paulus im R├Âmerbrief empfiehlt: ÔÇ×Lass dich nicht vom B├Âsen besiegen, sondern besiege das B├Âse durch das Gute.ÔÇŁ (R├Âm 12,21)

3. AberÔÇŽ wer ist mein Feind? In diesem Abschnitt des Evangeliums spricht der Herr von der Liebe zu den Feinden. Aber ... wer ist mein Feind? Sollte ich nicht als Christ meine Feinde zu Freunden machen und so keine Feinde mehr haben? Tats├Ąchlich sind meine Feinde nicht unbedingt die Menschen, die ich nicht gernhabe, sondern diejenigen, die mich nicht m├Âgen oder die mir gleichg├╝ltig gegen├╝berstehen. Zum Beispiel der Kollege, der mich in der ├ľffentlichkeit kritisiert, das Familienmitglied, das nie mit mir spricht, der Nachbar, der seine Zeit damit verbringt, mich auszuspionieren ... Es gibt jeden Tag dutzende M├Âglichkeiten damit ich mich einem Feind stellen und die Logik des Evangeliums ein├╝ben kann. Es h├Ąngt nur von mir ab, sie wahrzunehmen.

Gespr├Ąch mit Christus: Herr, ich m├Âchte dich mehr lieben! Danke, dass du mir die Gelegenheit gibst, dich zu lieben, indem ich meine Br├╝der liebe! Danke, dass du dich als Feind verkleidet hast, damit ich dich mehr lieben kann! Heilige Jungfrau Maria, ich bitte dich, lass meine Liebe zu deinem Sohn wachsen!

Vorsatz: Heute werde ich die N├Ąchstenliebe gegen├╝ber jedem ├╝ben, der mich nicht mag.


Operation ohne Bet├Ąubung

13. September 2019

Hl. Johannes Chrysostomus, Kirchenlehrer
Gedenktag

Br. Benoît Terrenoir LC

Lk 6,39-42
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen J├╝ngern: Kann ein Blinder einen Blinden f├╝hren? Werden nicht beide in eine Grube fallen? Der J├╝nger steht nicht ├╝ber seinem Meister; jeder aber, der alles gelernt hat, wird wie sein Meister sein. Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder, lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen!, w├Ąhrend du den Balken in deinem eigenen Auge nicht siehst? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr Jesus Christus, ich widme dir diesen Moment zu Beginn des Tages. Bitte wache heute ├╝ber meine Gedanken, Worte und Werke. Lass mich dich in solcher Tiefe kennen, dass ich nicht umhin kann, dich zu lieben! Und lass mich dich so sehr lieben, dass ich nicht umhin kann, dir zu folgen! Liebe Gottesmutter, wache ├╝ber mich!

Bitte: Hilf mir zu erfahren, wie sehr du mich liebst!

1. Der Splitter und der Balken. Nachdem der Herr ├╝ber die Seligpreisungen und die Liebe zu den Feinden gesprochen hat, f├╝gt er ein letztes Thema hinzu. Diese kleine Erg├Ąnzung mag wie ein Detail erscheinen, aber tats├Ąchlich handelt es sich um den Grundstein, der das gesamte christliche Leben vor dem Zusammenbruch bewahrt. Es handelt sich um nichts anderes als die Aufrichtigkeit, und sein Gegenteil, die Heuchelei. Hier findet das Gleichnis vom Splitter und vom Balken seine Anwendung. Ich werde nicht versuchen, den Strohhalm aus dem Auge meines Nachbarn herauszuziehen, wenn ich selbst einen Balken im Auge habe. Ein aufrichtiger Mensch wird seinen N├Ąchsten nicht beschuldigen, wenn er wei├č, dass er denselben oder einen schwerwiegenderen Fehler begeht. Wenn ich mir meines Elends aufrichtig bewusst bin, kann ich ├╝ber meinen N├Ąchsten nicht richten. Oder zumindest muss ich zuerst den Splitter aus meinem Auge herausziehen, ich muss zuerst von meiner S├╝nde ablassen.

2. Der ehrbare Egoismus. Damit ich meinem Bruder helfen kann, den Splitter aus seinem Auge herauszuziehen, muss ich zuerst den Balken loswerden, der sich in meinem Auge befindet. Mit anderen Worten, damit ich meinem Bruder helfen kann, zu heilen und im geistlichen Leben zu wachsen, muss ich mich zuerst um mein eigenes geistliches Leben k├╝mmern. Ein Blinder kann keinen Blinden f├╝hren. Ich kann niemanden zu Gott bringen, wenn ich mich selbst nicht vorher auf den Weg zu ihm gemacht habe. Ich muss damit beginnen, selbst die Heiligkeit zu suchen. Die Flugsicherheitsrichtlinien empfehlen, zuerst die eigene Sauerstoffmaske anzulegen, ehe man anderen hilft, ihre Masken aufzusetzen. Ebenso muss ich selbst den Herrn erst einmal lange suchen, damit ich anderen helfen kann, zu Gott zu finden. Das ist der ehrbare Egoismus, den die Bibel empfiehlt, wenn es hei├čt, ÔÇ×Liebe deinen N├Ąchsten wie dich selbstÔÇť (Lev 19,18). Um meinen N├Ąchsten zu lieben, muss ich zuerst mich selbst lieben, mein eigenes Wohl wollen.

3. Ich bin mein eigener Chirurg. Wie entferne ich den Balken von meinem Auge? Wie entferne ich die S├╝nde, die meine Seele zerfrisst? Es ist wie eine chirurgische Operation, die niemand anderes als ich vornehmen kann. 1961 gelang Leonid Rogosow, damals der einzige Arzt in der sowjetischen Polarforschungsstation Nowolasarewskaja in der Antarktis eine Blinddarmoperation an sich selbst. Der Kampf gegen die S├╝nde ist eine Operation, bei der ich bei Bewusstsein bleiben muss, eine Operation ohne Bet├Ąubung. Ich kann Helfer haben, Leute, die mich beraten und unterst├╝tzen, aber niemand kann mich in diesem Kampf gegen die S├╝nde in meiner Protagonistenrolle ersetzen. Das Leben, das in meinen H├Ąnden liegt, ist nicht das Leben anderer, es ist meines.

Gespr├Ąch mit Christus: Herr Jesus, hilf mir, den Balken, der in meinem Auge ist, zu entfernen! Ich bin nur ein Anf├Ąnger-Chirurg, meine H├Ąnde zittern, ich wei├č nicht, wie ich meine S├╝nde ├╝berwinden soll, geschweige denn die S├╝nde im Leben anderer. Ich bitte dich, f├╝hre meine H├Ąnde! Lehre mich, das B├Âse in meinem Leben nach und nach zu beseitigen! O Maria, ohne S├╝nde empfangen, bitte f├╝r mich, der ich meine Zuflucht zu dir nehme!

Vorsatz: Heute werde ich Mittel auflisten, die mir helfen k├Ânnen, die S├╝nde aus meinem Leben zu entwurzeln.


So sehr hat Gott die Welt geliebt

14. September 2019

Samstag der dreiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Kreuzerh├Âhung

Br. Benoît Terrenoir LC

Joh 3,13-17
In jener Zeit sprach Jesus zu Nikod├ęmus: Niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen au├čer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist, der Menschensohn. Und wie Mose die Schlange in der W├╝ste erh├Âht hat, so muss der Menschensohn erh├Âht werden, damit jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr Jesus Christus, wie Nikodemus komme ich heimlich zu dir, um dir zu erz├Ąhlen, was mir am wichtigsten ist. Ich wei├č, dass du Antworten auf alles hast, aber hilf mir, dir die richtigen Fragen zu stellen. Hilf mir besonders, deine Liebe zu mir zu erfahren! Heilige Jungfrau Maria, lass mich jedes Mal die Liebe deines Sohnes mehr und mehr erfahren!

Bitte: Herr Jesus Christus, lass mich deine Liebe jeden Tag mehr erfahren!

1. Nicht nur Dekoration. Heute feiern wir das Fest der Kreuzerh├Âhung. Seit meiner Kindheit bin ich daran gew├Âhnt, das Kreuz ├╝berall zu sehen. Es h├Ąngt an der Wand meines Zimmers, ich sehe es entlang der Stra├čen, ich kann es an meiner Halskette tragen, viele Vereine benutzen es als Symbol ... Es ist in meinem t├Ąglichen Leben so anwesend, dass ich daf├╝r abstumpfen kann. Es kann mir genauso passieren wie Nikodemus: Nikodemus hatte mit Sicherheit die Geschichte der ehernen Schlange hundertmal gelesen und geh├Ârt. Diese Schlange war von Mose auf Gottes Befehl geschmiedet worden, um der Invasion giftiger Schlangen ein Ende zu bereiten. Diese drohten, die Hebr├Ąer auszurotten, bevor sie ins Gelobte Land kommen konnten. Diese eherne Schlange ist das Zeichen der unglaublichen Liebe Gottes, der sein Volk trotz dessen Untreue rettet. F├╝r Nikodemus aber war dieser Bericht eine unerkl├Ąrliche Anekdote geworden. Und wie steht es mit mir? Ist das Kreuz f├╝r mich ein blo├čes Dekorationselement geworden? Begegne ich dem Kreuz mit Routine?

2. Ein besonderer Schnappschuss. Unter den Bildern, die wir zu Hause aufbewahren und oft anschauen, sind einige, die uns an die wichtigsten Momente unseres Lebens erinnern: als ich geboren wurde, als ich einen Wettbewerb gewann, als ich meinen Abschluss machte, als ich meine Frau bzw. meinen Mann kennenlernte, als ich heiratete, als unser erstes Kind geboren wurde... Jedes dieser Fotos kann eine Menge guter Erinnerungen in mir aufkommen lassen. Und genauso ist das Kreuz. Es ist n├Ąmlich eine Momentaufnahme des wichtigsten Augenblicks meines ganzen Lebens. Obwohl Christus vor fast 2000 Jahren gestorben ist, ist er f├╝r mich gestorben. Er hat an mich gedacht, als er seinen Geist in die H├Ąnden des Vaters befahl. Um mich vor dem ewigen Tod zu retten, lie├č er sich kreuzigen. H├Ątte er sein Leben f├╝r mich nicht hingegeben, dann w├Ąre mein Leben ohne Hoffnung. Deshalb kann ich jedes Mal, wenn mein Blick auf das Kreuz f├Ąllt, an die unermessliche Liebe Gottes denken, der seinen Sohn in die Welt gesandt hat, damit die Welt durch ihn gerettet wird.

3. Schuldschein oder Blankoscheck? Ein weiteres Hindernis, das mich davon abhalten kann, die Liebe Gottes durch einen Blick auf das Kreuz zu entdecken, ist die Angst. Angesichts all dessen, was Christus f├╝r mich gelitten hat, kann ich Angst davor haben, dass er daf├╝r von mir einiges zur├╝ckverlangen k├Ânnte. Als ob Gott ein pingeliger Kaufmann w├Ąre, dessen Tod am Kreuz eine Rechnung w├Ąre, die ich zu begleichen h├Ątte. Diese Sichtweise ist zutiefst falsch. Das Kreuz ist kein Schuldschein. Es ist kein Vorwurf. Christus starb aus freien St├╝cken f├╝r mich, ohne mich um etwas zu bitten, ohne etwas von mir zu fordern. Das Kreuz ist ein reiner Akt der Liebe. Aber wieso verbindet mich in diesem Fall das Kreuz mit Christus? Was hat es mit mir zu tun? Die Antwort werde ich nur in seiner stillen Betrachtung finden. Und diese Betrachtung wird mir vor allem eine Frucht bringen: die Erfahrung, dass Gott mich liebt. Es ist wichtig, mir f├╝r diese Erfahrung viel Zeit zu lassen, damit sie in mir wachsen und sich festigen kann. Und nur dann werde ich die Einladung verstehen, die mir Christus durch das Kreuz ausspricht: ÔÇ×Mich d├╝rstet! Ich d├╝rste nach deiner LiebeÔÇť! Und nur dann werde ich dazu bereit sein, der unendlichen Liebe Christi mit Liebe zu entsprechen, ohne Angst, ohne mich ihr zwangsverpflichtet zu f├╝hlen.

Gespr├Ąch mit Christus: Herr, an diesem Fest der Kreuzerh├Âhung bitte ich dich dem├╝tig, dich so tief betrachten zu d├╝rfen, dass ich nicht umhin kann, dich zu lieben! Und hilf mir, dich so sehr zu lieben, dass ich nicht umhin kann, dir zu folgen! Maria, du hast deinen Sohn am Kreuz sterben sehen, gib mir deine Augen, gib mir deinen Blick, damit ich mich von deinem Sohn unendlich geliebt f├╝hle!

Vorsatz: Heute werde ich mir reichlich Zeit nehmen, um das Kreuz zu betrachten.