Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 1. September 2019 bis Samstag 7. September 2019

Zweiundzwanzigste Woche im Jahreskreis

P. Mariano Ballestrem LC

Unser Platz beim GastmahlSonntag
Die ErfĂŒllung aller ProphezeiungenMontag
Der AufstandDienstag
Jesu SendungMittwoch
Jesus hilft nachDonnerstag
Wenn Hochzeit angesagt ist
Freitag
Freiheit der Kinder GottesSamstag


Unser Platz beim Gastmahl

1. September 2019

Zweiundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis

P. Mariano Ballestrem LC

Lk 14,1.7-14
Jesus kam an einem Sabbat in das Haus eines fĂŒhrenden PharisĂ€ers zum Essen. Da beobachtete man ihn genau. Als er bemerkte, wie sich die GĂ€ste die EhrenplĂ€tze aussuchten, erzĂ€hlte er ihnen ein Gleichnis. Er sagte zu ihnen: Wenn du von jemandem zu einer Hochzeit eingeladen bist, nimm nicht den Ehrenplatz ein! Denn es könnte ein anderer von ihm eingeladen sein, der vornehmer ist als du, und dann wĂŒrde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wĂ€rst beschĂ€mt und mĂŒsstest den untersten Platz einnehmen. Vielmehr, wenn du eingeladen bist, geh hin und nimm den untersten Platz ein, damit dein Gastgeber zu dir kommt und sagt: Mein Freund, rĂŒck weiter hinauf! Das wird fĂŒr dich eine Ehre sein vor allen anderen GĂ€sten. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. Dann sagte er zu dem Gastgeber: Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, lade nicht deine Freunde oder deine BrĂŒder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich wieder ein und dir ist es vergolten. Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, KrĂŒppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten und es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Gott, wir sind heute, zum Sonntag, wieder Gast in deinem Haus. Du hast uns aufgenommen mit all unseren Sorgen und Nöten. Du hörst uns und trĂ€gst unsere Last. Lass uns weiterhin ruhen in dir und schenke uns den Mut, alle, die du suchst, immer wieder einzuladen, damit sie dich durch uns finden mögen.

Bitte: Ă–ffne meine Augen fĂŒr deinen Plan.

1. Jesus erzĂ€hlt ein Gleichnis. Wie so oft im Evangelium beobachtet Jesus genau, was um ihn herum geschieht. So auch hier. Und nachdem viele GĂ€ste sich ihre PlĂ€tze ausgesucht haben, erzĂ€hlt Jesus ein Gleichnis. Es ist eine Zurechtweisung, auf liebevolle Art. Aber Jesus richtet sich anschließend auch an den Gastgeber. Auch er kann noch etwas lernen. Beide Male sind Jesu Worte klar und dennoch nicht beleidigend. Jesus will keinem ĂŒbel mitspielen, sondern erhofft sich mehr von uns: Seine Gleichnisse bezeugen, dass keiner von uns mit dem Status quo zufrieden sein sollte.

2. Das himmlische Gastmahl. Was auf den ersten Blick nach einer menschlichen Motivation aussieht, ist in der Tat eine Einladung zu glauben. Jesus appelliert nicht an uns, bei jeder Versammlung den untersten Platz zu suchen, um dann umgesetzt zu werden. Ich glaube viel mehr, dass er uns motivieren will, all das mit Glauben zu betrachten. Das Gastmahl ist vor allem ein Bild fĂŒr das himmlische Gastmahl, zu dem wir geladen sind. Auch dort gibt es verschiedene PlĂ€tze und auch dort gilt Jesu Tipp: Dass wir ihm die Möglichkeit geben, zu uns zu sagen: „Mein Freund, rĂŒck weiter hinauf!“

3. Liebe ist
, wenn wir es nicht zurĂŒckzahlen können. Der Vergleich bringt uns zwangslĂ€ufig aber zu einem weiteren Gedanken. Wenn es sich um das himmlische Gastmahl handelt, wird schnell klar, dass wir die Beschenkten sind, die Gott nichts zurĂŒckzahlen können. Wir sind die Armen, KrĂŒppel, Lahmen und Blinden. Und das ist kein Problem. Es ist kein Problem, weil Gott sich ja so sehr um uns kĂŒmmert. Wir brauchen es gar nicht zurĂŒckzahlen, weil wir so seine Liebe kleiner machen wĂŒrden. Liebe besteht darin, den Unterschied zu akzeptieren, voll Demut und Dankbarkeit. Am himmlischen Gastmahl haben wir uns keinen Platz verdient. Aber Jesus möchte trotzdem, dass wir teilnehmen und aufrĂŒcken!

GesprĂ€ch mit Christus: Christus, vielen Dank fĂŒr diese Lektion. Bei der Betrachtung wird mir klarer, was du dir von mir wĂŒnschst und erhoffst. Ich weiß, dass du mehr von mir erwartest, und ich weiß auch, dass ich mehr geben kann. Mein Ziel ist aber nicht die Perfektion, sondern einfach auf deine Liebe zu antworten. In dem Wissen, dass meine Antwort immer begrenzt bleiben wird.

Vorsatz: Heute möchte ich Gott fĂŒr 3 meiner persönlichen Limits danken und gleichzeitig an ihnen arbeiten, um seinem Plan besser zu entsprechen.


Die ErfĂŒllung aller Prophezeiungen

2. September 2019

Montag der zweiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. Mariano Ballestrem LC

Lk 4,16-30
In jener Zeit kam Jesus nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen, reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt: Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkĂŒnde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe. Dann schloss er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfĂŒllt. Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darĂŒber, wie begnadet er redete, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs? Da entgegnete er ihnen: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat! Und er setzte hinzu: Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel fĂŒr drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot ĂŒber das ganze Land kam. Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon. Und viele AussĂ€tzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman. Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstĂŒrzen. Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, so wie du im heutigen Evangelium in die Synagoge gehst, um zu deinem Vater zu beten und vor den Menschen die rechten Worte zu sprechen, so möchte ich auch jetzt vor dich treten. Ich sammle meine Gedanken und versuche fĂŒr einen Moment alles außen vor zu lassen, was nicht von dir ist.

Bitte: Lass mich erkennen, wie sich heute das Schriftwort in meinem Leben erfĂŒllt.

1. Der Geist des Herrn ruht auf mir. NatĂŒrlich ruht der Geist des Herrn auf Jesus. Das verwundert nicht. Aber gleichzeitig ist dies auch etwas, was der Herr von uns sagen will. Durch die Taufe und in noch grĂ¶ĂŸerer FĂŒlle durch den Empfang der Firmung liegt der Geist des Herrn auf uns. Manchmal sind wir uns dessen nicht bewusst. Doch dieses fehlende Bewusstsein hemmt den Geist, er kann dann nicht frei wirken. Dann bin ich auch blind fĂŒr all die Dinge, die er mich sehen lassen will.

2. Heute hat sich das Wort erfĂŒllt. Jesus sagt, dass sich das Wort erfĂŒllt hat. Dabei hat er noch gar nichts gesagt oder getan. Einfach durch seine Anwesenheit hat sich das Wort schon erfĂŒllt. Die weitere Rede Jesu ist im Evangelium nicht ĂŒbermittelt, der Evangelist hielt es nicht fĂŒr notwendig. Denn das Wort der Entlassung und Befreiung, das gerade verlesen worden war, hat sich schon erfĂŒllt – weil der Herr da ist und sein Geist wirken kann. Wenn wir im Alltag als getaufte und gefirmte Christen leben, dann ist das eine ErfĂŒllung dieser Prophezeiung. Jesus wirkt dann durch uns und befreit und erlöst uns und unsere Mitmenschen.

3. Er schritt durch die Menge hindurch. Der Höhepunkt des Lebens Jesu ist das Kreuz. Das ist der Moment, wenn er das ultimative Opfer bringt, sein Leben hingibt, um uns zu erlösen. Daher ist es auch fĂŒr uns ein Synonym fĂŒr Opfer geworden. Wie Jesus nach dem Besuch in der Synagoge behandelt wird, ist schon ein Hinweis auf das Kreuz. Die Leute wollen ihn töten und auch damit erfĂŒllt sich die Prophezeiung. Aber Jesu Stunde ist noch nicht gekommen. Der Geist entzieht ihn ihrem Zugriff und fĂŒhrt ihn durch die Menge hindurch.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, dein Geist ruht auch auf mir. Du bist bei mir, begleitest mich heute wĂ€hrend meines Tages in allem, was ich tue. Dein Geist gibt mir dabei Kraft und StĂ€rke. Lass mich das heute erfahren. Und auch wenn ich nichts spĂŒre, gib mir die Gewissheit, dass du bei mir bist.

Vorsatz: Heute will ich wĂ€hrend des Tages innehalten und mir deine Gegenwart in mir bewusst machen.


Der Aufstand

3. September 2019

Hl. Gregor der Große, Papst und Kirchenlehrer
Gedenktag

P. Mariano Ballestrem LC

Lk 4,31-37
In jener Zeit ging Jesus hinab nach Kafarnaum, einer Stadt in GalilĂ€a, und lehrte die Menschen am Sabbat. Sie waren sehr betroffen von seiner Lehre, denn er redete mit göttlicher Vollmacht. In der Synagoge saß ein Mann, der von einem DĂ€mon, einem unreinen Geist, besessen war. Der begann laut zu schreien: Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stĂŒrzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes! Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn! Der DĂ€mon warf den Mann mitten in der Synagoge zu Boden und verließ ihn, ohne ihn jedoch zu verletzen. Da waren alle erstaunt und erschrocken, und einer fragte den andern: Was ist das fĂŒr ein Wort? Mit Vollmacht und Kraft befiehlt er den unreinen Geistern, und sie fliehen. Und sein Ruf verbreitete sich in der ganzen Gegend.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr im Himmel, ich danke dir, dass du uns deinen Sohn gesandt hast und dass du uns durch ihn ein sichtbares Zeichen deiner Macht und StĂ€rke gibst. Jesus ist nicht nur der Herr ĂŒber mein Leben und alles, was mich umgibt, sondern auch ĂŒber die unsichtbare Welt, die die DĂ€monen einschließt. Ich brauche davor keine Angst zu haben, weil du ja mein Freund sein willst.

Bitte: Lass mich heute auch dein Freund sein.

1. Ein besessener Mann in der Synagoge. Jesus geht wie jeden Sabbat in die Synagoge. Er will dort beten und lehren. In der Synagoge sitzt ein Mann, der von einem unreinen Geist besessen ist. Wie kommt das? Vielleicht wurde er von seiner Familie mit in die Synagoge genommen, oder aber er ging aus eigenem Antrieb. Auf jeden Fall hat ihn der DĂ€mon nicht daran hindern können. Bei aller Macht des DĂ€mons ist es doch beachtlich zu sehen, wie viel der freie Wille des Menschen in einer solchen Situation noch bewirken kann


2. Der Aufstand. Der DĂ€mon beginnt sich aufzubĂ€umen. Er schreit laut und stört den Gottesdienst. Ob er Jesus vielleicht damit Ă€rgern will, dass er seine IdentitĂ€t preisgibt? Es ist ja schon beachtlich, dass von allen Anwesenden der DĂ€mon derjenige ist, der Jesus am besten kennt und weiß, dass jener „der Heilige Gottes“ ist. Ob wir das in der Situation auch so klar gesagt hĂ€tten? Wie steht es um unsere Menschenfurcht? Sind wir bereit, Zeugnis abzulegen, auch wenn wir vielleicht damit anecken?

3. Jesu Ruf breitet sich aus. Jesus treibt den DĂ€mon also aus und kĂŒmmert sich um den Besessenen. Und dann geht es weiter, dann besucht er noch andere Orte. „Sein Ruf verbreitet sich in der ganzen Gegend“. Aber nicht nur dort: Er geht ĂŒber JudĂ€a und GalilĂ€a hinaus, er verbreitet sich durch die Jahre und Jahrhunderte auch bis zu uns, so dass wir heute dieses Evangelium hören können. Wie viele weitere Zeugen waren notwendig, damit sich Jesu Ruf ausbreiten konnte? Und werde auch ich seinen Ruf weiter ausbreiten? Hier und heute?

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, ich danke dir, dass dieses Erlebnis es bis zu uns geschafft hat, dass wir davon hören können! Es inspiriert mich, denn es ist doch irgendwie so paradox. Aber ich sehe, wie du in die Offensive gehst, wie die Gegenwart des DĂ€mons dich zu guten Werken anspornt. Dann kann mich auch all das Elend und Leid um mich herum zu Gutem anspornen. Herr, ich danke dir von Herzen fĂŒr dein Vorbild!

Vorsatz: Heute werde ich einem Menschen in meinem Umfeld von meinem Glauben erzĂ€hlen.


Jesu Sendung

4. September 2019

Mittwoch der zweiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Ida von Herzfeld, Witwe

P. Mariano Ballestrem LC

Lk 4,38-44
In jener Zeit verließ Jesus die Synagoge und ging in das Haus des Simon. Die Schwiegermutter des Simon hatte hohes Fieber, und sie baten ihn, ihr zu helfen. Er trat zu ihr hin, beugte sich ĂŒber sie und befahl dem Fieber zu weichen. Da wich es von ihr, und sie stand sofort auf und sorgte fĂŒr sie. Als die Sonne unterging, brachten die Leute ihre Kranken, die alle möglichen Leiden hatten, zu Jesus. Er legte jedem Kranken die HĂ€nde auf und heilte alle. Von vielen fuhren auch DĂ€monen aus und schrien: Du bist der Sohn Gottes! Da fuhr er sie schroff an und ließ sie nicht reden; denn sie wussten, dass er der Messias war. Bei Tagesanbruch verließ er die Stadt und ging an einen einsamen Ort. Aber die Menschen suchten ihn, und als sie ihn fanden, wollten sie ihn daran hindern wegzugehen. Er sagte zu ihnen: Ich muss auch den anderen StĂ€dten das Evangelium vom Reich Gottes verkĂŒnden; denn dazu bin ich gesandt worden. Und er predigte in den Synagogen JudĂ€as.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, im heutigen Evangelium heilst du viele Menschen auf vielerlei Weise. Auch ich bin verletzt und brauche Heilung. Ich glaube, dass du mir helfen kannst und dass du mir helfen willst. Ich glaube, dass kein Problem zu groß fĂŒr dich ist, dass du mir auch in meinem Leben helfen kannst. Jesus, ich vertraue dir.

Bitte: Herr Jesus, heile mich und diejenigen um mich, die deines Heils am meisten bedĂŒrfen.

1. Jesus heilt. Jesus heilt die Schwiegermutter des Petrus. Die Tatsache gibt bisweilen Anlass zu spöttischen Bemerkungen, doch ohne Grund. Denn kurz darauf heilt Jesus auch noch eine Menge anderer Personen. Was sie alle verbindet, ist ihre Not, ihre BedĂŒrftigkeit und Sehnsucht nach Heilung. Sie alle sind krank, manche körperlich, andere seelisch. Jesus kĂŒmmert sich um jeden einzelnen und um dessen Nöte.

2. Jesus betet. Die Handlungsweise Jesu macht ihn populĂ€r und es ist nicht schwer, sich vorzustellen, wie die Menschen Jesus nun suchen und ihm nahe sein wollen. Heutzutage wĂŒrden manche ein Autogramm oder ein Selfie mit Jesus machen wollen. Doch Jesus entflieht dem allem, um zu beten. Um beim Vater zu sein. Auch Jesus braucht Zeit zum Auftanken. Er wĂ€hlt dafĂŒr den frĂŒhen Morgen, bevor der Tag mit seinen neuen Herausforderungen ihn voll und ganz in Beschlag nimmt. Und er geht an einem „einsamen“ Ort, wo er wirklich Ruhe hat. Das ist Jesus!

3. Jesus predigt. Nach all dem, was am Tag zuvor passiert war, und nach einem frĂŒhen Morgen im Gebet könnte man meinen, dass Jesus nun zurĂŒckgeht, um seine Arbeit vor Ort fortzusetzen. Die ersten Schritte sind getan, die Menschen sind offen fĂŒr sein Wort und nun bietet sich eine gute Gelegenheit, damit der Samen aufgehen kann. Doch Jesus sieht das anders. Er weiß, dass er eine andere Aufgabe hat. Anstatt sich nun dem schönen Teil (und wohl auch dem gemĂŒtlichen) seiner Sendung zu widmen, weiß er genau, dass er weiterwandern und predigen muss. Also zieht er wieder los.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr Jesus, lass mich nicht bequem werden. Es ist schwer, und die Versuchung ist da, den einfachen Weg zu wĂ€hlen und Ausreden zu erfinden, warum der gemĂŒtliche Weg der Bessere ist. Hilf mir, auf diese Tricks nicht hereinzufallen. Ich bin zu GrĂ¶ĂŸerem berufen. Auch heute. Zeige mir, wann ich mich in die Stille zurĂŒckziehen soll.

Vorsatz: Heute werde ich bewusst etwas tun, was mir schwerfĂ€llt, um es fĂŒr ein besonderes Anliegen aufzuopfern.


Jesus hilft nach

5. September 2019

Donnerstag der zweiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Mutter Teresa MC

P. Mariano Ballestrem LC

Lk 5,1-11
In jener Zeit, als Jesus am Ufer des Sees Gennesaret stand, drĂ€ngte sich das Volk um ihn und wollte das Wort Gottes hören. Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Jesus stieg in das Boot, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein StĂŒck weit vom Land wegzufahren. Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boot aus. Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus! Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen. Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten. Deshalb winkten sie ihren GefĂ€hrten im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen, und gemeinsam fĂŒllten sie beide Boote bis zum Rand, so dass sie fast untergingen. Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu FĂŒĂŸen und sagte: Herr, geh weg von mir; ich bin ein SĂŒnder. Denn er und alle seine Begleiter waren erstaunt und erschrocken, weil sie so viele Fische gefangen hatten; ebenso ging es Jakobus und Johannes, den Söhnen des ZebedĂ€us, die mit Simon zusammenarbeiteten. Da sagte Jesus zu Simon: FĂŒrchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurĂŒck und folgten ihm nach.

EinfĂŒhrendes Gebet: Guten Morgen, Jesus. Heute ist ein neuer Tag und ich weiß, dass du Überraschungen fĂŒr mich vorbereitet hast. Auf manche freue ich mich und auf andere, meine ich, könnte ich verzichten. Aber dem ist nicht so, ich brauche sie alle. Ich möchte heute offen fĂŒr dein Wirken sein, auch wenn mir das immer schwerfĂ€llt.

Bitte: Herr, heute geschehe in meinem Leben dein Wille.

1. Jesus predigt in der Fabrik. Na gut, Jesus predigt in diesem Evangelium natĂŒrlich nicht in einer Fabrik. Dass er jedoch in ein Fischerboot steigt, wĂ€hrend die Fischer nach getaner Arbeit aufrĂ€umen und bevor sie nach Hause gehen
 –das ist schon etwas dreist. Noch dreister ist jedoch, dass er sie dann noch einmal zum Fischen auffordert. Nach der Predigt ist vor der Predigt: Erst predigt er mir Worten und dann mit Taten.

2. Die Nachhilfe. Jesus ĂŒberbietet seine erste Handlung allerdings noch. Er erklĂ€rt Petrus, einem professionellen Fischer, sein Handwerk. Wenn ich mir das klarer vor Augen fĂŒhre, muss ich sagen, dass Petri Reaktion noch recht zurĂŒckhaltend ausfĂ€llt. Er ist bereit, Jesus Anweisung nachzukommen, lĂ€sst aber alle Welt wissen, dass er eigentlich vom Fischen bei Tageslicht nicht viel hĂ€lt. Sollte es schief gehen, ist der Schuldige also schon ausgemacht: („Wenn du es sagst
“), Doch Jesu vorrausgehende Predigt hat offenbar einen guten Eindruck hinterlassen, und Petrus ist bereit zu Handeln. Er fĂ€hrt noch einmal aus, und das Ergebnis lĂ€sst nicht lange auf sich warten. Die Fische schwimmen alle ins Netz und es sind nun sehr viele, zu viele, als das Petrus sich allein um sie kĂŒmmern könnte.

3. Das wirkliche Tatmotiv Jesu. Warum macht Jesus dies alles? Die Predigt war offensichtlich nicht das wahre Anliegen Jesu. Auch wollte er mit dem Wunder Petrus und seinen Mitarbeitern nicht nur einen wirtschaftlich erfolgreichen Tag schenken. Es geht ihm um mehr: Er wollte Petrus persönlich begegnen. In seinem Inneren, sodass er sagen kann: „Ich bin ein SĂŒnder“. Doch selbst dieses Bekenntnis war nicht das letzte Ziel Jesu. Von nun an soll Petrus nĂ€mlich helfen, dass auch andere Menschen sich auf Jesu einlassen, von ihm berĂŒhren lassen. Darum geht es.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, ich glaube, ich brauche bisweilen auch Nachhilfe von dir. Oft habe ich dieses Evangelium schon gelesen, bisweilen meine ich, dich schon zu kennen. RĂŒhr du mich an. So wie ich es brauche. Ich weiß, dass du mich persönlich abholen willst, so wie du auch Petrus dort abgeholt hast, wo er war. Jesus, ich bin bereit dazu.

Vorsatz: Das, was mir heute nicht gefĂ€llt, werde ich gerne annehmen und zusammen mit Petrus beten: „Wenn du es sagst
“


Wenn Hochzeit angesagt ist


6. September 2019

Freitag der zweiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Magnus OSB, Apostel des AllgÀus

P. Mariano Ballestrem LC

Lk 5,33-39
In jener Zeit sagten die PharisĂ€er und Schriftgelehrten zu Jesus: Die JĂŒnger des Johannes fasten und beten viel, ebenso die JĂŒnger der PharisĂ€er; deine JĂŒnger aber essen und trinken. Jesus erwiderte ihnen: Könnt ihr denn die HochzeitsgĂ€ste fasten lassen, solange der BrĂ€utigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der BrĂ€utigam genommen sein; in jenen Tagen werden sie fasten. Und er erzĂ€hlte ihnen auch noch ein Gleichnis: Niemand schneidet ein StĂŒck von einem neuen Kleid ab und setzt es auf ein altes Kleid; denn das neue Kleid wĂ€re zerschnitten, und zu dem alten Kleid wĂŒrde das StĂŒck von dem neuen nicht passen. Auch fĂŒllt niemand neuen Wein in alte SchlĂ€uche. Denn der neue Wein zerreißt die SchlĂ€uche; er lĂ€uft aus, und die SchlĂ€uche sind unbrauchbar. Neuen Wein muss man in neue SchlĂ€uche fĂŒllen. Und niemand, der alten Wein getrunken hat, will neuen; denn er sagt: Der alte Wein ist besser.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich glaube an dich und daran, dass du mich in deine Freundschaft rufst. Du kennst mich und weißt um mich. Gerade deswegen bist du ja auf die Erde gekommen. Du bist der BrĂ€utigam.

Bitte: Lass mich heute in dem Bewusstsein leben, zu deiner Hochzeit eingeladen zu sein.

1. Fasten ist kein Selbstzweck. Was die PharisĂ€er und Schriftgelehrten sagen, das kennen wir auch nur zu gut. Es geht darum, wer mehr oder besser fastet. Gerade in der heutigen Zeit, sprechen viele gern vom Fasten. Die einen verzichten auf Zucker, andere auf Flugreisen, wieder andere auf Social Media. Und wĂ€hrend Fasten an sich gar nicht verkehrt ist, wird es doch oft von seinem ursprĂŒnglichen Sinn losgelöst. Auch daher ist ein Vergleich mit anderen völlig unsinnig.

2. Jesus und der Volksmund. Der Volksmund sagt uns: Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Jesus stimmt damit ĂŒberein. Er ist nicht gegen Fasten, ja er prophezeit sogar, dass seine JĂŒnger auch spĂ€ter fasten werden. Aber eben erst dann, wenn die Zeit das gebietet. Vorher ist eine Hochzeit angesagt, der BrĂ€utigam ist da. Wie traurig ist es, wenn ein Fest ansteht, die GĂ€ste sich aber weigern mitzufeiern. Alles hat seine Zeit, und diese gilt es zu berĂŒcksichtigen.

3. Die Zeichen der Zeit erkennen. Um richtig zu handeln, mĂŒssen wir also die Zeichen der Zeit erkennen. Gott spricht durch sie zu uns. Manchmal ist es Zeit zu feiern, manchmal Zeit zu Fasten. In beiden FĂ€llen gibt es aber jeweils ein Motiv und das kommt von Gott selber. Er ist lebendig. Er ist an unserer Seite und möchte uns im Alltag begleiten. Immer auf dem Weg zum ewigen Hochzeitsmahl.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, hilf mir zu erkennen, was heute ansteht. Hilf mir, die Stoffe oder den Wein zu unterscheiden, der mir heute gereicht wird. Ich möchte mich ganz auf dich einlassen, mich von dir fĂŒhren lassen. Begleite mich.

Vorsatz: Heute möchte ich wĂ€hrend des Tages inne-halten und mit Gott sprechen, was er sich von mir wĂŒnscht.


Freiheit der Kinder Gottes

7. September 2019

Samstag der zweiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. Mariano Ballestrem LC

Lk 6,1-5
Als Jesus an einem Sabbat durch die Kornfelder ging, rissen seine JĂŒnger Ähren ab, zerrieben sie mit den HĂ€nden und aßen sie. Da sagten einige PharisĂ€er: Was tut ihr da? Das ist doch am Sabbat verboten! Jesus erwiderte ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David getan hat, als er und seine Begleiter hungrig waren - wie er in das Haus Gottes ging und die heiligen Brote nahm, die nur die Priester essen dĂŒrfen, und wie er sie aß und auch seinen Begleitern davon gab? Und Jesus fĂŒgte hinzu: Der Menschensohn ist Herr ĂŒber den Sabbat.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, wĂ€hrend die JĂŒnger heute mit dir durch die Kornfelder gehen, verspĂŒre auch ich die Sehnsucht, an deiner Seite zu sein. Einfach deine NĂ€he zu genießen, in deiner Gegenwart zur Ruhe zu kommen. Mich bei dir geliebt zu wissen. Jetzt ist dieser Moment gekommen. Jetzt habe ich Zeit nur mit dir.

Bitte: Vermehre die Liebe in mir.

1. Mit Jesus gehen. Es ist Sabbat und Jesus geht mit seinen JĂŒngern durch die Kornfelder. Vielleicht ziehen sie in ein anderes Dorf, vielleicht ist es auch einfach ein Sonntagsspaziergang (oder Sabbat-Spaziergang). Die JĂŒnger und Jesus genießen es aber: An der frischen Luft, unter sich zu sein und die Natur zu erleben. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere an seine Kindheit, wenn er mit den Eltern durch die Felder spazieren ging. Wo alles gut war und keine Sorgen sie bedrĂŒckte – weil die Eltern ja da waren. So wie jetzt Jesus. Alles ist gut.

2. Freiheit der Kinder Gottes. Bei einem solchen Spaziergang kommt auch Hunger auf. Die JĂŒnger denken sich gar nichts dabei, reißen einfach Ähren ab und Essen davon. Ich glaube, dass sie so gelöst sind, sich so an der Situation erfreuen, dass sie gar nicht darĂŒber nachdenken, ob sie etwas Verkehrtes tun und was fĂŒr ein Bild sie in der Öffentlichkeit gerade abgeben. Sie sind mit ihrem Meister zusammen, fĂŒhlen sich ganz frei – und handeln dementsprechend. Sie haben sich an ihre Kindheit erinnert und handeln nun wie Kinder. Ob bewusst oder unbewusst, ihr Handeln zeigt, dass sie sich als geliebte Kinder Gottes fĂŒhlen, und dass dies zu einer großen Freiheit fĂŒhrt.

3. Jesus verteidigt seine JĂŒnger. Wir sind leicht versucht, Freiheit und Gesetz gegeneinander auszuspielen, als ob sie einander ausschließende GegensĂ€tze wĂ€ren. Doch darum geht es nicht. Jesus hebt das Sabbatgebot nicht auf, sondern er erinnert an den Grund des Sabbatgebotes. Wie er auch an anderer Stelle sagt: Der Sabbat ist fĂŒr den Menschen da, nicht der Mensch fĂŒr den Sabbat. Inmitten des Konflikts stellt sich Jesus also vor seine JĂŒnger. Wir sind Kinder Gottes und als solche dĂŒrfen wir uns frei fĂŒhlen. Diese Freiheit soll uns noch nĂ€her zu Christus fĂŒhren, also zu dem, der uns die Ähren im Kornfeld ĂŒberhaupt erst gegeben hat.

GesprĂ€ch mit Christus: Danke, Jesus! Danke, dass du uns als Kinder Gottes annimmst, dass du auch mich adoptiert hast und ich dein Kind sein darf. Wie gerne gehe ich mit dir durch die Kornfelder spazieren. Nicht nur sonntags. Danke fĂŒr die Freiheit, zu der du uns fĂŒhren willst. Bitte lass mich in dieser Freiheit reifen, damit ich sie immer besser anzuwenden weiß und sie mich nie von dir trennt!

Vorsatz: Aus Dankbarkeit, dein Kind zu sein, möchte ich heute einen besonderen Moment des Tages mit dir im Gebet verbringen zur persönlichen Danksagung.