Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 11. August 2019 bis Samstag 17. August 2019

Neunzehnte Woche im Jahreskreis

P. Thomas Fox LC

„Ekstase“Sonntag
Gottes und des Menschen InitiativenMontag
Eine VerjĂĽngungskurDienstag
Schutz fĂĽr Opfer und den GlaubenMittwoch
Frau und MiterlöserinDonnerstag
Steht Gott heute allein?Freitag
Das Auflegen der HändeSamstag


„Ekstase“

11. August 2019

Neunzehnter Sonntag im Jahreskreis
Hl. Klara von Assisi

P. Thomas Fox LC

Lk 12,32-48
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben. Verkauft eure Habe, und gebt den Erlös den Armen! Macht euch Geldbeutel, die nicht zerreißen. Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, droben im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz. Legt euren Gürtel nicht ab, und lasst eure Lampen brennen! Seid wie Menschen, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten, der auf einer Hochzeit ist, und die ihm öffnen, sobald er kommt und anklopft. Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen. Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach - selig sind sie. Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht. Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet. Da sagte Petrus: Herr, meinst du mit diesem Gleichnis nur uns oder auch all die anderen? Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr einsetzen wird, damit er seinem Gesinde zur rechten Zeit die Nahrung zuteilt? Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! Wahrhaftig, das sage ich euch: Er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen. Wenn aber der Knecht denkt: Mein Herr kommt noch lange nicht zurück!, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen; wenn er isst und trinkt und sich berauscht, dann wird der Herr an einem Tag kommen, an dem der Knecht es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und der Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Ungläubigen zuweisen. Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt, der wird viele Schläge bekommen. Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge bekommen. Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr verlangen.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, du bist der gute geistige Brandstifter! Du gibst Frieden und Sicherheit, doch dein Wort brennt wie Feuer! Wenn ich doch nur immer fähig wäre, es ganz ernst zu nehmen, es ganz zu leben… Wieder einmal lädst du mich ein, gemeinsam mit dir auf volles Risiko zu gehen und meinen Glauben wahrhaft zu leben. Du willst nicht, dass ich mich auf Erden installiere. Zu Höherem hast du mich berufen. So möchte ich jetzt allem bloĂź weltlichen Streben entsagen und bei dir sein. Hole mich heraus aus der Welt, in die Ekstase!

Bitte: Mach mich heute betroffen durch dein Wort, Herr!

1. Der Flug der Seele, oft behindert durch Weltlichkeit. Unglaublich, wie entwaffnend der Herr in seinen Worten ist! Wie oft ertappe ich mich dabei, im Alltag in mir Herzensregungen wahrzunehmen, die mich konsequent schlussfolgern lassen mĂĽssten: „Der Schatz, den du suchst, ist ja ein irdischer! Denn: Sind Ungeduld und Ă„rger, Unruhe und Verwirrtheit nicht Anzeichen fĂĽr meinen schwachen, noch viel zu sehr mit den Dingen dieser Welt verwobenen Geist?“ Und ich denke: „Wenn du wirklich ganz damit beschäftigt wärst, dir Schätze fĂĽr den Himmel zu verschaffen, wĂĽrde das alles den Flug deiner Seele, die Ekstase, nicht verhindern, sondern tragen und vermehren.“ Ja, immer wieder mĂĽssen wir aller Weltlichkeit entsagen und uns vom Herrn ergreifen lassen!

2. Der Herr hat uns herausgeholt. Herr, seitdem du – der Himmel – zur Erde herabgestiegen bist, ist alles anders geworden: In deiner Liebe hast du mich ergriffen und herausgeholt aus allen sonst so vereinnahmenden BezĂĽgen dieser Welt, hast meinen Schatz in den Himmel verlegt und bewirkt, dass ich gar nicht mehr anders leben kann als dieser Welt in gewisser Weise „entfremdet“, als „Wächter“, der die Zukunft erwartet, die du allein uns bringst. Nun ist mein Geist schon dort anwesend, in der Zukunft. Und das nimmt mir nicht die Aufmerksamkeit fĂĽr diese Welt! Im Gegenteil, es bringt meine Lampe zum Brennen, verhindert, dass ich meinen GĂĽrtel ablege und mich hier zur Ruhe bette.

3. Es immer wieder wagen, mich herausholen zu lassen. Man muss in seinem Alltag kontinuierlich Glaubensakte säen. Ansonsten ĂĽberspĂĽlen einen die Wogen der Weltlichkeit und lassen den Glaubensgeist untergehen. O, wenn wir doch lernen wĂĽrden, zu glauben! ĂśbernatĂĽrlich zu glauben, an die Zukunft, die doch schon fast vor der TĂĽre steht! Dann wohnte unser Herz schon jetzt im Himmel, wir wĂĽrden „wach“ sein, „kluge Verwalter“, solche, die die Knechte und Mägde des Herrn bedienen. Wir wĂĽrden in einer ständigen „Ekstase“ stehen, die alles andere als betäubend ist. Denn nur der Ungeist betäubt. Erinnern wir uns an die Worte des Hebräerbriefs (11,6): „Ohne Glauben aber ist es unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, muss glauben, dass er ist und dass er denen, die ihn suchen, ihren Lohn geben wird.“ Schauen wir also mit der ganzen Spannung unseres Geistes auf den „Urheber und Vollender unseres Glaubens“, Christus (Hebr 12,2)! Das hebt uns heraus.

Gespräch mit Christus: Herr, es wäre schrecklich, wenn ich meinen Schatz hier auf Erden hätte, dich aber, das wahre Gut, dafĂĽr ignorieren und deine Gegenwart unter uns mit Undank lohnen wĂĽrde. Wie viele Menschen gehen aus tiefer Unkenntnis und Verfangenheit in der Welt achselzuckend an dir vorbei, sei es an der Eucharistie, sei es an der Wahrheit deiner Lehre, sei es an deinem Ebenbild, dem leidenden Menschen! Gib dich mir, uns, allen Menschen, rechtzeitig zu erkennen!

Vorsatz: Ich denke ĂĽber die Vergänglichkeit der Dinge dieser Welt nach und suche mein Herz im wahren Gut zu verankern. Dazu bete ich einen Moment in Stille und verstreue solche Momente ĂĽber meinen heutigen Tag.


Gottes und des Menschen Initiativen

12. August 2019

Montag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Karl Leisner, Priester
Hl. Johanna Franziska von Chantal, OrdensgrĂĽnderin

P. Thomas Fox LC

Mt 17,22-27
In jener Zeit, als Jesus und seine Jünger in Galiläa zusammen waren, sagte Jesus zu ihnen: Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert werden, und sie werden ihn töten; aber am dritten Tag wird er auferstehen. Da wurden sie sehr traurig. Als Jesus und die Jünger nach Kafarnaum kamen, gingen die Männer, die die Tempelsteuer einzogen, zu Petrus und fragten: Zahlt euer Meister die Doppeldrachme nicht? Er antwortete: Doch! Als er dann ins Haus hineinging, kam ihm Jesus mit der Frage zuvor: Was meinst du, Simon, von wem erheben die Könige dieser Welt Zölle und Steuern? Von ihren eigenen Söhnen oder von den anderen Leuten? Als Petrus antwortete: Von den anderen!, sagte Jesus zu ihm: Also sind die Söhne frei. Damit wir aber bei niemand Anstoß erregen, geh an den See und wirf die Angel aus; den ersten Fisch, den du heraufholst, nimm, öffne ihm das Maul, und du wirst ein Vierdrachmenstück finden. Das gib den Männern als Steuer für mich und für dich.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, wie bei den JĂĽngern sind meine Reaktionen auf deine Initiativen in diesem Leben nicht immer die angemessensten. Vor allem, wenn es ums Leiden geht. Vieles davon verstehe ich noch nicht und halte mich lieber zurĂĽck. Andere Male, wenn es um Leichteres geht, wage ich, wie Petrus, dir vorzugreifen, weil ich meine, verstanden zu haben. Ich weiĂź aber, dass du mit mir gehst, dass ich dich im Gepäck fĂĽhre, weil du das in deiner GĂĽte so willst und mir zugestehst. FĂĽhre mich in die ganze Wahrheit ein. Korrigiere das Falsche und fördere alles Gute.

Bitte: Herr, ich sehne mich nach einem wunderbaren Austausch mit dir. Lass mich deine Initiativen recht aufnehmen und begleite meine Initiativen mit deiner Gnade.

1. Das Ostergeschehen. Jesu Geduld und Barmherzigkeit mit uns ist groĂź! Er kĂĽndigt uns sein Leiden an und findet sich vorerst damit ab, dass wir seine Notwendigkeit nicht verstehen und uns eine scheinbar „fromme“ Traurigkeit darĂĽber erfĂĽllt. Nicht nur den JĂĽngern damals sondern auch uns, wenn wir zur Messe gehen, fehlt oft das klare Bewusstsein, dass wir Jesu Leiden und Auferstehen beiwohnen werden, oder wenigstens stehen wir mit unserem Geist nicht vollends unter dem Bann dieses alles entscheidenden geschichtlichen Geschehens, das vom Priester kraft seiner heiligen Weihe ins Jetzt hineingeholt wird. Wie auch? – Die sakramentalen Zeichen sind so diskret und unaufdringlich. Das so blutige Opfer, das Jesus ein fĂĽr alle Mal dargebracht hat, wird ja unblutig gegenwärtig gesetzt. Tod und Auferstehung werden nur im Wort, sanfter Gestik und zeichenhaft präsent. Wären greifbarere sinnliche EindrĂĽcke die Lösung? Nein. Dem sensiblen und bewusst teilnehmenden, aktiven Geist genĂĽgt es. Es ist fĂĽr uns die Chance, dass unser Glaube in uns setzt, was nur scheinbar fehlt. Und dadurch werden wir belebt.

2. Petrus fĂĽhrt Christus „im Gepäck“. Petrus, immer noch im HochgefĂĽhl seiner zukĂĽnftigen Verantwortung („Fels der Kirche“), lässt sich heute einmal mehr von seiner Intuition leiten und versichert den Männern, die die Tempelsteuer eintreiben, dass sein Meister sich an das Gesetz des Mose hält. Er regelt also den Fall, ohne direkte RĂĽcksprache mit Jesus zu halten. Vielleicht war es auch in dem Moment nicht möglich, und so suchte er sicher in Christi Sinne zu entscheiden – wie auch wir es oft tun mĂĽssen, weil wir nicht gleich den Katechismus zur Hand haben, Erkundigungen einziehen oder eine Stunde beten können, um jemandem Rede und Antwort zu stehen. Christus ist aber einverstanden. Er ist „mit“ Petrus, das heiĂźt er „zieht mit“, wenn Petrus etwas entscheidet. So ist das grundsätzlich auch bei uns, wenn wir uns bemĂĽhen, etwas im Sinne Christi zu entscheiden.

3. Das Nachspiel: eine Klarstellung. Allerdings hat das Vorgreifen des Petrus ein Nachspiel: Jesus lässt das intuitive Handeln seines Stellvertreters nicht unbegrĂĽndet stehen. Nicht die sklavische ErfĂĽllung einer Pflicht soll es sein, wenn Christus die Tempelsteuer entrichtet, denn vom Sohn dessen, dem der Tempel gehört, vom Sohn des Hausherrn, dĂĽrfte das nicht verlangt werden. Man erinnere sich an die Tempelreinigung, die er mit Autorität vollzieht! Er gewährt dies lediglich als freies Zugeständnis, „um keinen AnstoĂź zu erregen“. Das Prinzip ist also klar. Dass in diesem Fall nicht danach gehandelt wird, ist Dispens, freie GnadenverfĂĽgung, Handeln aus dem Ăśberfluss. Das wird auch an der Quelle deutlich, die zur Stillung der Forderung herhalten muss: Ein verloren gegangenes und vom Fisch verschlucktes GeldstĂĽck. Wie beim Lotteriespiel, bei dem man beim ersten Versuch das Gewinnlos aus dem Fass angelt und herauszieht. Reine Gnade aus dem unerschöpflichen Reichtum Gottes.

Gespräch mit Christus: Herr, komm meinem Beten und Arbeiten mit deiner Gnade zuvor und begleite es, damit alles, was ich beginne, bei dir seinen Anfang nehme und durch dich vollendet werde. Durch Christus, unseren Herrn. (Nach einem alten Gebet „actiones nostras“)

Vorsatz: Ich bemĂĽhe mich heute, an Gottes Initiative in meinem Leben zu glauben und daran, dass er mich bei meinen Initiativen ĂĽberallhin begleitet. Ob ich das verstehe bzw. erkennen kann oder nicht.


Eine VerjĂĽngungskur

13. August 2019

Dienstag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Hippolyt, Priester, Märtyrer
Hl. Pontianus, Papst

P. Thomas Fox LC

Mt 18,1-5.10.12-14
In jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist im Himmelreich der Größte? Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sagte: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte. Und wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf. Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters. Was meint ihr? Wenn jemand hundert Schafe hat und eines von ihnen sich verirrt, lässt er dann nicht die neunundneunzig auf den Bergen zurück und sucht das verirrte? Und wenn er es findet - amen, ich sage euch: er freut sich über dieses eine mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben. So will auch euer himmlischer Vater nicht, dass einer von diesen Kleinen verloren geht.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, wenn ich mit offenen Augen durch die StraĂźen gehe, wo Menschen unterwegs sind, muss ich manchmal wirklich suchen, um Gesichter mit unbeschwerten Blicken zu finden. Je unbeschwerter aber ein Herz, desto sensibler ist es fĂĽr gute Inspirationen und desto rascher kann es ihnen folgen. Jesus, ich schaue jetzt auf dich: Obwohl du so viel Verantwortung getragen und alles Böse der Welt gesehen hast, sank dein Mut nicht dahin. So sehr war dein Herz das Herz eines Kindes, dass dein Wunsch, dem Vater zu gefallen, dir Kraft genug gab, um unvorstellbar groĂźe und unerträgliche Lasten immer wieder von neuem zu stemmen, zum Beispiel die des Kreuzes und die deines verborgenen Alltags in Nazaret.

Bitte: Herr, lass deine Kirche im Geiste neu geboren werden! VerjĂĽnge das Herz deiner Christen!

1. Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder,… Jesu Antwort auf die Frage der JĂĽnger zeigt, dass es fĂĽr den neuen Menschen in Christus tatsächlich möglich ist, eine Entwicklung zu durchlaufen, die den Gesetzen der Biologie zuwiderläuft: Wer Jesus beim Wort nimmt, wird – dem Geiste nach – mit zunehmendem Alter jĂĽnger. Und jedes Mal, wenn wir von Herzen umkehren, stehen wir irgendwie ĂĽber den Gesetzen dieser Welt – wie ein Kind, das viel mehr von seinen SehnsĂĽchten, Träumen und Hoffnungen geleitet wird als von der „harten Realität“, denn schlieĂźlich hat es ja seinen mächtig guten Vater und die ganze Zukunft auf seiner Seite. Es geht Jesus offensichtlich darum, dass wir im Herzen jung bleiben. Wie ein Kind, das an seine (ewige) Zukunft denkt, in die es sich spielerisch ganz vertieft.

2. Schaut auf dieses Kind! Damit, dass Jesus das kleine Kind in die Mitte seiner JĂĽnger stellt, stellt er ihnen eigentlich sich selbst vor Augen. Im Kind sollen sie ihn erkennen, die Haltung, mit der er sich seiner Größe und Vorrechte entledigte, dem Vater gehorsam den Himmel verlieĂź, auf Erden herabstieg, um uns zu erlösen. Jedes Kind spiegelt etwas von diesem Geheimnis wider und deshalb sagt Jesus auch: „Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt MICH auf.“ Und wir sollten darĂĽber staunen: Auch die Beziehung Jesu zu seinem Vater im Himmel wiederholt sich auf geheimnisvolle Weise in jedem Kind, denn „Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.“

3. Es gibt auch die Sorgenkinder… In jeder Familie gibt es normalerweise ein Sorgenkind. In der Biographie des heiligen Maximilian Kolbe heiĂźt es, dass seine Mutter eines Tages, als sie ihm wegen einiger Lausbubenstreiche wieder einmal den Hintern versohlen musste, weinend und klagend den Satz ausstieĂź: „Was soll aus dir noch werden?“ Diese Frage traf den Jungen ins Herz, woraufhin er sich tatsächlich bekehrte. Und aus ihm wurde ein Heiliger… Nun scheint uns Jesus mit dem Gleichnis vom verlorenen Schaf zu sagen, dass ihm seine Sorgenkinder wichtiger sind als „der ganze Rest“. Verlegt er damit fĂĽr uns die Mitte der Kirche nicht an die Peripherie, den Rand? HeiĂźt das nicht, dass wir mit einem echten Hirtenherzen hinausgehen und unter den Menschen nach denen suchen sollen, die nur auf Jesus warten? Denn wo die Liebe zu dem Einen fehlt, gibt es auch keine Liebe zu den vielen.

Gespräch mit Christus: Jesus. Es gibt viele Projekte zur VerjĂĽngung deiner Kirche. Hier schlägst du uns deinen Weg vor: umkehren, deine Haltung ĂĽbernehmen (kleiner werden) und hinausgehen. Gib uns deinen Heiligen Geist, damit wir nicht vor der Herausforderung kneifen und uns wirklich von ihm auf diesem schönen Weg anleiten lassen.

Vorsatz: Jeder von uns war einmal ein Kind. Ich betrachte heute das Kind in mir und meinem Nächsten. Kann ich etwas tun, um seine Augen aufleuchten zu lassen, seinen Geist fĂĽr das Gute zu entzĂĽnden, seine Liebe zu Jesus zu wecken?


Schutz fĂĽr Opfer und den Glauben

14. August 2019

Mittwoch der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Maximilian Maria Kolbe OFMConv, Märtyrer

P. Thomas Fox LC

Mt 18,15-20
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden. Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner. Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein. Weiter sage ich euch: Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, vor dem Hintergrund der Missbrauchskrise in der Kirche erlangen deine Worte neue Bedeutung. Als Christ darf ich vor schweren Vergehen in der Gemeinschaft die Augen nicht verschlieĂźen. Es wäre dann nicht richtig, dem, der uns auf die rechte Wange schlägt, auch die andere hinzuhalten (vgl. Mt 5,39) noch, wie Paulus sagt, Unrecht lieber zu erleiden, als Prozesse zu fĂĽhren (vgl. 1 Kor 6,7). Es gibt wirklich Ăśbel, die ausgemerzt werden mĂĽssen und fĂĽr die es in der kirchlichen Gemeinschaft keinen Platz geben darf.

Bitte: Herr, reinige und läutere deine Kirche! Lass diese Zeit eine Zeit der Gnade sein, damit die Menschen sich deiner Barmherzigkeit zuwenden. Lass uns deinen Ruf zur Umkehr ernst nehmen.

1. Der gerechten Sache zum Sieg verhelfen. Ausgangspunkt fĂĽr Christi Worte ist ein Sachverhalt, der uns heute durch die Missbrauchskrise wieder besonders bewusst geworden ist: Die Kirche besteht nicht aus fertigen Heiligen, sondern aus SĂĽndern, die sich mit unterschiedlichsten inneren Dispositionen auf dem Weg zu Gott befinden. So kommt es denn in ihr auch vor, dass Geschwister im Glauben gegeneinander sĂĽndigen. Und zwar schwer. Der Herr hat es vorausgesehen und dafĂĽr Verhaltensregeln erlassen, deren Wunsch und Ziel die Umkehr des SĂĽnders ist. Doch nicht immer fruchten die BemĂĽhungen, die man in mehreren Stufen setzt: zunächst privat, dann familiär, dann gemeinschaftlich bzw. öffentlich. Zuletzt fasst der Herr sogar die „Exkommunikation“ als höchste Kirchenstrafe ins Auge: „Er sei fĂĽr dich wie ein Heide.“ – Es macht sehr betroffen, dass es solche Fälle gibt.

2. Die Kirche Christi, „ein sichtbares GefĂĽge. Wie sehr stärkt Jesus den RĂĽcken der Apostel, wenn er ihnen in seiner Kirche die SchlĂĽsselgewalt ĂĽbergibt! So ausgestattet können sie und haben sie die Kraft, fĂĽr Recht und Ordnung zu sorgen. Man spĂĽrt hier an seinen Worten besonders, dass der Herr keine „ätherische“ Kirche gegrĂĽndet hat, sondern eine sichtbare und konkrete. Er verspricht ihr seine Gegenwart, verheiĂźt ihr die GĂĽltigkeit ihrer Entscheidungen, die Wirksamkeit ihrer Gebete – wenn sie in seinem Namen geschehen. Aufgrund dieser groĂźen Verantwortung ist die Kirche auch ständig zu einer Gewissenserforschung verpflichtet, um zu sehen, ob sie in allem christusgemäß handelt.

3. Der Geist der Sanftmut, gepaart mit Festigkeit. Bei aller berechtigten EntrĂĽstung ĂĽber Missbrauch in der Kirche hilft uns Paulus, im Eifer fĂĽr das Gute und Rechte nicht ĂĽber das Ziel hinauszuschieĂźen. So sagt er im Galaterbrief: „Wenn einer sich zu einer Verfehlung hinreiĂźen lässt, meine BrĂĽder, so sollt ihr, die ihr vom Geist erfĂĽllt seid, ihn im Geist der Sanftmut wieder auf den rechten Weg bringen.“ Diese Sanftmut ist allerdings mit groĂźer Bestimmtheit gepaart, denn Opfer haben ein Recht auf ihren Schutz. Und wie der Papst em., Benedikt XVI., sagt, richtet sich Missbrauch direkt gegen den Glauben der Kleinen, weil er ihn an der Wurzel zerstört. Somit mĂĽssen wir zu Anwälten dieses Glaubens werden und ihn entschlossen schĂĽtzen.

Gespräch mit Christus: Herr, wie sehr wurden Menschen in der Geschichte schon missbraucht! Der heilige Maximilian Kolbe hat uns vorgelebt, wie er seinen Weg vor dir als Opfer eines Unrechtregimes gehen konnte. Niemand stand ihm damals zur Seite. Er war es, der mit seinem Verhalten das Urteil ĂĽber die Vernichtungslager sprach. So sehr wie er hat kaum jemand dazu beigetragen, das damals geschehene Unrecht bloĂźzustellen und wiedergutzumachen. Herr, hilf den Missbrauchsopfern, durch dich ihren Weg zurĂĽck in die Mitte der Kirche zu finden. Lass uns die Kleinen beachten und sie in die Mitte stellen.

Vorsatz: Ich bete fĂĽr die Kirche, bringe fĂĽr sie ein Opfer dar und informiere mich ĂĽber aktuelle Themen in der Kirche.


Frau und Miterlöserin

15. August 2019

Donnerstag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Mariä Aufnahme in den Himmel
Hochfest

P. Thomas Fox LC

Lk1-39-56
In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, es ist etwas Wunderbares, Zeuge dessen zu sein, was dein Geist in Menschen bewirkt, die sich ganz von ihm leiten lassen. FĂĽr sie gilt: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20). Hier ganz konkret fĂĽr Maria und Elisabet. Sie sprechen deshalb deine Worte und verhalten sich „christusgemäß“, wie echte „Christen“. Es ist etwa so, als ob sie hinter dir verschwinden wĂĽrden – was aber die Konturen ihrer eigenen Person nicht verblassen, sondern noch intensiver und markanter in deinem Licht erstrahlen lässt. Das ist die Macht der selbstlosen Liebe, die, mit deinem Gnadenimpuls beschenkt, zur Herrschaft Christi, zum Reich Christi in der eigenen Seele und in der menschlichen Gemeinschaft wird. Und dazu hast du mich berufen!

Bitte: Herr, hilf mir und uns, der Größe unserer Berufung aufrichtig zu entsprechen. Schenke uns deine Gnade!

1. Inbesitznahme von oben her. Beide Frauen des Evangeliums sind tief mit dem Geheimnis Christi verwoben: Maria trägt Christus im Herzen, in ihrem Leib, in ihrer Seele, Elisabet Johannes den Täufer. Sie stehen ganz im Dienst der Erlösung. Und genau dazu hatte Jesus sie erwählt: um sie tief mit seinem Leben zu verbinden, um sie hineinzunehmen in eine höhere Dimension, die alles vorher Gewesene in sich aufnahm und veredelte. Er hat ihre Geschichte in Heilsgeschichte verwandelt. Im Glauben eröffnet sich so auch fĂĽr uns die Möglichkeit, in Christus zu leben und am Heilsgeschehen teilzunehmen, hineingenommen zu werden in Gottes groĂźe Pläne.

2. Inbesitznahme mit Folgen. Gerade in ihrem Frausein hatte Maria dem Herrn von Anfang an in sich selbst Raum gegeben, hatte ihm damit alles, ihr ganzes Leben und Sein geschenkt und nichts zurĂĽckbehalten. Diese Fähigkeit der Frau, der Liebe Raum in sich zu schenken, bedingungslos zu lieben, sich grenzenlos hinzugeben, hat der Herr sich nutzbar gemacht, um den Anfang der Erlösung zu setzen. In Maria. Diese Form der respektvollen, aber auch alles einfordernden Inbesitznahme hatte Maria an sich selbst erlebt und so war seit der VerkĂĽndigung in ihr eine völlig neue Beziehung zu Gott und damit zu Christus angebrochen, eine Beziehung ungeahnter Tiefe, Intensität, Weite und Ernsthaftigkeit. Ihres Zentrums beraubt, war ein anderer zum Zentrum ihres Lebens geworden.

3. Das groĂźe Zeichen am Himmel. Zwischen Christus und Maria herrschte von Anfang an eine gewisse Form der gegenseitigen „Inbesitznahme“, wie sich nur Braut und Bräutigam in wahrer und schöner Liebe gegenseitig „besitzen“, in tiefer Hochachtung und Respekt. Von Ewigkeit fĂĽreinander bestimmt entsprach Maria (die neue Eva) ganz dem Herrn (dem neuen Adam). Und so ging aus beider vollkommener Liebe die neue Menschheit hervor. „In der Tat gesellt sich Christus“, der Erlöser, „immer wieder die Kirche zu, seine geliebte Braut“, deren Abbild Maria ist (Liturgiekonstitution des II. Vaticanums 7,2). So untrennbar und unauflöslich diese Beziehung ist, so folgerichtig ist die Aufnahme Mariens in den Himmel, wo sie endgĂĽltig in diese Einheit mit Christus im Leben der Dreifaltigkeit einkehrt.

Gespräch mit Christus: Maria! Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das GroĂźe, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben, das empfängst du nun. Bitte fĂĽr uns und unserer Familien!

Vorsatz: Heute werde ich meine Weihe sowie die meiner Familie an Maria erneuern. Und wenn es passt, auch ein Marienlied vor mich hersingen oder kurz betrachtend darĂĽber beten.


Steht Gott heute allein?

16. August 2019

Freitag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Stephan von Ungarn

P. Thomas Fox LC

Mt 19,3-12
In jener Zeit kamen Pharisäer zu ihm, die ihm eine Falle stellen wollten, und fragten: Darf man seine Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen? Er antwortete: Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer die Menschen am Anfang als Mann und Frau geschaffen hat und dass er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein? Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. Da sagten sie zu ihm: Wozu hat dann Mose vorgeschrieben, dass man der Frau eine Scheidungsurkunde geben muss, wenn man sich trennen will? Er antwortete: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so. Ich sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch. Da sagten die Jünger zu ihm: Wenn das die Stellung des Mannes in der Ehe ist, dann ist es nicht gut zu heiraten. Jesus sagte zu ihnen: Nicht alle können dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist. Denn es ist so: Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht, und manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches willen. Wer das erfassen kann, der erfasse es.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, ich danke dir fĂĽr deine bedingungslose Liebe zu mir. Du hast mir immer gezeigt, dass deine Liebe zu mir keine Grenzen hat. An jedem Ort, zu jeder Zeit, unter allen Umständen bestätigt sich das. Vor allem an jenen Tagen, an denen ich leide, weil meine Liebe versagt. Ich danke dir, dass du mich nicht hast fallen lassen. Fange mich auch bitte heute auf! Nur in deiner Liebe bin ich geborgen. Danke!

Bitte: Herr, lass mich zu dir stehen!

1. Unsere Zerbrechlichkeit. Selbst den Schritt zur standesamtlichen (nicht einmal kirchlichen!) Trauung nimmt ein Paar (Mann und Frau) heute schon als ziemlich groĂźes Risiko wahr. Stellen wir einen Vergleich an: Man weiĂź intuitiv, dass das Scheitern einer Ehe viel Schmerz und Leid verursacht und dass bei beiden Ehepartnern, vor allem bei den Kindern, verdeckte und offene, oft irreparable Schäden entstehen. – Warum also sich so etwas zumuten? WĂĽrde man denn etwa den Flieger einer Fluggesellschaft besteigen, von der man weiĂź, dass es in 30-50 % aller Fälle einen Absturz geben wird? Statistisch gesehen sieht es aber genauso bei den standesamtlich geschlossenen Ehen aus. Eine standesamtliche Ehe dauert heute im Schnitt 15 Jahre.

2. Ein „halsbrecherisches“ Wagnis. Als die Pharisäer ihm diese Frage stellten, war sich der Herr sicherlich der Geschichte aller Menschen und ihrer vielerlei versagenden Liebe bewusst. Dennoch hielt er an der Unauflöslichkeit des Ehesakraments fest. Mag es daran gelegen haben, dass er uns den Zugang zur größeren Liebe nicht verwehren wollte? Damit jene, die das Wagnis mit seiner Gnade eingehen, daran täglich wachsen und mit seiner Hilfe Zeugnis von einer neuen Menschheit geben können? Nach dem Motto: „Wer es erfassen kann, der erfasse es.“Hans Urs von Balthasar spricht in einem Vortrag „Wagnis des Glaubens“ im Schweizer Radio, gehalten 1962, davon, dass das Christentum das Wagnis ist, „das halsbrecherische Wagnis, an die Liebe als das Ganze, das Erste und Letzte und die ganze Mitte dazwischen zu glauben. Ja, zu glauben!“

3. Bedingungslos. Geben wir Gott eigentlich noch die Möglichkeit, sich uns in der Ehe zu offenbaren? Verwehren wir ihm nicht gerade durch unsere berechnende Art, unser KalkĂĽl, unseren Glauben an die Technik und unseren Willen zur absoluten Kontrolle jede Möglichkeit, sich uns dort zu manifestieren? Hans Urs von Balthasar in einem weiteren Vortrag im Schweizer Radio ĂĽber die Weihnacht (1963): „Die Welt ist nĂĽchtern und kalt geworden und die Entscheidungsfrage lautet jetzt wirklich: Entweder wir Menschen allein, mit unseren verwehenden Flämmchen im Winter der Materie oder unsere versagende Liebe geborgen in einem Abgrund göttlicher Liebe, die sich durch alle diese leeren Räume und Zeiten der Welt hin ausgieĂźt.“

Gespräch mit Christus: Herr, danke fĂĽr deine kantigen Wahrheiten! Verzeih, dass wir Menschen dich oft nicht viel besser als Pontius Pilatus behandeln, denn voller Skepsis stellen wir dir die Frage: Was ist Wahrheit? Gib uns den tollkĂĽhnen Mut, dieses halsbrecherische Wagnis des Glaubens heute noch einmal mit dir und mit uns einzugehen.

Vorsatz: Ich fĂĽr meinen Teil werde mich heute fĂĽr Christus einsetzen und sein Wort „sine glossa“ (ohne Randbemerkung) annehmen.


Das Auflegen der Hände

17. August 2019

Samstag der neunzehnten Woche im Jahreskreis

P. Thomas Fox LC

Mt 19,13-15
In jener Zeit brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte und für sie betete. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab. Doch Jesus sagte: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich. Dann legte er ihnen die Hände auf und zog weiter.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, du hast uns Hände gegeben. Nichts Selbstverständliches! Wir können damit viele wunderbare Dinge tun. Sie sind Zeichen dafĂĽr, wie du als Schöpfer uns mit deiner Hand aus kleinsten Anfängen geformt, modelliert und immer getragen hast. Breite deine schĂĽtzende Hand ĂĽber uns aus und lass uns alle als dein vollendetes Werk einst vor dir erstehen.

Bitte: Ă–ffne deine Hand und mach uns satt an Gutem!

1. Segnet! Als ich ein Kind war, fuhren wir oft in die ehemalige DDR, um die Familie meiner Mutter zu besuchen. Einmal im Jahr fanden wir uns alle bei den GroĂźeltern, einer der Tanten oder in einem zentral gelegenen Ferienhaus ein. Das waren immer schöne Erfahrungen – von meiner GroĂźfamilie. Ein bleibender Schatz von Erinnerungen ist mir hiervon geblieben. Einmal geschah es, dass mir beim Abschied der GroĂźvater ein Kreuz auf die Stirn zeichnete und einen Segenswunsch aussprach. Er tat das immer und bei jedem, aber diesmal traf es mich wie noch nie. Es kam mir plötzlich so bedeutungsvoll vor, ich erkannte die Einzigartigkeit des Moments, die Geschichtlichkeit unseres Daseins. WĂĽrden wir uns wiedersehen? Wer hätte das versprechen können? – Wir haben uns dann wiedergesehen. Aber diese Geste hatte mich wirklich innerlich gezeichnet.

2. Handauflegung. Bei meiner Diakonweihe, die zeitlich etwas auĂźer der Reihe stattfand, war ich der einzige Kandidat. Sie fand in unserem Noviziat und Zentrum fĂĽr klassische Studien in Cheshire, Connecticut (USA), statt. Bischof Louis Edward Gelineau, heute 91 Jahre alt, nahm sich bei der Auflegung der Hände viel Zeit. Ich spĂĽrte sie bestimmt fĂĽr 30 Sekunden oder länger auf meinem Haupt. Alles war still. Vorher hatte er mich während seiner Predigt vor der Weihe unzählige Male mit meinem Vornamen angesprochen. Dass die Gnade, die mir der Herr in diesem Sakrament verlieh, mir ganz persönlich zugedacht war, daran konnte ich in keiner Weise zweifeln.

3. Hände. Schon in der Antike galt die Hand als das „Werkzeug aller Werkzeuge“. Mit diesem wunderbaren Instrument hat der Herr uns ausgestattet. Wir können damit – wie er – beten, danken, arbeiten, segnen, berĂĽhren, geben, nehmen, schenken, umarmen, teilen, heilen, beschĂĽtzen, segnen. Die Hände des Priesters sind gesalbt, denn damit berĂĽhrt er Christi Leib und Blut, zeigt und verteilt sie. Hände haben eine eigene Sprache. Möge von unseren Händen Segen ausgehen! Der Herr hat um unseres Heiles willen seine Hände fesseln, schlagen, durchbohren und seinen ganzen Leib an ihnen aufhängen lassen. Seine Hände haben unsere Last getragen. Von ihnen geht fĂĽr uns nur Segen aus. Herr, meine Hände in deinen Händen!

Gespräch mit Christus: Herr, an allen Gaben, die ich erhalte oder verschenke, sind meine Hände maĂźgeblich beteiligt. Lass sie zu einer Quelle des Guten werden fĂĽr meinen Nächsten. Lass mich damit wie der heilige Apostel Thomas deine Wunden berĂĽhren und darin Heil fĂĽr Leib und Seele finden.

Vorsatz: Ich werde ein Geschenk fĂĽr jemanden basteln, einen Kuchen backen oder meine Hände sonst irgendwie segensreich einsetzen.