Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 4. August 2019 bis Samstag 10. August 2019

Achtzehnte Woche im Jahreskreis

P. Joachim Richter LC

Wo ist dein Schatz?Sonntag
Liebe und VerantwortungMontag
ErleuchtungDienstag
Ausdauernd betenMittwoch
Das wichtigste WissenDonnerstag
Warum Anbetung gut fĂŒr uns istFreitag
Die andere Seite der MedailleSamstag


Wo ist dein Schatz?

4. August 2019

Achtzehnter Sonntag im Jahreskreis
Hl. Johannes Maria Vianney, Pfarrer v. Ars, Patron der Pfarrer

P. Joachim Richter LC

Lk 12,13-21
In jener Zeit bat einer aus der Volksmenge Jesus: Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen. Er erwiderte ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Schlichter bei euch gemacht? Dann sagte er zu den Leuten: Gebt acht, hĂŒtet euch vor jeder Art von Habgier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt. Und er erzĂ€hlte ihnen folgendes Beispiel: Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte. Da ĂŒberlegte er hin und her: Was soll ich tun? Ich weiß nicht, wo ich meine Ernte unterbringen soll. Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und grĂ¶ĂŸere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine VorrĂ€te unterbringen. Dann kann ich zu mir selber sagen: Nun hast du einen großen Vorrat, der fĂŒr viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink, und freu dich des Lebens! Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurĂŒckfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehĂ€uft hast? So geht es jedem, der nur fĂŒr sich selbst SchĂ€tze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist.

EinfĂŒhrendes Gebet: â€žDer Mensch ist geschaffen, um Gott, unseren Herrn, zu loben, ihm Ehrfurcht zu erweisen und zu dienen und mittels dessen seine Seele zu retten; und die ĂŒbrigen Dinge auf dem Angesicht der Erde sind fĂŒr den Menschen geschaffen und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels helfen, zu dem er geschaffen ist.“ (Ignatius von Loyola, Exerzitienbuch, Prinzip und Fundament)

Bitte: Herr, erfĂŒlle mich mit dem Licht deines Heiligen Geistes, damit ich mit grĂ¶ĂŸerer Klarheit sehe, zu welchem Zweck du die GĂŒter dieser Welt erschaffen hast und so in rechter Weise damit umgehe, ohne mich von ihnen versklaven zu lassen.

1. Aus Gut kann schnell Böse werden. Immer wieder hört man davon, dass Erbschaften unter den Verwandten fĂŒrchterliche Folgen heraufbeschwören. Da wird plötzlich gestritten, als ginge es um Leben und Tod. Man spricht nicht mehr miteinander, manche kommunizieren miteinander nur noch ĂŒber den Anwalt. Wie kommt es zu solchen AusbrĂŒchen von Neid und Hass? Jesus spricht es klar aus: Es ist die Habgier, die Wurzel aller SĂŒnden. Sie vergiftet unser Denken. Deshalb mĂŒssen wir sie von uns weisen, ihr fest entschlossen Einhalt gebieten. WĂŒnsche nach Geld und Besitz werden wir zwar lebenslang spĂŒren, doch niemals dĂŒrfen wir uns von diesen WĂŒnschen beherrschen lassen. Denn Habgier kann Menschen noch schlimmer als Tiere werden lassen. Am Ende wird ein Gut (z.B. ein großes Erbe), das zum menschlichen Wohl bestimmt ist, zur Ursache von Unheil. Herr Jesus, hilf mir zu erkennen, wie zerstörerisch, ja sogar dĂ€monisch die Habgier sein kann. Gib mir die Kraft, sie von mir zu weisen.

2. Was ist der Sinn des Lebens? Jesus macht Ă€ußerst deutlich klar, was nicht der Sinn des Lebens ist: reich werden und gemĂŒtlich im Überfluss leben. Also kein ‚dolce vita‘ fĂŒr Christen? Was macht der reiche Bauer im Gleichnis eigentlich falsch? Die reiche Ernte ist doch an sich ein Gut, die neuen grĂ¶ĂŸeren Scheunen auch. Aber hier mĂŒsste der Mann innehalten und nachdenken: Wozu dient der ganze Reichtum eigentlich? Was ist der Sinn meines Lebens und meines Besitzes? Gott zu loben, ihm zu dienen und so zum Himmel zu finden. Gott und der Himmel, das ist doch das Ziel! Der reiche Bauer hat vergessen, dass der Sinn dieses Lebens darin besteht, ‚SchĂ€tze‘ der Liebe zu sammeln – fĂŒr den Himmel, unser Ziel.

3. Wie kann ich frei bleiben? Ich bewundere in den Bergen die BĂ€ume, die das ganze Jahr dem Wind, Regen und Schnee ausgesetzt sind. Wie oft peitschen mĂ€chtige Windböen gegen sie an! Doch durch starke und tiefe Wurzeln sind sie fest im Boden verankert. Solche Wurzeln brauche ich. Je fester und tiefer ich durch einen lebendigen Glauben in Gott verankert bin, desto widerstandsfĂ€higer bleibe ich gegenĂŒber den Versuchungen der Habgier, die unaufhörlich von mir Besitz ergreifen wollen. Gott ist mein Anker. Solange ich fest mit ihm verbunden bin, d.h. solange er das Wichtigste in meinem Leben ist und ich ihn als Nummer eins anerkenne, bleibe ich frei, und die Sticheleien der Habgier kĂŒmmern mich nicht.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, viele Dinge dieser Welt fesseln meine Aufmerksamkeit. Doch ich wĂ€hle dich, denn du bist mein Ziel. Nichts will ich dir vorziehen. Wenn ich Vermögen habe, will ich einen Teil davon verschenken fĂŒr gute Zwecke. Wenn ich ĂŒppiges Essen vor mir habe, will ich ab und zu freiwillig verzichten, um frei bleiben zu können fĂŒr die Hingabe an meine Mitmenschen.

Vorsatz: Ich will ĂŒberprĂŒfen, wie frei ich bin, indem ich eine kleine Liste erstelle: Wann habe ich Geld, Zeit und Liebe verschenkt? Wie großzĂŒgig war ich dabei? Wie viel Zeit habe ich Gott im Gebet und im Lesen der Bibel geschenkt?


Liebe und Verantwortung

5. August 2019

Montag der achtzehnten Woche im Jahreskreis
Weihetag der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom (MariÀ Schnee)

P. Joachim Richter LC

Mt 14,13-21
In jener Zeit, als Jesus hörte, dass Johannes enthauptet worden war, fuhr er mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber die Leute in den StĂ€dten hörten davon und gingen ihm zu Fuß nach. Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen und heilte die Kranken, die bei ihnen waren. Als es Abend wurde, kamen die JĂŒnger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen, und es ist schon spĂ€t geworden. Schick doch die Menschen weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können. Jesus antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fĂŒnf Brote und zwei Fische bei uns. Darauf antwortete er: Bringt sie her! Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fĂŒnf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den JĂŒngern; die JĂŒnger aber gaben sie den Leuten, und alle aßen und wurden satt. Als die JĂŒnger die ĂŒbrig gebliebenen BrotstĂŒcke einsammelten, wurden zwölf Körbe voll. Es waren etwa fĂŒnftausend MĂ€nner, die an dem Mahl teilnahmen, dazu noch Frauen und Kinder.

EinfĂŒhrendes Gebet: Gott, mein Gott bist du, dich suche ich, es dĂŒrstet nach dir meine Seele. Nach dir schmachtet mein Fleisch wie dĂŒrres, lechzendes Land ohne Wasser.Darum halte ich Ausschau nach dir im Heiligtum, zu sehen deine Macht und Herrlichkeit.Denn deine Huld ist besser als das Leben. Meine Lippen werden dich rĂŒhmen.So preise ich dich in meinem Leben, in deinem Namen erhebe ich meine HĂ€nde (Ps 63,2-5).

Bitte: Vater, Du kennst unseren Hunger nach Leben. Deshalb bitte ich dich: Unser tĂ€gliches Brot gib uns heute. Lass mich erkennen, dass dieses Brot, das unseren existentiellen Hunger sĂ€ttigt, Christus ist. Ihn erwĂ€hle ich als mein Licht, als meine Nahrung, als meinen Herrn. Ihm will ich folgen.

1. Die Liebe ist grĂ¶ĂŸer als persönliche BedĂŒrfnisse. Es gibt Tage, an denen man allein sein will. Man braucht einfach Zeit, um zur Ruhe zu kommen. Wie gut zu wissen, dass Jesus genauso empfunden hat und deswegen in eine einsame Gegend gefahren ist. Aber sein persönliches BedĂŒrfnis nach Einsamkeit und Ruhe wurde durchkreuzt von den BedĂŒrfnissen der Menschen. So viele Leute kommen mit einem Anliegen zu ihm! Ist es nicht beeindruckend, dass Jesus die BedĂŒrfnisse der Menschen an sich heranlĂ€sst, sich vor ihnen nicht verschließt? Seine Liebe drĂ€ngt ihn dazu, sich den Menschen hinzugeben und seine eigenen BedĂŒrfnisse hintanzustellen. Herr, sende deinen Heiligen Geist in mein Herz, dass ich liebe wie du geliebt hast.

2. Unsere Verantwortung. Die JĂŒnger wollen sich aus ihrer Verantwortung davonstehlen. Zuerst lassen sie Jesus den ganzen Nachmittag mit den Leuten alleine. Wo sind sie in der Zwischenzeit? Haben sie eine schöne Zeit am Strand des Sees Gennesaret verbracht? Als es Abend wird, kommen sie zu ihm zurĂŒck. Aber nicht um ihm zu helfen und sich um die Leute zu kĂŒmmern, sondern um die Leute endlich loszuwerden: „Schick doch die Menschen weg“. Denn sie wollten ja eigentlich allein mit Jesus sein. Da waren ihnen die Leute zu lĂ€stig. Aber Jesus dreht hier den Spieß ĂŒberraschend um und nimmt seine JĂŒnger in die Pflicht: ‚Gebt ihr ihnen zu essen. Also, liebe JĂŒnger, ihr habt jetzt Verantwortung fĂŒr die Menschen.‘ So denkt ein wahrer Hirte. So sollen wir denken, denn Jesus sendet jeden Getauften aus, nach seinem Vorbild die frohe Botschaft zu verkĂŒnden, Kranke zu heilen, Hungernde zu speisen und so zu lieben, wie er geliebt hat.

3. In Jesus ist die FĂŒlle. Als die JĂŒnger erkennen, dass ihre menschlichen Möglichkeiten viel zu klein sind - wir haben nur fĂŒnf Brote und zwei Fische -, da bleibt ihnen nichts anderes ĂŒbrig, als alles von Jesus zu erhoffen. Und er zeigt mit schlichten Gesten, dass er mehr ist als nur ein Mensch. Er vollbringt das Wunder der Brotvermehrung, er erreicht mĂŒhelos, dass weit ĂŒber zehntausend Menschen satt werden. In Jesus ist die FĂŒlle, in jeder Hinsicht! In der Eucharistie finden wir denselben Jesus. Wenn wir uns der Eucharistie mit Glauben und großen Erwartungen nĂ€hern, werden wir erleben, dass er die Sehnsucht unseres Herzens stillt. Auch wir heute, im dritten Jahrtausend, werden erfahren, dass es wahr ist: „Denn in ihm wohnt die ganze FĂŒlle der Gottheit leibhaftig“ (Kol 2,9).

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, ich will auf das vertrauen, was ich durch den Glauben erkenne: Du bist der Sohn Gottes. In dir ist die FĂŒlle des Lebens. Allein du bist imstande, die Sehnsucht meines Herzens zu stillen. Bewahre mich vor Unglauben, damit ich meinen Durst nach Leben nicht an den Wassern dieser Welt stille. Vermehre meinen Glauben, damit ich alles von dir erhoffe.

Vorsatz: Ich gehe in eine Kirche und knie mich nahe beim Tabernakel hin. Dort kann ich mir sehr gut bewusstmachen, dass derselbe Jesus, der damals tausende von Menschen gesĂ€ttigt hat, hier vor mir gegenwĂ€rtig ist, mit Leib und Blut, Seele und Gottheit. Ich offenbare ihm die tiefsten SehnsĂŒchte meines Herzens und bitte ihn, mich aus seiner FĂŒlle zu sĂ€ttigen.


Erleuchtung

6. August 2019

VerklÀrung des Herrn
Fest

P. Joachim Richter LC

Lk 9,28b-36
In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus beiseite und stieg mit ihnen auf einen Berg, um zu beten. Und wĂ€hrend er betete, verĂ€nderte sich das Aussehen seines Gesichtes, und sein Gewand wurde leuchtend weiß. Und plötzlich redeten zwei MĂ€nner mit ihm. Es waren Mose und Elija; sie erschienen in strahlendem Licht und sprachen von seinem Ende, das sich in Jerusalem erfĂŒllen sollte. Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei MĂ€nner, die bei ihm standen. Als die beiden sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei HĂŒtten bauen, eine fĂŒr dich, eine fĂŒr Mose und eine fĂŒr Elija. Er wusste aber nicht, was er sagte. WĂ€hrend er noch redete, kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie. Sie gerieten in die Wolke hinein und bekamen Angst. Da rief eine Stimme aus der Wolke: Das ist mein auserwĂ€hlter Sohn, auf ihn sollt ihr hören. Als aber die Stimme erklang, war Jesus wieder allein. Die JĂŒnger schwiegen jedoch ĂŒber das, was sie gesehen hatten, und erzĂ€hlten in jenen Tagen niemand davon.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, manchmal werde ich beim Beten etwas trĂ€ge und schlĂ€frig; damit meine ich, dass ich mir durch die Routine gar nicht mehr so bewusst bin, wie groß das ist, dass ich dir, meinem Schöpfer im Gebet begegnen darf. Danke, dass ich dir heute begegnen kann.

Bitte: Bitte, Herr, offenbare dich mir, wie du dich damals den JĂŒngern auf dem Berg Tabor offenbart hast. Ich will dich sehen, mehr von dir erkennen, deine NĂ€he erfahren.

1. Auszeiten nehmen. Im Getriebe unserer AlltagsbeschĂ€ftigungen und in der Flut der auf uns einströmenden Informationen ist es kaum möglich, Gottes Stimme zu hören. Wie sehr brauchen wir Orten und Zeiten der Ruhe und Stille, Momente der Entschleunigung unseres Lebens. Diese Erkenntnis ist keineswegs neu. Schon ein Benedikt von Nursia im 5. Jahrhundert hielt es aufgrund des LĂ€rms, des Gestanks und des unmoralischen Lebens in der Stadt Rom nicht mehr aus. Deshalb zog er sich in die Einsamkeit nach Subiaco zurĂŒck und grĂŒndete dann das erste Kloster der Benediktiner auf dem Monte Cassino, um einen Platz fĂŒr die Stille und das Hören auf Gott zu schaffen. Auch wir, die Menschen am Beginn des dritten Jahrtausends, brauchen regelmĂ€ĂŸig Zeiten, in denen wir Ă€ußerlich und innerlich in die Stille gehen.

2. Strahlendes Licht. Petrus und die JĂŒnger waren erstaunt ĂŒber das strahlende Licht, das von Jesus ausging. Sie fĂŒhlten sich unglaublich wohl und wollten dieses GefĂŒhl festhalten. Solche Erfahrungen sind kostbare Geschenke Gottes, die er nicht selten denen zuteil werden lĂ€sst, die ihn aufrichtig suchen und offen fĂŒr seinen Willen sind.

3. Die richtige Stimme hören. Meinen ‚Betriebsamkeitslevel‘ reduzieren, „runterkommen“ und Momente der Stille wertschĂ€tzen. So werde ich empfangsbereit fĂŒr das, was Gott mir sagen will. Dann kann ich seine Stimme wieder viel klarer aus dem Stimmengewirr heraushören und spĂŒren, wie wahr die Worte sind: „Das ist mein auserwĂ€hlter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.“

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, ich will mir die Weisheit der hl. Mutter Teresa zu eigen machen. Welch großartige FrĂŒchte gedeihen, wenn man Stille und Gebet schĂ€tzt und praktiziert! Die Frucht der Stille ist das Gebet. Die Frucht des Gebetes ist der Glaube. Die Frucht des Glaubens ist die Liebe. Die Frucht der Liebe ist das Dienen. Die Frucht des Dienens ist der Friede.

Vorsatz: Ich suche Angebote fĂŒr stille Exerzitien und Einkehrtage und reserviere in meinem Kalender grĂ¶ĂŸere und kleinere, auch kurze tĂ€gliche Zeiten fĂŒr Stille und Gebet.


Ausdauernd beten

7. August 2019

Mittwoch der achtzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Kajetan, Priester, OrdensgrĂŒnder
Hl. Xystus II., Papst, MĂ€rtyrer

P. Joachim Richter LC

Mt 15,21-28
In jener Zeit zog sich Jesus in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurĂŒck. Da kam eine kanaanĂ€ische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem DĂ€mon gequĂ€lt. Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine JĂŒnger zu ihm und baten: Befrei sie (von ihrer Sorge), denn sie schreit hinter uns her. Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. Doch die Frau kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir! Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen. Da entgegnete sie: Ja, du hast Recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.

EinfĂŒhrendes Gebet: Gott, segne und behĂŒte uns und die Menschen, die wir lieben, in jeder Not. Sei uns nahe, wenn die Wasser der Verzweiflung ĂŒber uns zusammenschlagen, wenn das Dunkel undurchdringlich erscheint und wir die Hoffnung verloren haben, an das rettende Ufer zu gelangen.„Bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesus Christ. > Ach, bleib mit deiner Gnade, Herr Jesus Christ. Ach, bleib mit deiner Gnade bei uns, du treuer Gott“ (Lied aus TaizĂ©).

Bitte: HERR, höre mein Bittgebet! Mein Schreien dringe zu dir! Verbirg dein Angesicht nicht vor mir! Wenn ich in Not bin, wende dein Ohr mir zu! Wenn ich dich rufe, eile und erhöre mich! (Ps 102, 2-3)

1. Glaube. Das Erste, was an der kanaanĂ€ischen Frau auffĂ€llt, ist ihr großer Glaube. Sie traut Jesus alles zu. Sie ist ĂŒberzeugt, dass Jesus die Gnaden Gottes so reichlich austeilt, dass das Volk der Juden, zu denen Jesus gehört, nicht einmal in der Lage ist, alle Gnaden „aufzubrauchen“. So rechnet sie fest damit, dass vom Tisch der Gnaden genĂŒgend fĂŒr ihre kranke Tochter ĂŒbrigbleibt.

2. Demut. Es ist beeindruckend, fast könnte man es als peinlich bezeichnen, wie sehr sich diese Frau erniedrigt. Sie tut es aus Liebe zu ihrer Tochter. Die Liebe tut solche verrĂŒckten Dinge. Wer sich vor Gott klein macht, dem kann er nichts verweigern. Selig die arm sind im Geist, denn ihnen gehört das Himmelreich.

3. Beharrlichkeit. Noch etwas können wir uns fĂŒr unser christliches Leben von dieser Frau abschauen: Sie bittet beharrlich, sie bleibt hartnĂ€ckig, lĂ€sst sich weder abwimmeln noch entmutigen. Sie gibt nicht auf. Was fĂŒr ein leuchtendes Beispiel fĂŒr ein ausdauerndes Gebet!

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, diese kanaanĂ€ische Frau macht mir Mut. Menschlich gesehen hatte sie keine großen Chancen auf Erfolg. Aber sie ließ sich weder entmutigen, noch von jemandem abwimmeln. Sie wollte zu dir vordringen, weil sie unerschĂŒtterlich daran glaubte, dass du in der Lage bist, der Not ihrer Tochter wirksam Abhilfe zu schaffen. So will ich neu und fest vertrauen, dass du mir in jeder Lebenssituation alles gibst, was ich brauche.

Vorsatz: Eine einfache Liste von Personen schreiben (evtl. im Handy und ein Foto anhĂ€ngen), fĂŒr die ich regelmĂ€ĂŸig beten will.


Das wichtigste Wissen

8. August 2019

Hl. Domenikus, OrdensgrĂŒnder
Gedenktag

P. Joachim Richter LC

Mt 16,13-23
In jener Zeit als Jesus in das Gebiet von CĂ€sarea Philippi kam, fragte er seine JĂŒnger: FĂŒr wen halten die Leute den Menschensohn? Sie sagten: Die einen fĂŒr Johannes den TĂ€ufer, andere fĂŒr Elija, wieder andere fĂŒr Jeremia oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, fĂŒr wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die MĂ€chte der Unterwelt werden sie nicht ĂŒberwĂ€ltigen. Ich werde dir die SchlĂŒssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein. Dann befahl er den JĂŒngern, niemand zu sagen, dass er der Messias sei. Von da an begann Jesus, seinen JĂŒngern zu erklĂ€ren, er mĂŒsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm VorwĂŒrfe; er sagte: Das soll Gott verhĂŒten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Höchster, glorreicher Gott, erleuchte die Finsternis meines Herzens und schenke mir rechten Glauben, gefestigte Hoffnung, vollendete Liebe und tiefgrĂŒndende Demut. - Gib mir, Herr, das rechte Empfinden und Erkennen, damit ich deinen heiligen Auftrag erfĂŒlle, den du mir in Wahrheit gegeben hast. (Franz von Assisi)

Bitte: Herr, sende mir deinen Heiligen Geist, damit ich neu und noch klarer ‚sehen‘ kann, wer Jesus ist.

1. Wer ist Jesus fĂŒr mich? Fast alle Menschen in Europa haben von Jesus gehört. Sie kennen die Lehre, dass er der Sohn Gottes ist, und wissen, dass er in Bethlehem geboren und in Jerusalem gekreuzigt wurde. Dieses Wissen ist zwar nicht verkehrt, aber es reicht nicht. Es muss persönlich werden, muss zu meinem Wissen und zu meiner Überzeugung werden. Darum ist es wichtig, die Frage immer wieder neu an sich heranzulassen: Wer ist Jesus fĂŒr mich? Wo zeigt es sich, dass ich an Jesus glaube? Glaube ich nur am Sonntag an Jesus oder wird dieser Glaube auch im realen Alltagsleben irgendwie sichtbar?

2. Ăœberirdisches Wissen. Wie kann ein Mensch zu der inneren Überzeugung gelangen, dass Jesus der Retter ist, der Sohn des lebendigen Gottes? Durch eigenes Nachdenken alleine (= „Fleisch und Blut“) ist das nicht möglich. Vielmehr braucht man eine Offenbarung des Vaters, eine Erleuchtung durch den Geist Gottes. Diese Erleuchtung steht jedem offen, der Gott darum bittet: Herr, lass mich Jesus erkennen, hilf mir, ihn tiefer zu erkennen. Man kann Jesus umso eher erkennen, je eher man beginnt, ihn zu lieben. Wer Gott nicht liebt, sondern nur rational kritisch ĂŒber ihn nachdenkt, wird ihn schwerlich tiefer erkennen. Liebe und Vertrauen sind die Wege zur Erkenntnis dessen, der der Weg, die Wahrheit und das Leben in Person ist.

3. Maßgebliche Kriterien. Schon erstaunlich, dass Petrus nur wenige Minuten, nachdem er von Jesus als „selig“ bezeichnet worden ist, als „Teufel“ hingestellt wird. Was bringt Jesus dazu, seine Sichtweise so radikal zu Ă€ndern? Das Wichtigste fĂŒr Jesus war es immer, den Auftrag seines Vaters zu erfĂŒllen, d.h. konkret: genau die Botschaft zu verkĂŒnden, die der Vater ihm aufgetragen hat, und selber zum Erlösungsopfer zu werden, also sein Leben in einem grausamen Leiden und Sterben hinzugeben fĂŒr uns, seine Freunde. Leider hatte Petrus das noch nicht verstanden. Petrus trĂ€umte noch von einer Erlösung ohne Leiden. Er dachte in diesem Augenblick anders als Gott, sein Denken stand dem Willen Gottes entgegen, auch wenn ihm das in diesem Moment noch nicht klar war. Die maßgeblichen Kriterien zur Beurteilung unseres Lebens kommen von Gott. Weise ist der, der sich nicht fĂŒr klĂŒger als Gott hĂ€lt und die offenbarte Wahrheit annimmt.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, ich erkenne dich an als den, der du bist: Du bist unser Herr und Meister. Nicht wir sind es, die wissen, „wo es langgeht“, sondern du allein. Wie „daneben“ kann es sein, wenn ich als Mensch meine, selber zu wissen, was richtig ist. Hilf mir, vom Beispiel des Petrus zu lernen, von vorneherein demĂŒtig zu bleiben und aufmerksam darauf zu hören, was du mir sagen willst, gehorsam zu leben und zu handeln. Damit auch in meinem Leben wahr wird, was wir im „Vater unser“ beten: Dein Reich komme, dein Wille geschehe!

Vorsatz: In eine Kirche gehen und still werden. Jesus bitten: Herr, offenbare dich mir, wie du dich dem Petrus offenbart hast. Was möchtest du mir sagen? Rede, Herr, dein Diener hört.


Warum Anbetung gut fĂŒr uns ist

9. August 2019

Hl. Teresia Benedicta vom Kreuz (Edith Stein), MĂ€rtyrerin
Fest

P. Joachim Richter LC

Joh 4,19-24
Die Frau sagte zu Jesus: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere VĂ€ter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die StĂ€tte, wo man anbeten muss. Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, mĂŒssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, wie wunderbar hast du dich mit der samaritischen Frau unterhalten. Du hast ihr Interesse geweckt, Gott Vater nahe zu sein. Du hast ihr die Angst genommen, vor Gott wahrhaftig hinzutreten, mit der ganzen Wahrheit ihres Lebens. Dein Umgang mit ihr hilft mir, Vertrauen zu Gott zu haben und einfach und wahrhaftig zu beten. Vor dir muss ich nichts verheimlichen, denn du nimmst mich an, wie ich bin, und verwandelst mich in das Bild, das du seit Ewigkeit von mir hast.

Bitte: Jesus, ich vertraue auf dich. StĂ€rke mein Vertrauen, damit ich nichts suche außer der Ehre Gottes und seinen heiligen Willen.

1. Das Beispiel des hl. Franziskus. In dem Brief „An die Lenker der Völker“ ermahnt der hl. Franziskus die Herrschenden seiner Zeit, dass es zu ihrer Verantwortung gehört, dafĂŒr Sorge zu tragen, dass ihre Untertanen Gott in Ehren halten und jeden Abend Lob und Dank an Gott richten. Denn ein fundamentales BedĂŒrfnis aller Menschen liegt ja gerade in ihrem Durst nach dem Absoluten, nach Gott. Deshalb mĂŒssen wir ihnen Wege zu Gott zeigen und Zeugnis dafĂŒr ablegen, wie man betet und Gott die erste Stelle im Leben ĂŒbergibt.

2. Was ist Anbetung? Worin besteht Anbetung, und wie können wir sie praktizieren? Manchmal wird Anbetung durch eine Zeit des nachdenkenden oder betrachtenden Betens vorbereitet. Zur Anbetung gehört, dass ich das Bewusstsein erneuere, wer Gott ist und wer ich bin: Gott ist der allmĂ€chtige Schöpfer, dem ich meine Existenz und alle GĂŒter dieser Erde verdanke. Gott ist der gĂŒtige Vater, der mich, sein Kind, ĂŒber alles liebt. Gott ist auch mein Erlöser, dem ich in Ewigkeit Dankbarkeit schulde fĂŒr die Befreiung von meiner Schuld. Anbeten bedeutet in den Worten der hl. Angela von Foligno: Je mehr du beten wirst, umso mehr wirst du erleuchtet werden. Je mehr du erleuchtet sein wirst, desto tiefer und inniger wirst du das höchste Gut, das in höchstem Maße gute Sein, sehen. Je tiefer und inniger du es sehen wirst, desto mehr wirst du es lieben. Je mehr du es lieben wirst, desto mehr wird es dich erfreuen. Und je mehr es dich erfreuen wird, desto mehr wirst du es begreifen und fĂ€hig werden, es zu verstehen. Dann wirst du zur FĂŒlle des Lichts gelangen, da du verstehen wirst, dass du nicht begreifen kannst.

3. Anbetung erhebt uns zu innerer GrĂ¶ĂŸe. Als Menschen brauchen wir etwas Großes, MajestĂ€tisches, das wir lieben und anbeten. Deshalb gehört zur Anbetung eine Haltung radikaler Selbsterniedrigung; mich selbst vor Gott klein machen und mich ihm hingeben. Es ist eine Art Opfer, ich opfere Gott etwas auf. Genau deshalb ist echte Anbetung eine Anerkennung Gottes: Man nimmt Gott ernst, anerkennt Gott als Gott und ist sich deutlich bewusst, dass man sich nichts selber zuschreiben kann, sondern dass alle Dinge ein Geschenk der Liebe Gottes sind. Nicht Gott braucht unsere Anbetung, sondern wir Menschen brauchen Gott, den wir anbeten. DafĂŒr sind wir erschaffen worden.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, ich anerkenne dich als meinen Schöpfer und Erlöser. Ich lege meine WĂŒnsche und Projekte dir zu FĂŒĂŸen, um Raum fĂŒr deine Projekte zu machen. Danke, dass in der Anbetung dein göttliches Licht mein Herz mehr und mehr erfĂŒllt und heilt. „Kommt, wir wollen uns niederwerfen, uns vor ihm verneigen, lasst uns niederknien vor dem HERRN, unserem Schöpfer! Denn er ist unser Gott, wir sind das Volk seiner Weide, die Herde, von seiner Hand gefĂŒhrt“

Vorsatz: In einer Zeit der Stille ĂŒberlege ich: Gibt es in meinem Leben Bereiche, die ich dem Herrn noch nicht (so ganz) ĂŒbergeben habe? Wann könnte ich wĂ€hrend der Woche regelmĂ€ĂŸig eine Zeit der Anbetung halten?


Die andere Seite der Medaille

10. August 2019

Hl. Laurentius, Diakon, MĂ€rtyrer
Fest

P. Joachim Richter LC

Joh 12,24-26
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fĂ€llt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer an seinem Leben hĂ€ngt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.

EinfĂŒhrendes Gebet: Mein Herr Jesus Christus, ich will leben! Ich will mich entfalten, will die FĂŒlle dieses Lebens erleben. Du selbst bist diese FĂŒlle, o Herr. Aber an deinem irdischen Leben, Jesus, sehe ich, dass die FĂŒlle des Lebens nur eine Seite der Medaille ist; die andere Seite ist notwendig und kommt zuerst: Das Weizenkorn muss sterben.

Bitte: Mehre mein Vertrauen auf dich, mein Herr, dass du mich durch das Sterben ins Leben fĂŒhren wirst, wo es kein Leiden und keinen Tod mehr gibt.

1. Transformation in der Natur. Wie schön ist es, wenn man im Sommer an Weizen- oder Gerstenfeldern vorbeigeht. Es sieht aus wie ein goldfarbenes Meer. Die sich im Wind sanft hin und her wiegenden Ähren sind wie Wellen im Ozean. Woher kommt dieses Ährenmeer? Wie ist es entstanden? Wenn man die Entwicklung verfolgt, kann man etwa folgende Entwicklungsstufen sehen: Der Bauer sĂ€t Weizenkörner in Ackerfurchen. Die Weizenkörner werden mit Erde bedeckt. Die Schale der Weizenkörner quillt auf. Die Keimlinge in der Erde bilden Wurzeln. Die Halme werden grĂ¶ĂŸer. Die Ähren wachsen heran.Wenn ich mir vorstelle, dass ich ein Samenkorn wĂ€re und in die Erde geworfen und mit Erde „begraben“ wĂŒrde, wie schrecklich wĂ€re diese Vorstellung! Wie in einem dunklen Grab löst sich das Samenkorn auf. Aber es hört nicht auf zu existieren. Durch das Wasser und die NĂ€hrstoffe aus dem Boden wird es umgewandelt in eine neue Pflanze, die wĂ€chst und wĂ€chst, reift und sich vervielfacht!

2. Wo man tĂ€glich sterben kann. Wo ereignet sich das Sterben des Weizenkorns in meinem Leben? Wo bin ich berufen zu sterben, damit vielfache Frucht entstehen kann? Jeder Tag bietet viele Möglichkeiten: Ich möchte eine Sendung im Fernsehen anschauen, aber da kommt meine kleine Tochter (oder jemand anderes) und braucht mich, dass ich ihr zuhöre. Da habe ich Gelegenheit, meinem Wunsch nach Relaxen zu sterben. Oder: Im GesprĂ€ch werden schnell verschiedene Ansichten erkennbar. Ein Streit bahnt sich an. Da verzichte ich darauf, Recht oder das letzte Wort haben zu wollen und höre lieber respektvoll zu. Oder: Ich sehne mich nach Anerkennung und merke im GesprĂ€ch, dass bei meinem GegenĂŒber der Tank leer ist: Er braucht Aufmerksamkeit und WertschĂ€tzung. Da verzichte ich auf meinen Wunsch nach Geltung und schenke dem anderen liebevolle Zuwendung.

3. Christliche Liebe versus andere Vorstellungen von Liebe. Jesus Christus ist der Herr des Universums und der König der Könige. Und dennoch ist er nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um freiwillig selber die Rolle eines Dieners einzunehmen. Als er, nachdem er seinen JĂŒngern die FĂŒĂŸe gewaschen hatte, sagte: ‚Liebt einander, wie ich euch geliebt habe‘, da wurde klar, dass die Liebe, zu der Christus uns fĂŒhren will, keine platonische, romantische oder emotionale Liebe ist, sondern eine sich selbst verschenkende, selbstlose Liebe, die immer auf das reale Wohl des anderen fokussiert ist.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, deine Worte klingen paradox: sterben um zu leben? Aber danke, dass du nichts von uns verlangst, was du nicht zuvor schon selber gelebt hast. Deine große Liebe zu uns hat dich so weit gebracht, dass du dein Leben fĂŒr uns hingegeben hast, fĂŒr uns, „deine Freunde“, wie du selbst uns genannt hast. Danke, dass du mir ein Beispiel fĂŒr wahre Hingabe-Liebe gegeben hast. Und bitte lass mein Vertrauen auf dich grĂ¶ĂŸer werden.

Vorsatz: Ich ĂŒberlege, wo ich an manchen WĂŒnschen vielleicht unbewusst, aber so unnachgiebig festhalte, dass ich Christus eigentlich nicht mehr authentisch nachfolge. Wo ruft Gott mich, loszulassen und meine Absicht zu reinigen: Gott dienen zu wollen und dazu das eigene Leben gering zu achten?