Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 14. Juli 2019 bis Samstag 20. Juli 2019

FĂŒnfzehnte Woche im Jahreskreis

Mathias Reimer und Dorit Wilke-Lopez

Denkst du noch oder liebst du schon?!Sonntag
Durch dick und dĂŒnnMontag
Das Wunder der BekehrungDienstag
Hineingenommen in die DreifaltigkeitMittwoch
DemutDonnerstag
Gottes Art zu liebenFreitag
In der Liebe verwurzeltSamstag


Denkst du noch oder liebst du schon?!

14. Juli 2019

FĂŒnfzehnter Sonntag im Jahreskreis
Hl. Kamillus von Lellis, Priester, OrdensgrĂŒnder

Mathias Reimer

Lk 10,25-37
In jener Zeit wollte ein Gesetzeslehrer Jesus auf die Probe stellen. Er fragte ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort? Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen NĂ€chsten sollst du lieben wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach, und du wirst leben. Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein NĂ€chster? Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von RĂ€ubern ĂŒberfallen. Sie plĂŒnderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halb tot liegen. ZufĂ€llig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter. Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter. Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte fĂŒr ihn. Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge fĂŒr ihn, und wenn du mehr fĂŒr ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der NĂ€chste dessen erwiesen, der von den RĂ€ubern ĂŒberfallen wurde? Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso!

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich will mein Herz öffnen, um dich aufzunehmen, dein Wort zu verstehen und nach deinem Vorbild zu handeln.

Bitte: Nimm mein Herz aus Stein und gib mir ein liebendes Herz!

1. Handle danach und du wirst leben! Jesus lĂ€sst sich auf die heuchlerische Herangehensweise des Gesetzeslehrers nicht ein. Dieser möchte ihn auf die Probe stellen, sieht sich gezwungen seine Frage zu rechtfertigen, obwohl oder gerade weil er doch eigentlich ein Experte der Religion ist. Doch kommt es in Sachen Liebe nicht auf das theoretische VerstĂ€ndnis an, sondern auf das konkrete Handeln und das TĂ€tigwerden im Zusammenleben mit anderen. Deswegen sind die Antworten Jesu alles andere als gewöhnlich. ZunĂ€chst antwortet er mit einer Gegenfrage. Auch auf die zweite Frage wird nur indirekt geantwortet. Jesus vermeidet es, mit einem weiteren Paragraphen „den NĂ€chsten“ zu definieren. Er stellt keine Kriterien auf, nach denen ein Mensch in diese Kategorie fĂ€llt oder eben nicht. Er gibt uns kein Schema fĂŒr einen Dienst nach Vorschrift. Es ist vielmehr ein Appell, die Augen nicht vor der Not anderer Menschen zu verschließen, und uns so als „ihre NĂ€chsten“ zu erweisen.

2. Jesus als der barmherzige Samariter. Jesus hat uns selbst vorgelebt, was es heißt, barmherzig zu handeln. In der ErzĂ€hlung vom barmherzigen Samariter können wir ein Bild von Jesu Heilswirken an uns Menschen sehen: Der Mann, der ĂŒberfallen wurde, ging weg von Jerusalem, der Heiligen Stadt. Die SĂŒnde entfernt uns Menschen immer wieder von Gott und lĂ€sst uns arm und verletzt zurĂŒck. Der Samariter hingegen war in der Fremde unterwegs. Jesus kam vom Himmel herab auf die Erde, um uns Menschen zu erlösen. Öl und Wein sollen die Wunden heilen. Jesus gießt durch die Sakramente seine Gnade in unsere verletzten Herzen und heilt unsere Seelen. Jesus bringt uns in seine Herberge, die Kirche, und bezahlt an unserer statt fĂŒr alle Schulden. Das alles ganz ohne Bedingung und Gegenleistung!

3. Erkennen wir Jesus in unseren NĂ€chsten? Jesus gibt uns nicht nur ein Beispiel dafĂŒr, wie wir unseren NĂ€chsten lieben können, er identifiziert sich auch mit den Kleinsten und BedĂŒrftigen (vgl. Mt 25, 40). Erkennen wir ihn? Lieben wir ihn? Handeln wir? Oder mĂŒssen wir uns heute als Christen vielleicht denselben Vorwurf machen lassen, wie die PharisĂ€er damals vor zweitausend Jahren? Bleiben wir in unseren christlichen Blasen? Verstecken wir uns hinter Vorschriften? Interessieren wir uns aufrichtig fĂŒr andere, auch fĂŒr Anders- oder NichtglĂ€ubige? Oder halten wir uns einfach fĂŒr besser als sie?

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, danke fĂŒr dein barmherziges Handeln an mir! Du vergibst mir immer wieder meine SĂŒnden, die mich von dir trennen und heilst meine Wunden mit deiner Gnade. Verwandle mein Herz, damit auch ich barmherzig an meinem NĂ€chsten handeln kann.

Vorsatz: Heute möchte ich meine Augen offenhalten und eine konkrete Tat des Dienstes, der Barmherzigkeit, an einem meiner NĂ€chsten vollbringen.


Durch dick und dĂŒnn

15. Juli 2019

Hl. Bonaventura, Bischof und Kirchenlehrer
Gedenktag

Mathias Reimer

Mt 10,34 - 11,1
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wĂŒrdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wĂŒrdig. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wĂŒrdig. Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen. Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten. Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein JĂŒnger ist - amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen. Als Jesus die Unterweisung der zwölf JĂŒnger beendet hatte, zog er weiter, um in den StĂ€dten zu lehren und zu predigen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich glaube an dich, vermehre meinen Glauben. Ich hoffe auf dich, stĂ€rke meine Hoffnung. Ich liebe dich, hilf mir, dich mehr zu lieben.

Bitte: Lass mich das Leben in dir gewinnen.

1. Schwert statt Frieden? Diese Zeilen des Evangeliums sind nicht leicht zu verstehen, wissen wir doch von anderer Stelle, dass Jesus uns seinen Frieden schenken möchte (vgl. Joh 14,27; 20,19). Frieden auf der Erde kann es allerdings nur geben, wenn es in den Herzen der einzelnen Menschen Frieden gibt. Diesen Frieden will uns Jesus auch geben, Frieden mit Gott, und nur er kann ihn uns schenken. Doch fĂŒr diesen Frieden braucht es unsererseits eine klare Entscheidung. NĂ€mlich den Entschluss, die erste Stelle in unserem Leben allein fĂŒr Gott zu reservieren und nicht fĂŒr uns, andere Menschen, Hobbies, berufliche Ambitionen, etc. Nur Gott ist absolut, doch oft lassen wir viele vergĂ€ngliche Dinge mit ihm in Konflikt treten. Wenn wir Gott Gott sein lassen, findet auch alles andere seine Ordnung. Nur so kann es Frieden in uns geben.

2. Das Leben gewinnen. Es scheint als ob derjenige, der sich fĂŒr Christus entscheidet, vor allem Abstriche machen muss und den eigentlichen Spaß im Leben verpasst. Entzweiung in der eigenen Familie, „das Kreuz auf sich nehmen“, „sein Leben verlieren“ – das sind nicht gerade Werbeslogans einer gelungenen Marketingkampagne. Zahlen wir mit der christlichen Logik letzten Endes drauf? „Nein. Wer Christus einlĂ€sst, dem geht nichts, nichts – gar nichts verloren von dem, was das Leben frei, schön und groß macht. Nein, erst in dieser Freundschaft öffnen sich die TĂŒren des Lebens. Erst in dieser Freundschaft gehen ĂŒberhaupt die großen Möglichkeiten des Menschseins auf. Erst in dieser Freundschaft erfahren wir, was schön und was befreiend ist.“ (Papst em. Benedikt XVI., 24.04.2005)

3. Eine großzĂŒgige Zusage. Jesus sagt seinen JĂŒngern seine Gegenwart unter und in ihnen zu: „Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf“. Somit gibt er ihnen und auch uns den Auftrag, in seinem Namen zu wirken, zu handeln und zu predigen. Wie wir wissen, identifiziert er sich des Weiteren mit einem jeden „von diesen Kleinen“. Indem wir unsere NĂ€chsten lieben, lieben wir auch Jesus. FĂŒr all das Gute, das wir ihnen tun, wird uns Gott reichlich belohnen. Der Blick des Glaubens engt uns also nicht ein, noch zwingt er uns zu etwas. Er befĂ€higt uns vielmehr, in froher Erwartung Gutes zu tun.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, hilf mir, dich an die erste Stelle zu setzen, mein Kreuz mit dir zu tragen und so mein Leben in dir zu gewinnen.

Vorsatz: Heute möchte ich ein selbstloses Opfer bringen, das einem anderen eine Freude bereitet.


Das Wunder der Bekehrung

16. Juli 2019

Dienstag der fĂŒnfzehnten Woche im Jahreskreis
Unsere Liebe Frau auf dem Berge Karmel
Muttergottes von Einsiedeln

Mathias Reimer

Mt 11,20-24
In jener Zeit begann Jesus den StĂ€dten, in denen er die meisten Wunder getan hatte, VorwĂŒrfe zu machen, weil sie sich nicht bekehrt hatten: Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wenn einst in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wĂ€ren, die bei euch geschehen sind - man hĂ€tte dort in Sack und Asche Buße getan. Ja, das sage ich euch: Tyrus und Sidon wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm ergehen wie euch. Und du, Kafarnaum, meinst du etwa, du wirst bis zum Himmel erhoben? Nein, in die Unterwelt wirst du hinabgeworfen. Wenn in Sodom die Wunder geschehen wĂ€ren, die bei dir geschehen sind, dann stĂŒnde es noch heute. Ja, das sage ich euch: Dem Gebiet von Sodom wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm ergehen wie dir.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich möchte mich dir zur VerfĂŒgung stellen. Ich möchte mich fĂŒr deine Wunder in meinem Leben, in meinem Alltag, öffnen.

Bitte: Herr, schenke mir die Gnade, bestĂ€ndig zu dir umzukehren.

1. Auf die Umkehr kommt es an. Diese Stelle ist ein richtiger WachrĂŒttler. Mystische Erfahrungen, Wunder, schöne GefĂŒhle sind mögliche Geschenke der Gnade Gottes. Es ist eine Art, uns zu zeigen, dass er auf unserer Seite ist, uns entgegenkommt, uns einlĂ€dt, umzukehren. Doch die Antwort auf sein Wirken können nur wir selber geben. Letzten Endes kommt es unsererseits darauf an, unser Leben auf ihn auszurichten, nach seinen Geboten zu leben, seinen Willen zu suchen, zu erkennen und zu erfĂŒllen.

2. Geschenk und Verantwortung. Gott ist völlig frei, was das Wirken von Wundern und das Erweisen besonderer Gnaden anbelangt. Diese Geschenke sollen unseren Glauben stĂ€rken und nehmen uns gleichzeitig in die Verantwortung, ihnen zu entsprechen. Deswegen macht Jesus den Menschen VorwĂŒrfe, die die meisten Wunder gesehen und sich trotzdem nicht bekehrt haben. „Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurĂŒckgefordert werden“ (Lk 12, 48).

3. Gott als Richter. Dennoch sollten uns diese Bibelverse nicht vor Furcht erstarren lassen. „Das Gericht Gottes ist Hoffnung, sowohl weil es Gerechtigkeit wiewohl weil es Gnade ist“ (Benedikt XVI, Spe Salvi Nr. 47). Es nimmt uns in die Verantwortung, weil es nicht gleichgĂŒltig ist, was wir aus unserem Leben machen. Es lĂ€sst uns aber auch vertrauen, weil wir in Jesus nicht nur einen Richter, sondern auch einen Anwalt haben (vgl. ebenda).

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, danke fĂŒr diese „wunderbare“ Zeit des Gebets, in der du in meinem Herzen gewirkt hast. Schenke mir ein glaubendes Herz, das dein Wirken erkennt und in der Liebe tĂ€tig wird.

Vorsatz: Heute möchte ich mir die Geschenke, die Gott mir in meinem Leben gemacht hat, aufschreiben und ihm dafĂŒr danken.


Hineingenommen in die Dreifaltigkeit

17. Juli 2019

Mittwoch der fĂŒnfzehnten Woche im Jahreskreis

Mathias Reimer

Mt 11,25-27
In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den UnmĂŒndigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Mir ist von meinem Vater alles ĂŒbergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich glaube an deine Gegenwart. Ich hoffe auf deine GĂŒte. Ich will dich mit ungeteiltem Herzen lieben.

Bitte: Herr, schenke mir ein einfaches Herz.

1. Gott offenbart sich den einfachen Menschen. Es ist das Verlangen eines jeden Jugendlichen fĂŒr „mĂŒndig“, eigenstĂ€ndig, erwachsen gehalten zu werden. Dem ist nichts entgegenzusetzen. Sicherlich will auch Gott, dass wir unsere FĂ€higkeiten entfalten und in Freiheit unsere eigenen Entscheidungen treffen. „UnmĂŒndigkeit“ meint hier also eher eine gewisse Demut. Die Demut, sich selbst nicht fĂŒr so „weise und klug“ zu halten, dass man meint, Gott nicht zu brauchen und allein zurechtzukommen. Uns wird hiermit eine positive Haltung der einfachen Offenheit vorgeschlagen. Die Offenheit, uns von Gott beschenken zu lassen. Anzunehmen, was aus seiner Hand kommt. Ihn sich uns offenbaren zu lassen.

2. Jesus stellt uns den Vater vor. Jesus ist nicht nur eines Wesens mit dem Vater, er lebt uns auch die Haltung der Offenheit gegenĂŒber dem Vater vor. In Demut sucht er in allem den Willen des Vaters, den er annehmen und erfĂŒllen will. Jesus kennt den Vater durch und durch, weil er ihn durch und durch liebt. Der SchlĂŒssel zur Kenntnis Gottes ist also die Liebe. Um uns diese Liebe zu zeigen und vorzuleben, ist er auf die Erde gekommen. Wir dĂŒrfen uns glĂŒcklich schĂ€tzen, denn der Sohn will uns den Vater offenbaren.

3. Spontaner Lobpreis. Zu Beginn dieser Bibelstelle kann Jesus nicht anders, als den Vater zu preisen. „Das Lob ist die Gebetsform, die am unmittelbarsten Gott anerkennt. Das Lob besingt Gott um seiner selbst willen. Es erweist ihm Ehre, nicht nur wegen seiner Taten, sondern weil er ist“ (KKK 2639); weil er unendlich groß, liebevoll, barmherzig, geduldig, mĂ€chtig ist. Welchen Teil nimmt der Lobpreis in meinem Gebet ein? Wie sehr muss es Gott gefallen, wenn wir ihn loben und preisen, weil er ist, wie er ist. „Meine Seele preist die GrĂ¶ĂŸe des Herrn, und mein Geist jubelt ĂŒber Gott meinen Retter“ (Lk 1, 46-47).

GesprĂ€ch mit Christus: Vater, ich preise deine unendliche GĂŒte. Ich preise deine unendliche Liebe. Ich preise deine unendliche Geduld mit mir.

Vorsatz: Im Laufe des Tages möchte ich mit einem Gebet aus der Bibel Gott loben und preisen.


Demut

18. Juli 2019

Donnerstag der fĂŒnfzehnten Woche im Jahreskreis

Dorit Wilke-Lopez

Mt 11,28-30
In jener Zeit sprach Jesus: Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gĂŒtig und von Herzen demĂŒtig; so werdet ihr Ruhe finden fĂŒr eure Seele. Denn mein Joch drĂŒckt nicht, und meine Last ist leicht.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, danke fĂŒr diesen Termin mit dir. Danke, dass du mir anbietest, eine Zeit bei dir zur Ruhe zu kommen. Ich will ganz nah bei dir sein und dir meine Last abgeben. Danke, dass du sie trĂ€gst.

Bitte: Bitte gewĂ€hre mir das Geschenk der Demut.

1. Lasten abgeben. Stell dir Jesus vor, wie er vor dir steht und dich zu sich ruft und die HĂ€nde ausstreckt und dich voll MitgefĂŒhl anschaut. Er kennt deine Lasten. Er sieht, wie schwer manche Dinge in deinem Leben sind. Schließe jetzt die Augen und stell dir vor, du legst eine Last nach der anderen langsam in Jesu HĂ€nde. Er nimmt sie dir ab. Was macht er damit?

2. Azubi bei Jesus. Jesus lĂ€dt dich dann ein, sein Joch auf dich zu nehmen. Das war damals ein bildhafter Ausdruck dafĂŒr, SchĂŒler eines Rabbi zu werden. Du könntest dir jetzt vorstellen, dass du Jesus sagst:„Ja, Jesus, du sollst mein Rabbi sein. Ich will von dir lernen. Ich möchte, dass du mir beibringst, wie ich ewig und in Freude leben kann. Wie groß das ist! Wie dumm wĂ€re ich, wenn ich nicht dein SchĂŒler oder deine SchĂŒlerin wĂŒrde!“

3. Die entspannteste Haltung der Welt. Was lehrt Jesus? DemĂŒtig sein. Demut ist die entspannteste Haltung, die es gibt. Demut heißt nicht, sich zum Fußabtreter fĂŒr die anderen zu machen. Demut heißt nicht, seine FĂ€higkeiten klein zu reden oder zu verstecken. Demut heißt, dass ich mir bewusst bin, dass ich in allem beschenkt bin – allein durch die GĂŒte Gottes. Meine Talente, meine guten Taten, mein Gebet, meine Liebe zu den anderen, alles ist Geschenk Gottes. Er schenkt mir das alles einfach so, ohne dass ich irgendetwas vorher habe tun mĂŒssen. Aus GĂŒte. Das schafft Ruhe. Ich darf sein Werkzeug sein und mich daran freuen. Aus dieser Perspektive ist die Freude eine doppelte: einmal ĂŒber die eigenen FĂ€higkeiten und Erfolge, und dann nochmal, weil Gott mich so beschenkt. Aus dieser Haltung heraus lebt Jesus ohne Angst und voller GĂŒte als Kind seines Vaters. Mit ihm, unter seinem Joch, darf auch ich so leben.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, danke, dass du mir die schreckliche MĂŒhsal meiner Fehler und SĂŒnden abnimmst. Danke, dass du mir die MĂŒhsal abnimmst, mir die Liebe des Vaters verdienen zu mĂŒssen. Ich will von dir lernen, jeden Augenblick in dieser Liebe zu leben und sie zu genießen. Dann wird mein Leben leicht und ich kann gĂŒtig sein. Das Angebot, das du mir im Evangelium gerade gemacht hast, dein Joch zu tragen, nehme ich gern an.

Vorsatz: Heute lasse ich mich von Gott lieben und betrachte voll Dankbarkeit alles, was mir heute gelingt. Und meine Last mit meinen immer wiederkehrenden Fehlern gebe ich vertrauensvoll an Jesus ab.


Gottes Art zu lieben

19. Juli 2019

Freitag der fĂŒnfzehnten Woche im Jahreskreis

Dorit Wilke-Lopez

Mt 12,1-8
In jener Zeit ging Jesus an einem Sabbat durch die Kornfelder. Seine JĂŒnger hatten Hunger; sie rissen deshalb Ähren ab und aßen davon. Die PharisĂ€er sahen es und sagten zu ihm: Sieh her, deine JĂŒnger tun etwas, das am Sabbat verboten ist. Da sagte er zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David getan hat, als er und seine Begleiter hungrig waren - wie er in das Haus Gottes ging und wie sie die heiligen Brote aßen, die weder er noch seine Begleiter, sondern nur die Priester essen durften? Oder habt ihr nicht im Gesetz gelesen, dass am Sabbat die Priester im Tempel den Sabbat entweihen, ohne sich schuldig zu machen? Ich sage euch: Hier ist einer, der grĂ¶ĂŸer ist als der Tempel. Wenn ihr begriffen hĂ€ttet, was das heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer, dann hĂ€ttet ihr nicht Unschuldige verurteilt; denn der Menschensohn ist Herr ĂŒber den Sabbat.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich will mich jetzt ganz auf dich ausrichten. Ich will alles andere beiseitelassen. DU bist der Wichtige, DU bist der Weg, DU bist die Wahrheit, DU bist das Leben.

Bitte: Schenke mir in dieser Meditation eine tiefe Einsicht in deine Art, mich zu lieben. Schenke mir, dass meine Seele sich mehr und mehr darauf einschwingt.

1. Das Brot des Lebens. Hier ist viel von Hunger die Rede. Es ist Jesus so wichtig, dass wir keinen Hunger leiden. Hier werden mehrere Ebenen angesprochen: Die Ähren erinnern an das Weizenkorn, das in die Erde fĂ€llt und stirbt und reiche Frucht bringt – Jesus. Die Schaubrote im Tempel erinnern als Vorausbild ebenfalls an Jesus. Er ist es, der den Hunger stillt. Den Hunger der Seele genauso wie den Hunger des Leibes. Ich halte einen Moment inne und blicke auf mein Leben: Wo war mein Hunger groß und ist gestillt worden? Es ist immer Jesus gewesen, auch wenn ich ihn in dem jeweiligen Moment nicht erkannt habe.

2. Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Hier tritt Jesus mit der ganzen Vollmacht Gottes auf. Es scheint so, als setze er die Opfer des alten Bundes außer Kraft, all die Stiere, Widder, LĂ€mmer, Tauben, die zu opfern Gott selbst dem Volk Israel befohlen hatte. All die Opfer sind ein Vorausbild fĂŒr das Opfer, das Jesus dem Vater bringen wird: sich selbst wird er darbringen, und zwar aus Barmherzigkeit.

3. Barmherzigkeit. In Jesus vereinen sich Opferwille und Barmherzigkeit. Jesus ist gekommen, um die Schrift zu erfĂŒllen. Im Opfer allein steckt fĂŒr uns gefallene Menschen die Gefahr, dass wir Gott als rachsĂŒchtig betrachten, ihn eventuell mit unserer Leistung beeindrucken wollen und Rechte vor ihm ableiten. Jesus zeigt es uns aber anders: Er bringt das Opfer aus Erbarmen heraus. Er ist Gott. Gott opfert sich selbst, weil wir ihm in unserer selbst verschuldeten Dunkelheit einfach leidtun. Aus einem GefĂŒhl des innigen Mitleids heraus. Weil es ihm durch Mark und Bein geht, wie wir fern von ihm dahinvegetieren, weil er sich mit ganzem Herzen nach uns sehnt, bringt er das Opfer, selbst in unsere Dunkelheit, bis in das Dunkel des Todes hinabzusteigen. Um diese Haltung geht es beim Opfer. Es geht darum, dass Gott opfert, nicht wir. Das tief in der Seele zu begreifen. Und darĂŒber sprachlos vor Dankbarkeit zu sein. Dann werden wir verwandelt – unser hartes Herz wird nach und nach barm-herzig, weil die Haltung Gottes auf uns abfĂ€rbt und uns handeln lĂ€sst wie er.

GesprĂ€ch mit Christus: Gott, ich danke dir, dass du uns mit dieser unbegreiflichen Barmherzigkeit liebst. Dass wir dir so wichtig sind. Dass du uns versorgst und nah sein willst wie Eltern, die ihren SĂ€ugling an die Wange heben. Lass mich begreifen, wie viel du investiert hast fĂŒr mich. Schenke mir diese Barmherzigkeit, dieses MitgefĂŒhl fĂŒr mich selbst und fĂŒr die anderen Menschen um mich herum. Bewahre mich und unsere Beziehung vor Legalismus, vor dem lieblosen oder oberflĂ€chlichen Abarbeiten von religiösen Pflichten.

Vorsatz: Ich bewege heute wie Maria die wunderbare Barmherzigkeit Gottes in meinem Herzen, denke darĂŒber nach und frage mich, was diese Barmherzigkeit fĂŒr Gottes Beziehung mit mir bedeutet.


In der Liebe verwurzelt

20. Juli 2019

Samstag der fĂŒnfzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Margareta von Antiochia, Jungfrau, MĂ€rtyrin

Dorit Wilke-Lopez

Mt 12,14-21
In jener Zeit fassten die PharisĂ€er den Beschluss, Jesus umzubringen. Als Jesus das erfuhr, ging er von dort weg. Viele folgten ihm, und er heilte alle Kranken. Aber er verbot ihnen, in der Öffentlichkeit von ihm zu reden. Auf diese Weise sollte sich erfĂŒllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: Seht, das ist mein Knecht, den ich erwĂ€hlt habe, mein Geliebter, an dem ich Gefallen gefunden habe. Ich werde meinen Geist auf ihn legen, und er wird den Völkern das Recht verkĂŒnden. Er wird nicht zanken und nicht schreien, und man wird seine Stimme nicht auf den Straßen hören. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen, bis er dem Recht zum Sieg verholfen hat. Und auf seinen Namen werden die Völker ihre Hoffnung setzen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, auf dir liegt Gottes Geist. Du bist der Geliebte des Vaters. Du zankst nicht mit mir. Du willst mich heilen. Komm jetzt in mein Herz. Bring mich zur Ruhe in der Hektik dieser Welt, damit ich dir in der Stille begegne.

Bitte: Bitte lass mich in der Liebe wachsen.

1. Der glimmende Docht. Ein glimmender Docht war einmal ein brennendes Licht. Das passt zur Situation der Kirche in Europa, die immer mehr einem glimmenden Docht Ă€hnelt als einem brennenden Licht. Orientieren wir uns an diesem Evangelium: Jesus wird dem Recht zum Sieg verhelfen und den glimmenden Docht nicht auslöschen. Ohne GezĂ€nk, ohne Geschrei. Also keine Angst.

2. Apostolat ohne Worte. Jesus verstrickt sich nicht mit den PharisĂ€ern. Er geht einfach weg und fĂ€hrt fort, die Kranken zu heilen, statt sich zu streiten. Er zeigt uns: Den Glauben an Gottes Liebe erfahren die Menschen nicht durch Diskussionen, sondern durch demĂŒtige, praktische Liebe. Lassen wir uns also von denen, die unsere religiöse Einstellung ablehnen, nicht aus dem Konzept bringen: Fahren wir heute fort, zu lieben, und hĂ€ngen wir das nicht an die große Glocke.

3. Sich tragen lassen vom Geist der Liebe. Jesus ist seinen Gegnern gegenĂŒber so gelassen. Wie schafft er das? Weil er Gott ist und mĂ€chtig? Das kann es nicht sein, denn er hat ja als Mensch auf all diese Macht verzichtet. Ich glaube, er kann das, weil er als Mensch ganz aus der Liebe des Vaters lebt. Der Vater hat ihm bei der Taufe gesagt, dass er sein geliebter Sohn ist und er an ihm Wohlgefallen hat. Ganze NĂ€chte spricht er mit seinem Vater. Nichts tut er aus sich heraus, sondern immer zusammen mit dem Vater. FĂŒr mich kann das auch gelten: Ich darf mit Jesus eins sein. Auch ich bin geliebtes Kind des Vaters im Himmel. Der Vater steht hinter mir und stĂ€rkt mir den RĂŒcken, Jesus ist in mir und der Heilige Geist trĂ€gt mich. So geschĂŒtzt und geliebt, brauche ich mich nicht mehr zu rechtfertigen und mit den Menschen zu streiten. Ich bin nicht mehr abhĂ€ngig von deren Zuneigung und kann stattdessen die Liebe, von der ich lebe, an die anderen weitergeben. Mit Jesus zusammen sogar an die Unsympathischen, die Gegner, die Feinde.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, ich möchte so mit dem Vater verbunden sein wie du. Lass uns ganz eins sein, damit ich das heute in dir kann. Schenke mir das heute. Lass aus der Verbindung mit dir und dem Vater meine Liebe wachsen, die aus der Sicherheit kommt, dass ich geliebt bin. Auch wenn mein Docht heute nur glimmt.

Vorsatz: Verwurzeln wir uns heute noch einmal ganz bewusst in der Liebe des himmlischen Vaters und genießen wir die Gelassenheit des GefĂŒhls, geliebt zu sein.