Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 30. Juni 2019 bis Samstag 6. Juli 2019

Dreizehnte Woche im Jahreskreis

Dorit Wilke-Lopez

Vom Umgang mit Angst und ÄrgerSonntag
Mission auf Leben und TodMontag
MagnificatDienstag
Erst das Lob, dann die ArbeitMittwoch
HeilungsgebeteDonnerstag
O glĂŒckliche Schuld!Freitag
Das Geschenk des FastensSamstag


Vom Umgang mit Angst und Ärger

30. Juni 2019

Dreizehnter Sonntag im Jahreskreis
Hl. Otto, Bischof von Bamberg, Glaubensbote
Hll. MĂ€rtyrer der Stadt Rom

Dorit Wilke-Lopez

Lk 9,51-62
Als die Zeit herankam, in der er in den Himmel aufgenommen werden sollte, entschloss sich Jesus, nach Jerusalem zu gehen. Und er schickte Boten vor sich her. Diese kamen in ein samaritisches Dorf und wollten eine Unterkunft fĂŒr ihn besorgen. Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war. Als die JĂŒnger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fĂ€llt und sie vernichtet? Da wandte er sich um und wies sie zurecht. Und sie gingen zusammen in ein anderes Dorf. Als sie auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die FĂŒchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben. Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkĂŒnde das Reich Gottes! Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen. Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurĂŒckblickt, taugt fĂŒr das Reich Gottes.

EinfĂŒhrendes Gebet: Ich, das kleine Geschöpf, bin jetzt vor meinem Schöpfer einfach da. Danke, Herr, dass DU mit mir sprichst!

Bitte: Komm, Heiliger Geist, erfĂŒlle jetzt mein Herz und schaffe mich neu. Lass das Reich Gottes sich in mir ausbreiten.

1. Was danach kommt. â€žâ€Šentschloss sich Jesus“ – wörtlich ĂŒbersetzt: „richtete er sein Gesicht fest darauf, nach Jerusalem zu gehen.“ Mit welcher Zielstrebigkeit geht Gott vor, um uns zu erlösen! Jesus hat die Tortur, die ihn in Jerusalem erwartet, klar vor Augen. Aber er richtet sein Gesicht auf das, was danach kommt: „dass er in den Himmel aufgenommen werden sollte.“ Ich finde, das ist ein gutes Rezept, mit Dingen umzugehen, die Angst machen: zielstrebig das ins Auge fassen, was danach kommt. Was kommt nach allen unseren Schwierigkeiten in dieser gefallenen Welt? Der Himmel! Ich denke an die ersten Christen, die sich teilweise darum gerissen haben, den wilden Tieren vorgeworfen zu werden, damit sie schneller in den Himmel kamen. Traue ich mich, angesichts von Ängsten, PrĂŒfungen und Schwierigkeiten mein Gesicht fest auf das Gute danach zu richten?

2. Aufgenommen werden. Jesus wird in dem samaritischen Dorf die Aufnahme verweigert. WĂ€hrend Johannes und Jakobus sich furchtbar aufregen, bleibt Jesus pragmatisch und gelassen und geht einfach in ein anderes Dorf. Auch das ist ein gutes lebenspraktisches Programm, zur Nachahmung empfohlen, Stressabbau garantiert: sich bei Ablehnung durch andere nicht beleidigten GrĂŒbeleien oder Selbstzweifeln hingeben, sondern zu denjenigen Menschen gehen, die mich annehmen. Selbst Jesus, der menschgewordene Sohn Gottes, wurde ja nicht von allen gemocht. Aber er wusste, dass er vom Vater geliebt wurde. Auch ich werde vom allmĂ€chtigen Vater genauso geliebt! Brauche ich da wirklich die Anerkennung und Annahme von jedem?

3. Spitznamen. Hat Jesus gelacht? Ich glaube schon, dass er Humor hatte. Liebevoll hat er Jakobus und Johannes „Donnersöhne“ genannt (Mk 3,17). Das zeugt von einer fröhlichen und wertschĂ€tzenden Weise, mit den SchwĂ€chen seiner Freunde umzugehen. Auch hier wieder eine lebenskluge Strategie: die SchwĂ€chen der Mitmenschen mit liebevollem Humor annehmen. Alles nicht so ernst! Welchen Spitznamen gibt Jesus wohl mir?

GesprĂ€ch mit Christus: Ich rede mit Jesus ĂŒber das, was mich in diesem Evangelium besonders bewegt hat. Ganz offen und mit eigenen Worten komme ich mit ihm ins GesprĂ€ch und nehme mir dafĂŒr ausreichend Zeit.

Vorsatz: Ich ĂŒberlege mit Jesus, welchen Vorsatz ich neu fassen oder erneuern soll, und schreibe ihn in meinen Kalender, mein Tagebuch oder mein Handy.


Mission auf Leben und Tod

1. Juli 2019

Montag der dreizehnten Woche im Jahreskreis

Dorit Wilke-Lopez

Mt 8,18-22
In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, die um ihn waren, befahl er, ans andere Ufer zu fahren. Da kam ein Schriftgelehrter zu ihm und sagte: Meister, ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die FĂŒchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Ein anderer aber, einer seiner JĂŒnger, sagte zu ihm: Herr, lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben! Jesus erwiderte: Folge mir nach; lass die Toten ihre Toten begraben!

EinfĂŒhrendes Gebet: Ich, das kleine Geschöpf, bin jetzt vor dir, meinem Schöpfer, einfach da. Du sprichst mit mir! Öffne mein Herz und öffne meine Ohren fĂŒr das, was du mir leise in die Seele sprichst.

Bitte: Heiliger Geist, gib mir ein, was ich antworten soll. Atme in mir, und schaffe mich neu.

1. Heimatlos in dieser Welt. Jesus ist in seiner Stadt, Kafarnaum, und hat den ganzen Abend damit verbracht, Kranke zu heilen. Zahlreiche Menschen umgeben ihn. Aber Jesus strebt weiter. Er ist keiner, der da sesshaft wird, wo er Zuspruch findet. Er ist unterwegs, rastlos, er „hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ Nicht, dass er diesen nicht haben könnte – er ist Gast bei Petrus und wird von dessen Schwiegermutter liebevoll versorgt. Aber er hat keine Ruhe, bis er die frohe Botschaft von der Liebe des himmlischen Vaters auch an das andere Ufer des Sees gebracht hat. Dort wohnen, wie MatthĂ€us berichtet, gefĂ€hrliche Besessene und ganze Herden von unreinen Schweinen. Kein Ort, wo ein Jude gern sein möchte! Wie ergeht es mir, wenn ich Zuspruch finde? Richte ich mich damit hĂ€uslich ein?

2. Auf Leben und Tod. Jesus schreckt vor nichts zurĂŒck. Er hat keine Ruhe, bis er das lebendig machende Feuer des göttlichen Geistes auf die ganze Erde geworfen hat, und er wĂŒnscht sich nichts sehnlicher, als dass es schon brennen möge (vgl. Lk 12,49). Er hat den Auftrag, das Leben zu bringen – das ist seine Mission – denn da, wo er hinkommt, bricht das Leben auf, von dem sich die Menschen abgewandt hatten, als sie im Paradies Gott den RĂŒcken zukehrten, dem Quelle allen wahren Lebens. Das wird deutlich, als er zu dem JĂŒnger sagt: „Folge mir nach; lass die Toten ihre Toten begraben!“ Da, wo Jesus ist, da ist Leben. Da, wo er nicht ist, da ist Tod. Es geht um Leben und Tod! Deshalb ruht Jesus nicht. Dennoch beschrĂ€nkt er, der menschgewordene Sohn Gottes, den Bereich seines Wirkens auf einen winzigen Landstrich in dieser Provinz des römischen Weltreiches. Wie passt das zusammen? Was will Gott uns damit zeigen?

3. Missing Link. Hier kommt unser Einsatz, und Jesus baut darauf! Seine Kirche soll die Botschaft vom Leben und das Leben Gottes selbst bis an die Enden der Erde tragen. Wir Christen, die auf ihn getauft sind, Sie und ich, sind der Missing Link der Erlösung! Wie groß ist das doch! Ich fĂŒhle mich dieser Sendung auf Leben und Tod ĂŒberhaupt nicht gewachsen, und Sie? Aber der Heilige Geist macht das schon. Auf IHN muss ich mich verlassen, meine Ohren und mein Herz fĂŒr IHN öffnen, je schwĂ€cher ich bin, umso besser, denn umso mehr kann ER tun. Dann kann er mir zeigen, wo ich heute in dem winzigen Landstrich dieser Welt, fĂŒr den ich zustĂ€ndig bin, „an die RĂ€nder“ gehen soll, wie Papst Franziskus es ausdrĂŒckt, um dort die Liebe Gottes hinzubringen. Dann kann er mir die Kraft dazu geben. Ich habe eine einzigartige Mission in meiner eigenen kleinen Welt, an jedem einzigartigen begrenzten Tag meines Lebens, mit meinen immer begrenzten KrĂ€ften. Wichtig ist nur, sich nicht hĂ€uslich einzurichten in dieser Welt, denn es geht fĂŒr Christen darum, das Licht der nĂ€chsten Welt in die Dunkelheit dieser Welt zu bringen. Was ist heute meine Fahrt ans andere Ufer? Gott verlĂ€sst sich auf uns! Fragen wir den Heiligen Geist!

GesprĂ€ch mit Christus: Ich rede mit Jesus ĂŒber das, was mich in diesem Evangelium besonders bewegt hat. Ganz offen und mit eigenen Worten komme ich mit ihm ins GesprĂ€ch und nehme mir dafĂŒr ausreichend Zeit.

Vorsatz: Den Vorsatz von gestern anschauen und mit Jesus besprechen, ob ich den Ă€ndern oder weiterverfolgen soll. Das aufschreiben.


Magnificat

2. Juli 2019

MariÀ Heimsuchung
Fest

Dorit Wilke-Lopez

Lk 1,39-56
In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von JudĂ€a. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrĂŒĂŸte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hĂŒpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfĂŒllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hĂŒpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfĂŒllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria: Meine Seele preist die GrĂ¶ĂŸe des Herrn,und mein Geist jubelt ĂŒber Gott, meinen Retter.Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.Denn der MĂ€chtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht ĂŒber alle, die ihn fĂŒrchten.Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;er stĂŒrzt die MĂ€chtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lĂ€sst die Reichen leer ausgehen.Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,das er unsern VĂ€tern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurĂŒck.

EinfĂŒhrendes Gebet: Ich, das kleine Geschöpf, bin jetzt vor dir, meinem Schöpfer, einfach da. Du sprichst mit mir! Öffne mein Herz und öffne meine Ohren fĂŒr das, was du mir leise in die Seele sprichst.

Bitte: Heiliger Geist, gib mir ein, was ich antworten soll. Atme in mir und schaffe mich neu.

1. Selbsthilfegruppe. Maria darf Jesus in ihrem eigenen Leib begegnen, er zieht in ihren Leib ein. Wie wird sie sich gefĂŒhlt haben? Sprachlos staunend? ÜberwĂ€ltigt? Oder wuchs in ihr so nach und nach die Erkenntnis, was da in ihr passierte, wer da in ihr heranwuchs? Wurde das immer konkreter, je deutlicher die Schwangerschaft wahrnehmbar war? Mit ihrem Erleben, wie immer es auch war, eilte sie zu Elisabeth. HĂ€ufig habe ich die Deutung gehört, dass sie der Ă€lteren Cousine in den Beschwerden der Schwangerschaft helfen wollte. Vielleicht ist dies eine eher mĂ€nnliche Deutung – sofort etwas tun. Als Frau stelle ich mir das eher wie eine Selbsthilfegruppe vor, in der die beiden Frauen ihre unbegreiflichen Erfahrungen miteinander austauschen und sich gegenseitig helfen, zu verstehen. Durch das Verhalten des noch ungeborenen kleinen Johannes fĂŒhrt Gott seine kleine Magd Maria zu einer tiefen und jubelnden Erkenntnis ĂŒber die Erlösung, die da in ihr beginnt. Wo gibt es in meinem Leben Menschen, mit denen ich mich ĂŒber meine geistlichen Erfahrungen austausche? Wenn es sie gibt: Das ist ein großes Geschenk! Wenn es sie noch nicht gibt: Wie wĂ€re es fĂŒr mich, solche Gelegenheiten zu suchen? Das erfordert ein bisschen Mut, viel Gebet und etwas Phantasie und wĂ€re eine große Bereicherung nicht nur fĂŒr mein eigenes Leben.

2. Leibhaftig Gott. Mit Elisabeth steht am Ende des alten Bundes eine Frau, die den grĂ¶ĂŸten Propheten des alten Bundes in sich trĂ€gt. Mit Maria steht am Anfang des neuen Bundes eine Frau, die den Erlöser in sich trĂ€gt. Unsere christliche Religion ist sehr leiblich. Nicht nur ist der Sohn Gottes Fleisch geworden, sondern er wĂ€chst auch in einem Leib heran. Nicht nur ist Jesus leiblich auferstanden, sondern er kommt in der heiligen Kommunion in unseren Leib. Ehre ich meinen Leib als Tempel des Heiligen Geistes? Wenn es sich stimmig anfĂŒhlt, könnte ich heute meinem Leib dankbar etwas wahrhaft Gutes tun. Er ist der Ort, wo ich Jesus begegne!

3. Mein persönliches Magnificat. In der Begegnung mit Elisabeth wird Maria zu ihrem wunderbaren Magnificat-Gesang angeregt. In der Begegnung mit Maria kann ich mein eigenes Leben in Dankbarkeit betrachten. Wo hat Gott Großes an mir getan? Wo hat er auf meine Niedrigkeit geschaut und mich erhöht? Welche machtvollen Taten Gottes kann ich in meinem Leben erkennen? Wo hat er mein mĂ€chtiges Ego vom Thron gestĂŒrzt? Wo hat er mich beschenkt, als ich hungrig war? Wo hat er sich meiner angenommen?

GesprĂ€ch mit Christus: Ich rede mit Jesus ĂŒber das, was mich in diesem Evangelium besonders bewegt hat. Ganz offen und mit eigenen Worten komme ich mit ihm ins GesprĂ€ch und nehme mir dafĂŒr ausreichend Zeit.

Vorsatz: Mit Jesus wieder den Vorsatz von gestern anschauen und darĂŒber sprechen, ob er Änderungen möchte und wie es geklappt hat.


Erst das Lob, dann die Arbeit

3. Juli 2019

Hl. Thomas, Apostel
Fest

Dorit Wilke-Lopez

Joh 20,24-29
Thomas, genannt Didymus - Zwilling -, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen JĂŒnger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der NĂ€gel an seinen HĂ€nden sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der NĂ€gel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine JĂŒnger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die TĂŒren waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine HĂ€nde! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht unglĂ€ubig, sondern glĂ€ubig! Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott. Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich sehe dich nicht und glaube dennoch, dass du mich hörst und dass du zu mir sprichst. Danke, dass du mich dafĂŒr selig preist.

Bitte: StĂ€rke meinen Glauben.

1. Der achte Tag. Thomas trifft Jesus am achten Tag nach der Auferstehung. In dieser Begegnung zwischen Thomas und Jesus scheint die heilige Messe auf. Wir feiern am achten Tag Gottesdienst. Nicht mehr der 7. Tag wie im alten Bund ist der Ruhe- und Feiertag des Neuen Bundes, sondern der 8. Tag, das heißt, der erste Tag der Woche. Nicht der Montag ist der Wochenanfang, sondern der Sonntag! Das heißt, im Neuen Bund fĂ€ngt die Woche mit der persönlichen Begegnung mit Gott an. Wir mĂŒssen nicht erst arbeiten, um uns dann davon zu erholen, sondern wir dĂŒrfen uns direkt am Anfang, noch bevor wir einen Handschlag tun, zu Gott begeben, uns von ihm lieben lassen und das richtig feiern. Die heilige Messe ist ein StĂŒck Himmel - Gott schenkt uns das Leben und den Himmel, wir mĂŒssen und können ihn nicht verdienen, sondern nur annehmen und uns bemĂŒhen, ihn festzuhalten. Erst das schenkt uns die Kraft, um in diese verlorene Welt Gottes Liebe zu bringen. Wir geben weiter, was wir geschenkt bekommen. FĂŒr mich ist das ein kompletter Perspektivenwechsel. Nicht Arbeit ist der Lebenssinn, nicht TĂŒchtigsein die Voraussetzung, um von Gott geliebt zu werden. Ich werde geliebt, einfach so. Wie sehen Sie den Sonntag, wie gestalten Sie ihn?

2. Die heilige Messe. In der Eucharistiefeier kommt Jesus, tritt in unsere Mitte und sagt: „Friede sei mit euch!“ Kurz danach begegnet er mir in der Kommunion. Wie dem Thomas sagt er mir: „Streck deine Hand aus!“ Ich strecke sie aus und er kommt in meine Hand, lĂ€sst sich von mir anfassen, berĂŒhren. Und ich antworte laut: „Amen!“ und im Herzen: „Mein Herr und mein Gott!“ Und ich lasse mir von Jesus die Seligkeit zusprechen, weil ich ihn nicht in seiner menschlichen Gestalt, sondern nur im Brot sehe und doch glaube. Glauben Sie das?

3. EinfĂŒhlsam. Jesus kennt Thomas‘ Problem ohne Worte und er geht bei dieser Begegnung am achten Tag liebevoll auf ihn ein. Mein Problem mag ein ganz anderes sein, aber die Ähnlichkeit zwischen der Thomasgeschichte und der Eucharistiefeier ermutigt mich zu glauben, dass Jesus auch auf meine Probleme zartfĂŒhlend eingehen wird, wenn ich ihn in der Sonntagsmesse treffe. Haben Sie das auch schon einmal erfahren?

GesprĂ€ch mit Christus: Ich rede mit Jesus ĂŒber das, was mich in diesem Evangelium besonders bewegt hat. Ganz offen und mit eigenen Worten komme ich mit ihm ins GesprĂ€ch und nehme mir dafĂŒr ausreichend Zeit.

Vorsatz: Heute ist Vorsatz-Pause: stattdessen einfach den ganzen Tag freuen, dass Jesus in der Eucharistie sich jedes Mal berĂŒhren lĂ€sst.


Heilungsgebete

4. Juli 2019

Donnerstag der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Ulrich, Bischof
Hl. Elisabeth von Portugal

Dorit Wilke-Lopez

Mt 9,1-8
In jener Zeit stieg Jesus in das Boot, fuhr ĂŒber den See und kam in seine Stadt. Da brachte man auf einer Tragbahre einen GelĂ€hmten zu ihm. Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem GelĂ€hmten: Hab Vertrauen, mein Sohn, deine SĂŒnden sind dir vergeben! Da dachten einige Schriftgelehrte: Er lĂ€stert Gott. Jesus wusste, was sie dachten, und sagte: Warum habt ihr so böse Gedanken im Herzen? Was ist leichter, zu sagen: Deine SĂŒnden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? Ihr sollt aber erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde SĂŒnden zu vergeben. Darauf sagte er zu dem GelĂ€hmten: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause! Und der Mann stand auf und ging heim. Als die Leute das sahen, erschraken sie und priesen Gott, der den Menschen solche Vollmacht gegeben hat.

EinfĂŒhrendes Gebet: Ich, das kleine Geschöpf, bin jetzt vor meinem Schöpfer einfach da. Danke, Herr, dass DU mit mir sprichst!

Bitte: Heiliger Geist, fĂŒhre mich in meinem Beten. Lass mich nĂ€her zu Jesus kommen.

1. SĂŒnde macht krank. In diesem Evangelium geht es mehr um SĂŒndenvergebung als um Heilung. Die Heilung dient nur der BekrĂ€ftigung von Jesu Vollmacht. SĂŒnde trennt uns von Gott, der Quelle des Lebens und des Guten. Ohne diese Trennung gĂ€be es also ĂŒberhaupt keine Krankheit. Die Vergebung der SĂŒnden ĂŒberbrĂŒckt den Abgrund, den die SĂŒnde zwischen Gott und uns aufreißt. Also ist SĂŒndenvergebung die Voraussetzung fĂŒr die Möglichkeit zur Heilung von der Wurzel her.

2. Erstmal zur Beichte. Daher ist es wichtig, nicht nur um Heilung zu bitten, wenn jemand erkrankt, sondern auch um die Vergebung der SĂŒnden. Der Kranke braucht das Sakrament der Beichte, aber auch das familiĂ€re Umfeld muss sich um Versöhnung miteinander und mit Gott bemĂŒhen, damit Raum fĂŒr Gottes Macht entsteht. Diese Erfahrung hat John Gillespie gemacht, ein irischer Katholik mit einer Heilungsgabe. Wenn er um Heilungsgebet fĂŒr einen Kranken gebeten wird, sagt er immer auch der Familie, dass alle sich Gott zuwenden und um Vergebung der SĂŒnden bitten sollen, um dem Teufel jegliche Einflussmöglichkeit zu nehmen (beschrieben in dem Buch: „The Miracle Ship“ von John O’Hare).

3. Gott heilt auch heute. Heilt denn Jesus heute noch? Wenn Gott den Menschen die Vollmacht zur SĂŒndenvergebung gegeben hat, dann hat er ihnen auch die Vollmacht zur Heilung von Kranken gegeben (vgl. Lk 10,9). Im 1. Korintherbrief, Kapitel 12, erklĂ€rt Paulus, dass einige die Gabe der Krankenheilung haben, aber nicht alle. Ich finde, dass wir diese Gabe mehr erbitten mĂŒssen und daran glauben dĂŒrfen, dass sie uns auch heute noch geschenkt wird. John Gillespie sagt, man muss immer gleichzeitig beten und schon dafĂŒr danken, dass man es erhalten wird. Er hat 12 Jahre fĂŒr die Heilung von seinem schweren inoperablen HĂŒftleiden gebetet und es wurde nicht besser. Aber er hat immer weiter vertraut und gedankt, dass Gott ihn irgendwann heilen wĂŒrde. Nach 12 Jahren geschah es dann ĂŒber Nacht. Am Morgen waren die Schmerzen weg und das Röntgenbild war völlig in Ordnung. Lasst uns mehr vertrauen und uns immer zuerst um die SĂŒndenvergebung bemĂŒhen, wenn jemand Heilung braucht.

GesprĂ€ch mit Christus: Ich rede mit Jesus ĂŒber das, was mich in diesem Evangelium besonders bewegt hat. Ganz offen und mit eigenen Worten komme ich mit ihm ins GesprĂ€ch und nehme mir dafĂŒr ausreichend Zeit.

Vorsatz: Welchen Vorsatz hatte ich noch letztens gemacht? Jesus, soll ich damit weiter machen? Ich achte auf die leisen Regungen meines Herzens.


O glĂŒckliche Schuld!

5. Juli 2019

Freitag der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Antonius Maria Zaccaria, Priester, OrdensgrĂŒnder

Dorit Wilke-Lopez

Mt 9,9-13
In jener Zeit sah Jesus einen Mann namens MatthĂ€us am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand MatthĂ€us auf und folgte ihm. Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, kamen viele Zöllner und SĂŒnder und aßen zusammen mit ihm und seinen JĂŒngern. Als die PharisĂ€er das sahen, sagten sie zu seinen JĂŒngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und SĂŒndern essen? Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die SĂŒnder zu rufen, nicht die Gerechten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Ich, das kleine Geschöpf, bin jetzt vor meinem Schöpfer einfach da. Danke, Herr, dass DU mit mir sprichst!

Bitte: Heiliger Geist, öffne mein Ohr und rege meine Seele zu einer Antwort an, die aus ganzem Herzen kommt.

1. Grenzverkehr mit Liebe. Ich stelle mir vor, dass in dem kleinen, römisch besetzten Israel alle Nase lang irgendeine Zollstelle im Weg war, wo man wieder zahlen musste (das Wort Zoll kommt von lat. tollere—wegnehmen), sich Ă€rgerte und genervt war. Den Zoll erhob die feindliche, ĂŒbermĂ€chtige Staatsgewalt der Römer. Ich stelle mir die AtmosphĂ€re an so einer Zollstelle vor: feindselig, voller Angst, vielleicht auch Hass. Das war der Arbeitsplatz des MatthĂ€us. Jesus aber Ă€rgert sich nicht. Er sieht voll Liebe und WertschĂ€tzung auf den Menschen MatthĂ€us und will ihn zum Freund. Wie gehe ich mit nervigen Situationen um? Sehe ich die Menschen dann auch liebevoll an?

2. Mit liebevollem Blick. MatthĂ€us ist ein SĂŒnder, ein Ausbeuter, er kollaboriert mit dem Feind und betrĂŒgt hauptberuflich. Und was macht Jesus? Er schaut ihn an und ruft ihn da heraus. Jesus ist Gott, er zeigt uns das Angesicht Gottes. Gott schaut uns liebevoll an, auch wenn wir sĂŒndigen, betrĂŒgen, ausbeuten! Jesus ist im Evangelium nie sauer auf die SĂŒnder. Oft sind wir innerlich ganz anders geprĂ€gt. Erwachsene sind meist Ă€rgerlich, wenn die Kinder etwas falsch machen. Das ĂŒbertragen wir dann auf Gott. Aber Gott ist so anders! Glaube ich das?

3. O glĂŒckliche Schuld! Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. In einer freikirchlichen Predigt habe ich einmal gehört: Seien Sie froh, dass Sie SĂŒnder sind, sonst wĂ€re Jesus gar nicht fĂŒr Sie zustĂ€ndig! Ich freue mich ĂŒber diesen unbegreiflich großartigen und unvorstellbar barmherzigen Gott, der die Schwachheit und Bosheit der Menschen annimmt und durch seine Liebe in etwas viel GrĂ¶ĂŸeres verwandelt. O glĂŒckliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden, beten wir in der Osternacht. In diesem Sinne wage ich es manchmal, Gott sogar fĂŒr meine SĂŒnden zu danken. Durch meine SĂŒndhaftigkeit kann Gott mir so viel schenken, so viel mehr, als wenn ich perfekt wĂ€re. Weil mein Seelenleben ausblutet durch meine SĂŒnden, schenkt Jesus mir quasi wie in einer Organspende sein Blut, sein Leben! Gott steht nicht mit dem goldenen Buch da und benotet unsere guten und schlechten Taten. Anklagen und verurteilen ist immer der falsche Ansatz. Die Herzenshaltung des himmlischen Vaters ist die Liebe. Er will uns aus Feindseligkeit und Selbstbezogenheit herausholen und uns durch seine Gebote aufblĂŒhen sehen in seiner Liebe. Es kommt darauf an, das anzunehmen. Will ich das?

GesprĂ€ch mit Christus: Ich rede mit Jesus ĂŒber das, was mich in diesem Evangelium besonders bewegt hat. Ganz offen und mit eigenen Worten komme ich mit ihm ins GesprĂ€ch und nehme mir dafĂŒr ausreichend Zeit.

Vorsatz: ĂœberprĂŒfen, ob die VorsĂ€tze dieser Woche mich stolz machen, falls ich sie eingehalten habe, oder mich entmutigen, falls ich sie nicht eingehalten habe. DafĂŒr um Verzeihung bitten und umkehren. Falls Gott mir geschenkt hat, dass ich sie aus Liebe und in Demut halten konnte, danke ich ihm dafĂŒr.


Das Geschenk des Fastens

6. Juli 2019

Samstag der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Maria Goretti, Jungfrau und MĂ€rtyrin

Dorit Wilke-Lopez

Mt 9,14-17
In jener Zeit kamen die JĂŒnger Johannes‘ des TĂ€ufers zu Jesus und sagten: Warum fasten deine JĂŒnger nicht, wĂ€hrend wir und die PharisĂ€er fasten? Jesus antwortete ihnen: Können denn die HochzeitsgĂ€ste trauern, solange der BrĂ€utigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der BrĂ€utigam genommen sein; dann werden sie fasten. Niemand setzt ein StĂŒck neuen Stoff auf ein altes Kleid; denn der neue Stoff reißt doch wieder ab, und es entsteht ein noch grĂ¶ĂŸerer Riss. Auch fĂŒllt man nicht neuen Wein in alte SchlĂ€uche. Sonst reißen die SchlĂ€uche, der Wein lĂ€uft aus, und die SchlĂ€uche sind unbrauchbar. Neuen Wein fĂŒllt man in neue SchlĂ€uche, dann bleibt beides erhalten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Ich, das kleine Geschöpf, bin jetzt vor meinem Schöpfer einfach da. Danke, Herr, dass DU mit mir sprichst!

Bitte: Heiliger Geist, erneuere mein Herz und mach es weit und offen fĂŒr Gott.

1. Fasten aus Reue und als Buße. Die Frage nach dem Fasten, die die JĂŒnger des Johannes hier stellen, scheint enorm wichtig fĂŒr die junge Christenheit zu sein, denn die drei synoptischen Evangelien berichten alle fast wortgleich von dieser Begebenheit. Im Neuen Bund, wird betont, lĂ€uft es anders als im Alten Bund. Der Neue Bund ist wie ein neuer Schlauch fĂŒr einen jungen, frischen Wein. Im Alten Bund offenbarte sich Gott als der, der da ist und das Volk Israel schĂŒtzt und fĂŒhrt. Im Alten Bund kann keiner ihn ansehen, sonst mĂŒsste er angesichts der strahlenden Herrlichkeit sterben. Fasten dient der Buße und Reue vor diesem unbegreiflich mĂ€chtigen Herrn. Was bedeutet Fasten bisher fĂŒr mich?

2. Fasten aus Sehnsucht. Im Neuen Bund wird der mĂ€chtige Gottessohn aus lauter Sehnsucht nach den Menschen selbst ein Mensch. Gott wird BrĂ€utigam. Der BrĂ€utigam war im alten Israel bei der Hochzeit fĂŒr den Wein verantwortlich. Der neue Wein des Neuen Bundes ist Gottes zĂ€rtliche Liebe, die sich verletzlich macht und die intime, körperliche NĂ€he zu jedem von uns sucht – in jeder heiligen Kommunion. Der Neue Bund ist ein großes Hochzeitsfest voll Freude. Fasten drĂŒckt im Neuen Bund die Sehnsucht nach Gott aus: „Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der BrĂ€utigam genommen sein, dann werden sie fasten.“ Es ist nicht mehr Pflicht, sondern Ausdruck der Liebe! Wann ist Gott fĂŒr mich mehr der Herrliche und Unbegreifliche, und wann ist er fĂŒr mich mehr der zĂ€rtliche BrĂ€utigam? In welchen Zeiten ist er mir genommen?

3. Fasten als Geschenk. Biblisches Fasten meint wirklichen und merkbaren Nahrungsentzug, nicht nur Verzicht auf SĂŒĂŸigkeiten oder Alkohol. Meine Erfahrung mit Fasten ist, dass es mich zentriert und leer macht. Ich habe das GefĂŒhl, dass ich innerlich still werden kann und wieder mehr Platz fĂŒr Jesus in mir ist. Und dass es ein Geschenk ist: Wenn ich fasten möchte, muss ich erst einmal ein paar Tage Gott um die Gnade bitten, es tun zu können. Sonst klappt es gar nicht. Es hilft mir, Jesus wieder zu finden, wenn ich mich in inneren WĂŒstenphasen entfernt habe. Fasten ist ein Geschenk, das Jesus uns aus Liebe machen will, damit unsere Liebe und NĂ€he zu ihm wĂ€chst.

GesprĂ€ch mit Christus: Ich rede mit Jesus ĂŒber das, was mich in diesem Evangelium besonders bewegt hat. Ganz offen und mit eigenen Worten komme ich mit ihm ins GesprĂ€ch und nehme mir dafĂŒr ausreichend Zeit.

Vorsatz: Welchen Vorsatz möchte ich aus Liebe und Sehnsucht nach Gott heute fassen? Ich notiere ihn und betrachte heute Abend oder morgen frĂŒh, ob er mir hilft, geistlich zu wachsen.