Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 14. April 2019 bis Samstag 20. April 2019

Karwoche

Br. Markus Stehmer LC

Siehe, dein K├Ânig kommt zu dirSonntag
Jesus besucht seine FreundeMontag
Herr, halte deine Hand ├╝ber unsDienstag
Jesus wird ÔÇ×verkauftÔÇťMittwoch
Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mirDonnerstag
Jesus nimmt die Last des Kreuzes auf sichFreitag
GrabesruheSamstag


Siehe, dein K├Ânig kommt zu dir

14. April 2019

Karwoche ÔÇô Palmsonntag

Br. Markus Stehmer LC

Lk 19,28-40
In jener Zeit ging Jesus nach Jerusalem hinauf. Als er in die N├Ąhe von Betfage und Betanien kam, an den Berg, der ├ľlberg hei├čt, schickte er zwei seiner J├╝nger voraus und sagte: Geht in das Dorf, das vor uns liegt. Wenn ihr hineinkommt, werdet ihr dort einen jungen Esel angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat. Bindet ihn los, und bringt ihn her! Und wenn euch jemand fragt: Warum bindet ihr ihn los?, dann antwortet: Der Herr braucht ihn. Die beiden machten sich auf den Weg und fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte. Als sie den jungen Esel losbanden, sagten die Leute, denen er geh├Ârte: Warum bindet ihr den Esel los? Sie antworteten: Der Herr braucht ihn. Dann f├╝hrten sie ihn zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Tier und halfen Jesus hinauf. W├Ąhrend er dahinritt, breiteten die J├╝nger ihre Kleider auf der Stra├če aus. Als er an die Stelle kam, wo der Weg vom ├ľlberg hinabf├╝hrt, begannen alle J├╝nger freudig und mit lauter Stimme Gott zu loben wegen all der Wundertaten, die sie erlebt hatten. Sie riefen: Gesegnet sei der K├Ânig, der kommt im Namen des Herrn. Im Himmel Friede und Herrlichkeit in der H├Âhe! Da riefen ihm einige Pharis├Ąer aus der Menge zu: Meister, bring deine J├╝nger zum Schweigen! Er erwiderte: Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr Jesus, es beginnt die heilige Woche. Schenke mir in diesen Tagen der Gnade eine tiefe Begegnung mit dir.

Bitte: Schenke allen Menschen das Licht des Glaubens.

1. Der K├Ânig kommt, aber er wurde nicht erkannt. ÔÇ×Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein K├Ânig kommt zu dir. Gerecht ist er und Rettung wurde ihm zuteil; dem├╝tig ist er und reitet auf einem Esel, ja, auf einem Esel, dem Jungen einer Eselin.ÔÇť (Sach 9,9). Wieder einmal erf├╝llt Jesus eine der Prophezeiungen des Alten Testaments. Jesus ist der Messias, auf den die Juden warteten, wurde aber als solcher nicht anerkannt. Wieso war das so? Trotz der vielen Wunder, trotz seiner Weisheit und Demut wurde er abgelehnt.

2. Gesegnet sei der K├Ânig, der kommt im Namen des Herrn. In dem Moment, in dem Jesus in Jerusalem einzieht, hatten die J├╝nger die Erwartung, dass nun das K├Ânigreich Jesu beginnen w├╝rde. Sie hatten Jesus nicht verstanden. Ihre Ma├čst├Ąbe waren zu menschlich. Jesus kam in der Tat in seine Stadt, aber nicht um ein weltliches K├Ânigreich zu errichten, sondern um uns die Tore zu seinem Reich der Gnade zu ├Âffnen. Jesus erstaunt uns auch heute noch. Er erf├╝llt unsere Hoffnung, aber oft ganz anders, als wir das erwartet hatten.

3. Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien. Es ist so offensichtlich, dass Jesus der Messias ist, aber die Pharis├Ąer wollen es nicht sehen. Selbst die Steine w├╝rden schreien, so offensichtlich ist es. Jesus zwingt uns nicht, an ihn zu glauben. Er erlaubt uns, frei zu sein. Die Pharis├Ąer haben sich frei gegen Jesus entschieden, gegen die Wahrheit.

Gespr├Ąch mit Christus: Herr Jesus, du bist der K├Ânig der Welt. Ich danke dir, dass ich dich kennen und dir dienen darf. Du schenkst mir die Freiheit und die Wahrheit.

M├Âglicher Vorsatz: Ich werde heute Palmzweige am Kreuz anbringen, um mich daran zu erinnern, dass das Kreuz Christi der Baum des Lebens ist.


Jesus besucht seine Freunde

15. April 2019

Montag der Karwoche

Br. Markus Stehmer LC

Joh. 12,1-11
Sechs Tage vor dem Paschafest kam Jesus nach Betanien, wo Lazarus war, den er von den Toten auferweckt hatte. Dort bereiteten sie ihm ein Mahl; Marta bediente, und Lazarus war unter denen, die mit Jesus bei Tisch waren. Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Narden├Âl, salbte Jesus die F├╝├če und trocknete sie mit ihrem Haar. Das Haus wurde vom Duft des ├ľls erf├╝llt. Doch einer von seinen J├╝ngern, Judas Iskariot, der ihn sp├Ąter verriet, sagte: Warum hat man dieses ├ľl nicht f├╝r dreihundert Denare verkauft und den Erl├Âs den Armen gegeben? Das sagte er aber nicht, weil er ein Herz f├╝r die Armen gehabt h├Ątte, sondern weil er ein Dieb war; er hatte n├Ąmlich die Kasse und veruntreute die Eink├╝nfte. Jesus erwiderte: Lass sie, damit sie es f├╝r den Tag meines Begr├Ąbnisses tue. Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer bei euch. Viele Juden hatten erfahren, dass Jesus dort war, und sie kamen, jedoch nicht nur um Jesu willen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte. Die Hohenpriester aber beschlossen, auch Lazarus zu t├Âten, weil viele Juden seinetwegen hingingen und an Jesus glaubten.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr Jesus, wie bei Lazarus, Maria und Marta bist du jederzeit in meinem Haus willkommen. Nicht nur in meinem Haus, sondern auch in meinem Herzen. Erlaube mir, Herr, zu h├Âren, wenn du an meine T├╝re klopfst, und erlaube nicht, dass ich dich vorbeigehen lasse.

Bitte: Schenke mir, Herr, ein offenes Herz f├╝r dich und alle Menschen.

1. Jesus besucht seine Freunde. Es ist ergreifend zu sehen, dass Jesus seine Freunde besucht und mit ihnen ein langes Essen genie├čt. Jesus ist nicht nur ein Meister, der immer nur predigt und lehrt. Freundschaft ist ihm wichtig, gerade auch der menschliche Aspekt daran. Er besucht seine Freunde oft und verbringt Zeit mit ihnen.

2. Eine gro├čz├╝gige Antwort auf Jesu Freundschaft. Ein Pfund Narden├Âl entsprach dem Wert eines Jahreslohns eines einfachen Arbeiters, war also etwas extrem Wertvolles. Diese wundersch├Âne Geste Marias zeigt uns, wie man auf Jesu Freundschaft antworten soll: mit Gro├čz├╝gigkeit, Vertrauen und Liebe.

3. Heuchelei ist ÔÇ×logischÔÇť. Die Reaktion des Judas ist nur allzu menschlich und ÔÇ×logischÔÇť. Wir k├Ânnen sie verstehen. Wie kann man so ein teures Material einfach so verschwenden, um jemandem eine Freude zu machen? Nur, dass es sich hier nicht um irgendjemanden handelt, es handelt sich um Jesus, Gott selbst, der Mensch geworden ist. In Judas zeigt uns Jesus, wie heuchlerisch wir Menschen sind. Unter dem Vorwand des Guten und mit scheinbar edlen Motivationen m├Âchte Judas Gott das Beste vorenthalten. Hier zeigt sich der Kleinglaube des Judas.

Gespr├Ąch mit Christus: Mein Herr und mein Gott, du verdienst das Beste in mir und von mir. Schenke mir die Gnade, gro├čz├╝gig zu sein, denn alles kommt von dir. Du, Herr, gibst alles und nimmst nichts.

M├Âglicher Vorsatz: Heute m├Âchte ich einen Akt der verborgenen N├Ąchstenliebe tun.


Herr, halte deine Hand ├╝ber uns

16. April 2019

Dienstag der Karwoche
Hl. Bernadette Soubirous, Seherin von Lourdes, Ordensschwester

Br. Markus Stehmer LC

Joh 13,21-33.36-38
In jener Zeit, als Jesus mit seinen J├╝ngern bei Tisch war, wurde er im Innersten ersch├╝ttert und bekr├Ąftigte: Amen, amen, das sage ich euch: Einer von euch wird mich verraten. Die J├╝nger blickten sich ratlos an, weil sie nicht wussten, wen er meinte. Einer von den J├╝ngern lag an der Seite Jesu; es war der, den Jesus liebte. Simon Petrus nickte ihm zu, er solle fragen, von wem Jesus spreche. Da lehnte sich dieser zur├╝ck an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist es? Jesus antwortete: Der ist es, dem ich den Bissen Brot, den ich eintauche, geben werde. Dann tauchte er das Brot ein, nahm es und gab es Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, fuhr der Satan in ihn. Jesus sagte zu ihm: Was du tun willst, das tu bald! Aber keiner der Anwesenden verstand, warum er ihm das sagte. Weil Judas die Kasse hatte, meinten einige, Jesus wolle ihm sagen: Kaufe, was wir zum Fest brauchen!, oder Jesus trage ihm auf, den Armen etwas zu geben. Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, ging er sofort hinaus. Es war aber Nacht. Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht. Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen, und er wird ihn bald verherrlichen. Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ihr werdet mich suchen, und was ich den Juden gesagt habe, sage ich jetzt auch euch: Wohin ich gehe, dorthin k├Ânnt ihr nicht gelangen. Simon Petrus sagte zu ihm: Herr, wohin willst du gehen? Jesus antwortete: Wohin ich gehe, dorthin kannst du mir jetzt nicht folgen. Du wirst mir aber sp├Ąter folgen. Petrus sagte zu ihm: Herr, warum kann ich dir jetzt nicht folgen? Mein Leben will ich f├╝r dich hingeben. Jesus entgegnete: Du willst f├╝r mich dein Leben hingeben? Amen, amen, das sage ich dir: Noch bevor der Hahn kr├Ąht, wirst du mich dreimal verleugnen.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr Jesus, so wie du die heilige Bernadette, derer wir heute gedenken, als Zeugin deiner Liebe und Barmherzigkeit berufen hast, so bitte ich dich, schenke uns heilige M├Ąnner und Frauen, die uns helfen, dir n├Ąher zu kommen.

Bitte: Herr, ich bete f├╝r alle kranken und behinderten Menschen, besonders jene, die in Lourdes um Hilfe bitten.

1. Bin ich es, Herr? W├Ąhrend des Essens macht Jesus pl├Âtzlich eine schreckliche Vorhersage und wirft diese Worte in den Raum: ÔÇ×Amen, amen, das sage ich euch: Einer von euch wird mich verratenÔÇť. Die J├╝nger sind verwirrt. Jeder fragt sich, ob er es selber sein wird. Sie sind den anderen gegen├╝ber misstrauisch. Jesus selbst ist ersch├╝ttert. In diesem Moment der Unruhe und des gegenseitigen Misstrauens ergreift Petrus als F├╝hrungspers├Ânlichkeit die Initiative und fragt den J├╝nger, den Jesus liebte, (gemeint ist wahrscheinlich Johannes selbst), wer denn der Verr├Ąter sei. Petrus versucht Ruhe in die Unruhe zu bringen. Jeder zweifelt an sich selber und fragt sich, ob er der Verr├Ąter sein k├Ânnte.

2. Jesus trauert um Judas. Was besonders heraussticht, ist Jesu emotionaler Zustand: ÔÇ×ÔÇŽals Jesus mit seinen J├╝ngern bei Tisch war, wurde er im Innersten ersch├╝ttertÔÇŽÔÇť Judas war immerhin ein Apostel. Einer der engsten Vertrauten Jesu. Wie konnte er zum Verr├Ąter werden? Judas ist frei in seiner Entscheidung. Er lie├č sich verf├╝hren und wurde Jesus abtr├╝nnig. Bemerkenswert ist auch, dass Jesus ihn all die Zeit bis zum Ende im innersten Kreis seiner J├╝nger behalten hatte. Er h├Ątte ihn ja auch schon fr├╝her wegschicken k├Ânnen. Aber Jesus h├Ąlt ihm bis zum letzten Moment immer eine T├╝re offen. Als Judas jedoch den Bissen Brot zu sich nahm, fuhr der Satan in ihn. Und sofort verl├Ąsst Judas Jesus. Hier sieht man, was die S├╝nde tut. Sie entfernt uns von Jesus, der Liebe, der Wahrheit, der Sch├Ânheit. Judas lie├č sich verf├╝hren. Mit Sicherheit bezieht sich der emotionale Zustand Jesu auch auf den Umstand, dass er Judas verloren hatte. Jesus wusste, dass er selbst sterben musste, was ihn aber ersch├╝tterte, war, wie Judas sich selbst verdammte. Jesus trauerte um Judas.

3. Du willst dein Leben f├╝r mich hingeben? Petrus zeigt uns im letzten Abschnitt dieses Evangeliums sein gro├čes Herz, das vor Liebe zu Jesus gl├╝ht. Wieso aber weist Jesus ihn so harsch zur├╝ck und macht die schreckliche Prophezeiung ├╝ber die bevorstehende Verleugnung? Vielleicht m├Âchte Jesus Petrus von seiner Schw├Ąche befreien. Petrus verspricht viel und hat mit Sicherheit auch die besten Absichten, aber am Ende hat er, wie wir wissen, Jesus dann doch verleugnet. Erinnern wir uns an die Worte Jesu: ÔÇ×Niemand kommt zum Vater, au├čer durch mich.ÔÇť Der heilige Philip Neri hat dies in einem sch├Ânen Gebet zusammengefasst: ÔÇ×Herr, halt deine Hand ├╝ber Philip, oder Philip wird dich verraten.ÔÇť

Gespr├Ąch mit Christus: Herr, erlaube mir, in deiner Gnade zu bleiben, deinen Willen in meinem Leben zu erkennen und ihn zu erf├╝llen. Lass nicht zu, dass ich dich jemals verrate.

M├Âglicher Vorsatz: Ich werde heute eine Kerze f├╝r die Bekehrung der Menschen und unsere eigene Bekehrung aufstellen und eine Weile hierf├╝r beten.


Jesus wird ÔÇ×verkauftÔÇť

17. April 2019

Mittwoch der Karwoche

Br. Markus Stehmer LC

Mt 26,14-25
In jener Zeit ging einer der Zw├Âlf namens Judas Iskariot zu den Hohenpriestern und sagte: Was wollt ihr mir geben, wenn ich euch Jesus ausliefere? Und sie zahlten ihm drei├čig Silberst├╝cke. Von da an suchte er nach einer Gelegenheit, ihn auszuliefern. Am ersten Tag des Festes der Unges├Ąuerten Brote gingen die J├╝nger zu Jesus und fragten: Wo sollen wir das Paschamahl f├╝r dich vorbereiten? Er antwortete: Geht in die Stadt zu dem und dem und sagt zu ihm: Der Meister l├Ąsst dir sagen: Meine Zeit ist da; bei dir will ich mit meinen J├╝ngern das Paschamahl feiern. Die J├╝nger taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte, und bereiteten das Paschamahl vor. Als es Abend wurde, begab er sich mit den zw├Âlf J├╝ngern zu Tisch. Und w├Ąhrend sie a├čen, sprach er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern. Da waren sie sehr betroffen, und einer nach dem andern fragte ihn: Bin ich es etwa, Herr? Er antwortete: Der, der die Hand mit mir in die Sch├╝ssel getaucht hat, wird mich verraten. Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift ├╝ber ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. F├╝r ihn w├Ąre es besser, wenn er nie geboren w├Ąre. Da fragte Judas, der ihn verriet: Bin ich es etwa, Rabbi? Jesus sagte zu ihm: Du sagst es.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr Jesus, erlaube mir, diese heilige Woche so zu leben, dass ich dich pers├Ânlich tiefer kennenlernen und in deiner Passion begleiten und tr├Âsten darf.

Bitte: Schenke deiner Kirche in dieser heiligen Woche viele Gnaden und halte deine Hand ├╝ber deinen Diener, unseren Papst Franziskus.

1. F├╝r den Preis eines Sklaven. Judas erhielt drei├čig Silberst├╝cke f├╝r den Verrat an Jesus. Das war der Preis, den man damals f├╝r einen Sklaven zahlen musste. Judas hat f├╝r sich erkannt, dass er aus der Beziehung mit Jesus keinen finanziellen oder sonstigen materiellen Vorteil mehr ziehen kann. Um doch noch etwas Profit aus der gescheiterten Beziehung herauszuschlagen, ÔÇ×verkaufteÔÇť er seinen alten Meister. Im Endeffekt hat er sich selber um seinen gr├Â├čten Schatz beraubt und wird das am Ende mit seinem eigenen Leben bezahlen, das er sich nimmt, weil er nicht glaubt, dass seine S├╝nde vergeben werden kann.

2. Befreiung aus der Sklaverei. Das Paschafest oder Fest der unges├Ąuerten Brote ist das wichtigste j├╝dische Fest. Dabei erinnern sich die Juden an die Befreiung aus der Sklaverei in ├ägypten. Das Mahl bestand aus einem Lamm, das damals im Tempel geopfert und zu Hause verspeist wurde und aus unges├Ąuertem Brot. An den symboltr├Ąchtigen Charakter dieses Opfers aus dem Alten Bund erinnern wir uns jedes Mal bei der heiligen Messe, wenn wir das ÔÇ×Agnus DeiÔÇť beten. Dabei wird deutlich, dass Jesus selbst das Lamm ist, das geopfert wurde, um uns aus der Sklaverei der S├╝nde zu befreien. Vorher musste er sich aber selber zum Sklaven machen und von Judas f├╝r drei├čig Silberst├╝cke verkauft werden.

3. Judas wusste, was er tat. Die harten Worte Jesu in diesem Evangelium ├╝berraschen. Sollte Jesus nicht milde und barmherzig sein? Stattdessen sagt er Judas fast ins Gesicht: ÔÇ×Es w├Ąre besser, wenn du nie geboren worden w├Ąrst.ÔÇť Judas hatte die Erfahrung der Barmherzigkeit und der Liebe Gottes gemacht, aber er lehnt sie dennoch jetzt aus freien St├╝cken ab. Judas m├Âchte diesem Herrn nicht dienen und verr├Ąt ihn. Es scheint, dass er das mit einem eiskalten Herzen tut und nur auf eigenen Profit spekuliert.

Gespr├Ąch mit Christus: Jesus, du hast mich aus der Sklaverei der S├╝nde befreit und mir in der Taufe ein neues Leben geschenkt. Lass nicht zu, dass ich wieder zum Sklaven werde und halte deine Hand ├╝ber mich, damit ich den Schatz, den ich gefunden habe, niemals verliere.

M├Âglicher Vorsatz: Ich werde heute den Engel des Herrn beten und ganz besonders auf die Worte des Schlussgebets achten.


Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir

18. April 2019

Gr├╝ndonnerstag

Br. Markus Stehmer LC

Joh 13,1-15
Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hin├╝berzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung. Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern. Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zur├╝ckkehrte, stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umg├╝rtete sich mit einem Leinentuch. Dann goss er Wasser in eine Sch├╝ssel und begann, den J├╝ngern die F├╝├če zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umg├╝rtet war. Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die F├╝├če waschen? Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch sp├Ąter wirst du es begreifen. Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die F├╝├če waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir. Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine F├╝├če, sondern auch die H├Ąnde und das Haupt. Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die F├╝├če zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle. Er wusste n├Ąmlich, wer ihn verraten w├╝rde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein. Als er ihnen die F├╝├če gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die F├╝├če gewaschen habe, dann m├╝sst auch ihr einander die F├╝├če waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr Jesus, heute hast du uns dich selbst in der Eucharistie geschenkt. Dieses Geheimnis k├Ânnen wir niemals verstehen, nur erahnen. In dem├╝tiger Dankbarkeit beugen wir unser Knie vor dir in den heiligen Gestalten von Brot und Wein.

Bitte: Herr, st├Ąrke meinen eucharistischen Glauben und den Glauben der Kirche an Dich in den eucharistischen Gestalten.

1. Das Ende n├Ąhert sich. Jesus wei├č, dass sein Tod kurz bevorsteht. Jedes Wort, das er nun spricht, hat enorme Bedeutung. Es ist sozusagen sein Testament, das, was er seinen J├╝ngern und uns hinterlassen m├Âchte. Seine letzten Worte und Taten sind so intensiv und reichhaltig, dass sie Stoff f├╝r unz├Ąhlige Stunden des Gebets und der Meditation bieten.

2. Man kann nur K├Ânig sein, wenn man zum Sklaven wird. Indem Jesus seinen J├╝ngern die F├╝├če w├Ąscht, verrichtet er den Dienst eines niederen Hausangestellten oder Sklaven. Petrus hat es anscheinend immer noch nicht verstanden. Vielleicht tr├Ąumt er immer noch von einem weltlichen K├Ânig: Jesus, der jetzt bald die Macht ├╝bernehmen wird. Doch Jesus ist nicht gekommen, um zu herrschen, sondern um zu dienen. Wenn wir diese Szene betrachten, erkennen wir auch unsere Rolle in der Welt. Durch unseren Eintritt in die Kirche werden wir zu einem Teil des mystischen Leibes Jesu und somit auch zu Dienern untereinander und unserer Mitmenschen. Das ist ein Teil unserer Berufung als Christen, den wir nicht vergessen d├╝rfen.

3. Was soll das bringen? Wieso wird Jesus zum Diener? Weil der Vater ihn darum bittet und Jesus ihm gehorsam ist bis zum Tod. Das Dienen bis zur v├Âlligen Selbstent├Ąu├čerung f├Ąllt Jesus nicht leicht, aber er tut es aus Liebe zum Vater und weil ihn das gl├╝cklich macht. Wahres Gl├╝ck erfahren wir, wenn wir zu Dienern unserer N├Ąchsten werden. Die N├Ąchstenliebe ist das Geheimnis zum wahren Gl├╝ck. Es ist oft nicht leicht, und man muss seinen eigenen Stolz, seine Bequemlichkeit und seine Eitelkeit ├╝berwinden, aber es lohnt sich. Wer einmal die Erfahrung von dieser Art von Gl├╝ck gemacht hat, hat schon ein bisschen den Himmel ber├╝hrt. Jesus lehrt uns in diesem Evangelium durch sein praktisches Beispiel, wie man die N├Ąchstenliebe in die Tat umsetzen kann.

Gespr├Ąch mit Christus: Herr Jesus, du bist f├╝r uns zum Diener geworden, um uns zu zeigen, wie wir leben sollen. Herr, schenke mir die Gnade, die Kraft und die Weisheit, Wege zu finden, wie ich diese Berufung zur N├Ąchstenliebe praktisch leben kann.

M├Âglicher Vorsatz: Ich werde einen Akt der N├Ąchstenliebe verrichten.


Jesus nimmt die Last des Kreuzes auf sich

19. April 2019

Karfreitag
Hl. Leo IX., Papst

Br. Markus Stehmer LC

Joh 19,16b-30
Die Hinrichtung JesuSie ├╝bernahmen Jesus. Er trug sein Kreuz und ging hinaus zur so genannten Sch├Ądelh├Âhe, die auf Hebr├Ąisch Golgota hei├čt. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte Jesus. Pilatus lie├č auch ein Schild anfertigen und oben am Kreuz befestigen; die Inschrift lautete: Jesus von Nazaret, der K├Ânig der Juden. Dieses Schild lasen viele Juden, weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag. Die Inschrift war hebr├Ąisch, lateinisch und griechisch abgefasst. Die Hohenpriester der Juden sagten zu Pilatus: Schreib nicht: Der K├Ânig der Juden, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der K├Ânig der Juden. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben. Nachdem die Soldaten Jesus ans Kreuz geschlagen hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, f├╝r jeden Soldaten einen. Sie nahmen auch sein Untergewand, das von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht war. Sie sagten zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es geh├Âren soll. So sollte sich das Schriftwort erf├╝llen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies f├╝hrten die Soldaten aus. Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den J├╝nger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem J├╝nger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der J├╝nger zu sich. Danach, als Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erf├╝llte: Mich d├╝rstet. Ein Gef├Ą├č mit Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm mit Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund. Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr Jesus, du hast f├╝r mich das schwere Kreuz getragen und bist f├╝r meinen S├╝nden gestorben. In tiefer Dankbarkeit m├Âchte ich dich heute auf deinem Leidensweg begleiten, dir ein wenig helfen und dich tr├Âsten.

Bitte: Herr Jesus, schenke mir echte Reue ├╝ber meine S├╝nden.

1. Die Last der Welt. Wie ein normaler Krimineller hat Jesus das Kreuz getragen. Ob es sich dabei um das ganze Kreuz oder nur den Querbalken gehandelt hat, ist erst einmal unwichtig. Es war in jedem Fall ein sehr gro├čes Gewicht, das Jesus tragen musste und ihn immer wieder zu Boden warf. Schlie├člich musste ihm Simon von Zyrene helfen. Die Last dieses Kreuzes symbolisiert vielleicht die Last der S├╝nden, die wir Menschen manchmal mit uns herumtragen. Jesus bietet uns an, diese Last auf seinem R├╝cken abzulegen, um uns vor Gott wieder frei und ungezwungen bewegen zu k├Ânnen.

2. Der neue Adam. Bestimmte Traditionen identifizieren den H├╝gel Golgota mit dem Grab des Adam. Au├čerdem soll Gott auch Abraham auf diesen Berg gef├╝hrt haben, damit er hier seinen Sohn Isaak opfert. Und jetzt wird Jesus hier gekreuzigt. Dabei steht Adam f├╝r den gefallenen Menschen, der die Gnade Gottes verloren hat. Jesus heilt, was verwundet wurde, und ├Âffnet den Menschen wieder eine T├╝r ins Paradies. Oft wird dabei das Kreuz als Baum des Lebens interpretiert.

3. Wahrer Gott und wahrer Mensch. Kurz bevor Jesus stirbt, ruft er noch zweimal aus. Zun├Ąchst dr├╝ckt er eine menschliche Not aus (Durst) und erf├╝llt damit die Schrift (Ps 69,22: ÔÇ×Sie gaben mir Gift als Speise, f├╝r den Durst gaben sie mir Essig zu trinken.ÔÇť) Jesus war und ist wahrer Gott und wahrer Mensch: Er sp├╝rte den Durst, die Schmerzen, die Atemnot und gleichzeitig wurde diese seine Not, die er als Mensch erdulden musste, in der Schrift vorhergesagt. In ihm hatten sich alle Verhei├čungen der Schrift erf├╝llt. Das war wohl auch der Grund seines letzten Wortes: ÔÇ×Es ist vollbracht.ÔÇť Jesus hatte die Prophezeiung der Schrift erf├╝llt, war dem Willen seines Vaters gehorsam, und das bis zum Tod. In diesem Moment hat die Geschichte der Welt und der Menschheit ihren zentralen Sitz. Der Bund zwischen Gott und den Menschen ist wiederhergestellt worden.

Gespr├Ąch mit Christus: Herr Jesus, du warst treu bis in den Tod. Schenke mir und den mir anvertrauten Menschen eine gute Sterbestunde und die Gnade der Treue bis zum letzten Moment.

M├Âglicher Vorsatz: Ich werde heute den Kreuzweg beten.


Grabesruhe

20. April 2019

Karsamstag

Br. Markus Stehmer LC


Der Karsamstag, der Tag der Grabesruhe, ist ein stiller Tag ohne liturgische Feier. Es werden nur die Tagzeiten gebetet.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr, deinen toten Leib betrachtend m├Âchte ich so beten: Ist denn die Welt ganz gest├Ârt und voll Wahnsinn? Du, Herr, bist gegangen und ohne dich sind wir alle dem Untergang geweiht. Was haben wir Menschen dir angetan, was habe ich dir angetan? Herr, hab Erbarmen mit mir und sei mir gn├Ądig!

Bitte: Herr, schenke mir Reue und Schmerz ├╝ber meine S├╝nden, damit ich wahrhaft sch├Ątzen kann, was du f├╝r mich getan hast.

1. O Haupt voll Blut und Wunden (Strophe 4). Was du, Herr, hast erduldet, ist alles meine Last; ich hab es selbst verschuldet, was du getragen hast. Schau her, hier steh ich Armer, der Zorn verdienet hat. Gib mir, o mein Erbarmer, den Anblick deiner Gnad.

2. O Haupt voll Blut und Wunden (Strophe 6). Ich danke dir von Herzen, o Jesu, liebster Freund, f├╝r deines Todes Schmerzen, da duÔÇÖs so gut gemeint. Ach gib, dass ich mich halte zu dir und deiner Treu und, wenn ich nun erkalte, in dir mein Ende sei.

3. O Haupt voll Blut und Wunden (Strophe 7). Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir, wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herf├╝r; wenn mir am allerb├Ąngsten wird um das Herze sein, so rei├č mich aus den ├ängsten kraft deiner Angst und Pein.

Gespr├Ąch mit Christus: Jesus, ich danke dir, denn du nimmst mir die Angst vor dem Tod. Bei dir bin ich sicher, denn ich geh├Âre dir, und wer dir geh├Ârt, geht niemals verloren.

M├Âglicher Vorsatz: Ich mache einen Besuch auf dem Friedhof und bete f├╝r die Verstorbenen.