Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 9. April 2017 bis 15. April 2017

Karwoche

P. Benoît Terrenoir LC

ärz
Der Triumphzug JesuSonntag
Die Salbung in BetanienMontag
Hinein in den AbendmahlssaalDienstag
Der Verrat des JudasMittwoch
Das größte Zeichen der LiebeDonnerstag
Zu Füßen des KreuzesFreitag
Die ErwartungSamstag


Der Triumphzug Jesu

9. April 2017

Palmsonntag

Br. Benoît Terrenoir LC

Mt 21, 1-11
Als sich Jesus mit seinen Begleitern Jerusalem näherte und nach Betfage am Ölberg kam, schickte er zwei Jünger voraus und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los, und bringt sie zu mir! Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen. Das ist geschehen, damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist friedfertig, und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers. Die Jünger gingen und taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte. Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie, und er setzte sich darauf. Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf der Straße aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe! Als er in Jerusalem einzog, geriet die ganze Stadt in Aufregung, und man fragte: Wer ist das? Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa.

Einführendes Gebet: Herr, heute fängt die Woche an, die Dreh- und Angelpunkt des Jahres ist. Vielleicht wird diese Karwoche an meinem Leben nichts ändern. Oder vielleicht doch? Herr, hilf mir, gut aufzupassen, um die Gnaden dieser heiligen Tage nicht ungenutzt vorbeiziehen zu lassen! Lass mich reiche Früchte bringen!

Bitte: Herr, lass mich dich so eng wie möglich begleiten!

1. Die Erwartungen der Jünger. Am Anfang verstehen die Jünger vielleicht nicht, warum Jesus um eine Eselin und ihr Fohlen bittet. Aber als die Gefährten oben auf dem Ölberg ankommen und auf einmal vom Glanz des gegenüberliegenden Tempels geblendet werden, als sie den Jubel der Menschenmengen und die erhobenen Palmzweige sehen, fängt ihr Herz wie wild zu schlagen an. Vielleicht würde Petrus sogar gern nach vorne laufen und „Macht Platz für den Sohn Davids!“ rufen. Aber es ist gar nicht nötig. Die Menschen selbst, die von Lazarus und all den anderen Wundern gehört haben, heißen Jesus in triumphaler Weise willkommen. Die alte Prophezeiung ist endlich erfüllt: „Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Sieh, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin. [...] seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer und vom Eufrat bis an die Enden der Erde“ (Sach 9,9-10).

2. Die Gedanken Jesu. Was denkst du, Herr, mitten in diesem Jubel? Vielleicht erinnerst du dich an die Prophezeiungen über den Messias, die gerade erfüllt werden. Jetzt bekennst du offen und klar, dass du der Messias bist, denn du weißt, dass deine Stunde gekommen ist. Der wahre Triumphzug ist ganz nah, aber er führt zum Kreuz hin. Du siehst: Die grünen Zweige tragen die Hände, die dich bald verprügeln werden, und der Jubel wird bald in Geschrei und Hass umschlagen; du weißt, hinter dem Stadttor liegt der Eingang zum Grab. Und während du die fröhlichen „Hosanna“-Rufe hörst, denkst du wohl an die ursprüngliche Bedeutung dieses Wortes: „Gib das Heil“. Aber wem? „dem Sohn Davids“. „Ja, Vater, gib mir das Heil! Und du wirst sagen: Wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber...“ So tief ist deine Seele betrübt, Herr!

3. Was soll ich tun? Nachdem der Herr sich innerhalb der Mauern befindet, gerät die ganze Stadt in Aufregung. Jesus bleibt nicht unbemerkt, weder damals noch heute, 2017. Auf alle, die ihm irgendwie begegnen, wirkt Christus faszinierend. Ich muss mich ihm einfach auf den Weg stellen und von ihm ansprechen lassen. Aber nicht nur das, ich muss ihn auch begleiten. Jeden Morgen tritt die Kirche durch den Psalm des Invitatoriums wie durch ein Tor in den neuen Tag ein. Am Anfang dieser Karwoche will auch ich den Palmsonntag wie eine Türe benutzen und durch ihn in diese heiligen Tage eintreten. Am besten begleite ich Jesus aus nächster Nähe, so nah wie möglich. Ich werde nicht von seiner Seite weichen! Ich will mit ihm ins Pascha-Mysterium eintreten.

Gespräch mit Christus: Herr, hilf mir, in dieser Karwoche deine enorme Liebe zu mir mehr und mehr zu erfahren. Als du in Jerusalem in triumphaler Weise eingezogen bist, hast du nicht aufgehört, an mich zu denken. Hilf mir, stets an dich zu denken!

Möglicher Vorsatz: Heute werde ich den gesegneten Palmzweig nach Hause bringen und hinter das Wandkreuz stecken, und jedes Mal wenn ich einen Blick darauf werfe, werde ich daran denken, Jesus in seiner Karwoche zu begleiten.


Die Salbung in Betanien

10. April 2017

Montag in der Karwoche
Hl. Engelbert OSB, Abt
Magdalena Gabriela von Canossa FDC

Br. Benoît Terrenoir LC

Joh 12,1-11
Sechs Tage vor dem Paschafest kam Jesus nach Betanien, wo Lazarus war, den er von den Toten auferweckt hatte. Dort bereiteten sie ihm ein Mahl; Marta bediente, und Lazarus war unter denen, die mit Jesus bei Tisch waren. Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihrem Haar. Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt. Doch einer von seinen Jüngern, Judas Iskariot, der ihn später verriet, sagte: Warum hat man dieses Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben? Das sagte er aber nicht, weil er ein Herz für die Armen gehabt hätte, sondern weil er ein Dieb war; er hatte nämlich die Kasse und veruntreute die Einkünfte. Jesus erwiderte: Lass sie, damit sie es für den Tag meines Begräbnisses tue. Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer bei euch. Viele Juden hatten erfahren, dass Jesus dort war, und sie kamen, jedoch nicht nur um Jesu willen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte. Die Hohenpriester aber beschlossen, auch Lazarus zu töten, weil viele Juden seinetwegen hingingen und an Jesus glaubten.

Einführendes Gebet: Herr, ich möchte an deinen letzten Tagen vor deinem Leiden teilnehmen. Hilf mir, deine Gefühle besser zu verstehen und dir enger nachzufolgen! Lass nicht zu, dass ich dich jemals verlasse!

Bitte: Herr, lass meine Liebe wie einen angenehmen Duft zu dir aufsteigen!

1. Die Gastfreundschaft zu Betanien. Betanien liegt nur 2,5 km von Jerusalem entfernt. Dort wohnen Maria, Martha und Lazarus. Sie sind eng mit Jesus befreundet. In diesen Tagen des Paschafests, in denen Jerusalem voller Pilger und das Herz Jesu voller Sorge ist, begibt sich der Herr mit seinen Jüngern gern nach Betanien, um dort die Ruhe und die Gastfreundschaft der drei Geschwister zu genießen. Herr, in dieser Karwoche, in der du so viel leidest, will ich dich bei mir willkommen heißen. Lass mich Zeit zum Gebet und zum Besuch der heiligen Messe finden, um dir Gastfreundschaft zu gewähren!

2. Die reinste Verschwendung. Aber diesmal läuft das Essen nicht wie üblich ab. Wahrscheinlich war den Jüngern die Szene mit der Salbung ein bisschen peinlich. Es war eine Menge Nardenöl! Judas, der sich damit auskannte, schätzte es auf 300 Denare, also 300 Tagelöhne. Das entspricht fast einem Jahr Arbeit, das in weniger als einer Minute verloren geht! Niemals sollte man so eine Verschwendung zulassen! Aber es sieht so aus, als nähme Jesus diese Geste gerne an. Und außerdem, warum spricht der Herr mit besonderem Nachdruck von seinem Tod? Wäre es nicht passender, wenn er von seinem triumphalen Einzug in Jerusalem erzählen würde? Vielleicht spüre ich auch dieses peinliche Gefühl wie die Jünger. In diesem Fall hätte ich wohl etwas Wichtiges übersehen...

3. Der feine Duft der Liebe. Warum handelt Maria so ungewöhnlich? Vielleicht hat sie das verstanden, was die Apostel und ich noch nicht begriffen haben. Und zwar, dass der Herr um meinetwillen am Kreuz sterben will. Sie weiß intuitiv, dass Christus kurz davor steht, ihr und allen Menschen seine unendliche Liebe zu zeigen. Angesichts einer solchen Liebe muss sie unbedingt etwas tun. Und so verbreitet sich der süße Duft ihres Nardenöls im ganzen Haus. Herr, lass meine Liebe wie Weihrauchduft zu dir emporsteigen!

Gespräch mit Christus: Herr, was fühle ich, wenn du von deinem Tod sprichst? Bin ich gleichgültig? Empört? Oder verstehe ich, dass du mir deine Liebe zeigen willst? Herr, hilf mir, deiner Liebe zu entsprechen!

Möglicher Vorsatz: Heute werde ich mich dem Herrn für längere Zeit als üblich widmen, um ihm meine Liebe ganz einfach zum Ausdruck zu bringen.


Hinein in den Abendmahlssaal

11. April 2017

Dienstag in der Karwoche
Hl. Stanislaus von Krakau, Bischof
Gemma Galgani, Mystikerin

Br. Benoît Terrenoir LC

Joh 13,21-33.36-38
In jener Zeit, als Jesus mit seinen Jüngern bei Tisch war, wurde er im Innersten erschüttert und bekräftigte: Amen, amen, das sage ich euch: Einer von euch wird mich verraten. Die Jünger blickten sich ratlos an, weil sie nicht wussten, wen er meinte. Einer von den Jüngern lag an der Seite Jesu; es war der, den Jesus liebte. Simon Petrus nickte ihm zu, er solle fragen, von wem Jesus spreche. Da lehnte sich dieser zurück an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist es? Jesus antwortete: Der ist es, dem ich den Bissen Brot, den ich eintauche, geben werde. Dann tauchte er das Brot ein, nahm es und gab es Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, fuhr der Satan in ihn. Jesus sagte zu ihm: Was du tun willst, das tu bald! Aber keiner der Anwesenden verstand, warum er ihm das sagte. Weil Judas die Kasse hatte, meinten einige, Jesus wolle ihm sagen: Kaufe, was wir zum Fest brauchen!, oder Jesus trage ihm auf, den Armen etwas zu geben. Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, ging er sofort hinaus. Es war aber Nacht. Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht. Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen, und er wird ihn bald verherrlichen. Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ihr werdet mich suchen, und was ich den Juden gesagt habe, sage ich jetzt auch euch: Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht gelangen. Simon Petrus sagte zu ihm: Herr, wohin willst du gehen? Jesus antwortete: Wohin ich gehe, dorthin kannst du mir jetzt nicht folgen. Du wirst mir aber später folgen. Petrus sagte zu ihm: Herr, warum kann ich dir jetzt nicht folgen? Mein Leben will ich für dich hingeben. Jesus entgegnete: Du willst für mich dein Leben hingeben? Amen, amen, das sage ich dir: Noch bevor der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.

Einführendes Gebet: Herr Jesus Christus, heute will ich mit dir in den Abendmahlssaal eintreten, meinen Kopf an deine Brust legen und die Gefühle deines Herzens aufmerksam wahrnehmen. Lass mich spüren, mit welch glühender Sehnsucht du mich retten willst! Lass mich deine Angst vor dem Tod und deine Liebe zu deinen Jüngern erfahren! Lass mich dich begleiten!

Bitte: Herr, in dieser Stunde deines inneren Leidens, lass mich dich trösten!

1. An der Brust Jesu. Diese Stelle des Evangeliums führt uns direkt in den Abendmahlssaal hinein, wo Jesus und seine Jünger das Paschamahl beginnen. Die Sonne ist kaum untergegangen und man hört noch etwas den Lärm der vielen Pilger, welche die Heilige Stadt füllen. Aber drinnen sieht es ruhiger aus. Die schummrigen Tonlampen erleuchten das gebratene Lamm und die Bitterkräuter. Um den Tisch liegen Jesus und die Zwölf auf speziellen Speisesofas, den griechisch-römischen Sitten entsprechend, so dass der Kopf des Johannes ganz nah am Herzen des Herrn zu liegen kommt. Als Jüngster unter den Aposteln muss er die zum Pascha-Ritus gehörende Frage stellen: „Warum ist diese Nacht anders als alle anderen?“ In seiner unmittelbaren Nähe spürte er aber schon, dass das Herz Jesu noch tiefer erschüttert war, als es seine Stimme offenbarte. Johannes spürt, dass die Stunde gekommen ist.

2. Die Stunde der Verherrlichung. Nachdem Judas die Tür hinter sich geschlossen hat und verschwunden ist, weiß Jesus, dass sein Leidensweg beginnt. Warum spricht er dann unverzüglich von der Verherrlichung, die er vom Vater empfangen wird? Und worin besteht diese Verherrlichung? Sie besteht nicht aus Gerüchten, die sich um seine Person ranken, wie es bei den Großen der Geschichte oft der Fall ist. Nein, die Verherrlichung Gottes beginnt von innen her, denn sie hat ihren Ursprung in der gegenseitigen Liebe zwischen Vater und Sohn. Christus verherrlicht den Vater, indem er als Sohn handelt. Und wie könnte er diese kindliche und vertrauensvolle Liebe besser zeigen, als indem er sich dem Vater bis zum Tod am Kreuz hingibt?

3. Die Schwäche des Petrus. Auch Petrus spürt, dass Jesus bald leiden wird. Er vermutet, dass ein Abschied bevorsteht, der eine schmerzhafte Trennung mit sich bringt. So schreibt Pater Augustin Guillerand:„Trotz seiner Schwäche liebt der heilige Petrus den Herrn aufrichtig. Er kann eine Trennung nicht ertragen, er akzeptiert sie nicht. Das ist dem Herzen Jesu ein süßer Trost, der ihn über alles erquickt. Die Schwäche des Apostels ist ihm gleich, ihr Ursprung liegt nicht im Willen; die Liebe aber liegt im Willen [...] Petrus gibt ihm derzeit sein zerbrechliches, unvollendetes Wesen; aber er gibt ihm alles, was er hat. Wenn er einmal mehr haben wird, dann wird er dieses Mehr auch geben. Er wird mehr haben, sobald Gott ihm das gewährt.“

Gespräch mit Christus: Herr, warum ist diese Nacht anders als alle anderen? Warum unterwirfst du dich aus freiem Willen dem Leiden? Warum der Verrat und der Tod? Herr, auch wenn ich nicht alles verstehe, hilf mir, deine Liebe zu erfahren. Schau nicht auf meine Schwäche, und lass mich mit Petrus sagen: „Mein Leben will ich für dich hingeben“!

Möglicher Vorsatz: Heute werde ich die schmerzhaften Geheimnisse des Rosenkranzes beten, um Jesus bei seinem Leiden zu begleiten.


Der Verrat des Judas

12. April 2017

Mittwoch in der Karwoche
Hl. Julius I. Papst
Hl. Herta, Märtyrerin
Hl. Zeno, Bischof

Br. Benoît Terrenoir LC

Mt 26,14-25
In jener Zeit ging einer der Zwölf namens Judas Iskariot zu den Hohenpriestern und sagte: Was wollt ihr mir geben, wenn ich euch Jesus ausliefere? Und sie zahlten ihm dreißig Silberstücke. Von da an suchte er nach einer Gelegenheit, ihn auszuliefern. Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote gingen die Jünger zu Jesus und fragten: Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten? Er antwortete: Geht in die Stadt zu dem und dem und sagt zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist da; bei dir will ich mit meinen Jüngern das Paschamahl feiern. Die Jünger taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte, und bereiteten das Paschamahl vor. Als es Abend wurde, begab er sich mit den zwölf Jüngern zu Tisch. Und während sie aßen, sprach er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern. Da waren sie sehr betroffen, und einer nach dem andern fragte ihn: Bin ich es etwa, Herr? Er antwortete: Der, der die Hand mit mir in die Schüssel getaucht hat, wird mich verraten. Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre. Da fragte Judas, der ihn verriet: Bin ich es etwa, Rabbi? Jesus sagte zu ihm: Du sagst es.

Einführendes Gebet: Herr Jesus, die Stunde deines Leidens und Sterbens kommt schon sehr bald. Lass mich heute spüren, wie traurig und enttäuscht du über den Verrat des Judas bist!

Bitte: Herr, lass nicht zu, dass ich mich je von dir trenne!

1. Der Verrat eines Freundes. Judas ist einer von den Zwölf. Er hat die Liebe Christi persönlich erfahren, und zwar noch mehr als der reiche Jüngling, dem Jesus liebevoll gesagt hatte: „Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!“ (Mk 10,21) Es ist Judas gelungen, drei Jahre lang dem Herrn nachzufolgen. Im Gegenzug hat ihm Jesus so viel Vertrauen geschenkt. Und jetzt... verkauft er den Herrn für dreißig Silbermünzen. Der Psalm lautet: „Auch mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot aß, hat gegen mich geprahlt“ (Ps 41, 10). Ich bin dein Freund, Herr. Aber ich bin auch Judas, wenn ich deine glühende Liebe stets erfahren habe und dich trotzdem immer wieder durch meine Sünden verrate.

2. Der Fall in die Sünde. Am Anfang des Paschamahls lässt Jesus ohne vorherige Ankündigung eine Bombe platzen: „Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern.“ Die Jünger schauen sich schweigend und erschüttert an, dann beginnen sie, an sich selbst zu zweifeln: „Bin ich es etwa, Herr?“ Aber Judas nützt die Gelegenheit nicht, um seine Schuld zu bereuen. Im Gegenteil, er verstrickt sich tiefer in die Sünde. So beschreibt ihn der heilige Hieronymus: „Während alle Apostel traurig werden und keinen Gedanken ans Essen hegen, taucht Judas die Hand in die Schüssel, um durch eine kühne Lüge ein reines Gewissen vorzutäuschen. [...] Wie die Anderen sagt er: „Bin ich es etwa?“, um in der Masse unterzutauchen.“ Herr, rette mich vor jeder Heuchelei!

3. Die letzte Chance. Das Verhalten Jesu kann verwirren. Er hätte Judas ganz offen als Verräter bloßstellen können. Im Gegenteil sorgt er aber dafür, dass niemand Judas verdächtigt. Er gibt zwar einen Hinweis, aber so diskret, dass keiner der Apostel außer dem Täter ihn versteht. Jesus verurteilt ihn auch nicht, verflucht ihn nicht, sondern bemitleidet ihn. Er will ihm stets eine letzte Chance geben. Selbst im Moment der Verhaftung in Getsemani wird ihn Jesus noch als „Freund“ ansprechen, und damit einen letzten Appell an ihn richten. Herr, du lässt niemanden im Stich. Du suchst das verlorene Schaf, solange es noch die geringste Spur Hoffnung gibt. Herr, lass mich deinen Appell immer vernehmen, wenn du ihn an mich richtest. Lass nicht zu, dass ich die Chance verpasse, die du mir mit jedem Moment anbietest!

Gespräch mit Christus: Herr, danke, dass du mich so geschützt und geliebt hast! Danke, dass du mir immer wieder eine Chance gibst, um meine Untreue zu bereuen und zu dir zu zurückzukommen!

Möglicher Vorsatz: Heute werde ich Christus ein kleines Opfer darbringen, um ihn bei seinem Leiden zu begleiten.


Das größte Zeichen der Liebe

13. April 2017

Gründonnerstag
Hl. Martin I. Papst
Ida von Löwen, Mystikerin

Br. Benoît Terrenoir LC

Joh 13,1-15
Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung. Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern. Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte, stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch. Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war. Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen? Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen. Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir. Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt. Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle. Er wusste nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein. Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

Einführendes Gebet: Herr, heute Abend will ich dich besonders begleiten, da du uns deinen Leib und dein Blut anvertraust, und deinen Leidensweg in Getsemani beginnst. Auch wenn ich nicht weiß, was ich dir sagen soll, möchte ich einfach bei dir sein. Lass nicht zu, dass ich dich im Stich lasse!

Bitte: Herr, lass mich deine Liebe annehmen!

1. Die Liebe zu den Seinen.  Der Anfang dieser Stelle des Evangeliums klingt besonders feierlich. Der ewige Sohn Gottes steht kurz davor, den Menschen die atemberaubende Liebe des Vaters mehr denn je zu offenbaren. Jetzt kommt die wichtigste Stunde der Menschheitsgeschichte. Aber es ist auch die wichtigste Stunde meines eigenen Lebens. Denn Christus denkt nicht nur an die anwesenden Zwölf, sondern an all „die Seinen, die in der Welt [sind]“. Ich gehöre dazu. Bin ich mir bewusst, dass Jesus mich mehr liebt, als ich mich selber liebe?

2. Das Startsignal für die Erlösung. Der Herr hätte den Jüngern einfach sagen können, er würde in den nächsten 24 Stunden verhaftet, verurteilt und gekreuzigt. Aber stattdessen nimmt er ein Tuch und eine Schüssel Wasser, und fängt an, ihnen die Füße zu waschen. Die Fußwaschung ist ja eine Geste der Demut und ein Beispiel an Nächstenliebe. Würde ihr aber nicht das Leiden und der Tod Christi folgen, wäre sie nur eine fromme Komödie. Vielleicht erinnern ihn die nassen Hände an das Blut, das er bald bis zum letzten Tropfen vergießen wird, um die Sünde von uns abzuwaschen. Vielleicht erinnert ihn das Tuch an die Tränen aller Menschen, die er auf ewig abwischen wird. Die Fußwaschung ist das Startsignal für das Leiden Jesu. „Ja, ich komme, um deinen Willen zu tun“ (Heb 10,9).

3. Mein demütiges „Ja“. Petrus widersetzt sich der Fußwaschung. Und ich, was würde ich tun? Könnte ich es ertragen, dass mein Herr sich vor mir niederkniet? Nein, das kann doch nicht sein! Aber die Ursache für eine solche Weigerung wäre der Hochmut. Weil ich nicht bereit bin, meine Werteskala zu verändern. Ich bin nicht bereit, an Christus Anteil zu haben. Hätte ich doch die Demut, mich vom ihm lieben zu lassen, so wie sich ein kleines Kind von seiner Mutter lieben lässt, dann würde ich Anteil an der Erlösung erhalten. In diesen entscheidenden Tagen der Geschichte stehen die Türen zum Himmel weit offen. Christus kniet vor meiner Freiheit nieder. Es hängt nur von mir ab, ob ich seine Liebe annehme und mit ihm eintrete.

Gespräch mit Christus: Herr, heute Abend zeigst du mir, dass du mich bis zur Vollendung liebst. Ich bitte dich, nimm mir meinen Hochmut, der es mir nicht erlaubt, mich von dir lieben zu lassen! Lass mich an dir und am seligen Leben Anteil haben!

Möglicher Vorsatz: Heute Nacht werde ich Jesus eine Zeitlang in einer Gebetswache begleiten („Nicht einmal eine Stunde konntet ihr mit mir wachen?“).


Zu Füßen des Kreuzes

14. April 2017

Karfreitag

Br. Benoît Terrenoir LC

Joh 18,1-19,42
Die Verhaftung

Jesus ging mit seinen Jüngern hinaus, auf die andere Seite des Baches Kidron. Dort war ein Garten; in den ging er mit seinen Jüngern hinein. Auch Judas, der Verräter, der ihn auslieferte, kannte den Ort, weil Jesus dort oft mit seinen Jüngern zusammengekommen war. Judas holte die Soldaten und die Gerichtsdiener der Hohenpriester und der Pharisäer, und sie kamen dorthin mit Fackeln, Laternen und Waffen. Jesus, der alles wusste, was mit ihm geschehen sollte, ging hinaus und fragte sie: Wen sucht ihr? Sie antworteten ihm: Jesus von Nazaret. Er sagte zu ihnen: Ich bin es. Auch Judas, der Verräter, stand bei ihnen. Als er zu ihnen sagte: Ich bin es!, wichen sie zurück und stürzten zu Boden. Er fragte sie noch einmal: Wen sucht ihr? Sie sagten: Jesus von Nazaret. Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, dass ich es bin. Wenn ihr mich sucht, dann lasst diese gehen! So sollte sich das Wort erfüllen, das er gesagt hatte: Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast. Simon Petrus aber, der ein Schwert bei sich hatte, zog es, schlug nach dem Diener des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab; der Diener hieß Malchus. Da sagte Jesus zu Petrus: Steck das Schwert in die Scheide! Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat soll ich ihn nicht trinken?

Das Verhör vor Hannas und die Verleugnung durch Petrus

Die Soldaten, ihre Befehlshaber und die Gerichtsdiener der Juden nahmen Jesus fest, fesselten ihn und führten ihn zuerst zu Hannas; er war nämlich der Schwiegervater des Kajaphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war. Kajaphas aber war es, der den Juden den Rat gegeben hatte: Es ist besser, dass ein einziger Mensch für das Volk stirbt. Simon Petrus und ein anderer Jünger folgten Jesus. Dieser Jünger war mit dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesus in den Hof des hohepriesterlichen Palastes. Petrus aber blieb draußen am Tor stehen. Da kam der andere Jünger, der Bekannte des Hohenpriesters, heraus; er sprach mit der Pförtnerin und führte Petrus hinein. Da sagte die Pförtnerin zu Petrus: Bist du nicht auch einer von den Jüngern dieses Menschen? Er antwortete: Nein. Die Diener und die Knechte hatten sich ein Kohlenfeuer angezündet und standen dabei, um sich zu wärmen; denn es war kalt. Auch Petrus stand bei ihnen und wärmte sich. Der Hohepriester befragte Jesus über seine Jünger und über seine Lehre. Jesus antwortete ihm: Ich habe offen vor aller Welt gesprochen. Ich habe immer in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen. Nichts habe ich im Geheimen gesprochen. Warum fragst du mich? Frag doch die, die mich gehört haben, was ich zu ihnen gesagt habe; sie wissen, was ich geredet habe. Auf diese Antwort hin schlug einer von den Knechten, der dabeistand, Jesus ins Gesicht und sagte: Redest du so mit dem Hohenpriester? Jesus entgegnete ihm: Wenn es nicht recht war, was ich gesagt habe, dann weise es nach; wenn es aber recht war, warum schlägst du mich? Danach schickte ihn Hannas gefesselt zum Hohenpriester Kajaphas. Simon Petrus aber stand am Feuer und wärmte sich. Sie sagten zu ihm: Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern? Er leugnete und sagte: Nein. Einer von den Dienern des Hohenpriesters, ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, sagte: Habe ich dich nicht im Garten bei ihm gesehen? Wieder leugnete Petrus, und gleich darauf krähte ein Hahn.

Das Verhör und die Verurteilung durch Pilatus.

Von Kajaphas brachten sie Jesus zum Prätorium; es war früh am Morgen. Sie selbst gingen nicht in das Gebäude hinein, um nicht unrein zu werden, sondern das Paschalamm essen zu können. Deshalb kam Pilatus zu ihnen heraus und fragte: Welche Anklage erhebt ihr gegen diesen Menschen? Sie antworteten ihm: Wenn er kein Übeltäter wäre, hätten wir ihn dir nicht ausgeliefert. Pilatus sagte zu ihnen: Nehmt ihr ihn doch, und richtet ihn nach eurem Gesetz! Die Juden antworteten ihm: Uns ist es nicht gestattet, jemand hinzurichten. So sollte sich das Wort Jesu erfüllen, mit dem er angedeutet hatte, auf welche Weise er sterben werde. Pilatus ging wieder in das Prätorium hinein, ließ Jesus rufen und fragte ihn: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere über mich gesagt? Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier. Pilatus sagte zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme. Pilatus sagte zu ihm: Was ist Wahrheit? Nachdem er das gesagt hatte, ging er wieder zu den Juden hinaus und sagte zu ihnen: Ich finde keinen Grund, ihn zu verurteilen. Ihr seid gewohnt, dass ich euch am Paschafest einen Gefangenen freilasse. Wollt ihr also, dass ich euch den König der Juden freilassen. Da schrien sie wieder: Nicht diesen, sondern Barabbas! Barabbas aber war ein Straßenräuber. Darauf ließ Pilatus Jesus geißeln. Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und legten ihm einen purpurroten Mantel um. Sie stellten sich vor ihn hin und sagten: Heil dir, König der Juden! Und sie schlugen ihm ins Gesicht. Pilatus ging wieder hinaus und sagte zu ihnen: Seht, ich bringe ihn zu euch heraus; ihr sollt wissen, dass ich keinen Grund finde, ihn zu verurteilen. Jesus kam heraus; er trug die Dornenkrone und den purpurroten Mantel. Pilatus sagte zu ihnen: Seht, da ist der Mensch! Als die Hohenpriester und ihre Diener ihn sahen, schrien sie: Ans Kreuz mit ihm, ans Kreuz mit ihm! Pilatus sagte zu ihnen: Nehmt ihr ihn, und kreuzigt ihn! Denn ich finde keinen Grund, ihn zu verurteilen. Die Juden entgegneten ihm: Wir haben ein Gesetz, und nach diesem Gesetz muss er sterben, weil er sich als Sohn Gottes ausgegeben hat. Als Pilatus das hörte, wurde er noch ängstlicher. Er ging wieder in das Prätorium hinein und fragte Jesus: Woher stammst du? Jesus aber gab ihm keine Antwort. Da sagte Pilatus zu ihm: Du sprichst nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich freizulassen, und Macht, dich zu kreuzigen? Jesus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn es dir nicht von oben gegeben wäre; darum liegt größere Schuld bei dem, der mich dir ausgeliefert hat. Daraufhin wollte Pilatus ihn freilassen, aber die Juden schrien: Wenn du ihn freilässt, bist du kein Freund des Kaisers; jeder, der sich als König ausgibt, lehnt sich gegen den Kaiser auf. Auf diese Worte hin ließ Pilatus Jesus herausführen, und er setzte sich auf den Richterstuhl an dem Platz, der Lithostrotos, auf hebräisch Gabbata, heißt. Es war am Rüsttag des Paschafestes, ungefähr um die sechste Stunde. Pilatus sagte zu den Juden: Da ist euer König! Sie aber schrien: Weg mit ihm, kreuzige ihn! Pilatus aber sagte zu ihnen: Euren König soll ich kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. Da lieferte er ihnen Jesus aus, damit er gekreuzigt würde.

Die Hinrichtung Jesu

Sie übernahmen Jesus. Er trug sein Kreuz und ging hinaus zur so genannten Schädelhöhe, die auf hebräisch Golgota heißt. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte Jesus. Pilatus ließ auch ein Schild anfertigen und oben am Kreuz befestigen; die Inschrift lautete: Jesus von Nazaret, der König der Juden. Dieses Schild lasen viele Juden, weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag. Die Inschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefasst. Die Hohenpriester der Juden sagten zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben. Nachdem die Soldaten Jesus ans Kreuz geschlagen hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen. Sie nahmen auch sein Untergewand, das von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht war. Sie sagten zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies führten die Soldaten aus. Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. Danach, als Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: Mich dürstet. Ein Gefäß mit Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm mit Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund. Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf.

Die Bestattung des Leichnams

Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. Also kamen die Soldaten und zerschlugen dem Ersten die Beine, dann dem andern, der mit ihm gekreuzigt worden war Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus. Und der, der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, dass er Wahres berichtet, damit auch ihr glaubt. Denn das ist geschehen, damit sich das Schriftwort erfüllte: Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen. Und ein anderes Schriftwort sagt: Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben. Josef aus Arimathäa war ein Jünger Jesu, aber aus Furcht vor den Juden nur heimlich. Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen, und Pilatus erlaubte es. Also kam er und nahm den Leichnam ab. Es kam auch Nikodemus, der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte. Er brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund. Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist. An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten, und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war. Wegen des Rüsttages der Juden und weil das Grab in der Nähe lag, setzten sie Jesus dort bei.

Einführendes Gebet: Herr Jesus Christus, heute will ich dich einfach auf deinem Leidensweg begleiten. Wie der heilige Johannes will ich bei dir sein, sei es in Getsemani, im Hause der Hohenpriesters, im Prätorium, oder auf Golgota. Ich begleite auch deine Mutter, die unter dem Kreuz steht. Mit ihr will ich deine letzten Worte vernehmen. Mit ihr bete ich dich, meinen Heiland, an.

Bitte: Leiden Christi, stärke mich,

o guter Jesus, erhöre mich.

Birg in deinen Wunden mich,

von dir lass nimmer scheiden mich.

1. Frau, siehe, dein Sohn! Was für ein Trost ist es für Jesus, unter dem Kreuz seine Mutter zu sehen! Auch wenn sie vor Schmerzen zittert, bleibt sie trotzdem bei ihrem Sohn stehen. Als er dreißig Jahre vorher ein wehrloses Kind war, hatte ihm Maria natürlich stets beigestanden. Am Anfang seines öffentlichen Lebens war sie auch dabei gewesen, als er in Kana gesagt hatte, seine Stunde sei noch nicht da. Aber jetzt ist die Stunde gekommen. Jesus will, dass die Jünger nach seinem Tod nicht allein bleiben. Er vertraut den treuen Johannes – und mit ihm auch mich – den Händen seiner Mutter an. Maria, in dieser Stunde der Finsternis, steh mir bei! Lass mich deinem Sohn treu bleiben!

2. Mich dürstet. Seit dem letzten Abendmahl hat Jesus nichts getrunken. Er hat innerhalb der letzten 12 Stunden so viel Blut und Schweiß vergossen, dass ihn der Durst sehr quält. Aber noch intensiver ist der Durst seiner Seele. Er, die Quelle des lebendigen Wassers, der gesagt hat: „Wer Durst hat, komme zu mir“ (Joh 7,37), scheint jetzt völlig versiegt zu sein, erschöpft. Der Vater selbst scheint abwesend. Christus fühlt nichts Anderes mehr als nur seinen Durst, einen riesigen Durst nach Liebe. Herr, wie kann ich deinen Durst stillen? Lass nicht zu, dass ich dir Essig zu trinken gebe!

3. Es ist vollbracht! Kälte und Tod dringen schleichend durch die Glieder Jesu ein. Schwarze Wolken ziehen auf, schnell verdunkelt sich der Kalvarienberg ganz. Die Engel im Himmel schweigen und betrachten. Der Teufel freut sich über seinen – wie er meint – bevorstehenden Sieg. Nur Maria senkt den Kopf nicht. Auf einmal stützt sich Jesus auf den Nagel, der seine Füße durchbohrt, nimmt einen letzten Atemzug und sagt: „Es ist vollbracht!“. Dann neigt er sein Haupt und gibt seinen Geist auf. Maria betrachtet den Leichnam, den man vom Kreuz abnimmt und in ihren Schoß legt. Doch ganz tief in ihrem leidensvollen Herz glüht ein kleiner Funke der Hoffnung. Sie hat Wasser und Blut, die aus dem Herzen Jesu entströmt sind, auf ihrer Haut gespürt. Sie weiß, dass seine völlige Hingabe (bis zum letzten Tropfen) nicht vergebens sein wird.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus Christus, du hast mich so geliebt, dass du für mich am Kreuz gestorben bist. Ich bin nicht dazu fähig, für dich mein Leben hinzugeben. Nimm doch die winzige Liebe an, die ich dir zu geben vermag. Lass mich dich mit Liebe betrachten.

Möglicher Vorsatz: Heute werde ich den Kreuzweg beten, um für eine arme Seele einen vollkommenen Ablass zu gewinnen.


Die Erwartung

15. April 2017

Karsamstag
Der Karsamstag ist ein stiller Tag, ohne liturgische Feier. Nur die Tagzeiten werden gebetet.

Br. Benoît Terrenoir LC


Einführendes Gebet: Maria, meine Mutter, heute möchte ich dich begleiten und an deinen Schmerzen teilnehmen. Ich brauche nicht vieles zu sagen. Ich bitte dich nur darum, dass ich die Liebe deines Sohnes tiefer wahrnehme.

Bitte: Maria, Mutter der Hoffnung, lass meine Hoffnung wachsen!

1. Der letzte Sabbat. Heute ist es ruhig in Jerusalem. Es ist der Tag des Paschafests, der dieses Jahr auf den Sabbat fällt. Die Juden bleiben zu Hause. Ebenso die Jünger, die es noch nicht glauben können, dass alle ihre Hoffnungen zerronnen sind. Außerhalb der Stadtmauern, auf der Flanke des Hügels zum Kalvarienberg, befindet sich der Garten, wo Jesus begraben ist. Hier ist auch alles still. Die Soldaten halten Wache vor dem riesigen Stein, der den Eingang zum Grab versperrt. Heute ist ein Tag der Stille, damit ich mich an alles erinnere, was Jesus für mich getan und gelitten hat.

2. Der Abstieg in die Unterwelt. Was aber die Jünger und die Wachen nicht sehen, ist der Abstieg Christi in die Unterwelt. So steht es in der antiken Predigt, die heute während der Lesehore (Teil des Stundengebetes) gelesen wird: „Was ist das? Tiefes Schweigen herrscht heute auf der Erde, tiefes Schweigen und Einsamkeit. Tiefes Schweigen, weil der König ruht. Furcht packt die Erde, und sie verstummt, weil Gott - als Mensch - in Schlaf gesunken ist und Menschen auferweckt hat, die seit unvordenklicher Zeit schlafen. Gott ist - als Mensch - gestorben, und die Unterwelt erbebt. […] Er geht auf die Suche nach dem erstgeschaffenen Menschen wie nach dem verlorenen Schaf. Besuchen will er, die völlig in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes. Er kommt, um den gefangenen Adam und die mitgefangene Eva von ihren Schmerzen zu erlösen, er, zugleich Gott und der Eva Sohn“.

3. Die Stille Marias. Nach der Grablegung hat Maria vielleicht die Apostel zurück zum Abendmahlssaal begleitet. Oder vielleicht hat sie sich nach Betanien zu Martha und Maria begeben, denn es war ruhiger dort. Sie leidet jedes Mal, wenn sie an ihren Sohn denkt. Aber sie kann einfach nichts Anderes tun. Sie beklagt sich jedoch nicht, sie gibt sich völlig dem Willen Gottes hin. Sie hat keine Vorstellung, wie es weitergehen wird. Aber sie ist sich ganz sicher, dass nicht alles verloren ist. Sie leidet. Aber sie wartet.

Gespräch mit Christus: Maria, Mutter der Hoffnung, hilf mir, mich an alles zu erinnern, was dein Sohn für mich getan und gelitten hat. Leite meine Gedanken, lass mich in der Stille des Gebets durchhalten. Lass mich mit dir auf die Auferstehung deines Sohnes warten!

Möglicher Vorsatz: Heute werde ich fünf Geheimnisse des Rosenkranzes mit Maria beten.