Tägliche Meditationen Sonntag 6. Januar 2013 bis Samstag 12. Januar 2013 Zweite Woche nach Weihnachten P. Roderick Ermatinger LC
Ich kam, sah und war besiegt 6. Januar 2013
Zweite Woche nach Weihnachten Erscheinung des Herrn Heilige Drei Könige Mt 2,1-12 Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. Als König Herodes das hörte, erschraken er und mit ihm ganz Jerusalem. Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle. Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten: Du, Betlehem im Gebiet von Juda, / bist keineswegs die unbedeutendste / unter den führenden Städten von Juda; / denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, / der Hirt meines Volkes Israel. Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige. Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land. Einführendes Gebet: Herr, ich danke dir, dass du dich selbst mir als kleines Kind, geboren von der Jungfrau Maria, geschenkt hast. Wenn ich daran denke, wie du so hilflos in der Krippe liegst, füllt sich mein Herz mit Vertrauen. Ich weiß, dass du mich nicht enttäuschen kannst, weil du dich all deiner Größe entäußerst hast, damit ich dich betrachten kann. Du verdienst all meine Hoffnung und Liebe, die ich dir demütig jetzt darbiete. Bitte: Herr, ich bitte dich um ein Herz, das offen für deine Botschaft ist. 1. Wir haben seinen Stern gesehen. Alle Menschen ehrlichen Herzens finden Gott in ihrem Leben. Die Ehrlichkeit der drei Sterndeuter lässt sich an den Opfern erkennen, die sie bereitwillig auf sich nahmen, um ihr Ziel zu erreichen. Die Reise war sehr anstrengend, sie mussten in ihrer Abwesenheit für ihre Familien sorgen. Ihre Absicht war rein, frei von egoistischen Beweggründen, denn sie wollten allein Gottes lebendige Gegenwart erleben. Die Offenheit ihres Herzens erlaubte es Gott, durch viele Dinge dieser Welt zu ihnen zu sprechen – von der Weissagung bei Herodes bis zum Stern über dem Kind in der Krippe. Was bin ich bereit zu opfern, um Gott heute zu finden? Ich muss alles außer ihm zur Seite legen und mich von seiner Hand führen lassen, damit ich seine göttliche Gegenwart erleben kann. 2. Die Warnung, nicht zu Herodes zurückzukehren. Herodes und alle Menschen, die nur weltliche Interessen haben, sehen den Stern nicht. Nur Finsternis umgibt sie. Menschen wie sie haben sich vielleicht schon einmal Gedanken über Gott gemacht und sich für ihn interessiert, aber sie missachten seinen Ruf. Sie verlassen selten ihren „Palast“, opfern selten ihre Zeit und widmen sich nicht dem Dienst am Göttlichen. Wenn sie einmal ihren bequemen Palast verlassen, beklagen sie sich, dass Gott sich nirgends in der Welt finden lässt. Sie haben Angst davor, ihre bequeme Welt zu verlieren. Ich will beten, dass mein Herz immer für das offen ist, was das Evangelium von mir in meinem Leben verlangt. Möge Christus kein Hindernis in mir vorfinden; möge er in mir die Entschlossenheit finden, meinen Palast zu verlassen, damit ich ihn finden und ihm folgen kann. 3. Dann holten sie ihre Schätze hervor. Um Liebe schenken zu können, muss ich selbst die Liebe empfangen haben. Wie kann ich den Ansprüchen gerecht werden, die andere mir stellen? Wie kann ich meiner Berufung und Sendung treu sein, wenn ich auf meinem Weg wenig Zuspruch und Unterstützung bekomme? Jeden Morgen muss ich mich an Gott wenden, der sich mir bedingungslos hingibt, damit seine Hingabe mich gestalten und in mir wirken kann. Jeden Tag erwartet mich eine notwendige Epiphanie, sei das nun bei der heiligen Messe, beim Gebet oder durch die Werke der göttlichen Vorsehung. Sie befähigt mich, mich selbst hinzugeben. Wenn ich diese Liebe nicht erfahre, bleibt mein Leben verschlossen – ich habe nicht die innere Stärke, um mich ganz hinzugeben. Johannes sagt uns: „Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat. Liebe Brüder, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben… Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat (1 Joh 4,10f,19). Gespräch mit Christus: Christus, deine Liebe zu mir bewegt mich dazu, mich selbst hinzugeben und nichts zurückzuhalten. Ich habe einen Augenblick in der Menschheitsgeschichte berührt, welcher mein Begreifen weit übersteigt und mein Herz für dich gewinnt. Hilf mir, mich dir so zu schenken, wie du dich mir schenkst: bei der heiligen Messe, im Gebet und bei der Begegnung mit meinen Mitmenschen rufst du mich, dir zu dienen. Vorsatz: Heute will ich mich bemühen, die Liebe zu den Mitgliedern meiner Familie zu vertiefen und sie so zu lieben, wie Christus sie liebt.
Das Licht zieht umher 7. Januar 2013
Montag der zweiten Woche nach Weihnachten Hl. Valentin von Rätien, Bischof P. Roderick Ermatinger LC Mt 4,12-17,23-25 Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen. Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden. Und sein Ruf verbreitete sich in ganz Syrien. Man brachte Kranke mit den verschiedensten Gebrechen und Leiden zu ihm, Besessene, Mondsüchtige und Gelähmte, und er heilte sie alle. Scharen von Menschen aus Galiläa, der Dekapolis, aus Jerusalem und Judäa und aus dem Gebiet jenseits des Jordan folgten ihm. Einführendes Gebet: Mein Himmlischer Vater, du hast mich aus deiner unendlichen Liebe heraus geschaffen. Obwohl ich dich oft nicht so geliebt habe, wie ich es als dein Kind hätte tun sollen, sendest du mir Gaben über Gaben. Du sandtest deinen Sohn, um mich zu erlösen und mich in und durch deinen Sohn eins mit dir zu machen. Du und dein einziger geliebter Sohn sandtet euren Geist der Liebe und Wahrheit, den Heiligen Geist, damit er in meinem Herzen, meinem Verstand und meinem Körper wohne. Ich danke dir, dass ich deine Liebe erfahren darf. Ich schenke dir dafür mein eigenes Herz und meinen Wunsch, dir großzügig auf das Antwort zu geben, worum du mich bittest. Bitte: Jesus, hilf mir, dir mein Herz zu öffnen. 1. Das wahre Licht ist hier. Johannes der Täufer tat alles, worum ihn der Vater bat. Dabei blieb er stets demütig. Die Leute dachten, er sei der Christus; doch er erlaubte dem Stolz nicht, das Licht der Wahrheit auszulöschen, und verkündete, dass er nicht der Christus sei. Die Welt belohnte Johannes den Täufer mit Schweigen und dem Tod. Welchen Schatz schenkte ihm hingegen Gott für seine Treue? Lob – „Willkommen mein guter und treuer Diener“ – und ewiges Leben. Johannes war nur die Stimme; er rief die Menschen auf, zu bereuen und sich zu bekehren. Nun verkündet das Wort selbst diese Worte. Johannes war eine Stimme in der Wüste. Nun tritt das Wort, das das Leben und das Licht selbst ist, in der Öffentlichkeit auf. Möge das Licht der Wahrheit unsere Herzen für das wahre und ewige Himmelreich öffnen. Kann ich zwischen dem, was wirklich Gold in Gottes Augen ist und dem, was nur wie Gold glänzt, aber das Gegenteil davon ist, unterscheiden? Kann man das in meinen Worten und Taten erkennen? 2. Jesus predigt mit mehr als nur Worten. Unser Herr Jesus ging umher und tat nur Gutes: er heilte Kranke, tröstete die Einsamen, vergab den Sündern und predigte das Evangelium. Unser Glaube sagt uns dies, und wir sehen es vor unseren Augen, wenn wir das Evangelium lesen. Aber begegnen wir dem Herrn wirklich wie jene, die seinen Weg vor 2000 Jahren kreuzten? Ich kann diese Frage beantworten, wenn ich mein Leben betrachte: Lebe ich mehr und mehr wie Christus oder nicht? Schätze ich alles Gute, das Christus in meinem Leben getan hat und danke ich ihm dafür? Will ich von ganzem Herzen immer mit Christus zusammen sein, auf der Erde wie im Himmel? Wo mein Herz ist, da ist auch mein Schatz. Wie Christus bin ich berufen, mit mehr als nur Worten zu predigen. 3. Menschen antworten auf die Wahrheit. Ein Jünger Christi darf niemals entmutigt sein, denn die Menschen antworten auf die Wahrheit, auf das Evangelium von Jesus Christus. Wir sehen dies in den Evangelien und durch die Geschichte der Kirche hindurch. Wenn unsere Bemühungen, das Evangelium zu verbreiten, auf harten Boden fallen, müssen wir nachdenken, wie wir reagieren werden. Christus verlangt von uns, sein Evangelium in Wort und Tat zu verkünden. Er will, dass wir Frucht bringen. Christus sagte auch voraus, dass wir größere Dinge vollbringen werden als er. Wir wissen auch, dass Christus die Sünde und den Tod besiegt hat. Wenn wir all das wissen, dürfen wir uns nicht mehr entmutigen lassen, wenn unsere Bemühungen, das Evangelium zu verkünden, keine Frucht tragen. Wir sollen nur unsere Arbeit tun, Christus kümmert sich um den Rest. So einfach ist es. Gespräch mit Christus: Herr, du bist gekommen, um die Sünder zu retten; komme an diesem neuen Tag neu in mein Leben. Nimm all meine Angst vor dir weg, Herr Jesus. Lehre mich, dass du ein Gott des Mitleids bist und dass du sanftmütig und demütig von Herzen bist. Vorsatz: Ich will mir überlegen, wie ich meiner Pfarrgemeinde konkret helfen kann, das Evangelium zu verkünden.
Gib Christus dein ganzes Leben 8. Januar 2013
Dienstag der zweiten Woche nach Weihnachen Hl. Severin, Mönch Hl. Gudrun, Büßerin P. Roderick Ermatinger LC Mk 6,34-44 Als Jesus ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange. Gegen Abend kamen seine Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät. Schick sie weg, damit sie in die umliegenden Gehöfte und Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können. Er erwiderte: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Sollen wir weggehen, für zweihundert Denare Brot kaufen und es ihnen geben, damit sie zu essen haben? Er sagte zu ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Geht und seht nach! Sie sahen nach und berichteten: Fünf Brote und außerdem zwei Fische. Dann befahl er ihnen, den Leuten zu sagen, sie sollten sich in Gruppen ins grüne Gras setzen. Und sie setzten sich in Gruppen zu hundert und zu fünfzig. Darauf nahm er die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern, damit sie sie an die Leute austeilten. Auch die zwei Fische ließ er unter allen verteilen. Und alle aßen und wurden satt. Als die Jünger die Reste der Brote und auch der Fische einsammelten, wurden zwölf Körbe voll. Es waren fünftausend Männer, die von den Broten gegessen hatten. Einführendes Gebet: Mein Himmlischer Vater, du hast mich aus deiner unendlichen Liebe heraus geschaffen. Obwohl ich dich oft nicht so geliebt habe, wie ich es als dein Kind hätte tun sollen, sendest du mir Gaben über Gaben. Du sandtest deinen Sohn, um mich zu erlösen und mich in und durch deinen Sohn eins mit dir zu machen. Du und dein einziger geliebter Sohn sandtet euren Geist der Liebe und Wahrheit, den Heiligen Geist, damit er in meinem Herzen, meinem Verstand und meinem Körper wohne. Öffne mein Herz und meine Augen für alles, was du für mich getan hast und noch für mich tun wirst, damit ich mich dir, deiner Kirche und allen deinen Kindern großzügiger hingebe. Vervollkommne mich im Feuer deiner Liebe, und sende auch mich, wie du deinen einzigen Sohn und deinen Heiligsten Geist gesandt hast, um das Feuer deiner Liebe zu entfachen. Bitte: Jesus, unser Herr, segne mich mit der Gabe der Großzügigkeit. 1. Du gibst uns alles, was wir brauchen. Jesus ist der gute Hirte. Er will alle seine Schafe speisen, die verlorenen und die wieder gefundenen. Er kennt alle unsere Bedürfnisse; er hat Mitleid mit uns, wenn er alle unsere Leiden sieht. Alle, die ihn aufnehmen, nährt unser Herr erst mit seiner Gnade, dann mit seinen Lehren und dann mit seinem Fleisch und Blut. Er gibt uns alles, was wir an Leib und Seele brauchen. Wie oft denken wir, dass wir etwas entbehren? Wo suchen wir danach? Gehen wir zu Christus oder gehen wir woanders hin? 2. Wende dich Christus zu. Wir sehen einen deutlichen Unterschied zwischen der Haltung der Apostel und der Jungfrau Maria in diesem Evangelium. In Kana, als Maria sah, dass der Wein ausging, wandte sie sich an ihren Sohn (vgl. Joh, 2,1-11). Als die Apostel hingegen hier sahen, dass die Menschen nichts zu essen hatten, dachten sie zunächst an die Dörfer in der Umgebung. Sowohl Maria als auch die Apostel hatten Mitleid mit der Not der Menschen; doch Maria hatte die bessere Lösung. Christus will wissen, ob wir wirklich glauben, dass er es ist, der für jede Situation, in der wir uns befinden, eine Lösung hat. Christus wird uns prüfen: Wollen wir uns auf pragmatische Lösungen verlassen oder auf ihn? 3. Sei großzügig mit Christus. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir unserem Herrn wenig geben können. Alles was wir besitzen und was für unseren Herrn von irgendeinem Wert ist, kommt letztlich doch von ihm selbst. Diese Wirklichkeit zeigt deutlich, wie klein wir sind und wie groß Gott ist. Denken wir an den kleinen Jungen, der zwei Fische und fünf Laib Brot hatte. Er und seine Familie müssen hungrig gewesen sein. Er hätte Jesus und den Aposteln sagen können, sie sollten sich ihr eigenes Essen besorgen. Aber stattdessen gab er Jesus alles, was er hatte, obwohl es angesichts der Bedürfnisse der Massen eine recht kümmerliche Gabe war. Und schauen wir, was aus der großzügigen Tat wurde – Christus zeigte seine Herrlichkeit und Macht! Die Apostel speisten die Massen, sie sammelten die Reste und wuchsen im Glauben. Wie hat diese großzügige Tat uns bewegt? Gespräch mit Christus: Herr, wie kann ich kleiner werden, damit du wachsen kannst? Mein Herz brennt vor innigem Verlangen, dir alles zu geben; doch ich weigere mich so oft, dich zu anderen zu bringen. Hilf mir, zu erkennen, wie schön es ist, dich zu anderen zu bringen. Vorsatz: Heute werde ich für alle Menschen, denen ich begegne, ein authentischer, großzügiger Christ sein.
Frieden kommt vom Glauben an Jesus Christus 9. Januar 2013
Mittwoch der zweiten Woche nach Weihnachten Hl. Julian, Märtyrer Mk 6,45-52 Gleich darauf forderte Jesus seine Jünger auf, ins Boot zu steigen und ans andere Ufer nach Betsaida vorauszufahren. Er selbst wollte inzwischen die Leute nach Hause schicken. Nachdem er sich von ihnen verabschiedet hatte, ging er auf einen Berg, um zu beten. Spät am Abend war das Boot mitten auf dem See, er aber war allein an Land. Und er sah, wie sie sich beim Rudern abmühten, denn sie hatten Gegenwind. In der vierten Nachtwache ging er auf dem See zu ihnen hin, wollte aber an ihnen vorübergehen. Als sie ihn über den See gehen sahen, meinten sie, es sei ein Gespenst, und schrieen auf. Alle sahen ihn und erschraken. Doch er begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! Dann stieg er zu ihnen ins Boot und der Wind legte sich. Sie aber waren bestürzt und außer sich. Denn sie waren nicht zur Einsicht gekommen, als das mit den Broten geschah; ihr Herz war verstockt. Einführendes Gebet: Mein Himmlischer Vater, du hast mich aus deiner unendlichen Liebe heraus geschaffen. Obwohl ich dich oft nicht so geliebt habe, wie ich es als dein Kind hätte tun sollen, sendest du mir Gaben über Gaben. Du sandtest deinen Sohn, um mich zu erlösen und mich in und durch deinen Sohn eins mit dir zu machen. Du und dein einziger geliebter Sohn sandtet euren Geist der Liebe und Wahrheit, den Heiligen Geist, damit er in meinem Herzen, meinem Verstand und meinem Körper wohne. Öffne mein Herz und meine Augen für alles, was du für mich getan hast und noch für mich tun wirst, damit ich mich dir, deiner Kirche und allen deinen Kindern großzügiger hingebe. Vervollkommne mich im Feuer deiner Liebe, und sende auch mich, wie du deinen einzigen Sohn und deinen Heiligsten Geist gesandt hast, um das Feuer deiner Liebe zu entfachen. Bitte: Herr, ich möchte mich dir mit ganzem Herzen hingeben, jetzt und für immer. 1. Die wahre Speise – der Wille des Vaters. Nachdem der Herr die Fische und die Brote vermehrt hatte und die Menschen ihren Hunger gestillt hatten, verließ er sie. Dann ging er auf den Berg, um beim Vater zu sein. Die Speise unseres Herrn war es, den Willen des Vaters zu tun. Christus ging auf einen Berg, um sich von Ablenkungen zu entfernen. Dort konnte er sich in ein Gespräch von Herz zu Herz mit dem Vater vertiefen. Unser Herr fand den Willen des Vaters dort, wohin ihn die göttliche Vorsehung brachte und durch sein tiefes und beständiges Gespräch mit dem Vater. 2. Glauben wir wirklich an Jesus Christus? Nun ein anderes Wunder: unser Herr geht auf dem Wasser. Er beherrscht die Natur, und zwar genau die Natur, die den Aposteln Angst macht. Mehr noch, wie der Herr die Natur beherrscht, überwältigt die zitternden Männer. Auch heute, gerade in diesem Moment der Heilsgeschichte, geschieht so viel. Zittern wir angesichts der Macht Gottes? Sehen wir wirklich, wie schwach und unbedeutend wir sind? Und am wichtigsten von allem, glauben wir wirklich, dass Jesus Christus der Herr der Herren, der König der Könige ist? Erlauben wir Christus, dass er unsere Ängste besiegt, oder lassen wir uns vom Chaos dieser Welt verschlingen? Wir müssen betrachten, was Christus tut, damit unser Glauben stark wird und wir uns ihm hingeben können. Wenn wir erfassen, wer er ist, wird der Prinz des Friedens in unseren Herzen regieren. Danach dürstet Christus. 3. Friede sei mit dir. Wenn wir überlegen, wonach wir uns am meisten sehnen, werden wir merken, dass es Frieden ist. Wenn wir Christus in unsere Herzen einlassen, werden wir wahren und ewigen Frieden erfahren. Frieden resultiert letztlich aus unserer totalen Hingabe an Jesus Christus. Das ist nicht einfach, und wir brauchen dafür ein Leben lang. Doch unsere Geschichte der Hingabe an Jesus Christus kann besondere Momente haben. In einem Moment der Entscheidung kann unser Leben für immer verändert werden. Sicher erlebte jeder der Apostel einen besonderen Moment, als sie sich dazu entschieden haben, Christus in ihr Herz einzulassen. Obwohl diejenigen, die ihr Herz für Christus geöffnet hatten, viele Male fielen, regierte doch der Friede in ihren Herzen. Der Grund für ihr Versagen lag nicht in der Abwendung ihres Herzens von Gott, sondern war eher durch ihr schwaches Fleisch bedingt. Christus sagt uns allen: „Habt keine Angst, nehmt euer Kreuz auf euch und folgt mir nach.“ Gespräch mit Christus: Herr, du zeigst uns immer wieder deine Macht. Bitte gib mir die Kraft, mich jeden Moment dieses Tages dir und dem Willen des Vaters ganz hinzugeben. Vorsatz: Vor jeder Tat werde ich mich darauf besinnen, nur den Willen des Vaters zu tun.
Die Ehrfurcht einflößende Gegenwart 10. Januar 2013
Donnerstag der zweiten Woche nach Weihnachten Hl. Gregor X, Papst Lk 4,14-22a Jesus kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend. Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen. So kam er auch nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen, reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt: Der Geist des Herrn ruht auf mir; / denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, / damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde / und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe. Dann schloss er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt. Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs? Einführendes Gebet: Herr, willkommen im Tempel meiner Seele. Ich weiß, dass du ausreißen und abbrechen wirst, heilen und heiligen wirst und dort einen heiligen und gerechten Ort errichten wirst, der immer für dich bestimmt war. Nur du hast die Macht, das Heiligtum meines Herzens aufzuschließen; nur du erbaust, was ewig Bestand hat. Ich öffne dir nun voll Vertrauen mein ganzes Wesen, so dass deine Worte meine Gedanken formen können, so dass deine Liebe mein Herz durchdringen kann, so dass keine Unordnung der Seele mehr in mir bleibt. Bitte: Herr, gib mir eine größere Ehrfurcht vor dir. 1. Er kehrte zurück in der Kraft des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist erscheint in der Welt, um den Plan des Himmels mit dem der Erde zu vereinen, und er tut es hier mit jedem Schritt, mit jeder Tat Christi. Seine ganze Mission ist nichts anderes als die Erfüllung des Textes, den er vorliest. Unsere Berufung im Leben ist nichts anderes als die Erfüllung unserer in der Taufe empfangenen Beauftragung durch den Heiligen Geist. Unser Herr zeigt deshalb, dass er nichts im Alleingang tut. Er, der Sohn, ist gesandt und wirkt in Einheit mit dem Vater und dem Heiligen Geist, und von hier fließt all seine Fruchtbarkeit und Macht. Unsere Sendung muss uns wirklich „gesandt“ fühlen lassen. Sie verpflichtet uns, Frucht zu bringen, indem wir gehorchen und lieben. Der Himmel will mir in diesem Gebet seinen Plan offenbaren. Möge ich aufmerksam für alles sein, was der Heilige Geist mir zu tun eingibt. 2. Er schlug das Buch auf... „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“ Dem Menschen wird eine Antwort auf die ewige Frage gegeben, die wir in der Offenbarung finden: „Wer ist würdig, die Buchrolle zu öffnen und ihre Siegel zu lösen?“ Denken wir über diesen bemerkenswerten Moment nach, in dem das Wort sich unter den Menschen offenbarte: Viele konnten aus der Schrift lesen, aber nur einer war würdig, seine erlösende Kraft zu entfesseln. Viele konnten die Texte zitieren, aber nur einer konnte sie in ihren Herzen entflammen. Viele konnten mit Faszination predigen, aber nur einer konnte ihren Hunger nach der Fülle der Wahrheit stillen. Unsere Worte sind ohne Christi Stimme ein Windhauch; unsere Mühen haben keinen Sinn, wenn unsere Taten nicht Christi Taten sind. Nur eine Person kann das menschliche Herz verändern, und wir können wirklich nur Apostel sein, wenn Christus derjenige ist, der unsere Hand führt. 3. Alle staunten über seine Worte. Der genaue Sinn dieser Worte wird uns hier nicht offenbart, als wenn das bedeuten würde, dass die Person Christi selbst die Offenbarung sei. Christus, in der Ganzheit seiner Person, kommt, um unsere Lasten zu tragen und unseren Geist zu ermuntern, wie es keine Lehre, kein Wunder und keine Heilung für sich selbst könnten. Göttliche Vorsehung hat uns im Leben viele Güter gesichert, aber alle Güter sind nichts, wenn sie nicht mit Christus in all der Kraft und Intimität, die Gott-mit-uns bedeutet, kommt. Gespräch mit Christus: Herr, ich möchte dich fürchten und ehren als das Zentrum meines Lebens. Ich arbeite nun mit einem heiligen Ehrgeiz, um sicherzustellen, dass dein Thron in meinem Herzen feststeht. Lehre mich, nichts in Beschlag nehmen zu lassen, was dir in meinem Leben gehört. Hindere mich daran, ein Leben leerer Selbstgenügsamkeit aufzubauen, damit ich nicht die Erfahrung deiner Macht und Gnade verliere, die ich haben könnte. Vorsatz: Ich werde Jesus heute in der Eucharistie besuchen, um ihn für seine Größe zu ehren und ihm für seine aktive Gegenwart in meinem Leben zu danken.
Wenn Gott es so will 11. Januar 2013
Freitag der zweiten Woche nach Weihnachten Hl. Paulinus von Aquileia Lk 5,12-16 Als Jesus in einer der Städte war, kam ein Mann, der am ganzen Körper Aussatz hatte. Sobald er Jesus sah, warf er sich vor ihm zu Boden und bat ihn: Herr, wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde. Da streckte Jesus die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es - werde rein! Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz. Jesus befahl ihm: Erzähl niemand davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Reinigungsopfer dar, wie es Mose angeordnet hat. Das soll für sie ein Beweis deiner Heilung sein. Sein Ruf verbreitete sich immer mehr, sodass die Menschen von überall herbeiströmten. Sie alle wollten ihn hören und von ihren Krankheiten geheilt werden. Doch er zog sich an einen einsamen Ort zurück, um zu beten. Einführendes Gebet: Herr, ich komme heute wie der Aussätzige mit einem demütigen Herzen zu dir, welches sich bewusst ist, dass alle Schönheit allein von dir kommt. Meine willentlichen Sünden haben deinen Plan, den du mit mir hast, entstellt, und darum wende ich mich an dich und bitte dich, dass du alle meine Taten und Worte reinigen mögest. Ich hoffe auf dich und vertraue auf deine unendliche Barmherzigkeit. Bitte: Herr, schenke mir ein unerschütterliches Vertrauen auf deine unendliche Barmherzigkeit. 1. Herr, wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde. Wenn Gott es so will… Dies zeugt von einer Seelenhaltung des Aussätzigen, dem die Erfüllung des Willens Gottes wichtiger ist als seine Heilung. Indem er Geduld und Ergebenheit äußert, zeigt er, dass er bereit ist, sein Kreuz entsprechend dem Plan Gottes für ihn anzunehmen und zu tragen. Jemand, der ganz von sich selbst eingenommen ist und Probleme und Mängel nicht annehmen kann, stellt seiner Heilung ein Hindernis in den Weg. Manche verlieren die Geduld im Kampf, weil sie mehr die Heilung wollen, als den, der heilt. Hier mag vielleicht der Körper wieder heil sein, aber die Seele bleibt krank und unansehnlich vor Gott. Offenheit für Gott, das Losgelöstsein von einem einfachen Leben, und die totale Überlassung seiner selbst in Gottes Hände macht es möglich, dass Gott die Seele lange vor dem Körper heilen und befreien kann. Wie schön war die Seele dieses demütigen Aussätzigen in den Augen Christi! Möge dieses Gebet heute mein Herz öffnen, damit ich alle Prüfungen dieses Tages in Demut und aus Liebe zu Gott, der mich führt, annehmen kann. 2. Ich will es – werde rein. Das Entstelltsein durch den Aussatz wird zu einem Symbol für die Seele eines Sünders, der Erlösung braucht. Wenn ein Mensch unter den schlimmen und entstellenden Folgen der Sünde leiden muss, beginnt der Weg der Bekehrung und Veränderung. Menschen, welche den Stachel einer schlimmen Sünde aus der Vergangenheit noch spüren, glauben nicht wirklich an ein neues Leben. Sie möchten Gott näher kommen, aber sie können nur schwer glauben, dass Gott ihnen nahe sein will. Das Eingreifen Gottes – endgültig, ewig und absolut – bewegt Christi Hand, welche sich ausstreckt, um den Aussätzigen zu berühren und sagt: „Ich will es!“ Vom Körper bis zur Seele – Gottes Willen zur Vergebung und Heilung übersteigt unsere menschliche Vorstellungskraft! Wenn wir aufhören, unser Versagen aus einer verwundeten Selbstliebe heraus zu betrachten und wenn wir mit einem lebendigen Glauben den entschiedenen Willen Gottes, uns zu erlösen, annehmen, werden wir uns als neue Menschen in Christus entdecken, welche für die Sünde und die „Welt“ gestorben sind. 3. Er befahl ihm, niemandem etwas davon zu erzählen. Unser Herr verlangt Schweigen. Nicht alles, was bekannt ist, muss gesagt werden, und ein Jünger Christi muss klug sein. Wie oft behindern wir Gottes Wirken durch zu vieles Reden. Christus hat innere Sicherheit, weil er seine Sendung in tiefer Verbundenheit mit dem Vater lebt, und er überlässt den Zeitpunkt und den Ort seiner formellen Bekanntmachung vor den Juden dem Willen des Vaters. Diskretion als Tugend ist eine Haltung der Hingabe, und nicht des Eigennutzes. Wann wird die Identität Christi formell verkündet? „Wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen“ (Joh 12,32). Erst während seiner Passion, vom Palmsonntag bis zum Ostersonntag, offenbart er seine Gottheit ganz. Und so will auch ich meine Erfahrung mit Christus, mein Wissen von ihm, demütig, liebevoll und in kluger Zurückhaltung anderen weitergeben, damit ich die Auswirkung von Christi Wahrheit auf die Welt vergrößere. Gespräch mit Christus: Herr, ich sehe, wie sich deine Hand vom Aussätzigen zu meiner Seele bewegt und ihre verwandelnde Macht zeigt. Keine Sünde sollte jemals meinen Mut, Widerstand zu leisten, brechen; keine langjährige Schwäche darf jemals meine Hoffnung auf den Sieg schwächen. Deine Hand muss sich nur bewegen und alles wird heil, vergeben und erlöst. Heute baue ich meinen festen Entschluss, heilig zu werden, voll Vertrauen auf deine Gnade und bedingungslose Liebe. Vorsatz: Ich will einen Menschen, der ein schlechtes Leben führt, der Macht der Barmherzigkeit unseres Herrn anvertrauen.
Wenn weniger mehr ist 12. Januar 2013
Samstag der zweiten Woche nach Weihnachten Hl. Ernst, Märtyrer Hl. Johann Kasper Kratz, Märtyrer Hl. Tatiana, Märtyrerin
Joh 3,22-30 Darauf ging Jesus mit seinen Jüngern nach Judäa. Dort hielt er sich mit ihnen auf und taufte. Aber auch Johannes taufte damals, und zwar in Änon bei Salim, weil dort viel Wasser war; und die Leute kamen und ließen sich taufen. Johannes war nämlich noch nicht ins Gefängnis geworfen worden. Da kam es zwischen den Jüngern des Johannes und einem Juden zum Streit über die Frage der Reinigung. Sie gingen zu Johannes und sagten zu ihm: Rabbi, der Mann, der auf der anderen Seite des Jordan bei dir war und für den du Zeugnis abgelegt hast, der tauft jetzt, und alle laufen zu ihm. Johannes antwortete: Kein Mensch kann sich etwas nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben ist. Ihr selbst könnt mir bezeugen, dass ich gesagt habe: Ich bin nicht der Messias, sondern nur ein Gesandter, der ihm vorausgeht. Wer die Braut hat, ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dabeisteht und ihn hört, freut sich über die Stimme des Bräutigams. Diese Freude ist nun für mich Wirklichkeit geworden. Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden. Einführendes Gebet: Herr, obwohl ich mich so sehr bemühe, vereiteln Eigenliebe und Eitelkeit immer wieder meine guten Absichten und verkleinern den Wert meiner Anstrengungen für dich. So komme ich mit leeren Händen zu dir. Doch ich vertraue auf deine Barmherzigkeit, denn ich weiß, dass du mich jedes Mal, wenn ich mich dir voller Hoffnung wieder zuwende, mit Freuden aufmunterst und erneuerst. Ich liebe dich leidenschaftlich, guter Jesus, und möchte dich immer noch mehr lieben. Bitte: Herr, hilf mir, wahre Demut zu üben. 1. Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden. Das ist der Vorsatz, den jeder aufrichtige Apostel und jeder Mensch in einer leitenden Position im Herzen tragen sollte. Häufig suchen wir Selbstverwirklichung in unserer Berufung, unserem Apostolat und unserem Dienst für die Kirche. Manche bieten sich nur an, wenn die Arbeit, die ihnen angeboten wird, Ehre einbringt oder ihr Selbstwertgefühl steigert. Wir sagen, wir dienen Christus, aber wenn unser Status durch Kritik gefährdet wird, oder ein geringer Qualifizierter rangmäßig an uns vorüberzieht, dann werden wir entmutigt, und unser Engagement schwindet dahin. Immer wenn Demut von uns gefordert wird, sollten wir uns dem Test stellen, den Johannes im heutigen Evangelium bestanden hat. Jeden Tag müssen wir in unser Herz schauen und prüfen, ob es nur ein Spiegel unserer egozentrischen Wünsche ist, oder ob es ein Fenster ist zum Herzen Christi, das nur auf demütigen Dienst ausgerichtet ist. Spiegel schwächen den Auftrag; Fenster stärken ihn. 2. Sie freut sich über die Stimme des Bräutigams. Etwas gegen eine ungeordnete Eigenliebe zu tun, ist eine ausgesprochen positive Arbeit. Man kann eine kleinere Liebe nur für eine größere aufgeben. Im Herzen des Johannes gab es nur ein Ziel, nur eine Sehnsucht - das Kommen des Messias. Er handelte und lebte nur für Christus. In der Einsamkeit der Wüste konnte diese Liebe, mitgeteilt in Gebet und Betrachtung, ungehindert wachsen. Johannes selbst bekennt, dass er alles, was er empfing, vom Himmel empfing – vom übernatürlichen Leben, geschenkt durch Betrachtung und Gnade. Die Liebe zu Christus kam nicht über Nacht, sondern musste in vielen Jahren des Betens, der Selbstüberwindung und einem Leben immer wieder neu vollzogener Umkehr, wie er es dann auch predigen sollte, erarbeitet werden. 3. Ich bin nur ein Gesandter, der ihm vorausgeht. Alle Handlungen und das ganze Wesen des Johannes sind auf die Zukunft ausgerichtet, auf die Handlungen und das Wesen eines anderen, nämlich Jesus Christus. Johannes sieht sich allein als Diener dieses Anderen. Die Demut des Johannes spricht von jenem, den er bezeugt. Christus ist der Erste, der uns lehrt, uns hinzugeben. Viele Passagen aus dem Evangelium beweisen das: seine Geburt in einer Krippe, das Waschen der Füße seiner Jünger, die dreißig Jahre des Gehorsams und der Verborgenheit in Nazareth… Jesus erinnert selbst an die Notwendigkeit der Demut: „Wenn ihr nicht wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen“ (Mt 18,3). Gespräch mit Christus: Herr, jetzt höre ich, was Johannes gehört hat: deine wunderbare Stimme, die zur Vereinigung mit deiner Braut, der Kirche, ruft. Es kann für mich keine größere Ehre und Liebe geben, als wenn diese Vereinigung sich immer wieder in Vollkommenheit und Selbstlosigkeit vollzieht. Möge ich lernen, Demütigungen anzunehmen und mich selbst immer wieder zu vergessen, damit die Bedürfnisse deines mystischen Leibes durch meinen demütigen Dienst und meine Selbstüberwindung vermittelt werden können. Vorsatz: Ich will heute, bevor ich schlafen gehe, mit großer Hingabe die Litanei der Demut beten.
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