Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 10. MĂ€rz 2019 bis Samstag 16. MĂ€rz 2019

Erste Woche in der Fastenzeit

P. Joachim Richter LC

Ă€rz
SĂŒĂŸer VerzichtSonntag
Das habt ihr mir getanMontag
Unser VaterDienstag
UmkehrMittwoch
Vertrauen lohnt sichDonnerstag
Der höhere WegFreitag
Die verwandelnde Kraft der LiebeSamstag


SĂŒĂŸer Verzicht

10. MĂ€rz 2019

Erster Fastensonntag (Invocabit)

P. Joachim Richter LC

Lk 4,1-13
In jener Zeit verließ Jesus, erfĂŒllt vom Heiligen Geist, die Jordangegend. Darauf fĂŒhrte ihn der Geist vierzig Tage lang in der WĂŒste umher, und dabei wurde Jesus vom Teufel in Versuchung gefĂŒhrt. Die ganze Zeit ĂŒber aß er nichts; als aber die vierzig Tage vorĂŒber waren, hatte er Hunger. Da sagte der Teufel zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot. Da fĂŒhrte ihn der Teufel auf einen Berg hinauf und zeigte ihm in einem einzigen Augenblick alle Reiche der Erde. Und er sagte zu ihm: All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche will ich dir geben; denn sie sind mir ĂŒberlassen, und ich gebe sie, wem ich will. Wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest, wird dir alles gehören. Jesus antwortete ihm: In der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen. Darauf fĂŒhrte ihn der Teufel nach Jerusalem, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stĂŒrz dich von hier hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich zu behĂŒten; und: Sie werden dich auf ihren HĂ€nden tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stĂ¶ĂŸt. Da antwortete ihm Jesus: Die Schrift sagt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. Nach diesen Versuchungen ließ der Teufel fĂŒr eine gewisse Zeit von ihm ab.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, als Sohn des Höchsten hĂ€ttest du wie sonst niemand das Recht, AnsprĂŒche zu stellen und alle deine BedĂŒrfnisse zu erfĂŒllen. Du aber entscheidest dich fĂŒr den Weg des Verzichts.

Bitte: Wecke in mir den Wunsch, dir auf dem Weg des Verzichts und der Liebe zu Gott nachzufolgen.

1. Nicht jede Nahrung nĂ€hrt. Wir leben in einer Welt der FĂŒlle. Jedes Mal, wenn ich einen Supermarkt betrete, staune ich ĂŒber die vollen Regale und die FĂŒlle der Angebote. Wenn ich ins Internet gehe, rauschen endlose Wellen von Nachrichten, Artikeln und Werbeanzeigen ĂŒber mich hinweg. Man bekommt den Eindruck, dass jedes BedĂŒrfnis sofort befriedigt werden kann. Andererseits fĂŒhlt man sich oft unzufrieden. Doch besonders, wenn ich mir einen Ruck gebe und in eine Kirche gehe oder ein paar Minuten in der Bibel lese, spĂŒre ich, dass es etwas gibt, das mich mehr sĂ€ttigt als alles andere: die Begegnung mit dem, der mich geschaffen hat und aus dem ich lebe. Er ist wahre Nahrung fĂŒr mein Herz, bei ihm bin ich zu Hause.

2. Das Verlangen nach Macht. Eine der großen Versuchungen fĂŒr uns Menschen ist die Macht. Macht macht schnell korrupt. Das sieht man sehr anschaulich in dem Werk „Herr der Ringe“ sowie in der Serie „Star Wars“. Jesus widersteht der Versuchung, die Macht fĂŒr sich zu ergreifen. Denn er weiß, wozu er gekommen ist: nicht um zu herrschen, sondern um zu dienen. Er möchte uns lehren, dass wir nicht Gott fĂŒr unsere Absichten und Launen einspannen, sondern ihn vielmehr als AutoritĂ€t respektieren sollen, indem wir unser Leben tĂ€glich nach dem Willen Gottes orientieren.

3. Kraftquellen in Versuchungen. Auf jede der drei Versuchungen des Teufels antwortet Jesus mit einem Wort der Bibel. Die Bibel enthĂ€lt das inspirierte Wort Gottes, welches kraftvoll ist und von Paulus mit einer wirksamen Waffe verglichen wird, mit einem „zweischneidigen Schwert“. Wenn wir als Christen auch in schwierigen Zeiten stark im Glauben bleiben wollen, wird es Ă€ußerst hilfreich fĂŒr uns sein, wenn wir einzelne Worte der Heiligen Schrift auswendig kennen. Denn in ihnen ist Jesus auf geheimnisvolle Weise bei uns. Zum Beispiel: „In der Welt seid ihr in BedrĂ€ngnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt“ (Joh 16,33).

GesprĂ€ch mit Christus: In einem lateinischen Hymnus wird Jesus besungen als „Iesu nostra refectio“, als Nahrung und Trank fĂŒr uns, als Erholung und Erfrischung. Mit Jesus zusammen werde ich bereit zu dienen, gemeinsam mit ihm lerne ich, zu verzichten und dem Drang nach sofortiger Befriedigung meiner BedĂŒrfnisse und WĂŒnsche nicht nachzugeben. Denn du, Jesus, bist wertvoller als alle GĂŒter dieser Welt. Mit dir wird sogar der Verzicht sĂŒĂŸ.

Möglicher Vorsatz: Mich fĂŒr befreienden Verzicht entscheiden, a) auf eine sĂŒĂŸe Nachspeise freiwillig verzichten, auf Essen zwischen den Mahlzeiten verzichten, b) Internet und Handy nur zu beruflichen Zwecken oder zur interpersonalen Begegnung nutzen (nicht zu Spiel oder Unterhaltung), c) drei Schriftstellen notieren, um sie tĂ€glich parat zu haben.


Das habt ihr mir getan

11. MĂ€rz 2019

Montag der ersten Woche der Fastenzeit
Quatemberwoche

P. Joachim Richter LC

Mt 25,31-46
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken. Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt fĂŒr euch bestimmt ist. Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im GefĂ€ngnis, und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im GefĂ€ngnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr fĂŒr einen meiner geringsten BrĂŒder getan habt, das habt ihr mir getan. Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das fĂŒr den Teufel und seine Engel bestimmt ist! Denn ich war hungrig, und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im GefĂ€ngnis, und ihr habt mich nicht besucht. Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im GefĂ€ngnis gesehen und haben dir nicht geholfen? Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr fĂŒr einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan. Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.

EinfĂŒhrendes Gebet: Gott, du hast mir dieses eine Leben geschenkt. Es ist einmalig, unwiederholbar. Es beginnt bei dir und wird entweder in die glĂŒckselige Gemeinschaft bei dir mĂŒnden oder in eine ewige Trennung von dir. Du möchtest sehen, was ich aus diesem Leben mache, ob ich es an deinem Evangelium ausrichte oder an meinen persönlichen Launen.

Bitte: Gib mir die innere Bereitschaft, dich und deine Botschaft so ernst zu nehmen, dass ich aufhöre, mich selber mehr zu lieben als meine Mitmenschen, und anfange, großzĂŒgig Werke der Barmherzigkeit zu tun.

1. Unausweichlich. FĂŒr jeden Menschen kommt einmal der Zeitpunkt, an dem er Rechenschaft ĂŒber sein ganzes Leben ablegen muss. Die Unausweichlichkeit dieser Tatsache mag im ersten Moment beunruhigend wirken, aber es ist eine heilsame Unruhe. Denn sie will mich aufwecken aus einem oberflĂ€chlichen und letztlich sinnlosen Dahinleben, aus einer gleichgĂŒltigen Lebenshaltung, die fĂŒr meine Mitmenschen schĂ€dlich ist und die mich selbst meines ewigen GlĂŒcks mit Gott beraubt, wenn ich sie nicht rechtzeitig entschieden korrigiere.

2. GefĂ€hrliches Nichtstun. Es mag durchaus ĂŒberraschend sein, dass in der genannten Gerichtsszene keine Schwerverbrecher verurteilt werden. Der Herr weist uns an dieser Stelle ĂŒberdeutlich auf die GefĂ€hrlichkeit von Unterlassungen hin. Sie sind so gravierend, dass wir im letzten Gericht nicht bestehen können: BedĂŒrftigen nicht geholfen, nicht zu essen oder trinken gegeben zu haben, eigene Kleider im Schrank ‚vergammeln‘ gelassen, anstatt sie verschenkt zu haben, nichts fĂŒr Gescheiterte getan, Kranke oder Gefangene nicht besucht zu haben. Warum aber nicht gelebte Liebe zu solch einer drastischen Verurteilung fĂŒhrt, wird schnell einsichtig: Unser Gott ist Liebe. GleichgĂŒltigkeit und Ichbezogenheit sind ihr Gegenteil und widersprechen somit dem Sinn unseres Lebens.

3. Das habt ihr mir getan. Mutter Teresa hat ihren jungen Ordensschwestern auf geniale Weise den Kern des Evangeliums eingeprĂ€gt. Sie nahm eine Hand der Mitschwester, beugte die Finger und öffnete bei jedem der fĂŒnf Worte einen Finger und sagte dazu: „Das - hast - du - mir - getan.“ Es mag uns ĂŒberraschen, dass sich Jesus mit jedem bedĂŒrftigen Menschen identifiziert. So macht er deutlich, dass wir in unserem ganzen Leben nichts Wichtigeres tun können, als dem Menschen, der vor mir steht, konkrete und tatkrĂ€ftige Liebe zu erweisen. Alles andere ist meist nur eine Illusion oder ‚Gschaftlhuberei‘.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, danke, dass du mich mit solch dramatischen Bildern aufrĂŒttelst. Wie schnell habe ich außer meiner persönlichen Lebenssituation kaum jemand anderen im Fokus. Öffne meinen Blick, Herr, und mein Herz! Dass ich bereit werde, zu denen hinzugehen, die meine Hilfe brauchen. Und bitte vermehre meinen Glauben, damit ich immer besser lerne, in jedem Menschen dich zu sehen, der du dich unwiderruflich mit unserer menschlichen Natur verbunden hast.

Möglicher Vorsatz: Ich will mir oft bewusstmachen, dass sich Jesus besonders mit bedĂŒrftigen Menschen identifiziert.


Unser Vater

12. MĂ€rz 2019

Dienstag der ersten Woche der Fastenzeit

P. Joachim Richter LC

Mt 6,7-15
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet. So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde. Gib uns heute das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben. Und fĂŒhre uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen. Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

EinfĂŒhrendes Gebet: Was ist Gebet? Im Kern besteht das Gebet aus einer persönlichen, freundschaftlichen Beziehung zu Gott, unserem Vater. Du, mein guter Vater, hast uns aus Liebe erschaffen und versorgst uns mit dem, was wir tĂ€glich brauchen.

Bitte: Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt.

1. Persönliche Beziehung. Wer ist Gott? Wie ist Gott? Die Bibel widerspricht einem nebulösen Gottesbild, in dem man sich Gott nur als gesichtsloses höheres Wesen oder unpersönliche Energie vorstellt, die man sich zunutze machen kann. In Jesus hat der allmĂ€chtige Gott ein Gesicht bekommen! Und dieser Gott kennt meinen Namen, er weiß, was ich brauche, denn er ist mein Vater. Er sehnt sich nach einer persönlichen Beziehung zu mir. Er spricht dieselben Worte zu mir wie zu Jesus nach seiner Taufe: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich mein Gefallen gefunden.“

2. Gott ernst nehmen. Jesus hat uns dieses herrliche Gebet hinterlassen, mit dem wir in eine Beziehung zum Vater treten können. Es lohnt sich, das Vaterunser einmal sehr langsam durchzugehen. Die ersten drei Bitten beziehen sich direkt auf Gott und machen deutlich, dass wir Gott ernst nehmen mĂŒssen. Denn Gott ist heilig, es geht um Sein Reich und Seinen Willen. Aber als guter Vater kĂŒmmert er sich um unsere tĂ€glichen BedĂŒrfnisse, was in den fĂŒnf weiteren Bitten zum Ausdruck kommt.

3. Zusammenhang zwischen Gebet und Leben. Eines der genialen Dinge am christlichen Glauben ist die Verbundenheit von Gebet und Leben. Aus dieser „aufs Ganze gehenden“ und umfassenden (= katholischen) Sicht wĂ€re es sinnlos, „brav“ zu beten, solange wir uns weigern, denen zu vergeben, die uns verletzt haben. So einen Widerspruch lĂ€sst Jesus nicht gelten. Er fordert uns vielmehr dazu auf, so zu leben, wie wir als Christen beten und unser Handeln in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes zu ordnen. Eine ganzheitliche Sicht also, zu der es gehört, einander tĂ€glich das Brot der Vergebung zu reichen.

GesprĂ€ch mit Christus: Vater unser im Himmel, ich danke dir, dass ich durch Jesus wissen darf, dass du auch mein Vater bist. Es stĂ€rkt mich, wenn ich weiß, dass du da bist. Ich sehne mich nach deiner Liebe und NĂ€he.

Möglicher Vorsatz: Ich könnte mir ĂŒberlegen, wie ich in den nĂ€chsten Tagen den Namen des Vaters heiligen, mich am Aufbau seines Reich beteiligen und zur Verwirklichung seines Willens in der Welt beitragen kann.


Umkehr

13. MĂ€rz 2019

Mittwoch der ersten Woche in der Fastenzeit

P. Joachim Richter LC

Lk 11,29-32
In jener Zeit, als immer mehr Menschen zu Jesus kamen, sagte er: Diese Generation ist böse. Sie fordert ein Zeichen; aber es wird ihr kein anderes gegeben werden als das Zeichen des Jona. Denn wie Jona fĂŒr die Einwohner von Ninive ein Zeichen war, so wird es auch der Menschensohn fĂŒr diese Generation sein. Die Königin des SĂŒdens wird beim Gericht gegen die MĂ€nner dieser Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie kam vom Ende der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören. Hier aber ist einer, der mehr ist als Salomo. Die MĂ€nner von Ninive werden beim Gericht gegen diese Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie haben sich nach der Predigt des Jona bekehrt. Hier aber ist einer, der mehr ist als Jona.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, oft ist mein Glaube schwach. Das merke ich immer dann, wenn ich AusflĂŒchte suche, um nicht ernsthaft nach deinem Willen zu fragen und umkehren zu mĂŒssen.

Bitte: Heile mein Herz durch deine liebende Gegenwart. Lass in mir die Sehnsucht und die Bereitschaft zur tĂ€glichen Umkehr wachsen.

1. Schluss mit Ausreden. Viele Menschen kamen zu Jesus. Aber er zeigte sich nicht in jedem Fall glĂŒcklich darĂŒber. Warum eigentlich? Weil viele eine echte Umkehr vermissen ließen. Menschen, die Jesus oberflĂ€chlich nachfolgen, ohne konkrete Schritte der Umkehr zu setzen, nennt er „böse“. Dieses harte Urteil mag uns vielleicht erschrecken, aber erinnern wir uns daran, dass Jesus nichts sagt oder tut außer aus aufrichtiger Liebe und zu unserem Heil, d.h. damit wir das Ziel unseres Lebens erreichen.

2. Zeichen der Umkehr. Die Menschen, die in Ninive zur Zeit des Propheten Jona gelebt haben, stellt Jesus als gutes Beispiel hin, weil sie umgekehrt sind. Ähnlich wird die Königin des SĂŒdens als vorbildhaft dargestellt, weil sie um die halbe Welt gereist ist, mit dem einzigen Ziel, an der Weisheit Salomos Anteil zu erhalten. „Seid weise“, wĂŒrde Jesus heute sagen, „betrachtet ‚das Zeichen des Jona‘, also die Tatsache, dass ich tot im Grab lag und am dritten Tag auferstanden bin. Nehmt Gott ernst, sucht den Willen Gottes und kehrt um.“

3. TĂ€glich umkehren. Jesus ruft uns aus einer zu bequemen Lebenseinstellung heraus. Er will, dass wir wahrhaft umkehren. AnlĂ€sse gibt es viele: stĂ€ndig neue Loslösung von ungeordneten Bindungen an Dinge, WĂŒnsche und manchmal auch Personen; dankbar sein; aufstehen vom „Sofachristendasein“; mich tatsĂ€chlich fĂŒr meine Mitmenschen interessieren und Freundschaften aufbauen und ihnen dienen; die ‚Teetasse‘ meiner persönlichen Welt verlassen und Jesus froh und mit brennender Liebe verkĂŒnden. Da, wo ich noch nicht so lebe, brauche ich Umkehr.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, ich brauche Umkehr. Gib mir bitte deine Gnade dazu. Hilf mir auf, denn ich bin schwach, und ganz schnell geschieht es, dass ich zu viel um mich selber kreise. Hilf mir, aus meiner ĂŒbertriebenen Selbstbezogenheit auszubrechen. Auf dich will ich schauen, auf dich, meinen Retter.

Möglicher Vorsatz: Ich ĂŒberlege mir, wo ich Umkehr brauche: 1) in der Nutzung von Smartphone und Internet, 2) in Bezug auf die Zeit, die meiner Familie gehört, 3) in Bezug auf meine persönlichen Gebetszeiten.


Vertrauen lohnt sich

14. MĂ€rz 2019

Donnerstag der ersten Woche in der Fastenzeit
Hl. Mathilde, Königin, KlostergrĂŒnderin
Konrad MĂŒller OFM, MĂ€rtyrer

P. Joachim Richter LC

Mt 7,7-12
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfĂ€ngt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Oder ist einer unter euch, der seinem Sohn einen Stein gibt, wenn er um Brot bittet, oder eine Schlange, wenn er um einen Fisch bittet? Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten. Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Unser Vater im Himmel, mein Vater, ich danke dir, dass du mich aus Liebe geschaffen hast und mich fortwĂ€hrend mit vielen Gaben beschenkst, mit natĂŒrlichen Gaben wie Familie, Gesundheit, Ausbildung, Arbeit, Essen, Wohnung und mit ĂŒbernatĂŒrlichen Gaben wie Glaube, Hoffnung, Liebe und dem Beistand und Trost deines Heiligen Geistes.

Bitte: Ich brauche viele Dinge und wende mich im Vertrauen auf deine Zusage an dich. Ich bitte dich vor allem um 
 (persönliches Anliegen). Mehre mein Vertrauen. Danke.

1. Immer willkommen. Bei Gott sind wir immer willkommen. Jesus, der Sohn Gottes, ermutigt uns, mit allen unseren Anliegen und BedĂŒrfnissen frei zu Gott zu kommen. Oft fĂŒhlen wir uns gehemmt und wagen es nicht zu vertrauen. Doch wie der beste Vater und die beste Mutter gibt Gott uns Gutes, denn er ist reine Liebe. Es wĂŒrde seinem innersten Wesen widerstreben, uns gar nichts zu geben oder uns etwas zu geben, was uns schadet. Gott ist kein fernstehendes höchstes Wesen, das an unserem Leben kein Interesse zeigt und keinen Anteil nimmt, wie der Deismus behauptet. Gott ist auch keine willkĂŒrliche Macht, eine Art Schicksal, die alles von einer Sternkonstellation abhĂ€ngen lĂ€sst. Sondern Gott ist der Vater Jesu und unser Vater, der uns das Leben geschenkt hat und uns alles gibt, was wir zum Leben brauchen. Bei ihm wird uns gegeben, bei ihm werden wir finden, bei ihm wird uns geöffnet.

2. Bittet. Kleine Kinder kommen oft zu ihren Eltern und betteln um etwas, was sie haben möchten. Manchmal ist es rĂŒhrend mit anzusehen, wie sie bitten und sich dabei noch kleiner machen als sonst und so indirekt ihre eigene BedĂŒrftigkeit und die GrĂ¶ĂŸe und SouverĂ€nitĂ€t der Eltern anerkennen. Die Kinder geben uns ein Beispiel fĂŒr unsere Haltung vor Gott. Wenn wir bedenken, wer Gott ist und wer wir sind, werden wir uns gerne an das Wort Jesu halten: Bittet, sucht, klopft an. DarĂŒber sagt der heilige Augustinus: „Gott, der Herr, wĂŒnscht und will, dass wir Gnade erlangen. Er gibt seine Gnade aber nur denen, die darum bitten.“ Wenn wir bitten, wird uns bewusst, von wem wir die Gaben erhalten und bei wem wir uns bedanken mĂŒssen.

3. Die goldene Regel. Ich finde es interessant, dass Jesus diese beiden unterschiedlichen Themen miteinander verbindet: das Thema des Bittens und das Thema der goldenen Regel. Erst bei lĂ€ngerem Betrachten sehe ich den Zusammenhang: So wie wir von Gott Vater erwarten (auf eindrĂŒckliche Einladung Jesu), dass er uns gute Gaben gibt, so sollen wir die Erwartungen unserer Mitmenschen uns gegenĂŒber nicht enttĂ€uschen. Wir sollten Gott nachahmen, indem wir dem geben, der uns bittet, den etwas Gutes finden lassen, der suchend zu uns kommt, und dem öffnen, der bei uns anklopft. Auf diese Weise gelangt die Liebe Gottes durch uns zu anderen Menschen und wir bauen mit an einer Zivilisation der Gerechtigkeit und der NĂ€chstenliebe.

GesprĂ€ch mit Christus: Unser Vater, wie oft lasse ich mich durch mein Misstrauen davon abhalten, bei dir anzuklopfen. Verzeih mir und lass mich werden wie ein Kind, das grenzenloses Vertrauen hat, dass sein Vater fĂŒr es da ist und auf alle Fragen und BedĂŒrfnisse eine fĂŒrsorgliche Antwort gibt.

Möglicher Vorsatz: Vielleicht habe ich in meiner Kindheit Erfahrungen gemacht (Eltern, Lehrer, Verwandte, Freunde), die es mir bis heute schwermachen, tief auf Gott zu vertrauen. Diese Erinnerungen bringe ich bei meinen nĂ€chsten Gebetszeiten bewusst vor Gott und bitte ihn um Heilung. Oder vielleicht kenne ich Menschen, denen es so geht. Dann bete ich fĂŒr sie.


Der höhere Weg

15. MĂ€rz 2019

Freitag der ersten Woche in der Fastenzeit
Hl. Klemens Maria Hofbauer CSsR, Apostel von Wien

P. Joachim Richter LC

Mt 5,20-26
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit grĂ¶ĂŸer ist als die der Schriftgelehrten und der PharisĂ€er, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zĂŒrnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du gottloser Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein. Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfĂ€llt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe. Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist. Sonst wird dich dein Gegner vor den Richter bringen, und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener ĂŒbergeben, und du wirst ins GefĂ€ngnis geworfen. Amen, das sage ich dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, manchmal regt mich das Verhalten meiner Mitmenschen sehr auf. Es kommt sogar vor, dass ich dann ĂŒber andere schimpfe oder lĂ€stere, manchmal nur in meinen Gedanken, andere Male aber sogar mit Worten und vor anderen Menschen. Ich weiß, dass das nicht richtig ist und mir wahrscheinlich sogar selber schadet. Du, Jesus, willst mich auf einen anderen Weg leiten, auf den Weg der Vergebung und der Liebe.

Bitte: Herr, bitte lass in mir die Bereitschaft zur Vergebung wachsen und hilf mir, immer besser begreifen, welch hohen Stellenwert zwischenmenschliche Beziehungen in deinen Augen haben.

1. Fleisch oder Geist. Wie schnell entsteht in uns als Reflex die Reaktion „Wie du mir, so ich dir“ – aus dem Bauch heraus! Jesus ruft uns eindringlich auf, eine solche Haltung als „rĂŒckstĂ€ndig“ zu erkennen und zu einer höheren Gerechtigkeit vorzudringen. Dass wir Menschen immer wieder einmal in Streit geraten und uns ĂŒbereinander Ă€rgern, ist völlig normal, denn wir alle sind aus Fleisch und Blut. Aber es gibt immer einen besseren Weg, als sich von zerstörerischen GefĂŒhlen mitreißen zu lassen. Vergib, versöhne dich, schließe Frieden. Das ist der Weg, auf dem der Geist Gottes uns fĂŒhren will.

2. Lieben, bis es weh tut. â€žWer seinem Bruder auch nur zĂŒrnt, soll dem Gericht verfallen sein.“ Jemandem zu zĂŒrnen, das bedeutet, ihm sein Herz zu verschließen, das krasse Gegenteil der Liebe, und somit der Widerspruch zu unserer hohen Berufung, Abbild des Gottes der Liebe zu sein. Ein Christ zĂŒrnt anderen nicht, auch weil er sein Herz vom Groll nicht vergiften lassen will, um frei und offen zu bleiben fĂŒr die Liebe. Wenn wir Gott wahrhaft Ă€hnlich werden wollen, mĂŒssen wir lernen zu lieben, auch dann, wenn es uns alles andere als leichtfĂ€llt. Doch durch Jesus wissen wir, wovon Gott Vater trĂ€umt: von Menschen, die auf alles, was geschieht, einzig mit Liebe reagieren. Die heilige Mutter Teresa hat uns vorgelebt, dass es möglich ist, so zu leben. Deshalb hat sie gesagt: Lasst uns die Liebe leben, selbst dann noch, wenn es weh tut.

3. Die rechte Wertehierarchie. Als gute Christen steht fĂŒr uns die Beziehung zum Herrn an vorderster Stelle. Deshalb beten wir mehrmals am Tag, gehen öfters zur heiligen Messe und bemĂŒhen uns in allen Dingen, Gott zu ehren. Heute weist Jesus auf eine wichtige Ausnahme hin: Wenn du zur Kirche gehst und dir dabei einfĂ€llt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, dann kehr um und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder. Dass wir uns nach einem Streit versöhnen, hat fĂŒr den Herrn in diesem Moment einen höheren Wert, als einfach so weiter zu machen mit Gebet und Messe, als ob nichts geschehen wĂ€re. Nach vollzogener oder zumindest aufrichtig angebotener Versöhnung sind wir Gott wieder willkommen, in Gebet und Gottesdienst.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr Jesus Christus, du bist in unsere Welt gekommen, um uns wieder mit Gott und untereinander zu versöhnen. Lass uns niemals vergessen, welch hohen Stellenwert gesunde zwischenmenschliche Beziehungen fĂŒr dich einnehmen. ErfĂŒlle uns mit Heiligem Geist, dass wir in der Liebe nicht erkalten.

Möglicher Vorsatz: Ich frage mich: Gibt es Personen, mit denen ich in einem angespannten VerhĂ€ltnis lebe? Trage ich jemandem etwas nach? - Ich notiere mir wichtige Schritte, wie ich das in Ordnung bringen will.


Die verwandelnde Kraft der Liebe

16. MĂ€rz 2019

Samstag der ersten Woche in der Fastenzeit
Hl. Heribert von Köln, Erzbischof

P. Joachim Richter LC

Mt 5,43-48
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen NĂ€chsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet fĂŒr die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lĂ€sst seine Sonne aufgehen ĂŒber Bösen und Guten, und er lĂ€sst regnen ĂŒber Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nĂ€mlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafĂŒr erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure BrĂŒder grĂŒĂŸt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, oft begnĂŒge ich mich mit einem mittelmĂ€ĂŸigen christlichen Leben. Das ist aber nicht befriedigend, weder fĂŒr mich noch fĂŒr dich. Ich will mich von dir aufrĂŒtteln und zur vollkommenen Liebe rufen lassen.

Bitte: Herr, entzĂŒnde mein Herz, setze es ganz in Brand. Denn ich will lieben nach deinem Vorbild.

1. Stabil in der Liebe werden. Wenn mir jemand etwas schenkt oder etwas Gutes tut, bleibt das in meinem GedĂ€chtnis haften, und ich verspĂŒre den Wunsch, etwas zurĂŒckzuschenken. Jesus lĂ€dt uns ein, eine Stufe höher zu steigen und alle Menschen freundlich zu grĂŒĂŸen und ihnen Gutes zu tun, selbst wenn ich nichts zurĂŒckerwarten kann. Ja eigentlich mĂŒsste man sagen: Jesus lĂ€dt mich ein, anderen unabhĂ€ngig von ihrem Verhalten immer Gutes zu tun und zu lernen, nichts von anderen zu erwarten. So sieht christliches Streben nach Vollkommenheit aus.

2. Revolution der Beziehungen. â€žLiebt eure Feinde.“ Aber das ist doch völlig unmöglich, sagen uns unser BauchgefĂŒhl und unsere Erfahrungen! Wie könnte ich jemanden lieben, der mich ablehnt, mir schaden oder mich aus dem Weg rĂ€umen will! Undenkbar! Doch auch die Psychologie hat diese Wahrheit erkannt, dass wir nicht nur anderen schaden, sondern auch uns selbst, wenn wir in uns Empfindungen der Rache und des Hasses zulassen. Nur die Entscheidung zu vergeben, fĂŒhrt zur Lösung. Das ist – in konstruktiver Weise – revolutionĂ€r.

3. Söhne des Vaters. In der Taufe hat Gott uns als seine Kinder – Töchter und Söhne – angenommen. Das ist eine Wirklichkeit, die Gott uns durch das Sakrament garantiert schenkt. Es ist Gottes Handeln. Aber es bleibt gewissermaßen eine zweite Seite der Medaille, wo unser menschliches Handeln gefragt ist: Nur wenn wir dem Inhalt der Taufe entsprechend leben, werden wir tatsĂ€chlich „Söhne Gottes werden“. Dieses „Werden“ hĂ€ngt also auch von meinem freien menschlichen Zutun ab. Wenn wir fĂŒr die beten, die uns verfolgen und unsere Feinde lieben, werden wir ganz und gar Töchter und Söhne Gottes „werden“.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, segne die Feinde der Kirche. Wandle Hass und berechnendes Handeln um in Annahme und selbstlose Liebe. Hilf mir, die GrĂ¶ĂŸe meiner Berufung zur Tochter Gottes / zum Sohn Gottes zu begreifen, damit ich dementsprechend lebe. Nimm mir Ängste und Vorbehalte, die mich daran hindern, im normalen Alltag nach Vollkommenheit in der Liebe zu streben.

Möglicher Vorsatz: Ich versuche, mich daran zu erinnern, welche Menschen mir unsympathisch sind und wo ich Menschen ausweiche. Ich bete fĂŒr sie und ĂŒberlege, wie ich genau diesen Menschen etwas Gutes tun kann.