Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 17. Februar 2019 bis Samstag 23. Februar 2019

Sechste Woche im Jahreskreis

Beate Scheilen

Damit hat keiner gerechnetSonntag
Wunder auf BestellungMontag
Sicherheitsdenken vs. GottvertrauenDienstag
Verdunkeltes MenschseinMittwoch
„Das geht ja nun gar nicht!“Donnerstag
SchlĂŒsselverwalterFreitag
Glanz und SchreckenSamstag


Damit hat keiner gerechnet

17. Februar 2019

Sechster Sonntag im Jahreskreis
Die heiligen Sieben Stifter des Servitenordens

Beate Scheilen

Lk 6,17.20-26
In jener Zeit stieg Jesus mit seinen JĂŒngern den Berg hinab. In der Ebene blieb er mit einer großen Schar seiner JĂŒnger stehen, und viele Menschen aus ganz JudĂ€a und Jerusalem und dem KĂŒstengebiet von Tyrus und Sidon strömten herbei. Jesus richtete seine Augen auf seine JĂŒnger und sagte: Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes. Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet satt werden. Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen. Freut euch und jauchzt an jenem Tag; euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn ebenso haben es ihre VĂ€ter mit den Propheten gemacht. Aber weh euch, die ihr reich seid; denn ihr habt keinen Trost mehr zu erwarten. Weh euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen. Weh euch, wenn euch alle Menschen loben; denn ebenso haben es ihre VĂ€ter mit den falschen Propheten gemacht.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich will mich jetzt fĂŒr eine kurze Zeit von meinen vielen BeschĂ€ftigungen lösen und in deine NĂ€he kommen. Ich möchte dir meine Freuden und Sorgen bringen und an den deinen teilhaben. In deinem Evangelium will ich die Kraftquelle fĂŒr mein Leben finden.

Bitte: Bitte hilf mir, dass ich mit deinem Herzen auf die Menschen sehen kann, die sich versammelt haben, und spĂŒre, wie die Worte, die du sprichst, aus deinem Herzen kommen.

1. Außergewöhnliche Anziehung. Zwischen Jerusalem und Tyrus liegen ca. 150 km. Ersteres war das religiöse Zentrum Israels, letzteres ein halb-heidnischer Außenposten. Zu Jesus kommen sie alle: die Frommen und die weniger Frommen - und sie nehmen einen weiten Weg auf sich, um ihm zu begegnen. Was treibt die Menschen zu Jesus? Seine integre Persönlichkeit? Seine außergewöhnliche Lehre? Oder der Wunsch nach körperlicher oder seelischer Heilung? Dieser letztere Wunsch treibt die Menschen auch heute an. Der „Run“ auf entsprechende Angebote ist groß und zum Teil mit erheblichen Aufwendungen an Zeit und Geld verbunden. Wohin gehe ich, um heil zu werden an Seele und Leib? WĂŒrde ich 50 km zu Fuß gehen, um Jesus in der Eucharistie zu begegnen?

2. Ungewöhnliche Botschaften. Die Botschaft, die Jesus seinen JĂŒngern diesmal verkĂŒndet, ist schon recht speziell, und die Zuhörer haben mit so etwas vermutlich nicht gerechnet. Stellen wir uns einmal vor, wir hĂ€tten diese Worte noch nie gehört. WĂŒrden wir sie mit „Ja klar, seh‘ ich auch so“ abnicken und zur Tagesordnung ĂŒbergehen? Sie lösen wohl eher Ratlosigkeit aus. Warum sollen arme Leute glĂŒcklich sein? DĂŒrfen wir dann solchen Menschen nicht mehr helfen, weil man ihnen damit ihre (Arm)Seligkeit nimmt? Warum soll man sich freuen, wenn man beschimpft und gehasst wird? Warum soll es schlecht sein, wenn man genug zu essen hat und auch mal lachen kann? In einer Wohlstandsgesellschaft wie der unseren sind diese Worte Jesu wohl die beste Anti-Werbung fĂŒr den christlichen Glauben, die man sich vorstellen kann
 wenn man sie falsch versteht.

3. ĂœbernatĂŒrliche Lebenshaltung. Jesus hatte wohlhabende Leute unter seinen JĂŒngern, die ihn mit ihrem Geld unterstĂŒtzten und hat das auch gerne angenommen. Er verwirft hier nicht den materiellen Besitz als solchen, sondern die Haltung desjenigen, der sich vor Gott als reich ausgibt. Der satt ist und sich nichts mehr schenken lassen will. Der auf der Erde so gut lachen hat, dass er sich nicht mehr nach dem Reich Gottes sehnt. GlĂŒcklich dagegen ist derjenige, der weiß, dass dieses Leben nicht alles ist. Der sich von Gott beschenken und versorgen lĂ€sst, auch wenn es ihm Hohn und Spott seitens der rein erdverhafteten Mitmenschen eintrĂ€gt.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, deine Worte sind „starker Tobak“ und aus rein menschlicher Sicht gar nicht nachvollziehbar. SpĂ€testens hier mĂŒssten eigentlich alle kapitulieren, die dich nur fĂŒr einen großen Weisheitslehrer oder gar fĂŒr den VorlĂ€ufer von Che Guevara halten. In dieser irdischen Welt wird es nĂ€mlich immer Ungerechtigkeit geben. Und du versuchst erst gar nicht, das mit einem Machtwort grundsĂ€tzlich zu Ă€ndern, denn du respektierst unsere Freiheit – auch die zum Bösen. Stattdessen lĂ€dst du uns zum Guten ein und versprichst deinen Nachfolgern, dass all ihre Leiden im Reich Gottes mehr als ausgeglichen werden. Darin kann ich die Hoffnung fĂŒr mein Leben finden - wenn ich dir vertraue.

Möglicher Vorsatz: Bei meinem nĂ€chsten Restaurantbesuch werde ich vor dem Essen beten und ein Kreuzzeichen machen, auch auf die Gefahr hin, dass es schrĂ€ge Blicke vom Nachbartisch gibt.


Wunder auf Bestellung

18. Februar 2019

Montag der sechsten Woche im Jahreskreis

Beate Scheilen

Mk 8,11-13
In jener Zeit kamen die PharisĂ€er und begannen ein StreitgesprĂ€ch mit Jesus; sie forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel, um ihn auf die Probe zu stellen. Da seufzte er tief auf und sagte: Was fordert diese Generation ein Zeichen? Amen, das sage ich euch: Dieser Generation wird niemals ein Zeichen gegeben werden. Und er verließ sie, stieg in das Boot und fuhr ans andere Ufer.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich will mich jetzt fĂŒr eine kurze Zeit von meinen vielen BeschĂ€ftigungen lösen und in deine NĂ€he kommen. Ich möchte dir meine Freuden und Sorgen bringen und an den deinen teilhaben. In deinem Evangelium will ich die Kraftquelle fĂŒr mein Leben finden.

Bitte: Bitte hilf mir, dass ich mit deinem Herzen die innere Haltung sehen kann, die dich zum Aufseufzen brachte.

1. Die vorgetĂ€uschte Echtheits-Probe. Man sollte meinen, Jesus habe schon ausreichend Wunder gewirkt, um alle von seiner göttlichen Vollmacht zu ĂŒberzeugen. Was wollen die PharisĂ€er, die hier offenbar als eine Art Untersuchungsausschuss anrĂŒcken, denn eigentlich noch? Nun ja, Jesus hĂ€lt sich nicht an die Speisegebote, bricht die Sabbatruhe, vergibt sogar SĂŒnden
 welcher Geist wirkt in diesem Menschen? Die religiösen AutoritĂ€ten Israels haben ein berechtigtes Interesse daran, das herauszufinden. Darum verlangen sie ein himmlisches Wunder „auf Bestellung“, als Probe fĂŒr die Echtheit des Anspruchs, mit dem Jesus auftritt. Dabei handeln sie aber nicht eben fair. Schauen wir ins AT und lesen Deuteronomium 13, 1-6. Dort wird der Fall geschildert, dass ein Prophet auftritt, Zeichen und Wunder tut – und gleichzeitig zum Abfall von Gott und seinen Geboten aufruft. Was Jesus nach ihrer Ansicht ja offenkundig tut. Also: Wenn Jesus kein „Zeichen vom Himmel“ erhĂ€lt, hat er sich eben klar disqualifiziert. Wenn ein Zeichen kommt, werden die PharisĂ€er ihn trotzdem nicht anerkennen, denn laut der o.g. Schriftstelle ist so etwas lediglich ein Trick, den ein falscher Prophet anwendet, um Israel zum Götzendienst zu verfĂŒhren. Was dann zu tun ist, steht in Dtn 13,6: „Jener Prophet
 soll getötet werden
 So sollst du das Böse aus deiner Mitte austilgen.“

2. Mit Jesus spielt man nicht. Das ist der Plan, den sie jetzt schon fĂŒr Jesus vorbereitet haben. Er ist gekommen, um Israel zu retten – und sie identifizieren ihm mit „dem Bösen“. Egal was er tut, ihr Urteil ist schon gefĂ€llt. Sie geben lediglich vor, gesprĂ€chsbereit zu sein; in Wirklichkeit werden sie Jesus niemals Vertrauen schenken. Jesus bewahrt seine SouverĂ€nitĂ€t, indem er sich diesem „Ermittlungsverfahren“ entzieht. Glaubensbereitschaft findet Jesus beim einfachen Volk, zum Teil sogar bei den Heiden, aber nicht bei den Priestern und Schriftgelehrten. Darum bricht er diese Farce ab, erklĂ€rt, „diese Generation“ (eine Anspielung auf das untreue Israel zu Moses‘ Zeiten) werde niemals ein Zeichen bekommen – lĂ€sst die Fragesteller stehen und fĂ€hrt weg. Der gleiche Jesus, der niemanden fortschickt, der ernsthaft um Hilfe bittet, weist diese Bitte konsequent ab. ER ist der Herr, und er lĂ€sst nicht mit sich spielen! Wo Menschen nicht glauben wollen, zieht er sich zurĂŒck.

3. Heute macht man das so
 Die heutige Variante geht ungefĂ€hr so: „Ich wĂŒrde ja an Gott glauben, wenn
 man seine Existenz beweisen könnte, es kein Leid auf der Welt gĂ€be, die Kirche so arm wĂ€re wie vor 2000 Jahren, die Christen sich endlich mal wie Christen benehmen wĂŒrden usw. – Sicher soll man nicht unbesehen alles glauben, und ja, es fehlt uns Christen insgesamt noch viel zur Heiligkeit. Es gibt auch viele ernstzunehmende Fragen an den Glauben. Aber ich vermute inzwischen, dass die o.g. SĂ€tze oft nur als Ausrede benutzt werden, um sich nicht mit der Botschaft Jesu und dem Anspruch Gottes an die eigene LebensfĂŒhrung auseinandersetzen zu mĂŒssen. Da hilft es auch nichts, wenn man dem GegenĂŒber vom scholastischen Gottesbeweis bis zu Mutter Teresa alles anbietet, um ihn oder sie von der Wahrheit des Evangeliums zu ĂŒberzeugen. Das nĂŒtzt nichts, oder wird sogar als Übergriff empfunden. In solchen FĂ€llen sollten wir es lieber machen wie Jesus: Einfach weggehen – und lieber fĂŒr die Betreffenden beten, als weiter zu diskutieren.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, wie weh muss es dir getan haben, so behandelt zu werden! Aber du lĂ€sst auch denen, die in die Irre gehen, ihre Freiheit. Du drĂ€ngst weder die Wahrheit auf, noch biederst du dich jemandem an. Hilf mir, dies auch in meiner eigenen apostolischen TĂ€tigkeit zu beherzigen.

Möglicher Vorsatz: Diese Woche werde ich darĂŒber nachdenken, auf welche Weise ich mit Menschen, die dem Glauben fernstehen, ĂŒber diesen spreche. Wenn ich mich das gar nicht traue, bitte ich Jesus um Mut. Wenn ich zu denen gehöre, die von sich selbst etwas zu sehr ĂŒberzeugt sind, bitte ich Jesus um Demut. Und um den Heiligen Geist beim nĂ€chsten GesprĂ€ch können wir alle bitten.


Sicherheitsdenken vs. Gottvertrauen

19. Februar 2019

Dienstag der sechsten Woche im Jahreskreis

Beate Scheilen

Mk 8,14-21
In jener Zeit hatten die JĂŒnger vergessen, bei der Abfahrt Brote mitzunehmen; nur ein einziges hatten sie dabei. Und Jesus warnte sie: Gebt acht, hĂŒtet euch vor dem Sauerteig der PharisĂ€er und dem Sauerteig des Herodes! Sie aber machten sich Gedanken, weil sie kein Brot bei sich hatten. Als er das merkte, sagte er zu ihnen: Was macht ihr euch darĂŒber Gedanken, dass ihr kein Brot habt? Begreift und versteht ihr immer noch nicht? Ist denn euer Herz verstockt? Habt ihr denn keine Augen, um zu sehen, und keine Ohren, um zu hören? Erinnert ihr euch nicht: Als ich die fĂŒnf Brote fĂŒr die FĂŒnftausend brach, wie viele Körbe voll BrotstĂŒcke habt ihr da aufgesammelt? Sie antworteten ihm: Zwölf. Und als ich die sieben Brote fĂŒr die Viertausend brach, wie viele Körbe voll habt ihr da aufgesammelt? Sie antworteten: Sieben. Da sagte er zu ihnen: Versteht ihr immer noch nicht?

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich will mich jetzt fĂŒr eine kurze Zeit von meinen vielen BeschĂ€ftigungen lösen und in deine NĂ€he kommen. Ich möchte dir meine Freuden und Sorgen bringen und an den deinen teilhaben. In deinem Evangelium will ich die Kraftquelle fĂŒr mein Leben finden.

Bitte: Bitte hilf mir, dass ich sehen kann, welche innere Haltung du dir von uns erwĂŒnschst.

1. Jesus hat es nicht leicht. Jesus hat es wirklich nicht leicht! Gerade noch haben die religiösen AutoritĂ€ten des Volkes, das zu retten er gekommen ist, ihn fĂŒr einen Abgesandten des Bösen gehalten. Bei seinen JĂŒngern trifft er nicht etwa auf VerstĂ€ndnis fĂŒr die Tragik dieser Situation, sondern auf blanke Ignoranz. Alles, was sie im Moment beschĂ€ftigt, ist, dass sie anscheinend nicht genug zu essen bei sich haben. Die Warnung Jesu vor dem „Sauerteig“ der PharisĂ€er bzw. des Herodes verstehen sie nur vor dem Hintergrund ihres leeren Magens. Davon sind sie völlig eingenommen. Was bedeutet dagegen schon die Tatsache, dass Israel gerade seinen Messias abgelehnt hat? Als Jesus das merkt, ist er verstĂ€ndlicherweise in seinen Hoffnungen enttĂ€uscht und hĂ€lt es fĂŒr erforderlich, seine JĂŒnger sehr eindringlich daran zu erinnern, was sie erst vor kurzem erlebt haben: Dass Gott sehr wohl in der Lage ist, ihnen jederzeit zu geben, was sie nötig haben.

2. Die einzig wahre Tragik. Dabei sind die JĂŒnger durchaus nicht böswillig – sie haben einfach nur kein GespĂŒr fĂŒr die Geschehnisse in der transzendenten Welt und vergessen die erfahrenen Wohltaten sehr schnell. Das Gleiche wird sich spĂ€ter in Getsemane abspielen, als die JĂŒnger (kurz nachdem sie erstmals die Eucharistie - das Brot des Lebens - empfangen haben!) schlafen, wĂ€hrend Jesus die schwerste Stunde seines Lebens erleidet. Sie verstehen einfach nicht, was vor sich geht. Das ist die Folge der UrsĂŒnde: Der Mensch ist herausgefallen aus dem Reich Gottes, er hat keinen Sensus mehr fĂŒr die ĂŒbernatĂŒrliche Welt, er geht im Materiellen auf. Das – aus der Sicht Gottes – wirklich Wichtige erschließt sich ihm nicht. Das ist im Grunde die einzig wahre Tragik in der Welt!

3. Eine Welt aus Sicherheiten. Und heute? Wir leben in einem reichen Land, aber wir haben viele Sorgen. Der eine sorgt sich ums Geld, der andere um die Gesundheit (ein großes Thema heutzutage!). Versicherungen versprechen Absicherung gegen alle WechselfĂ€lle des Lebens
 das ist der „Sauerteig des Herodes“: Gott spielt keine Rolle, man geht im Weltlichen auf, statt auf Gottes FĂŒrsorge zu vertrauen. Den Gegenpol bietet die Haltung der PharisĂ€er: eine fromme Gesetzlichkeit, bei der Gott zwar nicht geleugnet, aber so in ein Regelwerk gepresst wird, dass er faktisch keinen Spielraum mehr hat. Man hat sich Gott verfĂŒgbar gemacht, sich gegen Überraschungen abgesichert und erlöst sich aus eigener Kraft. Beides hat nichts mit dem zu tun, was Jesus uns anbietet: eine Beziehung zu Gott, dem wir vertrauen, wie ein Kind seinem Vater.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, ich kann gut verstehen, dass du damals von deinen JĂŒngern enttĂ€uscht warst, weil sie die PrioritĂ€ten nicht erkannt haben. Du bist sicher schon oft genug aus dem gleichen Grund ĂŒber mich traurig gewesen. Bitte schenke mir deinen Heiligen Geist, damit ich erkennen kann, was wirklich Vorrang hat im Leben. Ich möchte dir StĂŒck fĂŒr StĂŒck meine materiellen Sorgen abgeben, damit ich freier werde, um deine Sorge um die Seelen zu teilen.

Möglicher Vorsatz: Ich werde diese Woche darĂŒber nachdenken, welche Absicherungen ich in mein Leben eingebaut habe. Womöglich werde ich einmal bewusst auf eine materielle Sicherheit verzichten, um zu erleben, wie Gott fĂŒr mich sorgt (z.B. indem ich faste, Almosen gebe, etwas nicht mit Geld oder einem Apparat zu lösen suche).


Verdunkeltes Menschsein

20. Februar 2019

Mittwoch der sechsten Woche im Jahreskreis

Beate Scheilen

Mk 8,22-26
In jener Zeit kamen Jesus und seine JĂŒnger nach Betsaida. Da brachte man einen Blinden zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berĂŒhren. Er nahm den Blinden bei der Hand, fĂŒhrte ihn vor das Dorf hinaus, bestrich seine Augen mit Speichel, legte ihm die HĂ€nde auf und fragte ihn: Siehst du etwas? Der Mann blickte auf und sagte: Ich sehe Menschen; denn ich sehe etwas, das wie BĂ€ume aussieht und umhergeht. Da legte er ihm nochmals die HĂ€nde auf die Augen; nun sah der Mann deutlich. Er war geheilt und konnte alles ganz genau sehen. Jesus schickte ihn nach Hause und sagte: Geh aber nicht in das Dorf hinein!

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich will mich jetzt fĂŒr eine kurze Zeit von meinen vielen BeschĂ€ftigungen lösen und in deine NĂ€he kommen. Ich möchte dir meine Freuden und Sorgen bringen und an den deinen teilhaben. In deinem Evangelium will ich die Kraftquelle fĂŒr mein Leben finden.

Bitte: Bitte hilf mir, dass ich mit deinem Herzen auf den Blinden sehen kann, dessen du dich erbarmst.

1. Was ist das grĂ¶ĂŸere Übel? â€žHabt ihr denn keine Augen, um zu sehen?“ hat Jesus seine JĂŒnger gefragt, als sie sich um die fehlenden Brote sorgten. Ihnen ging es Ă€hnlich wie im Montagsevangelium den PharisĂ€ern: Sie waren im geistigen Sinne mit Blindheit geschlagen – genauso wie der Mann, den man jetzt zu Jesus bringt, es im physischen Sinne ist. Wer ist wohl schlimmer dran? Jemand, der die Welt um sich herum nicht sehen kann – oder jemand, der Gott nicht sieht?

2. Heilende BerĂŒhrung. Die JĂŒnger hat Jesus gestern recht resolut zurechtgewiesen (sie hĂ€tten es ja auch eigentlich besser wissen mĂŒssen); mit dem blinden Mann, der fĂŒr seinen Zustand nichts kann, geht er sehr behutsam um. Er fĂŒhrt ihn zunĂ€chst einmal aus dem Trubel des Dorfes heraus. Dann heilt er ihn nicht einfach durch ein Wort, sondern – genau entsprechend der an ihn gerichteten Bitte – durch BerĂŒhrung. Es ist interessant, dass der Mann nicht auf einen Schlag vollstĂ€ndig geheilt wird, sondern erst nach einer weiteren Handauflegung „alles ganz genau sehen“ kann. Dies ist die einzige Heilung in den Evangelien, die stufenweise geschieht! Warum wohl?

3. Besser sehen mit Jesus. â€žDas wahre Augenlicht gibt uns nur Jesus“ könnte als Motto ĂŒber den letzten drei Evangelien dieser Serie stehen. Markus berichtet nicht zufĂ€llig in dieser Reihenfolge. In PalĂ€stina gab es damals viele Blinde, und ihr Zustand stĂŒrzte sie in große Not. Die physische Blindheit war nicht nur ein soziales Elend, sondern quasi ein Symbol fĂŒr das „verdunkelte“ Menschsein nach der UrsĂŒnde. Das Wort „blind“ wird in der Bibel auch als Umschreibung fĂŒr geistliche Verblendung benutzt. Viele Hinweise auf den Messias sagen daher voraus, dass er Blinde heilen wird. Wenn Jesus also macht, dass Blinde wieder sehen, zeigt er sich damit als Gott, der seine zerbrochene Schöpfung wieder heil macht.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, ich habe - Dank sei dir - heile Augen, um diesen Text lesen zu können! Aber mein Geist und mein Herz sind oft noch sehr eingetrĂŒbt, wenn es darum geht, den Weg zu dir zu finden. Bitte hilf mir nach und nach, so wie dem Blinden, sehend zu werden fĂŒr deine Liebe!

Möglicher Vorsatz: Heute werde ich darĂŒber nachdenken, wie mein Leben aussĂ€he, wenn ich nicht getauft wĂ€re, nie einen Gottesdienst besucht und nie die Botschaft von der Liebe Gottes gehört hĂ€tte. Vielleicht wird mir dann noch viel mehr bewusst, welchen Schatz ich empfangen habe und weitergeben kann.


„Das geht ja nun gar nicht!“

21. Februar 2019

Donnerstag der sechsten Woche im Jahreskreis
Hl. Petrus Damiani OSB, Kardinal, Bischof, Kirchenlehrer

Beate Scheilen

Mk 8,27-33
Jesus ging mit seinen JĂŒngern in die Dörfer bei CĂ€sarea Philippi. Unterwegs fragte er die JĂŒnger: FĂŒr wen halten mich die Menschen? Sie sagten zu ihm: Einige fĂŒr Johannes den TĂ€ufer, andere fĂŒr Elija, wieder andere fĂŒr sonst einen von den Propheten. Da fragte er sie: Ihr aber, fĂŒr wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Messias! Doch er verbot ihnen, mit jemand ĂŒber ihn zu sprechen. Dann begann er, sie darĂŒber zu belehren, der Menschensohn mĂŒsse vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er werde getötet, aber nach drei Tagen werde er auferstehen. Und er redete ganz offen darĂŒber. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm VorwĂŒrfe. Jesus wandte sich um, sah seine JĂŒnger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich will mich jetzt fĂŒr eine kurze Zeit von meinen vielen BeschĂ€ftigungen lösen und in deine NĂ€he kommen. Ich möchte dir meine Freuden und Sorgen bringen und an den deinen teilhaben. In deinem Evangelium will ich die Kraftquelle fĂŒr mein Leben finden.

Bitte: Bitte hilf mir, dass ich mit deinem Herzen auf die JĂŒnger sehen kann, die du hier einmal mehr ganz an dich bindest.

1. Wer ist Jesus? CĂ€sarea Philippi liegt ganz im Norden des jĂŒdischen Siedlungsraums. Von dort aus macht Jesus sich auf den Weg nach Jerusalem. Was dort geschehen wird, ist ihm bereits klar – und nun ist es an der Zeit, dies auch seinen JĂŒngern zu vermitteln, damit sie ganz klar sehen, wozu Jesus gekommen ist. Dazu wĂ€hlt er als Einstieg die Frage, was die Leute wohl meinen, wer er sei, um gleich danach die viel wichtigere Frage zu stellen: „FĂŒr wen haltet ihr mich?“ Nicht was „die Leute“ meinen, sondern was die Nachfolger Jesu selber von ihm denken, darauf kommt es an! Diese Frage stellt Jesus auch heute jedem einzelnen: „Wer bin ich fĂŒr dich?“

2. Ein großes Bekenntnis. Jesus erwartet von den Menschen, die mit ihm unterwegs waren, seine Lehren gehört und seine Wunder gesehen haben, nun ein Bekenntnis. Petrus, stellvertretend fĂŒr alle, spricht aus, was schon lange in der Luft gelegen hat: „Du bist der Messias!“ Endlich ist es heraus! Aber was geschieht jetzt? Jesus schickt die JĂŒnger nicht etwa los, um allen zu verkĂŒnden, der Messias sei nun gekommen und ganz Israel könne sich jetzt auf einen Umbruch gefasst machen (und womöglich zu den Waffen greifen). Im Gegenteil: Er verbietet ihnen, darĂŒber zu sprechen. Denn es fehlt noch ein wichtiger Aspekt. Jesus beginnt nun, ihnen die nĂ€heren UmstĂ€nde seiner Sendung zu erklĂ€ren: Er werde jetzt nach Jerusalem gehen, dort von den religiösen AutoritĂ€ten verworfen werden, leiden und getötet werden.

3. EnttĂ€uschte Hoffnung. So stellte sich in ganz Israel sicher niemand den Messias vor – und schon gar nicht die JĂŒnger! Ihre Hoffnungen auf Ruhm und Ehre im kommenden Davidsreich zerschmelzen wie Butter in der Sonne. Noch dazu die Vorstellung, ihr geliebter Meister solle getötet werden
! Petrus nimmt Jesus beiseite und stellt klar: „Das geht ja nun gar nicht!“ Und handelt sich damit den schĂ€rfsten Tadel ein, der jemals aus dem Mund Jesu gekommen ist. Denn durch den besorgten Petrus spricht der Satan, der sehr geschickt versucht, Jesus von seinem Erlösungsplan abzubringen. Jesus erinnert sich vielleicht gerade an die Versuchung in der WĂŒste („Ich gebe dir alle Reiche dieser Welt, wenn du mich anbetest.“) – und weist diese Strategie ganz entschieden zurĂŒck. Mögen die JĂŒnger sagen, was sie wollen: Er bleibt bei seinem Entschluss.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, es ist dir sicher nicht leichtgefallen, deine treuen Begleiter mit der harten Wahrheit zu konfrontieren. Es war klar, dass sie enttĂ€uscht sein wĂŒrden. Ihre (allzu) menschlichen PlĂ€ne wurden zerstört. Aber nur, um etwas viel GrĂ¶ĂŸeres geschehen zu lassen. Wie oft bin ich schon enttĂ€uscht gewesen, wenn du meine WĂŒnsche nicht erfĂŒllt hast
 und immer wieder konnte ich – z.T. erst viel spĂ€ter – erleben, dass du mir noch etwas viel Besseres schenken wolltest. Du, Herr, hast den besseren Überblick. Hilf mir, hinter der menschlichen EnttĂ€uschung die PlĂ€ne deiner Liebe zu sehen!

Möglicher Vorsatz: Ich möchte mir heute etwas Zeit nehmen, um mich zu erinnern: Wo hat Gott in meinem Leben Hoffnungen enttĂ€uscht, um mir letztlich mehr zu geben, als ich mir jemals gewĂŒnscht hatte?


SchlĂŒsselverwalter

22. Februar 2019

Kathedra Petri
Fest

Beate Scheilen

Mt 16,13-19
In jener Zeit, als Jesus in das Gebiet von CĂ€sarea Philippi kam, fragte er seine JĂŒnger: FĂŒr wen halten die Leute den Menschensohn? Sie sagten: Die einen fĂŒr Johannes den TĂ€ufer, andere fĂŒr Elija, wieder andere fĂŒr Jeremia oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, fĂŒr wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus - der Fels -, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die MĂ€chte der Unterwelt werden sie nicht ĂŒberwĂ€ltigen. Ich werde dir die SchlĂŒssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich will mich jetzt fĂŒr eine kurze Zeit von meinen vielen BeschĂ€ftigungen lösen und in deine NĂ€he kommen. Ich möchte dir meine Freuden und Sorgen bringen und an den deinen teilhaben. In deinem Evangelium will ich die Kraftquelle fĂŒr mein Leben finden.

Bitte: Bitte hilf mir, dass ich mit deinem Herzen auf Petrus schauen kann, zu dem du dich hier genauso bekennst, wie er sich zu dir bekennt.

1. Die Kirche
 Die ersten SĂ€tze des heutigen Evangeliums sind eine Wiederholung von gestern – die liturgische Ordnung hat es dieses Jahr so gefĂŒgt. Aber im Gegensatz zu Markus, wo dem Messiasbekenntnis sofort die LeidensankĂŒndigung folgt, bringt MatthĂ€us einen wichtigen Einschub: Jesus lobt den Petrus fĂŒr sein Bekenntnis, das nicht dessen bekanntlich recht erdverhaftetem Menschenverstand, sondern dem Heiligen Geist zuzuschreiben ist. Jesus sagt ferner, dass er eine Kirche von ewigem Bestand zu grĂŒnden beabsichtigt, erklĂ€rt Petrus zu deren Fundament und will ihm Vollmachten ĂŒbertragen, die auch im Himmel GĂŒltigkeit haben. Wir haben diese Stelle schon oft gehört und denken wie selbstverstĂ€ndlich „ach ja, die GrĂŒndungsansage der Kirche“. Aber wie hat diese ErklĂ€rung wohl auf die JĂŒnger – vor allem auf Petrus – gewirkt? Wieder etwas, womit niemand gerechnet hat


2. â€Šist nicht von dieser Welt; Und schon hier wird deutlich, was Jesus spĂ€ter vor Pilatus bestĂ€tigen wird: dass sein Reich nicht von dieser Welt ist. Welcher irdische König hĂ€tte sich je angemaßt, eine Institution zu grĂŒnden, gegen die selbst die MĂ€chte der Unterwelt nicht ankommen sollen? Wie könnte sonst Petrus, der ja irgendwann auch einmal sterben wird, Fels und BevollmĂ€chtigter in dieser Kirche sein und die SchlĂŒssel zur Ewigkeit verwalten? Ein Messiaskönig, wie ihn die Juden sich damals vorstellten, hĂ€tte niemals so gesprochen. Und, seien wir ehrlich, auch fĂŒr moderne Menschen ist die Vorstellung ziemlich seltsam, dass die Kirche die Vollmacht haben soll, ĂŒber das ewige Heil einer Person zu entscheiden


3. â€Š und bleibt bis zum Ende der Zeit. Das griechische Wort „ekklesia“, das hier mit „Kirche“ ĂŒbersetzt wird, bedeutet wörtlich so viel wie „herausgerufen“ und wurde angewendet auf die Versammlung der VollbĂŒrger einer Stadt, die sich treffen – aber nicht einfach so, sondern um einen Rechtsakt zu vollziehen. Eine „Versammlung der Herausgerufenen“ ist also die Kirche Christi – die Gemeinschaft derjenigen, die vom Heiligen Geist gerufen sind und sich haben rufen lassen. Und auch die christliche Gemeinde trifft sich am Sonntag nicht zu Kaffee und Kuchen, sondern zum Vollzug der Liturgie der heiligen Messe – der grĂ¶ĂŸten und heiligsten Handlung in der Geschichte der Menschheit. Sie setzt in dieser Welt ein Zeichen fĂŒr die neue Welt Gottes. Und das wird so bleiben bis zum Ende dieser Zeit.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, in deiner göttlich-menschlichen Person vereinen sich GegensĂ€tze, die unser Verstand nur schwer bis gar nicht ĂŒberein bekommt. Du bist einerseits der Herr der Welt und König einer unzerstörbaren Kirche. Andererseits bist du ein Mensch wie wir und warst auf Erden ein armer Wanderprediger, der den ĂŒbelsten Tod erlitt, den man sich damals vorstellen konnte. Herrlichkeit und Niedrigkeit, GrĂ¶ĂŸe und Leiden
 du umfasst alles. Wir betonen je nach persönlicher Vorliebe meist nur eine dieser Seiten. Bitte hilf uns, das ganze Bild zu sehen!

Möglicher Vorsatz: Wie sehe ich Jesus am liebsten? Als meinen persönlichen Freund, Bruder der Armen, König der Welt, Heiland der Seelen
? Lege ich den Schwerpunkt mehr auf die Gottheit oder auf das Menschsein Jesu? DarĂŒber möchte ich heute nachdenken und dann versuchen, auch einmal den Gegenpol wohlwollend zu betrachten.


Glanz und Schrecken

23. Februar 2019

Hl. Polykarp, Bischof und MĂ€rtyrer
Gedenktag

Beate Scheilen

Mk 9,2-13
In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und fĂŒhrte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann. Da erschien vor ihren Augen Elija und mit ihm Mose, und sie redeten mit Jesus. Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei HĂŒtten bauen, eine fĂŒr dich, eine fĂŒr Mose und eine fĂŒr Elija. Er wusste nĂ€mlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen. Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören. Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemand mehr bei sich außer Jesus. WĂ€hrend sie den Berg hinabstiegen, verbot er ihnen, irgendjemand zu erzĂ€hlen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei. Dieses Wort beschĂ€ftigte sie, und sie fragten einander, was das sei: von den Toten auferstehen. Da fragten sie ihn: Warum sagen die Schriftgelehrten, zuerst mĂŒsse Elija kommen? Er antwortete: Ja, Elija kommt zuerst und stellt alles wieder her. Aber warum heißt es dann vom Menschensohn in der Schrift, er werde viel leiden mĂŒssen und verachtet werden? Ich sage euch: Elija ist schon gekommen, doch sie haben mit ihm gemacht, was sie wollten, wie es in der Schrift steht.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich will mich jetzt fĂŒr eine kurze Zeit von meinen vielen BeschĂ€ftigungen lösen und in deine NĂ€he kommen. Ich möchte dir meine Freuden und Sorgen bringen und an den deinen teilhaben. In deinem Evangelium will ich die Kraftquelle fĂŒr mein Leben finden.

Bitte: Bitte hilf mir, dass ich mit offenem Herzen das Geheimnis sehen kann, das die JĂŒnger auf dem Berg der VerklĂ€rung in dir erkannten.

1. Das Weihnachtsgeheimnis passt immer noch. â€žGott ist im Fleische, wer kann dies Geheimnis verstehen? Hier ist die Pforte des Lebens nun offen zu sehen.“ Wer sich jetzt wundert und meint, das sei doch ein Weihnachtslied, hat völlig recht
 Ich habe es heute in der Kirche gesungen, bevor ich diese Meditation schrieb und dachte beim Singen, dass der Text auch auf die VerklĂ€rung Jesu gut passt. Auch 30 Jahre nach der Krippe ist Jesus immer noch Gott und Mensch zugleich, und es ist immer noch ein Geheimnis, wie das sein kann. Gleichzeitig war bei der VerklĂ€rung „offen zu sehen“, dass Jesus nicht einfach nur ein Mensch war wie wir alle.

2. Ein kurzer Einblick in die Wirklichkeit. Wer Jesus damals begegnete, sah einen Menschen, der sich in Aussehen und Kleidung nicht von seinen Landsleuten unterschied. Nur fĂŒr einen kurzen Moment macht Jesus eine Ausnahme: als er kurz vor seiner Passion im kleinen Kreis der drei bedeutendsten Apostel durchscheinen lĂ€sst, wie und wer er wirklich ist. Wie er auch auf Erden sein könnte, wenn er es denn wollte
 Äußerlich wurde das Leben Jesu immer glanzloser; jetzt kommt mit einem Schlag der Glanz des Himmels auf ihn herab, ein unbeschreibliches Licht, außerdem noch zwei Personen, die als Mose und Elija erkennbar sind – die beiden grĂ¶ĂŸten Propheten des Alten Bundes. Die Reaktion der Apostel ist völlig verstĂ€ndlich: Sie haben Angst. Petrus redet vor Schreck irgendetwas nicht gerade VernĂŒnftiges daher; die anderen sagen gar nichts mehr.

3. ZurĂŒckhaltung aus Liebe. Warum zeigt Jesus seine ĂŒberirdische Natur vor den drei ausgewĂ€hlten Aposteln? Vermutlich hĂ€tten sie ansonsten völlig den Glauben verloren, als sie ihn am Kreuz sahen. Elija und Mose bestĂ€tigen, dass Jesus wirklich der Messias ist und nicht nur ein begabter, aber gescheiterter Wanderprediger. Hier finden wir auch die Antwort auf eine oft gestellte Frage: Warum tritt Gott nicht so auf, dass jeder an ihn glauben muss? Dann wĂ€re doch alles viel einfacher! Aber: Die Menschen könnten das nicht ertragen. Sie wĂŒrden sich vor Gott fĂŒrchten, und ihr Gehorsam wĂ€re ein erzwungenes Gehorchen aus Angst vor Strafe. Genau das möchte Gott nicht. Er will unsere freie Antwort auf sein Liebesangebot. Und die kann er nur bekommen, wenn er seine Macht verbirgt. So wie Jesus es fast immer getan hat.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, es ist eigentlich unvorstellbar, was du unseretwegen getan hast. Du bist der Herr und in der Gestalt eines Sklaven erschienen (sagt Paulus). Wenn jemand freiwillig aus einem Palast in die Slums ginge, wĂ€re das noch ein schwacher Vergleich mit dem Abstieg, den du gemacht hast, als du aus der Herrlichkeit des Himmels auf die Erde kamst. DafĂŒr kann ich dir gar nicht genug danken!

Möglicher Vorsatz: Wenn ich mich das nĂ€chste Mal ĂŒber eine Unbequemlichkeit Ă€rgere (kein Sitzplatz im Zug, Heizung funktioniert nicht, Essen schmeckt fad
), werde ich mich daran erinnern, wie unbequem Jesu Leben war – und dass er das freiwillig gewĂ€hlt hat, damit ich es einmal im Himmel schön haben kann!