Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 6. Januar 2019 bis Samstag 12. Januar 2019

Zweite Woche nach Weihnachten

Felix Honekamp

Alle sind gerufenSonntag
Gekommen, um zu bleibenMontag
Leben in FĂĽlleDienstag
Verstehen Sie SpaĂź?Mittwoch
Jesus verstehenDonnerstag
Das ganze HeilFreitag
Demut und DankbarkeitSamstag


Alle sind gerufen

6. Januar 2019

Erscheinung des Herrn
Hochfest

Heilige Drei Könige: Kaspar Melchior Balthasar
Hl. Pia, Klausnerin
Hl. Julian, Märtyrer

Felix Honekamp

Mt 2,1-12
Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle. Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten: Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel. Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige. Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, ich weiĂź, dass du immer bei mir bist, vor allem im Gebet, wenn ich mich an dich wende, oder wenn ich versuche, dich besser zu verstehen. Ich glaube, dass du mein Leben mit GĂĽte und Barmherzigkeit siehst, und manchmal mit Mitleid. Ich hoffe, dass ich jeden Tag lerne, mehr auf deine Stimme zu hören, um dir nachzufolgen. Ich liebe dich, lehre mich, dich zu lieben, wie du mich liebst.

Bitte: Ich bitte dich, Herr, lass mich niemals mĂĽde werden, zu dir umzukehren. Manchmal bin ich dazu zu träge, aber du wirst nie mĂĽde, mich zu rufen.

1. MĂĽhe. Der König der Könige wird in einem kleinen entlegenen Dorf in Israel geboren. Man kann nicht sagen, dass Gott sich sonderlich MĂĽhe gegeben hätte mit einem imposanten und auffälligen Auftritt. Aber wer den Heiland finden will, der wird ihn finden, so wie die Sterndeuter, die sich auf eine lange Reise eingelassen haben. Hätte ich mich auch aufgemacht nach Bethlehem? Und bevor ich zu schnell mit „Ja“ antworte: Welche MĂĽhe nehme ich auf mich, um Jesus zu begegnen, sei es in der Eucharistie oder im Gebet?

2. Neugierde. König Herodes dagegen macht sich nicht auf. Allein schon der Auftrag an die Sterndeuter, sie sollten fĂĽr ihn suchen, macht deutlich, wes Geistes Kind er ist. Er ist sich selbst König genug und will sich nicht auf die Suche begeben, auf die er sich gerade als Herrscher ĂĽber Israel machen sollte. Habe ich Ausreden fĂĽr meinen mangelnden Einsatz fĂĽr Christus? Warte ich darauf, dass er – oder die Kirche – zu mir kommt?

3. Gerufen. Herodes erschrak „und mit ihm ganz Jerusalem“. Denn wenn Jesus wirklich der Messias sein sollte, dann ist das ein Ereignis, das man gar nicht hoch genug bewerten kann. Und doch sind es nur die Sterndeuter, die sich aufmachen, so wie es vorher die Hirten waren, die zum Kind in der Krippe gegangen sind. Gerufen, ĂĽber die Menschwerdung Gottes zu staunen, sind alle, dem Ruf folgen aber nur wenige. Das ist heute nicht anders ... aber heute bin ich es, der den Menschen von Jesus erzählen soll – auf eine Art, die anziehend ist. Tue ich das?

Gespräch mit Christus: Mein Jesus, du hast dich in Bethlehem so klein gemacht, dass man dich suchen musste. Aber schon damals gab es Menschen, die jede MĂĽhe auf sich genommen haben, um dich zu finden. Gefunden habe auch ich dich schon – weil du mich gerufen hast. Jetzt brauche ich deine Hilfe, um dich nicht aus eigener Schuld wieder zu verlieren.

Möglicher Vorsatz: Heute erzähle ich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis von meiner Begeisterung fĂĽr Jesus.


Gekommen, um zu bleiben

7. Januar 2019

Montag der zweiten Woche nach Weihnachten
Hl. Raimund von Peñafort, Ordensgründer
Hl. Valentin, Bischof von Rätien

Felix Honekamp

Mt 4,12-17.23-25
In jener Zeit, als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen. Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden. Und sein Ruf verbreitete sich in ganz Syrien. Man brachte Kranke mit den verschiedensten Gebrechen und Leiden zu ihm, Besessene, Mondsüchtige und Gelähmte, und er heilte sie alle. Scharen von Menschen aus Galiläa, der Dekapolis, aus Jerusalem und Judäa und aus dem Gebiet jenseits des Jordan folgten ihm.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, ich weiĂź, dass du immer bei mir bist, vor allem im Gebet, wenn ich mich an dich wende, oder wenn ich versuche, dich besser zu verstehen. Ich glaube, dass du mein Leben mit GĂĽte und Barmherzigkeit siehst, und manchmal mit Mitleid. Ich hoffe, dass ich jeden Tag lerne, mehr auf deine Stimme zu hören, um dir nachzufolgen. Ich liebe dich, lehre mich, dich zu lieben, wie du mich liebst.

Bitte: Ich bitte dich, Herr, gib mir Kraft, Geduld und Ausdauer zur Evangelisierung ... und die Einsicht, dass ein Glaubensweg, wie mein eigener, Zeit braucht.

1. Gehen. Jesus verlässt seine Heimat und geht nach Kafarnaum, wo er einen GroĂźteil seines öffentlichen Lebens verbrachte. Aber er lebt dort nicht einfach zufällig, sondern er geht ins „heidnische Galiläa“, zu einem „Volk, das im Dunkel lebte.“ Er geht dorthin, wo die Not am größten ist, jedenfalls die geistliche Not. Bequemer hätte er es woanders haben können, aber er wartet nicht auf die Menschen, sondern geht dahin, wo er am meisten gebraucht wird.

2. Bleiben. Sein Aufenthalt in Galiläa war kein kleiner Ausflug: Jesus bleibt dort und wirkt. Er wirkt Wunder, vor allem aber verbreitet er seine Botschaft. Das kann man nicht durch einen Brief, nicht durch einen kurzen Besuch tun. Jesus lebt mit den Menschen, die ihn brauchen ... und sie nehmen ihn an, kommen zu ihm und folgen ihm. Ob die Menschen die Botschaft wohl verstanden hätten, wenn Jesus in Galiläa nur zu einer kleinen Stippvisite Halt gemacht hätte?

3. Missionarische Einstellung. Das Vorgehen Jesu darf mich auch beschäftigen: Wie verbreite ich die frohe Botschaft? Warte ich, dass jemand zu mir kommt, oder gehe ich hin, wo nicht geglaubt wird? Begleite ich Menschen, die Gott mir anvertraut hat, auf ihrem Lebensweg, oder „haue“ ich ihnen „nur mal kurz“ die Bibel um die Ohren? Habe ich Geduld mit den Menschen, die die Botschaft nicht hören wollen? Und habe ich ein Ohr fĂĽr die ganz konkreten Probleme, die sie hindern, an Gott zu glauben? In meiner Art der Evangelisierung ist jedenfalls noch eine Menge Luft nach oben.

Gespräch mit Christus: Mein Jesus, es fällt mir oft so schwer, die Menschen „dort abzuholen, wo sie sind“. Mal fehlt mir die Energie, zu ihnen zu gehen, ein anderes Mal die Geduld, sie ihrem Tempo gemäß „mitzunehmen“. Dabei sehe ich, wie du das gemacht hast, und frage mich: Warum glaube ich, es besser zu wissen?

Möglicher Vorsatz: Ich werde einen Menschen, der Gott fernsteht und der mir am Herzen liegt, begleiten – heute fange ich an und ich bleibe (geistlich und physisch) bei ihm.


Leben in FĂĽlle

8. Januar 2019

Dienstag der zweiten Woche nach Weihnachten
Hl. Severin, Mönch in Norikum
Hl. Erhard, Bischof
Hl. Gudula (Gudrun), BĂĽĂźerin

Felix Honekamp

Mk 6,34-44
In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange. Gegen Abend kamen seine Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen, und es ist schon spät. Schick sie weg, damit sie in die umliegenden Gehöfte und Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können. Er erwiderte: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Sollen wir weggehen, für zweihundert Denare Brot kaufen und es ihnen geben, damit sie zu essen haben? Er sagte zu ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Geht und seht nach! Sie sahen nach und berichteten: Fünf Brote, und außerdem zwei Fische. Dann befahl er ihnen, den Leuten zu sagen, sie sollten sich in Gruppen ins grüne Gras setzen. Und sie setzten sich in Gruppen zu hundert und zu fünfzig. Darauf nahm er die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern, damit sie sie an die Leute austeilten. Auch die zwei Fische ließ er unter allen verteilen. Und alle aßen und wurden satt. Als die Jünger die Reste der Brote und auch der Fische einsammelten, wurden zwölf Körbe voll. Es waren fünftausend Männer, die von den Broten gegessen hatten.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, ich weiĂź, dass du immer bei mir bist, vor allem im Gebet, wenn ich mich an dich wende, oder wenn ich versuche, dich besser zu verstehen. Ich glaube, dass du mein Leben mit GĂĽte und Barmherzigkeit siehst, und manchmal mit Mitleid. Ich hoffe, dass ich jeden Tag lerne, mehr auf deine Stimme zu hören, um dir nachzufolgen. Ich liebe dich, lehre mich, dich zu lieben, wie du mich liebst.

Bitte: Ich bitte dich, Herr, lass mich nie vergessen, wo das Leben in FĂĽlle ist. Zeige mir den demĂĽtigen Weg, meinen Hunger nicht allein, sondern nur bei dir stillen zu wollen.

1. Hunger. Die Handlung scheint sich in zwei Phasen zu vollziehen, geht es doch zunächst darum, dass Jesus die Menschen lehrt, später darum, dass sie etwas zu Essen brauchen. Darin scheint aber auch auf, wie gut Jesus uns und unsere BedĂĽrfnisse kennt. Er weiĂź um unseren geistlichen, wie auch unseren leiblichen Hunger. Und er beschränkt sich nicht darauf, nur einen von beiden zu stillen. Jesus ist unser Hirte: Ihn interessieren sowohl unsere geistlichen als auch unsere weltlichen BedĂĽrfnisse. Und ich darf ihn um beides bitten. Tue ich das, oder glaube ich, meinen Hunger alleine, den geistlichen vielleicht sogar woanders, stillen zu können?

2. FĂĽnf Brote und zwei Fische. Manche interpretieren den Bericht ĂĽber die Brotvermehrungen so, dass möglicherweise alle Anwesenden ihre mitgebrachten Speisen teilten, und dass es dann auch fĂĽr die gereicht hätte, die nichts dabeihatten. Auch eine schöne Geschichte, die aber einen Haken hat: Sie wird in der Bibel an dieser Stelle nicht erzählt. Hier wird dagegen eine Situation des Mangels beschrieben: FĂĽnftausend Männer, fĂĽr die fĂĽnf Brote und zwei Fische zur VerfĂĽgung standen. Man könnte die Zahlen verdoppeln, verdreifachen, auch verzehnfachen: Es bleibt zu wenig. Das allerdings kann das Bild des geistlichen und weltlichen Hungers vervollständigen: Wenn wir es allein versuchen, wird es nie ausreichen fĂĽr alle. Ich allein kann nicht einmal meinen eigenen geistlichen Hunger stillen, geschweige denn den eines anderen.

3. Zwölf Körbe voll. Jesus dagegen verspricht Ăśberfluss. Egal ob es hier um eine normale Mahlzeit geht, bei der zwölf Körbe ĂĽbrigbleiben, oder um ein Festessen wie bei der Hochzeit von Kana, wo Wein aus sechs 100-Liter-KrĂĽgen ausgeteilt wird: Wenn Jesus unseren Hunger und Durst stillt, dann gibt er in ĂĽberreichem MaĂź: Leben in FĂĽlle (vgl. Johannes 10,10). Und nicht anders wird es mit seiner Lehre fĂĽr die Menschen gewesen sein. Vielleicht haben sie ein bisschen Weisheit, ein bisschen Erkenntnis erhofft. Bekommen haben sie die Lehre des Gottessohnes selbst. Glaube, Liebe und Hoffnung in FĂĽlle. Bin ich bereit, Jesu GroĂźzĂĽgigkeit zu sehen? Bin ich dankbar dafĂĽr?

Gespräch mit Christus: Mein Jesus, die Betrachtung deines Lebens stillt meinen geistlichen Hunger so, wie du den leiblichen Hunger der Menschen mit Brot und Fischen gestillt hast. Immer wieder suche ich woanders „Nahrung“ und weiĂź doch, dass ich nur bei dir satt werde. Danke, dass du dich um mich kĂĽmmerst.

Möglicher Vorsatz: Ich werde mich in meinem Gebet an Jesus wenden und ihn um das bitten, was ich brauche; sei es auch noch so profan.


Verstehen Sie SpaĂź?

9. Januar 2019

Mittwoch der zweiten Woche nach Weihnachten
Hl. Alix de Clerc, OrdensgrĂĽnder
Hl. Eberhard, Probst
Hl. Julian, Märtyrer

Felix Honekamp

Mk 6,45-52
Nachdem Jesus die fünftausend Männer gespeist hatte, forderte er seine Jünger auf, ins Boot zu steigen und ans andere Ufer nach Betsaida vorauszufahren. Er selbst wollte inzwischen die Leute nach Hause schicken. Nachdem er sich von ihnen verabschiedet hatte, ging er auf einen Berg, um zu beten. Spät am Abend war das Boot mitten auf dem See, er aber war allein an Land. Und er sah, wie sie sich beim Rudern abmühten, denn sie hatten Gegenwind. In der vierten Nachtwache ging er auf dem See zu ihnen hin, wollte aber an ihnen vorübergehen. Als sie ihn über den See gehen sahen, meinten sie, es sei ein Gespenst, und schrien auf. Alle sahen ihn und erschraken. Doch er begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! Dann stieg er zu ihnen ins Boot, und der Wind legte sich. Sie aber waren bestürzt und außer sich. Denn sie waren nicht zur Einsicht gekommen, als das mit den Broten geschah; ihr Herz war verstockt.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, ich weiĂź, dass du immer bei mir bist, vor allem im Gebet, wenn ich mich an dich wende, oder wenn ich versuche, dich besser zu verstehen. Ich glaube, dass du mein Leben mit GĂĽte und Barmherzigkeit siehst, und manchmal mit Mitleid. Ich hoffe, dass ich jeden Tag lerne, mehr auf deine Stimme zu hören, um dir nachzufolgen. Ich liebe dich, lehre mich, dich zu lieben, wie du mich liebst.

Bitte: Ich bitte dich, Herr, schenke mir einen Blick auf deine menschliche Seite. Du bist Mensch geworden, bist aufgewachsen, hast menschliche Dinge gelernt, hast gelitten, bist gestorben und auferstanden. Du bist bewusst nicht als „Superheld“ auf die Welt gekommen: Hilf mir zu sehen, wie menschlich du geworden bist.

1. Gebet. Es ist immer wieder erstaunlich, wie wichtig Jesus das Gebet ist. Braucht der Sohn Gottes das Gebet? Braucht er – ganz Mensch aber auch ganz Gott – das Gespräch mit seinem Vater? Man kann sich daran theologisch festbeiĂźen, aber viel wesentlicher ist doch: Wenn schon Jesus halbe und ganze Nächte im Gebet verbringt, wie komme ich darauf, das Gebet nicht nötig zu haben? Und ĂĽber was mag Jesus wohl mit seinem Vater gesprochen haben? Vielleicht ĂĽber das Erlebnis mit den FĂĽnftausend? Oder ĂĽber das Unverständnis seiner JĂĽnger? Vielleicht hat er aber auch einen Plan „ausgeheckt“, den er dann direkt in die Tat umsetzen wollte…

2. Humor. Jesus läuft ĂĽber den See auf seine JĂĽnger zu ... und will „an ihnen vorĂĽbergehen“? Warum tut er das? Kann er sich nicht denken, Brotvermehrung hin oder her, dass die Männer schockiert sein werden, ihn so ĂĽbers Wasser laufen zu sehen? Ist da der Gedanke so abwegig, dass sich Jesus mit ihnen einen „Scherz“ erlaubt hat – vielleicht so getan hat, als sehe er sie nicht? Und vielleicht hat er sich diesen „Scherz“ vorher mit seinem Vater im Gebet ausgedacht. Das ist bestimmt keine gängige theologische Erklärung – aber sie vervollständigt sicher das Bild des auch menschlichen Jesus. Denn schlieĂźlich wird im „Spiel“ der Ernstfall erprobt. Und niemand wird doch behaupten wollen, der menschgewordene Gott habe keinen Humor? Traue ich meinem Herrn und Gott diesen Humor zu?

3. Verstockt. Was auch fĂĽr die Humorthese spricht: Mit einem solchen Scherz lieĂźen sich vielleicht auch die Herzen der JĂĽnger noch einmal besser erreichen. „Was glaubt ihr, wer ich bin? Ich vermehre Brot, ich lehre die Menschen ĂĽber Gott, ich gehe sogar ĂĽber Wasser! – Noch irgendwelche Fragen?“ Das gängige Bild Jesu ist oft das eines ernst schauenden jungen Mannes. Vielleicht entgeht uns dabei aber ein wichtiger Wesenszug Gottes?: Dieses Lockere, UnbekĂĽmmerte an ihm. Selbst wenn ich nicht verstockt sein sollte, zu glauben, dass Jesus der Sohn Gottes ist: Bin ich vielleicht zu verstockt, um zu sehen, dass er auch ein Gott der Freude, der guten Laune und des Humors ist?

Gespräch mit Christus: Mein Jesus, wenn ich alte Bilder von dir sehe, dann schaust du immer so ernst. Ich glaube aber, dass du auch Humor gehabt hast, ĂĽber dich selbst und ĂĽber lustige Begebenheiten hast lachen können. Dein Humor wird nicht boshaft gewesen sein. Und so bist du auch heute: Lass mich mit dir lachend durchs Leben gehen, wenn Lachen angemessen ist.

Möglicher Vorsatz: Ich werde mit Jesus gemeinsam ĂĽber meine kleinen Missgeschicke lachen. Vielleicht erzähle ich ihm auch eine lustige Geschichte. Ich bin sicher, er lacht mit.


Jesus verstehen

10. Januar 2019

Donnerstag der zweiten Woche nach Weihnachten
Hl. Gregor X., Papst
Hl. Paulus von Theben
Hl. Wilhelm von Donjeon, Erzbischof

Felix Honekamp

Lk 4,14-22a
In jener Zeit kehrte Jesus, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend. Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen. So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen, reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt: Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe. Dann schloss er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt. Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, ich weiĂź, dass du immer bei mir bist, vor allem im Gebet, wenn ich mich an dich wende, oder wenn ich versuche, dich besser zu verstehen. Ich glaube, dass du mein Leben mit GĂĽte und Barmherzigkeit siehst, und manchmal mit Mitleid. Ich hoffe, dass ich jeden Tag lerne, mehr auf deine Stimme zu hören, um dir nachzufolgen. Ich liebe dich, lehre mich, dich zu lieben, wie du mich liebst.

Bitte: Ich bitte dich, Herr, schenke mir ein hörendes Herz, dass ich deine Worte nicht nur gerne höre, sondern sie auch wirklich verstehe.

1. Spannung. ĂŽn der Synagoge in Nazaret kann man die in der Luft liegende Spannung beinahe mit Händen greifen. Jesus ist vermutlich bereits bekannt, man wird auf ihn gewartet und ihm dann die Tora zur Lesung gegeben haben. Und jetzt – wie viele Sekunden werden es gewesen sein, in denen Jesus dort gesessen hat und ihn ringsum alle anschauten? Und vor allem: Was mag Jesus wohl gedacht haben in dieser Zeit? Er scheint seine Worte – und die, die jetzt kommen werden, – zuerst „sacken lassen“ zu wollen und macht eine Kunstpause. Eigentlich ist das nicht anders, als wenn ich heute die Bibel lese: Nicht immer sagt mir der Text direkt etwas, manchmal lässt mich der Heilige Geist ein wenig zappeln. Habe ich trotzdem ausreichend Geduld, um die Botschaft, die in jeder Geschichte der Bibel liegt, aufnehmen zu können?

2. Die Bombe. Dann jedoch redet Jesus Klartext: Das, was prophezeit wurde, hat sich erfĂĽllt. Umgekehrt heiĂźt das: Der, von dem hier gesprochen wird, das bin ich! Man muss sich vor Augen halten, dass sich das ganz zu Beginn von Jesu öffentlichem Wirken abgespielt hat, und in seinem Heimatort, Nazaret. Von da ab hätte eigentlich schon jeder wissen können, welchen Anspruch Jesus erhebt, mit wem man es zu tun hat. Aber ganz offensichtlich blieb den Menschen die Botschaft verschlossen. Und ich kann mich fragen: Verstehe ich Jesus? Glaube ich, dass sich das von Jesus zitierte Schriftwort schon damals erfĂĽllt hat? WeiĂź ich, wozu Jesus auf die Welt gekommen ist?

3. Staunen. â€žSie staunten darĂĽber, wie begnadet er redete.“ So endet die heute in der Kirche vorgetragene Evangeliumsstelle, obwohl der Satz noch weitergeht: „Ist das nicht der Sohn Josefs?“ Darin schwingt schon Zweifel mit. Doch die Didaktik der Kirche hat den Satz fĂĽr heute vielleicht aus gutem Grund weggelassen. Es geht beim Staunen nicht um den Zweifel, es geht darum, dass man das ĂśbermaĂź gar nicht fassen kann. FĂĽr die Juden in der Synagoge ist Jesus ein begnadeter Redner. Wie sehr hat man ihn damit unterschätzt. Vielleicht war das der Grund, warum Jesus zu Beginn einige Sekunden gewartet hat: Werden sie mich ĂĽberhaupt verstehen? Aber er gibt ihnen die Chance, wie er sie auch mir gibt: Immer wieder. Aber bemĂĽhe ich mich, Jesus zu verstehen ... oder genieĂźe ich nur die „schönen Geschichten“ in der Bibel?

Gespräch mit Christus: Mein Jesus, von Anfang an bleibst du unverstanden, obwohl du keinen Hehl daraus gemacht hast, worum es dir ging, was dir wichtig war. Ich bin sicher, dass ich nicht besser bin als die Menschen damals in Nazaret. Aber ich verspreche dir: Ich gebe mir MĂĽhe, dich besser zu verstehen, weil ich wahrhaft dein Freund sein möchte.

Möglicher Vorsatz: Ich werde heute eine Bibelstelle lesen, die mir Schwierigkeiten bereitet, und sie betrachten; DafĂĽr nehme ich mir Zeit, um dem Heiligen Geist eine Chance zu geben, mich verstehen zu lassen.


Das ganze Heil

11. Januar 2019

Freitag der zweiten Woche nach Weihnachten
Hl. Paulinus von Aquileia, Patriarch
Hl. Theodosius, Mönch

Felix Honekamp

Lk 5,12-16
In jener Zeit, als Jesus in einer der Städte war, kam ein Mann, der am ganzen Körper Aussatz hatte. Sobald er Jesus sah, warf er sich vor ihm zu Boden und bat ihn: Herr, wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde. Da streckte Jesus die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es - werde rein! Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz. Jesus befahl ihm: Erzähl niemand davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Reinigungsopfer dar, wie es Mose angeordnet hat. Das soll für sie ein Beweis deiner Heilung sein. Sein Ruf verbreitete sich immer mehr, so dass die Menschen von überall herbeiströmten. Sie alle wollten ihn hören und von ihren Krankheiten geheilt werden. Doch er zog sich an einen einsamen Ort zurück, um zu beten.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, ich weiĂź, dass du immer bei mir bist, vor allem im Gebet, wenn ich mich an dich wende, oder wenn ich versuche, dich besser zu verstehen. Ich glaube, dass du mein Leben mit GĂĽte und Barmherzigkeit siehst, und manchmal mit Mitleid. Ich hoffe, dass ich jeden Tag lerne, mehr auf deine Stimme zu hören, um dir nachzufolgen. Ich liebe dich, lehre mich, dich zu lieben, wie du mich liebst.

Bitte: Ich bitte dich, Herr, schenke mir Einsicht in meine HeilsbedĂĽrftigkeit.

1. KnĂĽller. Jesus heilt einen an Aussatz erkrankten Mann mit seiner bloĂźen Zustimmung: „Ich will es – werde rein.“ Kein Brimborium, keine Zauberformeln, keine Medizin im herkömmlichen Sinne. Die KĂĽrze kann einen an die Schöpfung erinnern, bei der Gott nur durch seine Willensbekundung „Es werde ...“ alles aus dem Nichts erschaffen hat. Seine Bitte an den Geheilten, niemandem davon zu erzählen, scheint dazu zu passen. Aber wen wundert es, wenn sich sein Ruf trotzdem so rasend wie ein Lauffeuer verbreitete? Könnte ich stillhalten, wenn Jesus ein solches Wunder an mir getan hätte? WĂĽrde ich es ĂĽberhaupt wollen?

2. Suche nach Heilung. Kein Wunder auch, dass die Menschen sich daraufhin in Strömen zu ihm aufmachen. Wenn man bedenkt, welche Menschenmassen mancher Quacksalber anzuziehen vermag, kann man gut verstehen, dass die Menschen zu Jesus wollen, der tatsächlich Heilung schenkt. Und doch kommen sie auch, um ihn nur zu hören. Instinktiv scheinen die Menschen bemerkt zu haben, dass die Heilung durch Jesus mehr bedeutet als die Freiheit von körperlichen Leiden. Jesus heilt ganz, er „stellt alles wieder ganz her“. Worum bitte ich Jesus? Glaube ich, dass er mich umfassend heil – heilig – machen will, oder vertraue ich ihm nur meine „Symptome“ an?

3. Gebet, Gebet und noch mal Gebet. Jesus nutzt die Situation nicht aus. Jetzt könnte er der Star in Israel werden, die Menschen heilen, die alle zu ihm kommen. Er wĂĽrde sich einen Ruf erarbeiten, den so vermutlich noch kein Prophet erreicht hat. Aber das ist fĂĽr ihn nicht wichtig. Wichtig ist ihm die Verbindung zu seinem Vater. Er weiĂź, dass ohne eine solche Verbindung sein Wirken nur StĂĽckwerk wäre. WeiĂź ich das in meinem BemĂĽhen um den Glauben, um Nächstenliebe und Evangelisierung auch? Bin ich wie Jesus im Vater verankert?

Gespräch mit Christus: Mein Jesus, nur du kannst mich gesund machen, nur du kannst mich ganz und gar heilen. Ich brauche die Verbindung zu dir und deinem Vater. Ohne dich kann ich nichts tun. Und trotzdem siehst du mich als deinen Freund, deinen Partner in meinem geistlichen Leben. Manchmal glaube ich, dass ich mich selbst heilen kann. Danke, dass du mich trotzdem niemals loslässt.

Möglicher Vorsatz: Ich werde betrachten, was in meinem Leben alles der Heilung bedarf – von den RĂĽckenschmerzen bis zu schweren SĂĽnden – und diese Dinge Jesus im Gebet (und in der Beichte) vorlegen.


Demut und Dankbarkeit

12. Januar 2019

Samstag der zweiten Woche nach Weihnachten
Hl. Ernst, Märtyrer
Hl. Johann Kaspar Kratz, Märtyrer
Hl. Hilda, Ă„btissin
Hl. Tatiana, Märtyrerin

Felix Honekamp

Joh 3,22-30
In jener Zeit ging Jesus mit seinen Jüngern nach Judäa. Dort hielt er sich mit ihnen auf und taufte. Aber auch Johannes taufte damals, und zwar in Änon bei Salim, weil dort viel Wasser war; und die Leute kamen und ließen sich taufen. Johannes war nämlich noch nicht ins Gefängnis geworfen worden. Da kam es zwischen den Jüngern des Johannes und einem Juden zum Streit über die Frage der Reinigung. Sie gingen zu Johannes und sagten zu ihm: Rabbi, der Mann, der auf der anderen Seite des Jordan bei dir war und für den du Zeugnis abgelegt hast, der tauft jetzt, und alle laufen zu ihm. Johannes antwortete: Kein Mensch kann sich etwas nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben ist. Ihr selbst könnt mir bezeugen, dass ich gesagt habe: Ich bin nicht der Messias, sondern nur ein Gesandter, der ihm vorausgeht. Wer die Braut hat, ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dabeisteht und ihn hört, freut sich über die Stimme des Bräutigams. Diese Freude ist nun für mich Wirklichkeit geworden. Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, ich weiĂź, dass du immer bei mir bist, vor allem im Gebet, wenn ich mich an dich wende, oder wenn ich versuche, dich besser zu verstehen. Ich glaube, dass du mein Leben mit GĂĽte und Barmherzigkeit siehst, und manchmal mit Mitleid. Ich hoffe, dass ich jeden Tag lerne, mehr auf deine Stimme zu hören, um dir nachzufolgen. Ich liebe dich, lehre mich, dich zu lieben, wie du mich liebst.

Bitte: Ich bitte dich, Herr, schenke mir ein dankbares Herz.

1. Was ich nicht bin. Von Jesus wird hier nur am Rande berichtet, tatsächlich geht es um Johannes den Täufer und sein Selbstverständnis. Wenn man seine Rolle mit der von Jesus vergleicht, wie sie uns diese Woche in den Evangelien vorgestellt wurde: Auch zu ihm sind die Menschen geströmt, auch er hat sich um ihr Seelenheil bemĂĽht- Er wusste aber auch, dass er eben nicht der Messias ist, was manche womöglich von ihm erhofft hatten. Johannes war demĂĽtig genug, sich nicht zu erhöhen, obwohl er alle Voraussetzungen dazu gehabt hätte.

2. Was ich bin. â€žIch bin nur ein Gesandter“, so sagt er von sich. Diese Aufgabe, so können wir auch fĂĽr uns feststellen, ist groĂź genug. Johannes sieht sich als den Freund des Bräutigams, und auch diese Rolle passt zu jedem Christen. Wir dĂĽrfen, können und sollen uns mit ihm freuen. Wir dĂĽrfen uns mit Johannes freuen, der auf den Bräutigam gewartet hat und ihm vorausgegangen ist. Wir haben sogar einen Vorteil: Wir wissen, wie Jesu Geschichte ausgegangen ist, wissen, dass er uns gerettet hat.

3. Ich muss kleiner werden. Johannes bringt auf den Punkt, was unser aller Aufgabe ist. Wie oft sehe ich mich im Mittelpunkt, halte mich fĂĽr „Gottes Geschenk an die Welt“? Dabei geht es Johannes nicht darum, sich kleiner zu machen als er ist, aber klar zu sehen, wer der Größte ist. In jeder Rolle, in der ich mich fĂĽhrend sehe, ist es gut, mir klar darĂĽber zu sein (oder zu werden), dass ich nicht der Bräutigam bin, sondern nur sein Freund. Das ist das Geschenk Jesu an mich, das ich weiter verschenken darf. Und zu dem ich meinen kleinen Anteil beisteuern darf, nicht weil Jesus mich zwingend bräuchte, sondern weil er es nicht ohne mich tun möchte. Er sieht mein wahres Potenzial.

Gespräch mit Christus: Mein Jesus, du nennst mich deinen Freund und ich bin immer wieder erstaunt, dass ich mich so nennen darf. Mit dir kann ich größer werden, als ich es ohne dich je sein könnte, und doch bist du immer größer. Danke, dass du mich größer siehst als ich mich selbst.

Möglicher Vorsatz: Ich werde Jesus heute fĂĽr alles danken, was ich durch ihn habe erreichen können. Dankbarkeit ist ein Heilmittel fĂĽr den Hochmut und der SchlĂĽssel zur Demut.