Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 11. November 2018 bis Samstag 17. November 2018

Zweiunddrei├čigste Woche im Jahreskreis

Angelika Knauf

Anbetung, die mein Sein s├ĄttigtSonntag
Gott oder nichtsMontag
Wer ist wie Gott?Dienstag
Jesus Christus, anbetungsw├╝rdiger GottMittwoch
K├Ânig meines und deines HerzensDonnerstag
Freiheit und BarmherzigkeitFreitag
Gott bitten und glaubenSamstag


Anbetung, die mein Sein s├Ąttigt

11. November 2018

32. Sonntag im Jahreskreis
Martinstag
Hl. Martin von Tours, Bischof
Hl. Mennas, Einsiedler
Hl. Heinrich, Abt

Angelika Knauf

Mk 12,38-44
In jener Zeit lehrte Jesus eine gro├če Menschenmenge und sagte: Nehmt euch in Acht vor den Schriftgelehrten! Sie gehen gern in langen Gew├Ąndern umher, lieben es, wenn man sie auf den Stra├čen und Pl├Ątzen gr├╝├čt, und sie wollen in der Synagoge die vordersten Sitze und bei jedem Festmahl die Ehrenpl├Ątze haben. Sie bringen die Witwen um ihre H├Ąuser und verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete. Aber umso h├Ąrter wird das Urteil sein, das sie erwartet. Als Jesus einmal dem Opferkasten gegen├╝bersa├č, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen. Viele Reiche kamen und gaben viel. Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine M├╝nzen hinein. Er rief seine J├╝nger zu sich und sagte: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem ├ťberfluss hergegeben; diese Frau aber, die kaum das N├Âtigste zum Leben hat, sie hat alles gegeben, was sie besa├č, ihren ganzen Lebensunterhalt.

Einf├╝hrendes Gebet: Mein Jesus, ich komme zu dir, angef├╝llt mit meinen Gedanken, Worten und Pl├Ąnen und erfahre mich arm darin. Ich m├Âchte jetzt den Reichtum deiner Gedanken, Worte und Pl├Ąne f├╝r mich empfangen.

Bitte: Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir. Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich f├Ârdert zu dir. Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir. (Niklaus von Fl├╝e)

1. Sich selbst genug. Jesu Wort ist hart: Habt Acht vor denen, die euch die Schrift auslegen! F├╝r gl├Ąubige Juden zur Zeit Jesu war die Auslegung der Schrift, die Beachtung des darin enthaltenen mosaischen Gesetzes fundamental. Wer f├Ąhig war, diese Schriften recht auszulegen, genoss hohe Achtung unter den Glaubenden. Doch Jesus warnt vor Schriftgelehrten, die sich mit diesen F├Ąhigkeiten nicht als Diener des Volkes verstehen, sondern als dessen Herren. Vor solchen, die ihr Talent zur Selbsterh├Âhung nutzen und nicht zur Verherrlichung Gottes. Solchen gar, die ihre Stellung ausnutzten, um die um ihren einzigen Schutz bringen, die mit zu den Bed├╝rftigsten der damaligen Gesellschaft z├Ąhlten: die Witwen. Selbst in ihrer Hinwendung an Gott im Gebet dienen solche Glaubenslehrer nur sich selbst. Das Urteil Jesu trifft sie so hart, weil sie ein falsches Bild von dem vermitteln, dessen Wort sie auslegen. Der Gott, den sie mit ihrem falschen Beispiel bezeugen, ist ein selbstgerechter, selbstherrlicher Gott, der nicht auf den Schwachen blickt, die Not der Armen ├╝bersieht.

2. Sich selbst lassen und ├╝berlassen. Die Witwe, die Jesus dann am Opferkasten beobachtet, ist der vollkommene Gegenentwurf zu den getadelten Schriftgelehrten. Sie, die arm und in der patriarchalischen Gesellschaft der damaligen Zeit nahezu schutzlos war, bringt alles, was sie hat und ihr zumindest d├╝rftige Sicherheit geben k├Ânnte, Gott zum Opfer dar. Sie gibt nicht wie alle anderen nur etwas von sich. Sie legt ihr ganzes Schicksal, ja sich selbst, ohne Aufsehen, ohne Bitterkeit oder zur Schau gestelltes Selbstmitleid in Gottes H├Ąnde. Ihre ganze Haltung und ihr Tun bezeugt ein wesenhaftes Vertrauen zu Gott, dr├╝ckt ein innerstes Bekenntnis zu seiner Vollmacht aus. Der Gott, den sie mit ihrer Haltung bezeugt, ist ein Gott der Liebe, der sich um das Wohl des Menschen sorgt, die Not der Armen nicht geringsch├Ątzt. Ein Gott, dessen Liebe f├╝r sie so machtvoll ist, dass sie sich ihm selbstvergessen ganz ├╝berlassen kann.

3. Gott ist genug. Diese beiden so gegens├Ątzlichen Gestalten, die mir der Herr hier vor Augen stellt, sind eine Anfrage und eine Zusage an mein Herz: Bin ich vor Gott noch selbstbehalten oder hingegeben? Sichere ich mich gegen ihn und die anderen noch selbstherrlich ab? Oder lasse ich ihn in meinem Leben gro├č sein und daraus auch mein Herz offen f├╝r die Belange der anderen werden? Jesus ruft die J├╝nger, die k├╝nftigen F├╝hrer der Gl├Ąubigen, zu sich, um sie und auch mich am Beispiel der Witwe zu belehren: Gott ist Vater, dem wir uns ganz anvertrauen d├╝rfen, er ist ein liebender Gott. Er ist anbetungsw├╝rdig nicht, weil er allm├Ąchtig, sondern weil er allheilig ist: vollkommen gut. In ihm bin ich ganz gehalten, er wird meine ganze Erf├╝llung sein, wenn ich zulasse, dass er mein Leben regiert. Mein Sein als sein Gesch├Âpf wird ges├Ąttigt, wenn ich mich ihm ganz anh├Ąnge.

Gespr├Ąch mit Christus: Jesus, noch so oft klammere ich mich an meine selbstgemachten Sicherheiten. Gib mir das stille Vertrauen des Herzens, allein dich in meinem Leben gro├č sein zu lassen.

M├Âglicher Vorsatz: Ich will mein Vertrauen auf Gott ein├╝ben, indem ich auf Momente des Auftrumpfens verzichte und in Momenten der Unsicherheit seine Hilfe anrufe und vertrauensvoll weitergehe.


Gott oder nichts

12. November 2018

Hl. Josaphat, Bischof und M├Ąrtyrer
Gedenktag

Hl. Ämilian, Einsiedler
Hl. Kunibert, Bischof
Hl. Diego OFM, Guardian

Angelika Knauf

Lk 17,1-6
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen J├╝ngern: Es ist unvermeidlich, dass Verf├╝hrungen kommen. Aber wehe dem, der sie verschuldet. Es w├Ąre besser f├╝r ihn, man w├╝rde ihn mit einem M├╝hlstein um den Hals ins Meer werfen, als dass er einen von diesen Kleinen zum B├Âsen verf├╝hrt. Seht euch vor! Wenn dein Bruder s├╝ndigt, weise ihn zurecht; und wenn er sich ├Ąndert, vergib ihm. Und wenn er sich siebenmal am Tag gegen dich vers├╝ndigt und siebenmal wieder zu dir kommt und sagt: Ich will mich ├Ąndern!, so sollst du ihm vergeben. Die Apostel baten den Herrn: St├Ąrke unseren Glauben! Der Herr erwiderte: Wenn euer Glaube auch nur so gro├č w├Ąre wie ein Senfkorn, w├╝rdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden, und verpflanz dich ins Meer!, und er w├╝rde euch gehorchen.

Einf├╝hrendes Gebet: Mein Gott, ich glaube, dass du die Quelle meines Seins bist. Ich danke dir f├╝r deine Liebe, deine Geduld und deine Zuwendung zu mir.

Bitte: Hilf mir, mein alleiniges Sein aus dir neu zu erkennen und tiefer anzunehmen.

1. Leben oder Tod. Der Mensch ist aus Gott. Er verdankt sich ihm vollkommen, er hat kein Sein unabh├Ąngig von Gott. Wir sind als seine Gesch├Âpfe wahrhaft ÔÇ×KleineÔÇť vor ihm. Gottes Sein aber ist Liebe. Liebe kann nur aus der Freiheit kommen, darum hat uns Gott in die Freiheit gestellt, die uns auch die M├Âglichkeit gibt, uns gegen ihn zu entscheiden. Die bewusste, freiwillig vollzogene Entscheidung gegen Gott bedeutet Ab-sonder-ung von ihm, S├╝nde! Weil die S├╝nde durch den freien Entscheid von Menschen in der Welt ist, nennt Jesus die Verf├╝hrung unvermeidlich. Denn jede S├╝nde als Absonderung von Gott, die wir bei anderen sehen, stellt auch uns vor eine Entscheidung f├╝r oder gegen Gott. Und auch vor eine Entscheidung f├╝r oder gegen unser wahres Sein als Gesch├Âpf Gottes. Absonderung von Gott widerspricht unserem Sein, weil sie uns von der eigentlichen Quelle dieses Seins abtrennt. Allein von seiner Gnade und Geduld bleiben wir dennoch im Sein gehalten. Daraus kommt Jesu erschreckend hartes Urteil gegen die Verf├╝hrer zum B├Âsen: Wer einen anderen durch Verf├╝hrung zur S├╝nde von Gott absondert, trennt ihn von seinem Sein, von der Quelle seines Lebens ab. Daher w├Ąre es besser f├╝r ihn, leiblich sterbend in den Tiefen des Meeres zu versinken als vor Gott eine solche Schuld auf sich zu laden, einen anderen, der in Gott ist, einen wahrhaft Kleinen, von ihm abzutrennen.

2. Die Quelle unseres Lebens offenhalten. Jesu Anweisung zum Umgang mit einem S├╝nder hat diesen ernsten Hintergrund. Es geht bei der S├╝nde um Leben oder Tod unseres eigentlichen Seins. Daher ist die liebevolle Zurechtweisung eines S├╝nders ein geistiges Werk der Barmherzigkeit. Sie ist das Gegenteil der Verf├╝hrung, denn sie f├╝hrt zum eigentlichen Leben in Gott zur├╝ck. Mit dem hohen Anspruch, immer und immer wieder zu verzeihen, wenn der S├╝nder darum bittet, k├Ânnen wir ein Zeugnis von Gottes Liebe geben. Wie soll ein S├╝nder Vertrauen in die Barmherzigkeit Gottes finden, wenn wir nicht barmherzig sind? So geraten wir in Gefahr, ihn von der Quelle seines Seins abzutrennen. Nicht verf├╝hren, aber in Liebe zurechtweisen und Vergebung schenken sind Akte der Liebe, die Leben bewahren und zum Leben f├╝hren.

3. St├Ąrke unseren Glauben! M├╝ssen nicht gerade wir uns heute diese inst├Ąndige Bitte der Apostel zu eigen machen? Wir leben in einer Zeit und Gesellschaft, die sich immer schneller und umfassender von Gott abtrennt, ja in weiten Z├╝gen unser Sein aus ihm ├╝berhaupt leugnet. Auch der Begriff ÔÇ×S├╝ndeÔÇť wird immer mehr zu einem Tabu. Wenn der Mensch sich selbst nicht mehr als Gesch├Âpf begreift, kann er zu Gott kein rechtes Verh├Ąltnis mehr finden. Doch haben wir Mut! Jesu Verhei├čung ist gro├čartig: Nicht mehr als ein ÔÇ×SenfkornÔÇť Glauben ist von uns n├Âtig, damit Gott das Wunder wirken kann, auch heute! Menschen, die ihren Glauben mitten in einem verweltlichten Umfeld konsequent und liebevoll leben, ├Âffnen eine T├╝r zu Gott. Das gen├╝gt, alles andere wird er in und durch uns vollbringen.

Gespr├Ąch mit Christus: Jesus, in dir will ich sein und leben. Lass mich immer wieder zu dir kommen, um alles aus dir zu sch├Âpfen, was ich f├╝r mich und andere brauche, damit wir wahres Sein finden.

M├Âglicher Vorsatz: Ich will heute eine Spanne Zeit, die ich nach meinen M├Âglichkeiten gro├čherzig bemesse, vollkommen frei von ├Ąu├čeren Ablenkungen bei Jesus sein.


Wer ist wie Gott?

13. November 2018

Dienstag der zweiunddrei├čigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Stanislaus Kostka SJ, Novize
Hl. Carl Lampert, Priester

Angelika Knauf

Lk 17,7-10
In jener Zeit sprach Jesus: Wenn einer von euch einen Sklaven hat, der pfl├╝gt oder das Vieh h├╝tet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm gleich Platz zum Essen? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, g├╝rte dich, und bediene mich; wenn ich gegessen und getrunken habe, kannst auch du essen und trinken. Bedankt er sich etwa bei dem Sklaven, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde? So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unn├╝tze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.

Einf├╝hrendes Gebet: Mein Herr und Gott, erbarme dich, denn ich bin ein S├╝nder!

Bitte: Jesus, du bist gekommen, die S├╝nder zu berufen und zu suchen, was verloren ist. Zeige mir jetzt deine Herrlichkeit!

1. Der ganz Andere. Harte Worte Jesu! Sie schmecken bitter. Wo ist darin der Gott zu finden, der uns liebt? Stattdessen ÔÇ×Herr und SklaveÔÇť. Doch kennen wir nicht auch Momente in unserem Leben, in denen uns Gott unnahbar erschien? Vielleicht in einem Schicksalsschlag, in dem die Frage in uns brannte: Wo warst du, Gott? Vielleicht in einer Zeit innerer Trockenheit, als w├Ąre Gott unerreichbar? Oder umgekehrt in Momenten des Gebetes, bei einer Lekt├╝re, einem Musikst├╝ck, einer inneren Erkenntnis, in denen uns pl├Âtzlich die Herrlichkeit Gottes mit einer solchen Macht aufschien, dass sie uns erschreckte: Gott nicht als der ganz Nahe, sondern als der ganz Andere! Der wahrhaft heilige Gott, vor dem wir uns existentiell klein gef├╝hlt haben, vielleicht sogar unw├╝rdig? Und dies ohne inneres Aufbegehren, sondern in einer ergreifenden Erfahrung seiner Wahrheit als einer nicht in unserer Verf├╝gung liegenden Gegebenheit. Momente, in denen wir uns als nicht mehr denn ein Sklave vor seinem Herrn wahrnahmen?

2. Gottesfurcht ist der Anfang der Weisheit. Jesu Worte sind wie bittere Medizin, die nicht schmeckt, aber heilt. Sie verweisen darauf, dass solche Erfahrungen Gottes als des ganz Anderen eine tiefere Wahrheit offenbaren, die uns heutigen Menschen nicht mehr so einfach zug├Ąnglich ist: Gott ist wahrhaft Gott! Er ist der herrliche, allm├Ąchtige und heilige Gott! Unsere Ehrfurcht, Anbetung und unser Gehorsam stehen ihm um seiner selbst willen zu, weil er ist, wer er ist! Darin erkennen wir uns selbst als wesenhaft abh├Ąngig, nicht als Bedrohung, sondern in der Erfahrung, in unserem innersten Sein von einem Gott gehalten zu sein, der allm├Ąchtig, in seiner Allmacht aber auch vollkommen gut ist. Wir verstehen das Ausma├č der Liebe, Demut und Barmherzigkeit Gottes in seiner Menschwerdung nicht, bis wir nicht auch eine Erfahrung seiner Heiligkeit, seiner vollkommenen Andersartigkeit und Unabh├Ąngigkeit von uns machen.

3. Vollkommene Freude. In einer solchen Erfahrung der Wahrheit Gottes und seiner Gebote ├Âffnet sich eine T├╝r zu innerem Frieden. Das Herausfallen aus dieser Wahrheit durch die S├╝nde hat zu unserem Unfrieden gef├╝hrt. Unfrieden in der Beziehung zu mir selbst, aber auch in den Beziehungen zu den anderen. In der Absonderung von Gott haben wir den Zugang zu unserem eigentlichen Sein verloren, den tiefen Einklang mit Gott als seine Gesch├Âpfe. Der Mensch ist herrlich von Gott geschaffen, weil er ihm gnadenhaften Anteil an seinem Sein zugesprochen hat. In dem Moment, in dem wir uns mit tiefer Liebe der Heiligkeit Gottes, die reinste Liebe ist, wieder vollkommen unterordnen k├Ânnen, haben wir Frieden. Stellen wir uns die Welt, unsere Beziehungen, ja selbst den Umgang mit uns selbst vor, wenn wir von der Sehnsucht, allein ihm zu dienen, ganz durchdrungen w├Ąren. Es g├Ąbe kein ÔÇ×GenugÔÇť. Wir verlangten nach ÔÇ×immer mehrÔÇť, um ihm durch den Dienst aus Liebe immer n├Ąher zu kommen, immer tiefer in ihn eingehen zu k├Ânnen. Und das w├Ąre unsere vollkommene Freude.

Gespr├Ąch mit Christus: Jesus, wie oft gibt es noch ÔÇ×KrawallÔÇť in meiner Seele, Momente, in denen ich aufbegehre, alles in mir danach verlangt, mich durchzusetzen. Meine durch S├╝nde verwundete Seele sehnt sich nach der Erkenntnis deiner Heiligkeit. Bitte ├Âffne meine Augen f├╝r die heilende Macht deiner alles ├╝bertreffenden Gottheit!

M├Âglicher Vorsatz: Ich will versuchen, Momente des Aufbegehrens in meinem Inneren bewusst Gottes Herrschaft zu unterwerfen.


Jesus Christus, anbetungsw├╝rdiger Gott

14. November 2018

Mittwoch der zweiunddrei├čigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Bernhard Letterhaus, M├Ąrtyrer
Hl. Alberich OSB, Bischof
Hl. Sidonius OSB, Abt
Hl. Nikolaus Tavelic OFM, M├Ąrtyrer

Angelika Knauf

Lk 17,11-19
Auf dem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galil├Ąa. Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Auss├Ątzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns! Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und w├Ąhrend sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein. Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den F├╝├čen Jesu zu Boden und dankte ihm. Dieser Mann war aus Samarien. Da sagte Jesus: Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind die ├╝brigen neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, au├čer diesem Fremden? Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen.

Einf├╝hrendes Gebet: O Jesus, nicht deine Gaben sind es, die mich wahrhaft heil machen, sondern du selbst bist es.

Bitte: ├ľffne mein Herz f├╝r das Erkennen deiner vollkommenen Hingabe in der Menschwerdung!

1. Die Erbarmungsw├╝rdigkeit des Menschen. Ganz konkret und bedr├╝ckend ist die Krankheit dieser zehn Menschen: Aussatz, Lepra, unheilbar, das Urteil zum Tod in v├Âlliger Ausgeschlossenheit vom menschlichen Gemeinwesen. Auss├Ątzige mussten sich in der damaligen Zeit strikt von anderen fernhalten, andere durch Rufen oder ein Signal vor ihrer N├Ąhe warnen, denn zu gro├č war die Gefahr der Ansteckung. Diese Zehn haben niemand mehr, an den sie sich wenden k├Ânnen und erkennen doch den EINEN, der ihnen ALLES zu geben vermag. ÔÇ×MeisterÔÇť rufen sie ihn, und bekennen seine Herrschaft konkret: Du, JESUS, bist der Meister! Du allein hast die Macht ├╝ber unsere Krankheit. Erbarme Dich! Diese Auss├Ątzigen sind wie ein Bild f├╝r den Zustand des Menschen, seit er mit der S├╝nde in Ber├╝hrung kam. So sieht unsere Seele in den Augen Gottes aus, wenn wir s├╝ndigen. Doch Gott ist Herr, auch ├╝ber die S├╝nde. Wenn wir ihn als Gott anerkennen und sein Erbarmen anrufen, gelangen wir unter seine heilende Macht!

2. Das Erbarmen Gottes. Jesus reagiert sofort! ÔÇ×Als er sie sahÔÇť ÔÇô keine langen Pl├Ądoyers sind n├Âtig, keine Verhandlungen, Jesus sieht und heilt. Doch er heilt mit einem Auftrag, der Glauben und Vertrauen einfordert. Den Priestern kam es zu, einen Menschen sowohl f├╝r unrein zu erkl├Ąren und damit von der Gemeinschaft auszuschlie├čen, als auch ihn wieder rein zu erkl├Ąren und damit in die Gemeinschaft zur├╝ckzuholen. ÔÇ×Und w├Ąhrend sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein.ÔÇť ÔÇô nicht vorher. Sie mussten erst im Glauben gehorchen, alles auf die Karte des Vertrauens auf Jesu Wort setzen, um geheilt zu werden. Sie mussten es mitten in den konkreten Umst├Ąnden und Ordnungen tun, in denen sie lebten, nicht im Verborgenen der privaten Sph├Ąre, sondern hinausgehend in diese Welt: ÔÇ×Geht, zeigt euch (ÔÇŽ)!ÔÇť Zeigt und bekennt euren Glauben!

3. Du allein bist Gott! Einer kehrt um, lobt Gott mit lauter Stimme, wirft sich vor ihm nieder und dankt ihm! ├äu├čerlich gesund zu werden ist nicht genug! Jesus klagt ├╝ber die neun, die nicht kommen und ihm nicht danken. Nicht aus Eitelkeit, sondern weil sie den wichtigsten Schritt zum Heil nicht tun: Gott anbeten! War ihr erstes Bekenntnis ├╝ber Jesus als den Meister noch von Eigennutz, dem Wunsch nach Gesundung gepr├Ągt, h├Ątten sie nun wie dieser eine ein gereinigtes Bekenntnis zu Jesus ablegen k├Ânnen: Zeugnis, Anbetung, Dank! Hier zeigt Jesus, dass wahre Anbetung ├╝ber das hinausgeht, was irdisch und mit irdischen Sinnen erfahrbar ist. Der eine, der zur├╝ckkehrt, hat erkannt, dass nicht die k├Ârperliche Heilung allein das Entscheidende ist. Sein Glaube ist gewachsen, er erkennt in Jesus mehr als nur den, der heilte. Er f├Ąllt vor ihm nieder, dankt und so betet er an. Rein geworden sind alle zehn, aber wahrhaft heil nur dieser eine, der Gott anbetet.

Gespr├Ąch mit Christus: Jesus, wie oft suche ich allein deine Gaben, aber bin nicht bereit, dich selbst ganz anzunehmen. In deiner Menschwerdung hast du mich ganz angenommen, um mir dein Heil, deine Selbsthingabe zu schenken. Hilf mir, nicht beim Vorletzten stehen zu bleiben, sondern mich dir ganz zu ├Âffnen und mich dir zu ├╝bergeben, meinem Herrn und Gott!

M├Âglicher Vorsatz: Ich will Jesus heute eine Zeit reiner Anbetung um seiner selbst willen schenken.


K├Ânig meines und deines Herzens

15. November 2018

Donnerstag der zweiunddrei├čigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Albert der Gro├če OP, Bischof und Kirchenlehrer
Hl. Findan OSB, Einsiedler
Hl. Leopold III., Markgraf

Angelika Knauf

Lk 17,20-25
In jener Zeit als Jesus von den Pharis├Ąern gefragt wurde, wann das Reich Gottes komme, antwortete er: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an ├Ąu├čeren Zeichen erkennen k├Ânnte. Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es!, oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch. Er sagte zu den J├╝ngern: Es wird eine Zeit kommen, in der ihr euch danach sehnt, auch nur einen von den Tagen des Menschensohnes zu erleben; aber ihr werdet ihn nicht erleben. Und wenn man zu euch sagt: Dort ist er! Hier ist er!, so geht nicht hin, und lauft nicht hinterher! Denn wie der Blitz von einem Ende des Himmels bis zum andern leuchtet, so wird der Menschensohn an seinem Tag erscheinen. Vorher aber muss er vieles erleiden und von dieser Generation verworfen werden.

Einf├╝hrendes Gebet: Jesus, deine Wege sind nicht unsere Wege, deine Gedanken nicht unsere Gedanken. Doch ich vertraue darauf, dass deine Wege und Gedanken immer der Liebe entspringen.

Bitte: Hilf mir, dich K├Ânig meines Herzens sein zu lassen!

1. Von innen nach au├čen. Das Reich Gottes wurde von den Juden zutiefst ersehnt. Die Frage, die die Pharis├Ąer Jesus stellen, entspringt dieser Sehnsucht. Wie jede Sehnsucht aus bestimmten Bed├╝rfnissen und Erwartungen entsteht, so richtete sich unter der Herrschaft der R├Âmer die Hoffnung der Juden vor allem auf ein machtvolles Auftreten des Messias zur Wiederherstellung des ├Ąu├čeren Reiches. Geht es uns Gl├Ąubigen heute so viel anders? W├╝nschen nicht auch wir uns insgeheim die Wiederherstellung fr├╝heren kirchlichen Glanzes? Und neigen wir dabei nicht zu sehr zu Wegen, die in ├äu├čerlichkeiten verhaftet bleiben? Doch was nutzen die sch├Ânsten und selbst wahrsten ├Ąu├čeren Formen kirchlichen Lebens, wenn in ihnen nicht unsere Herzen ganz f├╝r Gott schlagen. Wenn der Glaube nicht unser Innerstes durchdrungen hat und jeden Moment unseres Lebens pr├Ągt?

2. Wer herrscht in meinem Herzen? Schmerzhaft haben wir erfahren m├╝ssen, dass das ├Ąu├čerlich geordnete Bild der Kirche oft nicht ihrem tats├Ąchlichen inneren Zustand entspricht. Und wir erschrecken zu Recht. Es scheint, als sei der Herr von so vielen verraten worden, die ihn doch aufscheinen lassen sollten. Wie war es um die Herzen derer bestellt, die so gehandelt haben? Vielleicht fragen wir uns das. Aber in der Art, wie wir fragen, scheint zugleich auf, wie es um unser eigenes Herz bestellt ist. Herrscht darin Zorn und Selbstgerechtigkeit oder herrscht darin der Herr, der um das Heil seiner Kirche in jedem einzelnen von uns ringt? Denn die Kirche existiert ja nicht au├čerhalb von konkreten Personen! Der Herr ringt um mein Herz und um dein Herz, um seine Kirche immer wieder neu zu erbauen.

3. Dein Reich komme! Ja, auch wir sehnen uns danach, einen Tag des Menschensohnes zu erleben. Wir sehnen uns danach, dass er komme und seine Herrschaft erweise. Dass er alles wieder ordne, dass die H├Ąme verstumme, die Macht aller Feinde der Kirche zerbreche. Doch Jesus sagt schon den J├╝ngern: So werdet ihr den Tag des Menschensohnes nicht erleben. Lauft falschen Ank├╝ndigungen nicht hinterher! Der Blitz des Erscheinens des Menschensohnes muss in meinem und in deinem Herzen aufstrahlen, nirgendwo sonst! Ich muss Jesus darum bitten, dass dies geschieht, erlaubend, dass dieser Blitz zuerst meine selbstgemachte Ordnung umwirft, die mich von der Liebe trennt. Ich kann dem Herrn und der Kirche nicht mehr, aber auch nichts Wichtigeres und Entscheidenderes geben als mein Herz; meinen Glauben, meine Treue, meine Liebe! Lassen wir zu, dass er sein Reich in unseren, meinem und deinem Herzen errichtet, dass er machtvoll K├Ânig unserer, meines und deines Herzens sein darf! Dann beginnt die Kirche, der Leib der Gl├Ąubigen, zu heilen.

Gespr├Ąch mit Christus: Jesus, erbarme dich meiner Selbstgerechtigkeit in meinen Erwartungen, ja in meiner tiefsten Sehnsucht. Schau auf die selbstgemachten Sicherheiten, die ich darin nicht loszulassen wage. Jesus komm und erobere mein Herz mit deiner Sanftmut und der heilenden Macht deiner Liebe.

M├Âglicher Vorsatz: Ich m├Âchte in der Gewissenserforschung am Abend heute mit Jesus besonders auf die inneren Antriebe meiner Gedanken und Taten achten.


Freiheit und Barmherzigkeit

16. November 2018

Freitag der zweiunddrei├čigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Otmar von St. Gallen, Abt
Hl. Walter, Klostergr├╝nder
Hl. Margareta von Schottland, K├Ânigin

Angelika Knauf

Lk 17,26-37
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen J├╝ngern: Wie es zur Zeit des Noach war, so wird es auch in den Tagen des Menschensohnes sein. Die Menschen a├čen und tranken und heirateten bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging; dann kam die Flut und vernichtete alle. Und es wird ebenso sein, wie es zur Zeit des Lot war: Sie a├čen und tranken, kauften und verkauften, pflanzten und bauten. Aber an dem Tag, als Lot Sodom verlie├č, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel, und alle kamen um. Ebenso wird es an dem Tag sein, an dem sich der Menschensohn offenbart. Wer dann auf dem Dach ist und seine Sachen im Haus hat, soll nicht hinabsteigen, um sie zu holen, und wer auf dem Feld ist, soll nicht zur├╝ckkehren. Denkt an die Frau des Lot! Wer sein Leben zu bewahren sucht, wird es verlieren; wer es dagegen verliert, wird es gewinnen. Ich sage euch: Von zwei M├Ąnnern, die in jener Nacht auf einem Bett liegen, wird der eine mitgenommen und der andere zur├╝ckgelassen. Von zwei Frauen, die mit derselben M├╝hle Getreide mahlen, wird die eine mitgenommen und die andere zur├╝ckgelassen. Da fragten sie ihn: Wo wird das geschehen, Herr? Er antwortete: Wo ein Aas ist, da sammeln sich auch die Geier.

Einf├╝hrendes Gebet: ÔÇ×Gro├čer Gott, du offenbarst deine Macht vor allem im Erbarmen und im VerschonenÔÇť, so bete ich mit den Worten der Kirche zu dir, o Herr. Erbarme dich meiner, dass ich lerne, meine Freiheit recht zu gebrauchen.

Bitte: Herr, ├Âffne mein Erkennen f├╝r die Bedeutung meiner freien Willensentscheide!

1. S├╝nde und Barmherzigkeit. Gott ist barmherzig, doch in seiner Liebe bleibt er vollkommen frei, Barmherzigkeit zu gew├Ąhren. Seine Barmherzigkeit ist kein Automatismus, der seine Freiheit ausschaltet oder den freien Willen des Menschen ├╝bersieht. Gott sehnt sich nach unserem Heil bis zur Hingabe seiner selbst am Kreuz! Doch gerade in seinem Kreuz scheint auch das Verm├Âgen in der Freiheit des Menschen auf, diese Barmherzigkeit abzulehnen. Wurde nicht der Herr am Kreuz noch genauso verlacht wie Noah beim Bau der Arche? Wurde nicht der Herr am Kreuz genauso verachtet wie Lot und seine himmlischen G├Ąste? Und gerade diese waren beauftragt, Gerechte zu suchen, die Sodom vor der Vernichtung h├Ątten bewahren k├Ânnen, wie Abraham es vom Herrn erbeten hatte. Wer aber ist gerecht?

2. Die Macht der Freiheit. Gott bindet sich in der Gew├Ąhrung seiner Barmherzigkeit an die Freiheit des Menschen. Die Freiheit aber bef├Ąhigt den Menschen, zu erkennen und zu tun, was vor Gott und seiner Liebe gerecht ist. Gerechtigkeit bedeutet auch, das Gute gut zu nennen und das B├Âse b├Âse! Genau hier zog Gott schon bei den Menschen zur Zeit Noahs und zur Zeit Lots die Trennungslinie. Jene, die das Gute verlachten und das B├Âse taten und gut nannten, wurden nicht gerettet, sondern vernichtet. Auch die Barmherzigkeit Gottes, die sich in Jesu Opfer offenbart hat, nennt die S├╝nde nicht gut. Jesus starb f├╝r unsere S├╝nden, sein Leiden und Tod sind eine klare Aussage gegen die S├╝nde. Wir k├Ânnen Gottes Barmherzigkeit nicht hernehmen, um die S├╝nde gutzuhei├čen. Gottes Barmherzigkeit wird wirksam, wo wir unsere S├╝nde erkennen, als solche benennen und dann auch bekennen!

3. Mehr als alles h├╝te dein Herz! Unsere Hinwendung zu Gott und die Abwendung von der S├╝nde muss vollst├Ąndig werden. Das Zur├╝ckblicken von Lots Frau trotz des Verbots der Engel lie├č sie zur Salzs├Ąule erstarren. Dieses Bild zeigt uns, dass das innere Anh├Ąngen an die S├╝nde unser Herz verh├Ąrtet und f├╝r Gottes Barmherzigkeit verschlie├čt. Wessen Herz noch der S├╝nde anh├Ąngt, den kann Gott nicht in die ganze Freiheit seiner Liebe f├╝hren. An unserer inneren Haltung entscheidet sich die Erl├Âsung, die ├Ąu├čeren Taten allein sagen noch nichts ├╝ber unseren Zustand. Die frei gew├Ąhlte Abkehr vom Bisherigen und die Umkehr zu Gott ├Âffnet unser Herz f├╝r Gottes barmherziges Wirken darin. Der Tag der Offenbarung des Menschensohnes wird der Tag sein, an dem nicht mehr ├äu├čerlichkeiten entscheiden, sondern das Innere, das Herz eines jeden Menschen dar├╝ber entscheidet, ob Gott an ihm Barmherzigkeit ├╝ben kann oder nicht. Der r├Ątselhafte Hinweis Jesu auf ein Aas und die es umkreisenden Geier erscheint noch einmal wie eine Mahnung, auf das zu achten, was unser Herz umgibt. Denn was wir an unser Herz heranlassen, kann aufzeigen, ob es in Gottes Liebe lebendig oder in der Abkehr von ihr schon wie tot ist.

Gespr├Ąch mit Christus: O Jesus, die Bedeutung meiner Freiheit ist gro├č. Manchmal erschreckt sie mich, ist sie mir unbequem. Nimm mir dieses Erschrecken durch die Erkenntnis meiner W├╝rde, f├╝r die mir die S├╝nde den Blick verdunkelt. Hilf mir, nicht in Glaubensroutine zu verfallen, sondern in einem guten Sinne unruhig zu bleiben - aus Sehnsucht nach einem reinen Herzen.

M├Âglicher Vorsatz: Ich will Jesus um die Reinheit des Herzens bitten.


Gott bitten und glauben

17. November 2018

Samstag der zweiunddrei├čigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Gertrud von Helfta OCist, Mystikerin
Hl. Hilda OSB, Äbtissin
Hl. Salome OSCI, K├Ânigin

Angelika Knauf

Lk 18,1-8
In jener Zeit sagte Jesus den J├╝ngern durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten: In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht f├╝rchtete und auf keinen Menschen R├╝cksicht nahm. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind! Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich f├╝rchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen R├╝cksicht; trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie l├Ąsst mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schl├Ągt mich ins Gesicht. Und der Herr f├╝gte hinzu: Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt. Sollte Gott seinen Auserw├Ąhlten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern z├Âgern? Ich sage euch: Er wird ihnen unverz├╝glich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden?

Einf├╝hrendes Gebet: Jesus, du hast versprochen, dass du tust, um was wir in deinem Namen bitten. Ich glaube an dich, ich hoffe auf dich und ich liebe dich.

Bitte: In deinem Namen bitte ich dich jetzt um St├Ąrkung meines Glaubens!

1.  Unbehagen. Ehrlich gesagt, dieses Gleichnis Jesu hat mir noch nie behagt. Warum w├Ąhlt er ein so negatives und unattraktives Beispiel, um die J├╝nger von der Wichtigkeit des Bittens zu ├╝berzeugen? Nichts an diesem Richter ist mir sympathisch. Er ist selbstbezogen, bequem, n├Ârglerisch, er vernachl├Ąssigt in jeder Hinsicht seine Pflicht und es k├╝mmert ihn nicht einmal. Warum w├Ąhlt Jesus einen solchen Typen, um durch ihn auf die Freigebigkeit Gottes zu verweisen? Und in der Aufdringlichkeit der Witwe spiegelt sich so viel M├╝hsal des Lebens wider. Ja schon, ihre Beharrlichkeit bewundere ich. Immerhin hat sie sich ihr Recht verschafft. Aber die ganze Szene ist so unerfreulich. Warum also w├Ąhlt Jesus ein solch negatives Gleichnis f├╝r die Macht des Bittens?

2. Heilsame Therapie. Ebenso ehrlich gesagt: Heute in der Anbetung ging es mir auf! Dieses Beispiel ist eine heilsame Therapie, mich das Bitten zu lehren. Denn Hand aufs Herz, halte ich nicht in meinem tiefsten Herzen Gott manchmal f├╝r einen solchen ÔÇ×TypenÔÇť wie diesen Richter? F├╝rchte ich darin nicht noch, dass ihn mein erlittenes Unrecht vielleicht nicht k├╝mmert? Meine ich nicht meistens, ich m├╝sste wie eben jene Witwe gr├Â├čte Anstrengungen unternehmen, um Gottes Hilfe zu erlangen? Tief in meinem Herzen sitzt noch ein Stachel des Misstrauens. Er ist dort wie einges├Ąt, er ist die Erblast von Generationen - bis zur├╝ck zu den ersten Menschen. Mein Glaube ist immer wieder von Misstrauen bedroht. Wie kann ich das ├╝berwinden, damit ich wahrhaft lerne zu bitten, also mit dem Vertrauen und der Gewissheit, auch erh├Ârt zu werden?

3. Wer an mich glaubtÔÇŽ Ich kann es nicht! Nur Jesus kann es! Er hat unser Misstrauen gegen die Vaterliebe Gottes ans Kreuz und bis in die H├Âlle getragen und durchlitten ÔÇô und in seinem Vertrauen und Gehorsam, ja in der F├╝lle seiner Liebe zum Vater ├╝berwunden und vernichtet! Seine Aufforderung zu bitten und darin nicht nachzulassen, ist die Therapie, die uns zu wahrem Glauben f├╝hren und darin bewahren soll. Deshalb verkn├╝pft er auch das rechte Bitten mit der Existenz von Glauben. Wenn ich Gott nicht vertrauensvoll bitten kann, dann ist Gott in meinem Herzen noch wie dieser Richter, der sich nicht k├╝mmert, nicht aber mein Vater, der mich liebt. Seinen S├╝hne-Tod vor Augen hat uns Jesus im Abendmahlssaal diese Verhei├čung gegeben: ÔÇ×Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch gr├Â├čere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater. Alles, um was ihr in meinem Namen bitten werdet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird. Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bitten werdet, werde ich es tunÔÇť. Verherrlichen wir durch unabl├Ąssiges Bitten um Glauben, Hoffnung und Liebe unseren Vater im Himmel!

Gespr├Ąch mit Christus: Jesus, mein Gott, Sohn des Vaters, in deinem Namen bitte ich dich: Gib mir Glaube, Hoffnung und Liebe!

M├Âglicher Vorsatz: Ich will die Sorge, die mich gerade am meisten bedr├Ąngt, in Jesu Namen bittend vor meinen Vater im Himmel bringen.