Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 4. November 2018 bis Samstag 10. November 2018

Einunddreißigste Woche im Jahreskreis

Dorit Wilke-Lopez

Der BrunnenSonntag
Das Gottesprinzip: SchenkenMontag
Gott hat oberste PrioritÀtDienstag
Voller Einsatz erforderlichMittwoch
Du bist Gott besonders wichtigDonnerstag
Tempel des Heiligen GeistesFreitag
Liebe geht vorSamstag


Der Brunnen

4. November 2018

31. Sonntag im Jahreskreis
Hl. Karl BorromÀus, Kardinal
Hl. Gregor, Abt
Hl. Reginhard (Reinhard) OSB, Abt

Dorit Wilke-Lopez

Mk 12,28b-34
In jener Zeit ging ein Schriftgelehrter zu Jesus hin und fragte ihn: Welches Gebot ist das erste von allen? Jesus antwortete: Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen NĂ€chsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist grĂ¶ĂŸer als diese beiden. Da sagte der Schriftgelehrte zu ihm: Sehr gut, Meister! Ganz richtig hast du gesagt: Er allein ist der Herr, und es gibt keinen anderen außer ihm, und ihn mit ganzem Herzen, ganzem Verstand und ganzer Kraft zu lieben und den NĂ€chsten zu lieben wie sich selbst, ist weit mehr als alle Brandopfer und anderen Opfer. Jesus sah, dass er mit VerstĂ€ndnis geantwortet hatte, und sagte zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und keiner wagte mehr, Jesus eine Frage zu stellen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Ich werde jetzt innerlich ganz still und ziehe mich in mich selbst und in meine Seele zurĂŒck. Dort wartet Jesus auf mich. Ich lasse mir Zeit, ihm zu begegnen. In ihm begegne ich auch dem Vater.

Bitte: Du, himmlischer Vater, bist der Herr und die Quelle meines Lebens. Ich bin wie ein Brunnen, den du fĂŒllen willst, und der sich von dir fĂŒllen lassen möchte, bis er ĂŒberlĂ€uft.

1. Die Quelle. Gott will oberste PrioritĂ€t in meinem Leben haben, nicht weil er sonst beleidigt wĂ€re, sondern weil in ihm die Quelle fĂŒr mein GlĂŒck liegt. Im Dunkel dieser Welt erkenne ich das viel zu selten. Wo in meinem Leben ist Gott noch eine Randerscheinung? Gibt es Gebiete, wo ich mich mehr auf mich selbst verlasse als auf ihn, oder wo ich mich mehr auf andere Menschen stĂŒtze als auf ihn? Die Quelle ist er!

2. Die Quelle fĂŒllt den Brunnen – sich selbst mit den Augen Gottes betrachten. Um meinen NĂ€chsten lieben zu können, soll ich erst einmal mich selbst genĂŒgend lieben. Wie sieht Gott mich? Schon vor der Erschaffung der Welt hatte er mich im Auge, und er hat mich einmalig und unwiederholbar als sein Ebenbild und Gleichnis geschaffen. Sogar mein Fingerabdruck ist einmalig unter allen 7,5 Milliarden Menschen auf dieser Erde, und um wie viel mehr dann der Rest! NatĂŒrlich bin ich nicht perfekt, aber Gott ist allwissend und kannte meine Fehler und SĂŒnden schon, bevor er mich erschuf. Und er hat mich dennoch erschaffen! FĂŒr meine Fehler und SchwĂ€chen steht Jesus mit seinem Leben ein, so wichtig bin ich Gott. Danke, Gott, dass ich bin und dass ich in deiner Liebe sein darf. Hilf mir, mich in Dankbarkeit und Ehrfurcht mit deinen liebenden Augen zu sehen.

3. Der Brunnen quillt ĂŒber. Die anderen Menschen hat Gott genauso wunderbar und mit derselben Liebe geschaffen. Vater, erinnere mich heute in jeder Begegnung mit anderen Menschen daran, dass ich deinem wunderbaren und geliebten Ebenbild begegne. Der Heilige Bernhard von Clairvaux fand den Vergleich mit einem Brunnen, der von der Quelle gespeist wird, bis er ĂŒberlĂ€uft. So soll meine Freude ĂŒber mein Geliebtsein zu den anderen hinĂŒber fließen.

GesprĂ€ch mit Christus: Lass auf diese Weise dein Reich in mir wachsen. Lass mich so die Welt immer mehr mit deinen Augen sehen.

Möglicher Vorsatz: Ich bleibe heute mit Gott ĂŒber diese Dinge im GesprĂ€ch.


Das Gottesprinzip: Schenken

5. November 2018

Montag der einunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Bernhard Lichtenberg, Domprobst
Hl. Berthild, Äbtissin
Hl. Emmerich, Königssohn

Dorit Wilke-Lopez

Lk 14,12-14
In jener Zeit sprach Jesus zu einem der fĂŒhrenden PharisĂ€er, der ihn zum Essen eingeladen hatte: Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, so lade nicht deine Freunde oder deine BrĂŒder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich ein, und damit ist dir wieder alles vergolten. Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, KrĂŒppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Ich schließe die Augen und sammle mich vor Gott. Wenn es mir hilft, kann ich bewusst ein paar tiefe AtemzĂŒge machen. Dann beginne ich das GesprĂ€ch mit Gott.

Bitte: Jesus, du willst, dass ich selig bin, dass ich an deiner Seligkeit teilhaben darf. Lass mich mit deinen Augen sehen.

1. Die Freude des Schenkens. In diesem Evangelium fĂŒhrt uns Jesus tiefer in die Denkweise Gottes hinein. Wir hören, dass wir bedĂŒrftige Leute ohne Gegenleistung zum Essen einladen sollen. Das erscheint als anspruchsvolle Forderung, die uns einiges abverlangt. Wenn man aber einmal mit Gottes Augen auf uns und ihn schaut, dann ist doch Gott derjenige, der uns einlĂ€dt. Er lĂ€dt uns ein zum Leben, zu jedem einzelnen Tag, und zur Speise, die er selber ist. Wir sind die Armen und Blinden, die ihm das nie vergelten können, und Gott hat große Freude daran, uns zu beschenken.

2. Das Prinzip des Reiches Gottes. Gott ist unser Vater, der es liebt, zu schenken, der es liebt, einzuladen. Er möchte, dass wir diese Freude auch erfahren. Es geht bei ihm deswegen bei dieser Mahnung an die PharisĂ€er nicht um eine Leistung unsererseits fĂŒr ihn und sein Reich, indem wir Leute beschenken, damit er uns liebt. Das wĂ€re ein GeschĂ€ft, das wir mit Gott machen – Leistung fĂŒr Gegenleistung. Er möchte aber nicht eine Gegenleistung dafĂŒr, dass wir seine Kinder sein dĂŒrfen, sondern er möchte, dass wir an der Freude des Schenkens teilhaben. Es geht Gott immer um die Freude des Schenkens. Das ist das Prinzip des Reiches Gottes, in das er uns tiefer einfĂŒhren möchte.

3. Treibst du noch Handel oder schenkst du schon? FĂŒhle ich mich von Gott beschenkt? Kann ich mich von ihm beschenken lassen oder habe ich das GefĂŒhl, vor ihm etwas leisten zu mĂŒssen? Kenne ich die Freude der GroßzĂŒgigkeit anderen gegenĂŒber, oder handle ich mehr nach dem Prinzip Leistung und Gegenleistung? Treibst du noch Handel oder schenkst du schon?

GesprĂ€ch mit Christus: Ich lasse mir fĂŒr das GesprĂ€ch mit Christus Zeit. Heiliger Geist, fĂŒhre mich und schenke mir GroßzĂŒgigkeit.

Möglicher Vorsatz: Heute die Geschenke Gottes entdecken und seine Freude teilen, etwas Gutes zu tun.


Gott hat oberste PrioritÀt

6. November 2018

Dienstag der einunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Leonhard, Einsiedler
Hl. Christine, Begine
Hl. Rudolf OSB, Bischof
Hl. Modesta OSB, Äbtissin

Dorit Wilke-Lopez

Lk 14,15-24
In jener Zeit sagte einer der GĂ€ste, der zusammen mit Jesus eingeladen worden war, zu ihm: Selig, wer im Reich Gottes am Mahl teilnehmen darf. Jesus sagte zu ihm: Ein Mann veranstaltete ein großes Festmahl und lud viele dazu ein. Als das Fest beginnen sollte, schickte er seinen Diener und ließ den GĂ€sten, die er eingeladen hatte, sagen: Kommt, es steht alles bereit! Aber einer nach dem andern ließ sich entschuldigen. Der Erste ließ ihm sagen: Ich habe einen Acker gekauft und muss jetzt gehen und ihn besichtigen. Bitte, entschuldige mich! Ein anderer sagte: Ich habe fĂŒnf Ochsengespanne gekauft und bin auf dem Weg, sie mir genauer anzusehen. Bitte, entschuldige mich! Wieder ein anderer sagte: Ich habe geheiratet und kann deshalb nicht kommen. Der Diener kehrte zurĂŒck und berichtete alles seinem Herrn. Da wurde der Herr zornig und sagte zu seinem Diener: Geh schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und hol die Armen und die KrĂŒppel, die Blinden und die Lahmen herbei. Bald darauf meldete der Diener: Herr, dein Auftrag ist ausgefĂŒhrt; aber es ist immer noch Platz. Da sagte der Herr zu dem Diener: Dann geh auf die Landstraßen und vor die Stadt hinaus und nötige die Leute zu kommen, damit mein Haus voll wird. Das aber sage ich euch: Keiner von denen, die eingeladen waren, wird an meinem Mahl teilnehmen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Ich nehme mir Zeit und öffne mich fĂŒr Gottes Anruf. Ich sammle all meine Gedanken ein und bringe sie zu Gott. Ich öffne meine Ohren und mein Herz fĂŒr Ihn.

Bitte: Heiliger Geist, lehre mich, Gott in meinem Leben an die erste Stelle zu setzen.

1. Alltag. Der König lĂ€dt ein, aber die Eingeladenen lehnen die Einladung ab. Sie wollen nicht am Reich Gottes teilnehmen. Sie finden ihren Alltag, ihre GeschĂ€fte, ihre Beziehungen wichtiger, als zu dem Fest zu gehen. Logischerweise nehmen sie dann auch nicht am Festmahl teil. Sie bleiben draußen. Ich muss Gott und sein Reich an die erste Stelle in meinem Leben setzen, sonst laufe ich Gefahr, es freiwillig zu verpassen, weil ich um andere Dinge kreise. Gibt es Dinge, Menschen, Projekte, die fĂŒr mich so wichtig sind, dass sie mich Gottes Einladung verpassen lassen könnten? Das ist der Sinn des Gebots, den Herrn mit ganzem Herzen zu lieben: wenn ich ihn nicht an erste Stelle setze, verpasse ich seine Einladung ins Himmelreich, weil ich mich selbst und meine GeschĂ€fte wichtiger finde. Und damit schneide ich mich sozusagen ins eigene Fleisch, möglicherweise mit endgĂŒltigen Konsequenzen.

2. Den Alltag entrĂŒmpeln. Die Blinden und Lahmen lĂ€dt der König ein. Sie kommen, denn ihr Alltag ist nicht so vollgestopft mit Besitz, Arbeit und Beziehungen. Sie erkennen den Wert der Einladung. Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich. Wo kann ich meinen Alltag entrĂŒmpeln, wovon sollte ich mich trennen, um Gottes Einladung nicht freiwillig zu verpassen? Vielleicht spricht Gott sie leise aus!

3. Die Gnade der WĂŒste. Die auf den Landstraßen vor der Stadt lĂ€dt der König ein. Das sind die, die nicht sesshaft sind, die unterwegs sind, die sich nicht hĂ€uslich eingerichtet haben, die nicht hinter Mauern leben. Ist mir bewusst, dass ZustĂ€nde von Krankheit, Obdachlosigkeit, VorlĂ€ufigkeit, des existenziellen Ausgeliefertseins eigentlich eine Gnade sind, weil sie mich leichter auf Gottes Anruf hören lassen? Nicht umsonst kam das Volk Israel nur durch die WĂŒste ins Gelobte Land. In der WĂŒste merkt man, dass man auf Gott angewiesen ist. Kann ich fĂŒr meine WĂŒsten dankbar sein?

GesprĂ€ch mit Christus: Ich rede mit Gott ĂŒber den ein oder anderen Punkt, der mich in diesem Evangelium besonders bewegt, und höre, was er mir sagt.

Möglicher Vorsatz: Meine FlexibilitĂ€t trainieren: Mich freuen ĂŒber alles, was meine PlĂ€ne durchkreuzt, und dankbar sein fĂŒr jede unvorhergesehene Störung und Unterbrechung, die ich als Einladungen Gottes verstehen lernen möchte.


Voller Einsatz erforderlich

7. November 2018

Mittwoch der einunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Willibrord OSB, Bischof
Hl. Engelbert, Erzbischof
Hl. Ernst von Zwiefalten OSB

Dorit Wilke-Lopez

Lk 14,25-33
In jener Zeit als viele Menschen Jesus begleiteten; wandte er sich an sie und sagte: Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, BrĂŒder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein JĂŒnger sein. Wer nicht sein Kreuz trĂ€gt und mir nachfolgt, der kann nicht mein JĂŒnger sein. Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel fĂŒr das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertig stellen kann. Und alle, die es sehen, wĂŒrden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende fĂŒhren. Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und ĂŒberlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrĂŒckt? Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden. Darum kann keiner von euch mein JĂŒnger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.

EinfĂŒhrendes Gebet: Ich mache mir bewusst, dass ich ein Tempel des Heiligen Geistes bin und im Geist und in der Wahrheit anbeten möchte. Ich nehme mir Zeit und ein paar AtemzĂŒge, um ruhig zu werden, und wende mich dem lebendigen Gott zu, der in mir wohnt.

Bitte: Heiliger Geist, wecke in mir VerstĂ€ndnis fĂŒr diese Schriftstelle, die nicht so einfach ist.

1. Voller Einsatz. Das Himmelreich erfordert vollen Einsatz. Man muss alles auf eine Karte setzen. Jesus wird nicht mĂŒde, das an allen möglichen Beispielen und Vergleichen zu erklĂ€ren. Die Aufgabe ist riesig. UngefĂ€hr so riesig, wie wenn ein König einen Krieg gewinnen will, oder wie wenn ein Privatmann nicht nur ein Eigenheim, sondern gleich einen ganzen Wolkenkratzer errichten will. Das kann man nicht mit ein paar Zinnsoldaten oder einem SandschĂ€ufelchen erreichen.

2. Keine Illusionen. Heute sagt Jesus uns in etwa: Überlegt euch das vorher, es hat nĂ€mlich seinen Preis, mir nachzufolgen. Ihr dĂŒrft an nichts und niemandem mehr hĂ€ngen als an mir. Und der Weg mit mir fĂŒhrt nicht am Leid vorbei, sondern durch das Leid hindurch. Das wirkt wie eine Warnung. Es muss also enorm wichtig sein!

3. Alles auf Jesus setzen. Der Weg ins Himmelreich fĂŒhrt nur ĂŒber Jesus. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wir mĂŒssen da ganz klar und kompromisslos sein. Nicht einmal unsere liebsten Menschen (einschließlich unserer eigenen Person) dĂŒrfen uns wichtiger sein als Jesus. Jesus gehört an die erste Stelle, dann findet alles andere seinen richtigen Platz. Dann reichen meine Mittel aus, um das Vorhaben, ins Himmelreich zu kommen, zu vollenden. Denn er selbst bietet sich uns als „Mittel“ an. Glaube ich das? Wie nah bin ich an dieser Haltung dran oder wie weit bin ich davon entfernt? Wo mache ich da noch Kompromisse?

GesprĂ€ch mit Christus: Ich komme mit Jesus darĂŒber in ein ehrliches GesprĂ€ch, wie viel er mir bedeutet.

Möglicher Vorsatz: Ich frage Jesus heute, in welchem Bereich ich ihn noch mehr an die erste Stelle setzen soll, und höre genau hin, welche Antwort er mir dazu in der nĂ€chsten Zeit gibt durch Eingebungen, Worte, UmstĂ€nde



Du bist Gott besonders wichtig

8. November 2018

Donnerstag der einunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Willehad, Bischof
Hl. Gregor OSB, Abt
Hl. Gottfried OSB, Bischof
Sel. Johannes Duns Scotus OFM

Dorit Wilke-Lopez

Lk 15,1-10
In jener Zeit kamen alle Zöllner und SĂŒnder zu Jesus, um ihn zu hören. Die PharisĂ€er und die Schriftgelehrten empörten sich darĂŒber und sagten: Er gibt sich mit SĂŒndern ab und isst sogar mit ihnen. Da erzĂ€hlte er ihnen ein Gleichnis und sagte: Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lĂ€sst er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurĂŒck und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war. Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen ĂŒber einen einzigen SĂŒnder, der umkehrt, als ĂŒber neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren. Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zĂŒndet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermĂŒdlich, bis sie das GeldstĂŒck findet? Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte. Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude ĂŒber einen einzigen SĂŒnder, der umkehrt.

EinfĂŒhrendes Gebet: Ich werde still und warte auf den Heiligen Geist. Ich versuche, hörend zu werden, mich zu öffnen fĂŒr seine Eingebungen. Ich weiß, dass das Zeit braucht, und ich nehme mir sie.

Bitte: Bitte, Herr, lass mich in der Liebe wachsen.

1. Ganz andere MaßstĂ€be. Was ist das fĂŒr eine gute Nachricht! Dem Vater im Himmel ist jeder wichtig, ganz egal, was er oder sie auf dem Kerbholz hat! Egal deine Fehler, egal dein Versagen, egal deine SĂŒnden – Er sucht dich, denn er liebt dich. Er hat so ganz andere MaßstĂ€be als wir. Er isst mit den SĂŒndern. Bei ihm geht es nur um Liebe, er will alle an sich ziehen. Er klagt nicht an, er urteilt nicht, er zerbricht das geknickte Rohr nicht – er liebt. Vorbehaltlos. Kann ich mir vorstellen, dass das auch fĂŒr mich gilt? Kann ich nun besser verstehen, wie absurd es vor Gott ist, wenn ich die Menschen um mich herum be- und verurteile hinsichtlich ihrer SĂŒndhaftigkeit, wohingegen er das ĂŒberhaupt nicht tut? Vielleicht nimmt mich dieser Gedanke gefangen und ich möchte hier verweilen.

2. Keine Massenabfertigung. Und die nĂ€chste gute Nachricht! Gott geht es nicht um Massenabfertigung und effiziente Bekehrung möglichst Vieler. Ihm geht es um die zĂ€rtliche Beziehung zu jedem einzelnen, und er freut sich daran. Er umwirbt jeden und jede so, wie er oder sie es braucht. Jeden hat er „ganz besonders lieb“. Er will DICH und DU bist ihm unersetzlich. Bei diesem Gedanken darf ich verweilen, solange ich will. Und was bedeutet mir der einzelne Mitmensch?

3. Jeder ist unersetzlich. Jeder Mensch ist einmalig. Jeder Mensch ist nach innen hin in seinem Geist wie ein ganz eigenes Universum an ganz eigenem Erleben und Denken. Jeder Mensch ist ein kleines Universum fĂŒr sich, in dem Gott König sein möchte. Deswegen ist jeder Mensch unwiederholbar und unersetzlich wichtig. Deshalb geht Gott mir SĂŒnder nach wie dem verlorenen Schaf, auch wenn er noch 99 andere hat. Glaube ich das? Auch hier kann ich innehalten und das im Herzen hin- und herbewegen.

GesprĂ€ch mit Christus: Ich spreche mit dem Vater ĂŒber meine Gedanken und GefĂŒhle angesichts seiner ganz besonderen Liebe. Wo kann ich sie annehmen, wo fĂ€llt es mir schwer?

Möglicher Vorsatz: In den nĂ€chsten Tagen oder heute einem Menschen nachgehen, der in meinem Bekannten-, Freundes- oder Familienkreis am Rand steht oder verloren gegangen ist.


Tempel des Heiligen Geistes

9. November 2018

Weihetag der Lateranbasilika
Fest

Hl. Theodor, MĂ€rtyrer
Hl. Roland OSB
Hl. Ragnulf, MĂ€rtyrer
Hl. Erpho, Bischof

Dorit Wilke-Lopez

Joh 2,13-22
Das Paschafest der Juden war nahe, und Jesus zog nach Jerusalem hinauf. Im Tempel fand er die VerkĂ€ufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen. Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schĂŒttete er aus, und ihre Tische stieß er um. Zu den TaubenhĂ€ndlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle! Seine JĂŒnger erinnerten sich an das Wort der Schrift: Der Eifer fĂŒr dein Haus verzehrt mich. Da stellten ihn die Juden zur Rede: Welches Zeichen lĂ€sst du uns sehen als Beweis, dass du dies tun darfst? Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten. Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut, und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten. Er aber meinte den Tempel seines Leibes. Als er von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine JĂŒnger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, danke fĂŒr deinen Eifer fĂŒr das Haus deines Vaters. Ich will still sein und geduldig auf dich warten. Jetzt ist der wichtigste Termin des Tages – mit dir.

Bitte: Hilf mir jetzt ins Gebet hinein.

1. Tempel des Heiligen Geistes – mein Gebet. Ich bin ein Tempel des Heiligen Geistes. Ich betrachte mit Jesus zusammen den Tempel meines Gebets. Auch in meinem Tempel ist möglicherweise viel, was mich vom Heiligen Geist ablenkt. Was sind heute meine Geldwechsler, meine TaubenhĂ€ndler? Ich bitte Jesus, all das auszutreiben, was meine Seele jetzt von ihm ablenkt. Ich warte, bis im Tempel meines Gebets Ruhe einkehrt, damit ich ungestört beten kann.

2. Tempel des Heiligen Geistes – mein Leben. Ich bin ein Tempel des Heiligen Geistes. Ich betrachte mit Jesus zusammen den Tempel meines Lebens. Wo ist mein Leben eine Markthalle? Wo ist störender LĂ€rm, störende Betriebsamkeit, durch die der Same des Glaubens, das VerhĂ€ltnis zum Herrn, ersticken könnte? Wo sind störender Eigenwille und störender Egoismus, die mir den Weg zum Heiligtum des Tempels, zum Heiligen Geist, versperren? Ich bitte Jesus um den verzehrenden Eifer, das nach und nach wegzuschaffen.

3. Tempel des Heiligen Geistes – meine ReligiositĂ€t. Ich bin ein Tempel des Heiligen Geistes. Ich betrachte mit Jesus zusammen meine ReligiositĂ€t. Wo versuche ich, mit Gott zu handeln? Habe ich ihm gegenĂŒber ein Leistungsdenken? Wo habe ich das GefĂŒhl, mir seine Liebe verdienen zu mĂŒssen, indem ich religiöse Pflichten abhake? Ich bitte Jesus, all dies in meinem Tempel niederzureißen und zu wandeln, damit ich mit ihm zur kindlichen Liebe auferstehen darf, die vertrauensvoll die Geschenke des Vaters annimmt und großzĂŒgig weiter schenkt, ohne aufzurechnen.

GesprĂ€ch mit Christus: Ich verweile im GesprĂ€ch mit dem Herrn. Wenn alles gesagt ist, darf ich weiter still seine NĂ€he genießen, ohne Worte.

Möglicher Vorsatz: Ich nehme mir einen Punkt vor, den ich mit dem Eifer Jesu und der Kraft des Heiligen Geistes, dessen Tempel ich bin, Ă€ndern will.


Liebe geht vor

10. November 2018

Hl. Leo der Große, Papst
Gedenktag

Hl. Justus, Bischof
Hl. Johannes Skotus, Bischof

Dorit Wilke-Lopez

Lk 16,9-15
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es mit euch zu Ende geht. Wer in den kleinsten Dingen zuverlĂ€ssig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen unrecht tut, der tut es auch bei den großen. Wenn ihr im Umgang mit dem ungerechten Reichtum nicht zuverlĂ€ssig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen? Und wenn ihr im Umgang mit dem fremden Gut nicht zuverlĂ€ssig gewesen seid, wer wird euch dann euer wahres Eigentum geben? Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon. Das alles hörten auch die PharisĂ€er, die sehr am Geld hingen, und sie lachten ĂŒber ihn. Da sagte er zu ihnen: Ihr redet den Leuten ein, dass ihr gerecht seid; aber Gott kennt euer Herz. Denn was die Menschen fĂŒr großartig halten, das ist in den Augen Gottes ein GrĂ€uel.

EinfĂŒhrendes Gebet: Ich nehme mir Zeit, um die Augen zu schließen und innerlich ganz still zu werden. Ich hole meine Gedanken so gut es geht nach innen und stelle mich in Gottes Gegenwart hinein.

Bitte: Komm, Heiliger Geist, öffne meine Seele fĂŒr Jesus, der auch heute wieder fĂŒr mich ein Wort des Lebens hat. Öffne meinen Geist fĂŒr dieses Wort.

1. Der Mammon. Was ist mit Mammon gemeint? Mammon ist der weltliche Reichtum – in heutiger Sprache vielleicht mein Haus, mein Boot, mein Auto, mein Hobby, mein Bankkonto, meine Markenkleidung– aber auch mein Ansehen (auch in der Gemeinde), mein Einfluss, meine Karriere, meine Schönheit, mein Sport
 Was bedeutet Mammon fĂŒr mich? Welchen weltlichen Reichtum strebe ich an?

2. Ungerecht. Warum nennt Jesus den Mammon ungerecht? Was meint er damit? Gerechtigkeit besteht darin, dass jeder bekommt, was ihm zusteht. Das wĂŒrde also bedeuten, dass uns der Mammon nicht gehört, uns eigentlich nicht zusteht. Erinnern wir uns heute daran, dass alles auf dieser Welt prinzipiell Gott gehört und uns nur leihweise zur VerfĂŒgung gestellt wird, damit wir damit gut wirtschaften. Das ist alles fremdes Gut, das Gott gehört, mit dem wir gut umgehen sollen. Nur ein Lehen ist die Erde!

3. Macht euch Freunde. Ich muss also mit Gottes Leihgaben zuverlĂ€ssig und in seinem Sinne umgehen. Wie geht das? „Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons!“ Wir sollen also die weltlichen Dinge so benutzen, dass sie dem Kontakt untereinander, der Bindung aneinander so dienen, dass wir uns auf das Ewige vorbereiten. Das heißt konkret: Freundschaft und Beziehung, die gemeinsam auf das Ewige schauen lassen, gehen immer vor bloßer Kameraderie, Reichtum, Karriere, KonsumgĂŒtern, Internet und Arbeitspflichten! In einer Gesellschaft, die MobilitĂ€t und stĂ€ndige Erreichbarkeit verlangt, wo ZeitarbeitsvertrĂ€ge oder unbezahlte Praktika die Regel sind, wo schon fĂŒr Grundschulkinder die Karriere geplant wird, wo dauerhafte Verantwortung fĂŒr Beziehungen z.B. in der Ehe immer seltener ĂŒbernommen wird, ist diese Rangfolge eine heilsame Korrektur, auch fĂŒr meine eigene Lebensplanung. Weder Geld noch sportliche Erfolge werden mich zĂ€rtlich in den Arm nehmen, wenn ich mich danach sehne, und weder das Auto noch das Boot kommen mich spĂ€ter im Altenheim besuchen – sondern Menschen: Familie, Freunde. Die Liebe soll wachsen, und nur dafĂŒr sollen wir die weltlichen GĂŒter einsetzen. Dann kann die Liebe so groß werden, dass wir kompatibel fĂŒr den Himmel werden, in dem nur noch Liebe herrschen wird. Gibt es in meinem Leben Gebiete, wo ich die PrioritĂ€ten anders setzen muss?

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, du bist ein so menschenfreundlicher Gott. Du weißt so genau, was fĂŒr uns gut ist! Danke, dass du immer die Liebe und das UnvergĂ€ngliche an erste Stelle setzt und uns damit eine klare Orientierung gibst! Hilf mir, diese Reihenfolge immer prĂ€sent zu haben.

Möglicher Vorsatz: Heute will ich mit meinem Reichtum in Gottes Sinne umgehen und jemandem mit etwas Materiellem eine Freude machen.