Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 28. Oktober 2018 bis Samstag 3. November 2018

Dreißigste Woche im Jahreskreis

Mathias Reimer

„Lautstarker“ GlaubeSonntag
Ein menschenfreundlicher GottMontag
Vertrauen und WagemutDienstag
Scheinheilig oder HeiligenscheinMittwoch
Heilig – warum nicht?!Donnerstag
Kernbotschaft unseres GlaubensFreitag
Mut zur DemutSamstag


„Lautstarker“ Glaube

28. Oktober 2018

30. Sonntag im Jahreskreis
Weltmissionstag
Hll. Apostel Simon und Judas ThaddÀus
Hl. Alfred der Große, König
Hl. Ferrutius von Mainz, MĂ€rtyrer

Mathias Reimer

Mk 10,46b-52
In jener Zeit als Jesus mit seinen JĂŒngern und einer großen Menschenmenge Jericho wieder verließ, saß an der Straße ein blinder Bettler, BartimĂ€us, der Sohn des TimĂ€us. Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazaret war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir! Viele wurden Ă€rgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich. Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu. Und Jesus fragte ihn: Was soll ich dir tun? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte wieder sehen können. Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, so wie der LĂ€rm und das Gerede der Menge BartimĂ€us deine NĂ€he ankĂŒndigten, will auch ich jetzt die Zeichen deiner Gegenwart erkennen und mich dir öffnen. Ich glaube an deine Gegenwart, ich hoffe auf dein Erbarmen, ich will in Freiheit lieben.

Bitte: Jesus, Gottes Sohn, hab Erbarmen mit mir und höre mein Rufen!

1. Ein Schrei aus der Seele. BartimĂ€us hat keine Angst, seine Not und BedĂŒrftigkeit offenzulegen und damit zu Jesus zu gehen. Vielmehr noch: Er erhofft sich viel, alles, von Jesus. Sobald er merkt, dass Jesus des Weges kommt, schreit er aus LeibeskrĂ€ften. Als er vom Herrn gerufen wird, wirft er sogar den Mantel, seine einzige Habe, weg, weil er voll und ganz auf Jesus vertraut. Wie sieht unser Gebet aus? Wenden wir uns an Gott mit dem Vertrauen, dass er uns wirklich helfen kann?

2. Ein Aufschrei – unbequem und stark. Weder sollten Religion und Glaube in den eigenen vier WĂ€nden versteckt werden, noch gibt sich Jesus mit einer anonymen, beobachtenden Masse am Wegesrand zufrieden. Jesus sucht Beziehung und BartimĂ€us lĂ€sst sich darauf ein. Die Verbundenheit mit Gott ist es, die uns im Alltag Halt und Orientierung gibt, um nicht zum Spiel der Meinungsschwankungen der Gesellschaft zu werden. Sie gibt uns auch den Mut, unser Umfeld wachzurĂŒtteln und zu prĂ€gen. QualitĂ€tszeiten der Begegnung mit Gott suchen und dadurch frei von der Meinung anderer werden: das ist es, was BartimĂ€us uns hier vormacht.

3. Ein Gott, der unser Rufen hört. â€žWas soll ich dir tun?“, diese Frage Jesu spiegelt in zweierlei Hinsicht die Liebe Gottes wider. Zum einen zeigt sie sein liebendes, fĂŒrsorgliches, offenes Herz, das den Menschen, besonders den Armen und Kranken, zugewandt ist. Zum anderen stellt sie eine feinfĂŒhlige göttliche Einladung dar, die in jedem Augenblick die Freiheit des Menschen respektiert und um eine liebe- und vertrauensvolle Antwort wirbt. BartimĂ€us darf eine echte, tiefgrĂŒndige Erfahrung der Liebe Gottes machen. Er wird geheilt. Jesus schenkt ihm nicht nur das Augenlicht wieder, sondern gibt ihm seine WĂŒrde zurĂŒck und gliedert ihn wieder in die Gesellschaft ein. Und von dieser Liebe verwandelt entschließt sich BartimĂ€us in aller Freiheit, Jesus zu folgen.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, du hast BartimĂ€us versichert, dass ihm sein Glaube geholfen hat. So möchte auch ich jetzt einen bewussten Akt des Glaubens in deine Gegenwart, deine Kraft, deine Liebe setzen und dir meine Familie, meine Anliegen, meinen Tag anvertrauen.

Möglicher Vorsatz: Wenn heute etwas nicht so glatt lĂ€uft, oder wenn ich ein grĂ¶ĂŸeres Anliegen auf dem Herzen habe, will ich einen bewussten Akt des Glaubens setzen und es Gott anvertrauen.


Ein menschenfreundlicher Gott

29. Oktober 2018

Montag der dreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Ermelind, Reklusin
Hl. Narzissus, Bischof u. MĂ€rtyrer
Sel. Sr. Maria Restituta (Helene) Kafka OP

Mathias Reimer

Lk 13,10-17
In jener Zeit lehrte Jesus am Sabbat in einer Synagoge. Dort saß eine Frau, die seit achtzehn Jahren krank war, weil sie von einem DĂ€mon geplagt wurde; ihr RĂŒcken war verkrĂŒmmt, und sie konnte nicht mehr aufrecht gehen. Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sagte: Frau, du bist von deinem Leiden erlöst. Und er legte ihr die HĂ€nde auf. Im gleichen Augenblick richtete sie sich auf und pries Gott. Der Synagogenvorsteher aber war empört darĂŒber, dass Jesus am Sabbat heilte, und sagte zu den Leuten: Sechs Tage sind zum Arbeiten da. Kommt also an diesen Tagen und lasst euch heilen, nicht am Sabbat! Der Herr erwiderte ihm: Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und fĂŒhrt ihn zur TrĂ€nke? Diese Tochter Abrahams aber, die der Satan schon seit achtzehn Jahren gefesselt hielt, sollte am Sabbat nicht davon befreit werden dĂŒrfen? Durch diese Worte wurden alle seine Gegner beschĂ€mt; das ganze Volk aber freute sich ĂŒber all die großen Taten, die er vollbrachte.

EinfĂŒhrendes Gebet: Vater, du liebst deine Kinder. In Jesus hast du uns deine unendliche, barmherzige und heilende Liebe offenbart. Diese Zeit des Gebets soll in mir die Gewissheit stĂ€rken, dass du immer auf meiner Seite bist.

Bitte: Herr, lass mich eine tiefe Erfahrung deiner Zuwendung zu uns Menschen und zu mir persönlich machen.

1. Ein Herz, das von Mitleid bewegt wird. Seit achtzehn Jahren musste die Frau, die Jesus heilt, bereits leiden. Trotz dieser langen Leidenszeit hĂ€lt sie an ihrem Glauben fest und geht am Sabbat in die Synagoge. Gerade weil sie sich dort befindet, kann Jesus sie auch zu sich rufen. Sicherlich mischen sich unter ihren Glauben auch eine große Hilflosigkeit und Verzweiflung. Fakt ist, dass Jesus von tiefstem Mitleid bewegt wird und es ihn drĂ€ngt, dieser Frau zu helfen. Er ist auf die Welt gekommen, um die Menschen zu erlösen.

2. Die Heilung des ganzen Menschen. Zur Zeit Jesu wurden Krankheiten oft als eine Bestrafung angesehen. Man schloss von einem körperlichen Übel auf eine moralisch verwerfliche Handlung als dessen Ursache und grenzte die betroffene Person auch aus der Gesellschaft aus. Ganz anders Jesus. Er ruft die Frau, hat keine Angst, ihr die HĂ€nde aufzulegen und ihr Heilung zuzusprechen. „Im gleichen Augenblick richtete sie sich auf und pries Gott.“ Bei diesem Moment kann man ruhig eine Weile verbringen. Der Mensch, der Gott begegnet, der ihn in sein Leben lĂ€sst, wird aufgerichtet, wird auch innerlich heil und frei.

3. Ein menschenfreundlicher Gott. Unser Gott ist ein menschenfreundlicher Gott. Er will keine verkrĂŒmmten Sklaven, die ihm ohne Murren dienen. „Der Ruhm Gottes ist der lebendige Mensch“ (IrenĂ€us v. Lyon). Gott richtet uns Menschen auf und stellt unsere WĂŒrde als Kinder Gottes immer wieder her, wenn er uns in den Sakramenten begegnet und heilt. Dabei ist Gott keineswegs einfach nur zahm und verweichlicht. Im zweiten Teil der Bibelstelle sehen wir, wie Jesus die direkte Konfrontation mit dem Synagogenvorsteher nicht scheut. Er kĂ€mpft fĂŒr uns Menschen, deckt alle LĂŒgen auf, die den Menschen knechten und seiner Freiheit berauben. Gott hat sich mit Jesu Tod am Kreuz ein fĂŒr alle Mal auf unsere Seite gestellt.

GesprĂ€ch mit Christus: Du liebst uns Menschen und kennst unsere Gebrechen, Sorgen und SĂŒnden. Komm auf mich zu, vor allem da, wo ich schon lange leide und selber nicht weiterkomme. Rufe mich, heile mich, richte mich auf!

Möglicher Vorsatz: Wenn sich heute die Gelegenheit ergibt, will ich einem meiner Mitmenschen die Hilfe und Liebe Gottes, in Wort oder Tat, zusagen.


Vertrauen und Wagemut

30. Oktober 2018

Dienstag der dreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Bernhard Schwendtner, MĂ€rtyrer
Hl. Emicho OSB
Sel. Maria Theresia Tauscher DCJ

Mathias Reimer

Lk 13,18-21
In jener Zeit sprach Jesus: Wem ist das Reich Gottes Ă€hnlich, womit soll ich es vergleichen? Es ist wie ein Senfkorn, das ein Mann in seinem Garten in die Erde steckte; es wuchs und wurde zu einem Baum, und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen. Außerdem sagte er: Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen? Es ist wie der Sauerteig, den eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsĂ€uert war.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, du bist auf die Erde gekommen, um dein Reich unter uns Menschen aufzubauen. Baue dein Reich jetzt in meinem Herzen auf.

Bitte: Dein Reich komme!

1. Klein wie ein Senfkorn. Das Senfkorn ist eines der kleinsten Samenkörner ĂŒberhaupt. Und dennoch nimmt es Jesus als Vergleich fĂŒr sein Reich her?! Gott hat keine Angst, sich auf die Kleinen und Unscheinbaren einzulassen. Im Gegenteil: Gerade durch unsere Schwachheit kann er Großes und wahre Wunder vollbringen. So wird sichtbar, dass Gott die FĂ€den der Geschichte in der Hand hĂ€lt. Wir aber werden zum Vertrauen auf diesen mĂ€chtigen Gott aufgerufen.

2. Wir sind der Sauerteig. Gott hat alles in der Hand und dennoch lĂ€sst er sich beim Aufbau seines Reiches auf ein richtiges Abenteuer ein. Denn er traut es uns Menschen zu, Sauerteig, Salz der Erde, Licht der Welt zu sein. Von uns hĂ€ngt es ab, ob seine Botschaft in der Welt von heute Gehör findet und gelebt wird. Wir sind die HĂ€nde, FĂŒĂŸe, Augen, Ohren, Zungen Jesu. Es ist in Ordnung, dass wir klein sind. „Erkennen wir unsere Schwachheit, aber lassen wir zu, dass Jesus sie in seine HĂ€nde nimmt und uns in die Mission hinaustreibt“ (Papst Franziskus, Gaudete et exsultate, 131).

3. Zum Segen fĂŒr andere werden. Egal wie klein wir sind, als Werkzeug in den HĂ€nden Gottes können wir immer zum Segen fĂŒr andere werden. „Wir sind schwach, aber TrĂ€ger eines Schatzes, der uns groß macht und der die besser und glĂŒcklicher machen kann, die ihn empfangen“ (ebd.). Haben wir also keine Angst, in unserem Leben Platz fĂŒr andere zu schaffen, ihnen unsere Zeit zur VerfĂŒgung zu stellen, uns ihrer Anliegen und Sorgen anzunehmen. „Es wuchs und wurde zu einem Baum, und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen.“

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, ich will oft groß sein und alles unter Kontrolle haben. Du lĂ€dst mich aber ein, auf dich zu vertrauen und in dir groß und fĂŒr andere da zu sein. Schenke mir Vertrauen und Wagemut!

Möglicher Vorsatz: Heute möchte ich mir mehrmals zu Hause, im Beruf, unter Freunden meiner Berufung als Apostel bewusst werden und beten: „Dein Reich komme!“


Scheinheilig oder Heiligenschein

31. Oktober 2018

Mittwoch der dreißigsten Woche im Jahreskreis
Reformationstag
Hl. Wolfgang v. Regensburg, Bischof
Hl. Notburga v. Köln
Hl. Jutta v. Bedburg OPraem

Mathias Reimer

Lk 13,22-30
In jener Zeit zog Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte. Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen: BemĂŒht euch mit allen KrĂ€ften, durch die enge TĂŒr zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen. Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die TĂŒr verschließt, dann steht ihr draußen, klopft an die TĂŒr und ruft: Herr, mach uns auf! Er aber wird euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Dann werdet ihr sagen: Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken, und du hast auf unseren Straßen gelehrt. Er aber wird erwidern: Ich sage euch, ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan! Da werdet ihr heulen und mit den ZĂ€hnen knirschen, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid. Und man wird von Osten und Westen und von Norden und SĂŒden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen. Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, am heutigen Morgen lĂ€dst du mich zu einer authentischen Freundschaft mit dir ein. Du forderst mich auf, durch die enge TĂŒr zu gehen, um so in die Freiheit zu finden. Du bist meine StĂ€rke und meine Freiheit.

Bitte: Herr, richte mein Herz auf dich aus und stĂ€rke meinen Willen.

1. Jesu Beitrag zu unserer Erlösung. Noch bevor das GesprĂ€ch um die Erlösung der Menschen beginnt, vermittelt uns der Evangelist Lukas zwei Details, die die nachfolgenden Zeilen in den richtigen Rahmen rĂŒcken. Der Weg Jesu nach Jerusalem ist der rote Faden, der sich durch den zweiten Teil des Lukasevangeliums zieht. Hier wird der eigentliche Grund der Menschwerdung Jesu skizziert: In Jerusalem wird er am Kreuz fĂŒr uns sterben. Als Gottessohn bewirkt er damit das, wozu kein Mensch fĂ€hig gewesen wĂ€re: Er versöhnt Gott und die Menschen. Auf dem Weg nach Jerusalem geht er von Dorf zu Dorf und will so viele Menschen wie möglich erreichen. D.h., dass er uns Menschen entgegengeht, uns erreichen und fĂŒr seine Erlösung öffnen will. Jesus hat bereits alles getan, um uns zu erlösen. Er steht auf unserer Seite.

2. Unser Beitrag. â€žGott, der dich ohne dich erschaffen hat, wird dich nicht ohne dich erlösen“ (Augustinus). Es geht nicht ohne unser Zutun. Heilsuniversalismus bedeutet nicht Heilsautomatismus. Es reicht auch nicht die bloße Erkenntnis, dass Jesus unser Erlöser ist. Es geht darum, im Glauben und aus ihm heraus tĂ€tig zu werden. Und das ist nicht einfach, dazu braucht es eine klare Entscheidung unsererseits, Engagement und Disziplin: „BemĂŒht euch mit allen KrĂ€ften, durch die enge TĂŒr zu gelangen.“

3. Die Logik Gottes. In diesem Zusammenhang ist auch der allgemein bekannte Satz „Manche von den Letzten werden die Ersten sein“ zu verstehen. Es ist sicherlich keine Einladung, es sich einfach gut gehen zu lassen, sich durchs Leben zu mogeln und dann auf Gottes Barmherzigkeit zu vertrauen. Jesus spricht hier vor allem die PharisĂ€er an, die meinten, durch ihren nach außen getragenen Glauben Gott zu gefallen, ein gutes Leben zu fĂŒhren und besser als andere zu sein. Auch sie haben die Lehre Jesu gehört. Sie wussten sogar besser als alle anderen, was der Gott Israels an und durch Abraham, Isaak, Jakob und den Propheten bewirkt hat. Dennoch haben sie sich im Inneren nicht geĂ€ndert, Jesus nicht in ihr Leben gelassen. Deswegen haben zwei Gruppen von „Letzten“ bei Gott den Vorrang: Zum einen diejenigen, die tatsĂ€chlich versuchen, JĂŒnger Jesu zu sein und dafĂŒr Opfer, Entbehrungen, SchmĂ€hungen auf sich nehmen. Zum anderen diejenigen, die Gott mit aufrichtigem Herzen suchen, aber ihn vielleicht noch nicht kennen oder in mancherlei AbhĂ€ngigkeiten verstrickt sind. „Wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt, lasse ich mich von euch finden“ (Jer 29,13-14). Dann lĂ€sst sich Gott mit all seiner Barmherzigkeit, Liebe und Vergebung finden.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, ich weiß, ich muss nicht perfekt sein, um in dein Reich zu kommen. Hilf mir daher, immer wieder aufzustehen, zu dir zurĂŒckzukommen und meinen Blick weiterhin auf dich zu richten.

Möglicher Vorsatz: Heute will ich bewusst ein kleines Opfer auf mich nehmen und durch „die enge TĂŒr“ gehen.


Heilig – warum nicht?!

1. November 2018

Allerheiligen
Hochfest

Hl. Arthur O'Nelly OSST/OSTDisc, MĂ€rtyrer
Hl. Luitpold, Einsiedler

Mathias Reimer

Mt 5,1-12a
In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine JĂŒnger traten zu ihm.Dann begann er zu reden und lehrte sie. Er sagte:Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.Selig, die hungern und dĂŒrsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, du bist es, der mich durch deine Gnade stĂ€rkt und heiligt. Ich will mich dir und deiner Gnade öffnen. Bin ich gefallen, so helfe mir wieder auf. GewĂ€hre mir, in deiner Gnade zu bleiben und in ihr zu wachsen.

Bitte: Herr, schenke mir ein reines Herz. Lass mich dich jetzt schauen.

1. Der Einsatz. Die Seligpreisungen sind eine Beschreibung der tiefsten WesenszĂŒge Jesu und somit eine Anleitung fĂŒr alle, die ihm auf dem Weg der Heiligkeit nachfolgen wollen. Was sich auf den ersten Blick recht schön lesen lĂ€sst, beinhaltet bei nĂ€herer Betrachtung das allgegenwĂ€rtige Paradox des Evangeliums: Sich selber sterben, um zu leben. Der Weg der Heiligkeit fĂŒhrt also immer ĂŒber das Kreuz. Nicht ohne Grund beginnt Papst Franziskus sein Schreiben ĂŒber die Heiligkeit mit dieser Bibelstelle: „‘Freut euch und jubelt‘, sagt Jesus denen, die um seinetwillen verfolgt oder gedemĂŒtigt werden. Der Herr fordert alles
“ (Papst Franziskus, Gaudete et exsultate, 1).

2. Der Lohn. â€žâ€Š was er dafĂŒr anbietet, ist wahres Leben, das GlĂŒck, fĂŒr das wir geschaffen wurden“ (ebd.). In der griechischen Fassung des Evangeliums ist die ursprĂŒngliche Bedeutung von „selig“ gleichzusetzen mit „glĂŒcklich“. Der Heilige ist also derjenige, der, trotz aller Opfer und PrĂŒfungen, durch und durch glĂŒcklich ist. Die Seligpreisungen sind also vor allem auch eine Einladung, auf Gottes Zusagen und Versprechen zu vertrauen; die Gewissheit zu stĂ€rken, dass er, und nur er, alle menschlichen SehnsĂŒchte erfĂŒllen kann; das Bewusstsein zu schaffen, wo die wahre Quelle der Freude liegt.

3. Heiligkeit nur etwas fĂŒr DIE Heiligen? Das Fest Allerheiligen ruft uns in Erinnerung, dass wir alle zur Heiligkeit berufen sind. Außerdem glauben wir, dass es neben den großen auch eine ganze Menge von unscheinbaren Heiligen gegeben hat und gibt. „Es gefĂ€llt mir, die Heiligkeit im geduldigen Volk Gottes zu sehen: in den Eltern, die ihre Kinder mit so viel Liebe erziehen, in den MĂ€nnern und Frauen, die arbeiten, um das tĂ€gliche Brot nach Hause zu bringen, in den Kranken, in den Ă€lteren Ordensfrauen, die weiter lĂ€cheln. In dieser BestĂ€ndigkeit eines tagtĂ€glichen Voranschreitens sehe ich die Heiligkeit der streitenden Kirche. Oft ist das die Heiligkeit ‚von nebenan‘, derer, die in unserer NĂ€he wohnen und die ein Widerschein der Gegenwart Gottes sind“ (ebd., 7). An Allerheiligen dĂŒrfen wir uns der FĂŒrsprache aller Heiligen im Himmel gewiss sein und uns die Seligpreisungen erneut als persönliche Anleitung fĂŒr ein geglĂŒcktes Leben ans Herz legen.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, danke, dass du mich persönlich zur Heiligkeit rufst. Hilf mir, heute einen kleinen konkreten Schritt auf diesem Weg voranzukommen.

Möglicher Vorsatz: Heute möchte ich ein offenes und dankbares Auge fĂŒr alle Menschen haben, die in meiner NĂ€he auf unscheinbare Weise, aber doch heiligmĂ€ĂŸig handeln.


Kernbotschaft unseres Glaubens

2. November 2018

Allerseelen
Gedenktag

Hl. Tobias, MĂ€rtyrer
Hl. Wichmann von Arnstein OP
Hl. Angela von Stolberg

Mathias Reimer

Joh 11,17-27
In jener Zeit als Jesus in BetĂĄnien ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen. Betanien war nahe bei Jerusalem, etwa fĂŒnfzehn Stadien entfernt. Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten. Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus. Marta sagte zu Jesus: Herr, wĂ€rst du hier gewesen, dann wĂ€re mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben. Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag. Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, du bist die Auferstehung und das Leben. Ich glaube an deine Gegenwart und möchte mich jetzt fĂŒr das Leben, das du mir anbietest, öffnen.

Bitte: Hilf mir, im Glauben an die Auferstehung und in der Freude daraus zu leben.

1. â€žDein Bruder wird auferstehen.“ Die Antwort Jesu scheint unserem Empfinden nach zunĂ€chst etwas fehl am Platz, vielleicht wenig einfĂŒhlsam. Marta glaubt an die „Auferstehung am Letzten Tag“, aber soll sie das jetzt, in diesem schwierigen Moment, wirklich trösten können? WĂŒrde es uns trösten, wenn ein lieber Angehöriger verstirbt? Ist es das Erste, was uns in den Sinn kommt, um Trauernde zu trösten? Sicherlich hilft echte Anteilnahme sehr viel mehr als eine leere „Glaubensphrase“. SpĂ€ter heißt es im Evangelium auch, dass Jesus weinte. Doch seine Antwort ist alles andere als einfach so dahingesagt. Jesus ist die Auferstehung. Er ist in die Welt gekommen, um uns Menschen zu erlösen und den Tod zu ĂŒberwinden. Die Zusage der Auferstehung ist die grĂ¶ĂŸte und zentralste Hoffnung unseres christlichen Glaubens! Wie sehr tröstet sie deshalb auch im akuten Moment des Verlusts!

2. Erlösung ist jetzt. Wir mĂŒssen nicht warten bis zu unserem Tod, um die Hoffnung auf die Auferstehung in uns wirken zu lassen. Das Leben, das Gott uns schenken will, beginnt nicht erst nach dem Tod, sondern im Hier und Jetzt. „Jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“ Jeden Tag spricht Jesus immer wieder neu die Einladung aus, ihn in unser Leben herein zu lassen, seine Gnade aufzunehmen, uns in vielen kleinen Dingen fĂŒr ihn zu entscheiden. So prĂ€gt die Freude und die Kraft der Auferstehung bereits jetzt unser Leben.

3. Die Glaubensantwort der Marta. Sie reiht sich in den Glauben ihres Volkes ein. Es ist der Glaube an den Messias, den das Volk Israel erwartet und die Propheten angekĂŒndigt haben, der Glaube an den Sohn Gottes. „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist. Du, der du jetzt vor mir stehst, mit mir sprichst, dich fĂŒr meine persönliche Not interessierst
“ Auch Martas Glaubensantwort ist keine leere Phrase. Sie glaubt daran, dass Jesus konkret in ihrem Leben wirken kann. Jesus erlöst kein Kollektiv. Er ist auf Beziehung aus. Es geht ihm um mich. Glaube ich das? Glaube ich daran, dass der allmĂ€chtige Gott sich fĂŒr mich persönlich interessiert, mich liebt, in meinem Leben wirkt?

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, danke fĂŒr die Zeit mit dir. Danke, dass du mich persönlich liebst. Lass mich aus dieser Sicherheit heraus meinen Tag angehen, fest im Glauben stehen und auch lieben.

Möglicher Vorsatz: Heute möchte ich ein Gesetz des Rosenkranzes fĂŒr die armen Seelen beten.


Mut zur Demut

3. November 2018

Samstag der dreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Hubert, Bischof
Hl. Silvia
Hl. Viktorin, Bischof
Hl. Martin von Porres OP
Hl. Rupert Mayer SJ
Hl. Pirmin, Abtbischof, Glaubensbote

Mathias Reimer

Lk 14,1.7-11
Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines fĂŒhrenden PharisĂ€ers zum Essen kam, beobachtete man ihn genau. Als er bemerkte, wie sich die GĂ€ste die EhrenplĂ€tze aussuchten, nahm er das zum Anlass, ihnen eine Lehre zu erteilen. Er sagte zu ihnen: Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist, such dir nicht den Ehrenplatz aus. Denn es könnte ein anderer eingeladen sein, der vornehmer ist als du, und dann wĂŒrde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wĂ€rst beschĂ€mt und mĂŒsstest den untersten Platz einnehmen. Wenn du also eingeladen bist, setz dich lieber, wenn du hinkommst, auf den untersten Platz; dann wird der Gastgeber zu dir kommen und sagen: Mein Freund, rĂŒck weiter hinauf! Das wird fĂŒr dich eine Ehre sein vor allen anderen GĂ€sten. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, in dieser Zeit des Gebets willst du mich von falschen Ambitionen reinigen und innerlich stĂ€rken. Hilf mir, jetzt einzig und allein vor dir zu knien, zu beten, zu sein.

Bitte: Jesus, sanft und demĂŒtig von Herzen, bilde mein Herz nach deinem Herzen!

1. Jesus versteckt sich nicht. Es ist schon unglaublich, wie vielseitig Jesus ist. Auf der einen Seite geht er auf die einfachen, armen und kranken Menschen zu. Auf der anderen Seite ruht er völlig in sich, wenn er bei einem hochrangigen PharisĂ€er zum Essen eingeladen wird. Eigentlich ist er zunĂ€chst derjenige, der von allen Seiten kritisch beobachtet wird. Doch Jesus ist sich seiner IdentitĂ€t als Sohn Gottes bewusst. Er muss sich vor niemandem rechtfertigen oder beweisen. Deswegen dreht er ganz einfach den Spieß um, hĂ€lt den GĂ€sten einen Spiegel vor und teilt ihnen eine seiner Beobachtungen in der Absicht mit, ihnen einen Wesenszug seiner Gottheit zu erklĂ€ren.

2. Nicht dem Anschein nach. Es geht Jesus nicht darum, vor den anderen gut dazustehen; darum, dass die anderen sehen sollen, wie man „erhöht“ wird. Wie oft aber fallen wir in dieses Muster! Was denken wohl die anderen ĂŒber mich? Wie komme ich an? Wie kommt das rĂŒber? Nicht so Jesus: Er schaut auf das Herz. Er steht in seinem Sein einzig und allein vor seinem Vater. Daher gilt fĂŒr uns: „Eine solche Haltung setzt ein durch Christus befriedetes Herz voraus, befreit von dieser AggressivitĂ€t, die aus einem ĂŒberhöhten Ich hervorgeht. (
) Verfallen wir also nicht der Versuchung, die innere Sicherheit in den Erfolgen, in den leeren VergnĂŒgungen, in den BesitztĂŒmern, in der Herrschaft ĂŒber andere oder im gesellschaftlichen Ansehen zu suchen“ (Papst Franziskus, Gaudete et exsultate, 121).

3. Wahre Demut. Jesus stellt sich im ganzen Evangelium nur ein einziges Mal explizit als Vorbild hin, als er sagte: „Lernt von mir; denn ich bin gĂŒtig und von Herzen demĂŒtig.“ (Mt 11, 29). Auch hier möchte er uns Menschen wieder zeigen, wie wichtig diese göttliche Eigenschaft der Demut, des „Sich-Erniedrigens“, ist. Gott erniedrigt sich, wird Mensch und stirbt sogar am Kreuz, um die Menschen zu erlösen. Wessen könnten wir uns also vor Gott rĂŒhmen? Welchen „Ehrenplatz“ könnten wir von ihm einfordern? Erkennen wir also unsere Wahrheit als erlösungsbedĂŒrftiges Geschöpf vor Gott an und tragen wir hilfsbereit und mutig zur Erlösung unserer Mitmenschen bei. Wenn wir uns so auf dem „untersten Platz“ einfinden, dann werden wir tatsĂ€chlich erhöht werden. Nicht in den Augen der Welt, aber dem Herzen nach. Denn dann sind wir Gott ein ganzes StĂŒck Ă€hnlicher.

GesprĂ€ch mit Christus: Demut verlangt Mut. Andererseits ist sie auch selbst Quelle der StĂ€rke. Jesus, hilf mir heute, diesen Mut aufzubringen und allein vor dir zu leben.

Möglicher Vorsatz: Heute möchte ich bei gegebener Gelegenheit darauf verzichten, mich vor anderen zu rechtfertigen.