Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 7. Oktober 2018 bis Samstag 13. Oktober 2018

Siebenundzwanzigste Woche im Jahreskreis

Br. Benoît Terrenoir LC

Der Liebesplan GottesSonntag
Die Augen GottesMontag
Das VergnĂĽgen GottesDienstag
Das Gebet des HerrnMittwoch
Was Gott nicht verweigern kannDonnerstag
Der Sieg GottesFreitag
Die Mutter GottesSamstag


Der Liebesplan Gottes fĂĽr Mann und Frau

7. Oktober 2018

27. Sonntag im Jahreskreis
Erntedank
Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz
Hl. Justina von Padua, Märtyrerin
Hl. Georg OFMCap

Br. Benoît Terrenoir LC

Mk 10,2-16
Da kamen Pharisäer zu ihm und fragten: Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen? Damit wollten sie ihm eine Falle stellen. Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben? Sie sagten: Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und die Frau aus der Ehe zu entlassen. Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben. Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber. Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet. Da brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab. Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes. Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, ich komme heute zu dir und möchte dir begegnen, aber ich weiĂź nicht, wie ich in rechter Weise beten soll. Was soll ich dir sagen? Ich kann auf jeden Fall eines tun: mich sammeln, in Stille bleiben, und dir weiten Raum lassen, damit mit diesem Evangelium deine Stimme in meinen Gedanken und in meinem Herzen erschallt.

Bitte: Herr, lass mich deine Liebe erfahren!

1. Die Fallstricke der Pharisäer. Diese Szene im Evangelium spielt sich gegen Ende des öffentlichen Lebens Christi ab. Der Herr ist jetzt ständig in Auseinandersetzung mit den Pharisäern, die eine passende Gelegenheit suchen, um seine GlaubwĂĽrdigkeit zu zerstören. Heute fragen sie ihn öffentlich, ob sich ein Mann von seiner Frau scheiden lassen darf. WĂĽrde Jesus ja sagen, dann wĂĽrde er den zehn Geboten widersprechen; wenn er nein sagen wĂĽrde, dann wĂĽrde es aussehen, als ob er nichts von der Ausnahme wĂĽsste, die Mose zugelassen hat, oder er wĂĽrde sich als hartherzig erweisen. Aber Jesus fällt nicht auf den Trick herein. Er lässt sie die Vorschrift des Mose wiederholen, und danach nutzt er die Gelegenheit, um vom Liebesplan Gottes fĂĽr die Menschen zu sprechen. Denn daran liegt ihm wirklich. Er ist nicht gekommen, um kleinlich ĂĽber Ausnahmen zu streiten, sondern um mir den wunderbaren Liebesplan kundzutun, den Gott sich fĂĽr mich und fĂĽr jeden Menschen ausgedacht hat und den er fĂĽr uns bereithält.

2. Der Liebesplan Gottes fĂĽr Mann und Frau. Wenn Jesus ĂĽber das Thema Ehe spricht, verschwendet er seine Zeit nicht damit, um ĂĽber Formalitäten zu reden. Er spricht einfach von der Absicht Gottes, wie sie „am Anfang der Schöpfung“ zugrunde lag. Gott hat die Menschen als Mann und Frau erschaffen, damit die zwei ein Fleisch werden (mit dem Ausdruck „Fleisch“ war bei den Juden der ganze Mensch gemeint, also Herz und Verstand sollten auch und primär eins werden). Der Verweis auf den Anfang ist sehr wichtig. Papst Johannes Paul II. hat von hier ausgehend seine 133 Katechesen ĂĽber die Theologie des Leibes entfaltet, weil der Leib und dessen geschlechtlicher Charakter eine ganz bedeutende Rolle in der Erlösung besitzt. Das Sakrament der Ehe verleiht dem Eheband wieder jene ursprĂĽngliche Stärke, die es seit dem Fall Adams und Evas verloren hat. Deshalb spricht Jesus in Strenge von der Unauflöslichkeit der Ehe und ist hier unbeugsam. Hartherzig sind hingegen wir – das mĂĽssen wir uns von ihm sagen lassen –, wenn wir mit der Idee von einer lebenslangen Hingabe nicht zurechtkommen und uns immer ein HintertĂĽrchen freihalten möchten. Heilige, erlösende Liebe kennt keine Grenze. Sie blĂĽht in der Beachtung der Gebote und schöpft ihre Kraft aus den Sakramenten.

3. Wir sollen wie Kinder werden. Der letzte Teil dieses Abschnitts hält uns eine ganz andere Szene vor Augen. Viele Kinder kommen zu Jesus, aber die JĂĽnger versuchen, sie zurĂĽckzuweisen. Die JĂĽnger sind sich sicher, dass dieser ganze Lärm und das Geschrei fĂĽr Jesus nur lästig sein können. Ihre Ansichten sind aber viel zu menschlich, sie denken wie Geschäftsmänner, die sich nur ungern stören lassen. So denkt Jesus nicht. Er nimmt die Kinder gern in seine Arme, legt ihnen die Hände auf und segnet sie. Warum hat Jesus Kinder so lieb? Einfach deswegen, weil ein Kind sein Herz wie ein Geschenk gibt. Ă„hneln in diesem Sinn all meine Gedanken, Handlungsweisen, Sorgen oder Probleme denen eines Kindes? Wenn nicht, sollte ich aufpassen! Was in unserem Verhalten gegenĂĽber Gott dem eines Kindes und dessen ganzer Hingabe unähnlich ist, ist ein Hindernis fĂĽr die Seele.

Gespräch mit Christus: Herr, ich bitte dich, lass mich deinen Liebesplan erfahren! Du hast mich so geschaffen, wie ich bin, als Mann bzw. als Frau, damit ich lieben lerne. Lass mich dich in Ewigkeit lieben! Lass nicht zu, dass ich mich von dir trenne!

Möglicher Vorsatz: Heute Abend werde ich mein Gewissen erforschen, um zu sehen, ob meine Gedanken, Worte und Werke die eines Kindes hätten sein können.


Die Augen Gottes

8. Oktober 2018

Montag der siebenundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Gunther, Bischof
Hl. Demetrius von Saloniki, Märtyrer

Br. Benoît Terrenoir LC

Lk 10,25-37
Da stand ein Gesetzeslehrer auf, und um Jesus auf die Probe zu stellen, fragte er ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort? Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach, und du wirst leben. Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halb tot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter. Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter. Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn. Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde? Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso!

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, reinige mein Herz, damit dir mein Gebet gefällt! Lass mich mit meinen hochmĂĽtigen Gedanken brechen und in Demut und Vertrauen zu dir kommen! Heilige Jungfrau Maria, demĂĽtige Magd des Herrn, lehre mich beten!

Bitte: Herr Jesus Christus, lass mich dir näherkommen!

1. Wie sieht Gott die Menschen? Diese Woche werden wir Abschnitte aus den Kapiteln 10 und 11 des Lukasevangeliums lesen. Die in diesen Kapiteln geschilderten Ereignisse finden am Anfang der langen Reise statt, die Jesus nach Jerusalem fĂĽhrt, wo er sterben wird. Während dieser Reise stößt Jesus immer wieder auf Pharisäer und Gesetzeslehrer, die nicht verstehen, wie Gott auch SĂĽnder und AuĂźenseiter mit Liebe begegnen kann. Sie verstehen einfach nicht, dass der Gott Israels keinen Unterschied macht zwischen untadeligen Gläubigen (wie sie zu sein glauben) und mehr oder weniger erfahrenen SĂĽndern (wie die meisten), obwohl sie auswendig aufsagen können, dass man den Nächsten lieben soll wie sich selbst. Daher erzählt ihnen Jesus das Gleichnis vom guten Samariter. Vielleicht bin ich vom gleichen Schlag wie die Gesetzeslehrer? Vielleicht weiĂź ich zwar theoretisch, dass ich meinen Nächsten lieben soll, stelle aber nicht die Verbindung zwischen diesem Gebot und bestimmten Menschen her. So könnte man dieses Gleichnis zunächst einmal lesen.

2. Wie denkt Christus ĂĽber den Reisenden? Man kann das Gleichnis vom guten Samariter auf eine zweite Weise lesen. Ich kann den Platz des Reisenden einnehmen, der niedergeschlagen und ausgeplĂĽndert wurde. Der Weg hinab von Jerusalem durch die WĂĽste Richtung Jericho war berĂĽchtigt fĂĽr seine Gefahren, weil er voller Räuber war. Der Mann im Gleichnis hatte es nicht fĂĽr wichtig gehalten, Waffen mitzunehmen, oder den Weg in Begleitung mit anderen Menschen zu gehen. Er war vielleicht unklug, oder zu selbstsicher. Auf jeden Fall lieĂź er sich auf eine riskante Reise ein, und er hat das sicher bereut, als die Banditen vor ihm auftauchten. Vielleicht bin ich wie dieser achtlose Mensch, der geglaubt hatte, keine Hilfe zu brauchen. Wenn ich einmal merke und erfahren muss, dass ich eine gewisse Aufgabe nicht allein bewältigen kann, wird das fĂĽr mich unangenehm sein, aber so habe ich die Chance, endlich die Hilfe Christi, des guten Samariters, anzunehmen. Christus lässt mich nie im Stich, er kommt immer wieder und wartet geduldig auf eine gute Gelegenheit, damit ich seine Liebe annehme.

3. Wie denkt Christus ĂĽber den Wirt? Es gibt noch eine dritte Weise, dieses Gleichnis zu lesen (sicher auch noch viele mehr). Letztes Jahr hat es Papst Franziskus in einer Predigt so ausgedrĂĽckt: „Ich denke gern an den Wirt, den groĂźen Unbekannten. Was hat der Wirt verstanden? In der Tat hat er nichts verstanden, denn er war schockiert. Er war schockiert, weil er auf einen Menschen traf, der Dinge tat, die er fĂĽr unmöglich hielt. Der Wirt steht durch die Begegnung mit Jesus unter Schock“. Ich kann diese Begegnung jeden Tag erfahren. Jeden Tag kann ich mich von Menschen berĂĽhren lassen, die sich selbst vergessen, um ihrem Nächsten zu helfen. Im Gleichnis wird dem Wirt gesagt: „Sorge fĂĽr ihn, und wenn du mehr fĂĽr ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme“. Hat mich die Begegnung mit Jesus so berĂĽhrt, dass ich bereit bin, fĂĽr diese „Mehrleistung“ aufzukommen? Es gibt immer etwas mehr, was ich fĂĽr den Nächsten tun kann. Und dieses „Mehr“ wird sicher nicht ohne Lohn bleiben.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus Christus, du guter Samariter! Du rettest und heilst jeden Menschen, ich bitte dich: Lass mich dir begegnen! Ob ich der halbtot daliegende Mann oder der Wirt bin, lass mich die Liebe in deinen Augen sehen! Lass mich dein Beispiel nachahmen und so die Freude erfahren, die man hat, wenn man wirklich liebt!

Möglicher Vorsatz: Heute werde ich an meinem Nächsten barmherzig handeln.


Die Freude Gottes

9. Oktober 2018

Dienstag der siebenundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Johannes Leonardi, Priester
Hl. José Sanz Tejedor FSC Märtyrer
Hl. Dionysius von Paris

Br. Benoît Terrenoir LC

Lk 10,38-42
In jener Zeit kam Jesus in ein Dorf und eine Frau namens Marta nahm ihn freundlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr Jesus Christus, wie Marta möchte ich jetzt die TĂĽr meines Herzens öffnen und dich bei mir empfangen. Und wie Maria möchte ich zu deinen FĂĽĂźen sitzen und auf dein Wort hören. Was willst du mir heute sagen, Herr? Wie kann ich dir eine Freude bereiten?

Bitte: Herr, lass mich dir gut gefallen!

1. Eine Oase in der WĂĽste. Während Jesus und seine JĂĽnger nach Jerusalem reisen, heiĂźen sie die beiden Schwestern Marta und Maria auf ihrem Gut willkommen. Wer sind diese Frauen? Im Johannesevangelium steht, dass ihr Bruder Lazarus ein Freund des Herrn war, und dass Jesus die Gastfreundschaft ihres Hauses in Betanien bereitwillig annahm. Der heutige Abschnitt im Evangelium erzählt uns vielleicht nicht von der ersten Begegnung Christi mit dieser Familie. Aber fĂĽr den Herrn mĂĽssen diese Treffen wie ein Hauch frischer Luft inmitten von groĂźer Hitze gewesen sein. Die Hohepriester hatten beschlossen, ihn zu töten; die Pharisäer waren in ständiger, heftiger Auseinandersetzung mit ihm, sogar seine eigenen JĂĽnger hatten Angst vor dieser Reise. Inmitten all dieser Belastungen nimmt sich die Pause in Lazarus´ Haus wie der Halt an einer Oase mitten in der WĂĽste aus. Wie sehr muss Martas Gastfreundschaft dem Herrn gefallen haben! – Herr, auch ich biete dir meine Gastfreundschaft an. Ich bitte dich, komm und wohne in mir!

2. Das Wichtigste: meine BemĂĽhungen? Die unterschiedlichen Haltungen der beiden Schwestern können mir helfen, meine eigenen zu betrachten. Während Maria zu Jesu FĂĽĂźen sitzt und ihm zuhört, bereitet Marta das Essen vor. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie sie zwischen der KĂĽche und dem Esszimmer ständig hin und her läuft. Jedes Mal, wenn sie an ihrer Schwester vorbeigeht, murmelt sie: „Was fĂĽr eine Unart ... Sie sieht nicht, dass ich ĂĽberlastet bin! Sie lässt mich doch sonst auch nicht allein ...“ Am Ende hält sie es nicht mehr aus und sagt laut, was sie bei sich denkt. Manchmal bin ich wie Marta: Ich denke, das Wichtigste ist nicht, was der Herr fĂĽr mich tut, sondern was ich fĂĽr ihn tue. Ich betrachte den Herrn also als einen strengen Meister, der von mir alles einfordert. Aber braucht er wirklich meine BemĂĽhungen? Sind sie das Wichtigste?

3. Das Wichtigste: die Barmherzigkeit Gottes. Das Beispiel Marias lehrt mich, dass nicht das, was ich fĂĽr den Herrn tue, das Wichtigste ist, sondern das, was der Herr fĂĽr mich tut. Ohne Christus sind all meine BemĂĽhungen und Verdienste wertlos. Wie der heilige Bernhard sagt: „Mein Verdienst ist [...] die Barmherzigkeit des Herrn, und es wird mir nicht an Verdienst mangeln, solange mir die Barmherzigkeit nicht fehlt“ (Predigt zum Hohelied 61, 5). Durch sein Kreuz und seine Auferstehung hat der Herr bereits alle möglichen Verdienste gewonnen. Meine einzige Aufgabe muss es sein, den Schatz, den er fĂĽr mich angesammelt hat, zu nutzen, auf sein Wort zu hören und zu seiner Liebe „Ja“ zu sagen.

Gespräch mit Christus: Herr, mit den Worten der heiligen Theresia von Lisieux möchte ich zu dir beten:„Ich weiĂź es wohl, all unsre guten Werke,Vor deinen Augen sind sie nimmer rein.Zu geben meinen Opfern Kraft und Stärke,Werf alle ich sie in dein Herz hinein“. (PN 23)

Möglicher Vorsatz: Heute werde ich den Herrn um das Geschenk bitten, mich von ihm lieben zu lassen, seine Liebe zu erfahren.


Das Gebet des Herrn

10. Oktober 2018

Mittwoch der siebenundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Viktor von Xanten, Märtyrer
Hl. Gereon, Märtyrer
Hl. Daniele Comboni MCCJ

Br. Benoît Terrenoir LC

Lk 11,1-4
Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat. Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr Jesus Christus, ich möchte gern beten, aber mein Gebet ist so arm! Und ich habe so viele Fragen und Sorgen im Kopf! So komme ich heute wie die JĂĽnger zu dir, damit du mich beten lehrst. Heilige Jungfrau Maria, lass mich deinem Sohn immer näherkommen!

Bitte: Herr, lehre uns beten!

1. Die beste Bitte. Das Evangelium enthält viele Bitten, die an den Herrn gerichtet worden sind. Die meisten Bitten sind oberflächlich oder zu menschlich, wie zum Beispiel die Frage (Bitte) der JĂĽnger nach der Auferstehung, ob die Zeit gekommen sei, das Reich Israel wiederherzustellen. Oder die Bitte der Pharisäer um ein Zeichen vom Himmel; oder die der Mutter des Jakobus und des Johannes um die besten Plätze fĂĽr ihre beiden Söhne. Alle diese Bitten beantwortet Jesus nicht direkt, sondern auf rätselhafte Weise, oder er nutzt die Gelegenheit, um von etwas ganz anderem zu sprechen. Manchmal muss man die Bitte so eindringlich an ihn richten, dass er schlieĂźlich eine Antwort gibt. Aber auf dieser Bitte brauchen die JĂĽnger nicht zu bestehen. Sie sagen nur einmal: „Herr, lehre uns beten“, und Jesus antwortet sofort. Herr, wie gern hast du diese Bitte! Wie gut gefällt es dir, wenn ich beten will, wenn ich dem Vater näher ankommen will!

2. Das Gebet aller Gebete. Jesus antwortet seinen JĂĽngern mit dem Gebet des Vaterunsers. Wir sagen dieses Gebet so oft auf, dass es leicht zu einer Routine werden kann. Aber das Vaterunser ist so komplett, so allumfassend, dass die heilige Theresia von Avila sagte: „wenn ihr am Vaterunser festhaltet, braucht ihr nichts anderes“ (Weg der Perfektion, Kap. 23). Die sieben Bitten dieses Gebets (die im Lukasevangelium auf fĂĽnf verkĂĽrzt sind) entsprechen den tiefsten SehnsĂĽchten unseres Herzens. Dieses Gebet spricht die ganze Kirche an zentraler Stelle beim eucharistischen Opfer. Wenn ich zu mĂĽde oder zu zerstreut bin, um mein eigenes Gebet zu beten, kann ich immer auf das Vaterunser zurĂĽckgreifen. Denn es enthält die Worte, die Gott am liebsten hört; die Worte, die der Sohn Gottes selbst uns gelehrt hat.

3. Kein Proselytismus, sondern Attraktion. Die heutige Seite des Evangeliums enthält noch ein anderes Detail. Die JĂĽnger bitten Jesus darum, sie beten zu lehren – nicht etwa aus Eifersucht auf die JĂĽnger Johannes des Täufers, die eigene Gebete vorweisen können; wahrscheinlich auch nicht, weil sie ein besonderes BedĂĽrfnis zur Hingabe spĂĽren. Nein, sie wollen einfach beten, weil sie Christus beim Gebet gesehen haben. Dieses Schauspiel muss so anziehend gewirkt haben, dass die JĂĽnger erstens abgewartet haben, bis Jesus fertig war; und dass sie eitens unbedingt so beten wollten wie der Meister. Das erinnert an den Satz, den Papst Benedikt und Papst Franziskus schon mehrmals wiederholt haben: „Die Kirche wächst nicht durch Proselytismus, sondern durch Attraktion“. Habe ich mich von Jesus oder vom Beispiel echter Christen anspornen lassen? Versuche auch ich durch mein Beispiel andere Menschen zum Vater zu fĂĽhren?

Gespräch mit Christus: Vater Unser…

Möglicher Vorsatz: Heute werde ich die sieben Bitten des Vaterunsers ruhig lesen, und eine davon mit ganzem Herzen beten.


Was Gott nicht verweigern kann

11. Oktober 2018

Donnerstag der siebenundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Johannes XXIII., Papst
Hl. Bruno von Köln, Erzbischof
Hl. Maria Soledad, OrdensgrĂĽnderin

Br. Benoît Terrenoir LC

Lk 11,5-13
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote; denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen, und ich habe ihm nichts anzubieten!, wird dann etwa der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen, und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben? Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm seine Bitte erfüllt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht. Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Oder ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet, oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet? Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr Jesus Christus, ohne dich kann ich nichts. Ohne deinen Geist kann ich nicht beten. Ich bitte dich, gib mir die Gedanken und die GefĂĽhle ein, die dir in diesem Moment gefallen wĂĽrden. Aber dazu brauche ich deinen Geist. Heilige Jungfrau Maria, hilf mir beten!

Bitte: Herr, gib mir deinen Heiligen Geist!

1. Bitten, suchen, anklopfen und … stören. Dieser Text aus dem Lukasevangelium kann in drei Worten zusammengefasst werden: Beten ohne Entmutigung. Das Durchhalten im Gebet ist durch die drei Verben „bitten“, „suchen“ und „anklopfen“ ausgedrĂĽckt. Aber ist diese Zudringlichkeit nicht etwa störend? Wird es nicht peinlich fĂĽr den Vater, wenn er so eine Beharrlichkeit ertragen muss? Ja, es wäre fĂĽr ihn unangenehm, wenn Gott wie wir wäre. Aber Gott ist kein Mensch. Er benimmt sich nicht wie wir. Er reagiert nicht wie wir. Je mehr wir ihn im Gebet drängen, desto bereitwilliger wird er auf unsere Bitten antworten. Wir können ihn nicht stören. Im Gegenteil, ihm gefällt das blinde Vertrauen seiner Kinder, die alles von ihm erwarten und nicht mĂĽde werden, ihm ihre Bitten vorzustellen. Bete ich mit diesem kindlichen und unermĂĽdlichen Vertrauen?

2. Kein naiver Optimismus. Diese Stelle des Evangeliums gibt auch eine Antwort auf die Frage, wie Gott die Menschen sieht. In den Augen Gottes sind wir weder untadelige Geschöpfe noch harmlose Kinder. Christus sagt ohne Umschweife, dass wir „böse“ sind. Im Gleichnis heiĂźt es dann, dass uns unser Verlangen nach Ruhe wichtiger ist, als unser PflichtgefĂĽhl gegenĂĽber Freundschaften. Diese Bosheit und dieser Egoismus, beides FrĂĽchte der ErbsĂĽnde, haben aber nicht das letzte Wort. Christus weiĂź sehr wohl, dass uns die SĂĽnde fesselt. Er kommt gerade deswegen, um uns die Freiheit zurĂĽckzugeben. Er macht sich keine Illusionen, er ist kein naiver Optimist, sondern sieht uns in einem viel tieferen Licht: mit unendlicher Liebe. Herr, du weiĂźt, dass ich böse bin, dass ich ohne dich nur Schaden anrichten werde. Mit dir aber ist alles möglich!

3. Was Gott nicht verweigern kann. Christus sagt, dass der Vater jedem, der ihn bittet, geben wird. Aber wird er mir alles geben, worum ich ihn bitte? Wird er alle meine WĂĽnsche erhören? Gewiss nicht, weil ich nicht immer weiĂź, worum ich in rechter Weise bitten soll. Es kann passieren, dass ich, ohne es zu erkennen, um etwas Schädliches bitte. Aber es gibt schon Eines, das mir der Vater zweifellos schenken wird, wenn ich ihn darum bitte. Es handelt sich um die beste Gabe, die ich aufnehmen kann: den Heiligen Geist. Ganz gleich wie alt oder wie gelaunt ich bin, ich kann nichts Besseres brauchen als den Heiligen Geist. Der Vater, der mir das Beste geben will, kann mir dieses Geschenk nicht verweigern. Das ist die Schwäche Gottes. Herr, ich bitte dich, gib mir deinen Heiligen Geist!

Gespräch mit Christus: Vater, ich bin schwach, ich tue das Böse, das ich nicht möchte, und nicht das Gute, das ich möchte. Ich bitte dich, gib mir deinen Heiligen Geist! ErfĂĽlle mich mit seinen sieben Gaben! Heilige Jungfrau Maria, lass mein Gebet zum Vater emporsteigen!

Möglicher Vorsatz: Heute werde ich dem Herrn fĂĽr die Gabe des Heiligen Geistes danken.


Der Sieg Gottes

12. Oktober 2018

Freitag der siebenundzwanzigsten Woche im JahreskreisHl. Maximilian, Märtyrer
Hl. Edwin, König
Hl. Jakob Rem SJ

Br. Benoît Terrenoir LC

Lk 11,14-26
In jener Zeit trieb Jesus einen Dämon aus, der stumm war. Als der Dämon den Stummen verlassen hatte, konnte der Mann reden. Alle Leute staunten. Einige von ihnen aber sagten: Mit Hilfe von Beelzebul, dem Anführer der Dämonen, treibt er die Dämonen aus. Andere wollten ihn auf die Probe stellen und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel. Doch er wusste, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Jedes Reich, das in sich gespalten ist, wird veröden, und ein Haus ums andere stürzt ein. Wenn also der Satan mit sich selbst im Streit liegt, wie kann sein Reich dann Bestand haben? Ihr sagt doch, dass ich die Dämonen mit Hilfe von Beelzebul austreibe. Wenn ich die Dämonen durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben dann eure Anhänger sie aus? Sie selbst also sprechen euch das Urteil. Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, dann ist doch das Reich Gottes schon zu euch gekommen. Solange ein bewaffneter starker Mann seinen Hof bewacht, ist sein Besitz sicher; wenn ihn aber ein Stärkerer angreift und besiegt, dann nimmt ihm der Stärkere all seine Waffen weg, auf die er sich verlassen hat, und verteilt die Beute. Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich; wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut. Ein unreiner Geist, der einen Menschen verlassen hat, wandert durch die Wüste und sucht einen Ort, wo er bleiben kann. Wenn er keinen findet, sagt er: Ich will in mein Haus zurückkehren, das ich verlassen habe. Und wenn er es bei seiner Rückkehr sauber und geschmückt antrifft, dann geht er und holt sieben andere Geister, die noch schlimmer sind als er selbst. Sie ziehen dort ein und lassen sich nieder. So wird es mit diesem Menschen am Ende schlimmer werden als vorher.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr Jesus, hier bin ich in deiner Gegenwart. Ich möchte fĂĽr einen Moment nur an dich denken und jeden Gedanken ablehnen, der mich ablenken könnte. Oder vielmehr, ich möchte dir all diese Gedanken geben, damit du sie nimmst und verwandelst, so dass sie dir gefallen!

Bitte: Herr Jesus, nimm mich in dein Reich auf!

1. Der Dämon des Schweigens. Auf dem Weg nach Jerusalem, wo Jesus sterben und auferstehen wird, sagen bereits viele Wunder und Zeichen seinen Sieg ĂĽber Tod und SĂĽnde voraus. Diese Austreibung eines Dämons ist keine Ausnahme. Indem er diesen unreinen Geist austreibt, kĂĽndigt der Herr die endgĂĽltige Niederlage des Teufels an, der bald auf dem Kalvarienberg den TodesstoĂź erhalten wird. Der Dämon von heute hat eine Besonderheit: Er macht stumm. Auch ich kann manchmal die Sprache verlieren. Manchmal hindert mich etwas am Sprechen, etwas lässt mich glauben, dass Aufrichtigkeit eine Tugend der Schwachen ist, etwas sorgt dafĂĽr, dass ĂĽber meine Lippen kein Wort der Wahrheit kommt. Oder etwas blockiert meine Hilferufe an den Herrn. Etwas will mich isolieren und knebeln. Herr, erlöse mich vom Dämon des Schweigens!

2. Der Dämon der Blindheit. Nach der Austreibung des bösen Geistes bewundert die Menge Jesus sehr, aber einige beginnen Kritik zu ĂĽben. Sie nennen Jesus einen Diener von Beelzebul. Als ob der Teufel SpaĂź daran hätte, sein eigenes Haus, seinen eigenen Machtbereich zu zerstören! Diese Menschen verlangen auch ein Zeichen vom Himmel. Als ob die Heilung des Stummen kein Zeichen wäre! Aber die Unzufriedenen, die Jesus fĂĽr viel zu gutmĂĽtig halten, sind verblendet. Der Stolz hat bleierne Schuppen auf ihre Augen gelegt. Wie oft weigere auch ich mich, das Gute zu sehen, das mein Nächster tut, weil ich ĂĽberzeugt bin, dass er zu nichts taugt! Wie oft kritisiere ich meine GlaubensbrĂĽder, indem ich sage, dass sie zu viel tun, oder dass ihre Absichten zweifelhaft sind – nur weil ich neidisch bin! Zum GlĂĽck hat der Herr, der die Zunge des Stummen gelöst hat, auch die Macht, meine Augen zu öffnen. Herr, heile mich von meiner Blindheit!

3. Der Herr der Fliegen. Christus antwortet den Pharisäern zuerst, indem er vom Reich Beelzebuls, dann vom Reich Gottes spricht. Es gibt also zwei Reiche, zwischen denen ich frei wählen kann. Auf der einen Seite kann ich ins Reich dessen eintreten, der „umherzog und Gutes tat“ (Apg 10,38). Oder ich kann zu Beelzebuls Reich gehören, dessen Name „Baal, der FĂĽrst“ oder „Baal der Fliegen“ bedeutet. In William Goldings Roman Der Herr der Fliegen werden Kinder auf einer verlassenen Insel zurĂĽckgelassen, und fangen an, einander zu töten. Dieser Roman illustriert die Brutalität der Welt, wenn sie von Satan dominiert wird. Herr, hilf mir, niemals Kompromisse mit dem Teufel einzugehen! Hilf mir, deine Worte zu verstehen: „Wer nicht fĂĽr mich ist, ist gegen mich!“

Gespräch mit Christus: Herr, wenn ich stumm bin, wo ich mich mitteilen soll, öffne meine Lippen! Nimm mir meine Blindheit, damit ich das Gute in anderen sehe und es schätze! Ich bitte dich, nimm mich in dein Reich auf!

Möglicher Vorsatz: Heute werde ich versuchen, zu erkennen, welchen Versuchungen ich zurzeit häufiger ausgesetzt bin.


Die Mutter Gottes

13. Oktober 2018

Samstag der siebenundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Eduard der Bekenner, engl. König
Koloman, Pilger
Hl. Lubentius, Priester

Br. Benoît Terrenoir LC

Lk 11,27-28
In jener Zeit, als Jesus zum Volk redete, rief eine Frau aus der Menge ihm zu: Selig die Frau, deren Leib dich getragen und deren Brust dich genährt hat. Er aber erwiderte: Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen.

EinfĂĽhrendes Gebet: Heilige Jungfrau Maria, heute will ich an deiner Seite stehen. Lass mich deinen Sohn mit deinen Augen betrachten! Lass mich ihn mit deinem Herzen lieben!

Bitte: Heilige Jungfrau Maria, hilf mir, das Wort Gottes zu hören und es zu befolgen!

1. Das Lob der Armen. Auf seinem Weg nach Jerusalem begegnet Jesus allen Arten von Menschen: Freunden wie Lazarus, Marta und Maria; Gegnern wie den Pharisäern; Besessenen und Kranken, die ihn um Heilung bitten… Aber die meisten Leute, die er trifft, sind einfache, demĂĽtige Menschen, die Jesus bewundern und ihm gern zuhören. Diese Leute sind das „Volk“, die „Menge“, die heute um Jesus herumsteht. Und gerade aus dieser Menge kommt die anonyme Stimme, die ein Loblied auf die Mutter des Herrn singt. Dieses Lob, das aus den Reihen der Armen stammt, entspricht den Worten Marias, die im Magnifikat voraussagte: „von nun an preisen mich selig alle Geschlechter“ (Lk 1,48). Bin ich mir dessen bewusst, dass auch ich zu denen gehören kann, die sie preisen? Dass die Jungfrau Maria und ihr Sohn mein demĂĽtiges Lob sehr gern hören?

2. Vom NatĂĽrlichen zum ĂśbernatĂĽrlichen. Christus nimmt den Lobpreis, der von der Frau in der Menge ausgeht, gerne an. Aber wie gewohnt nutzt er diese Gelegenheit, um das GemĂĽt seiner Zuhörer zu Höherem zu erheben. Er will sie von den natĂĽrlichen GefĂĽhlen zu den ĂĽbernatĂĽrlichen ĂĽbergehen lassen, wo nicht mehr primär „Fleisch und Blut“ zählen, sondern der Glaube. Deshalb erwidert er: „Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen“. – Und ich? Auf welchem Standpunkt stehe ich? GrĂĽnde ich mein Vertrauen auf menschliche Leistungen oder auf den Glauben und auf das Wort Gottes?

3. Maria, die zweimal Selige. Maria ist zwar selig, weil sie Jesus in ihrem Leib getragen und ihn an ihrer Brust genährt hat. Aber noch seliger ist sie, weil sie das Wort Gottes gehört und befolgt hat. Vom ersten Augenblick an hat sie an dieses Wort, das ihr vom Engel verkĂĽndigt wurde, geglaubt. Und so hat in ihrem Leib das ewige Wort Gottes Fleisch angenommen. Ich kann Christus zwar nicht in meinem Leib so tragen, wie ihn Maria während ihrer Schwangerschaft getragen hat, wenn ich aber das Wort Gottes befolge, trage ich dieses Wort als unvergänglichen Samen in mir, der langsam reift. Herr, lass dein Wort in mir wachsen bis zum ewigen Leben!

Gespräch mit Christus: Heilige Jungfrau Maria, die du das ewige Wort Gottes in deinem Leib und an deiner Brust getragen hast, ich bitte dich: lass mich Christus in mir so tragen, dass er mich am ewigen Leben teilnehmen lässt.

Möglicher Vorsatz: Heute werde ich den Rosenkranz zum Lobpreis fĂĽr die heilige Jungfrau Maria beten.