Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 16. September 2018 bis Samstag 22. September 2018

Vierundzwanzigste Woche im Jahreskreis

Dr. med. Christoph Kunkel

Das Messiasbekenntnis des Simon PetrusSonntag
Der Hauptmann von KafarnaumMontag
Die Erweckung des JĂŒnglings von NainDienstag
„Mit wem soll ich die Menschen dieser Generation vergleichen?“Mittwoch
Jesus begegnet der SĂŒnderinDonnerstag
Die Berufung des MatthÀusFreitag
Das Gleichnis vom SĂ€mannSamstag


Das Messiasbekenntnis des Simon Petrus

16. September 2018

24. Sonntag im Jahreskreis
Hl. Kornelius, Papst
Hl. Cyprian von Karthago, Bischof und MĂ€rtyrer
Hl. Edith von Wilton, Äbtissin
Sel. Mechthild von Magdeburg

Dr. med. Christoph Kunkel

Mk 8,27-35
In jener Zeit ging Jesus mit seinen JĂŒngern in die Dörfer bei CĂ€sarea Philippi. Unterwegs fragte er die JĂŒnger: FĂŒr wen halten mich die Menschen? Sie sagten zu ihm: Einige fĂŒr Johannes den TĂ€ufer, andere fĂŒr Elija, wieder andere fĂŒr sonst einen von den Propheten. Da fragte er sie: Ihr aber, fĂŒr wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Messias! Doch er verbot ihnen, mit jemand ĂŒber ihn zu sprechen. Dann begann er, sie darĂŒber zu belehren, der Menschensohn mĂŒsse vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er werde getötet, aber nach drei Tagen werde er auferstehen. Und er redete ganz offen darĂŒber. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm VorwĂŒrfe. Jesus wandte sich um, sah seine JĂŒnger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen. Er rief die Volksmenge und seine JĂŒnger zu sich und sagte: Wer mein JĂŒnger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus Christus, Bruder und Herr. Du fragst uns, wer du fĂŒr uns bist. Lass mich sagen, Herr, an deinem Reich will ich mitbauen.

Bitte: Herr, ĂŒberwinde doch in mir die Scheu, offen ĂŒber dich zu sprechen.

1. Der Messias. Eins ist sicher unter den JĂŒngern: Jesus ist ein großer, ein göttlicher Prophet, so wie Elija. Auf direktes Fragen Jesu antwortet nun Petrus: „Du bist der Messias.“ Was meint er, was meinen wir?Ein Messias ist ein Gesalbter, der von Gott eingesetzte König der Juden. Petrus nennt Jesus also den von Gott eingesetzten Herrscher. Und er hofft, dass dieser auch regieren möge, dass er das Reich Israels wiederaufrichten möge. Und damit hofft er ganz konkret, dass dies zu Lebzeiten im politisch-gesellschaftlichen Raum Israels passieren möge. Jesus, der da immer von einem Reich redet, wohl dem Gottesreich, weiß um die Zukunft und will seine JĂŒnger einweihen, vorbereiten. Nicht nur, um sie zu feien gegen hĂ€rtere Zeiten, sondern um ihren Blick zu richten auf Gottes Plan, die Schöpfung durch ihn, Jesus, zu heilen und zur Auferstehung zu fĂŒhren. Mit der Hilfe der JĂŒnger.

2. Befreiung durch einen Gesalbten. FĂŒr Petrus ist das nicht zielfĂŒhrend. Wie kann man sich in dieser heiklen Situation einem Leiden bis zum Tod unterwerfen, wo es doch um eine göttliche Sendung, die Aufrichtung des Reiches Israel geht, mit einem von Gott gesalbten, und vor allem lebenden Herrscher. Erkennen wir Petrus darin? Es muss wohl noch etwas viel Tieferes in diesem lauten Kerl stecken. Er hat Angst um seinen Jesus, er liebt ihn doch, er will ihn nicht verlieren. UnertrĂ€glich, dass sich da jemand in TodesankĂŒndigungen ergeht! Und was soll das mit dem „Auferstehen“, wenn der geliebte Meister erst einmal richtig tot ist? Christus erkennt das. Und wie in der WĂŒste, als ihm Satan irdische Macht antrĂ€gt, muss er auch hier den Versucher in Petrus zurĂŒckweisen, und das schroff.Worin die Befreiungstheologie in SĂŒdamerika fehlte, das heißt eine gewisse Strömung in ihr, die die bewaffnete Befreiung der Verdammten dieser Erde vom irdischen Joch selbst in die HĂ€nde nehmen wollte und Mord und Terror mit erzeugte, wird durch Petri Messiasbekenntnis, Jesus auf einen weltlichen Auftrag festlegen zu wollen, verstĂ€ndlicher.

3. Aus der Auferstehung leben. Gott will seine Schöpfung, die „sehr gut ist“, zur Vollendung fĂŒhren. Mit uns. Durch die, die in ihrem kleinen Leben schon die persönliche SĂŒndenbefreiung durch den Kreuzestod angenommen haben, den auferstanden Herrn im Moment des eigenen Tuns und Denkens bereits in sich tragen, durch diese WeltbĂŒrgen und Zeugen des Reiches Gottes, das kommen möge und schon unter uns ist.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, du fragst mich, wie ich mitbaue. Und ich sage: Von meinen SĂŒnden durch dich befreit, möchte ich die Auferstehung „im Leben leben“. Steh mir bei!

Möglicher Vorsatz: Wenn ich jemandem begegne, möchte ich ihn und mich in den offenen Himmel der Auferstehung schauen lassen, jenseits der Horizonte dieser Welt.


Der Hauptmann von Kafarnaum

17. September 2018

Montag der vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Hildegard von Bingen OSB, Mystikerin
Hl. Robert Bellarmin SJ
Sel. Anton Maria Schwartz COp

Dr. med. Christoph Kunkel

Lk 7,1-10
In jener Zeit als Jesus seine Rede vor dem Volk beendet hatte, ging er nach Kafarnaum hinein. Ein Hauptmann hatte einen Diener, der todkrank war und den er sehr schĂ€tzte. Als der Hauptmann von Jesus hörte, schickte er einige von den jĂŒdischen Ältesten zu ihm mit der Bitte, zu kommen und seinen Diener zu retten. Sie gingen zu Jesus und baten ihn instĂ€ndig. Sie sagten: Er verdient es, dass du seine Bitte erfĂŒllst; denn er liebt unser Volk und hat uns die Synagoge gebaut. Da ging Jesus mit ihnen. Als er nicht mehr weit von dem Haus entfernt war, schickte der Hauptmann Freunde und ließ ihm sagen: Herr, bemĂŒh dich nicht! Denn ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst. Deshalb habe ich mich auch nicht fĂŒr wĂŒrdig gehalten, selbst zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, dann muss mein Diener gesund werden. Auch ich muss Befehlen gehorchen, und ich habe selber Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es. Jesus war erstaunt ĂŒber ihn, als er das hörte. Und er wandte sich um und sagte zu den Leuten, die ihm folgten: Ich sage euch: Nicht einmal in Israel habe ich einen solchen Glauben gefunden. Und als die MĂ€nner, die der Hauptmann geschickt hatte, in das Haus zurĂŒckkehrten, stellten sie fest, dass der Diener gesund war.

EinfĂŒhrendes Gebet: Der römische Soldat war sich dessen bewusst: Unter unseren DĂ€chern herrscht oftmals unwĂŒrdiges Treiben. Gib Vater, dass wir fĂŒr unsere Schutzbefohlenen in der Familie und in der Gemeinschaft wĂŒrdig vor dir bitten.

Bitte: Herr, die Christen in vielen Weltteilen werden verfolgt und unterdrĂŒckt. Lass uns unter den UnterdrĂŒckern den guten Einzelnen suchen, den, der auf deiner Seite steht.

1. Ein Römer mit Gottesliebe hinter der RĂŒstung. Der Zenturion (das ist weit mehr als ein deutscher „Hauptmann“, denn der AnfĂŒhrer einer Hundertschaft) ist doch ein rechter MilitĂ€r: „Geh“ oder „Komm“ so befiehlt er, und so gehorcht man. Denn so ist das eben bei den römischen LegionĂ€ren. Und er glaubt fest an die Macht der AutoritĂ€t, die er bei Jesus allemal verspĂŒrt: „Sprich nur ein Wort und mein Diener wird gesund.“ Aber hinter der RĂŒstung verborgen schlĂ€gt ein Herz aus Fleisch und Blut. Ein Menschenherz, das sich Gott geöffnet hat, mit Glaubenskraft zudem. So wie es heute im Psalm steht: „Deinen Willen zu tun, mein Gott, macht mir Freude.“ Und obwohl sein Kaiser sein Gott ist, ist er auch ein Freund der glĂ€ubigen Juden. Hat eine Synagoge fĂŒr die Israeliten gebaut, anstatt aufgrund seiner Stellung als Besatzer das Volkes auszubeuten.

2. Der verborgene Gott leuchtet hervor. Und der große Zenturion ist ein fĂŒrsorglicher Soldat, der seinen Diener und Untergebenen schĂ€tzt. Er ist so respektvoll den Israeliten gegenĂŒber, dass er deren Älteste zu Jesus schickt, fĂŒr den Diener. Hinter der Fassade der Götter und Kaiser glaubt da jemand fest an ein Handeln durch Jesus.

3. Der Hauptmann spricht in jeder Messe durch uns. So sehr ist Jesus von dieser Glaubenskraft berĂŒhrt, dass er sagt: „Nicht einmal in Israel habe ich solchen Glauben gefunden.“ „Herr, ich bin nicht wĂŒrdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort und dein Diener (meine Seele) wird gesund.“ In jeder heiligen Messe festigen wir uns in Demut vor Christus mit den Worten des Hauptmanns. SchlĂ€gt auch bei mir ein glĂ€ubiges Herz fĂŒr weltliche Tat im Alltag? Bleibt das Auge ĂŒber „den Betrieb“ hinaus auf Gott gerichtet, bleiben in uns Hoffnung und Glaube?

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, verleihe auch uns, die wir dich als Auferstandenen schon kennen, die GlaubensstĂ€rke des Hauptmanns.

Möglicher Vorsatz: Ich will heute bei Jesus fĂŒr einen kranken Schutzbefohlenen um Gesundheit bitten.


Die Erweckung des JĂŒnglings von Nain

18. September 2018

Dienstag der vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Richardis, Kaiserin
Hl. Lambert, Bischof

Dr. med. Christoph Kunkel

Lk 7,11-17
In jener Zeit ging Jesus in eine Stadt namens NaĂŻn; seine JĂŒnger und eine große Menschenmenge folgten ihm. Als er in die NĂ€he des Stadttors kam, trug man gerade einen Toten heraus. Es war der einzige Sohn seiner Mutter, einer Witwe. Und viele Leute aus der Stadt begleiteten sie. Als der Herr die Frau sah, hatte er Mitleid mit ihr und sagte zu ihr: Weine nicht! Dann ging er zu der Bahre hin und fasste sie an. Die TrĂ€ger blieben stehen, und er sagte: Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf! Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen, und Jesus gab ihn seiner Mutter zurĂŒck. Alle wurden von Furcht ergriffen; sie priesen Gott und sagten: Ein großer Prophet ist unter uns aufgetreten: Gott hat sich seines Volkes angenommen. Und die Kunde davon verbreitete sich ĂŒberall in JudĂ€a und im ganzen Gebiet ringsum.

EinfĂŒhrendes Gebet: Alles, was wir heute im Lukasevangelium lesen, wird von dem einen Wunsch Gottes getragen, an uns GlĂ€ubigen Heilung, Bekehrung und Umkehr zu bewirken. Betrachten wir doch heute, wonach sich Gott in uns sehnt.

Bitte: Ă–ffne du, Herr, die GrĂ€ber unserer oft hoffnungslosen Seelen.

1. Totenerweckung. Was soll diese Bevorzugung? Sind wir nicht alle Gotteskinder und seiner helfenden Hand bedĂŒrftig? Doch eine alleinstehende Witwe findet Jesu besonderes Mitleid. Was dann passiert, spottet jeder vernĂŒnftigen ErklĂ€rung: „Steh auf, junger Mann!“, und der Tote richtet sich auf und spricht.In dieser Wundertat ist alles ĂŒber Gottes Wirken zu erfahren (wie ĂŒberhaupt jede Tat Jesu die TotalitĂ€t des Göttlichen durchleuchten lĂ€sst). Gott liebt alle, liebt seine ganze Schöpfung, aber erbarmt sich des BedrĂŒckten, des Einzelnen.

2. Liebe ist Bevorzugung. Und Liebe ist in ihrer Gnadenhaftigkeit immer Bevorzugung. Das ist das Wesen der Liebe. Versteckt hinter aller AbsurditĂ€t und jedwedem fĂŒr uns scheinbaren Irrsinn wirken seine Wohltaten nach allen Seiten, unbemerkt, aber unĂŒbersehbar. Er liebt doch jeden einzelnen so sehr, dass er eingreifen muss. (Was sich in unserer christlich geprĂ€gten europĂ€ischen Kultur als staatliche FĂŒrsorge niederschlĂ€gt). Eine Witwe war in der alten Zeit ohnehin schon sehr schutzlos, um nicht zu sagen nutzlos, aber ohne Sohn den MĂ€chten der Umwelt ausgeliefert. Jesu Liebe ist kein sozialvertrĂ€glicher Altruismus. Er ist erschĂŒttert, die besondere Situation reißt ihn zu besonderer Tat, der Totenerweckung, hin. Er gibt damit – und das ist eine Vorwegnahme dessen, was er zwischen Maria und Johannes unter dem Kreuz stiftet – der Mutter den Sohn zurĂŒck.

3. â€žEinst wird dein Wille die Welt von Grund auf verwandeln.“ Der Evangelist Lukas beschreibt die Wundertaten Jesu, wie an der Perlenschnur aufgereiht nahezu tagtĂ€glich vollzogen. Das ist gewiss ein redaktioneller Vorgang des Verfassers. Aber alles, was dort erzĂ€hlt wird, wird von dem einen Wunsch Gottes getragen, an seinem erwĂ€hlten Volk Heilung, Bekehrung und Umkehr zu erwirken: „Einst wird dein Wille die Welt von Grund auf verwandeln.“ schreibt Fulbert von Chartres (11 Jhd.). Mit Jesus ist es in seiner Zeit unter dem Volk Israel schon angebrochen, trĂ€gt aber bereits die TotalitĂ€t aller Zeiten und aller Völker in sich.

GesprĂ€ch mit Christus: Die große Macht deines heiligen Handelns in den Spuren dieser Welt will ich suchen. Hast du mir nicht genug Fingerzeige gegeben, gĂŒtiger Vater?

Möglicher Vorsatz: Besonders den Witwen will ich Trost und Ermunterung spenden.


„Mit wem soll ich die Menschen dieser Generation vergleichen?“

19. September 2018

Mittwoch der vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Januarius, Bischof
Hl. Theodor von Canterbury, Erzbischof
Hl. Igor von Kiew, GroßfĂŒrst
Unsere Liebe Frau von La Salette

Dr. med. Christoph Kunkel

Lk 7,31-35
In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Mit wem soll ich also die Menschen dieser Generation vergleichen? Wem sind sie Ă€hnlich? Sie sind wie Kinder, die auf dem Marktplatz sitzen und einander zurufen: Wir haben fĂŒr euch auf der Flöte gespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht geweint. Johannes der TĂ€ufer ist gekommen, er isst kein Brot und trinkt keinen Wein, und ihr sagt: Er ist von einem DĂ€mon besessen. Der Menschensohn ist gekommen, er isst und trinkt; darauf sagt ihr: Dieser Fresser und SĂ€ufer, dieser Freund der Zöllner und SĂŒnder! Und doch hat die Weisheit durch alle ihre Kinder Recht bekommen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, der Mensch neigt zu Riten und Erstarrungen im Brauchtum. Wie oft ĂŒbersehen wir dahinter die strömende Kraft deiner schöpferischen Liebe.

Bitte: Lass mich doch auf meinen Wegen spĂŒren, dass das Reich Gottes mich umgibt und ich jederzeit aus der Starre des Gewohnten heraustreten kann.

1. Das Reich Gottes ist „unter“ uns. Aus der jahrzehntelangen AnonymitĂ€t tritt Jesus mit 30 Jahren heraus und begibt sich auf eine beispiellose Tournee. Das im Glaubensdogmatismus verĂ€ngstigte Volk, verarmt und krank, auf sich zurĂŒckgeworfen und in einem heillosen, an die OberflĂ€che drĂ€ngenden Konflikt mit den Römern verstrickt, erlebt einen kometenhaft erstrahlenden Aufbruch in die Hoffnung. Johannes, der dem Herrn vorausgeht, fordert Umkehr und Buße und sagt, dass das Himmelreich nahe sei. (Ein feiner Unterschied: Johannes sprich vom Himmelreich, es kommt von „oben“, ist von ĂŒbermenschlicher Art. Jesus spricht vom Reich Gottes, es ist schon „unter“ den Menschen, denn Gott ist Mensch geworden.)

2. Ein Raumzeitliches der Endzeit im Jetzt. Eine neue Zeit soll aus dem Alten hervorgehen. Das, was Gott schon immer verkĂŒndete und gebot, Gottesfurcht und Menschenliebe, wird durch sein Kommen in seinem Sohn zu einem Wirken des Heiligen Geistes. Kranke werden aus diesem Geist geheilt. Was die Propheten vom Gnadenjahr, einem erlauchten Zeitraum, verkĂŒndeten, erklĂ€rt Jesus zu einem Reich der Gnade, einer raumzeitlichen Anwesenheit der Endzeit im Jetzt. Einem Jetzt in allem – verkĂŒndet durch Taten – von dem der Evangelist Lukas in unablĂ€ssiger Abfolge erzĂ€hlt.

3. Unser Glaube ist auf Gottes Du gegrĂŒndet. Aber stets erfolgt bei allen, selbst bei Fernstehenden, ein Erwachen, ein Neues aus dem Alten: Gottes Reich unter uns, das himmlische Jerusalem in der irdischen Stadt. Gott, bei dem Jesus von Anfang an war, ist in die Krise der erwachten Völker getreten. Die PharisĂ€er und Schriftgelehrten versuchen Jesus und Johannes zu diskriminieren. Jesus weist dahingegen auf die erstarrten Riten jĂŒdischer Religionspraxis seiner Tage hin. Monotheistische Religionen, die kein Du in Gott erkennen, erstarren leicht in der Frontstellung „ER da oben, wir da unten“. Mit Jesus tritt Gott in die Wirklichkeit der Gesellschaft, und der Heilige Geist ist es, der die Menschen inspiriert, um die alte Sehnsucht nach Heilung der Schöpfung als Ganzes zu wĂŒnschen und zu wagen.

GesprĂ€ch mit Christus: Im Sohn bist du, Gottvater. In uns Gotteskindern willst du, dass wir uns mit einem „Du“ an dich wenden.

Möglicher Vorsatz: Als BĂŒrger des Gottesreiches will ich unter meinen Mitmenschen erkennbar und förderlich sein.


Jesus begegnet der SĂŒnderin

20. September 2018

Hl. Andreas Kim Taegon, Hl. Paul Chong Hasang und GefÀhrten, MÀrtyrer
Gedenktag

Hl. Eustachius, MĂ€rtyrer

Dr. med. Christoph Kunkel

Lk 7,36-50
In jener Zeit ging Jesus in das Haus eines PharisĂ€ers, der ihn zum Essen eingeladen hatte, und legte sich zu Tisch. Als nun eine SĂŒnderin, die in der Stadt lebte, erfuhr, dass er im Haus des PharisĂ€ers bei Tisch war, kam sie mit einem AlabastergefĂ€ĂŸ voll wohlriechendem Öl und trat von hinten an ihn heran. Dabei weinte sie, und ihre TrĂ€nen fielen auf seine FĂŒĂŸe. Sie trocknete seine FĂŒĂŸe mit ihrem Haar, kĂŒsste sie und salbte sie mit dem Öl. Als der PharisĂ€er, der ihn eingeladen hatte, das sah, dachte er: Wenn er wirklich ein Prophet wĂ€re, mĂŒsste er wissen, was das fĂŒr eine Frau ist, von der er sich berĂŒhren lĂ€sst; er wĂŒsste, dass sie eine SĂŒnderin ist. Da wandte sich Jesus an ihn und sagte: Simon, ich möchte dir etwas sagen. Er erwiderte: Sprich, Meister! Jesus sagte: Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner; der eine war ihm fĂŒnfhundert Denare schuldig, der andere fĂŒnfzig. Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben? Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat. Jesus sagte zu ihm: Du hast Recht. Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum Waschen der FĂŒĂŸe gegeben; sie aber hat ihre TrĂ€nen ĂŒber meinen FĂŒĂŸen vergossen und sie mit ihrem Haar abgetrocknet. Du hast mir zur BegrĂŒĂŸung keinen Kuss gegeben; sie aber hat mir, seit ich hier bin, unaufhörlich die FĂŒĂŸe gekĂŒsst. Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt; sie aber hat mir mit ihrem wohlriechenden Öl die FĂŒĂŸe gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen SĂŒnden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe. Dann sagte er zu ihr: Deine SĂŒnden sind dir vergeben. Da dachten die anderen GĂ€ste: Wer ist das, dass er sogar SĂŒnden vergibt? Er aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!

EinfĂŒhrendes Gebet: Beim Anblick dieser ĂŒberfließenden weiblichen Liebe wird mir ganz mulmig. Und da merke ich, wie geizig ich bin und dĂŒrftig ich gebe.

Bitte: Gott, schau doch auf meine mĂ€ĂŸigen Gaben und vermehre sie.

1. Die ErklĂ€rung des UnerklĂ€rlichen ist mein Bewerten. Ein gewaltiger Abschnitt im Lukasevangelium! Jesus spricht ĂŒber das immerwĂ€hrende Aburteilen des anderen, die Selbstgerechtigkeit des Bewertens, die HochmĂŒtigkeit des aufgeblĂ€hten Selbst. Und woher kommt das? Es lĂ€uft der Mensch mit seinem tierischen Erbteil des Stammes und dessen Hierarchien herum und daraus sich ergebend – seiner steten Neuzuordnung der eigenen Stellung entgegen – in dieser urmenschlichen Machtkonstellation gegen seine eigenen heiligen, erhabenen gotteskindlichen Seiten an. Wenn ich selbstverblendet erkenne, dass Gott momentan nicht gut genug bewertet, dann muss ich es wohl selbst tun. Mein Bewerten, das ist die ErklĂ€rung des UnerklĂ€rlichen der so ungeheuer weiten Wirklichkeit, die Gott in den HĂ€nden hĂ€lt und die mich schwindeln macht. Bewertung verhindert Offenheit fĂŒr diese Weite.

2. Aburteilen aus Existenzfurcht. Und so suche ich Halt an meinen eigenen MaßstĂ€ben. Dies ist reine Existenzfurcht und Schuld inmitten meiner Sterblichkeit, inmitten einer ĂŒberwĂ€ltigenden, verwirrenden Welt. Aber hĂ€tten wir den wahren moralischen Durchblick, mĂŒssten wir vor Scham verstummen. „Jesus, ich will dir Ă€hnlich werden.“ Sprechen wir dies aus, so wird die eigene VerhĂ€rtung offenbar, stets trotzig geleugnet, aber wahr.

3. Hinter der Verkrustung das Auferstehungslicht. SĂ€hen wir nicht nur den Prediger Jesus, weil das „fassbarer“ ist als der Auferstandene, so könnte aus unserer Persönlichkeit dieses Auferstehungslicht leuchten. Dann bliebe das alles nicht im Moralischen stecken. Jesus zeigt Gottes Versprechen, das seit Noahs Zeiten immerwĂ€hrend neu erklĂ€rt wurde, aber zu ritueller und sozialer Verkrustung fĂŒhrte und doch gilt. Durch Jesu gegenwĂ€rtige VerkĂŒndigung schimmert stets der göttliche Vollendungswunsch. In der Fußsalbung der SĂŒnderin gibt ein Mensch die FĂŒlle seiner Liebe an Gott.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, lass mich dieses alten Bundes gegenwĂ€rtig sein und verstehen, dass du von Anfang an die Erlösung der ganzen Natur willst. In Christus zeigst du uns, wie wir mit dir ĂŒberwinden können, was an Angst und Wut in unseren unfertigen Seelen grollt.

Möglicher Vorsatz: Den Balken im eigenen Auge suchen.


Die Berufung des MatthÀus

21. September 2018

Hl. MatthÀus, Apostel und Evangelist
Fest

Hl. Debora, Prophetin
Hl. Jona, Prophet

Dr. med. Christoph Kunkel

Mt 9,9-13
In jener Zeit sah Jesus einen Mann namens MatthĂ€us am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand MatthĂ€us auf und folgte ihm. Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, kamen viele Zöllner und SĂŒnder und aßen zusammen mit ihm und seinen JĂŒngern. Als die PharisĂ€er das sahen, sagten sie zu seinen JĂŒngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und SĂŒndern essen? Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die SĂŒnder zu rufen, nicht die Gerechten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Unter „Zöllner und SĂŒnder“ habe ich mich noch nicht begeben. Aber, Herr, zeige mir doch immer aufs Neue, wo ich helfen kann.

Bitte: Beharrlich ist die Zeit der inneren VerhĂ€rtung. Lass uns die Botschaft vom Auferstandenen selbst erfahren und andere mit auf den Weg nehmen.

1. Taugt da ein Arzt? Ist Jesus ein berufsmĂ€ĂŸiger Provokateur? Immer verĂ€rgert er die PharisĂ€er, „isst mit Zöllnern und SĂŒndern.“ Und bringt auch gleich noch jemanden von dieser raffgierigen Zöllnergilde mit! Den MatthĂ€us, der sein ZollhĂ€uschen verlĂ€sst. Und Jesus folgt ihm in die Schar der Verachteten. Aber worin soll jetzt Jesu Therapie bestehen, wenn er den PharisĂ€ern vorhĂ€lt „die Kranken brauchen den Arzt“?

2. Die WĂŒrde zurĂŒckschenken. Indem Jesus an den Ort ihrer ZusammenkĂŒnfte geht, gibt er den Menschen bereits WĂŒrde zurĂŒck, in vorbehaltloser, göttlicher Offenheit. Das ist auch heute noch Kern christlicher Therapie. Jesu göttliche Heilkraft gibt den Anwesenden das sichere GefĂŒhl, dass endlich die angekĂŒndigte Zeit des Heils, das Gnadenjahr anhebt, auf das alle schon lange warten. Mit einer sichtbaren Person, die mit ihnen unter Gottes Obhut wandelt. In Wundertaten und sozial aufsehenerregenden Geschehnissen zeigt Lukas immer wieder etwas „Therapeutisches“ auf.

3. Schon jetzt: teilhaben und mitgestalten. Ob blind oder verachtet oder tot, sie alle sollen in das Reich Gottes gefĂŒhrt werden, an ihm teilhaben, es aus neuem Glauben mitgestalten, schon hier, schon jetzt. MatthĂ€us, der Zöllner, der von der Stelle des VerrĂ€ters aus in die JĂŒngerschar tritt, wird mit seinen Taten von sich reden machen.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, ein „Zöllner und SĂŒnder“ betet hier. FĂŒhre mich doch heraus aus der Welt der selbstgenĂŒgsamen SĂŒnde.

Möglicher Vorsatz: Vom Auferstandenen, vom Reich Gottes in unserem Leben sprechen.


Das Gleichnis vom SĂ€mann

22. September 2018

Samstag der vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Mauritius (Moritz), MĂ€rtyrer
Hl. Emmeram, Bischof
Hl. Landelin, Einsiedler

Dr. med. Christoph Kunkel

Lk 8,4-5
In jener Zeit als die Leute aus allen StĂ€dten zusammenströmten und sich viele Menschen um ihn versammelten, erzĂ€hlte er ihnen dieses Gleichnis: Ein SĂ€mann ging aufs Feld, um seinen Samen auszusĂ€en. Als er sĂ€te, fiel ein Teil der Körner auf den Weg; sie wurden zertreten, und die Vögel des Himmels fraßen sie. Ein anderer Teil fiel auf Felsen, und als die Saat aufging, verdorrte sie, weil es ihr an Feuchtigkeit fehlte. Wieder ein anderer Teil fiel mitten in die Dornen, und die Dornen wuchsen zusammen mit der Saat hoch und erstickten sie. Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden, ging auf und brachte hundertfach Frucht. Als Jesus das gesagt hatte, rief er: Wer Ohren hat zum Hören, der höre: Seine JĂŒnger fragten ihn, was das Gleichnis bedeute. Da sagte er: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu erkennen. Zu den anderen Menschen aber wird nur in Gleichnissen geredet; denn sie sollen sehen und doch nicht sehen, hören und doch nicht verstehen. Das ist der Sinn des Gleichnisses: Der Samen ist das Wort Gottes. Auf den Weg ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort zwar hören, denen es aber der Teufel dann aus dem Herzen reißt, damit sie nicht glauben und nicht gerettet werden. Auf den Felsen ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort freudig aufnehmen, wenn sie es hören; aber sie haben keine Wurzeln: Eine Zeit lang glauben sie, doch in der Zeit der PrĂŒfung werden sie abtrĂŒnnig. Unter die Dornen ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort zwar hören, dann aber weggehen und in den Sorgen, dem Reichtum und den GenĂŒssen des Lebens ersticken, deren Frucht also nicht reift. Auf guten Boden ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort mit gutem und aufrichtigem Herzen hören, daran festhalten und durch ihre Ausdauer Frucht bringen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, wenn du sĂ€st, wie oft spanne ich dann den Regenschirm auf, wie oft ducke ich mich weg, weil alles das, was ich als wahr erkannt habe, zu belastend fĂŒr mein bequemes Mittelmaß wird. Doch gleichzeitig: Wie gerne, Herr, höre ich dein Wort.

Bitte: Bitte, gib mir immer wieder neuen Aufbruch zu deinem Wort.

1. Ungerecht, weil ungeschickt. Das ist ein sozial völlig unausgewogenes Handeln, eine Ungeschicklichkeit! Soll er doch aufpassen, der SĂ€mann, dass alles auf rechten Boden fĂ€llt. Und wenn er seine Saat schon so lĂ€ssig wirft, was können die Körner dafĂŒr, dass sie unter die Disteln fallen und nicht aufgehen? Der Mensch ist doch gĂ€nzlich schuldlos an seinem Scheitern, sein Milieu lĂ€sst eben nicht Besseres zu. Nur die Wohlsituierten mit Grund und Boden haben mit ihren Privilegien eine Chance, an Gottes Wort zu kommen. FĂŒr andere ist Chancengleichheit – und das mĂŒssen wir aus christlicher NĂ€chstenliebe doch wohl fordern dĂŒrfen – im Grunde nicht vorhanden.

2. Wege, Felsen, Dornen, guter Boden, alles in uns. Jesus zeigt mit seinem Gleichnis durchaus kein solch sozial kitschiges und verlogenes Bild auf. Wege, Felsen, Dornen, guter Boden sind nĂ€mlich unser Inneres, von Geburt an, ob arm oder reich, dumm oder klug. In uns selbst liegt guter Boden, aber ebenfalls auch GestrĂŒpp und die Flachheit des harten Grundes. In jeden von uns fĂ€llt Gottes Wort und es ist unsere von Gott aus Liebe geschenkte Freiheit, ihm guten Boden oder anderes anzubieten.

3. Selbsterkenntnis in Wachsamkeit. Guten Boden aber haben viele Menschen. Wenn Gottes Wort da nicht hineinfiele, gĂ€be es keine Frucht, sondern nur uneingelöstes Potential. Seine innere Glaubenswelt immer neu empfĂ€nglich zu gestalten, das bleibt die lebenslange Aufgabe bei der Bildung der Persönlichkeit. Das kann auch schief gehen, wenn man z.B. alles, ob Boden, Fels, GestrĂŒpp fĂŒr gleich wertet und auch empfindet. Es wĂ€re demnach gleich, wohin der Samen fiele. Jesus lehrt uns Selbsterkenntnis in Wachsamkeit, und er gibt uns zugleich einen großartigen Ausblick: In allen Kindern Gottes ist der gute Ackerboden die weitaus grĂ¶ĂŸte FlĂ€che.

GesprĂ€ch mit Christus: Viel zu oft ĂŒberschĂŒtte ich meine Aufmerksamkeit mit oberflĂ€chlicher Unterhaltung. Es ist aber auch wahr: Sobald ich einen kleinen Schein von deiner GĂŒte und Weisheit hervorlugen sehe, ist mein Eifer wiedererwacht.

Möglicher Vorsatz: Ich werde tĂ€glich mein Pensum erledigen. Schriftstudium, Psalminterpretation, stilles Gebet.