Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 25. März 2018 bis 31. März 2018

Heilige Woche - Karwoche

Beate Scheilen

Ein ungewöhnlicher KönigSonntag
VerschwendungMontag
Jeder ist zu allem fähigDienstag
Judas, ein Held?Mittwoch
Ein Gott, der Menschen dient!Donnerstag
Verborgene MachtFreitag
Von Kana nach KalvariaSamstag


Ein ungewöhnlicher König

25. März 2018

Palmsonntag
Hl. Annunziata
Hl. Kilian, Bischof
Hl. Prokop OSB, Abt
Hl. Jutta von Bernried

Beate Scheilen

Mk 11, 1-10
Es war einige Tage vor dem Osterfest Als sie in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage und Betanien am Ölberg, schickte Jesus zwei seiner Jünger voraus. Er sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor uns liegt; gleich wenn ihr hineinkommt, werdet ihr einen jungen Esel angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat. Bindet ihn los, und bringt ihn her! Und wenn jemand zu euch sagt: Was tut ihr da?, dann antwortet: Der Herr braucht ihn; er lässt ihn bald wieder zurückbringen. Da machten sie sich auf den Weg und fanden außen an einer Tür an der Straße einen jungen Esel angebunden, und sie banden ihn los. Einige, die dabeistanden, sagten zu ihnen: Wie kommt ihr dazu, den Esel loszubinden? Sie gaben ihnen zur Antwort, was Jesus gesagt hatte, und man ließ sie gewähren. Sie brachten den jungen Esel zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Tier, und er setzte sich darauf. Und viele breiteten ihre Kleider auf der Straße aus; andere rissen auf den Feldern Zweigen von den Büschen ab und streuten sie auf den Weg. Die Leute, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn! 0 Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt. Hosanna in der Höhe!

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, ich möchte dich in dieser letzten Woche deines irdischen Lebens begleiten. Zwischen „Hosianna“ und „Kreuzige ihn“ lagen nur wenige Tage. Wie ist es dir in dieser Zeit ergangen? Ich möchte dir ganz nahe sein und mitfĂĽhlen, was dein Herz bewegt.

Bitte: Jesus, bitte rufe mich in deine Nähe!

1. Warum so ausfĂĽhrlich? Die Evangelien berichten ĂĽber die ersten 30 Jahre im Leben Jesu nicht viel, ĂĽber die 3 Jahre seiner öffentlichen Lehrtätigkeit schon einiges mehr. Nun aber, in der letzten Woche seines Lebens, können wir beinahe alles, was Jesus tut und sagt, „live“ mit verfolgen. Warum auf einmal diese AusfĂĽhrlichkeit? Die Geschehnisse von Palmsonntag bis Ostern bilden die Basis der christlichen VerkĂĽndigung – darum sind sie es wert, in allen Einzelheiten geschildert zu werden. Wir sehen hier vor allem eines: Jesus ist nicht irgendein guter Mensch, der ehrgeizige Pläne hat, aber leider seinen Feinden unterliegt, weil sie stärker sind als er. Er ist der Sohn Gottes und Herr der Welt. Er ist auch der Herr seiner Feinde – deswegen kann er bewusst und freiwillig dem Leiden, das sie fĂĽr ihn vorbereitet haben, entgegengehen. Gottes Vorsehung steht ĂĽber allem, was in dieser Woche geschieht.

2. Warum ein Esel? Es ist kein Zufall, dass Jesus auf einem Esel in Jerusalem einreitet! So repräsentiert er den Friedenskönig aus Sacharja (9,9), der „auf dem FĂĽllen einer Eselin“ reitet und als gerecht und demĂĽtig beschrieben wird. Könige hatten damals nämlich das Recht, Transportmittel zu requirieren - Jesus weist sich mit der Anforderung des Esels also selbst als König aus. Das Tier, das er fĂĽr den Einzug in seine Stadt wählt, symbolisiert Frieden und demĂĽtige Abhängigkeit von Gott. Auf Pferden ritten damals nur heidnische UnterdrĂĽcker, wie z.B. die Römer oder Assyrer. Jesus zeigt sich zudem als ein guter König, der seine Untertanen nicht schädigt: Er verspricht den Besitzern, das Tier sofort nach Gebrauch zurĂĽck zu bringen – ein fĂĽr einen Herrscher doch eher ungewöhnliches Verhalten.

3. â€¦und warum so ein Ende? Jesus zieht als König in sein Eigentum ein. Seine Mitpilger bejubeln ihn als den, der im Namen Gottes kommt und dem Volk Rettung bringen wird. Alles sieht gut aus: Jesus wird von den Römern erstaunlicherweise nicht als AufrĂĽhrer verhaftet und kann sich frei in der Stadt und im Tempel bewegen. Die von vielen vielleicht erwartete MachtĂĽbernahme Jesu bleibt allerdings aus… FĂĽnf Tage später wird Jesus die Stadt wieder verlassen – zu FuĂź, nachdem er im Namen Gottes aus der Volksgemeinschaft ausgestoĂźen wurde, verurteilt zu einem Tod, wie er grausamer und demĂĽtigender nicht sein könnte. Von den Jublern des Sonntags ist niemand mehr zu sehen. Dieser König entspricht nicht ihren Vorstellungen. Und wenn wir ehrlich sind, mĂĽssen wir zugeben: Den unseren entspricht er auf den ersten Blick auch nicht …

Gespräch mit Christus: Herr, du bist ein König, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat! Dein Triumphzug hat nichts von den Siegesfeiern anderer Herrscher an sich. Du hättest verlangen können, dass ganz Jerusalem sich vor dir niederwirft; aber du wolltest die freie Zustimmung deines Volkes – und dein einzigartiges Angebot, der Friedenskönig von Israel zu sein, wurde abgelehnt. Wie traurig!

Möglicher Vorsatz: Ich möchte herausfinden, in welchem Bereich meines Lebens Jesus bisher nicht regiert und werde ihn bitten, dort als König Einzug zu halten.


Verschwendung

26. März 2018

Montag in der Karwoche
Hl. Luidger von MĂĽnster, Bischof
Larissa, Märtyrerin

Beate Scheilen

Joh 12,1-11
Sechs Tage vor dem Paschafest kam Jesus nach Betanien, wo Lazarus war, den er von den Toten auferweckt hatte. Dort bereiteten sie ihm ein Mahl; Marta bediente, und Lazarus war unter denen, die mit Jesus bei Tisch waren. Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihrem Haar. Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt. Doch einer von seinen Jüngern, Judas Iskariot, der ihn später verriet, sagte: Warum hat man dieses Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben? Das sagte er aber nicht, weil er ein Herz für die Armen gehabt hätte, sondern weil er ein Dieb war; er hatte nämlich die Kasse und veruntreute die Einkünfte. Jesus erwiderte: Lass sie, damit sie es für den Tag meines Begräbnisses tue. Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer bei euch. Viele Juden hatten erfahren, dass Jesus dort war, und sie kamen, jedoch nicht nur um Jesu willen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte. Die Hohenpriester aber beschlossen, auch Lazarus zu töten, weil viele Juden seinetwegen hingingen und an Jesus glaubten.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, Maria hat dir damals kostbares Ă–l geschenkt; ich möchte dir heute zumindest meine Zeit und meine ganze Aufmerksamkeit schenken – und vielleicht ein bisschen mehr davon als sonst…

Bitte: Herr, bitte lass mich dir gegenĂĽber groĂźzĂĽgiger sein!

1. Echte GroĂźzĂĽgigkeit. Nardenöl war zu Jesu Zeiten das kostbarste Ă–l, das es gab. Die Menge, die Maria ĂĽber Jesu FĂĽĂźen ausgoss, kostete etwa so viel wie ein Arbeiter im Jahr verdiente! Auch fĂĽr wohlhabende Leute wie die drei Geschwister aus Betanien war das sicher keine Kleinigkeit. Trotzdem zögert Maria nicht, das ganze Ă–l herzugeben, um Jesus zu ehren und ihm eine Freude zu machen. Vielleicht war der Flakon mit dem Ă–l eigentlich als ihre Mitgift oder als Altersversorgung gedacht gewesen? Egal, es spielt keine Rolle. Jesus ist es ihr wert. 
Und wie viel ist Jesus mir wert? WĂĽrde ich mein Sparbuch plĂĽndern, um etwas zu tun, das ihm Freude macht? Aber… wäre so etwas nicht völlig unvernĂĽnftig? Verantwortungslose Verschwendung? Kann Gott das wollen?

2. Falsche FĂĽrsorge. Judas fragt sich das offenbar auch. Ihm ist diese Geste sehr suspekt, denn er selbst handelt nach ganz anderen MaĂźstäben, wie Johannes sich nicht scheut zu erwähnen. Und ausgerechnet der Mann, der das Geld seiner Gemeinschaft unterschlägt, macht sich jetzt zum Anwalt der Armen! Faktisch sagt Judas damit: „Jesus ist es nicht wert, dass so viel Geld fĂĽr ihn ausgegeben wird.“ Aber „die Armen“ sind es wert? Wohl vor allem, weil er da die Möglichkeit gehabt hätte, einiges fĂĽr sich selbst abzuzweigen… falsche FĂĽrsorge also. Und vielleicht ist er auch ein wenig neidisch auf Jesus, dem so viel GroĂźzĂĽgigkeit entgegengebracht wird. Kennen wir das nicht auch aus unserer Zeit? Konkrete GroĂźzĂĽgigkeit fĂĽr Gott wird kritisiert mit Hinweis auf „die Armen“, denen man ja stattdessen helfen könnte. „Die Kirche ist viel zu reich – warum diese ganze Prachtentfaltung: Gewänder, goldene Gefäße, Blumen usw., während woanders die Leute hungern?“ Man sollte diese Fragen zwar durchaus ernst nehmen, aber auch eines klarstellen: Gott ist der Herr aller Dinge – alles, was wir besitzen, haben wir von ihm. Er hat es daher verdient, dass wir ihm dafĂĽr danken und etwas davon zurĂĽckgeben – und zwar nicht irgendwas, sondern das Beste! Dankbarkeit soll sich als real erweisen. Und Arme gibt es nicht deswegen, weil Gott so viel fĂĽr sich beansprucht, sondern weil es viele Menschen gibt, die Besitz anhäufen und nicht teilen wollen. Ich habe bisher auch niemanden kennen gelernt, der seine Hochzeit im Schnellimbiss statt im Restaurant gefeiert hätte, damit er das gesparte Geld den Armen geben konnte…

3. Einmal Gewalt, immer Gewalt. Fast im Nebensatz erwähnt Johannes noch, dass viele Gäste nicht nur wegen Jesus kamen, sondern um Lazarus zu sehen. Die Gelegenheit, jemanden zu treffen, der schon einmal gestorben ist und jetzt wieder lebt, hat man nicht oft, daher ist es verständlich, dass viele sie nutzen. Nur leider (aus Sicht der Pharisäer) verschafft das Jesus unerwĂĽnschte BerĂĽhmtheit. Statt ins Nachdenken darĂĽber zu kommen, woher Jesus die Vollmacht zu einer solchen Handlung hat, gehen seine Gegner in ihrem Starrsinn so weit, dass sie neben Jesus auch Lazarus gleich mit beseitigen wollen. Auch dies ist ein Phänomen, das in der Geschichte immer wiederkehrt: Wenn ich einmal damit anfange, um meiner Ziele willen Menschen umzubringen, „muss“ ich zwangsläufig weitermachen, weil es immer noch jemanden gibt, der dem glorreichen Abschluss meiner Pläne im Wege steht. Einmal Gewalt, immer Gewalt. Nicht ohne Grund hat Jesus damit gar nicht erst angefangen, sondern dem Hass die Liebe entgegengesetzt.

Gespräch mit Christus: Jesus, wie musst du dich gefreut haben ĂĽber Marias unerwartete und liebevolle Tat! Endlich ist da jemand, der nicht nur etwas von dir haben will oder dich kritisiert, sondern der dir einfach etwas Gutes tut! Ich möchte mir an Maria ein Beispiel nehmen.

Möglicher Vorsatz: Heute will ich mir ĂĽberlegen, womit ich Jesus eine Freude machen kann und dies dann auch so bald wie möglich tun.


Jeder ist zu allem fähig

27. März 2018

Dienstag in der Karwoche
Hl. Heimo von Halberstadt OSB, Bischof
Hl. Frowin OSB, Abt

Beate Scheilen

Joh 13,21-33.36-38
In jener Zeit, als Jesus mit seinen Jüngern bei Tisch war, wurde er im Innersten erschüttert und bekräftigte: Amen, amen, das sage ich euch: Einer von euch wird mich verraten. Die Jünger blickten sich ratlos an, weil sie nicht wussten, wen er meinte. Einer von den Jüngern lag an der Seite Jesu; es war der, den Jesus liebte. Simon Petrus nickte ihm zu, er solle fragen, von wem Jesus spreche. Da lehnte sich dieser zurück an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist es? Jesus antwortete: Der ist es, dem ich den Bissen Brot, den ich eintauche, geben werde. Dann tauchte er das Brot ein, nahm es und gab es Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, fuhr der Satan in ihn. Jesus sagte zu ihm: Was du tun willst, das tu bald! Aber keiner der Anwesenden verstand, warum er ihm das sagte. Weil Judas die Kasse hatte, meinten einige, Jesus wolle ihm sagen: Kaufe, was wir zum Fest brauchen!, oder Jesus trage ihm auf, den Armen etwas zu geben. Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, ging er sofort hinaus. Es war aber Nacht. Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht. Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen, und er wird ihn bald verherrlichen. Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ihr werdet mich suchen, und was ich den Juden gesagt habe, sage ich jetzt auch euch: Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht gelangen. Simon Petrus sagte zu ihm: Herr, wohin willst du gehen? Jesus antwortete: Wohin ich gehe, dorthin kannst du mir jetzt nicht folgen. Du wirst mir aber später folgen. Petrus sagte zu ihm: Herr, warum kann ich dir jetzt nicht folgen? Mein Leben will ich für dich hingeben. Jesus entgegnete: Du willst für mich dein Leben hingeben? Amen, amen, das sage ich dir: Noch bevor der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, ab jetzt wird es ernst. Immer näher kommt dir die Gefahr. In dieser Gebetszeit möchte ich dir mein Herz schenken als einen Ort, an dem du Ruhe und Trost finden kannst.

Bitte: Hilf mir zu verstehen, Jesus, wie sehr du als Mensch unter dem Verrat von Judas gelitten haben musst.

1. Gute Tarnung. Judas scheint vorab nicht als geborener Verbrecher aufgefallen zu sein und hat sich offenbar gut getarnt. Denn die JĂĽnger zeigen bei der AnkĂĽndigung Jesu, einer aus ihrem Kreis werde ihn verraten, nicht etwa sofort mit dem Finger auf Judas, sondern sind verwirrt und versuchen herauszufinden, wer zu so etwas fähig sein könnte. Sie halten also grundsätzlich jeden von ihnen fĂĽr verdächtig. Dies ist eine sehr realistische Sichtweise, denn grundsätzlich ist jeder zu allem fähig. Denken wir nicht oft, nur bestimmte (vielleicht genetisch dazu disponierte) Menschen seien besonders schlimmer Taten fähig, oder man mĂĽsse „bösen Menschen“ ihre Bosheit ansehen? Diese Denkweise ist naiv. Nach dem SĂĽndenfall sind wir prinzipiell zu allem fähig, auch zu größeren Verbrechen! Nur Gottes Gnade und Barmherzigkeit kann es verhindert. Wer weiĂź, wie mein Handeln unter anderen Lebensumständen ausgefallen wäre? Oft ist der „Verbrecher“ in uns lediglich nicht ganz auf freiem FuĂź! Etwas von Judas steckt in jedem, und es ist sehr ratsam, sich dessen bewusst zu sein und sich nicht voreilig ĂĽber andere zu erheben.

2. Vorbildliche RĂĽcksicht. Es ist unglaublich, mit welcher RĂĽcksicht und Diskretion Jesus seinen Verräter selbst jetzt noch behandelt! Obwohl Jesus genau weiĂź, was Judas vorhat, stellt er ihn nicht vor den anderen JĂĽngern bloĂź. Hätte er es getan, wĂĽrden die ĂĽbrigen elf sich bestimmt auf Judas gestĂĽrzt und ihn am Weggehen gehindert haben, so dass der Verrat nicht hätte stattfinden können. Aber Jesus „verrät“ Judas nicht! Er schickt ihn mit einem Satz hinaus, den alle anderen als ganz harmlos interpretieren. Auch hieraus wird klar, dass es Jesus nicht darum geht, sein Leben zu retten. Dazu wäre an dieser Stelle eindeutig Gelegenheit gewesen. Nein, Jesus weiĂź, was auf ihn zukommt und akzeptiert es als den Willen des Vaters, der auch der seinige ist. Er ist derjenige, der hier „das Heft in der Hand“ hat – nicht diejenigen, die sich mächtig fĂĽhlen!

3. Fehlende Einsicht. Als ob Jesus noch nicht genug an Judas zu leiden hätte, tritt nun auch noch Petrus auf den Plan – zwar mit guter Absicht, aber so von sich eingenommen wie eh und je. „Mein Leben will ich fĂĽr dich geben“ ist seine selbstbewusste AnkĂĽndigung, die er in dem Moment vermutlich sogar ernst meint. Aber Jesus weiĂź, was sich kurze Zeit später wirklich abspielen wird. Petrus wird ihm keineswegs helfen und sogar schwören, ihn nicht zu kennen… Was fĂĽr ein Schmerz muss das gerade in dieser Stunde fĂĽr Jesus gewesen sein! - Diene auch ich manchmal vorrangig meinen eigenen Interessen und verwerfe Jesus, wenn ich meine, dass er mir nichts mehr nutzt (Judas)? Und bin ich nicht häufig auch der Christ, der es zwar gut meint, sich aber maĂźlos ĂĽberschätzt und im Ernstfall versagt (Petrus)?

Gespräch mit Christus: Herr, gleich zwei Menschen, die dir nahestehen, tragen dazu bei, dich in den Tod zu bringen. Deine Erfahrungen mit deinen Freunden waren gelinde gesagt nicht sehr positiv. Auch mit mir hast du oft keine guten Erfahrungen gemacht. Trotzdem antwortest du auf alle Anfeindungen mit Sanftmut und Barmherzigkeit. Danke, Jesus, fĂĽr deine Liebe!

Möglicher Vorsatz: Gibt es Menschen in meinem Umfeld, die ich „verraten“ oder enttäuscht habe? Ich möchte wenigstens einen von ihnen aufrichtig um Entschuldigung bitten.


Judas, ein Held?

28. März 2018

Mittwoch in der Karwoche
Hl. Guntram
Hl. Gundelinde OSB, Ă„btissin
Wilhelm Eiselin OPraem

Beate Scheilen

Mt 26,14-25
In jener Zeit ging einer der Zwölf  namens Judas Iskariot zu den Hohenpriestern und sagte: Was wollt ihr mir geben, wenn ich euch Jesus ausliefere? Und sie zahlten ihm dreißig Silberstücke. Von da an suchte er nach einer Gelegenheit, ihn auszuliefern. Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote gingen die Jünger zu Jesus und fragten: Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten? Er antwortete: Geht in die Stadt zu dem und dem und sagt zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist da; bei dir will ich mit meinen Jüngern das Paschamahl feiern. Die Jünger taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte, und bereiteten das Paschamahl vor. Als es Abend wurde, begab er sich mit den zwölf Jüngern zu Tisch. Und während sie aßen, sprach er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern. Da waren sie sehr betroffen, und einer nach dem andern fragte ihn: Bin ich es etwa, Herr? Er antwortete: Der, der die Hand mit mir in die Schüssel getaucht hat, wird mich verraten. Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre. Da fragte Judas, der ihn verriet: Bin ich es etwa, Rabbi? Jesus sagte zu ihm: Du sagst es.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, du wurdest von einem deiner Freunde fĂĽr eine Handvoll MĂĽnzen verkauft. Wie billig kommt mir das vor! Aber wie oft „verkaufe“ auch ich dich und deine Liebe fĂĽr Kleinigkeiten, die mir in diesem Moment wichtiger sind als du?

Bitte: Bitte öffne in dieser Gebetszeit mein Herz, damit ich dich von jetzt ab an die erste Stelle setze.

1. Wie viel ist Gott wert? Im Matthäusevangelium ereignet sich der Verrat des Judas direkt nach der Salbung Jesu durch Maria. Offenbar ist das der Tropfen, der bei Judas das Fass zum Ăśberlaufen bringt. Er geht zu den Hohepriestern und fragt, was ihnen die Information wert sei, wo sie Jesus heimlich verhaften können. Sie bieten ihm dreiĂźig SilberstĂĽcke. Das ist die geringste Entschädigung fĂĽr ein Menschenleben, die nach dem jĂĽdischen Gesetz vorgesehen ist. Sie wurde gezahlt, wenn ein Tier durch Fahrlässigkeit seines Besitzers einen fremden Sklaven zu Tode gebracht hatte… So viel war der Sohn Gottes seinen Gegnern wert! Im Alten Testament (Sacharja 11,13) steht noch dazu Folgendes: „Und sie wogen meinen Lohn ab: dreiĂźig Silberschekel. Da sprach der Herr zu mir: Wirf ihn dem Töpfer hin, den herrlichen Wert, den ich ihnen wert bin! Und ich nahm die dreiĂźig Silberschekel und warf sie in das Haus des Herrn dem Töpfer hin.“ Kurze Zeit später wird Judas bekanntlich seinen Verrat bereuen und die dreiĂźig SilberstĂĽcke in den Tempel werfen. Und die Priester werden von dem Geld den „Acker des Töpfers“ kaufen (Mt 27,6-10). Die Schrift erfĂĽllt sich, bis ins Detail. Gott hat all diese Dinge vorher gewusst und die Autoren der alttestamentlichen BĂĽcher inspiriert, Vorahnungen der Passion Christi in ihre Werke einzubringen.

2. Was trieb Judas an? Was mag das Motiv des Judas gewesen sein? DarĂĽber haben schon viele Theologen nachgedacht, aber letztendlich wissen das nur Gott - und Judas selbst. Meist wird Geld als Motiv genannt, aber es wäre vermutlich einträglicher gewesen, sich weiterhin an der Kasse zu bereichern. Andere meinen, Judas habe Jesus als politischen Messias gesehen und ihn so zum Handeln zwingen wollen. Vor einigen Jahren tauchte die Theorie auf, Judas sei in Wirklichkeit der Held. Um den Willen Gottes zu erfĂĽllen, habe irgendjemand sich opfern und Jesus verraten mĂĽssen – und diese Rolle habe Judas sich zu ĂĽbernehmen getraut, wohl wissend, dass er nun in alle Ewigkeit als der Böse dastehen werde. Doch ehrlich: Welch seltsame „frohe“ Botschaft wäre das?

3. Gott ist kein Regisseur. Hinter dieser These steht ein schreckliches Gottesbild: die Vorstellung eines göttlichen „Drehbuchs“, das den Tod Jesu vorsieht, der unbedingt ausgefĂĽhrt werden muss, wobei Judas als wichtigster Förderer dieses Willens auftritt und dabei fĂĽr den Auftritt Jesu als Erlöser der Menschheit heldenhaft die BĂĽhne bereitet. Aber das entspricht niemals der Wahrheit. Nicht Gott Vater hat beschlossen, dass Jesus auf grausame Weise sterben muss, sondern wir Menschen haben dies in selbstherrlicher Weise entschieden! Gott wusste das zwar vorher, und er lieĂź es zu – aber er hat dieses Szenario weder erfunden noch gewĂĽnscht! Judas hat Jesus aus eigenem Antrieb verraten und dabei weder eine Heldentat noch ein Opfer vollbracht. Es wäre sonst auch schwer nachzuvollziehen, warum Jesus ĂĽber seinen Verräter sagt, es sei besser, wenn er nie geboren worden wäre…

Gespräch mit Christus: Jesus, auch einer der von dir ausgewählten Apostel hat freiwillig den Weg in die Dunkelheit gewählt. Bewahre mich davor zu denken, man könne als getaufter Christ nicht anders als heilig werden! Hilf mir zu erkennen, wie viel Arges auch in mir selber steckt, und gib mir den festen Wunsch ein, mich von dir heilen zu lassen.

Möglicher Vorsatz: Ich werde mir Zeit nehmen, um mich - eventuell mit Hilfe eines Menschen, der mich gut kennt - meiner Schwachstellen zu erinnern (der realen, nicht der eingebildeten).


Ein Gott, der Menschen dient!

29. März 2018

GrĂĽndonnerstag
Hl. Ludolf von Ratzeburg OPraem, Bischof
Hl. Helmstau (Helmut), Bischof

Beate Scheilen

Joh 13,1-15
Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung. Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern. Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte, stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch. Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war. Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen? Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen. Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir. Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt. Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle. Er wusste nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein. Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, an diesem besonderen Tag möchte ich meine Gebetszeit ganz auf dich und deine Liebe ausrichten.

Bitte: Bitte lass mich erkennen und im Gedächtnis behalten, wie groĂź das Opfer war, das du fĂĽr mich gebracht hast, und hilf mir, dementsprechend zu leben!

1. Liebe geht an die Schmerzgrenze. Hier wird der Gegensatz zwischen Herrlichkeit und Niedrigkeit noch drastischer sichtbar als am Palmsonntag: War dort Jesus der König, der demĂĽtig auf einem Esel reitet, so ist er hier der Herr, der einen Sklavendienst verrichtet. Anderen die FĂĽĂźe zu waschen, zählte damals zu den niedersten Arbeiten, die ĂĽblicherweise von nichtjĂĽdischen Sklaven ĂĽbernommen wurden, weil sie fĂĽr einen Juden zu demĂĽtigend waren. Zu einer solchen Arbeit lässt Jesus sich herab. Er tut dies nicht etwa aus Mangel an SelbstwertgefĂĽhl – der Evangelist sagt eigens, dass Jesus sich seiner Göttlichkeit und Macht voll bewusst war. Er tut es aus Liebe und um uns ein Beispiel zu geben, wie wir untereinander handeln sollen. Selbst Judas nimmt er von diesem Dienst nicht aus! Seinem Verräter die FĂĽĂźe zu waschen, muss selbst fĂĽr Jesus an die Schmerzgrenze gegangen sein. Und er tut es trotzdem.

2. Lieber nicht… Petrus (wieder einmal er) wehrt sich instinktiv; er möchte lieber nicht, dass sein Meister ihn bedient. Rein menschlich ist ihm das einfach peinlich. Und rein menschlich betrachtet hat er Recht. Aber Jesus geht es bei seiner Tat ja nicht nur darum, die FĂĽĂźe der JĂĽnger zu säubern, wie es jeder Diener täte. Erst als Jesus dem Petrus erklärt, worum es geht, willigt er ein – nun möchte er aber gleich komplett gewaschen werden! Kommt uns das nicht bekannt vor? Erst wehren wir uns dagegen, dass Gott in unser Leben eingreift – aber wenn schon, dann möchten wir alles nach unseren eigenen Vorstellungen haben. Tröstlich ist nur, dass es selbst Petrus so gegangen ist…

3. Gut sein ist kein Normalzustand. Es ist klar, was Jesus von uns möchte: Wenn er selbst, der Herr, uns gedient hat, so sollen erst recht wir unseren Mitmenschen dienen. Aber wie schwer fällt uns das! An diesem Punkt wird sehr deutlich, wohin der SĂĽndenfall den Menschen gebracht hat. Anderen wirklich zu dienen, widerstrebt uns oft genug. Wenn wir anderen etwas Gutes tun, sind wir dabei selten frei von eigennĂĽtzigen Hintergedanken. Das ist so normal, dass es uns gar nicht mehr auffällt – darum halten wir uns oft selbst fĂĽr gut, obwohl wir es von Natur aus gar nicht 100 % sind. Dienen lernen heiĂźt, durch die Schule Jesu gehen, und die ist hart fĂĽr die menschliche Natur. Aber wenn wir uns darauf einlassen, gewinnen wir die wahre Freiheit, die Gott uns als seinen Kindern schenken möchte!

Gespräch mit Christus: Herr, heute hast du dich endgĂĽltig entschieden, fĂĽr uns in den Tod zu gehen. Du hast vorher noch deinen Aposteln gezeigt, dass ein Mensch, der im Reich Gottes lebt, der Diener seiner Mitmenschen ist. Was du an diesem Abend getan hast, hat die Lage der Menschheit so verändert, wie kein anderes Ereignis in der Geschichte. Doch oft ist mir das gar nicht bewusst. Ich nehme an der heiligen Messe teil, als handle es sich um eine Selbstverständlichkeit, und Dienen fällt mir schwer – sofern es mir ĂĽberhaupt einfällt…

Möglicher Vorsatz: Ich werde innerhalb der nächsten 2 Wochen einen Dienst ĂĽbernehmen, der mich Ăśberwindung kostet und werde versuchen, meine Mitmenschen nicht spĂĽren zu lassen, dass es mir schwer fällt.


Verborgene Macht

30. März 2018

Karfreitag
Hl. Diemut von Wessobrunn
Hl. Bado (Patto) OSB, Abt
Hl. Leonardo Murialdo

P. LC

Joh 18,1-19,42
Die VerhaftungJesus ging mit seinen Jüngern hinaus, auf die andere Seite des Baches Kidron. Dort war ein Garten; in den ging er mit seinen Jüngern hinein. Auch Judas, der Verräter, der ihn auslieferte, kannte den Ort, weil Jesus dort oft mit seinen Jüngern zusammengekommen war. Judas holte die Soldaten und die Gerichtsdiener der Hohenpriester und der Pharisäer, und sie kamen dorthin mit Fackeln, Laternen und Waffen. Jesus, der alles wusste, was mit ihm geschehen sollte, ging hinaus und fragte sie: Wen sucht ihr? Sie antworteten ihm: Jesus von Nazaret. Er sagte zu ihnen: Ich bin es. Auch Judas, der Verräter, stand bei ihnen. Als er zu ihnen sagte: Ich bin es!, wichen sie zurück und stürzten zu Boden. Er fragte sie noch einmal: Wen sucht ihr? Sie sagten: Jesus von Nazaret. Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, dass ich es bin. Wenn ihr mich sucht, dann lasst diese gehen! So sollte sich das Wort erfüllen, das er gesagt hatte: Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast. Simon Petrus aber, der ein Schwert bei sich hatte, zog es, schlug nach dem Diener des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab; der Diener hieß Malchus. Da sagte Jesus zu Petrus: Steck das Schwert in die Scheide! Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat soll ich ihn nicht trinken?Das Verhör vor Hannas und die Verleugnung durch Petrus Die Soldaten, ihre Befehlshaber und die Gerichtsdiener der Juden nahmen Jesus fest, fesselten ihn und führten ihn zuerst zu Hannas; er war nämlich der Schwiegervater des Kajaphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war. Kajaphas aber war es, der den Juden den Rat gegeben hatte: Es ist besser, dass ein einziger Mensch für das Volk stirbt. Simon Petrus und ein anderer Jünger folgten Jesus. Dieser Jünger war mit dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesus in den Hof des hohepriesterlichen Palastes. Petrus aber blieb draußen am Tor stehen. Da kam der andere Jünger, der Bekannte des Hohenpriesters, heraus; er sprach mit der Pförtnerin und führte Petrus hinein. Da sagte die Pförtnerin zu Petrus: Bist du nicht auch einer von den Jüngern dieses Menschen? Er antwortete: Nein. Die Diener und die Knechte hatten sich ein Kohlenfeuer angezündet und standen dabei, um sich zu wärmen; denn es war kalt. Auch Petrus stand bei ihnen und wärmte sich. Der Hohepriester befragte Jesus über seine Jünger und über seine Lehre. Jesus antwortete ihm: Ich habe offen vor aller Welt gesprochen. Ich habe immer in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen. Nichts habe ich im Geheimen gesprochen. Warum fragst du mich? Frag doch die, die mich gehört haben, was ich zu ihnen gesagt habe; sie wissen, was ich geredet habe. Auf diese Antwort hin schlug einer von den Knechten, der dabeistand, Jesus ins Gesicht und sagte: Redest du so mit dem Hohenpriester? Jesus entgegnete ihm: Wenn es nicht recht war, was ich gesagt habe, dann weise es nach; wenn es aber recht war, warum schlägst du mich? Danach schickte ihn Hannas gefesselt zum Hohenpriester Kajaphas. Simon Petrus aber stand am Feuer und wärmte sich. Sie sagten zu ihm: Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern? Er leugnete und sagte: Nein. Einer von den Dienern des Hohenpriesters, ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, sagte: Habe ich dich nicht im Garten bei ihm gesehen? Wieder leugnete Petrus, und gleich darauf krähte ein Hahn.Das Verhör und die Verurteilung durch Pilatus.Von Kajaphas brachten sie Jesus zum Prätorium; es war früh am Morgen. Sie selbst gingen nicht in das Gebäude hinein, um nicht unrein zu werden, sondern das Paschalamm essen zu können. Deshalb kam Pilatus zu ihnen heraus und fragte: Welche Anklage erhebt ihr gegen diesen Menschen? Sie antworteten ihm: Wenn er kein Übeltäter wäre, hätten wir ihn dir nicht ausgeliefert. Pilatus sagte zu ihnen: Nehmt ihr ihn doch, und richtet ihn nach eurem Gesetz! Die Juden antworteten ihm: Uns ist es nicht gestattet, jemand hinzurichten. So sollte sich das Wort Jesu erfüllen, mit dem er angedeutet hatte, auf welche Weise er sterben werde. Pilatus ging wieder in das Prätorium hinein, ließ Jesus rufen und fragte ihn: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere über mich gesagt? Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier. Pilatus sagte zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme. Pilatus sagte zu ihm: Was ist Wahrheit? Nachdem er das gesagt hatte, ging er wieder zu den Juden hinaus und sagte zu ihnen: Ich finde keinen Grund, ihn zu verurteilen. Ihr seid gewohnt, dass ich euch am Paschafest einen Gefangenen freilasse. Wollt ihr also, dass ich euch den König der Juden freilassen. Da schrien sie wieder: Nicht diesen, sondern Barabbas! Barabbas aber war ein Straßenräuber. Darauf ließ Pilatus Jesus geißeln. Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und legten ihm einen purpurroten Mantel um. Sie stellten sich vor ihn hin und sagten: Heil dir, König der Juden! Und sie schlugen ihm ins Gesicht. Pilatus ging wieder hinaus und sagte zu ihnen: Seht, ich bringe ihn zu euch heraus; ihr sollt wissen, dass ich keinen Grund finde, ihn zu verurteilen. Jesus kam heraus; er trug die Dornenkrone und den purpurroten Mantel. Pilatus sagte zu ihnen: Seht, da ist der Mensch! Als die Hohenpriester und ihre Diener ihn sahen, schrien sie: Ans Kreuz mit ihm, ans Kreuz mit ihm! Pilatus sagte zu ihnen: Nehmt ihr ihn, und kreuzigt ihn! Denn ich finde keinen Grund, ihn zu verurteilen. Die Juden entgegneten ihm: Wir haben ein Gesetz, und nach diesem Gesetz muss er sterben, weil er sich als Sohn Gottes ausgegeben hat. Als Pilatus das hörte, wurde er noch ängstlicher. Er ging wieder in das Prätorium hinein und fragte Jesus: Woher stammst du? Jesus aber gab ihm keine Antwort. Da sagte Pilatus zu ihm: Du sprichst nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich freizulassen, und Macht, dich zu kreuzigen? Jesus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn es dir nicht von oben gegeben wäre; darum liegt größere Schuld bei dem, der mich dir ausgeliefert hat. Daraufhin wollte Pilatus ihn freilassen, aber die Juden schrien: Wenn du ihn freilässt, bist du kein Freund des Kaisers; jeder, der sich als König ausgibt, lehnt sich gegen den Kaiser auf. Auf diese Worte hin ließ Pilatus Jesus herausführen, und er setzte sich auf den Richterstuhl an dem Platz, der Lithostrotos, auf hebräisch Gabbata, heißt. Es war am Rüsttag des Paschafestes, ungefähr um die sechste Stunde. Pilatus sagte zu den Juden: Da ist euer König! Sie aber schrien: Weg mit ihm, kreuzige ihn! Pilatus aber sagte zu ihnen: Euren König soll ich kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. Da lieferte er ihnen Jesus aus, damit er gekreuzigt würde.Die Hinrichtung JesuSie übernahmen Jesus. Er trug sein Kreuz und ging hinaus zur so genannten Schädelhöhe, die auf hebräisch Golgota heißt. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte Jesus. Pilatus ließ auch ein Schild anfertigen und oben am Kreuz befestigen; die Inschrift lautete: Jesus von Nazaret, der König der Juden. Dieses Schild lasen viele Juden, weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag. Die Inschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefasst. Die Hohenpriester der Juden sagten zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben. Nachdem die Soldaten Jesus ans Kreuz geschlagen hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen. Sie nahmen auch sein Untergewand, das von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht war. Sie sagten zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies führten die Soldaten aus. Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. Danach, als Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: Mich dürstet. Ein Gefäß mit Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm mit Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund. Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf.Die Bestattung des LeichnamsWeil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. Also kamen die Soldaten und zerschlugen dem Ersten die Beine, dann dem andern, der mit ihm gekreuzigt worden war Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus. Und der, der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, dass er Wahres berichtet, damit auch ihr glaubt. Denn das ist geschehen, damit sich das Schriftwort erfüllte: Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen. Und ein anderes Schriftwort sagt: Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben. Josef aus Arimathäa war ein Jünger Jesu, aber aus Furcht vor den Juden nur heimlich. Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen, und Pilatus erlaubte es. Also kam er und nahm den Leichnam ab. Es kam auch Nikodemus, der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte. Er brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund. Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist. An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten, und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war. Wegen des Rüsttages der Juden und weil das Grab in der Nähe lag, setzten sie Jesus dort bei.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, jetzt erfĂĽllt sich, wovon die Propheten des Alten Bundes gesprochen haben. Sie kannten dich nicht – aber ich darf dich kennen und durch dich als erlöstes Kind Gottes leben. Was fĂĽr eine Gnade!

Bitte: Jesus, bitte nimm mich heute mit in deine Passion und schenk mir bei allem Leiden auch die Freude ĂĽber meine Erlösung.

1. Waffen weg! Wieder einmal zeigt Jesus seine Macht und verbirgt sie gleichzeitig. Er könnte, wenn er wollte, seine Gegner niedermachen. Das deutet er kurz an – um sich danach doch gefangen nehmen zu lassen. Ein weiterer Beweis dafĂĽr, dass hier nur geschieht, was Jesus selbst zu geschehen erlaubt. Ohne seine Zustimmung hätte selbst der zahlenmäßig ĂĽbermächtige Trupp seiner Gegner keine Chance! Der Versuch des Petrus, Jesus mit Waffengewalt zu helfen, nimmt sich dagegen eher als Tat der Hilflosigkeit aus. - Bin ich mir bewusst, dass auch in meinem Leben nur geschieht, was Gott zulässt? Dass ich deshalb auch keine Angst zu haben und mich nicht mit eigenen „Waffen“ zu verteidigen brauche?

2. Wahrheit gegen Weltlichkeit. Jesus und Pilatus – die Wahrheit selbst steht vor dem Vertreter der weltlichen Macht und ihrer Denkweise. Es scheint ziemlich klar zu sein, wer die Oberhand hat: die sichtbare, fĂĽhlbare, konkrete Welt. Jesus steht als Gefangener vor Pilatus, den Tod vor Augen- da nĂĽtzt ihm alles Reden von Wahrheit nichts. Es sei denn… es gäbe noch eine Welt, die größer ist als all das, und die zu erreichen so viel wert ist, dass sich dafĂĽr sogar zu sterben lohnt. FĂĽr diese Welt steht Jesus. Nun ist klar, warum er den Petrus vom Kampf abgehalten hat: FĂĽr ein Königreich, das nicht von dieser Welt ist, kann man nicht mit rein menschlichen Mitteln kämpfen und siegen! Als Nachfolger Jesu muss ich damit rechnen und es zulassen, dass ich womöglich nach weltlichen MaĂźstäben als gescheitert dastehe. Das muss nicht bei jedem Christen der Fall sein. Aber wenn ich vor der Wahl stehe, darf der menschliche Erfolg nicht mein Kriterium sein. Pilatus wollte zwar Jesus nicht schaden, aber aus Angst vor Repressalien auch keine klare Entscheidung gegen dessen Gegner treffen. Dadurch vergab er eine einzigartige Chance und sein gut gemeinter Kompromissversuch scheiterte… denn das Reich Gottes setzt sich nicht automatisch durch; Gott rechnet mit unserer Mithilfe! Und wenn ich nicht eindeutig Position beziehe, ist das „NatĂĽrliche“ erst mal stärker. Wie in diesem Fall.

3. Gott sorgt. Auf einem Berg hielt Jesus zu Anfang seines Wirkens seine wichtigste Predigt – auf einem anderen Berg setzt er seine eigenen Worte nun um. „Selig die SanftmĂĽtigen, diejenigen, die keine Gewalt anwenden, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgung leiden…“ All das trifft auf Jesus selbst zu. Er verlangt von uns nichts, was er nicht selbst auch getan hätte. Und selbst in diesem Elend, das er erleidet, zeigt sich noch die sorgende Hand des Vaters: Im Gegensatz zu den anderen Verurteilten werden Jesus nicht die Beine zertrĂĽmmert. Sein Leichnam bleibt nicht am Kreuz hängen und wird womöglich von wilden Tieren gefressen, wie es bei Gekreuzigten ĂĽblich war, sondern er wird vom Kreuz abgenommen und erhält eine Grabstätte. – Erkenne ich auch in den schwierigsten Zeiten meines Lebens noch die FĂĽrsorge Gottes? Vertraue ich darauf, dass er mich nie untergehen lassen wird, solange ich an ihm festhalte?

Gespräch mit Christus: Herr, nun hast du vollbracht, was der Vater dir aufgetragen hat. Nicht ein einziges Mal hast du deinen eigenen Willen dem seinen vorgezogen – noch nicht einmal, als es um Leben und Tod ging. Ich möchte dir darin ähnlich werden, auch wenn ich weiĂź, dass ich nur ein schwacher Mensch bin, und möchte meinerseits alles dazu beitragen, was möglich ist. FĂĽr alles andere vertraue ich auf deine Gnade.

Möglicher Vorsatz: Wenn ich das nächste Mal merke, dass Gott etwas von mir möchte, das mir von Natur aus widerstrebt, will ich ihm gehorchen und nicht meinen Eigenwillen ausleben.


Von Kana nach Kalvaria

31. März 2018

Karsamstag
Der Karsamstag ist ein stiller Tag, ohne liturgische Feier, an dem der Grabesruhe Christi gedacht wird. Nur die Tagzeiten werden gebetet. Die Auferstehungsmesse ist in der Osternacht.

Beate Scheilen


EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, deine Mutter hat bei deiner Passion mit gelitten. Sie hat in ihrer Seele alles ertragen, was auch du ertragen hast. Wir sind schuld am Tod ihres Sohnes, und trotzdem hat sie sich nicht von uns abgewendet, im Gegenteil: Kurz vor deinem Tod hast du sie uns allen zur Mutter gegeben und sie hat diese Aufgabe genauso angenommen wie damals den Auftrag, deine Mutter zu werden.

Bitte: Herr, ich danke dir, dass du mir nicht nur dein Leben, sondern auch deine Mutter gegeben hast! Bitte hilf mir, von ganzem Herzen ein Kind Marias zu werden.

1. Das Herz steht, der Rest geht. Werfen wir am heutigen Samstag einen Blick auf Maria. Wie muss es ihr dabei ergangen sein, die Passion ihres Sohnes mit zu verfolgen? Sicher sind ihr die Worte des Engels bei der VerkĂĽndigung wieder eingefallen: „Er wird groĂź sein… und ĂĽber das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen.“ Danach sieht es nun gerade nicht mehr aus. Maria hätte allen Grund gehabt zu denken, der Engel habe sie belogen und sie habe 33 Jahre ihres Lebens fĂĽr einen fĂĽrchterlichen Irrtum eingesetzt. Wenn jemand Anlass gehabt hätte, wegzulaufen, dann sie. Doch sie bleibt unter dem Kreuz stehen. Von den JĂĽngern Jesu ist nur Johannes dort. Die beiden Menschen, die Jesus vom Herzen her am nächsten sind, stehen dort. Die anderen sind fort – mögen sie vorher noch so groĂźe Reden geschwungen haben.

2. Worum geht es wirklich? â€žFrau, siehe dein Sohn“: Manche Bibelausleger deuten diese Stelle so, dass Jesus seine Mutter einfach gut untergebracht wissen wollte. Warum er das nicht beizeiten geregelt hat, wo er doch wusste, was ihn erwartete, erschlieĂźt sich allerdings nicht. AuĂźerdem gilt: In der Schrift steht all das, was zu unserem Heil notwendig ist und Gott darin aufgezeichnet haben wollte. (Es wird vom Lehramt der Kirche authentisch ausgelegt.) Und wenn im Evangelium noch nicht einmal erwähnt wird, wie Jesus ausgesehen hat - warum sollten dann ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Erlösungsgeschichte Wohnungsfragen abgehandelt und in der Heiligen Schrift festgehalten werden? Nein, dieser Satz hat eine andere und viel tiefere Bedeutung: Jesus vertraut in der Person des Johannes seiner Mutter die ganze Menschheit als ihre Kinder an!

3. Die schönste Hochzeit der Welt. Jesus spricht seine Mutter mit „Frau“ an – so wie damals bei der Hochzeit zu Kana, als alles begann. Auch hier wird ein ĂĽbernatĂĽrlicher Zusammenhang deutlich. Am Anfang seines Wirkens verwandelt Jesus auf Marias Bitte hin Wasser zu Wein, um das zeitliche Leben der Gäste zu verschönern; am Ende seines Lebens verwandelt er Wein in sein Blut, um uns das ewige Leben zu schenken! Maria stellt die Kirche dar, fĂĽr die Christus sich hingibt, indem er ihr alles schenkt, was er hat – bis hin zum letzten Blutstropfen. Dies hier ist SEINE Hochzeit: die mystische Hochzeit des Lammes mit seiner Braut, der Kirche. Die ĂĽbernatĂĽrlich gesehen schönste Hochzeit der Welt ereignete sich auf Kalvaria, mitten im aus menschlicher Sicht denkbar größten Elend! Am Leiden Jesu haben wir gestern gesehen, welche Auswirkungen die SĂĽnde hat. Und schon in dieser Nacht werden wir erkennen, was Gott daraus gemacht hat – aus Liebe zu uns!

Gespräch mit Christus: Jesus, dein Leben ist nicht denkbar ohne Maria. Sie hat dich nicht nur geboren und aufgezogen, sondern sie ist das weibliche Vorbild des neuen Menschen im Reich der Gnade. So ein Herz wie Maria möchte ich haben, damit ich immer enger mit dir verbunden sein kann.

Möglicher Vorsatz: Ich möchte heute eine Viertelstunde fĂĽr das Gespräch mit Maria reservieren und ihr in meinen eigenen Worten alles sagen, was mich bewegt.