Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 25. Februar 2018 bis 3. MĂ€rz 2018

Zweite Woche in der Fastenzeit

Eric Briemle

Der einmalige Weg mit JesusSonntag
Ein Herz wie das des VatersMontag
Jesus, der Meister meines LebensDienstag
Der ĂŒberraschende Weg JesuMittwoch
Die Entscheidung fĂŒr das Gute und das EwigeDonnerstag
Geschaffen, um Frucht zu bringenFreitag
Die FĂŒlle des Guten erkennenSamstag


Der einmalige Weg mit Jesus

25. Februar 2018

Zweiter Fastensonntag
„Reminiscere“

Hl. Walburga OSB, Äbtissin
Hl. Adeltrud OSB, Äbtissin
Hl. Luigi Versiglia SDB, Missionsbischof

Eric Briemle

Mk 9,2-10
In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und fĂŒhrte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann. Da erschien vor ihren Augen Elija und mit ihm Mose, und sie redeten mit Jesus. Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei HĂŒtten bauen, eine fĂŒr dich, eine fĂŒr Mose und eine fĂŒr Elija. Er wusste nĂ€mlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen. Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören. Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemand mehr bei sich außer Jesus. WĂ€hrend sie den Berg hinabstiegen, verbot er ihnen, irgendjemand zu erzĂ€hlen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei. Dieses Wort beschĂ€ftigte sie, und sie fragten einander, was das sei: von den Toten auferstehen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich nehme mir jetzt Zeit zur Begegnung mit dir, dem Meister und Herrn meines Lebens, meinem Freund. Ich möchte zuhören, verstehen und offen sein fĂŒr das, was du mir heute sagen möchtest.

Bitte: Herr, sende deinen Geist, der Leben schafft. Mehre meinen Glauben, damit ich dich als Zentrum meines Lebens erkenne. StĂ€rke mein Vertrauen in dich als allmĂ€chtigen und barmherzigen Vater, der besser weiß als ich, was ich brauche. ErfĂŒlle mich mit deiner ĂŒberfließenden Liebe, damit ich selbst immer mehr lieben kann, wie du geliebt hast: barmherzig und im Überfluss.

1. Petrus, so wie er ist. â€žEs ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei HĂŒtten bauen.” Hier haben wir ein gutes Argument fĂŒr die AuthentizitĂ€t des Neuen Testaments: Wie konsequent legt Petrus in allen Situationen der Evangelien den gleichen Charakter an den Tag: Zuerst reden und handeln, dann denken. War Petrus nicht ungeeignet, Apostel zu werden und dann sogar Oberhaupt der Kirche? Jesus hĂ€tte sicher jemanden berufen können, der in Situationen wie diesen eine passendere Reaktion an den Tag legt, wie z. B. „Rabbi, was geht hier vor, ich verstehe nicht. Kannst du mir das genau erklĂ€ren?“ Aber das soll uns gerade beruhigen und ermutigen: Es zeigt, dass Jesus auch mich nicht zu seinem JĂŒnger beruft, weil ich außerordentlich gut dafĂŒr geeignet wĂ€re, sondern mich persönlich, so wie ich bin, einlĂ€dt, diesen Weg und dieses Abenteuer mit ihm einzugehen.

2. Der Weg mit Jesus. â€žSo wie ich bin” bedeutet aber nicht „egal, wie ich bin”. Denn Gott hat Petrus bewusst erschaffen, Gott hat mich bewusst geschaffen. Und diese Schöpfung möchte Gott weiterfĂŒhren, zum neuen Menschen (2 Kor 5,17). Die SchwĂ€chen des Petrus verwandelt er, Gott, der immer weiter schöpferisch tĂ€tig ist, in StĂ€rke und grĂŒndet auf diesen Fels seine ganze Kirche. Die Einladung Jesu in seine Nachfolge ist weder eine Ehre, die man passiv empfĂ€ngt, noch eine Mitgliedschaft mit Sonderrechten, sondern ein Weg, ein Voranschreiten: ein Weg der schönen Erfahrungen, wie auf dem Berg Tabor, und ein Weg der schwierigen Erfahrungen, wie auf dem Ölberg und auf Golgota.

3. So viel Wunder auf einmal. Nach diesem Erlebnis war es den drei Aposteln sicher leichtgefallen, an die Gottheit Jesu zu glauben. Trotzdem kamen spĂ€ter in Getsemani und am Karfreitag wieder Zweifel und Ängste auf. In meinem Leben darf ich auch immer wieder durch Gottes klares Handeln seine Macht und NĂ€he erfahren, aber auch Zeiten der Dunkelheit und der Trockenheit. Doch was zĂ€hlt, ist die Gewissheit, dass er immer derselbe liebende Gott ist. Gott ist da.

GesprĂ€ch mit Christus: Danke, Herr, dass du auch mich als JĂŒnger in deine Nachfolge berufen hast! Hilf mir, mich in den schwierigen Zeiten an die lichtreichen Situationen, die Tabor-Zeiten in meinem Leben, zu erinnern. Hilf mir, mich auch gerade im Trott des Alltags daran zu erinnern, dass du, der AllmĂ€chtige, an unserer Seite bist und dass ich mein Leben auf dich ausrichte, dich in meinem Leben handeln lasse.

Möglicher Vorsatz: Mich heute ganz bewusst nicht auf die UnzulĂ€nglichkeiten meiner Mitmenschen konzentrieren, sondern mich ĂŒber ihre Einmaligkeit und StĂ€rken freuen.


Ein Herz wie das des Vaters

26. Februar 2018

Montag der zweiten Woche in der Fastenzeit
Hl. Mechthild, Reklusin
Hl. Ulrich Opraem, Probst
Hl. Hilarius, Bischof

Eric Briemle

Lk 6,36-38
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist! Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden. Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehĂ€uftem, ĂŒberfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich nehme mir jetzt Zeit zur Begegnung mit dir, dem Meister und Herrn meines Lebens, meinem Freund. Ich möchte zuhören, verstehen und offen sein fĂŒr das, was du mir heute sagen möchtest.

Bitte: Herr, sende deinen Geist, der Leben schafft. Mehre meinen Glauben, damit ich dich als Zentrum meines Lebens erkenne. StĂ€rke mein Vertrauen in dich als allmĂ€chtigen und barmherzigen Vater, der besser weiß als ich, was ich brauche. ErfĂŒlle mich mit deiner ĂŒberfließenden Liebe, damit ich selbst immer mehr lieben kann, wie du geliebt hast: barmherzig und im Überfluss.

1. â€žSeid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!“ Sehr oft in der Bibel stolpern wir ĂŒber das Wort „wie“. In den Gleichnissen, in SĂ€tzen wie „... wie ich euch geliebt habe“ und auch an dieser Stelle. Vor dem Handeln muss das „Wie“ verstanden werden. So ist der Auftrag Jesu „seid barmherzig“ zuerst ein Auftrag des Verstehens und nicht des Handelns. Verstehen hat in unserer bequemen, schnelllebigen und informationsĂŒberladenen Welt einen immer kleineren Stellenwert, weil es ein Stehenbleiben erfordert, weil es Mehrarbeit erfordert, weil dann einfache Pauschalisierungen nicht mehr möglich sind, sondern Dinge komplex werden und eine Tiefe erlangen. Jesu Auftrag hier lautet also nicht nur „sei barmherzig“, sondern auch und zuerst „verstehe in der Tiefe, wie der Vater barmherzig ist“. Unser erster Auftrag als Christen lautet, die Welt und Gottes Wort wie Maria in unserem Herzen zu betrachten. Dieses „Wie“ ist nie genug verstanden.

2. Der Überfluss Gottes. â€žIn reichem, vollem, gehĂ€uftem, ĂŒberfließendem Maß wird man euch beschenken“. Allein mit Blick auf die Natur, auf die kleinen Blumen und das ganze Universum, sieht man, wie Gott im Überfluss schenkt. Gottes Überfluss beschrĂ€nkt sich nicht nur auf die Natur, sondern wird noch deutlicher in seiner â€žĂŒberflĂŒssigen“ persönlichen Liebe zu den Menschen, in seinem â€žĂŒberflĂŒssigen“ Tod am Kreuz. Somit ist der Überfluss etwas zutiefst Christliches, im Ă€ußerlichen Überfluss, wie dem Barock, aber vor allem in der â€žĂŒberflĂŒssigen“ Hingabe an andere, einer Hingabe, die nicht ĂŒberlegt, ob es jetzt langsam genug ist. Nicht zu vergessen, es war gerade Judas, der die Verschwendung des teuren Nardenöls anmahnte und als ĂŒberflĂŒssig kritisierte.

3. â€žRichtet nicht.“ Die ErfĂŒllung dieses Auftrags macht einen echten Christen aus, jemand, der die barmherzige Liebe Gottes verstanden hat, diese Liebe, die, um uns Menschen nicht zu richten und trotzdem die Gerechtigkeit zu wahren, seinen einzigen Sohn in die Welt geschickt und geopfert hat.

GesprĂ€ch mit Christus: Noch verschwenderischer als mit Ă€ußeren Dingenmöchtest du, Gott, mein Herz mit inneren ReichtĂŒmern im Überfluss beschenken. Hilf mir, mich dafĂŒr zu öffnen und dann auch mich selbst hinzugeben, – wie du, im Überfluss an dich und meine Mitmenschen.

Möglicher Vorsatz: Ich will heute eine Situation im Umgang mit meinen Mitmenschen oder mit Gott ausfindig machen, bei der ich bisher nicht im Überfluss geschenkt habe und will etwas schenken, das ich lieber fĂŒr mich behalten wĂŒrde (Zeit, Materielles...).


Jesus, der Meister meines Lebens

27. Februar 2018

Dienstag der zweiten Woche in der Fastenzeit
Hl. Gregor von Narek, Kirchenlehrer
Hl. Markward OSB, Abt
Hl. Augustin Tchao u. GefÀhrten MÀrtyrer

Eric Briemle

Mt 23,1-12
In jener Zeit wandte sich Jesus an das Volk und an seine JĂŒnger und sagte: Die Schriftgelehrten und die PharisĂ€er haben sich auf den Stuhl des Mose gesetzt. Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen. Sie schnĂŒren schwere Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern, wollen selber aber keinen Finger rĂŒhren, um die Lasten zu tragen. Alles, was sie tun, tun sie nur, damit die Menschen es sehen: Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren GewĂ€ndern lang, bei jedem Festmahl möchten sie den Ehrenplatz und in der Synagoge die vordersten Sitze haben, und auf den Straßen und PlĂ€tzen lassen sie sich gern grĂŒĂŸen und von den Leuten Rabbi - Meister – nennen. Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid BrĂŒder. Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel. Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen; denn nur einer ist euer Lehrer, Christus. Der GrĂ¶ĂŸte von euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich nehme mir jetzt Zeit zur Begegnung mit dir, dem Meister und Herrn meines Lebens, meinem Freund. Ich möchte zuhören, verstehen und offen sein fĂŒr das, was du mir heute sagen möchtest.

Bitte: Herr, sende deinen Geist, der Leben schafft. Mehre meinen Glauben, damit ich dich als Zentrum meines Lebens erkenne. StĂ€rke mein Vertrauen in dich als allmĂ€chtigen und barmherzigen Vater, der besser weiß als ich, was ich brauche. ErfĂŒlle mich mit deiner ĂŒberfließenden Liebe, damit ich selbst immer mehr lieben kann, wie du geliebt hast: barmherzig und im Überfluss.

1. Wahre Vorbilder. â€žTut, was sie sagen, aber nicht, was sie tun“. Vorbildlich lebende Christen im eigenen Umfeld können ein großer Ansporn und eine große Hilfe sein. Umso grĂ¶ĂŸer ist der Skandal, wenn Menschen, die als Vorbilder auftreten, Fehler und Makel aufweisen. Jesus sagt uns vorweg, dass niemand auf Erden als wahrer Meister gelten darf. Diese Aussage ist fĂŒr das Christsein zentral. Hieraus folgt zum Beispiel, dass die Heiligen, die die Kirche uns nach ausfĂŒhrlicher PrĂŒfung als Vorbilder im Glauben prĂ€sentiert, nicht als Meister des geistlichen Lebens zu sehen sind, die eins zu eins nachzuahmen wĂ€ren, sondern als Vorbilder und Inspiration dafĂŒr, wie sie Jesus als einzigen wahren Meister in ihrem Leben haben wirken lassen und ihren einzigartigen Weg mit ihm gegangen sind.

2. Kirche sein. Aus Jesu Aussage folgt auch, was Kirche wirklich bedeutet: gemeinsam auf den Meister zu hören und Raum zu schaffen fĂŒr die Begegnung mit dem Meister, kein blinder, wenn auch gut gemeinter Aktivismus oder reine life-coaching VortrĂ€ge. Vielleicht folgt hieraus, dass RatschlĂ€ge an Mitmenschen nicht meisterhafte, absolute sein sollten, sondern vielmehr eine Einladung, offene Fragen vor den Herrn selbst zu bringen, im Wort Gottes nach Antworten zu suchen. Christsein bedeutet nach Jesu Wort somit auch, nicht die UnzulĂ€nglichkeiten der Mitchristen als Ausrede fĂŒr die eigene MittelmĂ€ĂŸigkeit zu missbrauchen, sondern die Augen auf ihn gerichtet zu halten, um den eigenen, einmaligen Weg mit ihm zu gehen.

3. â€žAlles tun sie nur, damit die Menschen es sehen.“ Es ist eine immer neue Herausforderung, reine Absichten zu bewahren. Bei den PharisĂ€ern hat sich die Eitelkeit in eine eigentlich tugendhafte Handlung, die des Gebets, eingeschlichen. Oft kann sich der Egoismus auch in andere, sehr tugendhafte Handlungen einschleichen. Das können zum Beispiel die (sehr wichtigen) GlaubensgesprĂ€che mit weniger glĂ€ubigen Mitmenschen sein: wodurch die eigentliche Absicht, also die NĂ€chstenliebe und die Hingabe, fast unmerklich ersetzt werden kann: durch die Freude, Recht zu haben, es besser zu wissen, ohne echtes Zuhören, ohne Aufeinander-Eingehen und ohne VerstĂ€ndnis. ÜberprĂŒfe ich regelmĂ€ĂŸig in einer Gewissenserforschung auch die Absicht, die meinen Handlungen zugrunde liegt?

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, schenke mir Vorbilder und Begleiter, wo ich sie brauche, hilf mir aber immer, dich als einzigen, wahren Meister und Lehrer vor Augen zu haben. Hilf mir, selbst authentisch zu leben, um nicht zum Stein des Anstoßes fĂŒr andere zu werden, sondern ein Helfer fĂŒr sie zu sein, damit sie dich kennen lernen dĂŒrfen.

Möglicher Vorsatz: Im GesprĂ€ch mit meinen Mitmenschen werde ich heute noch einmal ganz bewusst mein Herz und meine Absicht darauf ausrichten, dem anderen Gutes zu wollen, ihn verstehen zu wollen.


Der ĂŒberraschende Weg

28. Februar 2018

Mittwoch der zweiten Woche in der Fastenzeit
Hl. Silvana, MĂ€rtyrerin
Hl. Oswald v. York, Erzbischof
Hl. Antonia v. Florenz OSCI, Oberin

Eric Briemle

Mt 20,17-28
In jener Zeit, als Jesus nach Jerusalem hinaufzog, nahm er unterwegs die zwölf JĂŒnger beiseite und sagte zu ihnen: Wir gehen jetzt nach Jerusalem hinauf; dort wird der Menschensohn den Hohenpriestern und Schriftgelehrten ausgeliefert; sie werden ihn zum Tod verurteilen und den Heiden ĂŒbergeben, damit er verspottet, gegeißelt und gekreuzigt wird; aber am dritten Tag wird er auferstehen. Damals kam die Frau des ZebedĂ€us mit ihren Söhnen zu Jesus und fiel vor ihm nieder, weil sie ihn um etwas bitten wollte. Er fragte sie: Was willst du? Sie antwortete: Versprich, dass meine beiden Söhne in deinem Reich rechts und links neben dir sitzen dĂŒrfen. Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? Sie sagten zu ihm: Wir können es. Da antwortete er ihnen: Ihr werdet meinen Kelch trinken; doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, fĂŒr die mein Vater diese PlĂ€tze bestimmt hat. Als die zehn anderen JĂŒnger das hörten, wurden sie sehr Ă€rgerlich ĂŒber die beiden BrĂŒder. Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker unterdrĂŒcken und die MĂ€chtigen ihre Macht ĂŒber die Menschen missbrauchen. Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld fĂŒr viele.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich nehme mir jetzt Zeit zur Begegnung mit dir, dem Meister und Herrn meines Lebens, meinem Freund. Ich möchte zuhören, verstehen und offen sein fĂŒr das, was du mir heute sagen möchtest.

Bitte: Herr, sende deinen Geist, der Leben schafft. Mehre meinen Glauben, damit ich dich als Zentrum meines Lebens erkenne. StĂ€rke mein Vertrauen in dich als allmĂ€chtigen und barmherzigen Vater, der besser weiß als ich, was ich brauche. ErfĂŒlle mich mit deiner ĂŒberfließenden Liebe, damit ich selbst immer mehr lieben kann, wie du geliebt hast: barmherzig und im Überfluss.

1. â€žIhr wisst nicht, um was ihr bittet.“ Nicht nur als Kinder wissen wir oft nicht, was wir wirklich benötigen, sodass wir in diesem Sinne immer Kinder vor dem Herrn bleiben. Umso besser, dass wir einen Herrn haben, der weiß, was gut ist. Er weiß es und möchte uns beschenken. Viele Geschenke kann uns Gott aber nur dann geben, wenn wir bereit sind, sie anzunehmen, ja, sie ĂŒberhaupt wahrzunehmen. Entspricht meine Gebetshaltung dem Wort Jesu: „Ihr wisst nicht, worum ihr bittet.”? Oder komme ich zu Gott nur mit konkreten Bitten, ohne erst im Gebet geklĂ€rt zu haben, worum ich bitten sollte, ohne Offenheit dafĂŒr, dass er vielleicht etwas Anderes möchte, etwas Besseres?

2. â€žIhr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke?“ FĂŒr Jesus ist mit der Bitte, nah bei ihm zu sein, auch das Trinken seines Kelches direkt verbunden. Was bedeutet das fĂŒr jeden Christen? Wie jede wahre Beziehung und Freundschaft im Laufe der Zeit noch inniger wird, so wird auch das Christsein zu einer immer engeren Beziehung mit Jesus Christus, und, wie Jesus hier im Evangelium unmissverstĂ€ndlich sagt, konsequenterweise zu einer Teilnahme an seinem Weg und an seinem Kelch. Wie Jesu Leidensweg schon den Messias-Vorstellungen seiner Zeit widersprach, so widerspricht auch der Weg in seiner Nachfolge den Vorstellungen von einer kuscheligen, romantischen Heiligkeit, die jedwede Schwierigkeit, Herausforderung und Ablehnung als ein Abkommen vom Weg interpretiert. Vielmehr kann Leid ein Zeichen der besonderen Verbundenheit mit Jesus sein.

3. â€žWer groß sein will, der soll euer Diener sein“. Gott gibt jeden Tag so viele Gelegenheiten, dieses Wort zu leben, dass ich nicht auf eine „besondere“ Gelegenheit an einem „besonderen“ Tag warten muss. Um meinen Glauben zu leben, um in seine Fußstapfen zu treten und den Weg des demĂŒtigenden Dienens zu gehen, muss ich nur aufmerksam sein.

GesprĂ€ch mit Christus: Hilf mir, Herr, wie die heilige Theresia von Lisieux dich und deine Nachfolge nicht im MĂ€rtyrertod in einem fernen Land zu suchen, sondern heute, im Hier und Jetzt, im GeschirrspĂŒlen und AufrĂ€umen, im LĂ€cheln und Zuhören gegenĂŒber meinen Mitmenschen.

Möglicher Vorsatz: Heute ganz bewusst versuchen, die kleinen, vielleicht mĂŒhseligen Aufgaben des Alltags mit Liebe und im Geist des Dienens zu leben, sie als ErfĂŒllung des Christseins zu sehen.


Die Entscheidung fĂŒr das Gute und das Ewige

1. MĂ€rz 2018

Donnerstag der zweiten Woche in der Fastenzeit
Hl. David von Menevia, Einsiedler und Bischof
Hl. Albin OSB, Bischof
Hl. Roger, Erzbischof

Eric Briemle

Lk 16,19-31
In jener Zeit sprach Jesus: Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag fĂŒr Tag herrlich und in Freuden lebte. Vor der TĂŒr des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller GeschwĂŒre war. Er hĂ€tte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen GeschwĂŒren. Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß. Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir, und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kĂŒhlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer. Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafĂŒr getröstet, du aber musst leiden. Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unĂŒberwindlicher Abgrund, so dass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte. Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters! Denn ich habe noch fĂŒnf BrĂŒder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen. Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören. Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren. Darauf sagte Abraham: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht ĂŒberzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich nehme mir jetzt Zeit zur Begegnung mit dir, dem Meister und Herrn meines Lebens, meinem Freund. Ich möchte zuhören, verstehen und offen sein fĂŒr das, was du mir heute sagen möchtest.

Bitte: Herr, sende deinen Geist, der Leben schafft. Mehre meinen Glauben, damit ich dich als Zentrum meines Lebens erkenne. StĂ€rke mein Vertrauen in dich als allmĂ€chtigen und barmherzigen Vater, der besser weiß als ich, was ich brauche. ErfĂŒlle mich mit deiner ĂŒberfließenden Liebe, damit ich selbst immer mehr lieben kann, wie du geliebt hast: barmherzig und im Überfluss.

1. Es steht viel auf dem Spiel. Es steht viel auf dem Spiel, diese Bibelstelle erinnert uns wieder daran; eine RealitĂ€t, die im Alltag einer materialistischen Welt oft vergessen ist; eine RealitĂ€t, die uns vermutlich aber auch vor Angst lĂ€hmen wĂŒrde, wenn wir sie zu jeder Zeit in vollem Umfang begreifen wĂŒrden und vor Augen hĂ€tten. Es ist eine RealitĂ€t, die Gott selber dazu veranlasst hat, Mensch zu werden und einen grausamen Tod am Kreuz auf sich zu nehmen, um durch seine Auferstehung genau diesen Tod zu besiegen. Somit weicht der erdrĂŒckenden RealitĂ€t des Todes, welche man am liebsten verdrĂ€ngen und vergessen wĂŒrde, die viel grĂ¶ĂŸere RealitĂ€t, dass Gott uns fĂŒr die Ewigkeit mit ihm geschaffen hat, selbst alles gegeben hat, um uns den Weg dorthin zu ermöglichen und als Auferstandener immer an unserer Seite ist.

2. â€žDenk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast.“ In der Moralphilosophie wird oft betont, dass jede menschliche Entscheidung eine Entscheidung fĂŒr etwas Gutes ist. Eine schlechte Entscheidung ist somit primĂ€r keine Entscheidung fĂŒr etwas Schlechtes, sondern fĂŒr ein kleineres Gut auf Kosten eines grĂ¶ĂŸeren Gutes. Die Freuden, die der reiche Mann genießen durfte, waren nicht moralisch verwerflich. Aber sie sind nicht das höchste Gut. Das hatte er anscheinend aus den Augen verloren. Wenn manche kleinen GĂŒter dieser Welt (Politik, Sport, Karriere, Haus, ĂŒppiges Leben) uns zu sehr von den großen GĂŒtern (Gott und das ewige Leben) ablenken, dann ist es wichtig, den grĂ¶ĂŸeren GĂŒtern mehr Raum zu schenken, wenn nötig, auf Kosten der kleineren GĂŒter. Findet mein geistiges Leben im Alltag genug Raum? Bilde ich mich in der christlichen SpiritualitĂ€t weiter? Oder kĂŒmmere ich mich mehr um andere Dinge?

3. â€žSelbst wenn einer von den Toten kommt.“ Jesus sagt, dass fĂŒr jemanden, der nicht auf die Propheten hört, nicht einmal das spektakulĂ€rste Wunder, eine Auferstehung von den Toten, ausreicht. Es sind also nicht Wunder allein, durch die Gott zu den Menschen spricht. Wodurch noch? Haben sie sich vielleicht der Stimme Gottes verschlossen, der Stimme der Wahrheit und des Guten, die durch die Propheten und Jesus sprechen? Worauf grĂŒndet meine Beziehung mit Gott? Auf die großen, beeindruckenden Wunder, die ich erlebt habe, oder auf Dankbarkeit und Vertrauen in Gott als Vater?

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, hilf mir, dich in meinem Leben an die erste Stelle zu setzen. Nimm weg, was mich hindert zu dir. Das Gleiche erbitte ich auch fĂŒr die Menschen, die du mir anvertraut hast, die Menschen in meinem Umfeld, dass wir alle wie Lazarus die ewige Freude mit dir teilen dĂŒrfen.

Möglicher Vorsatz: Den höheren GĂŒtern bewusst Platz und Zeit einrĂ€umen – auch oder gerade auf Kosten der niederen GĂŒter.


Geschaffen, um Frucht zu bringen

2. MĂ€rz 2018

Freitag der zweiten Woche in der Fastenzeit
Hl. Karl der Gute, MĂ€rtyrer
Hl. Agnes von Böhmen OSCI, Äbtissin
Sel. P. Engelmar Unzeitig CMM

Eric Briemle

Mt 21,33-43.45-46
In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes: Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land. Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seinen Anteil an den FrĂŒchten holen zu lassen. Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prĂŒgelten sie, den andern brachten sie um, einen dritten steinigten sie. Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso. Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um. Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun? Sie sagten zu ihm: Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die FrĂŒchte abliefern, wenn es Zeit dafĂŒr ist. Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder? Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die erwarteten FrĂŒchte bringt. Als die Hohenpriester und die PharisĂ€er seine Gleichnisse hörten, merkten sie, dass er von ihnen sprach. Sie hĂ€tten ihn gern verhaften lassen; aber sie fĂŒrchteten sich vor den Leuten, weil alle ihn fĂŒr einen Propheten hielten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich nehme mir jetzt Zeit zur Begegnung mit dir, dem Meister und Herrn meines Lebens, meinem Freund. Ich möchte zuhören, verstehen und offen sein fĂŒr das, was du mir heute sagen möchtest.

Bitte: Herr, sende deinen Geist, der Leben schafft. Mehre meinen Glauben, damit ich dich als Zentrum meines Lebens erkenne. StĂ€rke mein Vertrauen in dich als allmĂ€chtigen und barmherzigen Vater, der besser weiß als ich, was ich brauche. ErfĂŒlle mich mit deiner ĂŒberfließenden Liebe, damit ich selbst immer mehr lieben kann, wie du geliebt hast: barmherzig und im Überfluss.

1. â€žEr hob einen Weinberg aus.“ In diesem Gleichnis ist es Gott, der den Weinberg anlegt. Er ist schöpferisch tĂ€tig, das gehört zu den Eigenschaften unseres Gottes. Dieser schöpferische Geist und diese Sehnsucht stecken auch zutiefst im Menschen als Abbild Gottes, der sich nicht damit zufriedengibt, einfach zu funktionieren, am besten nichts falsch zu machen - das unterdrĂŒckende Ideal so mancher Gesellschaft. FĂŒr diesen schöpferischen Geist im Menschen sprechen zum Beispiel die tausenden Regale voller BĂŒcher und alles, worin der Mensch Kultur schaffend tĂ€tig ist, in Familie und Gesellschaft, Beruf und Freizeit, in Kunst und Literatur, Welt und Religion. Eines der bekanntesten Gebete in der Kirche ist das „Veni, Creator Spiritus“, „Komm, Schöpfer Geist“, die Bitte, dass der schöpferische Geist Gottes in uns weiter schöpferisch tĂ€tig sei. Lasse ich diesen schöpferischen Geist in mein Leben? Handle ich selbst als Abbild dieses Gottes, oder begnĂŒge ich mich damit, durch den Tag zu kommen, zu funktionieren?

2. Der anvertraute Weinberg. Wie oft leben wir auf dieser Welt, als ob sie, inklusive unseres Lebens, unser Eigentum wĂ€re. Wir denken, es mache uns frei, „Besitzer“ zu sein und Gott wolle uns die Freiheit nehmen. Doch es ist ganz anders. Wir werden unfrei, wenn wir die Schöpfung als unser Eigentum ansehen. So entsteht Leistungsdruck (weil ich meinen Weinberg vergrĂ¶ĂŸern muss, mich bereichern muss, mich verteidigen muss, einen besseren Weinberg haben muss als die anderen
). Doch wenn wir erkennen, dass unser Leben (unser Weinberg) ein Geschenk ist, das wir verwalten dĂŒrfen, mit dem wir wirtschaften dĂŒrfen, um gute FrĂŒchte hervorzubringen, wenn wir erkennen, dass Gott uns vertraut und unseren persönlichen und freien Beitrag ersehnt, dann macht uns das frei.

3. Geschaffen, um Frucht zu bringen. Warum reagierten die Winzer so negativ, als die Knechte kamen? Vermutlich weil sie keine FrĂŒchte hatten oder weil sie sie fĂŒr sich behalten wollten. Es gibt zwei Dinge im Leben, die uns unglĂŒcklich machen: Nicht nach Gottes Plan zu wirtschaften und einfach unsere eigenen PlĂ€ne und WĂŒnsche durchzusetzen oder ein Leben im Egoismus zu leben, denn FrĂŒchte, die wir nicht schenken, vergiften uns mit der Zeit. Wir sind fĂŒr die Hingabe geschaffen. Warum haben wir so oft Angst davor, dass Gott FrĂŒchte von uns einfordert? Was fĂŒr ein falsches Gottesbild steckt dahinter? Gott will FrĂŒchte von uns, nicht etwa weil er sich an uns bereichern will, sondern weil er will, dass wir leben (vgl. Joh 10,10). Wenn wir so wirtschaften, wie er es uns aufgetragen hat, wird das FrĂŒchte bringen. Unser Weinberg ist dafĂŒr gemacht, FrĂŒchte zu bringen - FrĂŒchte der Liebe, der Freude, des Friedens. Wenn Gott FrĂŒchte von uns fordert, dann kann man daran seine große Sehnsucht erkennen, uns ein Leben in FĂŒlle zu schenken.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, ich möchte heute zusammen mit dir auf deinen mir anvertrauten Weinberg schauen. Wie siehst du mein Leben? Welche PlĂ€ne hast du mit mir? Wie kann ich aus meinem Leben wirklich das machen, wozu es bestimmt ist?

Möglicher Vorsatz: Ich will heute bewusst versuchen, in die Ewigkeit zu investieren. Wie kann ich heute so leben, dass dieser Tag bedeutungsvoll wird? Vielleicht, indem ich eine ĂŒberfĂ€llige Arbeit, die ich abgeben muss, erledige.


Die FĂŒlle des Guten erkennen

3. Februar 2018

Samstag der zweiten Woche in der Fastenzeit
Hl. Kunigunde, Gemahlin Kaiser Heinrichs II.
Hl. Islav, Bischof von Island
Hl. Friedrich v. Hallum Opraem, Abt

Eric Briemle

Lk 15,1-3.11-32
In jener Zeit kamen alle Zöllner und SĂŒnder zu Jesus, um ihn zu hören. Die PharisĂ€er und die Schriftgelehrten empörten sich darĂŒber und sagten: Er gibt sich mit SĂŒndern ab und isst sogar mit ihnen. Da erzĂ€hlte er ihnen ein Gleichnis und sagte: Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jĂŒngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf. Nach wenigen Tagen packte der jĂŒngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort fĂŒhrte er ein zĂŒgelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot ĂŒber das Land, und es ging ihm sehr schlecht. Da ging er zu einem BĂŒrger des Landes und drĂ€ngte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum SchweinehĂŒten. Er hĂ€tte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um. Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versĂŒndigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner. Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und kĂŒsste ihn. Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versĂŒndigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern. Sein Ă€lterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die NĂ€he des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du fĂŒr ihn das Mastkalb geschlachtet. Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt mĂŒssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich nehme mir jetzt Zeit zur Begegnung mit dir, dem Meister und Herrn meines Lebens, meinem Freund. Ich möchte zuhören, verstehen und offen sein fĂŒr das, was du mir heute sagen möchtest.

Bitte: Herr, sende deinen Geist, der Leben schafft. Mehre meinen Glauben, damit ich dich als Zentrum meines Lebens erkenne. StĂ€rke mein Vertrauen in dich als allmĂ€chtigen und barmherzigen Vater, der besser weiß als ich, was ich brauche. ErfĂŒlle mich mit deiner ĂŒberfließenden Liebe, damit ich selbst immer mehr lieben kann, wie du geliebt hast: barmherzig und im Überfluss.

1. Der jĂŒngere Sohn, der „Liberale“. Das Gleichnis von den Dreien: Papst Benedikt hat einmal bemerkt, dass der Name „Gleichnis vom verlorenen Sohn“ unangebracht sei, da Jesus auch die Reaktion des zweiten Sohnes thematisiere. Insgesamt sind es drei Protagonisten im Gleichnis – der Vater und die beiden Söhne – deren Verhalten Jesus uns vor Augen fĂŒhren möchte. Die beiden Söhne wirken in ihrem Verhalten sehr unterschiedlich, aber sie sind sich doch insofern sehr Ă€hnlich, dass sie das Gute ĂŒbersehen. Die Einstellung beider Söhne können wir auch in uns wiederfinden.Der jĂŒngere Sohn, der „Liberale“: Warum verlĂ€sst der Sohn das Haus? Er hat nicht verstanden, was wirklich gut ist. Er ĂŒbersieht das Gute in seinem Vater und im Haus, in dem er wohnen darf, er ĂŒbersieht die Liebe des Vaters und stellt die tief verletzende Bitte, sein Erbe zu erhalten, eine Bitte, die so viel bedeutet wie die Aussage: „Ich wĂŒnschte, du wĂ€rst schon tot.“ Er verlĂ€sst das Haus seines Vaters, in dem er selbst viel Gutes erfahren hatte. Er begibt sich auf die Suche nach Freiheit und Freude, aber ohne weise zu sein, also zu wissen, was wirklich gut ist. In seiner NaivitĂ€t lebt er gegen die Weisheit und erntet damit die entsprechenden FrĂŒchte: Leere und Schmutz. Bin ich vielleicht auch oft ĂŒberzeugt, bereits zu wissen, was gut ist, oder bin ich immer neu auf der Suche danach, nach einem tieferen Verstehen? Habe ich den Mut, bei dieser Suche Richtungswechsel zu akzeptieren? Bitte ich den Heiligen Geist um die Gabe der Weisheit, um das wahre Gut zu erkennen?

2. Der Ă€ltere Sohn, der „Konservative“. Der Ă€ltere Sohn verlĂ€sst das Haus des Vaters nicht; wohl nicht aus Tugend, sondern vielleicht eher wegen eines passiveren Temperaments, weil er Freude daran hat, brav zu sein. Er weiß vielleicht sogar, dass es besser ist, so etwas nicht zu tun, aber gibt sich damit bereits zufrieden, nicht so schlimm zu sein wie die Menschen, mit denen sich sein Bruder herumtreibt. Auch er ĂŒbersieht das Gute; was offenbar wird, als er sich bei seinem Vater beschwert: „Nie hast du mir gegeben...“. Im Kontext des zweiten Sohnes lassen sich die obigen Fragen noch einmal wiederholen: Gebe ich mich oft damit zufrieden, einigermaßen gut zu sein, das Gute – zum Beispiel meinen Glauben und meine Werte – halbwegs verstanden zu haben, oder habe ich meine Augen weit offen und bin aufmerksam fĂŒr das Gute, fĂŒr das Festmahl, das Gott mit schenken möchte, fĂŒr die Tiefe, zu der Gott noch einlĂ€dt.

3. Zeugen des Lebens in FĂŒlle. Vielleicht hat der jĂŒngere Sohn gerade wegen des Ă€lteren die Entscheidung gefĂ€llt, das Haus des Vaters zu verlassen. „Dieses Brav-Sein meines Bruders kann nicht die FĂŒlle des Lebens sein”. Bin ich als Christ Zeuge des Lebens in FĂŒlle, der ĂŒbersprudelnden FĂŒlle, die der Vater in seinem Haus schenkt, oder bin ich vielleicht eher Zeuge des Bravseins und reduziere das Christsein auf ethische Fragen und auf Pflichten, darauf, dass Christsein darin bestehen soll, das Haus des Vaters nicht durch irgendwelche groben SĂŒnden zu verlassen? Gott Vater lĂ€dt mich zur FĂŒlle des Lebens ein. Wenn ich diese FĂŒlle in mein Leben lasse, wird sie automatisch ĂŒbersprudeln und andere auf dieses Leben neugierig machen.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, du bist Mensch geworden, damit ich deinen Vater auch meinen Vater nennen und in seinem Haus wohnen darf. Öffne meine Augen fĂŒr die Liebe des Vaters, fĂŒr die Schönheit und FĂŒlle, die er mir schenken möchte. 

Möglicher Vorsatz: Im GesprĂ€ch mit meinen Mitmenschen heute nicht kontroverse Themen thematisieren, sondern die FĂŒlle des Lebens, die FĂŒlle des Christseins.