Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 11. Februar 2018 bis Samstag 17. Februar 2018

Sechste Woche im Jahreskreis

P. Daniel Weber LC und P. Thomas Fox LC

Jesus hat ZeitSonntag
Die Zweifler zu BesuchMontag
Sorgen trotz Jesu?Dienstag
Vom SprechfastenMittwoch
Im Zeichen des KreuzesDonnerstag
Wie tut man ein gutes Werk?Freitag
Ich glaube an die heilige KircheSamstag


Jesus hat Zeit

11. Februar 2018

Sechster Sonntag im Jahreskreis
Gedenktag Unserer Lieben Frau von Lourdes
Hl. Anselm Opraem, Abt
Theodor Babilon

P. Daniel Weber LC

Mk 1,40-45
In jener Zeit kam ein AussĂ€tziger zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde. Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berĂŒhrte ihn und sagte: Ich will es - werde rein! Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz, und der Mann war rein. Jesus schickte ihn weg und schĂ€rfte ihm ein: Nimm dich in acht! ErzĂ€hl niemand etwas davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Reinigungsopfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll fĂŒr sie ein Beweis meiner Gesetzestreue sein. Der Mann aber ging weg und erzĂ€hlte bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die ganze Geschichte, so dass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte; er hielt sich nur noch außerhalb der StĂ€dte an einsamen Orten auf. Dennoch kamen die Leute von ĂŒberallher zu ihm.

EinfĂŒhrendes Gebet: Lieber Gott, ich trete vor dich hin. Bereite mein Herz, dass ich mich dir öffnen kann und dein Wort verstehe.

Bitte: Mach mein Herz ein bisschen wie deines.

1. Jesus nimmt sich Zeit und hört zu. Aussatz ist eine schlimme Krankheit und zur Zeit Jesu war sie unheilbar. Ein Mensch, der mit Aussatz geschlagen ist, kommt zu Jesus. Jesus lĂ€sst sich finden, er ist da, nimmt sich Zeit. Er ist so anders als viele Ärzte unserer Zeit und vielleicht auch der damaligen. Er hat keine Angst vor dieser schlimmen Krankheit. Was fĂŒr einen tollen Gott haben wir! Er hört zu – ist er denn nicht allwissend, allmĂ€chtig? Aber er hört dem Kranken zu, weil das sonst niemand tut. Es kommt keine Sprechstundenhilfe und „parkt“ den Patienten in Zimmer 2, nachdem er schon 2 Stunden im Wartezimmer gesessen hat. Diese Begegnung ist fĂŒr Jesus „Chefsache“. Jesus ist ein Gott, der sich finden lĂ€sst und zuhört. Denken wir daran, wenn jemand uns etwas erzĂ€hlen will, aber wir keine Lust, keine Zeit oder keine Ruhe haben, ihm zuzuhören.

2. Jesus, der Arzt. Jesus hört dem Mann zu, und in seinem Herzen regt sich Mitleid. Eine kurze Frage und Jesus heilt. Stellen Sie sich einmal vor, dass sich im Herz Gottes Mitleid regt! Das sagt viel ĂŒber die Liebe Gottes aus. Er fĂŒhlt mit uns und unsere Leiden sind ihm nicht gleichgĂŒltig. Wir haben einen Gott, der sich Zeit nimmt, zuhört und MitgefĂŒhl zeigt. Der Kranke war sicher unglaublich dankbar und froh darĂŒber, von dieser schlimmen Krankheit geheilt zu sein. Aber die Begegnung mit Gott heilt nicht nur unseren Körper, sondern auch unsere Seele. Diese Heilung brachte den AussĂ€tzigen buchstĂ€blich nĂ€her zu Gott. Dass er sich dann nicht an Jesu Anweisungen hielt, steht auf einem anderen Blatt. Christus will auch uns heilen, besonders den inneren, geistlichen Menschen in uns, eben unsere Seele.

3. Ein Held ohne StarallĂŒren. Manchmal denken wir, wenn wir beten: Hört Gott unser Gebet ĂŒberhaupt? LĂ€uft denn der göttliche Anrufbeantworter nicht schon ĂŒber von den ganzen Gebeten der Christenheit? Hört ĂŒberhaupt jemand mein kleines Gebet, was ich spreche? In diesem Evangelium haben wir gesehen, dass Christus uns sehr wohl zuhört. Unser Elend berĂŒhrt sogar sein Herz. Jesus heilt, und das ohne StarallĂŒren; er macht keine Show aus der Heilung. Er will nichts fĂŒr die Heilung. Nur den erneuerten Glauben und eine wiederentzĂŒndete Liebe fĂŒr Gott. Ja, wir dĂŒrfen uns Gott nĂ€hern, ohne Vorbehalte. Vielleicht wĂ€re das sogar ein toller Vorsatz fĂŒr die Fastenzeit.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus ich danke dir, dass du uns Menschen nicht vergisst, du kommst zu uns, hörst uns zu und heilst. Ich danke dir dafĂŒr. Gib mir ein Herz, das auch die Not der anderen sieht und anpackt und zuhört.

Möglicher Vorsatz: Vielleicht habe ich heute die Möglichkeit, wie Jesus zuzuhören, oder Mitleid zu haben oder auch anzupacken und meinen Mitmenschen zu „heilen“.


Die Zweifler zu Besuch

12. Februar 2018

Montag der sechsten Woche im Jahreskreis
Rosenmontag
Hl. Gregor II
Hl. Benedikt von Aniane OSB
Hl. José Olallo Valdés OH, Priester, Arzt

P. Daniel Weber LC

Mk 8,11-13
In jener Zeit kamen die PharisĂ€er und begannen ein StreitgesprĂ€ch mit Jesus; sie forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel, um ihn auf die Probe zu stellen. Da seufzte er tief auf und sagte: Was fordert diese Generation ein Zeichen? Amen, das sage ich euch: Dieser Generation wird niemals ein Zeichen gegeben werden. Und er verließ sie, stieg in das Boot und fuhr ans andere Ufer.

EinfĂŒhrendes Gebet: Guter Jesus, ich bete dich an. Ich werde dein Wort lesen und ich werde dir folgen.

Bitte: Lieber Gott, nimm dieses Gebet von mir an. Manchmal zweifle ich auch, aber ich weiß, du bist der einzige, der mich nie enttĂ€uscht und der sein Wort hĂ€lt.

1. Die Zweifler. Ja, die ewigen Zweifler. Die Spötter, die uns wegen unseres Glaubens belĂ€cheln und verspotten, tun uns weh. Die Zweifler aber sind echt penetrant, weil man sie nie zufrieden stellen kann. Wenn Sie die Heilige Schrift aufschlagen und den vorherigen Text (Markus 8, 1 -10) lesen, sehen Sie, dass Jesus gerade 4000 Menschen gespeist hat – und das ohne einen Lehrgang im Catering. Es war ein Wunder. Aber das ist nicht gut genug fĂŒr die PharisĂ€er, sie brauchen ein Zeichen. LĂ€cherlich, nicht wahr? Tragen wir manchmal auch falsche Erwartungen an Gott heran? Erwarten wir etwas von ihm, was uns nicht guttut? Oder lieben wir ihn einfach so?

2. Jesus seufzt. Die PharisĂ€er sind schon ein bisschen respektlos. Jemanden so an die Wand zu spielen, ihn fĂŒr einen Scharlatan zu halten, obwohl er so oft das Gegenteil bewiesen hat. Jesus seufzt. Er ist so menschlich, er setzt sich nicht eine Maske auf, er seufzt und alle hören es. Er ist ja nicht nur ein Politiker, bei dem ein besorgter BĂŒrger seine Bedenken vorbringt. Nein, er ist der Schöpfer des Himmels und der Erde, und doch lĂ€sst er es ĂŒber sich ergehen. Jesus ist nicht eitel. Er muss sich nicht rechtfertigen. Warum auch? Wer sind denn diese PharisĂ€er ĂŒberhaupt? Aber er ist nicht aus Stein, und er seufzt. Danke Jesus, dass du uns Einblick in dein Herz gewĂ€hrst und dich auch einmal so fĂŒhlst wie ich!

3. Gutes tun, ist gar nicht so einfach. Vielleicht kennen Sie das aus Ihrem eigenen Leben. Man tut etwas Gutes, und die Leute verstehen es nicht. Aber man soll dann nicht aufgeben, das Gute zu tun. In solchen Momenten muss man sich an den wahren Grund unserer Taten erinnern. Einen schönen Grund haben wir, wenn wir sie aus Liebe zu Gott tun. Gott versteht unser Herz, auch wenn die Leute mit dem Kopf schĂŒtteln. Ihm ist es auch oft so gegangen. Er hat auch das UnverstĂ€ndnis der Zweifler gespĂŒrt, aber er hat nicht aufgegeben und ist nicht gleich in den Himmel zurĂŒckgefahren, sondern hat seine Mission erfĂŒllt. Lieber Leser, vielen Dank fĂŒr Ihre guten Taten! Machen Sie weiter so!

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus ich danke dir fĂŒr alles, was du fĂŒr mich getan hast. Manchmal bin ich auch blind und merke es nicht. Und vielleicht will ich auch Zeichen. Verzeih, und liebe mich.

Möglicher Vorsatz: Weniger zweifeln und eine gute Tat tun.


Sorgen trotz Jesu?

13. Februar 2018

Dienstag der sechsten Woche im Jahreskreis
Fastnacht
Hl. Jordan von Sachsen OP
Hl. Wiho, Bischof
Hl. Adolf, Bischof

P. Daniel Weber LC

Mk 8,14-21
In jener Zeit hatten die JĂŒnger vergessen, bei der Abfahrt Brote mitzunehmen; nur ein einziges hatten sie dabei. Und Jesus warnte sie: Gebt acht, hĂŒtet euch vor dem Sauerteig der PharisĂ€er und dem Sauerteig des Herodes! Sie aber machten sich Gedanken, weil sie kein Brot bei sich hatten. Als er das merkte, sagte er zu ihnen: Was macht ihr euch darĂŒber Gedanken, dass ihr kein Brot habt? Begreift und versteht ihr immer noch nicht? Ist denn euer Herz verstockt? Habt ihr denn keine Augen, um zu sehen, und keine Ohren, um zu hören? Erinnert ihr euch nicht: Als ich die fĂŒnf Brote fĂŒr die FĂŒnftausend brach, wie viele Körbe voll BrotstĂŒcke habt ihr da aufgesammelt? Sie antworteten ihm: Zwölf. Und als ich die sieben Brote fĂŒr die Viertausend brach, wie viele Körbe voll habt ihr da aufgesammelt? Sie antworteten: Sieben. Da sagte er zu ihnen: Versteht ihr immer noch nicht?

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich komme, um zu beten, ich will mein Bestes geben, ich will nicht an die Sorgen denken, sondern ich will dieses Gebet zu einer Begegnung mit dir machen.

Bitte: Gibt mir ein hörendes Herz. Lass meine Sorgen mich nicht erdrĂŒcken. Ich will vertrauen, weil ich an Dich glaube.

1. Sorgen trotz Jesu? Die JĂŒnger haben so viel Zeit mit Jesus verbracht. Manchmal trĂ€ume ich davon, Jesus zu treffen. Die JĂŒnger haben ihn nicht nur einmal gesehen, sondern sogar viel Zeit mit ihm verbracht. Aber trotzdem geben sie in dieser Bibelstelle keine gute Figur ab. Sie sorgen sich ums Essen. Voll peinlich, nicht wahr? Die JĂŒnger haben nichts gelernt, obwohl sie so viel gemeinsam mit Christus erlebt haben. Aber so kann es auch uns GlĂ€ubigen gehen. Wir kennen das Wort Gottes und haben Gottes Gnade im Leben erfahren. Aber wir stolpern trotzdem ĂŒber die Unebenheiten auf dem Weg des Lebens, statt auf Gott zu vertrauen.

2. Jesus ist nicht der nette Kerl von nebenan. Jesus liest die Zeitung; er kennt die politischen VerhĂ€ltnisse seiner Zeit. Er warnt vor Herodes. Jesus steht mit beiden Beinen auf dem Erdboden, er steht im Leben. Er ist nicht nur ein Lehrer, der in seinem frommen Wolkenkuckucksheim wandelt, sondern er sieht, was wirklich geschieht. Er kennt das Leben der Menschen seiner Zeit. Er ist nicht wie die PharisĂ€er, die Wasser predigen und Wein trinken. Nein, Jesus tut Gutes. Er teilt sein Brot mit Tausenden, er heilt den AussĂ€tzigen, er spricht mit der ausgestoßenen SĂŒnderin. Vielleicht kann uns Jesus deshalb so gut verstehen und auch lieben, weil er ein Leben wie wir gefĂŒhrt hat.

3. Mit meinem Gott ĂŒberspringe ich Mauern. Die JĂŒnger bedrĂŒcken menschliche Sorgen und sie merken gar nicht, dass sie die Lösung aller Probleme an Bord haben. Hunger und ein knurrender Magen sind real. Sie sind keine Theorie, aber Jesus kennt das und er hat sogar eine Lösung fĂŒr uns. Warum fĂ€llt es uns so schwer zu glauben und zu vertrauen? Große Fragen? Aber es gibt eine Antwort: Jesus hat sie. Er ist sie. Erinnern wir uns doch an die Momente, in denen wir im Herzen wussten: „Es ist wahr“. Als wir dem Göttlichen begegnet sind. In einem Psalm heißt es: „Mit meinem Gott ĂŒberspringe ich Mauern“ (Ps 18,30). Das galt nicht nur fĂŒr David und fĂŒr die Leute von frĂŒher, sondern es gilt auch fĂŒr uns. Mit Jesus ĂŒberspringe ich Mauern!

GesprĂ€ch mit Christus: Manchmal bin ich auch wie die JĂŒnger, die sich um Banales sorgen. Obwohl ich an dich glaube. Mach meinen Glauben und mein Vertrauen stark und lebendig.

möglicher Vorsatz:  Trotz der Alltagssorgen mit großem Vertrauen durch den Tag gehen.


Vom Sprechfasten

14. Februar 2018

Aschermittwoch
Hll. Cyrill und Methodius, Bischöfe, Schutzpatrone Europas
Hl. Valentin

P. Thomas Fox LC

Mk 6,1-6.16-18
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: HĂŒtet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten. Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir herposaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut. Dein Almosen soll verborgen bleiben, und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die TĂŒr zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trĂŒbseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Vater, das Geheimnis deines Wortes ist so tief. Danke, dass du mir dein Wort geschenkt hast. Lege es jetzt in mein Herz und lass es mich in Ruhe aufnehmen. Es soll mich nĂ€hren und Frucht bringen nach deinem Willen.

Bitte: Herr, lass mich in dieser Fastenzeit wissen, auf was ich fĂŒr dich verzichten und was ich fĂŒr dich tun kann!

1. Am Wort fasten. Es ist so notwendig, immer wieder auch am Wort zu fasten. Denn nicht nur bei der Nahrungsaufnahme (Fleisch, GemĂŒse, Obst, GetrĂ€nke) geschehen Fehler. Der Mensch, „lebt tatsĂ€chlich von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt“ (vgl. Mt 4,4). Und er leidet Schaden durch andersartige Worte. Denn oft wird das Wort missbraucht und Schindluder damit getrieben. Es wird verunstaltet und benutzt, um Verwirrung zu sĂ€en. Oft entflieht es unbedacht unserem Mund und ehe wir es zurĂŒckhalten können, richtet es Schaden an, vielleicht ohne dass wir es wollen. Es besitzt eben eine so hohe, königliche WĂŒrde und Kraft, dass man es nicht unĂŒberlegt benutzen sollte. Was bedeutet das im Taubenschlag meiner Gedanken und in einer Informationsgesellschaft, die uns mit einer wahren Flut von Worten ĂŒberschwemmt?

2. Ohne Worte beten. Im Gebet lerne ich, am Wort zu fasten. Jesus sagt doch, dass der Vater im Verborgenen ist und dass er das Verborgene sieht. Dort, in der verborgenen Kammer liest er meine Gedanken und sogar die Regungen meines Herzens, noch ehe ich sie ĂŒberhaupt in Worte gefasst habeerzens. Ist das nicht eine wunderbare Schule des Vertrauens? Wenn ich vor ihm still sein darf; wenn ich jeden Gedanken und jede Herzensregung ganz ruhig wahrnehmen, direkt vor ihn hintragen darf und daraus mein Gebet wird? Wenn ich nichts erfinden und nichts produzieren, sondern nur da sein muss? Wenn ich nicht mit meinem Kopf arbeite, sondern nur von Herzen immer wieder aufmerksam meinen Willen auf ihn ausrichte, – gehöre ich ihm dann nicht ganz? Zum wahren Beten gehört unweigerlich das Beten-Wollen, also die Arbeit des Herzens, aber kaum die des Kopfes. Und wenn dann Ruhe ist, lade ich als stillen Gast Sein Wort zu mir ein. Das genĂŒgt.

3. Mit Worten oder auch ohne Worte Almosen geben. Wenn ich mit Worten Almosen geben möchte, mĂŒssen es ruhige Worte sein, sie mĂŒssen einfach sein und klare Gedanken wiedergeben. So viel MĂŒhe verdient mein NĂ€chster. Ich muss mich also selbst beherrschen und mit meinen Worten das Wohl des anderen verfolgen. Noch wichtiger aber ist es, dass meine Worte von meinem Lebenszeugnis gestĂŒtzt sind. Wenn ich jemand bin, von dem man weiß, dass er zu seinem Wort steht, wird man mir gern zuhören. Außerdem brauchen Menschen weniger Worte als Zeit und Zuwendung von jemandem, der ihnen nahesteht. Deshalb kann ich auch ohne Worte Almosen geben, zum Beispiel, wenn ich jemandem gebe, was er braucht, ehe er darum bitten muss. Wenn ich ĂŒber einen offensichtlichen Fehler meines NĂ€chsten schweige und auf diese Weise Barmherzigkeit ĂŒbe; wenn ich zeige, dass ich darauf vertraue, dass er selbst seinen Fehler einsieht und ich ihm nicht tausend gute RatschlĂ€ge geben muss.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, wenn ich mich zwinge, zu schweigen, erfahre ich, wie die Welt eines stummen Menschen aussieht. Wie kostbar ist doch diese Gabe: die FĂ€higkeit zu sprechen, sich mitzuteilen. Lass mich gewissenhaft damit umgehen, meine Zunge als Werkzeug des Friedens einsetzen.

Möglicher Vorsatz: Ich werde in diesen Tagen sprechfasten und meinen „WortmĂŒll“ entsorgen.


Im Zeichen des Kreuzes

15. Februar 2018

Donnerstag nach Aschermittwoch
Hl. Siegfried von Schweden, Bischof
Hl. Claude de la Columbiere SJ
Hl. Drutmar OSB

P. Thomas Fox LC

Lk 9,22-25
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen. Zu allen sagte er: Wer mein JĂŒnger sein will, der verleugne sich selbst, nehme tĂ€glich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten. Was nĂŒtzt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt?

EinfĂŒhrendes Gebet: Ich mache das Kreuzzeichen. Ganz bewusst und langsam spreche ich die Worte dazu. Unter dem Schutz dieses Zeichens beginne ich das Gebet. Ich weiß nicht, welch großer Segen von meinem Gebet fĂŒr andere ausgehen könnte. Ich weiß nur, dass Gott gut ist und Gutes wirkt.

Bitte: Herr, bekreuzige du mich!

1. Wer mein JĂŒnger sein will. Als Jesus sich entschlossen nach Jerusalem wandte, um dort als Leidensknecht fĂŒr uns zu sterben, hatte er fĂŒr seine JĂŒnger eine klare Ansage. Wer ihm nachfolgen wollte, musste gewisse Bedingungen erfĂŒllen. Die erste war in dem Wort „Wer mein JĂŒnger sein will“ enthalten: Jesus setzt in uns einen entschlossenen Willen zur Nachfolge voraus und damit vor allem auch die rechte Gesinnung, denn nur so bleibt unser Blick ganz auf Jesus fixiert und unser Wille bestĂ€ndig. In diesem Sinn mĂŒssen wir uns also immer bewusst sein, dass unsere WĂŒnsche, SehnsĂŒchte und Stimmungslagen – einfach all das, was wir auf dem Herzen haben – unsere Entscheidung fĂŒr die JĂŒngerschaft schwĂ€chen oder auch bestĂ€rken kann. – Der neue Mensch steht und fĂ€llt mit dem, was er auf dem Herzen hat.

2. â€Šder verleugne sich selbst. Unser Herz und seine inneren Triebfedern werden nicht immer bereit sein, hĂŒbsch in der Reihe zu bleiben; sie werden nicht immer gleich dem Folge leisten wollen, was die grĂ¶ĂŸere Vernunft uns sagt. Daher werden wir zuweilen selbst das ablehnen mĂŒssen, was uns Herz und Verstand spontan gerne empfehlen wĂŒrden. Vergessen wir dann nicht, dass Gott uns Noblesse mit auf den Weg gegeben hat. Schon Plato hat die Seele mit einem doppelten Pferdegespann verglichen. Ein Pferd versucht immer vom Weg abzukommen. Aber dann ist da auch noch das noble, brave Pferd in uns, das den rechten Weg verfolgt. Übergeben wir dem Herrn die ZĂŒgel unserer Seele, damit er uns den noblen Weg entlangfĂŒhrt und unsere Ausbruchsversuche mĂ€ĂŸigen kann.

3. â€Šnehme tĂ€glich sein Kreuz auf sich. Der Herr schenkt uns ganz bestimmte Kreuze, die wir nicht abwerfen können. Bei anderen lĂ€sst er uns die Freiheit, sie zu tragen. Was tue ich mit meinen Kreuzen? Laufe ich vor ihnen weg, lehne ich sie ab oder beschwere ich mich ĂŒber sie? Fulton J. Sheen, ehemaliger Bischof von Rochester (USA) und eine bekannte Medienpersönlichkeit, klagte am Ende seines Lebens oft darĂŒber, dass so viel Leid in der Welt unnĂŒtz verschwendet werde. Verschwende ich mein Leid oder gebe ich ihm seinen erlösenden Wert, indem ich es bewusst mit Jesu Leid verbinde, in ihm einschließe und betrachte? Christus fordert mich doch dazu auf, mit ihm zu leiden. Könnte ich nicht auch am Kreuz Halt finden?Mit den Kreuzen anderer Menschen verhĂ€lt es sich anders. Es gibt Menschen, die UnsĂ€gliches leiden. Da bin ich immer berufen, wie Simon von Cyrene das Kreuz Christi mitzutragen und diesen Menschen Linderung zu verschaffen.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, im Kreuz erschließt du uns die Tiefe deiner Freundschaft. Um meinetwillen hast du UnsĂ€gliches erlitten. Du hast es aus Liebe und an meiner Stelle getan, denn die Strafe lag ursprĂŒnglich auf mir. Mach mich bereit, fĂŒr dich und meinen Mitmenschen Lasten zu ĂŒbernehmen.

Möglicher Vorsatz: Ich werde heute versuchen, mein Kreuz zu bejahen.


Wie tut man ein gutes Werk?

16. Februar 2018

Freitag nach Aschermittwoch
Hl. Juliana MĂ€rtyrerin
Hl. Phillipa Mareri OSCI, Äbtissin
Hl. Gilbert

P. Thomas Fox LC

Mt 9,14-15
In jener Zeit kamen die JĂŒnger Johannes‘ des TĂ€ufers zu Jesus und sagten: Warum fasten deine JĂŒnger nicht, wĂ€hrend wir und die PharisĂ€er fasten? Jesus antwortete ihnen: Können denn die HochzeitsgĂ€ste trauern, solange der BrĂ€utigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der BrĂ€utigam genommen sein; dann werden sie fasten.

EinfĂŒhrendes Gebet: â€žGanz ruhig“ sage ich mir. Gedanken, WĂŒnsche, Vorstellungen lasse ich erst einmal eine Weile los. Kein Handlungsdruck. Ich lebe. Und das nehme ich erst einmal bewusst und zwanglos wahr. Wenn ich dann ausreichend leer geworden bin, komm du, Jesus, zu mir. Komm!

Bitte: Christus, sei du mir in allem das Wesentliche!

1. Bin ich auch stolz auf mein Fasten? Die JĂŒnger des Johannes scheinen den Standpunkt zu vertreten, dass nur heilig sein bzw. heilig werden kann, wer fastet. Sicher fragen sie sich, warum Jesus so lasche Anforderungen an seine JĂŒnger stellt. Wenn er der Messias ist, sollte er dann nicht eine Elitegruppe heranbilden, die allerhöchsten asketischen Anforderungen entspricht? Doch Jesu Antwort deutet in eine andere Richtung: Nicht das Fasten als Ă€ußeres Werk heiligt den Menschen. Was vor allem zĂ€hlt, ist die innere Gesinnung, mit der man fastet, die Frage, „fĂŒr wen“ man fastet: Was zĂ€hlt, ist das reuige und umkehrbereite Herz, das den BrĂ€utigam (Gott) sucht. Der zerknirschte Geist ist es, der bei Gott Gefallen findet. Meister Eckhart schreibt: „Bist du gerecht, so sind auch deine Werke gerecht. Nicht gedenke man Heiligkeit zu grĂŒnden auf ein Tun, man soll Heiligkeit vielmehr grĂŒnden auf ein Sein, denn die Werke heiligen nicht uns, sondern wir sollen die Werke heiligen.“ (Traktate, Reden der Unterweisung, 4)

2. Die Beziehung zu Jesus Christus ist entscheidend. In seiner Antwort an die JĂŒnger des Johannes bindet Jesus das Fasten unmittelbar an seine Person. „Christsein“ bedeutet eben, eine sehr innige Beziehung zu Christus zu haben. Wie der heilige Ignatius von Loyola in seinen Exerzitien ausfĂŒhrt, geht es darum, den Herrn so tief zu kennen, dass das Herz mit Liebe zu ihm entfacht wird, und ihn so sehr zu lieben, dass es einen zur Nachfolge förmlich mitreißt, bis ans Kreuz. Der wahre Christ lebt in Schicksalsgemeinschaft mit seinem Herrn, und wenn sein Herr leidet, leidet er mit: Im Galaterbrief beschreibt der heilige Paulus das so: „Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,19-20).

3. Dankbarkeit und Liebe. Fasten heißt, Schmerz ĂŒber die Abwesenheit des Herrn verspĂŒren. In diesem Sinne aber auch und vor allem Schmerz ĂŒber die Boshaftigkeit und HĂ€sslichkeit der SĂŒnde, denn sie hat sein tiefes Leiden und seinen grausamen Tod verursacht. Zu denken, dass ich mitschuldig geworden bin und dieses ganze Geschehen auf Golgotha mit zu verantworten habe, dass ich im Zentrum seiner Gedanken stand, dass er mich bei alledem in der Mitte seines Herzen trug, ich Ziel seiner Liebe war
Paulus hatte das zutiefst verinnerlicht, ja sich als „Missgeburt“ bezeichnet, was ihn aber nicht dazu bewegte, niedergeschlagen, sondern dankbar und hingebungsvoll zu sein: „Soweit ich aber jetzt noch in dieser Welt lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich fĂŒr mich hingegeben hat“ (Gal 2,20-21).

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, es gibt so viele Menschen guten Willens. Ich möchte dafĂŒr beten, dass du die ganze Kraft dieses guten Willens zur rechten Entfaltung bringst. Lass unser ganzes Sinnen auf dich ausgerichtet sein. Lass uns von der Wurzel her, von Grund auf gut werden, in dir.

Möglicher Vorsatz: Wann immer es mir heute einfĂ€llt, werde ich sagen: FĂŒr dich, Jesus!


Ich glaube an die heilige Kirche

17. Februar 2018

Samstag nach Aschermittwoch
Hll. sieben GrĂŒnder des Servitenordens
Hl. Evermod, Bischof
Hl. Benignus, MĂ€rtyrer

P. Thomas Fox LC

Lk 5,27-32
In jener Zeit sah Jesus einen Zöllner namens Levi am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Levi auf, verließ alles und folgte ihm. Und er gab fĂŒr Jesus in seinem Haus ein großes Festmahl. Viele Zöllner und andere GĂ€ste waren mit ihnen bei Tisch. Da sagten die PharisĂ€er und ihre Schriftgelehrten voll Unwillen zu seinen JĂŒngern: Wie könnt ihr zusammen mit Zöllnern und SĂŒndern essen und trinken? Jesus antwortete ihnen: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die SĂŒnder zur Umkehr zu rufen, nicht die Gerechten.

EinfĂŒhrendes Gebet: O Herr, wie weit bin ich von dir entfernt! Und doch machst du dich auf zu mir und wirbst um mich, findest VorwĂ€nde, um mich zu entschuldigen. Du schaust wirklich nur auf mich und zĂ€hlst nicht die Kosten.

Bitte: Herr, lass mich deinen Ruf heute nicht verpassen!

1. Wie eine reife Frucht. Jesus ruft Levi, den Sohn des AlphĂ€us, den spĂ€teren Apostel und Evangelisten MatthĂ€us, in seine Nachfolge und es scheint fast so, als ob er ihn wie eine reife Frucht vom Baum pflĂŒcken wĂŒrde – so leicht und ohne Widerstand kann er ihn vom Zolltisch wegbewegen. Dem gehen wohl entweder Jahre tief empfundener innerer Leere und Sehnsucht voraus oder dieser Abgrund entstand in einem Augenblick völliger Klarheit vor dem inneren Auge des MatthĂ€us, als er sein Leben im Lichtglanz dessen betrachtete, der da vor ihm stand und um alles wusste.

2. Teil des Problems, Teil der Lösung. Levi war vorher Teil des Problems. Sein Leben war Gott und den Menschen ein Dorn im Auge gewesen. Doch mit Jesus schaffte er den Sprung auf die andere Seite und wurde Teil der Lösung. Aufgrund seiner Einladung lernten viele Jesus persönlich kennen und stellten ihr Leben auf eine neue Grundlage. Ja, das Festmahl, das er fĂŒr Jesus gab, dauerte ein Leben lang, denn seine Bekehrung war grĂŒndlich. Wo sie nicht vom alten oder neuen Heidentum geprĂ€gt ist, ist die Kirche wirklich eine Kirche von Bekehrten. Diese Bekehrten waren alle Teil des Problems und sind nun Teil der Lösung, allen Unkenrufen zum Trotz, – und zwar in dem Maß, in dem sie Jesus in sich Gestalt annehmen lassen. BemĂŒhen wir uns tĂ€glich, zu ihnen zu gehören.

3. Null-Toleranz, Arzt und Feldlazarett. Die PharisĂ€er treten auf und machen LĂ€rm. Sie fordern gegenĂŒber SĂŒndern eine „Null-Toleranz“. Doch sie sind von gestern. Erstens, weil sie nicht wissen, dass die Grenzlinie zwischen Gut und Böse in jedem einzelnen Menschen mitten durchs Herz verlĂ€uft. Und zweitens, weil Levi nur bis gestern in SĂŒnde war und nun ein reuiges Herz hat. Jedem Arzt genĂŒgt das EinverstĂ€ndnis des Patienten zur Operation, damit er ihm seine Hilfe nicht versagt. Eine „Null-Toleranz“ gibt es nur gegenĂŒber der SĂŒnde, nicht gegenĂŒber dem SĂŒnder, zumal, wenn er klare Anzeichen der Reue und der Bereitschaft zur Besserung gibt. Jesus jedenfalls hat die PharisĂ€er ihren Traum von den aseptischen Bedingungen ihrer OperationssĂ€le allein trĂ€umen lassen und sich als Arzt ins Feldlazarett von Kirche und Welt begeben.Was wĂ€re aus uns geworden, wenn Jesus uns nicht in seine Kirche gerufen hĂ€tte? Sicher, auch dort muss weiter operiert werden. Aber gerade dafĂŒr steht ja auch die Fastenzeit – nichts soll unter den Tisch gekehrt werden. Geben wir Jesus unser EinverstĂ€ndnis zur Operation!

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, dein Wort ergeht tĂ€glich an uns. Du rufst uns aus der Finsternis in dein wunderbares Licht. Wer könnte in Worte fassen, was dein Wort einer Seele bedeutet, der sich die nackte Dunkelheit nĂ€hern will? In deiner Kraft können wir sie von uns weisen.

Möglicher Vorsatz: Ich werde heute ein Gebet oder eine gute Tat aufopfern, um die Kirche zu heiligen und Wiedergutmachung fĂŒr geschehene MissbrĂ€uche zu leisten.